Samstag, 25. Juli 2026

Büne und Lukas


Wir fuhren im vordersten Waggon des Zuges "Gurten" von Einsiedeln hinab nach Wädenswil, und mir fiel der etwas kryptische Spruch in Grossbuchstaben neben der Kamera auf: "Lukas the Lokomotivführer is watching you!" Ich fand ihn ein wenig launig, weswegen die Anspielung auf die Jim-Knopf-Geschichten, in denen der Lokführer Lukas heisst? Erst beim Aussteigen realisierte ich dann, dass der Waggon mit vielen anderen Dingen verziert ist, mit Bildern vor allem. Der Berner Büne Huber, "Patent Ochsner"-Sänger und Künstler, steht dahinter; er durfte für die Südostbahn den Waggon gestalten.

Freitag, 24. Juli 2026

Durch den Bannwald

Noch 45 Minuten bis Zwüschetmythen, in diesem oberen Teil des Aufstiegs gibt es ...
... beeindruckende Rüfen mit Geröll.


Widmer bei der "Brunni Lodge".
Fast 1000 Höhenmeter aufsteigen, aus dem Flachland, an einem Julitag? Kein Problem, wenn man es zu einem guten Teil im Wald tut, in diesem Fall dem Mythenbann, der den Flecken Schwyz vor Lawinen und Rutschen schützt. Ging – vorgestern wars – gut, wir hatten keine Probleme. Der Weg ist steil, wird im oberen Teil ein wenig abenteuerlich, es gilt ein paar Geröllrüfen zu queren. Wunderbar dann die Ankunft auf dem Pass Zwüschetmythen, der seine eigene Verortung im Namen enthält: Er findet sich auf 1437 Metern zwischen dem Grossen und dem Kleinen Mythen. Schwyz liegt einem zu Füssen, die Berge reihen sich, besonders nah sind der Fronalpstock, der Niederbauen und die Rigi Hochflue. Vergleichsweise leicht fiel der Abstieg aus, eine Stunde brauchten wir via die Alp Zwüschet Mythen nach Brunni, wo der Bus nach Einsiedeln fährt. Mit deftiger Kost, in meinem Fall einer Bratwurst, endete in der "Brunni Lodge" die Tour in voller Zufriedenheit.
Gehzeit knapp vier Stunden, 960 Hm aufwärts, 425 Hm abwärts.

Auf Zwüschetmythen, unten der Talboden mit Schwyz, Brunnen und dem Vierwaldstättersee,
ganz links der Fronalpstock, ganz rechts die Rigi Hochflue.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Virtuelles Kraxeln

Hier könnte mehr laufen, findet das Unternehmen:
die Station Eigergletscher der Jungfraubahnen.
(Foto: TurkAviator / Wikicommons)
Fast 200 Millionen Franken Umsatz machten die Jungfraubahnen letztes Jahr mit dem Jungfraujoch. Da liegt noch mehr drin, findet das Unternehmen; es fokussiert deswegen auf die Station Eigergletscher, den Umsteigeknoten auf halber Strecke. Dort soll, so die neusten Pläne, ein Museum entstehen, das die Eigernordwand mit einer Multimediashow quasi erlebbar macht. Plus ein asiatisches Restaurant mit 200 Plätzen. Naturschutzorganisationen sind dagegen. Und weil ein Gebietsabtausch der Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen nötig wäre, die bei der Station Eigergletscher aneinandergrenzen, kann Grindelwald in den laufenden Verhandlungen Druck machen. Es will, dass die Jungfraubahnen Geld für die Lösung der Verkehrsprobleme im Dorf aufwerfen – erst dann würde man Hand zum Abtausch bieten. Kommt das Museum, könne der Gast durch die Eigernordwand kraxeln, verheisst der Jungfrau-CEO auf der Newsplattform von srf.ch. Virtuell kraxeln, versteht sich.

Mittwoch, 22. Juli 2026

Maloya, mit Y

Die Busverbindung Kienberg–
Gelterkinden auf sbb.ch.
Im Postauto kam ich am Samstag an der Haltestelle "Gelterkinden, Maloya" vorbei. Der Name weckte in mir Erinnerungen – genau, Autoreifen. Das Unternehmen in Gelterkinden BL startete 1936 als Velopneu-Fabrik, der Inhaber war Bündner, daher nannte er seine Erzeugnisse Maloja; später wurde daraus Maloya mit Y. Ab 1949 stellte man auch Motorrad- und Autoreifen her. 1993 kam das Ende der Produktion in der Schweiz, die Pneufabrik war mit ihrem Standort im Hochlohnland nicht mehr konkurrenzfähig. Die Marke ist geblieben und gehört heute einem indischen Reifenproduzenten.

Dienstag, 21. Juli 2026

Meine Solothurner Forelle

Forelle grilliert. Mundete.
Was für ein Oäschen! Am Samstag beendete ich meine Jurawanderung an der Bushaltestelle in Kienberg SO noch nicht ganz. Vielmehr ging ich 500 Meter weiter, folgte dabei  der Strasse Richtung Wittnau. Ein Trottoir gabs nicht. Bei einer Sägerei erreichte ich den "Forellenhof". Der Name enthält das Programm, hier kann man im hauseigenen Teich, aufgestaut aus dem Dorfbach, nach Forellen fischen. Oder man lässt sich eine Forelle gekocht vorsetzen. Was ich tat. Meine Bestellung führte dazu, dass die Serviererin zum Teich eilte und eine Forelle aus dem Wasser hievte. Die bekam ich 20 Minuten später vorgesetzt. Sie war  – Variante grilliert – sehr gut. Sodass ich nicht nur satten, sondern auch zufriedenen Bauches heimreisen konnte.
Blick über den Fischteich nach Süden. Links gleich neben der
Schweizerfahne ist winzig der Turm der Pfarrkirche von Kienberg auszumachen.

Der "Forellenhof" ist ein perfekter Ort für den Wanderzmittag.

Montag, 20. Juli 2026

Nächstes Mal bringe ich die Machete mit

Wo ist hier der Weg? Im Burggraben oberhalb von Lostorf.
Blick vom Jura-Höhenweg nach Westen.
Am Samstag startete ich bei der Mineralquelle von Lostorf SO, wo unter anderem die Hausmarke des Grossverteilers Lidl abgefüllt wird. Weitläufig das Areal, in einer Gewerbehalle sah ich gestapelte Harasse. Ein paar Meter höher im Hang passierte ich anschliessend das zerfallende Bad Lostorf (Eintrag von gestern). Danach drehte ich nach Westen, kam ins Tälchen des Schwandenbaches, aus dem ich bald nach Norden abbog. In die Höhe. Im dichten Wald ging ich nun abseits des offiziellen Wanderwegnetzes. Mein Weg durch den Burggraben, gestrichelt auf der Landeskarte eingezeichnet, war aber gut, wenn man von wenigen Stellen absieht, an denen Buschwerk und Pflanzen mir buchstäblich über den Kopf wuchsen. Nach einer knappen halben Stunde erreichte ich den Jura-Höhenweg, der Rest war easy: via die Schafmatt, die Sternwarte Schafmatt, Oberer Sennhof, Unterer Sennhof kam ich nach Kienberg SO und beschloss dort die Wanderung nach etwas über drei Stunden (530 Höhenmeter aufwärts, 470 Höhenmeter abwärts). Tolle Route, finde ich. Was die paar verkrauteten, überwachsenen, verbuschten Wegstellen im ersten Drittel angeht: Das nächste Mal bringe ich eine Machete mit.
Die Sternwarte Schafmatt.

Letzte Meter zur Pfarrkirche von Kienberg. Leider fand ich sie verschlossen vor.

Sonntag, 19. Juli 2026

Der Zauber von Ruinen

Manche sprechen von "Schandfleck". Aber ein verfallender oder schon ganz ruinierter Ort hat ja auch etwas Faszinierendes – einen speziellen Zauber. Eine Endzeit-Aura. Mir gefällt der Begriff "lost place" daher besser. Hier zwei "lost places", an denen ich dieses Jahr vorbeikam, beim ersten ist es mehrere Wochen her, beim zweiten wars gestern.

  • Seit 23 Jahren steht die Autobahn-Raststätte Walensee bei Mühlehorn GL leer. Von der Autobahn ist sie längst nicht mehr ansteuerbar. Kürzlich las ich, dass die Liegenschaft einen neuen Besitzer hat; tatsächlich betätigten sich Arbeiter auf dem Dach, als wir sie passierten. Und plötzlich gibt es Projekte oder doch Visionen: Diesen Sommer soll gemäss der "Südostschweiz" hier ein Musikvideo gedreht werden. Und für den Herbst sind Konzerte angesagt. Später könnte ein Café eingerichtet werden. Wir werden sehen.
    Gibts hier bald Livemusik? Die ausrangierte Raststätte Walensee bei Mühlehorn.

  • 2002 wurde das Bad Lostorf am Südrand des Solothurner Juras stillgelegt. Das tat vielen weh, immerhin hat das Bald als Heilbad eine Geschichte, die bis ins später Mittelalter zurückreicht. Derzeit gammelt es vor sich hin, einzig in einem Trakt wird offenbar gewohnt. Letztes Jahr machte sich die Gemeinde Lostorf daran, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Sie soll, so das "Oltner Tagblatt", Projekte entwickeln und Kontakte zu Investoren herstellen. Am Ende müsste allerdings die Firma, der das Areal gehört, mitziehen. Wir werden sehen.
    Die Sprayer und Sprayerinnen lieben das stillgelegte Bad Lostorf, soviel ist klar.
    Gebadet wird hier schon lange nicht mehr.

Samstag, 18. Juli 2026

Wir sahen rot

Flumserberg halt: Verrucano im Abschnitt Winkelzahn–Seebenalp.
Loop der Rodelbahn Floomzer beim Tannenboden.
Mein Sandwich.
Am Mittwoch wanderten M. und ich am Flumserberg, von der speziellen Schönheit der Seebenalp mit ihren drei Seen und dem zackigen Sächsmoor am nahen Horizont habe ich gestern erzählt. Hier die ganze Route, für die wir knapp drei Stunden brauchten bei 690 Höhenmetern aufwärts und 60 Höhenmetern abwärts: Tannenboden, Gondelbahn–Winkelzahn–Seebenalp–Heusee–Grueb–Zigerfurgglen–Maschgenkamm. Wieder einmal übertrumpfte die Landschaft bei weitem die Hässlichkeit der Ski- und Freizeitanlagen, wieder einmal bezauberte uns der rote Verrucano, aus dem die Gegend gebaut ist – märchenhaft, dieses Gestein. Wer eine imposante Route sucht: Diese kann ich empfehlen. Samt dem Snack am Ende: Neun Franken nur bezahlte ich für das grosszügig mit örtlichem – chüschtigem! – Alpkäse gefüllte Knusperbrot auf dem Tannenboden im "Colors". So beschloss ein wirklich gutes Sandwich unsere Wanderung.
Zwischen Grueb und Zigerfurgglen: Auf dem Kamm zeigt sich die Bergstation Maschgenkamm.

Talfahrt vom Maschgenkamm zum Tannenboden, es fängt an zu regnen.

Freitag, 17. Juli 2026

Drei Seen und der Sächsmoor

Auf der Seebenalp, im Wasser des Grosssees spiegelt sich der Sächsmoor.
Das Wasser ist rot wegen des roten Verrucanogesteins.
Der Schwarzsee war auch schon grösser.
Heusee mit Ente.
Die Seebenalp, erreichbar in leichten 90 Wanderminuten ab Tannenboden, ist mit Sicherheit einer der schönsten Orte auf dem Flumserberg. Drei Dinge sind es mindestens, mit denen ich das belegen kann, nachdem ich am Mittwoch wieder einmal dort war.

  1. Das Berghotel auf 1620 Metern über Meer. Der gemütliche alte Kubus, grünes Dach, grüne Fensterläden, wurde 1906 gebaut als Erholungsort für Leute mit Atemproblemen und Lungenkrankheiten. Belle Epoque im Sarganserland.
  2. Der Sächsmoor. Was für ein Zacken! Man hat ihn auf der Seebenalp direkt vor Augen und findet, dass man ihn getrost den kleinen Bruder des Matterhorns nennen darf.
  3. Die drei Seen. Den kleinsten, den Schwarzsee, fanden wir geschrumpft vor. Eine Folge der Hitzewelle, nehme ich an. Im grössten, dem Grosssee, gibt es Hechte, erzählte uns ein Angler. Charmant der Heusee. Auf dem Weg zu ihm und um ihn mussten wir gut aufpassen beim Gehen. Hunderte winziger brauner Frösche, kaum grösser als ein menschlicher Daumennagel, waren unterwegs. Was die wohl antrieb?
    Noch einmal der Grosssee mit dem Berghotel Seebenalp (rechts hinten).
    Im Hintergrund zur Rechten ein Teil der Churfirsten.

Donnerstag, 16. Juli 2026

Die Marche de rupture

Ein Foto vom letzten Jahr: auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela. 
Jakobswandern als Kinostoff: das Filmplakat. 
Seit ich letztes Jahr auf dem spanischen Jakobsweg für eine Reportage unterwegs war, bin ich von diesem fasziniert. Ehrensache, dass ich mir – diese Woche wars – im Kino den französischen Spielfilm "Compostelle" anschaute. Der erzählt von einer entlassenen Lehrerin, die einen jugendlichen Straftäter auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela begleitet. In Frankreich nennt man das eine "marche de rupture" oder "marche éducative", gemeint ist ein Marsch, der aus dem Alltag reisst und erzieherisch wirkt. Ein Richter, eine Richterin kann die Jakobsroute einem jungen Menschen als Alternative zu einem Gefängnisaufenthalt anbieten. So zottelt das ungleiche Paar, der Delinquent und die ihm behördlich zugeordnete Begleiterin, also los. Von der Mühsal des Langstrecken-Wanderns ist nicht viel zu spüren, dafür sind die grossartigen Landschaften Südfrankreichs und Nordspaniens mit der Drohne genial eingefangen. Die Handlung ist von Kitsch durchsetzt und sprunghaft. Wenn ich am Ende doch zufrieden aus dem Kino ging, dann darum, weil es im letzten Viertel doch einen entscheidenden Bruch gibt – die Geschichte nimmt eine sehr unerwartete Wendung. Also: Widmer gäbe nach Schweizer Schulsystem die Note 4,75 und empfiehlt den Besuch durchaus.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Der Gewerbepolizeipalast

Schöner Wohnen: die Villa Hohenbühl  beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich.
Man ist tausend Mal vorbeigefahren und hat nie richtig geschaut. Und dann wird eines Tages die Stadtzürcher Endhaltestelle der Forchbahn wegen Bauarbeiten vom Stadelhoferplatz 50 Meter Richtung Hegiplatz verschoben – und plötzlich nimmt man, an der Kreuzbühlstrasse stehend und auf den Zug wartend, die prächtige Villa wahr, die erhaben im Hang über den Geleisen am Bahnhof Stadelhofen steht. Das war am Sonntag. Die Villa Hohenbühl, auch "Villa Wegmann", ein Neorenaissancepalast, wurde 1889 fertiggestellt, hier residierte Friedrich Wegmann, 1832–1905, Erfinder, Müller, Industrieller, der sein Vermögen einem selbstkreierten und patentierten Porzellanwalzenstuhl für die Müllerei verdankte. Porzellanwalzenstuhl? Hm. 1949 erwarb die Stadt Zürich das Anwesen, lange mietete die Kantonsschule Stadelhofen es, mittlerweile ist im Rahmen einer Zwischennutzung die Gewerbepolizei einquartiert. Ich sags ja immer: In der Verwaltung sollte man arbeiten.

Dienstag, 14. Juli 2026

Oberstes Dorf und Ödland

Zelle der Zivilisation: das Kloster Disentis.
Als wir letzten Samstag den Vorderrhein hinauffuhren, dachte ich, dass zwei Ortsnamen in der Kombination eine stimmige Episode zur Besiedlung der Talschaft enthalten. Sumvitg ist gleich summus vicus, höchstes Dorf. Sumvitg war somit als oberster Vorposten am Vorderrhein schon da, als noch etwas weiter oben das Kloster Disentis gegründet wurde; Disentis hat zu tun mit desertus, was verlassen bedeutet. Genau das fanden die Klosterpioniere im achten Jahrhundert dort vor: ödes Land. Was die Dörfer noch weiter hinauf zum Oberalppass, Sedrun etwa, betrifft: Sie gehen auf das Kloster zurück.

Montag, 13. Juli 2026

Visite bei La Pendenta

Auf der Brücke, Blickrichtung Disentis. Hinten die Kapelle Sontga Gada.
Bodengitter. Hundepfoten müssen leiden.
Das muss im Oktober 2024 ein Spektakel gewesen sein. Kurz vor ihrer Einweihung wurden auf der neuen Hängebrücke La Pendenta, die bei Disentis GR den Vorderrhein Richtung Mumpé Medel überquert, 35 Behälter aufgestellt und mit insgesamt 20 Tonnen Wasser gefüllt. La Pendenta überstand den Belastungstest mit Bravour, sie senkte sich damals in der Mitte um 80 Zentimeter, es war genau der Wert, den die Ingenieure im Voraus berechnet hatten. Das Wasser konnte man dann bequem in den Fluss ablassen. Vorgestern Samstag beging ich die Brücke, mein Gewicht kumuliert mit dem der anderen paar Menschlein, die auf ihr unterwegs waren, dürfte vernachlässigbar gewesen sein. Ein schönes Bauwerk ist La Pendenta ("Die Hängende") jedenfalls. Und ihre Dimensionen sind eindrücklich: 270 Meter lang ist sie und verläuft auf knapp 100 Metern Höhe über Grund. Seitlich hat sie übrigens Vertäuungen, die ein übermässiges Schwanken auch bei Starkwind verhindern. Für mich war es in dieser Woche die zweite Hängebrücke, nachdem ich zuvor die eben fertiggestellte Thurstegweg-Brücke im unteren Toggenburg getestet hatte. Eine nächste Hängebrückenvisite ist derzeit nicht geplant.
Bei Sontga Gada. Oben in der Mitte das Dorf Mumpé Medel an der Wanderroute zum Lukmanierpass.

Sonntag, 12. Juli 2026

Ich bin jetzt Baba-Fan

Hercule Poirots Lieblingsdessert im "Neue Forch".
In den "Asterix"-Comics gibt es das Legionärslager Babaorum. Der Name spielt auf das Dessert Baba au rhum an, das man ziemlich ähnlich ausspricht. Aus früheren Jahren ist mir die Speise als tropfnasser, matschiger Ring in Erinnerung, sie hatte mir nie besonders geschmeckt. Und nun sah ich sie diese Woche im Restaurant Neue Forch auf der Forch unweit von Zürich auf der Menükarte und fand, ich müsste sie wieder bestellen. Hat sich gelohnt: Baba au rhum, angeblich von einem polnischen König erfunden, besteht aus einem gugelhopf-artigen Kuchen, der mit einer Mischung aus Rum und Zuckersirup getränkt wird. In diesem Fall war das Ergebnis wundervoll, weil die erwähnten Flüssigkeiten dosiert eingesetzt wurden: Der Kuchen duftete und schmeckte nach Rum, aber nicht übertrieben. Auch war er nicht pflotschig. Und die Garnitur, siehe Foto, mochte ich auch. Und so bin ich nun ein Baba-Fan und werde das Dessert wohl wieder einmal bestellen, wenn es irgendwo angeboten wird. In guter Gesellschaft bin ich dabei auf jeden Fall: Die Romanfigur Hercule Poirot, Agatha Christies Detektiv, liebt es über alles.

Samstag, 11. Juli 2026

Er flog, er fotografierte

Das Spelterini-Denkmal auf dem Lindenhügel in Bazenheid SG.
Es wurde zu Spelterinis 150. Geburtstag im Jahr 2002 aufgestellt.
Die Pyramiden von Gizeh bei Kairo, fotografiert
von Spelterini 1904. (Wikicommons)
Was für ein Tausendskerl! Eduard Spelterini war Ballonkapitän, stieg hunderte Male mit Passagierinnen und Passagieren auf, besass ab 1887 seinen eigenen Wasserstoffballon namens "Urania". Er flog in Zürich, London, Wien, aber auch in Bukarest, Neapel und Kairo – und er flog über die Alpen. Dass Spelterini bis heute unvergessen ist, geht aber vor allem darauf zurück, dass er Luftfotos anfertigte; die darauf basierenden Dias zeigte er in über 600 Vorträgen. Heute sind es Aufnahmen von grossem historischem Wert. In Bazenheid kam ich eben am Spelterini-Denkmal auf dem Lindenhügel vorbei. Hatte ich nicht gewusst: In diesem Toggenburger Dorf wurde der Luftfahrt- und Fotografiepionier 1852 geboren als Eduard Schweizer. Der Name Spelterini, den er später annahm, klingt besser. Internationaler. Verwegener irgendwie.
Spelterini winkt vom Rand des Ballonkorbs,
Ort und Jahr der Aufnahme unbekannt.
(Adrian Michael / Wikicommons)


Freitag, 10. Juli 2026

Neues von der Thur

Drei Fotos vom neuen Steg über die Thur zwischen Jonschwil und Bazenheid.
Provisorisches Schild nah dem Schachen, Jonschwil.
Es gehört zu den Aufgaben des Wanderbloggers, neue Einrichtungen im Gelände zu testen. Das tat ich eben, indem ich ins Thurtal südlich von Wil reiste. Dort ist der Mühlausteg über die Thur bei Bazenheid neuerdings gesperrt, dies auf Dauer; vermutlich wird er gar nicht wieder geöffnet, er ist offenbar nicht mehr sicher. Dafür hat man etwas weiter flussabwärts in der Au in Bazenheid eine neue Hängebrücke gebaut, unter der die Rohre einer Fernwärmeleitung verlaufen. Diese Brücke, ein Fussgängermodell, 53 Meter lang und 17 Tonnen schwer, führt hinüber in den Schachen, Jonschwil. Am 29. August wird sie offiziell eingeweiht, kann aber bereits begangen werden. Schön, dass ich die Thurstegweg-Brücke, wie sie heisst, schon kennengelernt habe.
Wegweiser am Bahnhof Bazenheid: Dass der Mühlausteg gesperrt
wurde, beeinträchtigt gleich mehrere Wanderrouten über die nahe Thur.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Kaltes aus Olten

Auch schon mal "Kalte Lust" gekostet? Ich mehrmals, beim Wandern. In der "Hotelrevue" las ich eben einen Hintergrundartikel über die "Kalte Lust"-Glace. Sie stammt aus Olten SO, genauer gesagt aus dem Hotel Olten. Dort lief das Geschäft vor neun Jahren grad nicht besonders. Worauf die drei Geschäftsführer, allesamt gelernte Köche, die Ärmel hochkrempelten und eine Glace lancierten. Heute ist die "Kalte Lust" an etlichen Orten im Land präsent, seit 2018 schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen, letztes Jahr produzierte man rund 220 000 Liter Glace. Es läuft gar so gut, dass man jetzt von Olten umziehen muss in geräumigere Räume in Aarwangen BE. Gute Sache. Und ich bekomme grad wieder Lust auf "Kalte Lust".

Mittwoch, 8. Juli 2026

Der Buchstabenlapsus

Hier stimmt was nicht.
Autsch. An der Kantonsstrasse zwischen Worb und Boll wurde grad eben ein neues Ortsschild montiert: "Boll (Gde. Vechingen"). Gleich gabs einen Riesenärger. "Vechigen" heisst die Berner Gemeinde. Nicht "Vechingen" wie auf dem Schild. Die kantonale Bau- und Verkehrsdirektion kann belegen, dass sie das Schild mit der richtigen Schreibweise bestellt hatte, der Fehler passierte später bei der Firma. Die hat unterdessen -– unzählige hässige Social-Media-Kommentare später – ein neues, korrektes Schild gefertigt. Es soll noch diese Woche aufgestellt werden. Dann ist in Vechingen, pardon: Vechigen die Welt wieder in Ordnung. Den Lapsus öffentlich gemacht hatte die Plattform bernost.ch.

Dienstag, 7. Juli 2026

Rahmschnitzelsamstag

Abstieg vom Chellenchöpfli Richtung Bättlerchuchi.

Hübsch abenteuerliches Wegstück vor dem Berggasthaus Obere Wechten.
Noch 40 Minuten bis zum Zmittag.
Mein Rahmschnitzel.
Am Samstag wanderten wir bloss drei Stunden, wobei wir aber doch 440 Höhenmeter auf- und 730 Höhenmeter abstiegen. Start war bei der Bergstation der Wasserfallenbahn im Baselbiet, wir drehten zuerst eine Runde nach Hinderi Egg und zum Chellenchöpfli (Eintrag von gestern), gingen dann Richtung Bättlerchuchi, zweigten dort ab vom Kretenweg, der zum Vogelberg führt. Das folgende Stück zum Berggasthaus Obere Wechten begeisterte uns: zum Teil überhängende Fluhen aus Kalk, ein schmaler Pfad, Seilsicherungen. Über Ober Passwang und das Restaurant Alpenblick, eine Töffbeiz direkt an der Passwangstrasse, kamen wir zu einem Bauernrestaurant, dem "Hagli", das ein wenig abseits der Strasse liegt. Dort assen wir einen sensationell günstigen Viergänger: Suppe, Salat, Rahmschnitzel mit Beilagen und ein kleiner Romanoff für 24 Franken. Fein wars auch, was ja das Wichtigste ist. Leicht fiel uns dann der kurze Schlussabstieg durch ein Tobel mit einer Lourdesgrotte und einem Kreuzweg nach Ramiswil SO. Am Ziel war es in der Sonne sengend heiss, nachdem uns zuvor in der Höhe ein kalter Wind zugesetzt hatte; das Samstagswetter hat uns erstaunt.

Montag, 6. Juli 2026

Baselbieter Kalkklippe

Das Chellenchöpfl ist ein toller Aussichtspunkt.
Blick vom Chellenchöpfli Richtung Süden. Links im Bild Mümliswil SO.
Die Hinteri Egg ist ein bisschen eine Langweilerin.
Auf die höchsten Punkte mancher Kantone werde ich es als Nicht-Alpinist nie schaffen; der Piz Bernina GR, das Finsteraarhorn BE, die Dufourspitze VS sind mir entrückt. Auf anderen Kantons-Kulminations-Punkten war ich längst, auf dem Säntis AR/AI natürlich, aber auch auf dem Brienzer Rothorn LU, dem Wildspitz ZG, dem Schnebelhorn ZH. Am Samstag wanderten wir im Juragebirge, starteten bei der Wassserfallen-Bergstation und kamen recht bald nach Hinteri Egg. Bei einer bescheidenen Höhe von 1169 Metern über Meer ist dies doch der höchste Punkt des Kantons Basel-Landschaft. Viel zu sehen gibt es nicht, Bäume stehen im Weg, der Ort, mit einer Tafel und einem Stein markiert, ist das Gegenteil von glamourös. Drei Gehminuten entfernt gibt es Gott sei Dank das Chellenchöpfli. Die Kalkklippe, 13 Meter tiefer, bietet einen wunderbaren Rundblick.