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Freitag, 30. September 2016

Vom Schulmeister und vom Prügeln

Das von 1797.
Das von 1845,
Im Dorfkern von Opfikon gibt es alte Schulhäuser. Das älteste wurde 1797 gegen den Widerstand der bäuerlichen Bevölkerung gebaut, die dergleichen nicht nötig fand; zuvor hatte der Schulmeister bei sich zuhause unterrichtet oder in Räumen, die er ad hoc organisierte. In diesem ersten Schulhaus gab es auch Armenwohnungen und Arresträume. Der Lehrer musste auch noch die Glocke des nahen Turms läuten und dessen Uhr richten. Rechenunterricht gab es übrigens nur ein Jahr lang, für die Kinder von Bessergestellten und Handwerkersöhne. Weiter unten im Dorf steht das ehemalige Schulhaus von 1845. Der Lehrer, ein Jakob Hintermeister, musste täglich fünf Stunden gut 90 Schüler in sechs Klassen unterrichten. In der Schulordnung steht folgender Satz: "Niemand als der Schulmeister oder sein Helfer sollen ruthen oder stecken führen, und diese soll man so wenig als möglich gebrauchen, füraus kein Kind auf den Kopf schlagen." Erfahren habe ich das alles während eines Rundganges im alten Opfiker Dorfkern, wo an vielen Häusern Informationstafeln von früher erzählen.

Donnerstag, 29. September 2016

Ralph und seine Bäume

Als Wanderer sieht man ja permanent Bäume. Schon daher passt es, wenn ich auf eine Ausstellung in Zürich zu ebendiesem Thema hinweise. Etwas anderes motiviert mich viel mehr: Ich finde elementar und stark Gefallen an der Einladungskarte, was sicher mit dem Expressiven dieser Kunst zu tun hat. Gemalt hat die Bäume respektive Baumgruppen der Toggenburger Ralph Brühwiler, den ich seit langem kenne. Und zwar mit Neocolor - kennen wir doch alle aus der Schule. Ralph fand seine Bäume auf langen Erkundungstouren im Thurgau, er fotografierte hunderte und bestimmte dann seine Sujets von Hängebirke bis Rosskastanie. Neben den Neocolor-Werken zeigt er auch mit Wachspastellen geschaffene Baumbilder; ich habe mir fest vorgenommen, mal zur Ausstellung hinzuwandern.

„Rost & Gold“, Uetlibergstrasse 15 in Zürich. 6. bis 28. Oktober. Jeweils Do und Fr von 12 bis 19 Uhr sowie Sa von 11 bis 18 Uhr. Der Künstler ist Freitags von 18 bis 19 Uhr anwesend. Vernissage am 6. von 17.30 bis 20.30.

Mittwoch, 28. September 2016

Die unpoetische Schneeflocke

Bald schneit es wieder. Reine Poesie,
oder? (Wikicommons/ Stöhrfall)
Die Kurzgeschichte heisst "Als die kleine Schneeflocke die Sonne traf". Klingt gut, oder? Einem der Leiter einer Wandergruppe für Senioren in Oetwil am See gefiel die Geschichte so gut, dass er sie integral auf einer Wandereinladung abdruckte. Hätte er natürlich nicht tun dürfen, ohne von der Autorin die Erlaubnis einzuholen. Was dann passierte - darüber berichtete der "Kassensturz", und der Tagi zog diese Woche nach: Der Brief einer deutschen Anwaltskanzlei ereilte die liebe Wandergruppe. Die Herren Juristen verlangen im Namen der Autorin Elke Bräunling 1295 Euro. Dass die Gruppe zahlen muss, scheint klar, denn es handelt sich um Urheberrechtsverletzung; ob es gleich soviel sein muss, weniger; die Zürcher haben jedenfalls in Deutschland um Fristerstreckung sowie Reduzierung der Summe ersucht. So poetisch der Titel der literarischen Geschichte auch klingt, sie hat im realen Leben eine ziemlich krude Wirkung.

Dienstag, 27. September 2016

Der Todessumpf von Niederweningen

Das Skelett des Babymammuts von Niederweningen.
So sah das Baby vor 45 000 Jahren aus.
Am Sonntag besuchte ich das Mammutmuseum von Niederweningen ZH, das ja auch nur an Sonntagen offen ist, 14 bis 17 Uhr jeweils. Ich mag das Haus, es ist praktisch eine grosse Halle. Man sieht dort, abgesehen von interessantem Beiwerk, Infotafeln, Kinderstationen zum Selberforschen, kleineren Exponaten, drei grosse Dinge. Bzw. Tiere.
  1. In der Mitte des Raums steht das rekonstruierte Skelett (Kopie) eines jugendlichen Mammuts, Schulterhöhe 2 Meter 50. Es wurde 1969 in einer Kiesgrube in Praz-Rodet im Vallée de Joux im Kanton Waadt entdeckt.
  2. Kinder mögen das Mammutkalb noch lieber, das vor mehr als 100 Jahren bei Ausgrabungen in Niederweningen zutage trat. Es war noch ein Baby und ging vor rund 45 000 Jahren wohl im Sumpf zugrunde.
  3. Ein erwachsenes Mammut barg man in Niederweningen, der reichhaltigsten Schweizer Mammut-Fundstätte, im Jahre 2003. Im Museum hat man die Knochen und Zähne auf einer schräg gestellten Platte montiert in der Lage, wie man sie damals ausgrub. Auch dieses Mammut war im Sumpf verendet, nimmt man an.
Es ist eher sparsam geöffnet: das Mammutmuseum in Weningen.

Montag, 26. September 2016

Herbst im Alpstein

Die längste Zeit wanderten wir von Wasserauen auf die Bogartenlücke zu.
Das kecke Felschen in der Lücke ist natürlich das Bogartenmannli. 
Auf der Alp Sigel. Unten der Sämtisersee, hinten links der Hohe Kasten.
Alp-Sigel-Hüsli.
Es war ein klassischer Herbsttag, die Schatten lang, das Licht seitlicher als auch schon einfallend, die Berge am Horizont blasse, hellgrau kolorierte Scheiben. Wo die Sonne nicht hinreichte, war es noch am späten Vormittag eiskalt, man ging in einem Kühlschrank. Und Massen von Menschen waren unterwegs. Unsere Wanderung führte am Samstag von Wasserauen AI durchs Hüttentobel nach Hütten und via Untere und Obere Mans auf die Alp Sigel - dort oben war Ruhe. Und wir sahen weit. Endlich fuhren wir nieder mit dem Seilbähnchen, das man in Selbstbedienung benutzt, um unten in der Talstation beim Pfannenstiel am Automaten das Billett zu lösen. Dort ein kurzer Antritt, schon waren wir in Brülisau. Drei Stunden Gehzeit hatte die Unternehmung gebraucht, wir waren aber doch 800 Meter aufgestiegen, nun gab es im Rössli eine Siedwurst mit Chäshörnli. Der Wirt, fanden wir im Gespräch heraus, ist kein Innerrhoder. Sondern ein Berner von Eggiwil. Ja, dort sei es auch schön, sagte er, aber wirten sei schwierig, es habe einfach kaum Leute. Das kann man vom Alpstein nun wirklich nicht sagen, stellten wir bei der Heimreise wieder fest.

Die Seilbahn ist wirklich gruselig, wie ich das in diesem Blog am Samstag angenommen hatte. Sie fährt los und springt sofort über die Kante einer Felswand und fährt dann bis zuunterst mastenlos.
Foto durch das Seilbähnlifenster: Oben der Masten bei der Sigel-Bergstation.

Sonntag, 25. September 2016

Die spinnen, die Tschechen

Irre, oder? Sieht aus wie die Achterbahn von Mad Max, ist aber doch eine ernstzunehmende Tourismusanlage oder doch wenigstens eine Anlage, die die örtlichen Touristiker ernst nehmen. Eine für Fussgänger. Sie steht in der Tschechischen Republik auf einem Berg, nennt sich "Doini Morava Sky Walk" und ist genau das: Ein schwindelerregender Steg, der nur eine Funktion hat: Dem Begeher Nervenkitzel verschaffen. Eine Rutschbahn ist auch eingebaut. Hier der Bericht der "Daily Mail" mit vielen Fotos.

Samstag, 24. September 2016

Sprung ins Leere

Heute geht es auf die Alp Sigel, eine schön flächige Appenzeller Alp, deren Boden gekippt ist wie die Schreibfläche eines Stehpults. Wir wandern von Wasserauen hinauf und wollen dann mit dem Seilbähnli Richtung Pfannenstiel bei Brülisau niederfahren. Mir ist ein wenig gschmuech bei dem Gedanken. Erstens, von oben gesehen, stürzt sich das Bähnli gleich bei der Bergstation selbstmordartig über eine senkrechte Felswand. Und zweitens erinnere ich mich noch ans Jahr 2008. Damals riss bei der Vorgängerbahn während eines leichten Gewitters das Zugseil. Die Bahn stürzte ab. Gott sei Dank sass niemand drin, es war eine Transportfahrt, Milchgeschirr. Auch die neue Bahn dient in erster Linie den Sennen und ihrer Arbeit, sie bringt die Milch zu Tale. Und heute uns.

Hier der Link zur Alp-Sigel-Bahn, sie wird in einem Kurzvideo vorgestellt.

Freitag, 23. September 2016

Die Pilz-App

Eine Neuerscheinung für alle Freunde des Pilzes oder, wie der Solothurner sagen würde, vo de Büuze. Die iPhone-App "Pilze 123" ist in Anbetracht dessen, dass viele Apps gar nichts oder praktisch nichts kosten, teuer: 29 Franken. Wenn man in der Dimension gedrucktes Buch denkt, ist der Preis wiederum sehr vernünftig. Es steckt natürlich eine Menge Arbeit in dem Ding. Verantwortlich zeichnet der deutsche Pilzfachmann und Buchautor Wolfgang Bachmeier. Die App hat fünf Funktionen:
  1. Die Datenbank enthält 2400 Pilze und 9000 Fotos.
  2. Für die drei Länder Schweiz, Deutschland, Österreich sind viele Fundstellen bezeichnet. Eigene Fundstellen kann man neu einzeichnen (wenn man will, denn nicht jeder Pilzentdecker will teilen).
  3. Anhand von 21 Kriterien bestimmt man selber Pilze.
  4. Alle Pilzkontrolleure der Schweiz sind mit ihren Telefonnummern aufgeführt.
  5. Last not least bietet die App Rezepte für die gängigen Speisepilze.

Donnerstag, 22. September 2016

Gabelzeit

(Wikicommons/ Nasa-Satellitenbild)
Ab und zu, zum Beispiel unterwegs im Zug zu einer Wanderung, wähle ich auf Wikipedia die Zufallsfunktion. Sie serviert irgendeinen der Millionen Einträge. Kürzlich bekam ich die "Gabelzeit" vorgesetzt - hoch interessant. Das Wort hat mit Essen gar nichts zu tun. Es handelt sich um die allerschlimmste Epoche in der Geschichte der Färöer. Zwei dänische Lehensherrn der Familie Gabel kontrollierten die Inselgruppe um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert total. Sie beuteten die Leute aus, rafften, was es zu raffen gab, es herrschte totale Armut - eine Tyrannei war das. Alles weitere lese man selber nach auf Wikipedia, der Fundgrube der digitalen Ära.

Mittwoch, 21. September 2016

See you later under the alligator

Unsere Samstagswanderung endete am Bahnhofplatz von Gossau SG mit einem Bier im Quellenhof. Zu diesem Restaurant gehört ein zweites, kleineres, das im ehemaligen Säli entstand; es heisst wie das Wasserloch in Australien "Billabong". Blickfang ist das gewaltige Krokodil über der Bar, das soeben den Crocodile Dundee verschlungen zu haben scheint, jedenfalls deutet der Hut ohne Besitzer darauf hin. Krokodil steht auch auf der Karte. Und Fleisch vom Strauss gibt es ebenfalls. Sowie natürlich Känguruh. Weil ich wissen wollte, ob das Showkrokodil echt ist, mailte ich von zuhause aus den Wirt an. Seine Antwort: Nein. Es handelt sich aber immerhin um den Gipsabdruck eines echten Krokodils, verstärkt mit Glasfasern und bemalt.

Dienstag, 20. September 2016

Gymi statt Chemie

Keiner ist traurig, dass sie bald verschwindet: Chemiefabrik
in Uetikon am See. (Wikicommons/ Roland Fischer, Zürich)
Kennen alle die hässliche alte Chemiefabrik in Uetikon am See, die dort das Seeufer belegt? Gute Nachricht aus dem Zürcher Kantonsrat, der gestern Ja sagte zum Projekt des Regierungsrats: Die Fabrik wird abgebrochen. An ihre Stelle kommt (unter anderem) ein Gymnasium zu stehen, in dem ab 2028 rund 1000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden sollen. Das Gymnasium Uetikon soll aber bereits 2018 starten, vorerst als Provisorium in Behelfsräumen. Die neu entstehende Schule an der Goldküste ist dringend nötig. In Küsnacht zwar gibt es schon ein Gymi, aber es fasst nur 550 Schüler. 1500 Schüler pendeln täglich während der Hauptverkehrszeit von der Goldküste per S-Bahn nach Zürich und retour. Der Kanton Zürich hat derzeit 19 Gymnasien. 14 davon stehen in den Städten Winterthur und Zürich und nur 5 in der Landschaft. Nach Uetikon soll bald auch ein neues Gymnasium am linken Seeufer entstehen. Für alle, die am Zürichsee Zug fahren, sind das gute Nachrichten, die bestehenden Linien werden entlastet.

Montag, 19. September 2016

Nagelfluh, Fleischplättli und Gasgefahr

Hübsche Passage in der Wissbachschlucht.
Der Wissbach darf nach Herzenslust spielen. 
Mit Buchhändler André Wigger
im Hirschen auf der Egg, Flawil.
Doch, die Wanderlesung am Samstag in Gossau SG hat mir gefallen. Hier ein paar Dinge zu dem Happening:
  • Das Wetter war ein Wunder passend zu meinem Buch "Schweizer Wunder". Es regnete nicht. Kein einziger Tropfen war da. Obwohl das Niederschlagsradar dramatische Wolkengebilde angedeutet hatte, die sich rund um die Ostschweiz wie fremde Heere bekriegen und ganze Landstriche in die Nässe reissen würden.
  • Die Route war wunderbar und wird so circa in einem Monat als Kolumne in der Zeitung auftauchen: Gossau - Mult - Rüti - Tobelmüli - Egg - Wissbachschlucht - Schwänberg - Mösli - Zellersmüli - Marstal - Fennhof - Gossau. Eindruck machte insbesondere der gedeckte, schummrig in einen schmalen Nagelfluheinschnitt gezwängte Treppensteg hinab in die Wissbachschlucht.
  • Nach der Zellersmüli nahmen wir den Glattweg; jawohl, Zürcher, wir Ausserrhoder (und unsere St. Galler Nachbarn) haben auch eine Glatt. Etwas unheimlich die Warnung auf einer Tafel, es gebe am Glattweg Hangrutschgefahr, "gefährdete Gasleitung". Wir baten den Pfeifenraucher im Grüppli, sich jetzt bitte auf keinen Fall eine anzustecken.
  • Toll war, was die im Hirschen auf der Egg, Gemeinde Flawil, auftischten: ausladende Fleischplättli, dazu trank man Roten und Weissen. Wir liebten es, ein Vegetarier hätte gelitten.
  • Und die Lesung? Es waren Mikrolesungen. Immer wieder  mal hielt man an, Buchhändler André Wigger kümmerte sich als Organisator darum, wo es am besten passte. Ihn kenne ich übrigens, weil er früher, vor Gossau, in Allschwil bei Basel eine Buchhandlung führte, bevor er in Gossau die Gutenberg Buchhandlung übernahm. In Allschwil war ich 2011 schon einmal bei André zu Gast gewesen, damals zogen wir - es war auch eine Wanderlesung - hinauf zum Bad Schönenbuch. Wer weiss, vielleicht gibt es irgendwann in einigen Jahren noch eine dritte gemeinsame Veranstaltung. Aber dann müsste ich wieder ein Buch schreiben.
  • Last not least sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu würdigen. Es waren, wenn ich richtig zählte, 18 Leute. Unterwegs (3 Stunden Gehzeit, je 330 Meter aufwärts und abwärts) war ideal Zeit, sich kennenzulernen; ich freute mich über die Komplimente, Anregungen und Fragen, die da kamen. So etwas motiviert ungemein zum Weiterschreiben.

Sonntag, 18. September 2016

Ab auf die Insel

Ein Buch, das ich eben mit Begeisterung gelesen habe: "Our Life Off the Grid: An Urban Couple Goes Feral". Es gehört einem Genre zu: Leute berichten, wie sie irgendwann aus ihrem städtisch geprägten Leben aussteigen und sich auf eine Insel zurückziehen. Im Fall von David J. Cox und seiner Frau Sally ist es eine kanadische Insel vor der Küste von British Columbia. Die Geschichte ist von Erlebnissen gesättigt. Von Missgeschicken, Pannen und Unfällen. Von Humor auch. Es geht um eine Windturbine, die nicht funktioniert; um Orcas, die Delfine fressen; um den Versuch, mitten im Winter eine streikende Wasserleitung flottzumachen; um die Visite einer Schar chinesischer Gaststudenten; um Regierungsbürokraten, die am Telefon nicht begreifen können, dass es Leute gibt, in deren Adresse eine Strassenbezeichnung und Hausnummer fehlen, was der Computer nicht akzeptieren kann. Und es geht um die anderen Bewohner der Insel, von denen jeder auf seine Art ein Sonderling ist. Ein Nachbar kommt zu Besuch, wird zum Essen eingeladen und sagt: "Dave, ich mache es wie die Bären, ich esse nur Beeren und Fisch." Dave, also Autor Cox, antwortet: "Hey, Bären sind ausgesprochene Allesfresser." Der Nachbar vertilgt dann auf der Stelle drei Steaks. Wirklich lustig, das Buch. Und ausgesprochen gut geschrieben.

PS: Es gibt über das Paar Cox sogar ein Youtube-Filmli.

Samstag, 17. September 2016

Bitte stirb nicht, Traube!

Im August 2015 war die Traube Mult noch offen. Man sagt übrigens "Muelt".
Heute wird es wohl regnen. Heute wird gewandert. Nun, nicht auf die übliche Art mit dem Grüppchen. Angesagt ist seit langem eine Wanderung mit Lesung. Wir - die Angemeldeten und ich - starten in der Buchhandlung Gutenberg in Gossau SG und ziehen zur Egg Flawil, wo es im Hirschen einen Imbiss gibt, ich werde dazu ein wenig aus meinem neuen Büchlein lesen, danach geht es retour. Habe ich in diesem Blog bereits erzählt. Nun hoffe ich, dass wir auch an der Bauernwirtschaft Traube Mult etwas ausserhalb Gossau vorbeikommen; der Buchhändler hat die Route bestimmt, ich weiss noch nicht, wie wir genau laufen. Jedenfalls: Auf einem der Höfe des Weilers Mult bauerte eine Zeitlang meine Urgrossmutter, eine Berweger; meine Mutter kann sich erinnern, wie sie mit den Geschwistern als Kind dort Chriesi las und ass. Etwas traurig macht mich, dass der Mittelpunkt der Mult, die Traube eben, derzeit zu ist. Immerhin sagen die Besitzer auf ihrer Homepage, dass sie einen neuen Pächter suchen. Es wäre ein Verlust, wenn die prachtvolle Wirtschaft einginge.

Freitag, 16. September 2016

Sankt Gallen und die Hausligkeit

Gestern war ich in St. Gallen. Dort gibt es im Bahnhofgebäude ein Migrosrestaurant mit einer sagenhaften Terrasse in erhöhter Lage. Derzeit ist auf ihr besonders gut sitzen respektive gaffen, weil der Bahnhofplatz eine monumentale Wunde ist, alles aufgerissen, der Umbau dauert schon ewig und wird noch lange nicht zu Ende sein, von oben sieht man das Ausmass der Umwälzung. Zu meinem Kaffee nahm ich Zucker und las den Appenzeller Dialektspruch auf dem Säckli. "Vor barer Häusligkeit lässt er noch den Rauch nicht zum Kamin hinaus": Es geht um Geiz. "Hüüsligi" ist das Substantiv zu "hüslig" oder "huslig" gleich sparsam oder auch sehr sparsam.

Donnerstag, 15. September 2016

Velo-Metzg

In Unterwasser fotografierte ich kürzlich dieses Schaufenster, und zwar zwischen der Post und der Talstation der Iltiosbahn. Ich fragte mich: Kann das sein, Fleisch und Velos in einem einzigen Laden? Dann fragte ich mich: Oder beineln die im Laden Velos aus, wie ein Metzger eine Sau zerlegt? Irgendwie fände ich die Assoziation nicht wirklich stimmig, weil ein Velo nicht blutet und man es auch nicht mit dem Messer angeht. Schliesslich betrat ich die Velo-Metzg und erkundigte mich. Die Erklärung ist die: Das Geschäft war früher in den Räumen einer alten Metzgerei untergebracht, nannte sich deswegen so und nahm den Namen mit, als es umzog.

Mittwoch, 14. September 2016

Die belgische Rigi

Mont Rigi. Zur Orientierung: Links oben liegt Lüttich (Liège).
In Belgien gibt es in der Gemeinde Weismes einen Mont Rigi. Dies, weil ein früherer Bürgermeister ein paar Orte der Gemeinde auf bekannte Namen taufte. Auf dem Mont Rigi im Hohen Venn, wie das Gebiet übergreifend heisst, gibt es auch eine Skistation. Nun ja, eine Langlaufstation... der Berg ist nicht mal 700 Meter hoch.

Dienstag, 13. September 2016

Von den Muncken und den Gembsen

Ein lieblicher Munck. (Wikicommons/ François Trazzi)
1670 hebt der Chronist Heinrich Pfendler an zu einem Lob der Berge des Landes Glarus. Ich stiess kürzlich auf die Stelle und fand sie reizend. Pfendler bringt eine Liste, warum die Glarner Berge lieblich sind. Hier ein Auszug:
  • "Lieblich sind solche Alpgebirge/ als auff denen wir zur lieben Sommers-zeit anschauen/ das liebe Vieh in grosser Anzahl/ kleines und grosses/ ihr Nahrung begierlich suchende."
  • "Lieblich finde ich solche Berge/ weil an vielen Orten in der Höhe den darauf wandlenden/ führ ihre Auge kommen/ Steinhüner/ die von einem Felsen auf den anderen fliegen."
  • "Lieblich/ wann die zum Vieh geordnete Knecht mit ihrem Freudengesang/ und einem mehr als Klaffterlang von gewissen Holtz/ gemachten Horn/ oder Rohr auffspielen/ damit es im Gebirg einen Widerhall gantz lieblich und amuthig gibt."
  • "Lieblich sind unsere Berge/ wann zur lieben Sommers-zeit die Muncken/ unserem Gesicht fürkommen."
  • "Was ist nun aber Lieblichers/ als anschauen die Gembsen/ mit ihrem schnelle Lauff?"

Montag, 12. September 2016

Vervielfachung der Gipfel

Auf Iltios, die Churfirsten im Auge. Zweiter von links: der Brisi, mein Liebling.
Ghackets und Hörnli auf dem Gipfel.
Ich dachte mir am Morgen, noch zuhause: Die Anreise dürfte schrecklich werden, es ist Herbst, also Hauptwandersaison, und das Wetter ist gut. Überraschenderweise hielt sich die Zahl der samstäglichen Reisenden Richtung Toggenburg in Grenzen, wir hatten überall schön Platz, weder vor der Bahn noch dem Bus gab es ein Gedränge. Einzig oben auf dem Chäserrugg hatte es viel Volk, weil er alle möglichen Leute anzieht, insbesondere Architekturfreaks, die sich das Haus von Herzog & de Meuron ansehen wollen. Sie fahren in der Regel auf den Berg. Wir erwanderten ihn uns, und zwar von Iltios aus via Stöfeli, was 2 3/4 Stunden dauerte. Das klingt easy, war aber strapaziös, weil man kontinuierlich am Steigen ist und fast 1000 Höhenmeter macht; und manche Passagen waren sehr steil. Lohnend war es auf jeden Fall, nur schon wegen der Zahnreihe der Churfirsten vor Augen und wegen Säntis und Schafberg im Rücken. Oben vervielfachte sich die Zahl der Gipfel, indem wir auf der Krete einen neuen, weit gefassten Horizont Richtung Süden bekamen. Wir waren sehr beglückt an diesem Tag.
Im Aufstieg: der Talboden von Wildhaus und hinten der Schafberg.

Sonntag, 11. September 2016

Schweinebauch auf dem Chäserrugg

Schon sehr schön, das Chäserrugg-Berghaus der Starchitekten Herzog & de Meuron hoch über Unterwasser SG, das Seilbahn-Station und Restaurant kombiniert. Es lockt entsprechend viel Volk an, merkten wir gestern mittag. Aber wir ergatterten dann doch fünf Plätze, fanden die Speisekarte deutlich über dem Niveau dessen, was normalerweise auf Gipfeln offeriert wird, und mochten die Gerichte, die kamen: Trüffelrisotto mit Mascarpone, Ghackets mit Hörnli, Schweinebauch. Eine gute Sache. Lassen wir die Bilder sprechen; mehr über die zugehörige Wanderung gibt es morgen.

Samstag, 10. September 2016

Unsere Hommage an H & M

Die Chäserrugg-Bergstation und daneben das alte Berghaus. Das neue zeige
ich, sobald ich ein eigenes Foto davon habe. (Wikicommons/Anidaat)
Endlich! Das neue Gipfelrestaurant auf dem Chäserrugg, dem östlichsten der sieben Churfirsten, ist ja doch schon letztes Jahr eröffnet worden. Und wir waren noch nie oben und haben uns den vielgelobten Bau der Herren Architekten Herzog & de Meuron also bisher nicht aus der Nähe besehen können. Heute ist es soweit, wir steigen von Iltios auf den Berg. Hat es Platz, so werden wir oben auch essen.

Freitag, 9. September 2016

Kuorez?

Ich bin schon ein wenig stolz, dass meine Theorie stimmt. Letzten Samstag kehrten wir im Gartenrestaurant Kuorez ein, das herrlich am Rigihang liegt und zur Gemeinde Gersau SZ gehört. Meine Theorie stützte sich darauf, dass man einen Konrad im Appenzellerland "Chueret" nennt. Ich folgerte: Auch in "Kuorez" steckt der Konrad. Das Z am Schluss deutete ich als Genitiv, Konrads. Stimmt genau: Auf Ortsnamen.ch steht zu lesen: Kuorez ist der Rest der Formulierung "Konrads Matten", die Matte von Konrad. 1641 heisst es in einem Dokument: "ab miner mathen, Kuratz genannt".

Donnerstag, 8. September 2016

Islam auf der Freiheit

Meiers Halbmond auf der Freiheit, Kanton AI.
(Screenshot von Christian Meiers Facebook-Seite)
Wenn man vom Fälensee, dem Bergsee im Alpstein, Richtung Zwinglipass läuft, hat man zur Rechten die Freiheit - einen Berg, den man erklettern muss. Ausser man nimmt den Helikopter. Das tat, wie gestern einige Newsportale vermeldeten, der in China lebende Appenzeller Künstler Christian Meier. Er liess sich hinauffliegen und installierte oben einen zweieinhalb Meter hohen Halbmond samt Solarpanel, das dafür sorgt, dass der Halbmond nachts beleuchtet ist. Die Kunstaktion auf der Freiheit soll eine Woche dauern und ärgert die Einheimischen; eine Bewilligung hat Meier nicht eingeholt. Er kam auf die Idee, weil er sich als Atheist, wie er sagt, schon immer über Gipfelkreuze geärgert habe. Ganz logisch finde ich die Begründung nicht, denn der Halbmond ist das Symbol des Islams, also einer anderen Religion.

Mittwoch, 7. September 2016

Kommt mit mir wandern!

Endlich kann ich wieder
einmal mein neues Büchlein
abbilden. Aus ihm will ich
am 17. in Flawil vorlesen.

Die Gutenberg-Buchhandlung in Gossau SG lädt zu einer Wanderlesung - mit mir. Es sind noch Plätze frei, ich würde mich über Anmeldungen freuen, der Buchhändler sowieso. Die Unternehmung - Entspannung garantiert - läuft so: Schöne Kurzwanderung von Gossau durch die lauschigen Anhöhen südwestlich des Ortes zur Egg, Gemeinde Flawil. Dort gibt es den formidablen Hirschen, dort kehren wir ein, dort lese ich ein bisschen vor. Es gibt dazu einen Imbiss, wohl auch einen Schluck Wein, und hernach zotteln wir zurück nach Gossau. Die reine Gehzeit beträgt gut 2 1/2 Stunden, streng ist das nicht, die Teilnahme kostet 20 Franken, inklusive natürlich der Zvieri. Anmelden kann man sich hier. Ah ja, der Termin: Samstag, 17. September, Start bei der Buchhandlung um 13 Uhr.

Montag, 5. September 2016

Sakraler Verschlag

Metallsteg im Abschnitt St. Antoni - Wissifluh.
St. Antoni.
Nicht einmal drei Gehstunden braucht man für die Wissifluh, sowohl das Hinauf als auch das Hinab sind exquisit, wie wir am Samstag feststellten. Man erkeucht sich von Vitznau aus zuerst St. Antoni, einen sakralen Waldverschlag. Es folgt eine reizvolle Abenteuerpassage durch felsiges Gebiet, ein Pfad, dessen Anleger man als genial bezeichnen darf; nie ist man in der Fluh schlimm ausgesetzt und darf staunen, dass jemand ein Durchkommen möglich machte. Der Abstieg wiederum führt durch coupierte Wieshänge, das Blau des Vierwaldstättersees ist magisch. Unten an der vielbefahrenen Durchgangsstrasse bei der Bushaltestelle Floralpina nah Vitznau ist man dann noch länger berückt, bis die Magie nachlässt. Die Beiz oben, auf die ich mich freute, verblasste darob zur Nebensache. Die Älplermagronen waren in Ordnung, wir kamen, assen, gingen, die Landschaft war es, die uns faszinierte. Und ihre Wege.
Die Wissifluh-Bergwirtschaft.

Sonntag, 4. September 2016

Das Traumbänkli von Märis

Unterhalb der Wissifluh am Rigihang über Vitznau und Gersau liegt ein Ort namens Märis. Wir kamen gestern vorbei, ich finde, das Bänklein dort ist eines der am schönsten platzierten im ganzen Land. Die Wirtin der Wirtschaft Kuorez weiter unten erzählte, dass regelmässig Nachtwanderer dorthin gehen; sicher schön, der Blick durchs Dunkel auf die Lichter am See und auf dem Bürgenstock. In der Nähe trafen wir übrigens Jäger. Wir fragten, ob sie etwas geschossen hätten, sie sagten nein, auch nach drei Tagen nichts. Der eine fügte bei: "Es isch bald eifacher z'hüroote, als en Hirsch z Bode z bringe."

Samstag, 3. September 2016

Gastronomische Neugierde in Vitznau

Jeder Starkoch pflegt sein Image. Nenad Mlinarevic zeigt
auf der Homepage seines Luxushotels demonstrativ
seine Tattoos. Motto: Ich bin jung und wild. (Screenshot)
Mein Redaktionskollege Thomas Zemp schrieb vor einiger Zeit einen schönen Artikel. Es ging um zwei Hotels und Restaurants, die beide in Vitznau in nur zwei Kilometern Entfernung voneinander liegen - und unterschiedlicher nicht sein könnten. Wenigstens auf den ersten Blick. Unten am See kocht im Restaurant Focus des luxuriösen Park Hotels Vitznau Nenad Mlinarevic, Gault-Millau-Koch 2016. Hoch am Rigihang wiederum bauern und wirten auf der Wissifluh Jürg und Sylvia Trionfini, ihre Küche und auch die Zimmer sind einfach, aber doch gemütlich. Was beide Orte und die Menschen beider Orte verbindet: eine Hingabe ans Produkt, die Freude an dem, was lokal wuchs oder hergestellt wurde, die gastronomische Neugierde auch. Heute wandern wir auf die Wissifluh und werden dort selbstverständlich auch essen.

Freitag, 2. September 2016

Tod eines ungeliebten Hotels

Betonburg: das Dolder Waldhaus.
"Hart, grau, eckig", schrieb eine Zeitung einst. Ab Oktober wird das Dolder Waldhaus am Zürichberg, das 1975 an die Stelle eines Holzhauses zu stehen kam, abgerissen. Dem mit vier Sternen klassierten Betonklotz, der neben dem grandiosen Dolder Grand schlecht aussieht, wird niemand nachtrauern, mit dem Neubau kann es nur besser werden. Immerhin sind mit dem Waldhaus viele Geschichten verbunden. Eine hübsche erzählte gestern in seinem Artikel mein Redaktionskollege Nicola Brusa. Der einstige Hoteldirektor Tobler war offenbar ein Geizkragen, der stets den Boden im Restaurant nach Münz absuchte. Einmal liess ein Kellner absichtlich am Mittagstisch von Tobler eine Tausendernote fallen. Tobler schnappte sie sich verstohlen und verliess den Raum, ohne den Teller leergegessen zu haben. Tobler sei dann, so der Kellner, bei näherer Musterung der Note sehr enttäuscht gewesen. Sie war aus einer Zeitung ausgeschnitten und wertlos.

Donnerstag, 1. September 2016

Zürcher Unort

Mani Matter. (Wikicommons/ Hans Krebs
Bilderwelten No. 5, Comet Photo AG,
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv)

Zwischen Wollishofen und Thalwil gibt es an der A3 auf Kilchberger Gemeindeboden in Fahrtrichtung Bündnerland bei Kilometer 108,7 gar nichts Besonderes. Eigentlich könnte an der Stelle auch eine Gedenktafel stehen, denn ein Strässchen zieht sich parallel die Autobahn entlang, so dass man durchaus am Grünstreifen einhalten könnte. Und seiner gedenken. Mani Matters. Gestern war in meiner Zeitung ein Artikel, der zum einen vom Unfall handelt, der grosse Berner Troubadour war damals am 24. November 1972 unterwegs zu einem Konzert in Rapperswil, als er in einen Lastwagen prallte. Das Auto wurde zerstört, Matter war  sofort tot. Zum anderen, eben, geht es in dem Artikel um den Zürcher Ort oder Unort, an dem das Unglück geschah. Der ist und bleibt unmarkiert. "Wir haben uns noch nie um die Frage gekümmert, wo genau der Unfall stattgefunden hat", sagt Matters Tocher Sibyl.