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Sonntag, 18. Januar 2026

Der Fotoschatz

Tschäggätä im Lötschental.
Leider finde ich keine Jahresangabe.
(Sprachatlas der deutschen Schweiz)
Beiliegendes Foto zeigt zwei Maskierte an der Tschäggätä, der Fasnacht in Blatten VS im Lötschental, das Dorf ist uns allen ein Begriff seit dem verheerenden Bergsturz. Der "Sprachatlas der deutschen Schweiz", ein Werk mit wissenschaftlichem Anspruch, führte in der Vergangenheit mancherorts im Land Erhebungen zu unseren Dialekten durch; so nebenbei entstanden vor Ort auch Fotos. Die insgesamt 12'500 Aufnahmen, ein volkskundlicher Schatz, sind mitterweile digitalisiert und, wo möglich, mit dem passenden Eintrag im Dialektwörterbuch Idiotikon verknüpft. Seit anderthalb Monaten ist die Foto-Sammlung im Internet frei zugänglich, sie ist auch mit einer praktischen Suchfunktion ausgestattet.

Samstag, 17. Januar 2026

Basel, Vesalgasse 5

Das Jüdische Museum Schweiz an der Vesalgasse 5 in Basel.
Den Umbau des ehemaligen Tabaklagers besorgte das örtliche
Architekturbüro Diener & Diener. Das Kunstwerk an der
Fassade heisst "Jeziory" und stammt von Frank Stella.
Kostbar: eine Tora-Rolle aus dem Kairo des 13. oder 14. Jahrhunderts.
Seit 1966 gibt es in Basel das Jüdische Museum Schweiz, diesen November ist es nach einem Zügel in den umgebauten Räumen eines ehemaligen Tabaklagers gleich bei der Universität neu eröffnet worden. Am Mittwoch besuchte ich das Museum, lernte und erfuhr etliches. Manches davon war deprimierend. 1349 etwa kam es in Basel zu einem Pogrom. Ein Mob trieb die Juden und Jüdinnen der Stadt auf eine Insel im Rhein und brachte sie alle um, zwischen 100 und 600 Menschen starben damals. Ich hoffe, dass sich so etwas nie wiederholt – die jüdische Bevölkerung der Schweiz war bekanntlich auch schon sicherer als derzeit.

Synagogenbänke im Museum. Das Buntglasfenster rechts stammt aus der Synagoge in Biel.

Freitag, 16. Januar 2026

Les Arales? C'est où?

Die schöne Broschüre des SAC.
Ich bin an einem Artikel zu den höchsten Punkten aller Schweizer Kantone. Gestern, beim Einlesen, war ich erfreut. Es gibt im Internet einige brauchbare Listen. Am übersichtlichsten ist diejenige in einer Broschüre des "Schweizer Alpen-Clubs". 

Hier drei Kantonshöhepunkte, die nicht so bekannt sind:

  • Bös Fulen, Schwyz, 2801 Meter.
  • Vanil Noir, Freiburg, 2389 Meter.
  • Les Arales, Genf, 516 Meter.
Und noch etwas Wissenswertes: Der einzige Ort, an dem gleich zwei Kantone, AR und AI, ihren höchsten Punkt erreichen, ist der Säntisgipfel, 2502 Meter.

Donnerstag, 15. Januar 2026

Die Superlativbahn

Garaventa ist in der Doppelmayr-Gruppe das
Kompetenzzentrum für Standseil- und Pendelbahnen.
(Foto: BKP/Wikicommons)
Die Vorarlberger Doppelmayr-Gruppe, zu der auch das Schwyzer Unternehmen Garaventa gehört, hat sich einen riesigen Auftrag gesichert. In Mexiko-Stadt soll die Firma bis 2028 eine Seilbahn bauen, die Linie 5 mit 12 Stationen. Bei einer Gesamtlänge von 15,2 Kilometern dürfte es sich nach der Realisierung um die längste urbane Seilbahn der Welt handeln. 3000 Fahrgäste können pro Stunde effizient befördert werden, umgerechnet 340 Millionen Franken kostet das Projekt.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Noch 45 Tage

Der Winter – hier in Oberrieden ZH – ist nicht so mein Ding.
Der sogenannte meteorologische Winter umfasst die drei Monate Dezember, Januar und Februar. Zusammen sind das 90 Tage. Heute erreichen wir den 45. Tag, stehen somit in der Mitte des Winters. Eine gute Sache, finde ich, jetzt beginnt schon die zweite Halbzeit. Ich gebs gern zu, ich bin kein besonderer Winterliebhaber. Heuer ist dies auch der Grippe geschuldet, die mich zum Jahresende gepackt hat und jetzt langsam – leider nur langsam – wieder freigibt. Aber wie gesagt: Bald ist Frühling.

Dienstag, 13. Januar 2026

Das Tessin ist mal kurz weiter weg

Derzeit gesperrt: der Gotthard-Basistunnel.
(Foto: Bundesamt für Verkehr / Wikicommons)
Plant jemand ein Tessinreisli? Eine Stunde mehr Fahrzeit einplanen! Seit gestern und bis zum 23. Januar wird das Gros des Bahnverkehrs über die alte Bergstrecke umgeleitet. Im 57 Kilometer langen Basistunnel stehen Unterhaltsarbeiten an. Nur ganz wenige Kurse, etwa die Verbindung Mailand-Zürich-Frankfurt, sind von der Sperrung ausgenommen.

Montag, 12. Januar 2026

Das schlummernde Wehr

Gewusst, welcher Fluss als einziger in der Schweiz mit einem Eiswehr ausgestattet ist? Ich las das im "Tagi" – es ist die Sihl.

Die Sihl. Das Eiswehr sieht man unten links, zur Orientierung oben rechts
in Rot die S-Bahn-Station Brunau. (Screenshot Schweizmobil
Das Sihl-Eiswehr steht auf Stadtzürcher Boden nah der Allmend Brunau und hat vier bewegliche Schützen, mächtige Metallschilder, die man absenken und so Eisschollen auf dem Wasser stauen könnte. 100 000 Kubikmeter Eis vermag das Wehr aufzuhalten, bloss kam es nie zum Einsatz, der Klimawandel macht sich bemerkbar. 1968 wurde es gebaut, damals lag die letzte Gfrörni des Zürichsees erst fünf Jahre zurück, und man ging davon aus, dass sich früher oder später auf der Sihl Eis bilden und dann die weiter flussabwärts liegende Sihlhochstrasse, die zur gleichen Zeit wie das Wehr entstand, gefährden könnte. Nun, die Sihlhochstrasse wurde nicht fertiggestellt. Warum also bricht man das schlummernde Wehr, das vom Bundesamt für Strassen finanziert und betrieben wird, nicht ab? Weil es in einer anderen Art Notfall helfen könnte: wenn Schadstoffe im Wasser Richtung Zürich treiben. Mit anderen Worten: nicht ausgeschlossen, dass die Schützen doch einmal aktiviert werden.

Sonntag, 11. Januar 2026

Paris fährt Seilbahn

Die neue Seilbahn. (Screenshot)
Am südlichen Rand von Paris sind einige Vororte seit kurzem mit einer Seilbahn verbunden; bei einer Strecke von 4,5 Kilometern soll es sich um Europas längste urbane Seilbahn handeln. Kurz vor Weihnachten eröffnet, führt sie mit ihren 105 barrierefrei zugänglichen Gondeln die Leute, die in der betreffenden Agglozone wohnen, effizient zum Anschluss ans städtische Metronetz, pro Tag wird mit 11'000 Passagierinnen und Passagieren gerechnet.

Samstag, 10. Januar 2026

Fauler Bauer

Beim Schochengäbris in der Nähe des Gäbris.
Mal wieder ein bisschen Namenskunde, ich mag das halt. Als wir vor wenigen Wochen vom Gäbris nach Bühler abstiegen, kamen wir beim Schochengäbris vorbei. Ich schaute nach, was der Flurname bedeutet, was mich umso mehr interessierte, als der Familienname Schoch in Ausserrhoden häufig vorkommt; unvergessen unser mittlerweile verstorbener FDP-Politiker Otto Schoch, der den Kanton im Ständerat vertrat. Zurück zur Namensdeutung: Ein Schoch ist entweder ein Bauer, der Heuhaufen anlegt, Schochen. Oder aber, auch das meint Schoch, ein gutmütiger, etwas fauler Bauer.

Freitag, 9. Januar 2026

Ich riech' ihn schon

Die Siedlung Winkelhalden in Oberrieden ZH ("anders wohnen im Alter") ist ein Ort, an dem die Leute, viele davon fortgeschrittenen Alters, sich in allerlei gemeinschaftlichen Aktivitäten und Komitees engagieren. Auch eine eigene Kultur-Veranstaltungs-Reihe haben sie, den "Salon im Winkel". Diesen Sonntag bin ich dort zu Gast, stehe der Fernsehjournalistin und Dokfilmerin Christa Miranda Red und Antwort. Nach der Matinée gibts Brunch - ich rieche ihn schon, den Butterzopf. 

Donnerstag, 8. Januar 2026

Oltens Jüngling


Wie kaum ein anderes Kunstwerk prägt dieses das Oltner Stadtbild. "Remonte!" findet sich auf der Altstadtseite der Bahnhofbrücke, der Name bedeutet "Steig wieder auf!", freilich scheint sich der Jüngling mit dem Wieder-Aufsteigen schwer zu tun, das Pferd benimmt sich widerspenstig. Von Otto Charles Bänninger stammt die Bronzeplastik von 1961 und war in ihren Anfängen umstritten. Es gab Leute, die störten sich daran, dass der Jüngling nackt war. Und dass seine Gesichtszüge abstrahiert waren. Womöglich ging es aber auch darum, dass die örtlichen Behörden vorerst einen Bildhauer aus der Region auserkoren hatten, diesen zentralen Ort zu bestücken, bis nach einigem Hin und Her doch ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Den gewann Bänninger. Ein Zürcher. Aber das ist alles vergangen, vergeben, vergessen. Heute ist "Remonte!" akzeptiert. Die Skulptur, die ich kürzlich fotografierte, würde einem fehlen, wenn sie nicht dastünde.

PS: Der Führer "Kunst in Olten" listet 83 Kunstwerke in der Stadt auf und schlägt fünf Spaziergänge vor, auf denen man sie kennenlernt. Er ist gratis beziehbar und auch herunterladbar – toll und vorbildlich, liebes Olten.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Zollikons Wolfsgarn

Hier kam einer durch. (Foto: U.S. Fish
and Wildlife Service / Wikicommons)


Oswald Renner, damals Pfarrer in Greifensee, schildert die Wolfsjagd von 1594 in drastischen Bildern. Hunderte Männer treiben den Wolf aus der Gegend von Winterthur Richtung Zürichsee, mehrere Tage dauert die Hatz, auf der Flucht soll das Tier einige Kinder gerissen haben. Bis es sich schliesslich in Zollikon im aufgespannten Garn verheddert und getötet wird. Eine Delegation präsentiert den Menschenfresser umgehend dem Zürcher Bürgermeister und kassiert eine dicke Prämie. Die Begebenheit ist im "Zolliker Jahrheft" 2025 erzählt samt dem Detail, dass das alte Wolfsgarn – solche Fangnetze waren bis zu 100 Meter lang – noch 1830 auf dem Dachboden des Restaurants Rössli in Zollikon gelegen habe. Mitterweile ist es verschwunden.

Dienstag, 6. Januar 2026

26 in 24

Blogger Harris in Aktion. (Youtube)
Heute mal wieder ein Video, eines mit sehr schönen Bildern aus der Schweiz. Der amerikanische Blogger Johnny Harris – 7,36 Millionen Menschen folgen ihm – lässt sich von der SBB einladen und darf eine Woche lang gratis durch unser Land reisen. Gegen den Schluss zu formuliert er eine anspruchsvolle Challenge: in 24 Stunden mit dem ÖV alle 26 Kantone berühren. Schafft er es? Nun, man schaue selber. Ich verrate nur soviel: Es gibt unterwegs dann doch Komplikationen. Und noch ein Tipp für die, die sich nicht die ganzen 43 Minuten Video anschauen wollen, in denen so nebenbei die ganze Bahngeschichte der Schweiz zusammengefasst wird: Die eigentliche Challenge beginnt in der Minute 25.

Montag, 5. Januar 2026

Das Ybrig hat einen Gletscher

Mein "Schweizmobil"-Screenshot zeigt rechts das Gebiet der Wannenalp.
Die Infotafel beim Loch. (Foto: Schwyz Tourismus)
So ein Eisloch ist doch immer faszinierend. Vor längerem besuchten wir im Neuenburgischen die Glacière de Montlési, stiegen über eine Leiter hinab in den Kessel mit dem Minigletscher. Nun, auf der Wannenalp im Ybrig, Kanton Schwyz, gibt es auch ein solches Loch, das ganzjährig Eis enthält. Letztes Jahr wurde dort im Juli eine Infotafel enthüllt, las ich kürzlich und nahm mir den Ort auf 1700 Metern als Ausflugsziel vor. Auch wenn man als Wanderer nur von einer gesicherten Plattform ins Loch in 25 Metern Tiefe spähen kann, nicht aber es betreten. Über Jahrzehnte nutzte offenbar der mittlerweile verstorbene Älpler die Eisgrube als Kühlschrank und lagerte in ihr seine verderblichen Waren in einem Kessel, den er bei Bedarf mit einem Seil hochhievte.

Sonntag, 4. Januar 2026

Das Ding auf meiner Brust


Antike Wärmflaschen aus Terrakotta, die auf einzelne Körperteile
zugeformt sind. Wie man sie verschloss, weiss ich nicht; ich nehme
mal an, mit einem Korken. Ausgestellt sind die 2000 Jahre alten
Flaschen im Archäologischen Bezirksmuseum in Paphos auf Zypern.
(Foto: Hermann Junghans / Wikicommons)
Ich bin daran, mich nach der Grippe wieder hochzurappeln, gar nicht so einfach, es dürfte noch ein paar Tage dauern, bis ich wieder ganz gesund bin. Wertvolle Dienste leistet mir auch diesmal meine Bettflasche, die ich mir ein bis zweimal pro Tag auflege. Während ich kürzlich so auf dem Sofa ruhte, fragte ich mich, was für eine Geschichte das Ding auf meiner Brust eigentlich hat. Nun, schon in der Antike gab es Wärmflaschen, solche aus Terrakotta. In den letzten Jahrhunderten kamen Flaschen aus allen möglichen Materialien zum Einsatz, aus Zink, Messing, Aluminium, Glas, Steingut. Aus Kupfer waren jene Wärmflaschen, die offenbar in der Frühzeit der Eisenbahn den Passagieren und Passagierinnen mitgegeben wurden, als die Züge noch ungeheizt waren; in den Bahnhöfen gab es damals Wärmeflaschentauscher, Bahnmitarbeiter, die während des Haltes die erkaltete Kupferflasche gegen eine heisse eintauschten. Heutzutage hat sich als Standardmaterial Gummi durchgesetzt, auch meine Bettflasche ist aus Gummi.

Samstag, 3. Januar 2026

Hütet euch in Visp (II)

Wichtiger Umsteigeort: der Bahnhof Visp.
(Foto: Daniel Reust / Wikicommons)
Unter dem Titel "Hütet euch in Visp" schrieb ich hier vor langem, dass die Perrons des Visper Bahnhofs und auch die Abgänge in die Unterführung eng sind – zu eng angesichts der Massen von Menschen, die hier in Stosszeiten umsteigen. Vor gut zwei Wochen gabs einen Zwischenfall, der das belegt. Der Walliser Onlinedienst pomona.ch berichtete darüber, wie ein älterer Mann auf dem Perron in Visp im Getümmel von einem Rollkoffer derart heftig gerammt wurde, dass er aufs Gleis stürzte. Umstehende Reisende hievten ihn wieder auf sicheren Boden, kurz darauf fuhr auf diesem Gleis der Zug nach Genf ein. Der Mann, stellte sich heraus, hatte sich beim Sturz einen Milzriss mit starken inneren Blutungen zugezogen, er musste notoperiert werden. "Zwischen Treppenaufgängen, Rollkoffern und entgegenkommenden Personengruppen wird es eng – manchmal gefährlich eng", steht im Artikel zu lesen. Genauso ist es.

Freitag, 2. Januar 2026

Zweimal Erinnerung

Das Kreuz von Deinikon und der Milchsuppenstein.
Das Gelände westlich des Albis wurde nach der Reformation zur Kampfzone, hier stossen bis heute katholisches und reformiertes Land aufeinander. Der Erste Kappelerkrieg (benannt nach der Ortschaft Kappel am Albis ZH) endete 1529 ohne Kampfhandlungen, angeblich verspiesen die Krieger beider Seiten gemeinsam eine chüschtige Milchsuppe und zogen dann wieder heim. Historisch ist dieses Ereignis nicht, aber es liefert ein starkes, bleibendes Bild. 1931 wurde auf der Anhöhe beim Baarer Rüteli auf der Kantonsgrenze Zug–Zürich ein Gedenkstein aufgestellt, damit hat der nicht lokalisierbare Mythos einen Ort bekommen. Letzte Woche kamen wir wieder einmal dort durch und machten Pause. Neu war uns eine andere Gedenkstätte, die wir zuvor besucht hatten, sie liegt, vom Milchsuppenstein Richtung Baar geschaut, weiter unten bei der Ortschaft Deinikon. Dort steht seit 1931 das sogenannte "Friedenskreuz". Als der Zweite Kappelerkrieg von 1531 zu Ende war – schwere Niederlage der Reformierten, Tod des Zürcher Reformators Zwingli –, wurde hier der natürlich den Interessen der siegreichen Innerschweizer zudienende Friedensvertrag unterzeichnet. Das ist belegt.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Lichtblick

Am Tag vor Silvester hat mich eine heftige Grippe ereilt mit allen, wirklich allen Zutaten. Und so musste ich gleich drei Verabredungen absagen, die mir wichtig sind, darunter auch die traditionelle Neujahrswanderung meines Grüpplis. Bis Ende Woche bleibe ich im Bett. Respektive auf dem Sofa. Gestern erhielt ich einen Krankenbesuch, der mich sehr freute: Die Sonne, die sich wochenlang rar gemacht hatte, schien mir in die Stube. Sehr schön war das.

Allen  ein gutes neues Jahr.