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Freitag, 4. Oktober 2024

Die gleislose Bahn

Ist das eine Bahn? Dafür spricht die Strom-Oberleitung. Dagegen, dass die
Fahrzeuge faktisch Lastwagen sind. Schienen hatte die Gleislose Bahn
Gümmenen–Mühleberg nicht. (Foto: Wikicommons / Freiburger Nachrichten)
Zum Wohlensee, der 1920 im Norden und Nordwesten der Stadt Bern aufgestauten Aare (siehe gestern), ist ein Nachtrag fällig. Einer zur Gleislosen Bahn Gümmenen–Mühleberg. Sie verkehrte von 1918 bis 1922 zwischen diesen beiden Orten und beförderte Material für den Bau des Wasserkraftwerks Mühleberg, dem die aufgestaute Aare zudiente. Auf Fotos glaubt man es auf den ersten Blick mit Lastwagen zu tun zu haben. Was nicht falsch ist. Bloss: Nach dem Ersten Weltkrieg war Benzin hierzulande knapp. Daher wurden die Lastwagen mit Strom von einer Oberleitung angetrieben – es handelte sich aus technischer Sicht um ein Trolleybus-System zum Gütertransport.

Donnerstag, 3. Oktober 2024

Zwei Brücken und ein Steg

Robust und elegant: die Wohleibrücke führt von Bern-West und 
Frauenkappelen hinüber nach Wohlen.
Die Kappelenbrücke erkennt man am Gefälle Richtung Süden.
Hinterkappelen, Stägmattsteg voraus. Ihn nutzen Fussgänger und Velos.
In Frauenkappelen waren wir gestartet,
wir besuchten zum Auftakt die Dorfkirche.
Hört man "Kraftwerk Mühleberg", denkt man in der Regel gleich ans – mittlerweile stillgelegte – AKW. Es gibt bei Mühleberg im Nordwesten der Stadt Bern aber auch ein aktives Wasserkraftwerk. 1920 ging es in Betrieb, nachdem zuvor die Aare gestaut worden war, so entstand der Wohlensee. Letzte Woche ging ich mit Freund C. zwei Brücken besichtigen, die 1920 gebaut worden waren als Übergänge über den neuen See. Im Regen starteten wir in Frauenkappelen, stiegen durch den Chatzestygwald ab zum Wohlensee, erreichten Brücke eins, die 200 Meter lange Wohleibrücke. Ein Bogen ist mit 30 Metern deutlich breiter als die übrigen, er markiert den Aarelauf vor der Stauung. Wir überquerten die Wohleibrücke, zogen am Nordufer Richtung Hinterkappelen und erblickten bald Brücke zwei, die 174 Meter lange Kappelenbrücke, die den Berner Stadtteil Bethlehem mit Hinterkappelen verbindet. Auch sie hat einen Bogen, der breiter ist als die anderen, es hat damit dieselbe Bewandtnis wie bei der Wohleibrücke. Auffällig, dass die Kappelenbrücke Gefälle hat, Richtung Bern gehts abwärts. Soweit unsere Brückenwanderung, die einige Zeit später bei der Postautohaltestelle Eymatt auf der Stadtberner Seite endete. Halt, da fehlt etwas. Wir überquerten den Wohlensee nämlich nicht auf der Kappelenbrücke, sondern etwas weiter östlich auf dem vor 25 Jahren für Fussgänger eingerichteten Stägmattsteg. Am Ende stellten C. und ich dann fest, dass wir beide – der Regen eben – einigermassen durchnässt waren. Was durchaus zu der dem Wasser gewidmeten zweistündigen Wanderung passt.

Mittwoch, 2. Oktober 2024

Bald sind wir da

Am Samstag kamen wir kurz vor Rolle im Winzerdorf Perroy zu einer Aussichtsterrasse. Und erblickten in der Ferne – die Distanz beträgt 33 Kilometer, ich habs inzwischen ausgemessen – Genfs Wahrzeichen, den Springbrunnen Jet d'Eau mit der 140 Meter hohen Wasserfontäne. Links davon besetzte ein langgezogener dunkler Bergkamm den Horizont: der auf französischem Gebiet liegende, als Hausberg von Genf geltende Mont Salève. In diesem Moment realisierten wir, wie nahe an unser Ziel herangepilgert wir bereits sind. Bis zur Genfer Kathedrale haben wir bloss noch 48 Wanderkilometer zurückzulegen. Hinzugefügt werden allenfalls ein paar wenige Kilometer, wenn wir die Jakobsweg-Schweiz-Wanderung, die in Konstanz begann, nicht bei der Kathedrale enden lassen, sondern an der Grenze zu Frankreich. Wie auch immer, nächstens kommen wir an. Mich macht das grad ein wenig wehmütig. Der Jakobsweg ist so schön sinnstiftend, er beschenkt einen mit Symbolen wie der omnipräsenten Muschel, mit Geschichten und Geschichte, mit Kunst, Kultur, kulinarischen Erlebnissen, mit Kirchen, Architektur, Begegnungen. Bald geht das alles zu Ende.

Genf voraus, ein Ausschnitt des Fotos, das ich unten ganz zeige.
Rechts als dicker weisser Strich der Jet d'eau, hinten (Mitte und links) der Mont Salève.

Wir stehen in Perroy VD und schauen über den See nach Genf, die Distanz beträgt 33 Kilometer.

Dienstag, 1. Oktober 2024

Elles envahissent les plages!

Hier noch einmal das Foto von gestern: Strandboden bei Morges.
Sie setzt sich im Wasser an allem fest, verstopft zum Beispiel die Rohre von Pumpstationen und verklebt Boote. Überzieht den Grund. Auch verdrängt sie andere Muscheln und frisst Fischen das Plankton weg. Die Quaggamuschel, ein invasives Wesen, setzt unseren einheimischen Gewässern und deren Lebewesen zu, man hat darüber viel gelesen. Was ich nicht wusste: Wenn eine solche Muschel nach drei bis sechs Jahren stirbt, löst sie sich bisweilen von ihrem Stammplatz und wird an Land gespült. Erst im Nachhinein realisierte ich, dass es sich bei den Müscheli, die wir am Samstag am Ufer des Genfersees bei Morges sahen und dekorativ fanden (Blogeintrag von gestern), um abgestorbene Quaggamuscheln handelt. Vielen Dank jenen Leserinnen, die mich darauf hinwiesen; dank ihnen stiess ich auch auf einen Artikel in der Waadtländer Regionalzeitung "La Côte", der letztes Jahr das noch relativ neue Phänomen der muschelbedeckten Strände am Genfersee aufgriff mit der Schlagzeile "les moules quagga envahissent maintentant les plages."