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Sonntag, 5. Mai 2024

Kleine Zeitreise

An der Alten Aare. Richtet man an dieser Stelle das Smartphone aufs Wasser,
blendet der neue Visioguide die völlig überladenen Weidlinge von einst ein. (Foto: zvg)

In jener Zeit, in der besonders viele Hugenotten, also protestantische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, durch unser Land ziehen, kommt es im Bernbiet zu einem schrecklichen Bootsunglück. Zwischen Aarberg und Lyss kentern im September 1687 auf der Aare – heute fliesst auf diesem Abschnitt die Alte Aare – zwei zusammengebundene Weidlinge. 111 der 137 Passagiere und Passagierinnen sterben. Am Mittwoch wanderte ich von Aarberg nach Lyss und passierte auch das Mahnmal am Rand von Lyss, das am Ufer an die Katastrophe erinnert. Schon letzten Dezember hatte ich vorbeigeschaut, warum jetzt ein zweites Mal? Nun, seit einigen Tagen gibt es einen Visioguide zur Strecke Aarberg–Lyss, die Teil des Hugenotten-Weitwanderweges von Frankreich über die Schweiz nach Deutschland ist. "Visioguide" bedeutet: Man lädt sich zuhause die App "Naufrage 05.09.1687" aufs Smartphone. Sie bietet eine Karte, per GPS navigiert man vor Ort durchs Gelände. An 15 Punkten klickt man, je nachdem sind es dann Texte, kurze Filme, Hörclips, historische Animationen, die einem etwas über die Hugenottinnen und Hugenotten beibringen. Zwei Stunden brauchte ich für den Parcours, es waren zwei kurzweilige Stunden.

Die Alte Aare, Überbleibsel der in der Juragewässerkorrektion kanalisierten
und umgeleiteten Aare, ist ein Auengebiet von nationaler Bedeutung.

Samstag, 4. Mai 2024

Wir schaffen das – aber die?

Die Schweizmobil-Karte, ein Screenshot. Die violette Linie im Zürichsee
habe ich eingezeichnet. Sie ist ziemlich genau 40 Kilometer lang.

Auf der Frontseite der "Zürichsee-Zeitung" waren gestern unter der Rubrik "Menschen aus der Region" zwei junge Männer aus Wädenswil abgebildet. Sportlich, zuversichtlich lächelnd, Outdoorschuhe an den Füssen, das Trinksystem montiert. Am frühen Morgen des 10. Mai wollen Maxime Carpy, 22, und Tim Hugi, 21, vom Bürkliplatz in Zürich zu einer Zürichsee-Umrundung aufbrechen. Nein, halt, es sollen zwei Umrundungen sein. 48 Stunden geben sich die beiden Freunde für die 200-Kilometer-Wanderung. Schaffen Maxime und Tim das? Ich wünsche es ihnen, bin aber skeptisch, gäbe es eine Wette, würde ich dagegenhalten.

Heute jakobswandern wir wieder, es geht von St. Jakob, Ennetmoos, via Flüeli-Ranft nach Sachseln. Vier Stunden Gehzeit sind für die 15 Kilometer veranschlagt bei 510 Höhenmetern aufwärts und 580 Höhenmetern abwärts. Schaffen wir das? Ganz fest denke ich: ja!

Freitag, 3. Mai 2024

Die Lowa-Visite

Matten bei Interlaken im Berner Oberland, die Schweizer "Lowa"-Niederlassung.

Ein oberbayrischer Schuhmacher namens Wagner hat drei Söhne. Vor gut 100 Jahren gründet jeder von ihnen ein eigenes Schuh-Unternehmen, Hans kreiert die Marke Hanwag, Adolf die Marke Hochland, Lorenz die Marke Lowa. Jetzendorf nah München, wo Lorenz 1923 startete, ist bis heute Sitz von "Lowa Sportschuhe". Und damit zu meinen Füssen. Sie sind, seit ich wandere, immer mit Lowa bestückt, ich trage in leichterem Gelände das Modell "Renegade" und in eher schwierigem Gelände den "Camino". Letzten Freitag besichtigte ich mit einer Kollegin die Schweizer Lowa-Niederlassung in Matten bei Interlaken. Hier besorgt man den Vertrieb und das Marketing in der Schweiz, hinzu kommt ein wichtiges Stück Kundendienst, die hauseigenen Fachleute flicken beschädigte Schuhe, die ihnen aus der Schweiz zugehen, und besohlen auch neu. Drei Kennzahlen, die ich bei meiner Visite lernte:
  • 65 000 bis 95 000 fabrikneue Outdoorschuh-Paare lagern je nach Saison in Matten.
  • 2100 Schuhe werden jedes Jahr neu besohlt.
  • 21 Arbeitsschritte braucht es für eine Neubesohlung. Wer also meint, das gehe ganz schnell, husch die alte Sohle abgetrennt und die neue aufgeklebt, der täuscht sich. Der Vorgang ist aufwändig und braucht Zeit.
    Das Lager mit Zehntausenden fabrikneuer Schuhe.
    Schuhe, die gleich repariert oder neu besohlt werden.

Donnerstag, 2. Mai 2024

Das Böögg-Hotel


Mittlerweile ist bekannt, wann und wo der Böögg verbrannt wird, in Zürich war das am Sechseläuten bekanntlich nicht möglich, wegen Sturm. Heiden AR kommt zum Zug. Am 22. Juni. Für den Kurort im Appenzeller Vorderland ist das eine Riesenchance, viele Leute werden anreisen. Und die Medien werden berichten – Gratiswerbung. Das Hotel Heiden, ein Vierstern-Haus, hat auf seiner Facebook-Seite vorfreudig schon mal, siehe Screenshot, ein gewitztes Bild aufgeschaltet.

Mittwoch, 1. Mai 2024

Kirchenmüde

Wanderstart in Beckenried am Vierwaldstättersee. Ob der Föhn hält? 
Eine von vielen Kapellen: St. Anna auf dem Waltersberg, Gemeinde Oberdorf.

Noch eine Stunde bis St. Jakob.

Das Happy End, jetzt gibts zu essen und
zu trinken. Das Haus hinten ist das Restaurant.
War es Jakob, der die Regenwolken fernhielt, die zeitweise dunkel herandräuten? Wenn ja, dann hat der Heilige jedenfalls den Föhn als Gehilfen eingespannt, der starke Wind war es, der am Sonntag die Schlechtwetterfront abdrängte. So durften wir also im Trockenen auf dem Jakobsweg pilgern. Viereinhalb Stunden Gehzeit waren für die Route von Beckenried via Buochs und Stans nach St. Jakob veranschlagt, wir brauchten allerdings zwei Stunden mehr, was nur zum kleinen Teil damit zu tun hat, dass wir in Buochs einen kurzen Kafihalt bei einer Bäckerei einschalteten und in Stans auf der Terrasse des Hotels Engel etwas länger verweilten und etwas tranken. Wesentlich mehr Zeit nahmen die Kapellen und Kirchen am Weg in Anspruch, es waren an die zehn, ich kann es nicht mehr ganz genau rekonstruieren. Das letzte Gotteshaus des Tages stand in St. Jakob, einem Weiler der Gemeinde Ennetmoos, freilich waren wir nun kirchenmüde, schauten nur flüchtig in die Kirche St. Jakob und eilten dann ins nahe Restaurant. Wie es hiess? Na, wie schon: "St. Jakob". 

Dienstag, 30. April 2024

Im Muiggenland

Unsere sonntägliche Nidwaldner Jakobsweg-Etappe von Beckenried via Buochs und Stans nach St. Jakob war abwechslungsreich, ich weiss gar nicht, wo anfangen mit Erzählen. Und behelfe mir damit, dass ich das erst morgen tue. Heute zum Voraus ganz simpel drei Schnappschüsse.

In Buochs kauften wir uns beim "Christen Beck" gleich bei der Post einen Kafi.
Ich leistete mir dazu einen Mandel-Muigg. Allein schon wegen des Namens.
"Muigg" ist die Nidwaldner-Dialekt-Variante zu "Mungg", Murmeltier.

Dieser Käseladen in Beckenried wird von
einer Familie mit dem passenden Namen geführt.
Den Plastikbub an einer vielbefahrenen Strasse, der Autofahrer und
 -fahrerinnen zur Langsamkeit ermahnen will, fand ich leicht unheimlich.

Montag, 29. April 2024

Mah-Meh im Berner Oberland

Lauschige Berner Oberländer Ecke: das Burgseeli.
Unten die Schweizmobil-Karte mit dem Seeli.


Immer schön, ein neues Gewässer kennenzulernen. Das Burgseeli, "Burgseewli" auf der Landeskarte, liegt nah Interlaken in der Gemeinde Ringgenberg. Im Winter wird auf ihm Schlittschuh gelaufen, im Sommer in ihm gebadet; derzeit passiert weder das eine noch das andere, umso idyllischer fand ich das Burgseeli am Freitag, als ich es mir anschaute, ruhig wars am Ufer, die Bäume standen im Bluescht. Und was mir auch gefiel, weil ich bekanntlich ein bisschen verfressen bin: Es gibt an der nahen Durchgangsstrasse ein gutes Restaurant, das "Q", in dem wir – ein Quartett – assen. Mir gefiel das moderne Lokal, mir gefiel das Angebot, man kann im "Q" urchige und urbane Gerichte essen. Ich hatte ein Tartar von der geräucherten Forelle samt einem Salat, dessen Limettendressing bestens zum grünenden Frühling passte. Leider habe ich mein Essen nicht fotografiert. Dafür aber das Mah-Meh mit Lachs meiner Tischnachbarin, siehe unten.

Möglich, dass ich hier in ein paar Wochen wieder über das Burgseeli samt dem nahen Restaurant berichten werde. Der Schweizer Jakobsweg führt nämlich ganz in der Nähe durch, wer weiss, vielleicht kehren wir ein. Apropos: Gestern Sonntag pilgerten wir wieder, zogen von Beckenried via Buochs und Stans nach St. Jakob in der Gemeinde Ennetmoos.

Das Restaurant Q gleich beim Burgseeli.
Mmmmm, Mah-Meh. 

Sonntag, 28. April 2024

Sitzung vor der Jugi

Interlakens Jugi draussen und …
… drinnen.

Frühling in Interlaken mit Blumen, Aare und Föhnhimmel.
Am Freitag war ich mit meiner Redaktionskollegin wegen eines beruflichen Termins in Interlaken. Es wimmelte im Ort von Asiatinnen und Asiaten, die vom Bluescht der Bäume und den blühenden Blumen sozusagen trunken waren und fotografierten, was das Zeug hielt. So etwas steckt an, ich machte gleich auch ein paar Fotos. Nach unserem Termin und einem sehr guten Zmittag (mehr davon später mal) veranstalteten wir bei föhnigem Wetter spontan eine Freiluftsitzung und arbeiteten dann doch anderthalb Stunden an einem Quiz, das irgendwann in unserem Heft erscheinen soll. Wir hatten einen Tisch vor der modernen, geräumigen, luftigen Jugi ergattert, die gleich beim Bahnhof Interlaken Ost liegt, toll! Mir fiel ein, dass die "Schweizer Jugendherbergen" dieser Tage einen runden Geburtstag feiern, ich hatte darüber kürzlich einen Artikel gelesen. Heute vor 100 Jahren, am 28. April 1924, trafen sich in Zürich-Wiedikon rund 70 junge Leute, wählten einen Präsidenten und diskutierten über die ersten Standorte. Bereits im Herbst desselben Jahres lag eine Broschüre mit 26 Jugendherbergen vor. Tüchtige Leute gabs damals. Und jetzt wünsche ich den Schweizer Jugis alles Gute: Happy Birthday!

Samstag, 27. April 2024

Kreuz und Segelboot

Das Wappen der Gemeinde Ingenbohl verweist auf die beiden
Ortsteile: Für den Ortsteil Ingenbohl steht das Kreuz des Klosters Ingenbohl 
und für den Ortsteil Brunnen das Segelboot. (Wikicommons)

Brunnen liegt an der Bahnlinie zum Gotthard, in Brunnen legen die Vierwaldstättersee-Passagierschiffe an, Brunnen hat eine gepflegte Hafenpromenade mit Hotels und Restaurants. Doch, eine stattliche Gemeinde. Dachte ich bisher. Als ich am Wochenende nachschlug, ob denn das nahe Ingenbohl ebenfalls zur Gemeinde Brunnen gehört, staunte ich. Brunnen ist gar keine Gemeinde. Sondern ein Ortsteil in der Gemeinde Ingenbohl, der andere Ortsteil ist Ingenbohl. Nun hoffe ich, dass nicht nur ich diese Information interessant finde.

Freitag, 26. April 2024

Professor Barbenfouillis und die Seleniten

Autsch, das ging voll ins Auge. Der
Mann im Mond mit der Raumkapsel,
die ihn gerammt hat. Szenenbild
aus "Le Voyage dans La Lune", 1902.
(Wikicommons)
Der Franzose Georges Méliès, geboren 1861, besass ein Theater in Paris. Der Zufall wollte es, dass die Brüder Lumière, Kinopioniere, über seinem Theater ein Atelier gemietet hatten. Man kam in Kontakt, Méliès war 1895 bei einer der ersten Filmvorführungen mit dem Kinematographen dabei, dem Filmapparat, den die Lumières entwickelt hatten. Bald wurde Méliès selber zum Filmer, heute gilt er als einer der Grossen des frühen Kinos. 1902 hatte sein Film "Le Voyage dans la Lune" Premiere, ein Werk von 16 Minuten, Science Fiction. Gestern schaute ich mir die "Reise zum Mond an". Auf dem Kongress der Astronomen stellt Professor Barbenfouillis den Plan vor, zum Mond zu reisen. Nach einigem Hin und Her einigt sich die kuriose Herrenrunde, lässt eine Kapsel bauen, steigt ein; die Kapsel, geformt wie eine Gewehrkugel, wird aus einer riesigen Kanone Richtung Mond geschossen und landet direkt im Auge des Mondgesichtes. Die Wissenschaftler steigen aus, schlafen eine Runde, geraten am nächsten Tag in ein Scharmützel mit den Seleniten, den Mondmenschen. Sie werden gefangen, können fliehen, stürzen in der Kapsel zurück zur Erde, werden dort als Helden gefeiert. Und tanzen freudig Ringelreihen. Sehr schön, sehr amüsant. Hier der Link zum Film auf Youtube.

Donnerstag, 25. April 2024

Zisch, braus, spritz, schäum, freu

Im heissen Juli 2022 besuchte ich die Trümmelbachfälle im Berner Oberland - erfrischend wars.

Letzte Woche stand in der "Schweizer Familie" mein Artikel mit sieben leicht zu erreichenden und sehr schönen Wasserfällen überall im Land. Wie ich sehe, hat ihn der "Tagi" inzwischen übernommen. Will heissen: Der Artikel ist jetzt – hier – im Internet greifbar für Abonnentinnen und Abonnenten. Zisch, braus, spritz, schäum, freu.

Mittwoch, 24. April 2024

Ein Happy End gibts nicht

Mädchenarbeit in der Schwyzer Ausstellung:
undatiertes Foto aus einer Seidenzwirnerei in Kilchberg ZH.
(Copyright: @ Schweizerisches Nationalmuseum)

Kinder halfen auf den Feldern und im Stall, Kinder hackten Eis aus den Seen, das dann per Zug verfrachtet wurde, Kinder zogen mutterseelenallein ins Süddeutsche und schufteten auf fremden Höfen, Kinder standen in unzähligen Fabriken an den Maschinen. Die Ausstellung "Arbeitende Kinder im 19. und 20. Jahrhundert" im "Forum Schweizer Geschichte Schwyz" dokumentiert all das in Fotos, in Gemälden, in behördlichen Verfügungen und Akten. Letzten Samstag besuchten wir die Ausstellung, schauten und lasen. Herzzereissend fand ich die Fotos von den Buben mit den geschwärzten Gesichtern aus dem Tessin, Südbünden und dem benachbarten Italien, die in Mailand in die Kamine der Häuser krochen und diese fegten – Todesangst und Lebensgefahr kamen da zusammen. Nun, heute ist das alles Geschichte. Bei uns, wohlgemerkt. Die Ausstellung blickt auch über die Grenzen unseres Landes, denkt den Rest der Welt mit. Ein Foto zeigt kleine Kinder, die in einer Granitmine in Burkina Faso mit Stösseln Steine zerkleinern. Ein Happy End gibts bei dem Thema also nicht.
Das "Forum Schweizer Geschichte Schwyz". Es gehört 
zur Museumsgruppe Schweizerisches Nationalmuseum.

Dienstag, 23. April 2024

Das Lichtspiel von Ingenbohl

Die Decke der Klosterkirche Ingenbohl. (Foto: Ronja)

Das Kloster Ingenbohl.
Am Samstag wanderten wir auf dem Jakobsweg, das Wetter war schlecht, darum hatten wir einen kurzen Abschnitt ausgewählt: Schwyz–Brunnen. Hab ich vorgestern erzählt. Wir sahen und erlebten aber doch erstaunlich viel, einmal abgesehen vom Besuch der Ausstellung über Kinderarbeit im "Forum Schweizer Geschichte Schwyz". Wir kehrten zum Beispiel drei Mal ein. Im altehrwürdigen Café Haug in Schwyz. In der Hafenbar "Haddock" in Brunnen, einem Etablissement, das natürlich nach der "Tim und Struppi"-Figur Kapitän Haddock benannt ist. Und bald darauf liessen wir uns im Restaurant des Schiffs nieder, das uns von Brunnen nach Luzern trug, und genossen zwei Stunden lang das Vorbeigleiten der Gestade des Vierwaldstättersees. Wieder zur Wanderung: Doch, sie war vielfältig. Wir passierten unter anderem den Hauptsitz des Sackmesserherstellers Victorinox in Ibach. Auch waren da am Weg acht Kirchen und Kapellen. Am besten gefallen hat mir, denke ich auch drei Tage danach, die Kirche des Klosters Ingenbohl. Dessen diverse Gebäude wirken düster. Die Kirche aber, erbaut vom Architekten Karl Higi, mochten wir – halt, ich mochte sie, bei den anderen Leuten im Grüppli bin ich mir nicht so sicher. Der verwinkelte Grundriss tat es mir an. Und die Inszenierung des Lichts, das durch die kolorierten Fenster in der Decke einfällt.
Das Innere der Klosterkirche.

Montag, 22. April 2024

Die Winterattacke

Gestern kurz nach 14 Uhr, als ich die "Linde" verliess.
Zehn Minuten später am Bahnhof Teufen.

Eigentlich wollte ich hier heute mehr von unserer Samstagwanderung auf dem Jakobsweg von Schwyz nach Brunnen berichten. Doch dann ereilte mich gestern Mittag im heimischen Ausserrhoden derart heftig der Winter, dass ich gleich fand, ich müsste dieser Wetterattacke einen eigenen Eintrag widmen. Ich war zu einem Geburtstagsessen in der "Linde" in Teufen, einem Lokal, in dem man hervorragend kocht und ich seit vielen Jahren immer wieder mal mit der Familie einkehre. Draussen flockte es derart dicht und schwer, dass ich dachte, wir hätten Weihnachten. Später, auf der Heimreise, als ich in St. Gallen umsteigen wollte, herrschte im Bahnhof Chaos, viele Züge hatten Verspätung, Leute wuselten herum und fragten sich, auf welchem Perron ihr Zug fahren würde, wenn überhaupt. Der Schnee hatte die SBB überrumpelt. Nun, ich gelangte dann doch wieder nach Zürich. Faszinierend, wie auf der Reise zwischen Wil und Winterthur die Landschaft von Weiss auf Grün wechselte. Ich war zurück im Frühling.

Sonntag, 21. April 2024

Regenpilgern

Pfützen und Nebel: gestern zwischen Ibach und Brunnen.
Brunnen, fertig gepilgert.
Brunnen, zaghaft wird es heller über dem Vierwaldstättersee.

Kalt wars, die klammen Hände verkrochen sich in die Jackenärmel. Die Hügel und Berghänge rundum waren mit einem Schneelein überzuckert bis auf 600 Meter hinab. Nebel waberte. Auch regnete es ziemlich fest, als wir gestern auf dem Jakobsweg Schweiz die kurze Etappe von Schwyz nach Brunnen zurücklegten; dass wir für die gut zweistündige Route drei Stunden brauchten, liegt auch daran, dass wir in all die Kapellen und Kirchen am Weg eintraten, um uns immer wieder mal aufzuwärmen. Spass machte die Pilgerei allemal. Wir besuchten eine Ausstellung, lernten ein riesiges Kloster kennen, tranken in einem lustigen Hafenbeizli Prosecco (mehr von alledem bald). Am Ende nahmen wir in Brunnen spontan das Schiff nach Luzern und registrierten während der Fahrt, wie der Regen aufhörte. Wie es heller wurde. Wie sogar die Sonne sich zeigte. Was wären wir Wanderer und Wanderinnen ohne das Wetter, es ist beste Unterhaltung und hält das Gemüt in Bewegung.

Samstag, 20. April 2024

Augenhunger

Werk von Barbara Probst, in New York aufgenommen, in Luzern zu sehen:
Exposure #64, N.Y.C., 555 8th Avenue, 11. 26. 08, 5.52 p. m.
(2008 Centre PasquArt, Biel @ Barbara Probst, 2024 ProLitteris Zürich)
Wenn meine Augen hungrig sind nach Bildern, gehe ich gern in ein Museum oder Kunsthaus. Kürzlich war ich im Kunstmuseum Luzern. Dort sind grossflächige Fotos der Münchnerin Barbara Probst ausgestellt. Nie ein Fotos aufs Mal, Barbara Probst arbeitet mit Kombinationen, sie stellt mal zwei, mal drei, mal viele Aufnahmen zusammen, die ein Ganzes ergeben. In der Regel geht die Künstlerin so vor: Sie stellt mehrere Kameras auf, verbindet sie elektronisch, löst alle gleichzeitig aus. Eine bestimmte Fotokombination zeigt also stets eine einzige Szene. Aber aus verschiedenen Winkeln. Wenn dann noch Farbe und Schwarz-Weiss kombiniert sind und verschiedene Zoom-Einstellungen gewählt wurden, ist der Effekt besonders verblüffend. Mich hat die Ausstellung bestens unterhalten. Sie hat meinen Augenhunger gestillt.

Freitag, 19. April 2024

Spendables Sirnach

Sirnachs Wappen mit
drei Jakobsmuscheln.
Vor einiger Zeit passierten wir auf dem Jakobsweg Sirnach. Dass die Jakobspilgerei über Jahrhunderte den Ort im Kanton Thurgau geprägt hat, sieht man schon am Gemeindewappen, es zeigt drei Jakobsmuscheln, das Zeichen der Jakobspilger. An der Sirnacher Fasnacht wird zudem die Muschelfee erkoren, eine junge Frau, die nach der Wahl einer riesigen Muschel entsteigt und für fünf Tage die Gemeinde führt. Besonders hübsch finde ich eine andere Gepflogenheit: Jakobspilgerinnen und -pilger bekommen im "Engel", einem stattlichen Gasthaus, das früher eine Pilgerherberge war, gegen Vorweisung des Pilgerpasses gratis eine einfache Mahlzeit. Die Kosten übernimmt die Bürgergemeinde. Doch, Sirnach hat Stil.

Donnerstag, 18. April 2024

Die Stellvertreterin

Rosa Gutknecht, 1885 in Deutschland geboren, kam als kleines Kind in die Schweiz, wuchs in Zürich und später in Graubünden auf. 1901 wurde sie in Chur konfirmiert, sie war reformiert. Gutknecht besuchte das Lehrerseminar in Zürich, stellte später fest, dass ihr der Schulbetrieb nicht gefiel, ging an die Uni, begann 1913 ein Theologiestudium. Als erste Schweizerin. 1918 wurde sie ordiniert, konnte aber nicht ordentliche Pfarrerin werden, der Zürcher Regierungsrat liess keine Frauen zum Pfarramt zu mit der Begründung, dass Frauen ja auch kein Stimm- und Wahlrecht hätten. Das Bundesgericht stützte den Entscheid. Die Landeskirche schuf die Bezeichnung "Pfarrhelferin", Gutknecht sprang für erkrankte Pfarrer ein, wirkte als Spitalseelsorgerin, erteilte Religionsunterricht, doch eben, eine vollwertige Pfarrerin durfte sie nicht werden. 1959 starb sie in Zürich. Ich stiess kürzlich auf sie, als ich in Zürich beim Grossmünster am Haus zum Loch vorbeikam. Dort erklärt eine blaue Tafel die Geschichte des historischen Hauses. Rosa Gutknecht, die lange im Haus zum Loch lebte, hat auch eine Tafel, angebracht durch die Gesellschaft zu Fraumünster. Diese Tafel ist stark abgenutzt – die Schrift an einigen Stellen fast nicht mehr lesbar. Seltsam, dass die Gesellschaft, die verdiente Zürcherinnen ehren will, die eigenen Tafeln nicht anständig unterhält.

Zwei historische Tafeln am Haus zum Loch in Zürich.

Mittwoch, 17. April 2024

Auf Ottos Spuren

Pilgern oder wandern die? Zwei Frauen am Lukmanier-Stausee.

Via Konstanz, das Rheintal, den Lukmanierpass und das Tessin reisten Deutsche im Mittelalter gern nach Rom. Nicht nur Händler, Pilger, Söldner nutzten diese Route, sondern auch hochgestellte Geistliche, Adelige und gar Kaiser wie Otto I. In alten Dokumenten ist wechselweise die Rede von der Via Francigena, Via Francisca, Via Francesca; in allen drei Ausdrücken steckt "Franke", gemeint sind die Deutschen. Neuerdings versucht hierzulande ein Verein, den Schweizer Abschnitt der Route zu neuem Leben zu erwecken, er hat sich auf den Namen "Via Francisca" festgelegt, "Via Francigena" ging nicht, denn diese Bezeichnung benennt mittlerweile fix eine andere Pilgerstrecke, die von Canterbury via die Westschweiz nach Rom. Die"Via Francisca" ist in der Deutschschweiz noch nicht beschildert, im Tessin hingegen schon. Der besagte Verein wolle die Via Francisca sozusagen "aus dem Schatten des Jakobsweges" holen, las ich soeben in einem Artikel auf srf.ch. Und bekam grad Lust, auf den Spuren von Kaiser Otto zu wandeln.

Dienstag, 16. April 2024

"Der alles stürzt und znichten richt"

Der Tod in Aktion, auf der rechten Tafel attackiert er ein Ehepaar. (Foto: Ronja)
Der ganze Totentanz.

Dass der Totentanz in der Heiligkreuz-Kapelle im Emmetter Ortsteil Sagendorf auch für uns Heutige ein Stoff zum Staunen, Studieren, Verweilen ist – wir verdanken es dem Pfarrer Franz-Xaver Gabriel. Als in den 1930er-Jahren die Beinhauskapelle von Emmetten abgerissen wurde, blieb der Totentanz übrig. Eine Holztafel von fast fünf Metern Breite mit 23 Einzelfeldern. Freilich war das Holz morsch, vom Wurm zerfressen, schmutzig. Und die Farben waren ausgetrocknet, teilweise abgeblättert, einzelne Partien der Tafel waren mit Leinwand überklebt. Pfarrer Gabriel kam auf die Idee, das um 1700 entstandene Kunstwerk von hohem Rang in die Heiligkreuz-Kapelle zu überführen, in die es passt, als sei es schon immer dort platziert gewesen. Vor dem Zügel hatte sich 1934/35 ein Künstler aus Beckenried ans Restaurieren gemacht. Auch dank ihm sehen wir Heutigen, wie der Tod sie alle holt vom Papst bis zur Kaiserin, vom Abt bis zur Edeldame, vom Bettler bis zu den Eheleuten. Zu dem Paar, das dahin gerafft wird, steht dies zu lesen: "Uff Erden ist kein sterckter Band / Uffzulösen als der ehelich Stand / Dan dieses Band der allein bricht / Der alles stürzt und znichten richt."
Sagendorf, Emmetten, die Heiligkreuz-Kapelle. Hinten links der Niederbauen.

Montag, 15. April 2024

Alles war gut

Bei der Schifflände von Treib kann man schön einkehren.
Wir hatten unseren Kafi aber schon in Brunnen getrunken.
Abenteuer Jakobsweg: schmale Passage einige Zeit nach Triglis.
Ich ass wenig, der Wärme wegen. Mein
Fischsüppli mit Safran war sehr fein. 
Die vierstündige Etappe von Treib via Triglis und Recketen nach Emmetten und weiter via Schöneck und Rütenen nach Beckenried war die schönste der sieben Etappen auf dem Schweizer Jakobsweg, die wir bis jetzt gemacht haben. Fanden wir am Samstag unisono. Natürlich liegt das zuallererst am Weg, der nach Triglis abenteuerlich durch den steilen bewaldeten Felshang führt mit dem Vierwaldstättersee in der Tiefe. Am Weg, der den Blick auf grosse Berge wie die Mythen, den Fronalpstock, den Niederbauen, den Uri Rotstock, die Rigi und den Pilatus geradezu forciert. Am Weg, der zu diversen historischen Kapellen und Kirchen leitet. Hinzu kam die Stimmung im Grüppli; die Schifffahrt von Brunnen nach Treib, so kurz sie war, machte Freude, die Sonne und ihre Wärme sowieso. Und der späte Zmittag kurz nach zwei Uhr im "Rössli" in Beckenried war ebenfalls ein Vergnügen: feines Essen, Direktblick über den Vierwaldstättersee und eine junge Serviererin, die derart höflich, flink, umsichtig war, dass es für drei Servicepersonen gereicht hätte. Am Samstag war alles gut.
Emmetten ist nah, aber noch nicht zu sehen, es liegt hinter der Graskrete in der Bildmitte.
Vorne rechts die Heiligkreuz-Kapelle. Ihr will ich einen eigenen Eintrag widmen.

Steiler Abstieg auf gutem Weg
von Schöneck nach Rütenen.

Sonntag, 14. April 2024

Star des Tages war …

Der Schweizer Jakobsweg führt von Brunnen SZ über
den Vierwaldstättersee nach Treib UR. Seine offizielle
Nummer im nationalen Wegnetz, die 4, ist darum im
Wasser platziert. (Schweizmobil-Screenshot).

Gestern begingen wir ein weiteres Stück des Schweizer Jakobsweges. Nicht die Etappe 7 von Einsiedeln nach Schwyz nahmen wir uns vor, die eigentlich dran wäre; es hat um die Haggenegg im Schatten eventuell ein kleines bisschen Schnee, sodass der Weg glitschig sein könnte. Und vor allem ist das Gasthaus auf dem Pass noch geschlossen. Die Etappe 8 wiederum von Schwyz nach Brunnen ist sehr kurz, nur etwas über zwei Stunden sind für sie nötig. Dieses Stück sparen wir uns auf für einen Schlechtwettertag. Womit wir bei der gestrigen Unternehmung wären: Sie fand bei strahlendem Wetter statt. Wir machten Etappe 9, die mit der Schifffahrt von Brunnen nach Treib startete. Und zogen dann von Treib hinauf nach Emmetten und hinab nach Beckenried, was ingesamt vier Stunden dauerte. Star des Tages war der Vierwaldstättersee mit seiner sagenhaften Bläue, den wir praktisch permanent vor Augen hatten. Hier drei Fotos, eines vom Anfang, eines von der Mitte und eines vom Ende der Wanderung, mehr zu ihr erzähle ich morgen oder übermorgen.

Vierwaldstättersee (I): Mit dem Schiff fahren wir von Brunnen nach Treib.
Vierwaldstättersee (II): Blick aus den Felsen nah Emmetten aufs Wasser. Hinten rechts die Mythen.
Vierwaldstättersee (III): Im "Rössli" Beckenried assen wir auf der Terrasse.