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Sonntag, 21. Oktober 2018

Gotteshaus in der Felswand

Heute wieder mal eine Sonntagsfrage. Und zwar diese: In welchem Ort ist dieses Foto aufgenommen,  und wie heisst die Kirche in der Felswand? Einziger Hinweis: Schweiz! Wer die Antwort weiss, mailt mich an auf die Adresse widmerwandertweiter@yahoo.de. So, jetzt wünsche ich allen einen schönen Sonntag.

Samstag, 20. Oktober 2018

Sonniger Freitag im Haslital

Die Jungibachfälle im Gental, fotografiert aus dem Bus.
Ihre Wasser schiessen aus Löchern in der Felswand.
Hier isst man gut: Hotel Engstlenalp.
Das war gestern eine beglückende Wanderung unter einer Sonne, die wärmte, als sei es August. Die Sache spielte sich in der Region Haslital ab. Von der Tällihütte hoch über Gadmen, die man per Seilbahn erreicht, wanderten wir via das Sätteli zur Engstlenalp - ein Klassiker unter den Berner Oberländer Bergwegen. An- und Rückreise waren lang, je gegen vier Stunden. Erst gegen zehn Uhr abends war ich wieder zuhause in Zollikerberg und konnte meine 285 Fotos nicht mehr sichten und ordnen, das mache ich heute. Und also bringe ich hier vorerst einmal drei Bilder vom Schluss der Wanderung. Das Ende kündigte sich mit dem Engstlensee an, der derzeit ziemlich wenig Wasser hält. Auf der Engstlenalp assen wir kurz danach in dem schönen alten Hotel hervorragend, Kotelett nach Jägerart mit Pfifferlingen und Speck. Und die Busfahrt das Gentäli hinab nach Meiringen im beginnenden Abend war Sonderklasse. Auch wenn die Jungibachfälle ebenfalls weniger Wasser führten als gewöhnlich. Mehr von dieser Unternehmung werde ich später erzählen. Aber nicht morgen Sonntag. Da gibt es wieder mal ein Rätsel.
Der Engstlensee oberhalb des Hotels Engstlenalp war auch schon besser gefüllt.

Freitag, 19. Oktober 2018

Die gepiercte Maria


Schon krass, oder? Und wie erklärt man so etwas Kindern? Die Kapelle von Gormund an der Strasse von Luzern nach Beromünster heisst "Maria Mitleiden". Seit 500 Jahren kommen Leute hierhin in der Hoffnung, irgendein Problem, ein Gebresten, eine Krankheit loszuwerden. Den Schmerz bei Maria zu deponieren, die zeigt, wie man mit Schmerzen lebt.

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Gruseln in Zürich

Kurios. Das Zürcher Grossmünster gehört dem Kanton Zürich, der Kreuzgang des Grossmünsters aber der Stadt Zürich. Kürzlich war ich wieder einmal im Kreuzgang, das war schön, in der Kirche selber ballten sich die Touristenscharen, gleich nebenan hatte ich meine Ruhe. Besonders hübsch fand ich all die Fratzen und Gruselszenen aus Sandstein an den Säulen und Bögen.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Da drin hats für jeden etwas

Selbstbildnis in der Alhambra. Der Alhambra von Luzern.
Hausmodelle der Schweiz.
Heuer war ich zwei Mal in Luzern unterwegs. Das erste Mal besichtigte ich das Löwendenkmal, das Alpineum und das Bourbaki-Panorama. Inzwischen bin ich ein zweites Mal hingefahren. Ich ging in den Gletschergarten, den ich noch nicht kannte. Mir gefiel das sehr: mitten in der Stadt die Gletschertöpfe als Relikte der Eiszeit. Auch das alte Wohnhaus der Familie Amrein von 1874 auf dem Areal mochte ich mit allem, was in ihm von Mineralien über Schweizer Hausmodelle bis topografische Reliefs ausgestellt ist. Im Alhambra-Spiegelkabinett war ich auch und nahm dann den Findlingsweg, der zur höchsten Stelle der Anlage führt, wo ein Aussichtsturm den Blick über die Stadt erlaubt. Der Gletschergarten: ein witziges Sammelsurium. Da drin hats für jeden etwas.
Blick in einen Gletschertopf.

Dienstag, 16. Oktober 2018

Fluss überquert Fluss

Das Sitterstollenrohr über die Urnäsch zwischen Stein und Herisau.
Irgendwie ein bisschen verrückt. Die Urnäsch, ein Appenzeller Fluss, wird von der Sitter, einem anderen Appenzeller Fluss, gekreuzt. Die Sitter tut das nicht freiwillig, ein Teil ihres Wassers ist in einem langen Stollen gefasst, der einen Kilometer westlich von Stein bei Wilen steil zur Urnäsch abfällt und diese überquert, um am anderen Ufer ebenso steil wiederaufzusteigen. Die Leitung führt danach zum Gübsensee, einem St. Galler Stausee, der keine Zuflüsse hat; er wiederum hat die Aufgabe, Wasser ins nahe Kraftwerk Kubel einzuspeisen. Zurück zu jenem Ort, an dem die entführte Teil-Sitter in ihrem Rohr über die Urnäsch setzt: Technisch gesehen handelt es sich um einen Siphon. Gemäss dem Prinzip der kommunizierenden Röhren muss das Wasser auf beiden Seiten des Hanges gleich hoch stehen, so kommt es, dass im Westen steigt, was zuvor im Osten fällt.

Schild in der Wilen, Stein.
Am Wochenende nahm ich den Weg, der bei Wilen dem Rohr mit der gefassten Sitter hinab zur Urnäsch führt und am andereren Ufer wieder hinauf. Ein Gutteil besteht beidseits aus sehr steilen Metalltreppen, ein Schild warnt, dass man auf eigene Gefahr geht, ein Wanderweg ist das nicht. Und man muss bei Wilen überhaupt den Einstieg am Waldrand des Tobels finden. Immerhin ist der Weg hinab zum "Sipho" (mit kurzem O), wie die Einheimischen sagen, auf der Karte von Schweizmobil eingezeichnet. Ich genoss das Abenteuerli, das letzte Mal war ich an diesem Ort vor gut 45 Jahren mit dem Vater, der ganz in der Nähe aufgewachsen war und bisweilen mit uns wandern ging. Hier die ganze Route, die ich machte: Niederteufen - Wonnenstein - Gmünden - Sitter, Badeplatz Strom - Stein, Rose - Haltenweid - Wilen - Siphon - Burg - Sturzenegg - Gübsensee, Bahn.
Die Treppe neben dem Rohr ist steil.

Montag, 15. Oktober 2018

Kindheitswanderung

Der Säntis im morgendlichen Herbstlicht.
Badeplatz "Strom" an der Sitter.
Die erste Alpsteinkette samt Säntis und Hohem Kasten vor Augen, wanderte ich am Wochenende im Herbstlicht. Zart der dunstige Himmel, wild die Route mit steilen Tobeltreppen und gar einer Leiter; abseits der Dörfer begegnete ich nur zwei Menschen.  Der eine war ein Bauer, der grad einen Hag steckte. Und die andere Person, das war die Frau meines Onkels. Sehr verwunderlich war das nicht, denn meine Wanderung führte durch den Teil von Ausserrhoden, wo ich aufgewachsen bin und meine Familie haust - Appenzeller Hinterland, mehrheitlich, das ich durchstreifte. In Niederteufen startete ich, am Gübsensee, knapp schon im St. Gallischen, war Schluss, dazwischen querte ich die Tobel der Sitter, der Urnäsch und des Stösselbaches. Zum mittleren Tobel, dem der Urnäsch, will ich morgen noch etwas mehr erzählen und dabei gleich die ganze Route genauer definieren: Ich nahm nämlich einen abenteuerlichen Nichtwanderweg, auch er Teil meiner Erinnerungen. Also, bis morgen.
Ein perfektes Ferienhüsli in Stein.
Huch! Treppe aus dem Sittertobel hinauf nach Stein.

Sonntag, 14. Oktober 2018

Endlich!

Endlich! Kürzlich jammerte ich hier, dass seit gefühlten Ewigkeiten auf der Strecke St. Gallen - Teufen statt der Appenzeller Bahn ein blöder Ersatzbus verkehrt - nervig! Nun, seit einer Woche ist das vorbei, die Schienen sind wieder verlegt und der neue Ruckhaldetunnel zwischen St. Gallen und dem Riethüsli eingeweiht. Gestern morgen fotografierte ich am Bahnhof St. Gallen die Bahn, die nun wieder fährt, das Ding links daneben, das ist die Trogenerbahn. Bald werden die zwei sich vereinigen, denn im Dezember steht der zweite Modernisierungsschritt an, dann entsteht eine Durchmesserlinie. Nachdem ich fotografiert hatte, fuhr ich gestern Richtung Teufen - in einer total neuen Komposition, übrigens, deren Polster noch nach Fabrik rochen. Das Fahrgefühl ist völlig anders, früher ruckelte, zuckelte, schnaufte das Bähnli zahnradmässig ins Riethüsli hinauf. Im neuen Tunnel wird die Strecke schneller und unspektakulärer zurückgelegt. Unromantischer auch. Effizient halt. Aber hey, ein bisschen schneller ins Appenzellerland kommen ist immer gut. A propos: Könnte man bitte gelegentlich die Strecke Gossau - Herisau - Waldstatt - Urnäsch - Appenzell - Wasserauen beschleunigen? Schweizerdeutsch gesagt, bekommt man ja Vögel, bis man endlich am Alpstein ankommt und loslaufen kann. Mir würde eine Art Metro vorschweben. Appenzeller Bahnen, bitte planen!

Samstag, 13. Oktober 2018

Zwei Brüder namens Lü und Gü

Jö, Lü!
(Foto: Adrian Michael/ Wikicommons)
Lü ist ein Dorf im Val Müstair, Kanton Graubünden. Und Gü ist ein Flurname, den es laut der Datenbank der Schweizer Ortsnamen in der Schweiz gleich mehrfach gibt, zum Beispiel in Küsnacht im Kanton Zürich. Lü und Gü zusammen - das klingt wie ein chinesisches Brüderpaar. Und jetzt wünsche ich allen ein schönes Wochenende, das Wetter ist ja wieder einmal sehr gut. A propos: Gibt es neben mir noch andere Leute, die finden, es dürfte jetzt dann mal zwei, drei Wochen am Stück regnen?

Freitag, 12. Oktober 2018

Die sirachende Prättigauerin

Ich mag die Schweizer Spitzenkletterin Nina Caprez nur schon wegen ihres Prättigauer Dialekts: "D Wand wartet uf ünsch", sagt sie in diesem knapp halbstündigen Film. Zur Hauptsache wird darin freilich Französisch gesprochen, da Caprez mit ihrem französischsprachigen Gefährten Cédric Lachat unterwegs ist. Und zwar in Nordspanien im Picos-de-Europa-Gebirge, wo die Wand des Orbayu wartet. Die ist brutal schwierig, und unberechenbarer Nebel nervt, so dass Nina wieder einmal ausgiebig zum Sirachen kommt. Wirklich amüsant, diese Extremkletterei.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Museum statt Bergweg

Eigentlich sollten hier Fotos von der Bergroute Tällihütte (Gadmen) - Sätteli - Engstlenalp zu sehen sein, Bilder also aus der Region Susten/Haslital. Ich wurde gestern auch pünktlich wach, hätte also durchaus um 5 Uhr 10 zu der langen Anreise aufbrechen können. Bloss - ich hatte Halsweh und fühlte mich nicht wirklich fit. Also machte ich mir einen ruhigen Vormittag im Bett. Gegen Mittag dann rappelte ich mich auf, fuhr nach Aarau und schaute mir im Aargauer Kunsthaus die Ausstellung "Surrealismus Schweiz" an. Was für ein Spektakel! 400 Werke, vorwiegend Gemälde und Plastiken, sind zu sehen aus dem Zeitraum von 1920 bis 1950. Sie zeigen, dass surrealistische Gefühle auch hierzulande wallten in einer Zeit, die eigentlich Heimatkult und geistige Landesverteidigung und Dienst an der Scholle propagierte. Nachtschwarze Visionen, Traum- und Alptraumbilder, zerfliessende Gegenstände, erotische Stillleben, afrikanische Reminiszenzen, psychedelische Visionen sind in der Ausstellung zu sehen. Sie begeisterte und überforderte mich, ich will noch einmal hin, in einem Besuch ist das gar nicht alles zu bewältigen. Bis 2. Januar 2019 ist  es noch möglich. Hier eine gute Besprechung.

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Bitte noch ein' Teller voll!

Riesenanlage: Das Gurnigelbad auf einer Postkarte, circa 1900.
(Wikicommons)
Ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte den grossen Bildband über das Gurnigelbad schon von A bis Z gelesen. Aber durchgeblättert habe ich die Neuerscheinung "Gurnigelbad - Die Stadt im Walde" von Christian Raaflaub und finde die Geschichte faszinierend. Drei schwefel- und eisenhaltige Quellen gibt es in der Gegend des Bades im Bergland westlich von Thun auf Boden der Gemeinde Riggisberg; die Quellen bewirkten es, dass sich im 19. Jahrhundert ein florierender Hotelbetrieb ergab, nach einem verheerenden Brand im Jahr 1902 kam es zum Neubau. Von den riesigen Häusern ist nicht viel übriggeblieben, man kennt diese Niedergangsgeschichten einstiger Kurherrlichkeit von anderswo, immerhin gibt es bis heute den Berggasthof Gurnigelbad. Witzig fand ich im Buch das achtstrophige Gedicht "Gurnigelsuppe"; dabei handelte es sich um eine mit allerlei Zutaten wie Gerste angereicherte Bouillon aus Rinds- und Kalbsknochen, die einst den Badegästen schon zum Frühstück gereicht wurde. Das Gedicht beginnt so:
"Von des Stockhorns Felsenkuppe/ Bis zum feinsten Maulwurfsknoll/ Lebe Hoch Gurnigelsuppe! Bitte noch ein' Teller voll!"

Dienstag, 9. Oktober 2018

Das Kastell von Zürich

Der Lindenhof liegt etwas erhöht über dem linken Ufer der Limmat mitten in Zürich, er ist einer der frühen Orte der Stadt. Eine keltische Siedlung ist nachgeweisen, später bauten die Römer ein Kastell, es folgten im frühen Mittelalter zwei Pfalzgebäude, das erste gehörte noch der Zeit Karls des Grossen an. Heute ist der Lindenhof nicht mehr befestigt. Auf der baren Fläche wird Boule gespielt, die Touristen fotografieren die schmucke Zunfthauszeile auf der anderen Seite der Limmat und das blaue Tram. Kürzlich war ich oben und betrachtete fasziniert eine Serie didaktischer Plakate, die die verschiedene Bebauungs-Stadien des Lindenhofs zeigen. Eines dieser Plakate, das mit dem römischen Kastell, habe ich fotografiert. So sah Zürich einst aus.

Montag, 8. Oktober 2018

Fleisch und Pilz

Im Kühlraum von Luma. Foto oben: Beef mit Pilzmantel.

Lucas Oechslin erzählt und erklärt.
Kennen alle Luma? Ja, Beef! Der Firmenname setzt sich zusammen aus den ersten zwei Buchstaben der Vornamen der beiden Firmengründer Lucas und Marco. Luma ist acht Jahre alt, handelt mit gutem Rindfleisch, hat zudem ein Patent darauf, einen bestimmten Schimmelpilz auf Fleisch anzusetzen; der Pilz dringt in das Fleisch ein, verändert es, veredelt es, macht es zart - Luma Beef, ein Luxusartikel, ein gefragtes Produkt, das immer wieder mal in den Medien auftaucht. Am Samstag waren wir zu zwölft in Neuhausen, wo die Firma zuhause ist. Lucas Oechslin himself nahm sich Zeit, erzählte uns alles über den Schweizer Fleischmarkt, den Pilz seines Vertrauens und dessen Wirkweise, über Enzymschnitte und Moleküle, über den biologischen Zerfallprozess von Fleisch, über Rinderzucht hierzulande, in Amerika, in Spanien; ah ja, Luma hat mittlerweile einen Ableger in der EU, in Leipzig. Nach dem Vortrag und der Diskussion ging es in die Kühlkammer, wo das Fleisch lagert, wir trugen alle Schuhüberzieher, Haarhäubchen und Plastikmänteli. Und dann zogen wir in den nahen Wald, Lucas feuerte an, legte verschiedene Stücke auf den Grill, wir degustierten, herrlich. Wie das zustandekam? Freundschaft, ein Journalistenfreund von mir kennt Lucas gut. Am Ende wanderten und verdauten wir, indem wir von Neuhausen via den Rheinfall nach Schaffhausen gingen. Es war ein lebhafter, genussvoller und sehr lehrreicher Tag.
Später im Wald von Neuhausen.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Justiz von einst

Vicosoprano: Die Enkelinnen posieren am Pranger, Grossvater fotografiert.
Modernes Wandbild im Pretorio.
Als ich vor Wochen im Bergell war, schlief ich in Vicosoprano, einem Dorf mit historischem Kern. "Folterkammer" stand am Tor zum alten Rathaus, dem Pretorio, das um einen mittelalterlichen Rundturm gebaut ist, den Senvelenturm. Ich trat ein, beschaute mir das Gemäuer und sein Inventar, da waren Schandmasken und andere Quälgeräte; draussen vor dem Eingang gab es an der Gasse auch einen hohen Stein mit einer Halskette in entsprechender Höhe, das war der Pranger, auf dem Delinquenten stehend fixiert und also in ihrer Schande ausgestellt wurden. Vicosoprano war Sitz des Hochgerichts der Talschaft, das schwere Delikte beurteilte und die Todesstrafe verhängen konnte. Teil des Strafensembles ist auch ein Säulenduo zehn Gehminuten ausserhalb des Dorfes im Wald: der Galgen, unter dem die Strafen vollstreckt wurden von Erhängen über Köpfen bis Ersäufen in der nahen Maira. Vicosoprano macht es gut mit seiner geschichtlichen Substanz, es macht daraus Anschauungsunterricht, wie Justiz früher funktionierte. Nicht nur in Südbünden, sondern überall im Land.
Gerätschaften im Pretorio (oben und unten).
Der Galgen im Bosch da Cudin.

Samstag, 6. Oktober 2018

Ein musikalischer Ort, immerhin

Gestern fuhr ich auf den Berner Hausberg Gurten - ein Interview. Lange her, das letzte Mal war ich 1989 oben. Während ich bei der Talstation der Standseilbahn in Wabern auf die Leute wartete, mit denen ich verabredet war, stellte ich fest: Oh, der Platz heisst "Mani-Matter-Platz". Seit zwei Jahren ist das so. Sicher keine schlechte Wahl der Gemeinde Köniz, zu der Wabern gehört: Musikalischer ist kaum ein Platz in der Region, hier stauen sich jeweils die Leute, wenn auf dem Gurten das jährliche Festival ist und das Bähnli nicht mehr nachkommt. Viel Charisma hat der Ort nicht, aber immerhin. In Bern selber gibt es auch eine Erinnerung an den Liedermacher Matter: den Mani-Matter-Stutz. Er ist unansehnlich und trist, die NZZ schrieb über ihn: "Eingezwängt zwischen der Westfassade des Rathauses und der christkatholischen Kirche, führt er vom Rathausplatz hinab zum Eingang eines Parkings. Wohnungen gibt's keine. Das Schild ist überflüssig: Es ist kein Ort zum Verweilen." Da ist der Platz bei der Gurtenbahn allemal schöner.

Freitag, 5. Oktober 2018

Todesfallen, eine Geheimloge und der nette Andi

Eine der Treppen Richtung Graitery.
War das schön gestern! Ich ging von Moutier auf die Montagne de Graitery, von dort weiter via Loge aux Boeufs auf den Oberdörferberg und hinab nach Gänsbrunnen - 4 Stunden 40 Minuten Gehzeit, 930 Meter aufwärts und 770 Meter abwärts. Ein paar Dinge:
  • Moutier lag im Nebel, als ich ankam, ich war früh dran. Weiter oben dieser grossartige Herbstmoment: Der Nebel wird heller. Und er wird blauer. Bis die Sonne ganz durchbricht. Überall im Kraut der Wiesen, in Sträuchern, Zweigen und Ästen waren Spinnennetze gespannt. Gibt es ästhetischere Todesfallen?
  • Vor Graitery absolvierte ich die Escaliers. Treppen, die schon fast Leitern sind, drei Stück kurz nacheinander, aus Metall gefertigt. Komfort in einer Fluh, die sonst ohne Kletterei nicht zu machen wäre.
  • Loge aux Boeufs? Was soll das denn? Haben Rinder eine Loge? Eine Geheimloge etwa? Die Rinder vor Ort taten harmlos und unbeteiligt. Nichts war ihnen zu entlocken. Nichts.
  • Im Restaurant Oberdörfer war Betrieb. Offenbar ist das immer so. Ich fand aber Platz. Nahm Suppe und Schweinswürstli, derweil das Gros der Gäste auf Fondue setzte. Der Wirt, Andi, war extrem nett. Und kommunikativ. Selten fühlte ich mich so willkommen wie in dieser kleinen Bauernwirtschaft.
  • Spinnenkunst.
  • Die letzte Stunde ging es steil abwärts. Mit Tritten, über schlüpfrigen Kalk und dito schlüpfrige Baumwurzeln. Dann der Geländeschlitz mit dem Bahnhof von Gänsbrunnen. Trister kann man nicht warten, es tötelet dort heftig. Klamm war es auch, die Bise haute mich fast aus dem Faserpelz. Gott sei Dank hatte mir Wirt Andi auf dem Berg gesagt, wann der Zug nach Solothurn fährt. So konnte ich meine Ankunft in Gänsbrunnen timen. Ich musste nur sechs Minuten ausharren. Das war gut; die Kombination von Stundentakt und Gänsbrunnen ist brutal.

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Die Sensationshand

Die Hand von Prêles zwischen Bielersee und Chasseral.
(Bild: zvg/ Archäologischer Dienst Kanton Bern)
Beim Wandern hört man Dinge. Am Rand meiner Wanderlesung in Gossau und Umland letzten Samstag erzählten mir die Wanderfreunde Beat und Kurt etwas, das ich überlesen haben muss, obwohl es in den letzten Wochen überall war aufgrund einer Medienmitteilung von Mitte September. Demnach entdeckten in Prêles im Berner Jura letztes Jahr zwei Schatzsucher, Hobbyforscher also, ein Grab mit einer Bronzehand, an deren Gelenk ein Goldarmband befestigt ist. Die Plastik ist eine archäologische Sensation, sie ist an die 3500 Jahre alt und vermutlich die älteste Bronzeplastik Europas; einst war sie wohl anmontiert, an ein Szepter zum Beispiel oder an den Rest einer Menschenstatue. Noch bis zum 17. Oktober ist die Hand im Neuen Museum Biel ausgestellt. Gegen die beiden Privaten, die sie samt einer menschlichen Rippe und einem Dolch dem Archäologischen Dienst des Kantons Bern aushändigten, läuft ein Strafverfahren. Denn bei einer Nachgrabung stellten die Fachleute fest, dass aus dem Grab Gegenstände entwendet wurden. So stand es kürzlich in der Zeitung. Ohne dass ich es sah. Die Schatzsucher, übrigens, weisen jede Schuld von sich.

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Besuch im alten Rom

Augst: Der Neffe fotografiert das antike Theater.
Echt antike Suppenlöffel.
Gestern war ich mit meinem Neffen in Augusta Raurica. Wir schauten uns das Theater an und das Amphitheater, das Forum, die - begehbare - Kloake, die Reste des Tempels, den Backofen. Auch besuchten wir das Museum in einer stilecht imitierten Römervilla. Der eine Gebäudeflügel zeigt Fundgegenstände: kleine Götterstatuetten, den berühmten Silberschatz, Amulette und so weiter. Der andere Flüge besteht aus einer Abfolge realistisch nachgebauter Räume der Antike. Sie begeisterten uns beide am allermeisten. Und wieder einmal stellte ich fest: Mit Kindern ist das Besichtigen solcher Anlagen lustiger. Am Schluss waren wir beide müde, wir waren im weitläufigen Stadtrayon von einst doch elf Kilometer gegangen.
Einfach, aber gepflegt und schön farbig: So schlief man vor 2000 Jahren.

Dienstag, 2. Oktober 2018

20 Leute und ein Hund

Hund (vorn). Buchhändler (grün). Widmer (blau). (Foto: Beat Studer)
Am Samstag kamen gut 20 Leute zu meiner Wanderlesung im St. Gallischen. Und ein lustiger Zottel von Hund. Die Route, die Buchhändler André Wigger von der Gutenberg-Buchhandlung in Gossau ausgesucht hatte, begann in Andwil im Hinterland von Gossau. Von dort drehten wir folgende Runde durch paradiesisch grünes Högerland: Fischbach - Hohfirst - Hinterberg - Gossau. Im Restaurant Hohfirst gab es Fleisch auf grossen Platten, mehr als genug. Und Bier, Most, Rotwein, Mineral je nach Lust und Laune jedes Einzelnen. Am Ziel in Gossau besichtigten wir die Stadtbibliothek, die loftähnlich in einem alten Bau der Textilindustrie residiert. Um 13 Uhr hatte die Veranstaltung begonnen, um 17 Uhr 45 endete sie. Nun, nicht ganz, ein paar Leute nahmen noch ein Bier im Quellenhof beim Bahnhof und besichtigten das berühmte Krokodil im zugehörigen Australien-Restaurant Billabong. Zum Fotografieren war ich die ganze Zeit über nicht gekommen, ich wanderte, ich las, ich gsprächlete und war damit glücklich absorbiert. Aber Teilnehmer Beat Studer fotografierte, hat seine Fotos mittlerweile auf die Internetseite seiner Wandergruppe gestellt und erlaubte freundlicherweise, dass ich mich bediene (vielen Dank, Beat!). Ich wählte natürlich das Foto mit dem Hund.