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Donnerstag, 20. Juli 2017

Das Walliser Monster

Die Bhutanbrücke über den Illgraben. Sie schwankt beim Begehen leicht.
Netter Schluss: Egli aus Raron in der
Brasserie im Hotel Ambassador, Brig.
Ich ass sie nach der Wanderung.
Wenn der Illgraben zum Leben erwacht, dieser vegetationslose Schlund, dann ist das schrecklich. Nicht Wasser kommt das Bachbett herab, sondern eine Art Verdauungsbrei, flüssiger Schlamm mit Baumstämmen und riesigen Felsbrocken. Man kann das hier anschauen, auf Youtube gibt es eine ganze Kollektion mit Murgängen aus dem Illgraben. Für die Leute des Dorfes Susten sind die Entladungen fast schon Routine, die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL hat ein Messsystem installiert. Eben war ich im Wallis und machte vom Bahnhof Leuk aus eine hübsche zweistündige Wanderung: auf der einen Seite des Grabens hinauf und auf der anderen Seite hinab. Ich genoss die Föhren des Pfynwaldes, den Anblick des Illhorns, die Tiefblicke in den Graben und natürlich die Bhutanbrücke am obersten Punkt, dem Wendepunkt der Route. Die Brücke aus dem Jahr 2002 ist 134 Meter lang; Gebetsfähnlein sowie ein Heiligtum mit einer Buddhafigur am östlichen Ende signalisieren, dass Know-how aus dem Königreich Bhutan in ihren Bau einfloss.
Messgeräte überwachen den Graben. Hinten in der Mitte das Illhorn.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Mit dem Wanderwagen nach Dänemark

René und sein Gepäckvehikel im Testbetrieb in der Ostschweiz.
(Foto: René P. Moor)
Wanderfreund, -blogger und -autor René P. Moor hat ein neues Projekt, er will von Basel zur Nordspitze Dänemarks wandern. Die Gepäckfrage scheint er gelöst zu haben: Er hat sich einen Wanderwagen zugelegt. Der Cart4go wiegt 4,7 Kilo, kann 32 Kilo laden, schafft es mit seinen robusten Rädern gut auch über holpriges, zum Beispiel wurzeldurchsetztes Terrain. So dass man René eigentlich nur noch viel Spass auf dem Weg in den Norden wünschen kann.

Dienstag, 18. Juli 2017

Routeninspirationen

Ideenreich: Wanderfritz.
(Screenshot der Homepage)
Super Sache! Mein Berner Freund Fritz "Wanderfritz" Hegi hat seine Homepage umgestaltet. Zentral im Redesign ist die Suchmaschine. Man kann Fritzens Routen nach Region, Aufwärtsmetern, Abwärtsmetern, Länge, Dauer, Schwierigkeitsgrad und Saison sortieren. Wer Routenideen braucht: Fritz inspiriert. Ich werde sicher ab und zu reinschauen und mir Anregungen holen.

Montag, 17. Juli 2017

Chur ist auch Byzanz

Bündner Kunstmuseum, Villa Planta: Oberlicht unter der Kuppel.
Nüchtern-eleganter Kontrast: Treppenaufgang im Erweiterungsbau.
Ein Auslandschweizer kommt in den 1870er-Jahren heim nach Chur, ein reicher Baumwoll-Industrieller. Und weil er lange in Alexandria geschäftet hat, also in Ägypten, lässt er sich eine Neorenaissance-Villa mit orientalischem Flair bauen: Da sind zum Beispiel zwei Sphingen, vor allem aber die byzantinisch angehauchte Kuppel mit einem Halbmöndli obendrauf. Heute ist die Villa Planta Teil des Bündner Kunstmuseums, ist also sozuagen demokratisiert; man kann als Normalsterblicher den Luxus von damals betrachten und geniessen. Ein zweites Museumshaus, der Sulser-Bau, wurde vor wenigen Jahren abgebrochen; er wich einem komplementären Neubau des spanischen Architekturbüros Barozzi/Veiga, der letztes Jahr eröffnet wurde. Der Museumsbesuch am Freitag war ein Vergnügen, es ist genug Platz um die grossartigen Gemälde und Skulpturen, das Licht fällt richtig, man geniesst die Harmonie von neu und alt und fühlt sich irgendwie als Mitbesitzer.
So hätte man auch gern gewohnt! Natürlich inklusive Gemälde.
Im neuen Teil: Hermann Scherer, "Mann und Weib", 1924.

Sonntag, 16. Juli 2017

Ich ass ein Rickli

Schleitheim, Schlaate im Dialekt, hat viel zu bieten, abgesehen von seiner anmächeligen Abseitslage im Schaffhauser Randengebiet. Zum Beispiel
  • das Gipsmuseum mit Bergwerksstollen
  • das "Schleitheimer Bekenntnis", das die täuferische Konfession formuliert; weltweit sind bloss vier Exemplare erhalten, eines davon ist in Schleitheim ausgestellt - von überall auf der Welt kommen Täufer, es anzuschauen
  • die Therme Iuliomagus, eben in aufgefrischter Form wiedereröffnet und besuchbar; über sie schrieb ich unlängst.
Kürzlich entdeckte ich eine weitere Attraktion aus Schleitheim. Eine essbare. Auf dem Schiff von Steckborn nach Schaffhausen nämlich hielten sie unter den süssen Snacks auch Schlaatemer Rickli bereit, längliche, in Öl gebackene Küchlein. Ein Rickli ist übrigens eine Öse, Schleife, Schlinge, was passt, wie mein Foto zeigt; das Gebäck ist gezöpfelt. Es schmeckt ähnlich wie ein Schenkeli.

Samstag, 15. Juli 2017

Die Frau von Chur


Im Moment bin ich viel unterwegs, Ferien, Sehhunger. Die Erlebnisse reihen sich so dicht, dass ich fast nicht nachkomme mit dem Verarbeiten der Fotos und der Bloggerei. Gestern war ich mit meinem Berner Freund Ch. in Chur im Bündner Kunstmuseum, es war, gelinde gesagt, fantastisch - sowohl die Architektur des Neubaus, die mit ihm verbundene alte Villa als auch die Kunst begeisterten uns. Vorerst hier bloss eine Aufnahme aus dem Museumsgarten. Die Statue "Weiblicher Torso" stammt natürlich von HR Giger, dem gebürtigen Churer, der den Film "Alien" visuell prägte und einen Oscar erhielt.

Freitag, 14. Juli 2017

Ein sehr spezieller Garagist

Ledi Garage in Feutersoey BE: Lounge-Ecke
das Gstaad Automobile Club.
Hansueli Brand aus Feutersoey an der Strasse von Gstaad nach Gsteig spricht urchigen Dialekt, er sagt zum Beispiel "Rennstreckleni". Sohn eines Bergbauern und Skilehrers ist er und verkehrt gleichzeitig mit den Reichen und Superreichen von Gstaad. Das Auto schafft die Verbindung. Vor 36 Jahren machte sich Brand mit seiner Ledi Garage selbständig. Er ist Land-Rover-Händler. Und hat ein Autohotel gegründet. Die Geschäftsidee ist die: Viele Leute in der Gegend haben mehrere teure - sehr, sehr, sehr teure - Autos und keinen Platz dafür. Bei Brand können sie ihre Autos einlagern, natürlich sind die Sicherheits-Vorkehrungen entsprechend und der Service garantiert. Als wir, ein Journalistengrüppli, kürzlich zu Besuch waren, sprangen uns fast die Augen aus dem Kopf. Da reihen sich die Sportwagen und Boliden der Fünfziger-, Sechziger-. Siebzigerjahre, die Originalmodelle, die in Le Mans fuhren oder auch die Rallye Paris-Dakar bestritten (wie Brand selber, übrigens). Knallgelb und buntrot waren sie damals noch gespritzt, es war die Ära, als das Auto grandios war, ein Faszinosum. Der Wagenpark, den wir nicht fotografieren durften, ist Millionen wert. Und natürlich hängen an jedem Auto die Emotionen des Besitzers. Im Obergeschoss treffen sich im Gstaad Automobile Club jene 56 Leute, die glückliche Mitglieder sind; man kann nur durch Einladung dazustossen, das Auswahlverfahren läuft oft jahrelang. Clay Regazzoni, Bernie Ecclestone, Gunter Sachs: einige klingende Namen des Clubs, wer verstorben ist, bleibt in Erinnerung. Die Lounge ist eine Kirche des Verbrennungsmotors mit Originalpokalen diverser Rennen, mit Fotos wichtiger Rennfahrer, mit Modellen, die selber zehntausende Franken wert sind. Brand, der Saaner: bauernschlau und ortsverbunden und doch global denkend und als Club-Präsident freundschaftlich verkehrend mit Milliardären, es verschränkten sich Business und Passion. Ah ja, am Schluss zeigte uns Brand eine Etage mit alten, perfekt instandgehaltenen Bugatti, die alle Waadtländer Nummernschilder trugen; sie gehören samt und sonders einer einzigen Familie. Welcher? Das hat er uns nicht verraten, Geschäftsgeheimnis.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Steinzeit am Genfersee

Gestern reiste ich nach Lutry unweit von Lausanne - ein grosses Winzerdorf am Genfersee - und begab mich zum Parkfeld beim nordwestlichen Eingang zum Altstädtchen; es heisst "La Possession". Dort fand ich die berühmten Menhire. Sie wurden 1984 beim Bau der unterirdischen Garage entdeckt und ein paar Meter entfernt wieder aufgestellt. Die einen Steine sind mehr als menschenhoch, die anderen eher zwergenformatig; sie stehen eng beieinander, bilden eine Mauer; viele sind erkennbar behauen. Doch, ich fand die Anlage aus der Jungsteinzeit beeindruckend. Auch wenn sie von den doofen Autos ärgerlich bedrängt wird.

Mittwoch, 12. Juli 2017

666

Der Bergbahnen-Gstaad-Chef referiert.
Zwei Blogeinträge zu den Tagen im Saanenland stehen noch aus. Hier ist der eine. Bevor wir letzten Freitag vom Rellerli zum Sparenmoos traumwanderten, trafen wir auf dem Rellerli (Gondelbahn von Schönried) den Chef der "Bergbahnen Destination Gstaad AG", Matthias In-Albon. Er erzählte uns unverblümt, wie es um sein Höhenreich steht. Wo es schlecht aussieht. Und wo Hoffnung besteht. Ich fasse zusammen:
  • In vier Jahren gab es bei den Bergbahnen Gstaad einen Verkehrsertragseinbruch von 19,5 auf 15,6 Millionen Franken. Die Skierdays, Skitage also, gingen von 670 000 auf 490 000 zurück. Die Leute fahren weniger Ski, das merken ganz viele Wintersportorte. Es fehlt ja auch mancherorts am Schnee.
  • Das Sommergeschäft ist ausbaufähig, kann aber den Wintereinnahme-Schwund nicht kompensieren. Mit besserem Marketing und günstigeren Preisen kann man allenfalls besagtem Schwund entgegenwirken. Für den kommenden Winter offerieren die grossen Vier im Kanton Bern ein gemeinsames Saison-Bahnenabo für 666 Franken. Es sind Meiringen-Hasliberg, die Jungfrauregion, Adelboden-Lenk und Gstaad. Pointe am Rand: 666, das ist die Zahl des Teufels.
  • Die Bergbahnen Gstaad gibt es überhaupt noch, weil reiche Leute, die dort leben, Geld einschossen, an die 30 Millionen Franken; massgeblich beteiligte sich Milliardär Ernesto Bertarelli. Der Preis, den man laut In-Albon zahlt: Das Rellerli ist bald schon ein halbprivater Berg. Die Konzession für die Gondelbahn läuft nächstes Jahr Ende Sommer aus. Dann wird sie abgebrochen. Und es entsteht auf dem Rellerli Bertarellis private Lodge, er hat die Gebäude der Tal- und der Bergstation gekauft. Für die Normalverbraucher will man eine Buvette einrichten. Ob es irgendwann wieder ein Bähnli aufs Rellerli gibt, ist unklar; möglicherweise wird der Proviant für die Lodge mit dem Schneemobil hochtransportiert.
  • Dem Rinderberg, erschlossen per Gondel ab Zweisimmen, wird bald schon ein Thema zugeordnet. Alles soll sich dort oben um das Rind drehen mit Dingen wie einem Themenweg. Auf der Wispile, erschlossen ab Gstaad, soll etwas Ähnliches kommen, vielleicht zum Thema Tier allgemein. Man sieht: Gstaad hat immerhin ein Konzept, wie der Niedergang verwaltet wird; und möglicherweise gibt es ja doch einen Aufschwung beim Sommergeschäft.
    Momentan noch ganz öffentlich: das Rellerli und sein Berghaus.

Dienstag, 11. Juli 2017

Nasses Montagsabenteuer

Die leere Martinsklafter-Nische mit dem Spalt darüber.
Das Martinsklafter mit Infotafel und Schienenrillen im Boden. Die
Nische findet sich ganz hinten, wo Fels und Geländer zusammenkommen. 
Gestern ging ich auf Forschungsreise, sozusagen. Ich fuhr nach Biel und weiter zur S-Bahn-Station Frinvillier-Taubenloch mit dem Vorsatz, das Martinsklafter zu suchen, la Toise de Saint-Martin. Das Unterfangen gestaltete sich schwierig. Zum einen geriet ich in einen Wolkenbruch und war nach wenigen Minuten klatschnass. Und zum anderen gibt es im Internet keine wirklich genauen Angaben, wie man hinkommt, ich hatte bloss eine ungefähre Idee, wo der Ort liegt. Wegweiser gibt es offenbar nicht. Eine Chinesin konnte mir nicht helfen, ein junger Typ aus dem Ort auch nicht, "c'est quoi"? Dann traf ich im Wald an der Schüss eine Frau, die dort gewesen war, vor 40 Jahren, wie sie sagte, als Mädchen. Sie konnte sich nicht mehr genau an den Zugang erinnern und rief ihren Mann an. Der wusste es noch, mehr oder weniger. Ich ging gemäss seiner Anleitung zurück zur Bahnstation, stellte mich auf dem Perron mit dem Rücken zum Wartehäuschen hin, fixierte den Waldhang vor mir und erblickte tatsächlich einen Trampelpfad. Ich schlug ihn ein, ging steil bergan, kam zur Autobahn, zottelte auf einem Trottoir ihr entlang, bog ab auf eine alte, aufgelassene Strasse, ging durch einen Tunnel, hatte wieder die Autobahn vor mir und erkannte nun zur Rechten einen zweiten Trampelpfad. Wieder ging es steil aufwärts. Kurz darauf war ich beim Martinsklafter, das auf einer stellenweise mit einem Geländer gesicherten Felsterrasse liegt.

Das Martinsklafter besteht aus zwei Sehenswürdigkeiten, dazu kommt eine Leiter, mit der ein Kletterpfad den steilen Kalkriegel hinauf beginnt. Die eine Sehenswürdigkeit sind Rillen im Boden, Teile eines Verkehrsweges, der in die Antike zurückreicht. Ochsenkarren konnten in den Schienen sicher die exponierte Hangstelle bewältigen. Die andere Sehenswürdigkeit war eine leere Nische. In ihr könnte einst eine Mars-Statue gestanden haben. Oder aber eine Schrifttafel, die dem römischen Gott gewidmet war; in der Nähe haben Archäologen eine solche Tafel mit Inschrift gefunden. Damit wäre dann auch der erste Teil des Flurnamens erklärt. Der zweite, "Klafter", hat mit dem klaffenden waagrechten Spalt über der Nische zu tun. Vermutlich war in ihm ein Schutzdach fixiert, das die Nische vor der Witterung schützte. 

Soweit mein nasses Abenteuer, mit quietschenden Schuhen fuhr ich heim. Ich muss aber noch einmal hin. Dort nämlich, wo Trampelpfad Nummer zwei bergwärts ansetzt, führt ein dritter Pfad steil abwärts Richtung Schüss. Ich hätte ihn gern genommen, doch es war mir zu heikel, ich war allein, das Gelände unheimlich rutschig. Martinsklafter, wir sehen uns bald wieder. Wenn es trocken ist.
Auf der Infotafel ist das Martinsklafter als roter Punkt markiert samt dem
Verlauf des historischen Verkehrsweges.

Montag, 10. Juli 2017

Bewegung auf der Käseschnitte


Von unserer Journalistenreise ins Saanenland - sie endete gestern - will ich zwei weitere substanzielle Einträge publizieren. Aber nicht heute, man soll nicht jeden Tag lang bloggen. Hier also vorerst etwas Kurzes. Kollegin Ronja nahm die Käseschnitte auf, die in der Alpwirtschaft Hüsliberg beim Sparenmoos hoch über Zweisimmen auf den Tisch kam. Sie brutzelte derart intensiv, dass das Dekorationsgürkli in Bewegung geriet.

Sonntag, 9. Juli 2017

Ich machte auch schon weniger komfortabel Ferien

Im Gebiet Fang oberhalb Lauenen steht bei einem Tobel dieser Schuppen.
Die waagrechte Linie ist ein Stahlkabel, befestigt am Baum.
Gestern ein Ausflug nach Lauenen: Besichtigung der altehrwürdigen Kirche und Einkehr im Hotel Wildhorn, das einstmals die Schauspieler Hans Schenker und Isabelle von Siebenthal leiteten; nun ja, das Duo infernal legte sich mit der Dorfbevölkerung an und ging nach allerlei Zermürbungen ab, mittlerweile sind andere Leute zuständig. Nach dem Kafi wurde gewandert. In der süttigen Hitze ging es taleinwärts via Rohrbrücke und Hinderem See hinauf zum Lauenensee, der Anblick des Wassers erfrischte. Und gleich kam der Retourweg: auf einem reizend wilden, an einer Stelle kettengesicherten Pfad die Rossfalleschlucht hinab und nach einer Passage am Louwibach durch das Feuchtgebiet Rohr, bis nach zwei Gehstunden bei der Rohrbrücke Schluss war. Und nun? Ging es mit dem Bus wieder hinauf zum See, wo wir im Seerestaurant assen. Der Rest des Tages war nicht minder intensiv. Wir besuchten einen Garagisten in Feutersoey (mehr darüber später), schauten beim gerade laufenden Beach-Volleyball-Turnier vorbei und genossen argentinisches Beef in einem der Restaurants des Fünfsternehauses Park Gstaad. Es gehört Dona Bertarelli, der Schwester von Ernesto Bertarelli. Ja, ich habe schon weniger komfortabel Ferien gemacht. Aber heute ist Schluss, um neun reise ich ab ins Unterland, ade Gstaad, ade Saanenland.
Augenerfrischung: der Lauenensee. Hinten erahnt man das Hochgebirge. 
Das Fussbad im Louwibach tat gut.
Weiter unten im Feuchtrevier Rohr. Sein Markenzeichen sind solche Tristen.

Samstag, 8. Juli 2017

Traute Nähe und zackiger Horizont

Das war gestern im Saanenland ein guter Tag. Und ein abwechslungsreicher. Die Highlights waren:

Mmm, etwas Leichtes:
die Käseschnitte auf dem Hüsliberg.
  • Auf dem Rellerli, das man per Gondelbahn ab Schönried erreicht, hielt uns der Bergbahnenchef der Region einen Vortrag - interessant und ziemlich düster sieht die Lage aus. Aber es gibt auch Ideen, wie man die Bahnen in die Zukunft führen kann. Mehr davon bald in diesem Blog.
  • Vom Sparenmoos fuhren wir mit dem Trottinett hinab nach Zweisimmen, mir zittern heute die Hände vom vielen Bremsen. Grandios, diese Schussfahrt zu Tale mit den vielen engen Kurven.
  • Am Abend gab es eine Führung durch Saanen, das ich noch gar nicht kannte. Wir sahen das Grab von Gunter Sachs. Historische Chalets aller Grösse. Und eine Achtjährige in Tracht, die gerade auf dem Weg zu einem Alphornkonzert war. Der Vater trug ihr das Alphorn.
  • Die Hauptsache zum Schluss. Vom Rellerli, siehe oben, zum Sparenmoos, siehe ebenfalls oben, gingen wir zu Fuss durch eine berückende Voralpinlandschaft (3 Stunden, 289 Meter aufwärts, 385 abwärts). Zur Linken hatten wir die Freiburger Dolomiten mit dem Gastlosen-Massiv, zur Rechten aber gestaffelt in Ketten die Berner Alpen samt Wildhorn und Plaine Morte und und und. Gibt es eine aussichtsreichere Drei-Stunden-Wanderung? Ich wüsste keine. Ah ja, wir assen dann auch noch opulent, Käseschnitte und so, auf dem Hüsliberg (Vorderer Hüsliberg auf der Karte), einer Alp beim Sparenmoos. Sehr stimmig, dieses Gesamtpaket von trauter Nähe mit Kühen und Blüemli zum einen, zackigem Horizontabschluss zum anderen.
Kurz nach Wanderstart beim Rellerli.
Deutsche Wandererfamilie, in die sich ein paar Kühe verliebt haben.
Oh du liebliches Saanenland.

Freitag, 7. Juli 2017

Frau Martins Spezialbrille

Scherenschnitt-verzierte Scherenschnittkünstlerinnenbrille.
Es ist 2 Uhr 30, irgendwie bin ich schlaflos, an der guten Luft kann es nicht liegen, still ist es auch draussen, die kleine Journalistengruppe, zu der ich gehöre, ist im Hotel Hornberg in Saanenmöser untergebracht, einem stimmigen Ort abseits jeden Rummels, das Abendessen war hervorragend und das Hotelier-Ehepaar enorm nett. Bevor ich mich wieder ins Bett lege, publiziere ich hier schon mal den Blogeintrag für heute Freitag. Zur Erinnerung: Dies ist eine Pressereise, bei der wir die Schönheiten und Besonderheiten des Saanenlandes kennenlernen sollen. Gestern abend trafen wir Regina Martin, die ursprünglich Keramikerin war und dann auf Scherenschnitte umsattelte; die sind eine Spezialität der Gegend, auch in meinem Hotelzimmer hängt ein wunderbarer Scherenschnitt. Ich fand die Begegnung interessant, natürlich durften wir mit der speziellen Schere, die ein wenig wie eine Nagelschere aussieht, selber probieren. Was herauskam... nun ja, Frau Martin kann es besser. Lustig fand ich, dass sogar ihre Spezialbrille, die genau auf die Entfernung der Augen zum Papier abgestimmt ist, mit Scherenschnitt-Motiven verziert ist. Alles Weitere zu der Künstlerin aus Schönried, die mehr als genug Arbeit hat, findet man auf ihrer Homepage.

Trauffer ist der Berner Sänger. Das
Plakat stammt von Regina Martin.
P.S. Heute Freitag soll es mit einem Besuch auf dem Rellerli weitergehen. Die Bahn wird nächstes Jahr die letzte Saison fahren, dann läuft die Konzession aus. Was danach kommt, hängt zu einem guten Teil von zwei bekannten Financiers ab, die sich bei den örtlichen, arg darbenden Bergbahnen eingekauft haben - das Rellerli wird wohl eine Art halbprivater Hoger, freilich ist unklar, wie genau; und sicher wird auch das normale Volk irgendwie dort verkehren dürfen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte genau wie die Sache mit Les Arts Gstaad; auch darüber redeten wir gestern. Jetzt lege ich mich noch einmal hin, wer weiss, vielleicht hat mich die Bloggerei schlafreif gemacht - schenke mir Schlaf, grosser Tourismusgott, schenke mir Schlaf.
Regina Martin präsentiert eigene Arbeiten.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Adieu Tagi, hallo Gstaad

Beachvolleyball-Turnier in Gstaad. Auch diese
Veranstaltung steht auf unserem Reiseprogramm.
(Gstaad Tourismus/ Wikicommons)
Gestern hatte ich den Letzten beim Tagi, ich gab für alle einen aus in der Sherif's Bar, das war lustig. Und damit vorwärts geschaut: Heute geht es ins Saanenland, ich bin Teil einer kleinen Pressereise, die bis Sonntag dauert und uns Journalisten zeigen soll, dass die Gegend sich nicht nur für Superreiche als Ferienziel eignet. Das Programm ist bunt, es gibt Miniwanderungen, grosse Essen und vor allem Begegnungen, zum Beispiel mit einer Scherenschnitt-Künstlerin oder auch einem sehr speziellen Unternehmer aus Feutersoey. Als ich mich am Sonntag einlas, hirnte ich ein wenig, warum ich selber selten nach Gstaad, Saanenmöser usw. reise. Vier Dinge fielen mir ein; nun bin ich gespannt, ob die Reise mein Bild der Region verändern wird.

Die vier Dinge sind:
  • Tatsächlich fährt man immer ein bisschen kleinlaut an Orte, die man mit Reichen und Superreichen assoziiert; man denkt: Ist das etwas für mich? Werde ich da überhaupt wertgeschätzt? Gstaad kann den Mittelständler durchaus einschüchtern.
  • Punkto Stars ist das Image von Gstaad ältlich: Julie Andrews, Blake Edwards, Roger Moore, Johnny Halliday.
  • Das Saanenland liegt verkehrstechnisch nicht besonders gut. Die Anreise von Zürich dauert und ist umständlich. Und jedes Mal, wenn ich Richtung Gstaad unterwegs bin, sind die Züge das Simmental hinauf übervoll, irgendwie ist die Linie überlastet oder schlecht gemanagt.
  • Das Saanenland ist keine Einheit und hat keine interne Hierarchie. Es besteht aus mehreren Orten und etlichen Talschaften. Wenn man sich Ferien dort vorstellt, fällt einem alles und nichts ein. Es fehlt ein wichtigster Berg; das Appenzellerland zum Beispiel hat den Säntis, an dem sich die Fantasien festmachen können. Aber Gstaad?

Mittwoch, 5. Juli 2017

Rätselhafte, faszinierende Walser

Ünsch? Klingt so ein Bündner? Ja, wenn er auch ein Walser ist.
Das Schild steht vor einer Wirtschaft im Sertigtal nah Davos.
Heute gibt es von mir im Tagi eine Hintergrundseite zu den Walsern. Der Titel lautet "Das Phantom der Alpen", er spielt darauf an, dass die Walser einerseits historisch sehr wirksam waren und einen Gutteil der hiesigen Berggebiete besiedelt und geprägt haben. Dass anderseits diese Walser gar nicht leicht zu fassen sind. Am ehesten geht das über den Dialekt; wer im Prättigau mit Einheimischen redet, stellt fest, dass die ganz anders klingen als die Bündner der Tourismuswerbung. Für "uns" sagen sie "ünsch", das klingt doch heftig nach dem Goms, aus dem sie im Mittelalter auszogen.

Dienstag, 4. Juli 2017

Eine sehr nützliche Karte

Woher wissen wir, dass Schleitheim in der Römerzeit "Iuliomagus" hiess (Eintrag von gestern)? Von der Tabula Peutingeriana, einer 6,8 Meter auf 34 Zentimeter grossen Rollkarte, die die Welt zeigt, wie sie die Römer kannten. Die Tabula wurde im 12. Jahrhundert angefertigt aufgrund einer karolinigischen Vorlage, die wiederum auf eine römische Strassenkarte zurückgeht. 1591 wurde die Tabula ein erstes Mal gedruckt.
Ein Ausschnitt der Tabula Peutingeriana. Der Bodensee ist etwas klein geraten.
Gleich darunter ist Arbon eingezeichnet, "Arbor felix". Und darüber sehen wir
"Iulio mago" (grammatikalisch ein Dativ oder Ablativ zu "Iuliomagus").
(Wikicommons).

Montag, 3. Juli 2017

Bona res

Das Römerbad von Iuliomagus, heute Schleitheim.
Der Pavillon über dem Bad ist neu.
Bevor es Schleitheim gab, gab es draussen im Randen, heute Kanton Schaffhausen, einen römischen vicus. Eine Kleinstadt. Iuliomagus lag an der Fernstrasse von Tenedo (Zurzach) ins Badische und war von stattlicher Dimension. Nachgewiesen ist ein Tempelbezirk, besichtigbar aber zwei andere Dinge. Als ich gestern bei der Haltestelle "Salzbrunnen" am Dorfrand von Schleitheim aus dem Bus stieg, folgte ich dem Schild "Iuliomagus". Es führte mich zuerst zu einer Gewerbezone und zum Untergeschoss eines riesigen Gewerbegebäudes. Dort sind Reste der ehemaligen Marktstrasse dokumentiert mit Keller und Ladenlokal. Danach kam ich zu einem markanten, unlängst eröffneten blauen Pavillon. Er schützt und inszeniert das einstige Bad, in der sich Einheimische und Legionäre auf dem Durchmarsch trafen. Toll fand ich, dass sowohl die Originalreste im Gewerbegebäude wie auch der Pavillon zu den üblichen Tageszeiten immer offen sind, man zahlt den freiwiligen Eintritt und schaut sich um. Bona res! Gute Sache!
Zwei Gehminuten entfernt findet man im UG eines Gewerbegebäudes weitere Ruinen.
Das Wandgemälde am Gebäude zeigt, wie Iuliomagus ausgesehen haben könnte.

Sonntag, 2. Juli 2017

Olmekisches Babyface

Der Aargauer Marcel Ebnöther, 1920 bis 2008, war Chemiker. Und Unternehmer, Firmengründer. Ab 1970 reiste er aus beruflichen Gründen viel und begeisterte sich zusehends für die Kunst Südamerikas: ein Antikefan war er schon als Gymnasiast gewesen. Im Lauf der Jahrzehnte legte Ebnöther eine gewaltige Kollektion von 6000 Gegenständen - Skulpturen, Waffen, Gefässe und so weiter - an; die Sammlung ist im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen zu sehen. Natürlich nicht die ganze, aber ein Teil, wobei die Sachen schlau arrangiert sind in immer neuen Gegenüberstellungen von Alter und Neuer Welt. Man muss da hin und wird das olmekische Babyface, den Indianerkobold, die bizarre Totenurne, die üppigbrüstige Frauenstatuette und all die tierförmigen Vasen nicht so schnell wieder vergessen - Mesopotamien und Mittelamerika, Homer und die Inkas treffen aufeinander.

Samstag, 1. Juli 2017

Die Melchiors und ihr Wasserfall

In der Rofflachlucht: Galerie hinter dem Hinterrhein und seinem Fall.
Das Gasthaus Rofflaschlucht ist
bis heute im Besitz der Melchiors.
Seit 1833 gehört das Gasthaus bei der Rofflaschlucht oberhalb Andeer der Familie Melchior. Wirtespross Christian Melchior wanderte mit der Frau gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika aus. Dort arbeitete er als Diener, kam zu den Niagarafällen und erkannte, wie man ein solches Naturspektakel touristisch nutzen und damit Geld verdienen kann. Wieder zuhause, bohrte und sprengte er von 1907 bis 1914 einen Weg vom Restaurant in die enge Rofflaschlucht bis zum Wasserfall, hinter dem er eine Galerie in den Fels trieb, so dass der Besucher heutzutage den Hinterrhein gewissermassen hintergehen kann. Genau das tat ich am Donnerstag. Nach der Schluchtvisite und der Einkehr wanderte ich hinab nach Andeer, verspürte dort grossen Hunger und verschlang im Hotel-Restaurant Post einen Yak-Hamburger, der dem vorangegangenen Doppel-Erlebnis von Besichtigung und Wanderung kongenial war. Tolle Sache.
Weg zum Wasserfall, von Christian Melchior gebaut.