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Samstag, 28. Februar 2026

Sonne für Schattighalb

Heute, 28. Februar, endet der Winter. Wengistens nach der meteorologischen Definition, die ihm die Monate Dezember, Januar, Februar zuordnet. Die andere Definition, das ist die astronomische, gemäss der der Winter mit der Tag-und-Nacht-Gleiche am 20./21. März abgeschlossen ist. Ich denke, dass in Zeiten des Klimawandels die meteorologische Definition die stimmigere ist. Diejenige, die auf die Realität besser zutrifft. Und somit erkläre ich den Winter 2025/26 offiziell für beendet – ungeachtet der Rückschlage, die es wohl auch heuer geben wird.

Bristen oberhalb Amsteg im Kanton Uri – bei Sonnenschein.
(Foto: Andreas Faessler / Wikicommons)
PS: Gestern war eine Reportage über Bristen im Maderanertal in der NZZ. Das kleine Dorf hat zwei Hänge, der eine trägt das Beiwort sonnenhalb, der andere das Beiwort schattighalb. Wer auf der schattigen Seite wohnt, sieht die Sonne im Winter vier Monate nicht. Dieser Tage kehrt sie zurück.

Freitag, 27. Februar 2026

Die Sache mit der Sohle

Das ist sie! (Foto: Amazfit/Medienmitteilung)
Gestern kam sie auf den Markt: die neue Sport-Smartwatch "Amazfit Active 3 Premium" für den Lauf- und Ausdauersport. Das Ding kann laut Medienmitteilung so ziemlich alles, es berechnet zum Beispiel die Laktatschwelle oder managt durch eine Schlafanalyse, wie sich der Träger, die Trägerin am besten von einer vorangegangenen Strapaze erholt. Zudem analysiert die neue Amazfit die Abnutzung der Laufschuhe. Grossartig. Wobei ich genau das auch kann: Ich schaue jedenfalls immer wieder mal, ob meine Wanderschuhe noch genug Profil haben. Technische Unterstützung brauche ich dabei nicht. Ich mache das mit meinen Augen.

Donnerstag, 26. Februar 2026

Schaffhauser Höhlenbewohner

Leider kann ich kein Foto der Wohnhöhlen von Rüdlingen
zeigen. Stattdessen hier eines aus Matmata in Südtunesien.
Auch dort gibt es Wohnhöhlen, die ich vor vielen Jahren besuchte.
(Foto: Wikicommons)
Ein fast zugewachsener Trampelpfad im Steilhang über dem Rhein. Er führt zu zwei Höhlen in einer Sandsteinwand. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in ihnen Menschen. Arme Leute, Taglöhner und Korbflechter und ihre Familien zum Beispiel. Im "Tages-Anzeiger" stand gestern eine Reportage über den Ort auf Boden der Gemeinde Rüdlingen SH in der Nähe von Flaach ZH zu lesen, der Journalist hatte sich die Höhlen mit einem 72-jährigen Mann angeschaut, dessen Grossmutter in einer von ihnen aufgewachsen war. Schön wäre, wenn es an diesem Ort einen Picknickplatz gäbe und vielleicht eine Infotafel. Geht nicht. Zwar gehört das Grundstück samt den Höhlen der Gemeinde, doch ist es gefangen inmitten von Privatgrundstücken, ein Eigentümer rekurrierte vor Jahren gegen den Ausbau des Weges. Schade, ich wäre da gern mal hin.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Himmlische Spediteure

Die Santa Casa in der Basilika von Loreto in Italien.
(Foto: Zorro 2212 / Wikicommons)
Engel tragen die Santa Casa von Nazareth nach Loreto.
Gemälde des 16. Jahrhunderts aus Brügge. (Wikicommons)
Die Loretokapelle auf dem Achenberg.
Gestern erzählte ich vom Achenberg in der Nähe von Zurzach und von der dortigen, 1662 fertiggestellten Loretokapelle mit der Schwarzen Madonna. Aber was ist eine Loretokapelle überhaupt? Ich musste das selber nachschlagen. Nun, das Original findet sich als Haus im Haus im Wallfahrtsort Loreto bei Ancona in Italien. Dort gibt es eine Basillika, in der das Wohnhaus der heiligen Familie steht. Angeblich. Engel sollen das Wohnhaus, die sogenannte Santa Casa, im 13. Jahrhundert von Nazareth nach Loreto gebracht haben als sozusagen himmlische Spediteure. Später breiteten sich Imitationen oder nachempfundene Bauten der Santa Casa zu Loreto in ganz Europa aus. Vor allem in der Gegenreformation war dies der Fall, in der die katholische Kirche ab 1545 die sich ausbreitende Reformation zu bremsen versuchte mit neuen Glaubensprojekten.

Dienstag, 24. Februar 2026

Schwarzer Samstag

Dreimal Achenberg: Dahomey-Zwergrinder (Foto: Ronja) im Stall,
Madonna in der Loretokapelle, Hausbier in der Achenberg-Wirtschaft.
Obiger Titel bezieht sich auf den Achenberg, Gemeinde Zurzach AG, den wir am Samstag überschritten. Gleich drei Dinge waren im Miniweiler schwarz:

  1. die Madonna in der Loretokapelle, einem beliebten Pilgerort. 1660 bis 1662 wurde die Kapelle gebaut. Die ursprüngliche Schwarze Madonna musste dann vor 61 Jahren bei der Kapellenrenovation weichen. Ihre Nachfolgerin wurde 2005 platziert und stammt von einem Zürcher Bildhauer.
  2. das Vieh auf dem Bauernhof. Es handelt sich um Dahomey-Zwergrinder. Die Rasse kam Anfang des 20. Jahrhunderts von Belgisch Kongo nach Europa, als der Zoo von Antwerpen in Belgien Raubtiere einführte und mit ihnen gleich deren Futter (ja, ich weiss, brutal). Ihren Ursprung hat dieses Zwergrind im afrikanischen Dahomey, heute Benin.
  3. das Hausbier im Restaurant Achenberg. Die "Birra Madonna Negra", Bier Schwarze Madonna, wurde zur Feier der neuen Madonnenstatue 2005 lanciert. Obwohl es elf Uhr war, also früh für Alkohol, bestellte ich ein Herrgöttli – journalistische Pflicht, da opfert man sich halt. Es ähnelt dem irischen Guinness, ist aber luftiger, ist leicht säuerlich und prickelt irgendwie im Mund. Man entschuldige die mangelhafte Beschreibung, ich bin kein Bier-Sommelier.

Montag, 23. Februar 2026

Schönes Hudelwetter

30 Sekunden nach Wanderstart, wir steuern auf die reformierte Kirche von Tegerfelden zu.
In der Kirche: Skulpturen des Künstlers Peter Hächler
von 1967 zeigen die vier Thronwesen der biblischen Offenbarung.
Passt! Schild in der Wirtschaft auf dem
Achenberg, wo wir kurz einkehrten (Foto: Ronja).
Es hudelte, als wir am Samstag von Tegerfelden AG via den Achenberg nach Koblenz und weiter über den Rhein nach Waldshut (D) zogen. Spass hatten wir bei dieser knapp vierstündigen Unternehmung (280 Meter aufwärts, 320 Meter abwärts) trotzdem oder genau deswegen. Der Regen akzentuierte die Farben des rotbraunen Herbstlaubs und des Mooses, in den Pfützen spiegelte  sich der Himmel, und vor allem hatten wir das Gelände völlig für uns – keine anderen Wanderinnen und Wanderer in Sicht. Schön auch das Ende, im "Oscar's" in Waldshut, wo in den Gassen der Altstadt Konfetti von der Fasnacht zeugte, gönnten wir uns alle deftige Burger. Und dazu einen kräftigen Roten aus Italien.
Der Frühling kommt: Haselzötteli am deutschen Rheinufer bei Waldshut.

Und zum Schluss noch dies: Halloumi-Burger mit Süsskartoffel-Frites in Waldshut.

Sonntag, 22. Februar 2026

Der blaue Waldhüter

Das Wappen von nahem. (Wikicommons)
Nach knapp vier Stunden beschwingten Gehens erreichten wir gestern, vom Aargauischen her kommend, das deutsche Mittelalter-Städtchen Waldshut. Unten am Rhein fotografierte ich die Fähre, mit der ich auch schon gefahren war, sie verkehrt zwischen Waldshut und Full AG. Das die Fähre schmückende Wappen war mir kein Begriff, ich musste nachschlagen und fand heraus: Dies ist das Wappen der seit 1975 bestehenden Doppelstadt Waldshut-Tiengen. Die Madonna rechts und ihr Kind repräsentieren Tiengen. Und links sehen wir das sogenannte Waldshuter Männle, das schon 1277 auf einem Siegel aufgeprägt war. Keine Sagengestalt stellt das Männle dar und auch keinen Pilger oder Eremiten. Dies ist ein Waldhüter.

Samstag, 21. Februar 2026

Mit Dani aufs Schiff

Dani fährt Schiff. Ich auch, sehr gern sogar:
An der Schifflände von Merligen am Thunersee.
Dani ist Berner, das hört man sofort. Und Dani liebt Schiffe, speziell Dampfschiffe, auch das ist klar. 50 Folgen umfasst sein Podcast "Dani fährt Schiff" mittlerweile. Zu diesem Jubiläum hat ihn die Journalistin Claudia Salzmann interviewt, was die neuste, vor zwei Tagen publizierte Folge des Podcasts ergab. Schön lebendig ist das Gespräch. Und natürlich – Markenzeichen von Danis Schiffspodcast – gibts viel O-Ton. Nämlich von der Fahrt der beiden über den Thunersee. Gross die Vielfalt der Themen, die Dani bisher behandelt hat, darunter waren etwa "Musik an Bord: Vom Arbeitslied zum Tiktok-Hit" oder "Wie Motorschiff Etzel Geschichte schrieb". Reinhören, es lohnt sich!

Freitag, 20. Februar 2026

Säntis mit Kehrtunnel

Hätte man diese Zahnradbahn gebaut, hätte der Säntis mit dem Pilatus gleichgezogen: doppelte Erschliessung mit einer Zahnradbahn von der einen Seite des Berges und einer Schwebebahn von der anderen Seite her. 1914 legte ein gewisser Robert Vontobel aus Wallisellen sein Projekt vor, ihm schwebte vor, von Unterwasser im Toggenburg ein Bahntrassee zum höchsten Ostschweizer Gipfel zu bauen samt einem kühnen Kehrtunnel auf dem Rotsteinpass. Nun ja, im selben Jahr begann der Erste Weltkrieg, der Tourismus brach ein, und 1915 annullierte Vontobel das Vorhaben, über das kürzlich die Online-Plattform wundo.ch berichtete. Vielleicht nicht schlecht, dass es diese Zahnradbahn nicht gibt und also die eine Seite des Säntismassivs einigermassen ruhig geblieben ist. Wobei ich schon sagen muss: Die Fahrt durch den Kehrtunnel wäre sicher reizvoll gewesen.

Eine fantasievolle, aber auch charmante Darstellung des Säntis
auf einer Radierung von 1760. (Wikicommons)

Donnerstag, 19. Februar 2026

Alle sind satt geworden

Ein stimmungsvoller Anfang, oder? In der "Schweizer Familie" gibt es diese Woche eine dichte Reportage zu lesen, natürlich ist sie auch opulent bebildert. Meine Redaktionskollegin Angela Lembo hat im Freiburgischen die Wanderhirtin Sarah Müri getroffen. Die ist den Winter über permanent unterwegs gewesen mit den ihr anvertrauten Schafen, mit Hirtenromantik hat das gar nichts zu tun, es war harte Arbeit – eine Arbeit aber auch, die Sarah Müri schätzt, weil sie zu ihr passt, weil sie in Ruhe verrrichtbar ist und ihr Frieden bringt. Am Ende der Reportage wird es Abend, und Sarah Müri zieht Bilanz: "Alle sind satt geworden, heute war ein guter Tag." Wer mehr wissen will, kaufe das Heft, es lohnt sich allein wegen dieses schönen Textes.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Der Pufferstausee

Ferden VS und sein Stausee. (Foto: Johannes Löw / Wikicommons)
Was für ein Amt! Der Mann muss gute Nerven haben. Seit rund vier Monaten hat das Wallis einen neuen Naturgefahren-Chef. Die Zeitung "Walliser Bote" brachte letzte Woche ein Interview mit Guillaume Favre-Bulle. Darin ging es zu einem guten Teil um das im letzten Jahr durch einen Bergsturz verschüttete Dorf Blatten im Lötschental. Hier ein Aspekt, den ich besonders interessant finde: In den letzten Monaten liefen Arbeiten an der durch den Bergsturz zum See aufgestauten Lonza bei Blatten. Das Wasser kann nunmehr eigenständig abfliessen, es sollten keine plötzlichen Fluten auftreten. Mehr Sorgen macht dem Sicherheitschef, dass ein Drittel des Bergsturz-Schuttkegels aus Eis besteht. Rund drei Millionen Kubikmeter sind es, die über Jahre schmelzen werden, doch in der festgepressten Masse quasi gefangen sind. Was, wenn vom Kleinen Nesthorn ein neuer Felssturz käme, auf den Kegel träfe und einen Murgang auslöste? Dann würde sich die Masse talwärts wälzen Richtung Wiler und Kippel. "Zum Glück", sagt der Experte, "gibt es den Staumdamm von Ferden, der im Ereignisfall als wichtige Pufferzone dient". Uff, die habens nicht leicht im Lötschental.

Dienstag, 17. Februar 2026

Der Müller, der Baron und das Bier

Das kleine Feldbach mit seinem Bahnhof. Hinten in der Mitte Rapperswil.
Die Villa Rosenberg in Feldbach, in der der Müller und Bierbrauer
Hans Heinrich Hürlimann mit seiner Gattin Verena Bleuler lebte.
Die ehemalige Brauerei von Hans Heinrich
Hürlimann, ebenfalls in Feldbach.
Erstaunlich, dass das nicht sonderlich grosse Feldbach, ein Ortsteil der Zürcher Gemeinde Hombrechtikon, einen eigenen Bahnhof besitzt. Uns fiel das auf, als wir am Samstag dort vorbeikamen. Nicht zuletzt hat die grosszügige Erschliessung mit Hans Heinrich Hürlimann zu tun, einem hablichen Müller und Getreidehändler. Er gründete 1836 in Feldbach eine Bierbrauerei, nachdem er wenige Jahre zuvor in der Nähe auf einem Hügelsporn mit Blick auf den Zürichsee die herrliche Villa Rosenberg hatte bauen lassen; weil seine geliebte, aus Küsnacht stammende Gattin allem Anschein nach immer wieder mal von Heimweh geplagt wurde, liess er im grössten Raum des Hauses eine Wand mit der Ansicht ihres Dorfes bemalen. Doch zurück zur Brauerei. Die lief nicht besonders, des öftern musste das Bier als ungeniessbar weggeschüttet werden. Die Misswirtschaft hatte viel mit einem Baron zu tun, den Hürlimann als Partner eingespannt hatte; der Baron verstand von Bierbrauen gar nichts – und flog schliesslich auf, er war kein Baron, sondern ein Hochstapler. Der Brauereibetrieb ging weiter, das Geschäft lief aber meist nicht besonders, noch vor Ende des Jahrhunderts war das Unternehmen am Ende. Das Hürlimann-Bier ist trotzdem bis in die nahe Gegenwart geblieben: Der Sohn von Hans Heinrich Hürlimann nämlich, Albert, der in Kempten im Allgäu eine Ausbildung zum Brauer absolviert hatte, gründete 1866 in Zürich-Enge die Brauerei Hürlimann. Vor drei Jahrzehnten ist allerdings auch sie eingegangen.

Montag, 16. Februar 2026

Der Regen blieb sanft

Zwischen Uerikon und Feldbach waren wir kurz mal auf
dem Trassee der ehemaligen Uerikon-Bauma-Bahn unterwegs.
Blick vom Meienberg auf das in den Zürichsee vorgeschobene
Rapperswil mit dem Schloss und dem Seedamm.
Einst bauten sie für Stromzentralen Gebäude wie
Kirchen: das alte Elektrizitäts-Werk Jona.
Störche in Rapperswil-Jona. (Foto: Ronja)
War eine gute Wanderroute, nicht zu kurz, nicht zu lang bei knapp dreieinhalb Stunden Gehzeit und 260 Metern aufwärts sowie 280 Metern abwärts. In der zweiten Hälfte hatten wir Regen, doch der blieb sanft, kein Problem. Vom Startort Uerikon bis zum Meienberg in der Nähe von Rapperswil waren wir die meiste Zeit in der Höhe unterwegs, hatten schöne Sicht auf den Zürichsee, mussten freilich einmal bei Feldbach kurz absteigen, um sofort wieder aufzusteigen – der Ort bescherte uns gleichsam zur Kompensation zwei interessante Häuser, von denen ich morgen oder so erzählen möchte. Vom Meienberg wären wir schnell in Rapperswil gewesen, zogen im Folgenden aber eine weite Kurve durchs Gelände, um im Gebiet Martinsbrünneli die Naturbrücke zu besuchen, was ich gestern erzählt habe. Am Ziel dann, in Rapperswil eben, gönnten wir uns in der Osteria Dieci al lago des landesweit bekannten Pizza-Unternehmens Dieci einen Frühnachmittags-Zmittag. Und fuhren zufrieden heim.

Sonntag, 15. Februar 2026

Eine spezielle Brücke

Eine kleine grosse Attraktion am Wanderweg von Rüti ZH nach Rapperswil SG: die Naturbrücke im Waldstück Martinsbrünneli. Gestern Samstag besuchten wir sie und waren beeindruckt. Zustande kam die Naturbrücke so: Der – namenlose – Bach frass die Nagelfluh im Lauf der Zeit weg, wohingegen die höher liegende härtere Gesteinsschicht bestehen blieb. Um Appenzellergranit handelt es sich bei dieser härteren Schicht, womit ich beim "Tagi" wäre, der mich letzte Woche mit einem langen Artikel zum Ausflug inspirierte. Vor 16 Millionen Jahren ereignete sich im Gebiet der heutigen Schweiz ein gewaltiger Murgang. Eine zähflüssige Masse, eine Art Fels-Schlamm-Müesli, ergoss sich von den Alpen her, aus dem Raum Sargans, Richtung Norden. Am Ende bedeckte der Brei bei einer Höhe von zwei bis fünf Metern eine Fläche von rund 50 auf 50 Kilometer, diese Zone reichte in der Ost-West-Achse von Abtwil bei St. Gallen bis Feldbach bei Rapperswil. Die Masse verfestigte sich später und wurde hart wie Zement, so entstand der Appenzellergranit. Wie ich im Zeitungsartikel las, diente er als Baumaterial unter anderem für Eisenbahnbrücken. Wer die Naturbrücke beim Martinsbrünneli aus der Nähe sehen will: Sie findet sich circa zwei Kilometer nördlich von Jona und ist auf der Landeskarte eingezeichnet.

Samstag, 14. Februar 2026

Per Bus zum Bergsee

Bald fährt zu ihm ein Bus: der Bergsee Lai da Vons,
Gemeinde Andeer GR. (Foto: Adrian Michael / Wikicommons)
Der Verein Bus alpin und seine regionalen Partnerunternehmen bedienen uns Wanderer und Wanderinnen in 18 Schweizer Bergregionen mit Verbindungen abseits des normalen ÖV-Netzes – eine gute Sache. Letztes Jahr, so kürzlich eine Mitteilung, wurden allein im Sommerhalbjahr 110 000 Personen transportiert. Diesen Sommer wird es zwei neue Angebote geben:

  • Linie von Rabius in der Surselva das Val Sumvitg hinauf nach Runcahez. 
  • Linie Rofflaschlucht – Festung Crestawald – Sufers – Lai da Vons in der Region Hinterrhein.

Freitag, 13. Februar 2026

Zirkumflex muss sein

Rôtisserie. Höre ich das Wort, denke ich an einen weissbemützten Chef, der an meinem Tisch ein paar Nierli flambiert oder ein Entrecôte grilliert. Irgendwie kommt mir die Bezeichnung veraltet vor, doch kann ich mich täuschen, immerhin hat die weltumspannende "Chaîne des Rôtisseurs" hierzulande 1600 Mitglieder. 70 Prozent davon sind sozusagen Freunde und Freundinnen des gepflegten Stückes Fleisch und überhaupt des luxuriösen Speisens und Trinkens, derweil es sich bei den restlichen Prozent um die Profis handelt vom Küchenchef über die Sommelière bis zum Chef de Service. Wie sich die Rôtisseure und Rôtisseurinnen im sich wandelnden Gastrogewerbe – sinkender Fleischkonsum – halten: Ich weiss es nicht. Jedenfalls wurde mir leicht nostalgisch, als ich eben in der Altstadt von Rheinfelden an einer Rotisserie – pardon, Rôtisserie, der Zirkumflex muss sein – vorbeikam.

Donnerstag, 12. Februar 2026

Favres Tunnel

Tod von Louis Favre im Gotthardtunnel 1879. Dessen Vollendung
und Inbetriebnahme hat er nicht mehr erlebt. 
("Unser Gotthard", Lüönd/Iten, Adrian Michael / Wikicommons)
Diesen ikonischen Moment kennen wohl die meisten, die Bahn fahren: Kurz vor dem Genfersee taucht der Zug, von Freiburg her kommend, beim Bahnhof Puidoux in einen Tunnel. Und dann kommt er wieder ans Licht, und man japst nach Luft. Dieser Blick über die Reben des Lavaux auf die blaue Weite des Sees und zu den Savoyer Alpen, fantastisch! Was ich erst letzte Woche zufällig aufschnappte: Der Cornallaztunnel, 500 Meter lang, eine Röhre mit zwei Gleisen, geht auf den Genfer Ingenieur Louis Favre zurück. Den berühmten Baumeister des Gotthardtunnels im 19. Jahrhundert.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Alpsteingetreide

Neuerdings eine Mühle: die Bürgerscheune in Nesslau SG.
Mehl aus der "Alpsteinmühle".
Abnehmerin der ersten Charge ist die Migros.
Die Verwandlung der rund 100-jährigen Bürgerscheune am Rand von Nesslau im Toggenburg war aufwändig und mit viel Fronarbeit verbunden; die "Schweizer Berghilfe", deren Medienmitteilung mich gestern auf das Projekt aufmerksam gemacht hat, half mit einem Beitrag von 50'000 Franken. Schon seit einigen Jahren bauen Mitglieder des Vereins "Alpsteinkorn" im Raum Säntis wieder hochwertiges Berggetreide an. Ein Problem, das sich vorerst stellte: Das Getreide konnte nicht im Berggebiet verarbeitet werden, in dem es wuchs. Eine 2023 gegründete Genossenschaft hat es nun zustandegebracht, besagte Bürgerscheune zu erwerben und zur Mühle umzurüsten. Im November liefen die Maschinen das erste Mal, und das gleich für einen Grossauftrag, Mitte Januar ging die erste Charge Ruchmehl aus der "Alpsteinmühle" an die Migros Ostschweiz. Was mich grad motiviert, bei meinem nächsten Besuch in der Region mal in St. Gallen oder Teufen zu schauen, ob ich das Mehl dort finde.

Dienstag, 10. Februar 2026

Migroswandern

Einer der Veranstaltungsorte: der Schwarzsee.
Eben ging mir das Programm von "Migros Hiking Sounds" zu. Die unter diesem Namen zusammengefassten Events finden heuer vom Frühsommer bis zum Herbst statt unter anderem in Schwarzsee FR, Airolo TI, Wildhaus SG und Gstaad-Schönried, mit dabei sind Musikerinnen und Musiker wie Bastien Baker,  Linda Fäh, Kunz, Vanessa Mai. Die Sache geht so: Man kauft sich das Ticket für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Route. Zieht vom Startpunkt los und bekommt nach der Hälfte des Weges bei einem Grillplatz ein erstes Mal Live-Sound serviert. Am Ziel dann gibts später ein grosses Freiluft-Konzert. Kannte ich gar nicht, den Anlass. Ist er etwas für mich? Eher nicht, ich mag meine Wanderungen ruhig.

Montag, 9. Februar 2026

Aargauer Kurzfrühling

Das Pferd von Möhlin.
Schloss Beuggen am deutschen Rheinufer.
Der Rhein in Rheinfelden.
Mein Zmittag: Forellenfilets mit
Stangensellerie und Kartoffelstampf.
Soll man es wandern nennen? Ich hatte am Samstag nur ein Ziel, als ich nach einem Blick auf die Wetterkarte ins Fricktal reiste: die Sonne sehen. Das gelang nicht von Anfang an, es dauerte am Vormittag ein Weilchen, bis das Licht sich so richtig durchgesetzt hatte. Wie blau der Fluss dann plötzlich war. Ah ja, vielleicht sollte ich die Route benennen: von Möhlin hinab zum Rhein und an seinem Ufer, mal in geringer Entfernung, mal ganz nah, nach Rheinfelden. Dort gönnte ich mir nach zweieinhalb Stunden forschen Gehens einen Zmittag im "Park-Hotel" und fuhr alsbald zufrieden wieder heim mit dem vagen Gefühl, kurz mal im Frühling gewesen zu sein.

Sonntag, 8. Februar 2026

Dutti und die Tanks

Nichts ist mehr zu sehen von den unzähligen Tanks, die in dieser
Wiese am Rhein bei Tössriederen ZH im Boden versenkt waren.
Vor gut 70 Jahren spekulierte Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Die Schweiz werde am Rhein bei Eglisau einen Industriehafen anlegen, sodass Lastschiffe von der Nordsee via Basel bis hierhin, ins Zürcher Unterland, fahren könnten. Wähnte er. Und liess ab 1957 in Tössriederen bei Eglisau am Fluss ein riesiges Tanklager anlegen mit unzähligen unterirdischen Tanks für total 40 Millionen Liter Heizöl und Benzin – schliesslich war die Migros mit ihrer "Migrol" dick drin in diesem Geschäft. Nun ja, der Hafen wurde nie gebaut, Lastwagen trugen den Treibstoff heran, der im Kalten Krieg als strategische Reserve für die Schweiz gedacht war. Bis die Migros 1978 die Anlage stilllegte und verkaufte. Später kam es zum Rückbau, der teuer war; heute gehört die Wiese, an der wir am Mittwoch auf dem Weg von Eglisau zur Tössegg vorbeiwanderten, der Pro Natura Zürich. Die lobt sie als "artenreich". Als wertvollen Lebensraum für Amphibien und Reptilien. Auch gut.

Samstag, 7. Februar 2026

Ein Dorf ohne Handyempfang? Wirklich?

Die Töss bei der Tössegg.
Der Wachturm bei der Tössegg entstand im vierten Jahrhundert nach Christus.
Den Bau als Ganzes und die frierenden Legionäre muss man sich dazudenken.
Super, im "Rorboz" haben sie "Sirocco"-Tee.
Die Sonne war am Mittwoch kurz mal im Himmel als blässliches Zitat ihrer selbst erahnbar, der Nebel hatte das Zürcher Unterland im Griff. Unsere dreieinhalbstündige Wanderung (355 Höhenmeter aufwärts, 265 abwärts) führte von Eglisau via die Tössegg und Rorbas hinauf nach Nussbaumen und dann hinab ins nahe Bülach, in das Nussbaumen eingemeindet ist. Schön, erfreulich, interessant, sympathisch war an der Route vieles. Zum Beispiel:

  • die Tössegg, wo die Töss in den Rhein mündet, und nachher der einsame Landstrich der Töss entlang flussaufwärts. Idyllisch war dieser Abschnitt.
  • die Mauerreste eines römischen Wachlagers bei der Tössegg. Es stammt aus der Spätantike und ist Teil einer ganzen Kette solcher Stationen, die den Übergriff der Germanen auf die Gebiete südlich des Rheins verhindern sollten. Was bekanntlich nicht gelang.
  • das Café Rorboz in Rorbas. Das Dorf kam uns trist vor. Verlocht. Im"Rorboz" fanden wir Wärme, die Frau, die uns bediente, war total freundlich. So haben wir Rorbas letztlich doch in guter Erinnerung.
  • der "Sternen" in Nussbaumen war eine Trouvaille. Das Dorf liegt oberhalb von Bülach ganz für sich in einem Geländekessel, es hat keinen Handyempfang, erstaunlich, dass es das noch gibt. Im "Sternen" kochen sie auch nachmittags warm. Und wirklich gut. Die Hacktätschli und insbesondere auch die Sauce sei einfach wunderbar, sagten die zwei aus dem Grüppli, die das bestellt hatten. Ich war mit meinem Schweinssteak und den schön breit geschnittenen Pommes frites sehr zufrieden. Nebel? Who cares.
    Noch zehn Minuten bis Nussbaumen. Hinten die Kämme des Randen.

    Mmmmm, Hacktätschli. (Foto: Ronja)

Freitag, 6. Februar 2026

Eglisau, das kannst du besser

Der Vorplatz des Bahnhofs von Eglisau ZH wirkt ein wenig verkommen, fanden wir am Mittwoch, als wir dort zu einer Wanderung starteten. Kurios kam uns die dreckige Tafel mit dem Hinweis auf den Defibrillator vor. Stellen wir uns vor, wir wären hier mit einer Person unterwegs, die sur place eine Herzkrise erleidet. Und dann sehen wir dieses Schild. Wo zur Hölle ist das Restaurant Rheinfels? Die roten Pfeile deuten in den Boden, was nicht sein kann. Vielleicht ist es am besten, gar nicht nach dem 300 Meter entfernten Defibrillator zu suchen und gleich die Notfallnummer 144 zu wählen. Die immerhin ist brauchbar.

Donnerstag, 5. Februar 2026

400 Millionen pro Minute

Nach dem kleinen Dorf Brütten ist der Brüttener Tunnel benannt.
(Foto: Abderitestatos/Wikicommons)
20 Minuten: So lange braucht man heute für die Fahrt von Zürich nach Winterthur auf der schnellsten Verbindung via Stadelhofen und Stettbach. In gut zehn Jahren, wenn der Brüttener Tunnel als Teil einer neuen Linienführung gebaut ist, sollen es noch 12 Minuten sein. Jede der 8 eingesparten Minuten kostet 400 Millionen Franken. Ein unglaublich teures Vorhaben ist das, wobei im Preis auch die Erneuerung bestehender Geleisinfrastruktur inbegriffen ist und der Umbau von Bahnhöfen wie Dietlikon und Bassersdorf. Der Brüttener Tunnel wird die Strecke zwischen den beiden grossen Zürcher Städten zu einer Metrostrecke machen – zu einer fantastisch effizienten Sache, wobei Fahrgäste nicht mehr viel von der Landschaft sehen werden, die meiste Zeit werden sie auf vier neuen Gleisen unterirdisch unterwegs sein. In der NZZ war vor kurzem ein Artikel, der das alles samt Vorgeschichte und Geografie brillant erläutert. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht Mitte Januar zwei Beschwerden abgeschmettert hat, können die SBB nun mit den Vorbereitungen loslegen.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Über den Gotthard gondeln

Verkehrt hier in Zukunft eine Seilbahn?
Die Hochfläche der Gotthard-Passhöhe und des Gotthard-Hospizes ist im Sommer überlaufen. Und im Winter praktisch ausgestorben, wenn die Strasse geschlossen bleibt. Nun gibt es, las ich eben im "Blick", eine Idee, die Gegend ganzjährig zu erschliessen – mit einer Seilbahn. Mit einem Seilbahnnetz sogar, das Airolo, die Passhöhe und den Gemsstock im Skigebiet Andermatt verbinden würde samt einem Abzweiger nach Realp. "Porta Gottardo" heisst das Projekt privater Investoren. Eine vorläufige Umweltstudie kommt zum Schluss, dass es keine Gründe gibt, die Planung abzubrechen. Mal schauen, was aus der Sache wird.

Dienstag, 3. Februar 2026

Hüpp, hüpp, hurra!

Gottlieber Hüppen in der Variante Himbeere.
Hüppen sind Waffelröhrchen mit einer süssen Füllung. Wahnsinnig beliebt sind sie nicht, wie ich eben in meinem Grüppli feststellte, dort findet das Gros der Leute Hüppen langweilig. Kann ich nachvollziehen, wenn ich an die Hüppen denke, die es bisweilen im Café als Beigabe gibt, oft ist der Teig schon ein wenig lahm und der Inhalt öd (die übliche hellbraune Schoggi-Irgendwas-Masse). Nun, am Mittwoch probierte ich in Gottlieben TG, wo in der bekannten Manufaktur Hüppen fabriziert werden, diverse Hüppen-Varianten. Schön, dass sie mit allem Möglichen gefüllt waren, speziell mochte ich die Geschmacksrichtungen Vanille und Himbeere. Und schön, dass die Röhrchen so richtig frisch und knackig waren. So lob' auch ich mir meine Hüppe.

Montag, 2. Februar 2026

Höllische Fetzen

Das "Constanzer Wirtshaus" und die Fetzen.
Wir waren alle drei zufrieden mit unserem Essen. Allerdings fanden ich (Saiblingsfilets mit Röstkartoffeln und Gemüse) und Anita (Rinderroulade mit Kartoffelpüree), dass Ronjas Gericht einen seltsamen Namen hatte, einen potenziell abstossenden. Ist das typisch deutsch, dass man ein pikant gewürztes Rindsgeschnetzeltes als "Höllische Oxenfetzen" verhunzt? Gut seien die Fetzen jedenfalls, beschied uns Ronja. Am letzten Mittwoch war das, in Konstanz, wo wir zu Ende unserer Wanderung dort einkehrten, wo der Seerhein aus dem Obersee strömt. Nördlich steht am Wasser ein grosser Biergarten mit mehreren, zum Teil wintergartenartig modernisierten Räumen. Ein Gemäuer mit Stufengiebel, vage an eine alte Feuerwache in Potsdam oder so erinnernd. Das "Constanzer Wirtshaus" stammt von 1899. Es wurde damals von Kaiser Wilhelm II. als Offizierscasino eingerichtet.

Sonntag, 1. Februar 2026

Wanderung mit Hüppenhalt

Blick von Schloss Arenenberg auf Ermatingen mit dem
markant in den Untersee vorgeschobenen Schwemmdelta.
Weltkriegsbunker bei der Bahnstation Triboltingen.
Letzten Mittwoch zogen wir vom Bahnhof Mannenbach-Salenstein im Kanton Thurgau nach Konstanz. Weil wir dort einen Abstecher zu einem besonderen Restaurant machten, brauchten wir dreieinhalb statt der für die Direttissima nötigen drei Stunden. Die Route war abwechslungsreich. Wir bekamen es mit gleich drei Gewässern zu tun, zuerst mit dem unteren Teil des Bodensees, dann mit dem Seerhein, dann mit dem oberen Seeteil. Im ersten Drittel gingen wir etwas oberhalb, via Schloss Arenenberg mit dem Napoleonmuseum, das grad noch in der Winterpause ist. Ab Ermatingen waren wir später in flachem Gelände ufernah unterwegs. In Gottlieben machten wir Pause im stilvollen Seecafé, das mit der örtlichen Hüppen-Manufaktur assoziiert ist, natürlich probierte ich Hüppen (einmal Vanille, einmal Mandel) und kaufte auch welche (Himbeere). Gleich anschliessend passierten wir, noch in Gottlieben, das Wasserschloss. Jenen Bau, in dem der böhmische Reformator Jan Hus 1415 als Gefangener sass. Noch einmal eine Strecke am Wasser, dann langten wir in Konstanz an und gönnten uns einen späten Zmittag. Wo genau, erzähle ich morgen oder so.
Schönes Gottlieben: das "Seecafé".

Düsteres Gottlieben: das Wasserschloss.