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Sonntag, 31. Mai 2015

Madonna mia!

Hans Schärer, 1927 bis 1997, Maler von Madonnen und erotischen Aquarellen. Beide Aspekte zeigt derzeit das Aargauer Kunsthaus in Aarau. Ich war diese Woche dort und machte Fotos. Voilà ein paar Madonnen und andere ikonische Frauengestalten, die übrigens interessant gemacht sind. Schärer baute gerne Steine, Muscheln oder Scherben ein, so dass seine Gemälde oft flächig sind, ja Reliefcharakter haben. Sie sind mal karnevalesk, mal Voodoo. Man gehe nach Aarau und schaue selber, es lohnt sich.

Samstag, 30. Mai 2015

Delsberg?

Delsberg/Delémont im ersten Weltkrieg: Verladen der Feldpost.
(Schweizerisches Bundesarchiv/Wikicommons)
Heute soll es von Delémont zum Pass von Les Rangiers gehen und dann hinab nach St-Ursanne. Aber sollte ich statt "Delémont" nicht den deutschen Namen verwenden, Delsberg? Ich glaube nicht; ich denke, dieser Zug ist abgefahren und das deutsche Wort in das Schattenreich der rein passiven Verwendung entschwunden. Es ist interessant zu sehen, wie sich einzelne deutsche Namen von Orten in der Romandie halten, während andere verblassen oder völlig vergessen sind. Keiner sagt: "Ich fahre heute nach Genève." Ebensowenig aber sagt einer, wenn er Saint-Imier meint: "Ich fahre heute nach Sankt-Immer." Bei Neuenburg/ Neuchâtel beobachte ich, dass tendenziell der französische Name auf- und der deutsche Name absteigt. Weiss übrigens noch jemand, was "Vivis" ist? Jawohl, Vevey.

Freitag, 29. Mai 2015

Bestialischer Stumpen

Tut mir leid, wenn das Foto ein wenig dunkel ist. Man siehts aber schon, oder? Ein altes Rössli-Stumpen-Werbeschild an einer Hauswand in Unterägeri. Waren das Zeiten, als die Männer noch Stumpen rauchten. Zum Beispiel der Bäcker Kürsteiner, der in den Sechzigerjahren auf dem Töffli am Samstag nachmittag um vier bei uns vorfuhr und ein unglaublich gutes Weissbrot auslieferte. Er rauchte beim Fahren. Immer noch besser als in der Beiz. Dort stank es jeweils bestialisch, als Kind hielt man das manchmal gar nicht aus. Wobei es Beizen und Beizen gab. Normale, in denen gemässigt geraucht wurde. Und, eben, Stumpenbeizen. Lang ists her.

Donnerstag, 28. Mai 2015

Kurts Buch über Marcos Leben

1995 fing ich beim Facts an, das damals auch anfing (mittlerweile ist das Heftli ja längst schon wieder tot). Unter vielen brillanten Kollegen einer der zwei, drei brillantesten war Kurt Brandenberger; er war Auslandchef. Jetzt hat Kurt ein Buch über Marco Camenisch geschrieben, den Italienischbündner, der im Gymnasium super Noten hat, es aber zum Leidwesen seiner Eltern vor der Matura verlässt; er will bei den einfachen Leuten sein, möchte ein Proletarier sein. Er kifft, macht ein Kind, um das er sich nicht gross kümmert, wird Hilfsarbeiter und Alternativbauer und und und. Vor allem aber beginnt er bald mit dem, was er selber "Widerstand" nennen würde, was ihm aber auch das Beiwort "Ökoterrorist" einbringt. Er sprengt Strommasten und Anlagen der verhassten Elektrizitätskonzerne. Schliesslich die Verhaftung und das Gefängnis. Er flieht mit ein paar Berufsverbrechern, taucht unter. Als ein Jahrzehnt später in Brusio ein Grenzwächter erschossen wird, deuten die Indizien auf ihn, den die Polizei nach der Tat wieder eingefangen hat. Er wird verurteilt, die Strafe ist hart. Seither, seit 25 Jahren, sitzt er im Gefängnis und ist für jüngere Leute, auch für gewalttätige, ein Vorbild. Ich muss gestehen, dass ich Radikale dieser Art nie verstanden habe. Aber Camenischs Leben wird durch Kurts Buch doch um einiges erhellt, ich empfehle es sehr zur Lektüre.
"Marco Camenisch. Lebenslänglich im Widerstand", von Kurt Brandenberger, Echtzeit Verlag.

Mittwoch, 27. Mai 2015

Tag der offenen Wand

In Hochfelden ZH gewährte uns vor einiger Zeit ein verfallender Fachwerkbau Einblick in das Geheimnis seines Aufbaus. Wo der weisse Verputz weg war, sahen wir Weidengeflecht und darin als Füllung - nun, was war die Bröckelware einst, Erde oder Lehm? Stroh glaubten wir auch zu erkennen an diesem Tag der offenen Wand.

Dienstag, 26. Mai 2015

Zwei Stunden in Mittelerde

Gestern Fahrt nach Jenins und Besuch des Greisinger Museums. Es heisst so nach Bernd Greisinger, einem früheren Bankkaufmann aus Deutschland, der offenbar Geld scheffelte. Er kaufte damit überall auf der Welt Tolkien-Objekte zusammen und eröffnete vor zwei Jahren an seinem neuen Lebensort in der Bündner Herrschaft besagtes Museum. Eine geführte Tour dauert mehr als zwei Stunden, kostet 50 Franken und ist erschlagend - eine unglaubliche Fülle an Gegenständen aller Art erwartet einen; indestens ebenso interessant ist das Museum selber, ein unterirdischer Bau nach Hobbitart. Doch, die Reise nach Mittelerde hat sich gelohnt.
Soweit meine sechs Fotos. Die Frau, Enza, une Romande, war unsere Führerin.

Montag, 25. Mai 2015

Geometrie in Bern

Bern, die Matthäuskirche mit dem spätantiken Amphitheater.
Was war die Samstagswanderung von Bern nach Schüpfen und Ruppoldsried vielfältig! Hier ein paar Dinge am Weg:
So wird man im Resti gern empfangen.
  • Der Blutturm, der unten an der Aare die eine der Berner Stadtbefestigungen abschliesst. Unheimliche Sache, man nannte ihn auch Hexenturm.
  • Das spätantike Amphitheater gleich neben der Matthäuskirche im Rossfeld. Geometrische Sache; die Kirche ist ein Dreieck, ihr Turm ein Viereck, das Theater ein Kreis.
  • Die Reichenbachfähre, mit der wir die Aare in ihrer Schleife nördlich von Bern überquerten. Mythische Sache, Fährefahren weckt immer gleich die Bilder vom Fährmann Charon, den Flüssen Acheron und Styx und dem Totenreich Hades.
  • Schloss Reichenbach, das mit einer Brauerei untrennbar verwachsen ist. Enttäuschende Sache: Wir hatten es uns grösser vorgestellt, wie Leute aus Zürich das in allem zu tun pflegen. Gut gefiel uns die Gartenbeiz gleich bei der Fähre.
  • Ein menschenhohes Sudoku im Weiler Unterlindach. Unterhaltende Sache. Theoretisch. Die Bise trieb uns weiter.
  • Der Zmittag im Schüpbärg-Beizli. Schmackhafte Sache, auch wenn wir vielleicht ein wenig lang verhockten.
  • Der römische Votivstein in der Kirche von Rapperswil, über den ich gestern berichtete. Bewegende Sache; mein Gemüt gerät stets in Wallung, wenn es etwas berühren kann, das uralt ist und bis zu uns durchgehalten hat.
Sudoku in Unterlindach.
Doch, wir sahen am Samstag viel. Hier die Route: Bern Bahnhof - Blutturm - Aaregg - Matthäuskirche mit Amphitheater - Reichenbach-Fähre - Unterlindach - Kirchlindach - Schüpberg - Schüpfen - Rapperswil - Wengi - Ruppoldsried (7 Stunden).

Sonntag, 24. Mai 2015

Wir huldigten Merkur

Der Votivstein von Rapperswil. Links die Silbe EX.
Der nahe Freiheitsstein.
Auf unserer gestrigen Wanderung (ein Bericht folgt morgen) kamen wir auch nach Rapperswil BE. Auf Wikipedia hatte ich gelesen, dass es dort im Garten des Pfarrhauses einen römischen Votivstein gebe, einen dem Gott Merkur gewidmeten Gelübdestein. Eventuell war er Teil eines Merkurtempels, steht auf der Homepage der Kirchgemeinde zu lesen. Wir suchten. Ein Mann sagte uns, wo das Pfarrhaus stand: bei der Kirche die Treppe hinab. Wir fanden das Haus, stellten fest, dass der Garten äusserst privat wirkte und im Haus ein Arzt wohnte. Wir klingelten, keine Antwort. Dann fiel unser Blick auf die andere Strassenseite, wo ein Stein mit einer Tafel stand. Wir gingen ihn anschauen. Nein, das war nicht unser Stein. Aber auch interessant - es handelte sich um einen Freiheitsstein* von 1521. Offenbar waren es ursprünglich vier solche Steine, die ein Areal bezeichneten, innerhalb dessen Asylrecht galt. Wer sich in dem Geviert aufhielt, konnte nicht belangt werden, durfte weder festgesetzt noch verschleppt werden. Als wir die paar Meter zurück zum Pfarrhaus gingen, fuhr ein Auto vor, eine Frau stieg aus: Ja, sie wohne hier, dies sei ihr Garten. Und wir seien, abgesehen von den Archäologen, die ersten Leute, die sich für den Stein interessierten. Sie zeigte uns diesen, während uns ihr riesenhafter Hund umtanzte; der Stein war in die Mauer am Hang hinter dem Haus eingelassen. Nun ja, lesen konnte man von der Inschrift gar nichts ausser der Silbe EX. Und doch: Expedition mit Erfolg abgeschlossen!

Man lese auch meine Kolumne über Attiswil, wo es den sogenannten Freistein gibt.

Samstag, 23. Mai 2015

Die Fähre und der Fischer

Beat Fischer. Von Johann Rudolf Huber, 1696.
(Wikicommons)
Ein Mann in einem schwarzen Cape. Ein Schimmel. Nacht und viel wabernder Bodennebel. So beginnt das Video zu "Don't Pay The Ferryman" von Chris de Burgh, einem Klassiker, den ich immer wieder gern höre. Das Lied passt zum heutigen Tag. Allerdings wird es nicht ein Ferryman sein, sondern eine Ferrywoman, die zwischen der Engehalbinsel im Norden Berns und Schloss Reichenbach die Fähre steuert und uns ans andere Ufer helfen soll. Die Fähre zählt im Übrigen zum öffentlichen Verkehr der Region, hat somit klare Betriebszeiten und die Verpflichtung, auch bei schlechtem Wetter zu fahren. Eingerichtet wurde sie, weil der britische Botschafter Johannes Burnaby Mitte des 18. Jahrhunderts ein Problem damit hatte, dass ihm die Aareschleife einen Umweg aufzwang, wenn er nach Bern reisen wollte. Die Berner Obrigkeit richtete ihm eine Fähre ein. Heute werden pro Jahr gut 7500 Erwachsene und 2000 Kinder transportiert, dazu Velos, Kinderwagen und Hunde. Das Boot, acht Meter lang, ist aus Kunststoff. Und nun noch zum Herrn auf dem Bild zur Linken. Das ist Beat Fischer, Pionier des bernischen Postwesens. Für ihn wurde Schloss Reichenbach 1688 gebaut. Fischer war auch der Gründer der ersten Berner Wochenzeitung, der 1677 lancierten "Gazette de Berne". Was für ein innovativer Herr!

Freitag, 22. Mai 2015

Jener Sommer 89

Damals in Palmyra.
Palmyra, arabisch Tadmur, ist in der Hand der IS-Barbaren. Das meldet das Radio. Oh Graus. Mir fällt jener Sommer 89 ein, in dem wir die Oasenstadt besuchten. Wir, das waren eine Handvoll Berner Arabisch-Studis und ein paar gleichaltrige junge Syrer; man hatte sich in Homs kennengelernt. Heiss war es, staubig, wir gingen endlos durch die Ruinen, tranken dann im Schatten Bier. Und einer der jungen Syrer sagte, dass dort hinten in der Wüste, dort hinten... Er begann zu flüstern. As-sidschn, flüsterte er und wurde ganz bedrückt. As-sidschn: das Gefängnis. Er meinte ein Foltergefängnis. Damals herrschte noch Asad-der-Vater. Heute ist es Asad-der-Sohn, besser ist gar nichts.

Donnerstag, 21. Mai 2015

Asche zu Asche

Ein Kerzomat, 3 Fr. kostet eine Kerze.
Gestern musste ich nach Sissach. Am Morgen fiel mir ein, dass ich mir schon lange mal in Läufelfingen den Tierfriedhof am Wisenberg anschauen wollte, eine rare Einrichtung in unserem Land. Und dass die zwei Baselbieter Orte nicht weit auseinander liegen. So fuhr ich nach Läufelfingen und erst später nach Sissach. Der Tierfriedhof, 15 Gehminuten vom Bahnhof entfernt, war recht gross und sah eigentlich aus wie ein Menschenfriedhof. Nun, vielleicht etwas weniger ordentlich.  Übrigens kann man sich nach dem eigenen Ableben in kremierter Form auch mit dem verblichenen Haustier zusammen beerdigen lassen. Asche zu Asche.

Mittwoch, 20. Mai 2015

Gitagot? Fasnachtsschnitta?

Oh du schönes Wallis: eine alte Suone.
"Es habe noch jedem getagt." So übersetzte ich kürzlich die Redewendung, die ich auf der Dialektseite "Wallissertitsch" des "Walliser Boten" entdeckte. Ich fragte mich allerdings, ob einer aus Hamburg oder eine aus Dresden überhaupt merkt, dass dieser Satz Deutsch ist:
Äs heigi no jedem gitagot.
Wer sich für die Walliser Mundart interessiert - hier ein sehr schöner Aufsatz mit vielen Wort-Müsterli. Man erfährt darin zum Beispiel, was eine "Fasnachtsschnitta" ist. Ein Geländestück, das einer an der Fasnacht beim Spielen oder Zechen verlor.

Dienstag, 19. Mai 2015

Meine tägliche Wanderung

Seit vielen Wochen ist die Strasse zu meinem Haus auf 700 Metern aufgerissen. Immer wieder mal fehlt ein neuer Trottoirabschnitt, klafft ein neues Loch, versperrt eine neue Barriere einen Hauszugang, brummt eine neue Grossmaschine und versperrt den Weg. Bis mindestens in den Herbst hinein soll das so weitergehen. Fussgänger ziehen, wenn sie hinunter zur Bahnstation halten, mit Vorteil gute Schuhe an, man will sich ja nicht den Fuss verknacksen. Als Wanderer ist man im Vorteil, Erfahrung im groben Terrain ist derzeit an der Langwattstrasse in Zollikerberg ein grosses Plus.

Montag, 18. Mai 2015

In Kaiserstuhl floss Edelblut

Schloss Rötteln (D) gegenüber Kaiserstuhl.
Blick von Kaiserstuhls Brücke auf den Rhein.
Das war am Samstag mal wieder eine Wanderung von Charakter! Knapp 32 Kilometer lang, exakt acht Stunden Gehzeit, 669 Meter aufwärts und 646 Meter abwärts. Wir gingen von Bülach nach Hochfelden, nahmen den Strassberg, kamen nach Windlach, versuchten eine alte Hausinschrift zu entziffern, bewältigten den Ämperg, stiegen ab nach Weiach und erreichten endlich am Rhein das alte Städtchen Kaiserstuhl, auf der anderen Flussseite ist Deutschland. Von der Wasserburg Schwarzwasserstelz, verewigt in Gottfried Kellers Novelle "Hadlaub", ist tatsächlich nichts geblieben. Nervig die Schweizer Shopper, die mit ihren Autos durch das historische Städtchen lärmten. In Kaiserstuhls "Fischbeiz" assen wir ausserordentlich gut, und vom Rotwein Edelblut aus Tegerfelden möchte ich mir unbedingt ein paar Flaschen besorgen, ein höllisch würziger Trunk war das. Hernach die zweite Etappe, die etwas länger und strenger war als die erste: hinüber nach Fisibach, auf den Sanzenberg und via den Haggen zum Stadlerberg mit einem Abstecher zu den Erdwällen einer prähistorischen Fluchtburg. Vom Aussichtsturm aus Holz sahen wir die beleuchtete Landepiste von Kloten und hatten direkt über uns die Flugzeuge. Unten in Bachs hätte die Wanderung bald darauf enden können, aber die haben dort miserable Postauto-Verbindungen. So querten wir einen letzten Hoger und beendeten die Sache eine Stunde später bei der S-Bahn-Station von Steinmaur.
Wassergetier in der "Fischbeiz": Forelle, Zander, Crevette auf Risotto.
Dessert mit Cheesecake, Mousse, Erdbeeren, Rhabarberglace.

Sonntag, 17. Mai 2015

Wasabi ins Haar

Zwei Fotos von der Tour Winterthur-Flaach, die wir unlängst machten. Mir ist nicht klar, was Julius Caesar mit Kleintieren zu tun hat, wirklich gar nicht. Und wenn ein Coiffeursalon "Wasabi" heisst, frage ich mich, ob die den Kunden Wasabi auf den Haarboden schmieren, Durchblutung anregen und so.

Samstag, 16. Mai 2015

Wir machen ein U

Schwarzwasserstelz von Julius Lange, 19. Jahrhundert.
(Wikicommons)

Wir setzen heute noch einmal auf Flachland und wandern von Bülach nach Kaiserstuhl und, nach dem Zmittag, nach Steinmaur. Das ergibt, wenn man es auf der Karte zeichnet, in etwa ein auf dem Kopf stehendes U. Eventuell werde ich bei Kaiserstuhl ein bisschen in literarische Fantasien abtauchen. Einst stand dort im Rhein die Burg Schwarzwasserstelz; eben habe ich die Novelle "Hadlaub" von Gottfried Keller gelesen, der dort die schöne Fides wohnen lässt, welcher wiederum der Minnesänger Hadlaub mit Haut und Haaren verfallen ist. Eine schöne Geschichte - mit einem Happy End. Allerdings: Schwarzwasserstelz ist offenbar ganz abgetragen. Ihr Standort wird heute durch einen Bunker markiert.

Freitag, 15. Mai 2015

Angel Dust in Schaffhausen

Eine Bushaltestelle in Beringen, Kanton Schaffhausen. Darunter eine Werbung. pcp.ch verkauft elektronische Ware und Computer. Guter Name? Mein Problem ist, dass ich bei den drei Buchstaben an die Droge PCP denken muss, auch Angel Dust genannt. Ein gefährlicher Stoff, der zu den dissoziativen Drogen zählt, seine Konsumenten in die absonderlichsten Wahnzustände versetzt und auch schizophrene Schübe auslösen kann. Das Wort pcp lässt mich gruseln.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Ich gab mir den Spir

Der Vorderrhein in der Ruinaulta-Schlucht, gesehen vom Spir.
Die Anzeigetafel im Bahnhof Zürich zeigte mir gestern morgen um 5.40 Uhr ein Problem mit der Gotthardlinie an: Strecken-Unterbruch in Erstfeld, Ersatzbusse im Einsatz, massive Verspätungen. Ich griff zum Handy, wählte den Dropbox-Ordner mit meinen Wanderideen und suchte mir meinen Plan B; Plan A wäre Chiasso gewesen. Ah ja, genau, schon seit einiger Zeit wollte ich mir "Il Spir" ansehen. Ich fuhr nach Chur, stieg um nach Flims, war um neun da, zottelte eine Stunde durch den Wald hinab nach Conn - da war der "Spir" oder Mauersegler, wie die Aussichts-Plattform über der Ruinaulta-Schlucht auf Deutsch heisst. Der Blick auf den Vorderrhein 350 Meter unter mir war grandios. Nachdem ich mich sattgeschaut hatte, setzte ich fort nach Trin-Digg und Tamins. Dort Wanderende nach dreieinhalb Stunden, ich fuhr heim und fand, dass ich etwas Schönes gesehen hatte. Nach Chiasso geht es später einmal.
Die Plattform erinnert wirklich an einen Vogel.

Mittwoch, 13. Mai 2015

75B

Heute nur ein kurzer Eintrag, ich will gleich los und um sechs in Zürich den Zug ins Tessin nehmen; es geht nach Chiasso, eine lange Fahrt. Verschiedene Dinge will ich mir dort unten wandernd zuführen, darunter zum Beispiel den Grenzstein 75B, der den südlichsten Punkt unseres Landes markiert. Ebenso wie auf das Laufen freue ich mich auf das Reisen, ich führe einiges an Literatur mit, etwa Gottfried Kellers "Züricher Novellen" sowie einen ebenfalls schon angelesenen Krimi von P.D. James, in welchem ein Serienmörder namens "The Whistler" in Norfolk sein Unwesen treibt. Sowie diverse Heftli. Doch, ich bin gerüstet für gut acht Stunden Zug.

Dienstag, 12. Mai 2015

Ballys pädagogischer Patriotismus

Das "Tor" zum Park, wenn man von Schönenwerd her kommt:
das Bally-Kosthaus von 1919, eine soziale Einrichtung für die Arbeiter.

Das Pfahlbauerdörfchen. Eine Brücke gibt es nicht.
Tausend Mal im Zug von Zürich nach Bern Schönenwerd passiert, immer wieder mal den Park zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Kürzlich gingen wir hin und durchzogen den Bally-Park. Er entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und liegt zwischen der Aare und dem ehemaligen Fabrikkanal. Sein Stifter war Carl Franz Bally, der Begründer der Schuhfabriken, der die öffentliche Anlage aus Unternehmer-Stolz, aber auch aus Bürgersinn und sozusagen pädagogischem Patriotismus begründete. Er wollte den Leuten ein Flaniererlebnis und Naherholung bieten und zudem die Identität des jungen Bundesstaates zelebrieren. Darum das Pfahlbauerdörfchen; in den Pfahlbauern sahen die Schweizer damals ihre wahren Vorfahren. Der Bally-Park ist bis heute eine tolle Sache, man kommt in zehn Gehminuten der Aare entlang (flussaufwärts) hin.

Montag, 11. Mai 2015

Auf einmal waren sie weg

Beromünster vom Schlosswäldli (Waldkathedrale) aus gesehen.
Samstag: von Sursee via Schenkon und Grüt auf den Blosenberg zum stillgelegten Turm des einstigen Landessenders Beromünster und auf dem "Radioweg" und durch die Waldkathedrale nach Beromünster. Daselbst Zmittag. Hernach weiter zur Wendelkapelle und über den bewaldeten Erlosenkamm nach Römerswil und hinab nach Hochdorf (6 1/4 Stunden, 24 km, 530 m aufwärts, 550 abwärts). Ein paar Dinge:
Sieht gut aus, oder?
  • In Sursee schauten wir uns den Pranger am Rathaus an. Eine Frau fragte uns, ob wir die für die Stadtführung angemeldete Gruppe seien. Sie sei die Führerin. Hätten wir ja gesagt, wäre es gleich losgegangen.
  • In Greuel sahen wir neu gebaute Häuser, die zum Namen dieses Ortsteils von Schenkon passten.
  • Auf dem Grüt gsprächleten wir mit einem alten Bauern. Er sagte, früher sei er viel in die Berge und habe einmal in Italiens höchster Berghütte übernachtet. Sie liege auf 6700 Metern.
  • Auf dem Blosenberg sichteten wir bei Hörstation 7 des Radiowegs eine pendelartig aufgehängte Kugel. Kunst? Wer dazu etwas weiss, bitte melden!
  • Die Waldkathedrale kurz vor Beromünster war toll und untoll zugleich. Die Prachtanlage, angelegt für die Chorherren des Stifts zu Beromünster und deren Lustwandeleien, war einst eine Art englischer Garten mit niedrigen Bäumen, Hecken, Rasen. Weil man sie später dem freien Wachstum überliess, ist die geometrische Herrlichkeit nur noch erahnbar.
  • Sehr gut das Essen im Hirschen, einem charismatischen Gemäuer neben dem Stift. Ich hatte ein Kalbssteak mit Morchelsauce, Spargeln, Frühkartoffeln, dazu gab es Rotwein.
  • Im Erlosenwald kamen wir zum Vogelmoos. Eine traumhafte Naturfläche; zuhause fand ich heraus, dass sie gar nicht alt ist. 
  • Selbst die allerrobusteste Blase der Welt kann an ihre Grenzen stossen. Nach Römerswil musste ich pinkeln und schlug mich kurz in die Büsche. In der Zwischenzeit schaffte es mein Grüpplein, vom rechten Weg abzukommen. Ich langte allein in Hochdorf an, trank ein geeistes Sagres und koordinierte per Handy das Wiedersehen mit den anderen im Zug Richtung Lenzburg.
    Im Vogelmoos.

Sonntag, 10. Mai 2015

Abschaffe!

Alles auf Erden vergeht, bloss die Verwaltung besteht; man weiss es ja. Angesichts des neuen, superteuer gemachten Jahresbericht-2014-Heftlis der Swisstopo, also des Bundesamtes für Landestopographie, dachte ich: Wozu? Wozu ein solches Heftli? Vermutlich dazu, dass der Direktor Fridolin Wicki cool aus der Tür eines Landestopographie-Flugzeuges schauen darf - um in seinem Geleitwort unsägliche Wischiwaschi-Managerspeak-Sätze abzusondern:
"Die fachlichen Kompetenzen, die Erfahrung und die persönliche Motivation unserer Mitarbeitenden in Kombination mit Offenheit und Neugierde sind unser grösstes Kapital. Darauf bin ich enorm stolz - und überzeugt, dass wir für die Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet sind."
Gähn. Abschaffe! Den Chef und das Heftli. Das Bundesamt natürlich nicht.

Samstag, 9. Mai 2015

Blosenberg, wir kommen

Schmuck, der Blosenbergturm.
(Wikicommons/ Rekoki)
Heute geht es von Sursee dirkt in die Mediengeschichte. Wir wollen zum Blosenbergturm, einst Hauptsendeturm des Landessenders Radio Beromünster, das 1931 startete und 2008 stillgelegt wurde. Vom Blosenberg soll es auf dem jungen Radioweg - einem Themenweg mit Hörstationen - hinab nach Beromünster gehen. Ich freue mich.

P.S. Zürich stimmt bald einmal ab, ob es an ein Zürich-Museum zahlen will; es geht um eine Ausstellungsfläche im bestehenden Landesmuseum, auf welcher die Stadt ihre Geschichte, Gegenwart und Zukunft darstellen würde. Ich und zwei Tagikollegen schauten uns in diesem Zusammenhang in Bern, Basel, Lausanne und Genf um: Wie präsentieren sie dort ihre Historie? Der Artikel ist interessant geworden, meine ich; hier kann man ihn nachlesen.


Freitag, 8. Mai 2015

Leidenschaftlicher Einzelgänger

Mein Wanderfreund René P. Moor legt ein neues Buch vor mit einem schönen Titel: "Rucksacktage". 50 Schweiz-Routen sind darin gesammelt, vor allem Kolumnen aus der "Tierwelt". Moor liest man immer gern, er hat das Auge für witzige Details und Bizarrerien des Alltags; es geht zum Beispiel nach Moskau, einem Weiler der Schaffhauser Grenzgemeinde Ramsen. Überhaupt staune ich immer wieder, wie Moor, übrigens auch ein begnadeter Fotograf, die Energie findet, ungewöhnliche Übungen zu veranstalten - wo andere in der kalten Jahreszeit die Sonne suchen und sich um die Bergbahnen scharen, propagiert er den "Reiz des Winterschattens" zwischen Schwanden und Aussereriz und steigt in die vereisten Gräben, wo Ruhe herrscht. René P. Moor: ein leidenschaftlicher Einzelgänger.

Donnerstag, 7. Mai 2015

Die Karrenspurenexpedition

Schöner Wanderstart: Blick von der Station Vuiteboeuf nach Vuiteboeuf.
Reizend das Wetter, als ich gestern gegen halb zehn in Vuiteboeuf eintraf, einem Dörfchen über Yverdon; schnell treibende Wolken teilten sich den Himmel mit der Sonne. In zweieinhalb Gehstunden stieg ich nach Ste-Croix auf. Es war eher eine geschichtliche Exkursion als eine Wanderung; ich folgte der ausgeschilderten "voie historique" durch den Hang und liess mir von den Infotafeln die Sache mit den Rillen im Kalkstein erklären. Im 17. und 18. Jahrhundert trieben die Gnädigen Herren von Bern einen schwunghaften, per Monopol abgesicherten Handel mit Salz aus grenznahen französischen Salinen. Im Steilgelände von Ste-Croix hinab nach Vuiteboeuf hatten die Ochsenkarren ein Problem, die kostbare Fracht konnte rutschen und kippen. Die Rillen, quasi Schienen, halfen, man spurte ein, blockierte die Räder, schlitterte kontrolliert abwärts - geniale Sache. Wer es genauer will: hier der Aufsatz eines Forschers.
Die verflixten Rillen waren gar nicht einfach zu fotografieren.

Mittwoch, 6. Mai 2015

La voie à ornières

Heute geht es in den Waadtländer Jura. Zwischen Vuiteboeuf und Sainte-Croix will ich mir die Spuren alter Wagengeleise anschauen. In der frühen Neuzeit nämlich bewältigten Ochsenkarren und dergleichen die steile Passage zwischen den zwei Orten abwärts mit Hilfe in den Kalk geschlagener Schienen. Man blockierte die Räder, rutschte kontrolliert zu Tale, eine Vorwegnahme des Prinzips Eisenbahn oder Tram. An manchen Stellen sieht man die alten Rillen offenbar noch, man nennt diese Sorte Strasse auf Französisch "voie à ornières". Eine hübsche französische Redewendung, übrigens: "sortir de l'ornière", aus dem alten Trott ausbrechen.

Und da wir somit bei sprachlichen Dingen gelandet sind: Wie nennt man einen Einwohner von Sainte-Croix? "Sainte-Croisard", hätte ich jetzt spontan gesagt. Falsch! C'est un Sainte-Crix.

Dienstag, 5. Mai 2015

Wer bist du, Toter?

Am 1. Mai ging ich kurz ins Wallis, jemanden besuchen. Zudem machte ich in Leuk einen Halt und schaute mir die Stephanskirche und vor allem deren Beinhaus an; hatte ich schon lange tun wollen. Fast 20 Meter lang ist die Schädelwand im Beinhaus, gut 2 Meter hoch und wohl gegen 2 Meter tief. Zuhause lud ich die Fotos von der Kamera auf den Computer hoch - das Verarbeitungsprogramm iPhoto reagierte auf dieselbe Weise wie immer, wenn auf Fotos Menschen auftauchen: Es bat mich, die Herren und Damen zu identifizieren.

Montag, 4. Mai 2015

Dick und dünn in Flaach

Rapsfelder bei Desibach.
Die samstägliche Expedition in den Spargel war lang und beglückend. Der Regen hörte auf, nachdem wir vom Bahnhof Winterthur 45 Minuten gelaufen waren. Durchs Lind und über den Steg beim Bahnhof Grüze kamen wir auf den Goldenberg, hielten über den Lindberg und hinab nach Forrenberg, erreichten endlich via Unterohringen, Riet, Hofstetten das Zwischenziel Neftenbach. Kaffeehalt im Pöschtli. Dessen Stil darf man vielleicht als bizarr bezeichnen. Die junge Serviererin konnte auf meine Frage "Haben Sie Pommes Chips" nicht mit Ja oder Nein antworten, sie hatte keine Ahnung, was Pommes Chips sind. Hernach der zweite Teil: Über Steig und Wisshalden nach Desibach und über Wattiker, Chriegäcker, Eigental nach Flaach und weiter durch die Ebene nördlich des Dorfes zum Gislerhof im Boden. Den Rückweg von dort nach Flaach mitgerechnet brauchte die ganze Sache knapp 6 1/2 Stunden (26 Kilometer, 338 m aufwärts, 415 m abwärts) - und wenn ich das wichtigste Merkmal der Unternehmung nennen müsste, so die goldgelben Rapsfelder.

Abgesehen vom Spargel natürlich. Gislers werfen in den drei Monaten der Spargelsaison alles an die Verkaufs- und Servierfront, was sie haben; den Dessert servierte uns strahlend ein kleines Mädchen. Jedes Jahr bauen sie ihre mehrräumige, teilweise mit Heizstrahlern versehene Besenbeiz neu und dekorieren sie anders. Heuer war das Thema "Birke", die Lampe über unserem Tisch war in einen Birkenprügel eingebaut. Der Spargel war dann wirklich fein. Ich nahm meinen mit Hollandaise und leistete mir dazu eine Portion Pommes Frites, weswegen mich Wanderfreund R. als Barbar beschimpfte. Etwas, was jetzt bitte nicht als grosse Kritik gelesen werde, aber doch erzählt sei: C. fiel auf, dass unsere Spargeln dünn waren. Sie fragte die eine Servierfrau, ob auf dem Hof keine dickeren wüchsen. "Momoll", antwortete die Frau. "Aber die dicken Spargeln liefern wir an die Gastrobetriebe. Und die dünnen muss schliesslich auch jemand essen."