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Donnerstag, 12. März 2026

Wanderung mit Weidenkätzchen

Die Salweiden blühen.
Fünf Minuten nach dem Start: Der Solothurner Jura entblösst sein Inneres.
Frisch angelegte Ökoweiher bei Herbetswil.
Bauernbratwurst mit Spätzli und Fähnlideko. (Foto: Ronja)
Heimfahrt mit Bier.
Zuerst setzte ich die Beiz als Ziel fest. Und erst danach zeichnete ich eine Route zu ihr. Schon lange war nämlich auf meiner Wanderwunschliste die Bergwirtschaft Obere Wengi im Solothurner Jura gestanden, ich war viel im Gebiet unterwegs gewesen, aber nie dort eingekehrt. Nun, es lohnt sich, fanden wir Anfang Woche bei unserem Besuch heraus, ich und meine Begleiterin waren jedenfalls von der Bauernbratwurst begeistert. Und wir liebten die Aussicht an diesem Ort hoch über dem Tal der Dünnern, der auch ein Startpunkt für Gleitschirmler und Deltaflieger ist. Halt, das mit der Aussicht ist gelogen. Saharastaub hatte die Luft eingetrübt, wir sahen nicht wirklich weit. Ansonsten war alles gut, wir kamen an jähen Kalkfluhen vorbei, freuten uns über die Kätzchen der Salweiden, genossen später im ersten Teil des Abstiegs den steilen Waldpfad. Am Ende gabs im Coop in Matzendorf dann ein Solothurner Bier für die Heimfahrt. Es machte die Unternehmung rund.

Die Route: Herbetswil, Hinter Hammer – Grossrieden – Sebli – Obere Wengi – Lätt – Untere Bulten – Matzendorf. 4 h 10 min. 690 hm aufwärts, 750 hm abwärts.

Mittwoch, 11. März 2026

Ranger, aber ehrenamtlich

Wasserauen AI: Steht hier bald ein Ranger, eine Rangerin?
Ranger, Rangerin ist eigentlich ein Beruf, man wird in der Regel dafür bezahlt, in einem bestimmten, meist touristisch überlasteten Gebiet zu patrouillieren, zu informieren, zu sensibilisieren. Im Alpstein, dem Säntisgebirge, sollen nächstens Ranger und Rangerinnen ihre Arbeit aufnehmen, ehrenamtlich freilich, bloss die Ausrüstung bekommen sie gestellt, auch wird die Verpflegung offeriert. Der Verein der Berggasthäuser des Alpsteins hat Ende Februar laut der "Appenzeller Zeitung" beschlossen, vorerst an Wochenenden und Feiertagen Vermittlungspersonen zu lancieren und damit Probleme anzugehen respektive ihre Verursacher und Verursacherinnen anzusprechen, es geht um nervige Drohnen, wildes Zelten und Campieren, liegengelassenen Müll und so weiter und so fort. Rund 20 Freiwillige werden gesucht, ich bin gespannt, ob sie sich finden.

Dienstag, 10. März 2026

Obacht, Weiher!

Haltbergweiher voraus.
Das Warnschild von nahem.
Fährt man im Zürcher Oberland von der Wolfsgrueb, einem bekannten Ausgangspunkt für Wanderungen und Parkplatz, auf dem Strässchen talwärts Richtung Wald, so gibt es da relativ weit unten, kurz vor dem Dorf, eine Rechtskurve. Eine, die man – ich rede aus der Autoperspektive – nicht verpassen sollte. Weil man sonst womöglich im Haltbergweiher landet. Das wiederum würde den Amphibien gar nicht gefallen, die in dem kleinen Gewässer laichen bzw. sich tummeln. Am Samstag kam ich im Auto – als Beifahrer – vorbei und fotografierte das hübsche Warnschild.

Montag, 9. März 2026

Autofreuden

Ich habe kein Auto, habe ja auch keinen Führerschein. Umso mehr geniesse ich es, alle paar Monate mal mit jemandem auszufahren. Letzten Samstag durfte ich wieder einmal, mit Freundin B., die im Zürcher Oberland wohnt. Mit ihr gings von Wald das unheimlich steile, zum Teil auch unheimlich schmale Strässchen hinauf via die Wolfsgrueb zur Alp Scheidegg, 1200 Meter über Meer. Im Bergrestaurant war ich vor Jahren zum letzten Mal eingekehrt, damals als Wanderer. Wunderbar die Aussicht übers Zürcher Oberland, auf den Zürichsee, zum Alpenkranz. Nun ja, theoretisch, denn leider verdüsterte vorgestern Saharastaub die Luft, die Fernsicht war sehr eingeschränkt. Kein Problem hingegen der Blick auf die Menükarte und kurz darauf auf unsere Teller, ich hatte Schnitzel Pommes frites mit schön Gemüse dazu. Das mundete ausgezeichnet, die Begleiterin wiederum rühmte ihre Leberli. Natürlich schauten wir nach dem Zmittag draussen noch ein wenig den Hängegleitern zu, die von der Alp Scheidegg aus routinemässig starten. Danach genoss ich die Talfahrt ebenso wie zuvor die Bergfahrt.

Sonntag, 8. März 2026

Splügens Investor

Hübsch kompakt: Splügen am Hinterrhein.
(Foto: Adrian Michael / Wikicommons)
Der tschechische Unternehmer Jan Michal hat in Splügen GR rund 30 Millionen Franken investiert und ein altes Hotel neu lanciert - samt einer Brauerei. Nun will er einen Schritt weitergehen und eine Feriensiedlung mit rund 500 Betten bauen, dies zu Kosten von rund 150 Millionen Franken. Stararchitekten hat er auch schon an der Hand, Herzog & de Meuron aus Basel sollen die Siedlung entwerfen. Die Antwort von Michal in der "hotelrevue" auf die naheliegende Frage, ob das kleine Passdorf Splügen mit 370 Einwohnerinnen und Einwohner nicht seine Eigenart verlieren könnte: "Nein, denn es gibt schlicht kaum Bauland. Selbst wenn wir alles realisieren würden, was überhaupt möglich ist, kann Splügen nie überfüllt werden." Wir werden sehen.

Samstag, 7. März 2026

Beherzter Samichlaus

Zweimal der heilige Nikolaus. Die linke Szene zeigt, wie er beherzt
ins Schwert des Scharfrichters greift, rechts ist er auf dem Totenbett zu sehen.
Verrückt, was der heilige Nikolaus von Myra alles an Wundern geleistet haben soll. Er erweckt Schüler wieder, die ein böser Metzger geschlachtet hat. Er schafft ein in ferne Gefilde entführtes Kind mithilfe eines Wirbelwindes zurück zu den Eltern. Er reanimiert einen Ertrunkenen. Er verschafft in einer Hungersnot den Menschen Korn, ein spezielles Gewächs, das nie zur Neige geht. Und so weiter. In der reformierten Kirche von Hemmental SH, die wir uns am Mittwoch zu Ende unserer Randentour anschauten, gibt es ein Doppelfresko aus dem ausgehenden Mittelalter zu sehen. Es zeigt zum einen Nikolaus auf dem Totenbett. Und zum anderen Nikolaus, wie er gerade noch drei zu Unrecht zum Tode verurteilte Jünglinge vor dem Schwert eines Scharfrichters bewahren kann. Schon wieder eine gute Tat des Mannes, den wir als "Samichlaus" kennen.

Freitag, 6. März 2026

Zeichen des Frühlings

Junger Bärlauch.
Der Schleitheimer Randenturm.
Widmers langer Schatten im Schlussabstieg nach Hemmental.
Der Zmittag: Saiblingfilets mit Weisswein-
Risotto und Bärlauchstreifen.
Wieder ein Zeichen, dass der Frühling da ist: der junge Bärlauch in den Wäldern des Randen, des Schaffhauser Juras. Er trug vorgestern Mittwoch dazu bei, unsere Wanderung von Schleitheim via Strickhof zum Schleitheimer Randenturm und via Randenhof nach Hemmental zur gefreuten Sache zu machen. Vieles andere Gute kam hinzu: Die Sonne schien. Die Hochfläche des Randen war fast menschenleer. Und im "Siblinger Randenhaus" beim Randenhof kamen wir wieder einmal zu einem feinen Zmittag. Die Wanderung dauerte bei 535 Höhenmetern aufwärts und 430 Höhenmetern abwärts vier Stunden. Also 240 Minuten. Jede von ihnen war gut.

Donnerstag, 5. März 2026

Das Tablet von Iuliomagus

So notierten sie im Römischen Reich Dinge: antike stili, Griffel,
sowie ein rekonstruiertes Wachstäfelchen, ausgestellt in Schleitheim.
Die Therme, das geheizte Bad, von Iuliomagus.
Eine Illustration zeigt vor Ort, wie wir uns
die antike Kleinstadt vorstellen müssen.
Iuliomagus war eine römische Kleinstadt, gelegen am Rand des heutigen Schaffhauser Dorfes Schleitheim an einer Fernstrasse. 1860 begann man mit Ausgrabungen, nach heutigem Wissensstand deckte die Siedlung eine Fläche von gut sechs Hektaren. Was gab es da? Eine Therme, einen Tempelbezirk, ein Wohn- und Marktviertel sowie drei Gutshöfe. Gestern schauten wir uns im Thermenmuseum Iuliomagus um. Es zeigt in einem tagsüber jederzeit zugänglichen Pavillon Überreste der Therme, des ausgeklügelt angelegten, selbstverständlich geheizten Bades. Ene zweite, kleinere Ausstellung findet sich im Untergeschoss eines nahen Gewerbegebäudes, sie dokumentiert einen Abschnitt der antiken Marktstrasse. Speziell Eindruck machten mir ein paar stili in einer Vitrine. Ein stilus, so die Einzahl, war ein Griffel, mit dem spitzen Ende wurde geschrieben, mit dem flachen Ende wurde das Geschriebene wieder gelöscht. Respektive geglättet, denn die Schreibunterlage war ein Wachstäfelchen. Als ich es sah, dachte ich: Oha, die alten Römer hatten auch schon Tablets.

Mittwoch, 4. März 2026

Auf nach Iuliomagus

Da gehn wir heute hin.

Endlich wird wieder gewandert. Treue Leserinnen und Leser dürften gemerkt haben, dass ich sicher anderthalb Wochen nicht mehr unterwegs war. Eine üble Darmgrippe war schuld, hoffentlich die letzte Heimsuchung des Winters, der mir mehr als frühere zusetzte – solche Phasen gibts halt. Jetzt ist mit dem Winter doch wohl die Kränkelei vorbei, heute soll es nach Iuliomagus gehen, unter anderem. Wo das ist, kann man googeln. Oder es nächstens in diesem Blog erfahren.

Dienstag, 3. März 2026

Das neue Inseli

Sie gibt es bereits:1958 wurde bei Zürich-Wollishofen für die
"Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit" SAFFA
die Saffa-Insel aufgeschüttet. (Foto: Roland zh / Wikicommons)
Der Zürichsee ist jetzt nicht reich an Inseln. Möglich, dass er in der nahen Zukunft zu einer neuen Insel kommt. Zu einem Inseli, gebaut mit Aushubmaterial von SBB-Tunnelprojekten wie demjenigen am Bahnhof Stadelhofen. Das Inseli wäre für Wasservögel wie Enten, Schwäne und Taucherli gedacht, die dort in Ruhe nisten könnten. Der grössere Zusammenhang ist dieser: In den nächsten Jahren soll es an den Ufern des Zürichsees zu unterirdischen Aufschüttungen kommen, die flache Wasserzonen schaffen würden, mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen; das Inseli wurde kürzlich als Zusatzidee in dieses Projekt, von dem ich letzte Woche durch den "Tagi" vernahm, integriert. Übersteht der Aufschüttungs-Kredit von 69 Millionen Franken den Stadtrat, wird das Stimmvolk der Stadt Zürich das letzte Wort haben.

Montag, 2. März 2026

136 Jahre Verspätung

Er hat mit der Pünktlichkeit sicher keine Probleme mehr: ausrangierter
Wagen der Uerikon-Bauma-Bahn bei Uerikon ZH. (Foto: Ronja)
Die in Belgien basierte Internetplattform chuuchuu.com, die sich als digitaler Assistent für Zugreisen in Europa versteht, hat sich den Verspätungen im Bahnverkehr 2025 gewidmet. Hier vier Dinge:

  • 136 Jahre Verspätung fuhren die europäischen Züge letztes Jahr gesamthaft ein.
  • Der tägliche Chaosmoment im Zugverkehr kommt um 17 Uhr. Dann erreichen die Verspätungen ihren Höhepunkt. Kein Wunder – Stosszeit.
  • Der 1. Juli 2025 war punkto Verspätungen der übelste Tag. In der grossen Hitze des Tages waren nur noch 64,6 Prozent der Züge Europas pünktlich unterwegs. Der Durchschnittswert übers ganze Jahr: 80,9 Prozent.
  • In Deutschland verkehrten letztes Jahr bloss 58,5 Prozent der Züge pünktlich. Kommentar der Auswerter: "Kein Wunder, dass 'der Zug hat Verspätung' Deutschlands inoffizieller Slogan ist."

Sonntag, 1. März 2026

Menschenwaschmaschine

Sie wäscht Menschen: die neue Maschine an der Expo 2025
in Osaka. (Youtube, der Film dauert zwei Minuten)
Immer wieder mal bin ich nach dem Wandern müde und denke zuhause, dass es schön wäre, wenn es eine Maschine gäbe, die mich duschen würde. So wie es Maschinen gibt, die Geschirr spülen. Oder Anlagen, die Autos waschen. Diese Woche las ich im "Tagi", dass es in Japan mittlerweile tatsächlich eine High-Tech-Maschine gibt, die Menschen säubert. 15 Minuten dauert der Vorgang, man legt sich in eine Kabine, die einem Sarg mit Kuppel gleicht, und sofort strömt warmes Wasser ein und beginnt die Reinigung. Eine gute Sache, ich würde die "Mirai Human Washing Machine" glatt bestellen. Zwei Dinge machen es – derzeit – unmöglich. Die Maschine passt bei einer Länge von 2 Meter 30 nicht in mein kleines und verstelltes Badezimmer. Und: Rund 300 000 Franken kostet sie. Kann ich nicht bezahlen. So bleibt mir nichts anderes übrig, als weiterhin selber die Reinigung meiner selbst zu besorgen.

Samstag, 28. Februar 2026

Sonne für Schattighalb

Heute, 28. Februar, endet der Winter. Wengistens nach der meteorologischen Definition, die ihm die Monate Dezember, Januar, Februar zuordnet. Die andere Definition, das ist die astronomische, gemäss der der Winter mit der Tag-und-Nacht-Gleiche am 20./21. März abgeschlossen ist. Ich denke, dass in Zeiten des Klimawandels die meteorologische Definition die stimmigere ist. Diejenige, die auf die Realität besser zutrifft. Und somit erkläre ich den Winter 2025/26 offiziell für beendet – ungeachtet der Rückschlage, die es wohl auch heuer geben wird.

Bristen oberhalb Amsteg im Kanton Uri – bei Sonnenschein.
(Foto: Andreas Faessler / Wikicommons)
PS: Gestern war eine Reportage über Bristen im Maderanertal in der NZZ. Das kleine Dorf hat zwei Hänge, der eine trägt das Beiwort sonnenhalb, der andere das Beiwort schattighalb. Wer auf der schattigen Seite wohnt, sieht die Sonne im Winter vier Monate nicht. Dieser Tage kehrt sie zurück.

Freitag, 27. Februar 2026

Die Sache mit der Sohle

Das ist sie! (Foto: Amazfit/Medienmitteilung)
Gestern kam sie auf den Markt: die neue Sport-Smartwatch "Amazfit Active 3 Premium" für den Lauf- und Ausdauersport. Das Ding kann laut Medienmitteilung so ziemlich alles, es berechnet zum Beispiel die Laktatschwelle oder managt durch eine Schlafanalyse, wie sich der Träger, die Trägerin am besten von einer vorangegangenen Strapaze erholt. Zudem analysiert die neue Amazfit die Abnutzung der Laufschuhe. Grossartig. Wobei ich genau das auch kann: Ich schaue jedenfalls immer wieder mal, ob meine Wanderschuhe noch genug Profil haben. Technische Unterstützung brauche ich dabei nicht. Ich mache das mit meinen Augen.

Donnerstag, 26. Februar 2026

Schaffhauser Höhlenbewohner

Leider kann ich kein Foto der Wohnhöhlen von Rüdlingen
zeigen. Stattdessen hier eines aus Matmata in Südtunesien.
Auch dort gibt es Wohnhöhlen, die ich vor vielen Jahren besuchte.
(Foto: Wikicommons)
Ein fast zugewachsener Trampelpfad im Steilhang über dem Rhein. Er führt zu zwei Höhlen in einer Sandsteinwand. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in ihnen Menschen. Arme Leute, Taglöhner und Korbflechter und ihre Familien zum Beispiel. Im "Tages-Anzeiger" stand gestern eine Reportage über den Ort auf Boden der Gemeinde Rüdlingen SH in der Nähe von Flaach ZH zu lesen, der Journalist hatte sich die Höhlen mit einem 72-jährigen Mann angeschaut, dessen Grossmutter in einer von ihnen aufgewachsen war. Schön wäre, wenn es an diesem Ort einen Picknickplatz gäbe und vielleicht eine Infotafel. Geht nicht. Zwar gehört das Grundstück samt den Höhlen der Gemeinde, doch ist es gefangen inmitten von Privatgrundstücken, ein Eigentümer rekurrierte vor Jahren gegen den Ausbau des Weges. Schade, ich wäre da gern mal hin.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Himmlische Spediteure

Die Santa Casa in der Basilika von Loreto in Italien.
(Foto: Zorro 2212 / Wikicommons)
Engel tragen die Santa Casa von Nazareth nach Loreto.
Gemälde des 16. Jahrhunderts aus Brügge. (Wikicommons)
Die Loretokapelle auf dem Achenberg.
Gestern erzählte ich vom Achenberg in der Nähe von Zurzach und von der dortigen, 1662 fertiggestellten Loretokapelle mit der Schwarzen Madonna. Aber was ist eine Loretokapelle überhaupt? Ich musste das selber nachschlagen. Nun, das Original findet sich als Haus im Haus im Wallfahrtsort Loreto bei Ancona in Italien. Dort gibt es eine Basillika, in der das Wohnhaus der heiligen Familie steht. Angeblich. Engel sollen das Wohnhaus, die sogenannte Santa Casa, im 13. Jahrhundert von Nazareth nach Loreto gebracht haben als sozusagen himmlische Spediteure. Später breiteten sich Imitationen oder nachempfundene Bauten der Santa Casa zu Loreto in ganz Europa aus. Vor allem in der Gegenreformation war dies der Fall, in der die katholische Kirche ab 1545 die sich ausbreitende Reformation zu bremsen versuchte mit neuen Glaubensprojekten.

Dienstag, 24. Februar 2026

Schwarzer Samstag

Dreimal Achenberg: Dahomey-Zwergrinder (Foto: Ronja) im Stall,
Madonna in der Loretokapelle, Hausbier in der Achenberg-Wirtschaft.
Obiger Titel bezieht sich auf den Achenberg, Gemeinde Zurzach AG, den wir am Samstag überschritten. Gleich drei Dinge waren im Miniweiler schwarz:

  1. die Madonna in der Loretokapelle, einem beliebten Pilgerort. 1660 bis 1662 wurde die Kapelle gebaut. Die ursprüngliche Schwarze Madonna musste dann vor 61 Jahren bei der Kapellenrenovation weichen. Ihre Nachfolgerin wurde 2005 platziert und stammt von einem Zürcher Bildhauer.
  2. das Vieh auf dem Bauernhof. Es handelt sich um Dahomey-Zwergrinder. Die Rasse kam Anfang des 20. Jahrhunderts von Belgisch Kongo nach Europa, als der Zoo von Antwerpen in Belgien Raubtiere einführte und mit ihnen gleich deren Futter (ja, ich weiss, brutal). Ihren Ursprung hat dieses Zwergrind im afrikanischen Dahomey, heute Benin.
  3. das Hausbier im Restaurant Achenberg. Die "Birra Madonna Negra", Bier Schwarze Madonna, wurde zur Feier der neuen Madonnenstatue 2005 lanciert. Obwohl es elf Uhr war, also früh für Alkohol, bestellte ich ein Herrgöttli – journalistische Pflicht, da opfert man sich halt. Es ähnelt dem irischen Guinness, ist aber luftiger, ist leicht säuerlich und prickelt irgendwie im Mund. Man entschuldige die mangelhafte Beschreibung, ich bin kein Bier-Sommelier.

Montag, 23. Februar 2026

Schönes Hudelwetter

30 Sekunden nach Wanderstart, wir steuern auf die reformierte Kirche von Tegerfelden zu.
In der Kirche: Skulpturen des Künstlers Peter Hächler
von 1967 zeigen die vier Thronwesen der biblischen Offenbarung.
Passt! Schild in der Wirtschaft auf dem
Achenberg, wo wir kurz einkehrten (Foto: Ronja).
Es hudelte, als wir am Samstag von Tegerfelden AG via den Achenberg nach Koblenz und weiter über den Rhein nach Waldshut (D) zogen. Spass hatten wir bei dieser knapp vierstündigen Unternehmung (280 Meter aufwärts, 320 Meter abwärts) trotzdem oder genau deswegen. Der Regen akzentuierte die Farben des rotbraunen Herbstlaubs und des Mooses, in den Pfützen spiegelte  sich der Himmel, und vor allem hatten wir das Gelände völlig für uns – keine anderen Wanderinnen und Wanderer in Sicht. Schön auch das Ende, im "Oscar's" in Waldshut, wo in den Gassen der Altstadt Konfetti von der Fasnacht zeugte, gönnten wir uns alle deftige Burger. Und dazu einen kräftigen Roten aus Italien.
Der Frühling kommt: Haselzötteli am deutschen Rheinufer bei Waldshut.

Und zum Schluss noch dies: Halloumi-Burger mit Süsskartoffel-Frites in Waldshut.

Sonntag, 22. Februar 2026

Der blaue Waldhüter

Das Wappen von nahem. (Wikicommons)
Nach knapp vier Stunden beschwingten Gehens erreichten wir gestern, vom Aargauischen her kommend, das deutsche Mittelalter-Städtchen Waldshut. Unten am Rhein fotografierte ich die Fähre, mit der ich auch schon gefahren war, sie verkehrt zwischen Waldshut und Full AG. Das die Fähre schmückende Wappen war mir kein Begriff, ich musste nachschlagen und fand heraus: Dies ist das Wappen der seit 1975 bestehenden Doppelstadt Waldshut-Tiengen. Die Madonna rechts und ihr Kind repräsentieren Tiengen. Und links sehen wir das sogenannte Waldshuter Männle, das schon 1277 auf einem Siegel aufgeprägt war. Keine Sagengestalt stellt das Männle dar und auch keinen Pilger oder Eremiten. Dies ist ein Waldhüter.

Samstag, 21. Februar 2026

Mit Dani aufs Schiff

Dani fährt Schiff. Ich auch, sehr gern sogar:
An der Schifflände von Merligen am Thunersee.
Dani ist Berner, das hört man sofort. Und Dani liebt Schiffe, speziell Dampfschiffe, auch das ist klar. 50 Folgen umfasst sein Podcast "Dani fährt Schiff" mittlerweile. Zu diesem Jubiläum hat ihn die Journalistin Claudia Salzmann interviewt, was die neuste, vor zwei Tagen publizierte Folge des Podcasts ergab. Schön lebendig ist das Gespräch. Und natürlich – Markenzeichen von Danis Schiffspodcast – gibts viel O-Ton. Nämlich von der Fahrt der beiden über den Thunersee. Gross die Vielfalt der Themen, die Dani bisher behandelt hat, darunter waren etwa "Musik an Bord: Vom Arbeitslied zum Tiktok-Hit" oder "Wie Motorschiff Etzel Geschichte schrieb". Reinhören, es lohnt sich!

Freitag, 20. Februar 2026

Säntis mit Kehrtunnel

Hätte man diese Zahnradbahn gebaut, hätte der Säntis mit dem Pilatus gleichgezogen: doppelte Erschliessung mit einer Zahnradbahn von der einen Seite des Berges und einer Schwebebahn von der anderen Seite her. 1914 legte ein gewisser Robert Vontobel aus Wallisellen sein Projekt vor, ihm schwebte vor, von Unterwasser im Toggenburg ein Bahntrassee zum höchsten Ostschweizer Gipfel zu bauen samt einem kühnen Kehrtunnel auf dem Rotsteinpass. Nun ja, im selben Jahr begann der Erste Weltkrieg, der Tourismus brach ein, und 1915 annullierte Vontobel das Vorhaben, über das kürzlich die Online-Plattform wundo.ch berichtete. Vielleicht nicht schlecht, dass es diese Zahnradbahn nicht gibt und also die eine Seite des Säntismassivs einigermassen ruhig geblieben ist. Wobei ich schon sagen muss: Die Fahrt durch den Kehrtunnel wäre sicher reizvoll gewesen.

Eine fantasievolle, aber auch charmante Darstellung des Säntis
auf einer Radierung von 1760. (Wikicommons)

Donnerstag, 19. Februar 2026

Alle sind satt geworden

Ein stimmungsvoller Anfang, oder? In der "Schweizer Familie" gibt es diese Woche eine dichte Reportage zu lesen, natürlich ist sie auch opulent bebildert. Meine Redaktionskollegin Angela Lembo hat im Freiburgischen die Wanderhirtin Sarah Müri getroffen. Die ist den Winter über permanent unterwegs gewesen mit den ihr anvertrauten Schafen, mit Hirtenromantik hat das gar nichts zu tun, es war harte Arbeit – eine Arbeit aber auch, die Sarah Müri schätzt, weil sie zu ihr passt, weil sie in Ruhe verrrichtbar ist und ihr Frieden bringt. Am Ende der Reportage wird es Abend, und Sarah Müri zieht Bilanz: "Alle sind satt geworden, heute war ein guter Tag." Wer mehr wissen will, kaufe das Heft, es lohnt sich allein wegen dieses schönen Textes.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Der Pufferstausee

Ferden VS und sein Stausee. (Foto: Johannes Löw / Wikicommons)
Was für ein Amt! Der Mann muss gute Nerven haben. Seit rund vier Monaten hat das Wallis einen neuen Naturgefahren-Chef. Die Zeitung "Walliser Bote" brachte letzte Woche ein Interview mit Guillaume Favre-Bulle. Darin ging es zu einem guten Teil um das im letzten Jahr durch einen Bergsturz verschüttete Dorf Blatten im Lötschental. Hier ein Aspekt, den ich besonders interessant finde: In den letzten Monaten liefen Arbeiten an der durch den Bergsturz zum See aufgestauten Lonza bei Blatten. Das Wasser kann nunmehr eigenständig abfliessen, es sollten keine plötzlichen Fluten auftreten. Mehr Sorgen macht dem Sicherheitschef, dass ein Drittel des Bergsturz-Schuttkegels aus Eis besteht. Rund drei Millionen Kubikmeter sind es, die über Jahre schmelzen werden, doch in der festgepressten Masse quasi gefangen sind. Was, wenn vom Kleinen Nesthorn ein neuer Felssturz käme, auf den Kegel träfe und einen Murgang auslöste? Dann würde sich die Masse talwärts wälzen Richtung Wiler und Kippel. "Zum Glück", sagt der Experte, "gibt es den Staumdamm von Ferden, der im Ereignisfall als wichtige Pufferzone dient". Uff, die habens nicht leicht im Lötschental.

Dienstag, 17. Februar 2026

Der Müller, der Baron und das Bier

Das kleine Feldbach mit seinem Bahnhof. Hinten in der Mitte Rapperswil.
Die Villa Rosenberg in Feldbach, in der der Müller und Bierbrauer
Hans Heinrich Hürlimann mit seiner Gattin Verena Bleuler lebte.
Die ehemalige Brauerei von Hans Heinrich
Hürlimann, ebenfalls in Feldbach.
Erstaunlich, dass das nicht sonderlich grosse Feldbach, ein Ortsteil der Zürcher Gemeinde Hombrechtikon, einen eigenen Bahnhof besitzt. Uns fiel das auf, als wir am Samstag dort vorbeikamen. Nicht zuletzt hat die grosszügige Erschliessung mit Hans Heinrich Hürlimann zu tun, einem hablichen Müller und Getreidehändler. Er gründete 1836 in Feldbach eine Bierbrauerei, nachdem er wenige Jahre zuvor in der Nähe auf einem Hügelsporn mit Blick auf den Zürichsee die herrliche Villa Rosenberg hatte bauen lassen; weil seine geliebte, aus Küsnacht stammende Gattin allem Anschein nach immer wieder mal von Heimweh geplagt wurde, liess er im grössten Raum des Hauses eine Wand mit der Ansicht ihres Dorfes bemalen. Doch zurück zur Brauerei. Die lief nicht besonders, des öftern musste das Bier als ungeniessbar weggeschüttet werden. Die Misswirtschaft hatte viel mit einem Baron zu tun, den Hürlimann als Partner eingespannt hatte; der Baron verstand von Bierbrauen gar nichts – und flog schliesslich auf, er war kein Baron, sondern ein Hochstapler. Der Brauereibetrieb ging weiter, das Geschäft lief aber meist nicht besonders, noch vor Ende des Jahrhunderts war das Unternehmen am Ende. Das Hürlimann-Bier ist trotzdem bis in die nahe Gegenwart geblieben: Der Sohn von Hans Heinrich Hürlimann nämlich, Albert, der in Kempten im Allgäu eine Ausbildung zum Brauer absolviert hatte, gründete 1866 in Zürich-Enge die Brauerei Hürlimann. Vor drei Jahrzehnten ist allerdings auch sie eingegangen.

Montag, 16. Februar 2026

Der Regen blieb sanft

Zwischen Uerikon und Feldbach waren wir kurz mal auf
dem Trassee der ehemaligen Uerikon-Bauma-Bahn unterwegs.
Blick vom Meienberg auf das in den Zürichsee vorgeschobene
Rapperswil mit dem Schloss und dem Seedamm.
Einst bauten sie für Stromzentralen Gebäude wie
Kirchen: das alte Elektrizitäts-Werk Jona.
Störche in Rapperswil-Jona. (Foto: Ronja)
War eine gute Wanderroute, nicht zu kurz, nicht zu lang bei knapp dreieinhalb Stunden Gehzeit und 260 Metern aufwärts sowie 280 Metern abwärts. In der zweiten Hälfte hatten wir Regen, doch der blieb sanft, kein Problem. Vom Startort Uerikon bis zum Meienberg in der Nähe von Rapperswil waren wir die meiste Zeit in der Höhe unterwegs, hatten schöne Sicht auf den Zürichsee, mussten freilich einmal bei Feldbach kurz absteigen, um sofort wieder aufzusteigen – der Ort bescherte uns gleichsam zur Kompensation zwei interessante Häuser, von denen ich morgen oder so erzählen möchte. Vom Meienberg wären wir schnell in Rapperswil gewesen, zogen im Folgenden aber eine weite Kurve durchs Gelände, um im Gebiet Martinsbrünneli die Naturbrücke zu besuchen, was ich gestern erzählt habe. Am Ziel dann, in Rapperswil eben, gönnten wir uns in der Osteria Dieci al lago des landesweit bekannten Pizza-Unternehmens Dieci einen Frühnachmittags-Zmittag. Und fuhren zufrieden heim.

Sonntag, 15. Februar 2026

Eine spezielle Brücke

Eine kleine grosse Attraktion am Wanderweg von Rüti ZH nach Rapperswil SG: die Naturbrücke im Waldstück Martinsbrünneli. Gestern Samstag besuchten wir sie und waren beeindruckt. Zustande kam die Naturbrücke so: Der – namenlose – Bach frass die Nagelfluh im Lauf der Zeit weg, wohingegen die höher liegende härtere Gesteinsschicht bestehen blieb. Um Appenzellergranit handelt es sich bei dieser härteren Schicht, womit ich beim "Tagi" wäre, der mich letzte Woche mit einem langen Artikel zum Ausflug inspirierte. Vor 16 Millionen Jahren ereignete sich im Gebiet der heutigen Schweiz ein gewaltiger Murgang. Eine zähflüssige Masse, eine Art Fels-Schlamm-Müesli, ergoss sich von den Alpen her, aus dem Raum Sargans, Richtung Norden. Am Ende bedeckte der Brei bei einer Höhe von zwei bis fünf Metern eine Fläche von rund 50 auf 50 Kilometer, diese Zone reichte in der Ost-West-Achse von Abtwil bei St. Gallen bis Feldbach bei Rapperswil. Die Masse verfestigte sich später und wurde hart wie Zement, so entstand der Appenzellergranit. Wie ich im Zeitungsartikel las, diente er als Baumaterial unter anderem für Eisenbahnbrücken. Wer die Naturbrücke beim Martinsbrünneli aus der Nähe sehen will: Sie findet sich circa zwei Kilometer nördlich von Jona und ist auf der Landeskarte eingezeichnet.