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Sonntag, 16. Juni 2019

Raubtierwasser


Gestern war in der Wetterprognose der SMA die Rede davon, dass vom Löwengolf ein Tief heranziehe. Löwengolf? Ich musste nachschlagen. Es handelt sich um den Golfe du Lion bei Toulon und Marseille, der tatsächlich diesen - etwas verblichenen - deutschen Zweitnamen besitzt. Der Name "Golfe du Lion" ist gut 1000 Jahre alt und hat wohl nichts mit der Stadt Lyon zu tun, die dort auch gar nicht liegt. Womöglich geht die Bezeichnung darauf zurück, dass mittelalterliche Seeleute das Gewässer als wild, ja mörderisch empfanden.

PS: Gestern war ich auf der Musenalp, Kanton Nidwalden. Mein Foto zeigt das Gipfelbänkli und hinten das Buochserhorn. Mehr von der Wanderung demnächst.

Samstag, 15. Juni 2019

Bavona und Babylon

Ein Prato pensile in Sonlerto in der Valle Bavona.
Die Hängenden Gärten der Semiramis. Gemälde von
Maarten van Heemskerck, 19. Jh. (Wikicommons)
Es dauerte einen Moment, bis ich vor wenigen Wochen in Sonlerto im Bavonatal realisierte, was die Treppe auf den Riesenstein soll. In dieser Talschaft ist Wiesenboden so spärlich vorhanden, dass die Bauern von einst auf die Idee kamen, auch die Flächen auf den Felsen zu  besäen und zur Heuproduktion zu nutzen. Was so dekorativ aussieht, zeugt von Armut. "Prati pensili", hängende Wiesen, heisst die Einrichtung. Das wiederum erinnert an die "Hängenden Gärten" der altorientalischen Königin Semiramis. Jene terrassierten Pflanzungen grösseren Ausmasses waren freilich rein zur Zier eingerichtet; die Hängenden Gärten zu Babylon waren eines der sieben Weltwunder der Antike. Welches waren die anderen sechs? Ich will das nächstens hier ausführen.

Freitag, 14. Juni 2019

Ging gut, war schön

Ein Handyfoto von der Vernissage, danke, Catherine Duttweiler!
Die Vernissage meines neuen Buches ist nun also auch vorbei. Für mich war sie ein Aufsteller: ein angenehmes Gespräch mit Moderatorin Judith Wittwer vom Tagi. Ein stattliches und freundliches Publikum. Und darin viele Freundinnen und Freunde, die unter anderem aus Luzern, Bern, Rapperswil, Herisau, Wil, St. Gallen und dem Fricktal angereist waren. Das dominante Gefühl im Rückblick auf den Anlass im Zürcher Kaufleuten: Dankbarkeit für das Interesse am Buch. Was will man mehr als Autor?

Donnerstag, 13. Juni 2019

Knabenkraut und Lawinenkegel

Rinder? Teddybären?
Am Dienstag gingen wir von Stein im Toggenburg hinauf zum Risipass, hielten hinab ins Luterental nach Lutertannen und stiegen ein zweites Mal auf zur Schwägalp. 4 1/2 Stunden dauerte das, wir machten 1000 Meter aufwärts und 500 abwärts. Streckenweise waberte Nebel, ich war froh, die Gegend gut zu kennen und also um die Wucht und Imposanz der Säntiswand zu wissen, die wir vor Augen hatten, ohne sie zu sehen. Was wir mochten: die Schönheit im Kleinen, das Knabenkraut mancherorts zum Beispiel. Was wir hingegen beklemmend fanden: die Spuren des Lawinenwinters allenthalben. Auf der Schwägalp, die im Januar besonders heimgesucht worden war, querten wir den letzten vorhandenen Lawinenkegel. Zuvor, weiter oben, waren wir an Pfosten mit Wanderwegweisern vorbeigekommen, denen die Schneemassen bös zugesetzt hatten.
Stein SG, unser Startort. Wir bekamen vorerst noch etwas Sonne geschenkt.
Der Speer wird von dreisten Nebelschwaden belagert.

Mittwoch, 12. Juni 2019

Der Fuss im Luterental

Irgendwie erinnert mich dieser Block an eine riesige Statue des Trajan oder Vespasian, die ich vor 37 Jahren in Rom sah, als ich dort gleich nach der Matura Ferien machte. Es handelt sich jedoch um reine Natur. Ich fotografierte den Vorderfuss aus Kalk, der vom Regenwasser geformt wurde, gestern im Luterental im letzten Drittel einer Wanderung, die uns von Stein im Toggenburg über den Risipass in besagtes Tal und hinauf zur Schwägalp führte. Ich will später etwas mehr über die Route erzählen. Hier gilt es etwas anderes einzuschieben: Heute abend um acht Uhr ist Vernissage meines neuen Buches "Hundertundein Stein" im Kaufleuten Zürich. Bin ich gestresst, bin ich nervös? Nicht so sehr, weil ich ja doch viele Auftritte hinter mir habe. Ein bisschen Angst macht mir jeweils eines: Wenn viele Leute um mich sind, verwechsle ich oft den Namen zu einem bestimmten Gesicht. Nun hoffe ich, dass mir das heute abend nicht passiert. Oder dass es mir, falls es doch geschieht, verziehen wird. Ansonsten: Ich freue mich! Und wer spontan kommen will: Das Kaufleuten ist nicht für kleine Räume bekannt. Platz hat es genug.

Dienstag, 11. Juni 2019

Entrücktes Tessin

Schön. Die nächsten anderthalb Jahre braucht man
aber (ab Zürich) länger, den Luganersee zu erreichen.
Seit langer Zeit war sie angekündigt, seit Sonntag ist sie in Kraft: die Sperrung der Bahnstrecke von Zug nach Arth-Goldau. Bei Walchwil wird endlich die Doppelspur realisiert, auch überholen die SBB ihre Anlagen auf der Strecke, Tunnels und Brücken zum Beispiel. Bis 12. Dezember 2020 - jawohl, 2020, nicht 2019! - werden sämtliche Fernzüge über den Gotthard ab Zürich und Zug via Rotkreuz umgeleitet. Die Fahrzeiten ins Tessin verlängern sich deswegen um bis zu 15 Minuten. Im Online-Fahrplan sind die Zeiten angepasst. Seufz.

Montag, 10. Juni 2019

Loch am Anfang, Loch am Schluss

Schöner grüner Jura: zwischen Chratten und Vorder Erzberg (oben rechts).

Die Salzrollen beim Vorder Erzberg: begehrter Schleckstoff.
Rundum Jura, Kämme zum einen, kecke Spitzen zum anderen. Alles grün, nur an wenigen Stellen die Graspolster durchbrochen von bleckenden Kalkfluhen. Das war die Kulisse unserer Pfingstsamstag-Wanderung. Wir starteten bei der Bushaltestelle Passwang, zogen via Beibelberg und Chratten nach Vorder Erzberg, erstiegen von dort die Hohe Winde, stiegen auf dem selben Weg wieder ab, gingen zum Scheltenpass und nahmen die letzte Steigung vor dem Zmittag, die hinauf zum Matzendörfer Stierenberg. Im Restaurant mit der grossen Terrasse assen wir gut, mussten freilich die Windjacken überstreifen, denn es blies eine böse Bise. Der Nachmittag war noch einmal anstrengend: hinüber nach Zentner und zur Oberen Tannmatt, durch die Rüchi zum Lochboden, dann zur Ergeleralp und hinab nach Welschenrohr. Nur etwas wurmt mich im Rückblick auf die schöne Unternehmung (sechs Stunden, 805 Meter aufwärts, 1055 abwärts): Wir hätten am Schluss noch das Bärenloch besuchen sollen, das tunnelportalartige Felsloch über Welschenrohr. Als ich mich umdrehte, es hoch über uns in der Wand sah und die Idee zur Visite hatte, waren wir freilich schon unten im Dorf. Noch einmal hinauf - dafür hätte mir die Energie dann doch gefehlt. Nun gut, das Bärenloch steht jetzt auf meiner Liste mit Wanderzielen.
Unser Anfangsloch: Der Passwang-Strassentunnel-Ausgang, wo wir starteten.
Unser Schlussloch: Das Bärenloch in der Felswand oberhalb Welschenrohr.

Sonntag, 9. Juni 2019

Pfiwa

War ein unbeschwerter Tag gestern, wir zogen durch den Solothurner Jura und erstiegen unter anderem die Hohe Winde, 1204 Meter über Meer; von diesem Kalkgipfel bescheidener Höhe sieht man den Alpenkranz, aber auch den Schwarzwald und die Vogesen. Auf der Anreise via Olten, Oensingen, Balsthal zum Passwang war mir aufgefallen, wieviele Kinder in Gruppen unterwegs waren -  Pfingstlager, abgekürzt Pfila, eine nationale Institution. Was wir machten, taufte ich im selben Augenblick "Pfiwa". Pfingstwanderung.

Samstag, 8. Juni 2019

Die Hungerfestungen

In der Gegend von Monte Carasso und Sementina, am Westufer des Ticino auf der Höhe von Bellinzona und Giubiasco, fotografierte ich diese Mauern und den zylinderförmigen Turm. Ich dachte: oh, Mittelalter! Was völlig falsch ist. Es handelt sich um Teile der Fortini della Fame, der "Hungerfestungen". Die markanten Anlagen entstanden im jungen Bundesstaat Schweiz. 1853 begann man mit der Befestigungslinie, die der Sonderbunds-General Guillaume-Henri Dufour entworfen hatte; sie zog sich von der Magadinoebene bis Monte Carasso. Es handelte sich um Arbeitsbeschaffung. Ein halbes Tausend arbeitslose und hungernde Tessiner, die zuvor aus dem Lombardo-Venezianischen Königreich ausgewiesen worden waren, bauten zwei Jahre an den Festungen und kamen so zu einem Auskommen. Das Verteidigungswerk sollte zudem verhindern, dass der Kanton Tessin und das ganze Land in den Konflikt des Risorgimento verwickelt würde; so heisst die Bewegung, die sich insbesondere gegen das Lombardo-Venezianische Königreich, Teil der Habsburgermonarchie, richtete und letztlich zur Bildung des Nationalstaates Italien führte. Die Schweiz fürchtete damals, Habsburg könnte sie von der Lombardei her angreifen und so Rache dafür nehmen, dass sie als stolze Republik anti-habsburgische Revolutionäre und Flüchtlinge aufgenommen hatte.

Freitag, 7. Juni 2019

Sie kamen über die Furgga

Relikt aus dem Mittelalter: das Kirchlein von St. Martin. 

Wurst-Käse-Salat im Resti von St. Martin. Er schmeckte.
Doch finde ich, er sei im Configlas nicht optimal angerichtet.
St. Martin - ich war am Mittwoch dort - ist mit Sicherheit einer der schösten Schweizer Flecken. Der verträumte Miniweiler liegt, wo die Tamina den Gigerwald-Stausee speist. In der südöstlichsten Ecke des Kantons St. Gallen also, im Calfeisental. Zu Fuss kommt man in 50 Minuten von der Bushaltestelle auf der Mauerkrone des Staudamms hin. Man findet eine Art Freiluftmuseum vor: ein sauber renoviertes, demonstrativ herausgeputztes historisches Dörfchen mit einer kleinen Kirche, die um 1312 gebaut wurde. Heute lebt St. Martin nur noch im Sommer ein bisschen, dann zieht die schöne Wirtschaft viel Volk an; leider kommen die meisten Gäste per Auto oder per Töff. Im Winter ist St. Martin tot, die Strasse am Staudamm ist dann zu, Lawinen gehen nieder. Die letzten Calfeisen-Walser zogen 1652 ab, zu unwirtlich war der Flecken damals in der Kleinen Eiszeit. Zur Erinnerung: Die Walser waren ein mittelalterliches Siedlervolk aus dem Wallis, das die Schweizer Alpen entscheidend geprägt hat. Sie liessen sich dort nieder, wo kein anderer leben wollte. Die Walser im Calfeisental kamen zu Beginn des 14. Jahrhunderts von Fidaz GR über die Trinser Furgga. Das Kloster Pfäfers als Gebietsherrin hatte ihnen das Land an der Tamina zur Verfügung gestellt.
Bei dem Winker handelt es sich um einen Teebeutelverkäufer. Er fand,
er müsse ein wenig Leben in mein Bild bringen. Gute Idee.

Donnerstag, 6. Juni 2019

Beklemmung im St. Galler Oberland

Gestern fuhr ich mit dem Postauto von Bad Ragaz ganz weit hinein und hinauf ins Taminatal. Bis zur Endstation der Linie auf der Mauerkrone des Gigerwaldsee-Damms. Meine Route in den folgenden knapp fünf Stunden: auf dem Strässchen südseitig, stellenweise durch Galerien und Tunnels mit giftkaltem Zugwind und Tropfwasser, bis ans Ende des Stausees. Und dann nordseitig der Tamina auf dem breiten Alpfahrweg bis zur ersten Brücke im Gebiet Schwamm/Tüfwald. Die, abseits des Wanderwegnetzes platziert, nahm ich. Auf der anderen Seite der Tamina gings wieder abwärts. Diesmal machte ich in St. Martin, dem reizenden, ein wenig musealen Walserweiler Station; er liegt dort, wo die Tamina sich zum Stausee weitet. Auf der selben Route, wieder auf dem Strässchen also, zog ich retour und setzte von der Mauerkrone fort hinab nach Vättis. Was hatte ich erwartet? Entspanntes Wandern, Blumen, Vogelgezwitscher, vielleicht ein Fussbad in der Tamina. Bergfrühling halt mit Romantikflair und Wiesenduft auf der Harmloshöhe von 1500 Metern über Meer. Was bekam ich stattdessen? Schneemauern. Einen nassen Baumstamm, auf dem ich ein bleigraues Monstrum namens Malanserbach zu queren hatte. Eine Tamina, die sich jede Annäherung verbat, die toste und riss. Auch waren da drei steile Bachrunsen, gefüllt mit Lawinenschnee, die ich in der Höhenlinie meistern musste. Last not least gab es Stellen, wo  entwurzelte Bäume den Weg blockierten. Nein, easy war das nicht. Das Wandergefühl gestern: Beklemmung, Faszination, Respekt. Und am Ende Erleichterung.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Eizahn

In der "Schweizer Familie" betreue ich die Rubrik "Luegisland", jede Woche zeigen wir vorn im Heft doppelseitig ein Foto aus der Schweiz, ich schreibe jeweils den Text zum Bild, gut 1000 Zeichen in der Regel. Dabei lerne ich oft dazu. Kürzlich zum Beispiel sprach ich mit einem Tierfotografen, um etwas mehr zu einer Aufnahme von ihm zu erfahren, die eine Haubentaucherfamilie zeigt. Im Gespräch fiel von seiner Seite das Wort "Eizahn". Nie gehört! So heisst eine weissliche, gehärtete Stelle am Schnabel des Vogelkükens. Der Eizahn hilft dem Küken, wenn es noch im Ei hockt, die Schale zu durchbrechen und sich einen Weg ins Freie zu bahnen. Das Foto, um das es geht, sieht man bald einmal im Heft.

PS: Heute will ich zum Gigerwaldsee im St. Galler Oberland. Der ist übrigens der grösste vollständig im Kanton St. Gallen liegende See.
(Foto: Roland Zumbühl, Picswiss/ Wikicommons)

Dienstag, 4. Juni 2019

Lehrreicher Zwischenstopp

Christian Raaflaub vor dem Denkmal für Gurnigelpionier Jacob Hauser von 1891.
Das Schwefelbrünneli vor dem Gurnigelbad-Restaurant.
Es muss bald erneuert werden, Schwefel zerfrisst.
Ein Nachtrag zur Gurnigelwanderung vom Samstag. Wir waren - im Gurnigelbad - verabredet. Und zwar mit Christian Raaflaub. Er hat letztes Jahr das fantastische Buch "Gurnigelbad - Die Stadt im Walde" veröffentlicht, das ich hier auch schon erwähnte. Vor und nach dem Zmittag referierte Christian. Er weiss einfach alles über den Ort, es ist das Ergebnis einer 40-jährigen Passion und dreier Jahre konkreter Arbeit am Buch. An diesem Platz auf halber Höhe zwischen Gürbetal und Gurnigel-Passhöhe stand einst das grösste Hotel der Schweiz mit 700 Betten. Auf alten Postkarten ist es abgebildet, ein Bau respektive eine Ballung von Bauten, die von der Grösse her etwa einem Kloster Einsiedeln ebenbürtig ist. Am Anfang des Tourismusbetriebs mit europaweiter Ausstrahlung standen drei Quellen, die eine mit eisenhaltigem, die anderen beiden mit stark geschwefeltem Wasser. Im 19. Jahrhundert erwuchs daraus eine riesige Hotellerie. 1902 jedoch brannte alles ab. Man baute den Betrieb neu auf. Aber irgendwann ging er endgültig nieder. Am Ende waren während des zweiten Weltkrieges zuerst italienische Partisanen interniert, die über die kartoffelhaltige Kost jammerten. Dann russische Soldaten, die später wieder heim mussten zu Stalin. Gleich nach dem Krieg kamen jüdische Kinder, die im KZ gewesen waren, zur Erholung; sie durften bloss drei Wochen bleiben. Schliesslich sprengte die Schweizer Armee alles. Fast alles. Erhalten geblieben ist die alte Personal-Dependance. In ihr ist das Restaurant untergebracht, auch kann man übernachten. Buchautor Raaflaub führte uns dann noch zu einem stillen Winkel im Wald, wo ein Denkmal von 1891 des einstigen Hotelpioniers Jacob Hauser gedenkt. Auch tranken wir von der einzigen übriggebliebenen Quelle: Schwefelwasser. Wir dosierten es sparsam, denn es wirkt abführend - wir hatten doch noch zweieinhalb Stunden zu laufen bis hinab zur Station Burgistein.
Gurnigelbad. In der alten Dependance mit dem Resti kann man übernachten.
Die grässlichen Töfffahrer fahren in der Regel durch zur Passhöhe. 

Montag, 3. Juni 2019

Schwitzsaison eröffnet

Oben, endlich oben. Der Triangulationspunkt auf dem Oberen Gurnigel.

Wir hatten auf dem Oberen Gurnigel den Thunersee zu Füssen.
Wir stiegen auf den Gurnigel, und es war Sommer. Die Grillen musizierten überlaut, die Berner Oberländer Eisriesen thronten im Dunst, sogar im Wald war es heiss. Der Schweiss tropfte nicht, er floss. So war das am Samstag auf unserer langen Tour über dem Gürbetal, die so aussah: Wattenwil - Stafelalp - Oberer Gurnigel - Stockhütte - Gurnigelbad (Rösti, oh diese Rösti!) - Seftigschwand - Grundbach - Schwarzmoos - Hohlenwegen - Strumpf - Gauggleren - Burgistein, Station (6 1/2 Stunden, 1040 Meter auf-, 1100 abwärts). 

Gleich nach Wattenwil kamen wir durch eine Wiese mit mehreren dieser
in Plastik laminierten "Sauhund"-Botschaften. Wir vermuteten, dass sie
vom Bauern stammen, der an den entsprechenden Orten Hundekot fand.
Ein bisschen verschroben ist diese Art der Kommunikation aber schon.

Sonntag, 2. Juni 2019

Zwei Türme und ein Elefantenkopf

Auf der Ogoz-Insel. Warum es auf beengtem Platz zwei Burgen sind, weiss keiner.

Grossvater und Enkel.
Ein Nachtrag zu meinem Greyerzerland-Ausflug vom Mittwoch. Es war  Jean-Pierre Grandjean, der mir (in Begleitung seines lustigen Enkels Noah) die Île d'Ogoz im Greyerzersee zeigte. Grandjean ist pensionierter Polizist und Präsident jener Vereinigung, die sich um die Insel kümmert. Er hatte mich als Journalisten eingeladen; er wolle mir die Schönheit der Insel zeigen, aber auch die damit verbundenen Probleme, hatte er angekündigt. Nun, die Schönheit des Ortes ist offensichtlich. Sie führt dazu, dass enorm viele Leute hinwollen. Grandjeans Vereinigung bietet jeweils in der warmen Jahreszeit Bootstouren ab dem Hafen von Le Bry an, jeden Sonntag um zwei und vier kann man zusteigen, zu anderen Zeiten muss man reservieren. Diese geführten Passagiere sind weniger das Problem als die Personen, die mit dem Privatboot kommen. Obwohl Schilder bitten, dass man im archäologischen Bereich mit den zwei Burgen und der uralten Sankt-Theodul-Kirche nichts verändert, schmeissen manche Leute mit Steinen, bauen Steinmännchen oder lassen ihren Abfall liegen. Was ist der Mensch manchmal dumm. Wir schipperten in der "Ondine", dem einen der zwei Ausflugsboote, dann noch ausgiebig über den See, bisweilen durfte der fünfjährige Noah ans Steuer. Eindruck machte mir der "Elefantenkopf", eine gut 15 Meter hohe Fluh über dem Steilufer nördlich der Insel, die aussieht wie ihr Name. Von ihr gumpen Jugendliche gern in den See, was mir gefährlich scheint. Der Greyerzersee hat, wie alle anderen Seen, seine verborgenen Winkel und speziellen Rituale.
Sieht man (Bildmitte) den Elefantenkopf mit dem Rüssel? Die helle Färbung hilft.

Samstag, 1. Juni 2019

Karikaturistengruss

Merci für den Gruss und für die Repro-Erlaubnis in diesem Blog, Felix!
Gestern war auf der Tagi-Front eine Geschichte über neue Abgänge aus der Zürcher SP zu den Grünliberalen angerisssen. Die Karikatur dazu - Stichwort "Abwandern" - stammte von Felix Schaad, dem genialen Hauszeichner seit vielen Jahren. Bei näherer Betrachtung der kolorierten Zeichnung stellte ich fest, dass im Regal mit Wanderliteratur ein Buch mit meinem Namen beschriftet war. Ich gebs grad zu: Ich freute mich total über die hübsche Geste vom früheren Kollegen. Im Original in der Zeitung ist der Name übrigens perfekt lesbar, anders als hier im kleinformatigen Screenshot.

Freitag, 31. Mai 2019

Das Rätsel der zwei Burgen

2018: Greyerzersee mit Ogoz-Insel ("Ruine de la Tour").
Derselbe Ort hundert Jahre zuvor: Den See gibt es noch nicht.
(Beide Screenshots: map.geo.admin, Bundesamt
für Landestopografie Swisstopo)
Blick von Le Bry, Hafen, auf die Ogoz-Insel.
Es war einmal, mitten im Greyerzerland, ein Mittelalterflecken. Rätselhafterweise - aus heutiger Sicht - hatten zwei Adelsherrschaften dort ihre Burgen gleich nebeneinander erstellt. Irgendwann starben die Adeligen aus, die Türme wurden verlassen und zerfielen. Imposant sahen sie nach wie vor aus, denn sie standen auf einem Felssporn am Rand der Saane, die an diesem Ort eine wilde Schleife ins Gelände zieht. Zog. 1948 wurde die Gegend zum Greyerzersee geflutet. Der Platz über dem Fluss war damit zur Insel geworden, der Île d'Ogoz. Wobei das ein wenig zu relativieren ist: Jeden Frühfrühling gibt es ein paar Wochen, in denen der Wasserspiegel des Sees stark abgesenkt wird. Dann ist die Insel für wenige Wochen wieder eine Halbinsel. Die meiste Zeit des Jahres aber braucht man, zu ihr zu gelangen, so man nicht schwimmt, ein Boot.

Donnerstag, 30. Mai 2019

Die Sache mit dem Schluss-S

Gestern bekam ich eine Zuschrift von Andreas Güntert, einem geschätzten Kollegen aus "Facts"-Zeiten. Eine Art Leserbrief. Andreas hat den Artikel geschrieben, in dem der Ausdruck "heavy repeaters" auftaucht; es geht um Leute, die immer wieder am selben Ort Ferien machen. Über den Ausdruck und den Artikel hatte ich am Dienstag berichtet. Hier, was Andreas  schreibt:
Hallo Thomas, freue mich natürlich, dass Du meine Geschichte (nein, ich sag jetzt nicht «Story») im Tagi gelesen hast. Versuch einer Verteidigung: Das Wort «Stammgast» kam natürlich mehrmals vor in dem Stück. Weil die Touristiker bei sehr langjährigen Stammgästen tatsächlich von «heavy repeaters» sprechen, wollte ich diesen Fachausdruck halt schon gerne ins Blatt nehmen. Apropos repeat: Tät mich freuen, Dich mal wieder auf einen Süssmost zu sehen. Oder so. Andreas.
Gestern auf dem Greyerzersee. Hinten der A12-Viadukt, der bei
Le Bry in 70 Metern Höhe zwei Seitenarme des Sees überquert.
Soweit die Zuschrift, den Süssmost haben wir inzwischen zu einem Bier korrigiert, auf bald, lieber Andreas! Und damit zu einem anderen Thema. Gestern war ich zu einer Bootsfahrt auf dem Greyerzersee eingeladen. Toll, dieses Gewässer mal aus der Nähe zu erleben, bisher hatte ich es stets nur von oben gesehen oder war an ihm vorbeigereist. Bei der Anfahrt im Bus von Freiburg her fiel mir etwas Sprachliches auf. Nämlich, dass die automatische Stimme des Businfoystems die vielen Ortschaften auf -ens wie Ecuvillens, Magnedens, Rossens, die wir ansteuerten, allesamt mit S aussprach. Ich hätte gedacht, das Schluss-S solcher Wörter werde nicht ausgesprochen. In Le Bry, am Ziel, traf ich den Mann, der mich über den See fahren würde, einen französischsprachigen Freiburger. Er sagte, es sei tatsächlich so, dass zum Beispiel die Waadtländer das S in solchen französischen Ortsnamen nicht aussprächen. Hingegen täten es die Freiburger. Toll, jetzt kann ich einen Fribourgeois von einem Vaudois akustisch unterscheiden.

Mittwoch, 29. Mai 2019

Hurra, sie sind da!

Hm. Erdbeeren. Aus dem Thurgau!
(Foto: ES)
Heute drei ganz verschiedene Dinge.
Erstens: Die Thurgauer Erdbeeren sind da, vermelden die dortigen Produzenten. Also ab in den Laden, Leute! Gestern ass ich mein erstes Schachteli, die Beeren waren reif und süss.
Zweitens, ebenso erfreulich: Fürs kommende Wochenende werden Temperaturen von 25 (Samstag) und 27 Grad (Sonntag) vorhergesagt. Das klingt schon nach Sommer. Unsereins will im Gurnigelgebiet wandern.
Drittens: Heute reise ich ins Freiburgische. Ins Greyerzerland. Dort wandere ich nicht, sondern besichtige auf eine Einladung hin die Île d'Ogoz im Greyerzersee, also der aufgestauten Saane. Erreichen werde ich die Insel mit den zwei Burgruinen per Boot.

Dienstag, 28. Mai 2019

Schwere Wiederholer

Verkehren hier auch heavy repeaters? Anzunehmen. Badrutt's
Palace in St. Moritz. (Roland Zumbühl/Wikicommons)
Kürzlich las ich im Tagi den Ausdruck "heavy repeaters". So heissen im Slang der Touristiker Leute, die Jahr für Jahr am selben Ort und oft auch im selben Hotel Ferien machen. Warum man statt des "Stammgastes" ein englisches Wort braucht, das nach "Wiederholungstäter" klingt, verstehe ich nicht.

Montag, 27. Mai 2019

Düsternis, Helle, Rahmschnitzel

Die erste halbe Stunde der Wanderung ist happig. Von Thusis bis zum
Sporn von Hohen Rätien mit der Burg sind es 250 Höhenmeter im Aufstieg.

Für so etwas gehe ich gern
fünfeinhalb Stunden.
Die Veia Traversina, den Traversinerweg, gab es als Saumweg schon zu Zeiten der Römer. Ostseitig des Hinterrheins leitet er von Thusis zur Viamala-Engstelle und weiter nach Zillis. Am Samstag bewanderte ich ihn mit Ronja, wonach wir nach Andeer fortsetzten (1070 Meter aufwärts, 780 Meter abwärts). In der Viamala, wo die Veia kurz die alte Strasse mit der Postautohaltestelle und dem Eingang in die touristisch hergerichtete Schlucht berührt, fanden wir, es sei noch zu früh für ein Bier. In Zillis wäre es nicht mehr zu früh für ein Bier gewesen, doch angesichts des sich verdüsternden Himmels gingen wir ohne Rast weiter. Das war schlau. Nach fünfeinviertel Stunden zügigen Gehens ohne Pause kamen wir in Andeer an. Vorerst wurden wir enttäuscht: Das Restaurant des  Thermalbades war zu, Umbau. Weiter oben im Dorf fanden wir dann aber, derweil der Regen kräftig einsetzte und somit unsere Durchmarsch-Strategie bestätigte, das Weisse Kreuz offen vor. Und man war dort willens, mitten im Nachmittag für Gäste zu kochen. Das war ein sehr guter Abschluss einer sehr guten Wanderung. Vieles wird mir von ihr bleiben. Die exponiert auf einem Hügelsporn über Thusis hockende Burg Hohen Rätien etwa. Der weisse Burghund Paco. Die hängende Treppe über das Traversiner Tobel, siehe Eintrag von gestern. Die düstere Viamala. Der Moment, wo sich bei Davos (so heisst ein Punkt im Wald) einige Zeit vor Zillis das Schams öffnet und alles hell und weit wird. Last not least ist als Highlight zu nennen: mein herrliches Rahmschnitzel im Restaurant am Schluss.
Irgendwo las ich den Tipp: Bilder kippen, das gibt ihnen Dramatik!
Ich hoffe, dem Blogleser wird beim Betrachten nicht schwindlig. Motiv:
die Suransunsbrücke  für Wanderer und die Autobahnbrücke in der Viamala.

Sonntag, 26. Mai 2019

Die schwebende Treppe

Gestern gingen wir von Thusis ostseitig hoch über dem Hinterrhein zur Viamala-Schlucht und weiter via Zillis und Pignia nach Andeer. Höhepunkt war noch vor der Vialama der Traversinersteg, der sich in 70 Metern Höhe über das Traversinertobel spannt, das von der Seite her der Schlucht des Hinterrheins zustrebt. Handelt es sich um eine Brücke? Eher um eine schwebende Treppe, denn man geht auf Stufen entweder - so war es für uns - bloss abwärts oder aber bloss aufwärts. Die horizontale Spannweite des spektakulär durchhängenden Stegs beträgt 56 Meter, die Höhendifferenz zwischen den beiden Enden 22 Meter. Was ich toll fand: Der Traversinersteg ist eine Anti-Schwindelgefühl-Konstruktion, breite Bodenbretter beidseits ausserhalb der Seitenwände, parallel zu diesen laufend, verhindern, dass man in den Abgrund schaut, der Gruselblick ist freiwillig. Entstanden ist der Steg 2005. Das Vorgängermodell stand etwas weiter oben im Tobel und lebte drei Jahre, bis Steinschlag es zerstörte. Dies ist eine ausgesprochen rüde Gegend.

PS: Ja, ich weiss, schon wieder eine Collage. Ich habe ein neues Foto-Verarbeitungs-Programm namens Fotor. Mit ihm erstellt man leicht Collagen. Mir macht das grad grosse Freude.

Samstag, 25. Mai 2019

Kala Patthar?

Gipfelgegend des Kala Patthar im Vordergrund. Hinten
höhere Berge. (LyndyB/Wikicommons)
Welcher Berg weltweit wird in Begleitung eines Bergführers am öftesten bestiegen? Es ist nicht das Matterhorn und nicht der Everest und nicht der Mont Blanc. Sondern der Himalayagipfel Kala Patthar, 5545 Meter über Meer, Nepal. Circa 40 000 geführte Besteigungen sind für ihn pro Jahr verzeichnet. Kala Patthar? Nie gehört. Offenbar handelt es sich um einen Nachbargipfel des Mount Everest, einen Logenplatz, von dem aus man den Eisgiganten aus der Nähe bewundern kann. Wer mehr wissen will, schaut bei "Bergwelten" hinein, dort las ich das. Ah ja, noch dies: Das Matterhorn schaffte es immerhin auf Platz zehn der Liste.

Freitag, 24. Mai 2019

Es stiebte, es brauste

Meine Pizzoccheri in der Osteria
La Froda in Foroglio. Beim Essen hat
man dort den Wasserfall vor Augen.
110 Meter hoch ist der Fall der wilden Calnegia bei Foroglio im Bavonatal. Man nennt den Wasserfall "Froda", er heisst also gleich wie der ganz hinten bei Sonogno im Verzascatal (80 Meter). Die Froda im Bavonatal erreicht man über einen coupierten, auf zwei kurzen Abschnitten mit einer Kette gesicherten Steig innert zehn Minuten ab Foroglio. Mein Glück war, dass ich während der Schneeschmelze da war. Sie verlieh der Calnegia die Kraft für einen wirklich grossen Auftritt: Es stiebte, es brauste. A propos: Ebenfalls einen grossen Auftritt hatte mein Essen in der nahen Osteria. Die Pizzoccheri mundeten vorzüglich.