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Samstag, 1. März 2014

Schengener Angstfantasie

Ach je, das Wetter! Aber wir gehen trotzdem. Von Rafz nach Osterfingen und weiter nach Schaffhausen, was gut sechs Stunden dauern dürfte. Für ein Mittagessen im Trockenen und Warmen ist gesorgt. Im ersten Teil der Wanderung werden wir übrigens gut eine Stunde über deutschen Boden gehen. Ich hoffe, wir werden nicht von Schengenpatrouilleuren als unerwünschte Schweizer arretiert und zurückspediert an diesem ersten Märztag.

Freitag, 28. Februar 2014

Fuchs und Karte?

Cox writes about a fox.
"Ich habe einen Fuchs getötet, und ich fühle mich deswegen schrecklich." Mit diesem Satz begann gestern eine Kolumne von Tom Cox im "Guardian". Sie leitete irgendwann über zum Bekenntnis des Autors, das Wandern mit Landkarten, besonders altmodischen, über alles zu lieben. Wie beides - Fuchs und traditionelle Navigation - zusammenhängt: Man lese es selber. Hier eine Passage, die sich gegen die moderne Smartphone-Wanderei richtet:
"Eine Karte wird nicht plötzlich aufhören, dir zu sagen, wo du bist, wenn du eine kleine Senke mit schlechtem Empfang erreichst. Ein Bildschirm saugt dich in sich hinein, weg aus dem Moment. Du könntest alles Mögliche verpassen, während du auf einen Bildschirm starrst, und wer weiss, was dich das kosten könnte. Während du obsessiv deinen Standort checkst und dem Punkt folgst, könntest du selbstvergessen an einem kleinen neolithischen Monument in der Ecke eines Feldes vorbeigehen..."

Donnerstag, 27. Februar 2014

Die fünf Kantone mit dem grossen Defizit

Schön hattens die Urner schon immer. Aber einen Bundesrat hatten
sie noch nie: letzten Sommer auf dem Schächentaler Höhenweg.
Vor Jahren schrieb ich für die Weltwoche-Kantonsserie das Porträt des Kantons Uri. In Altdorf traf ich den vormaligen - inzwischen leider verstorbenen - Ständerat Franz Muheim. Im Gespräch sagte er mir, dass es viele Urnerinnen und Urner wurme, dass noch nie einer aus dem Urnerland in der Landesregierung gesessen sei. Gestern kam mir das wieder in den Sinn, als ein Leser meinen Blogeintrag über Schwyz mit einem Hinweis auf die bundesrats-arme Innerschweiz kommentierte. Insgesamt, ergab eine Kürzestrecherche, hatten seit der Gründung unseres Bundesstaates 1848 fünf Kantone keinen Bundesrat:
Jura
Nidwalden
Schaffhausen
Schwyz
Uri
Ps: "Muheim" ist im Urner Dialekt übrigens eine Grille.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Schwyz explained

2013 besuchte ich den Mittelpunkt des Kantons Schwyz.
Er lag in unwegsamem Gelände, wir mussten ihn uns erkämpfen.
In der NZZ las ich gestern eine politische Analyse zum Kanton Schwyz als konservative Hochburg; im Lead hatte mich der interessante Satz gereizt: "Teilweise hat man fast den Eindruck, es sei hier eine Art Tea-Party-Bewegung urschweizerischer Prägung entstanden." Bei den eidgenössischen Volksabstimmungen seit 1871 haben die Schwyzer noch vor den Wallisern am häufigsten nein gesagt; man fühlt hier anti-Bundesrat. Bei der Masseneinwanderungsinitiative gab es im Kanton soeben ein klares Mehr von 63, 1 Prozent, in urchigen Gemeinden wie Unteriberg, Alpthal, Vorderthal waren es gar Mehrheiten zwischen 85, 4 und 87,7 Prozent. Doch auch Gemeinden, die als "offener" gelten, erteilten Europa eine Absage. Schwyz hat kein richtiges städtisches Zentrum, das als linker Gegenpol funktioniert. Und Zuzüger wegen der tiefen Steuern verstärken mit ihrer staatskritischen Haltung das neoliberale Profil des Kantons.

Dienstag, 25. Februar 2014

Neuenburger Bielersee

Vermutlich wissen das alle ausser mir. Bis soeben dachte ich, der Bielersee gehöre ganz den Bernern. Tut er aber nicht - die westliche Ecke bei Le Landeron ist Neuenburger Terrain, wie ich gestern zufällig entdeckte. Mysterien der Westschweiz.

Montag, 24. Februar 2014

Ich konnte nicht nicht wandern

Auenwald mit überfluteter Fläche am Rhein vor der Rheinau.
Das Kloster Rheinau, wo dank Blochers Geld ein Musikzentrum entsteht.
Der Rhein zwischen der Rheinau und Ellikon.
Oh Biber, was hast du nur getan!
Eigentlich ist es mir ein wenig peinlich, dass ich gestern wandern ging. Denn zuvor hatte ich am Donnerstag die Wochenend-Wanderung abgesagt; ich fühlte mich nicht gut und verkündete meinem Fähnlein, ich wolle endlich mal meinen Husten sanieren. Am Samstag aber sah ich, dass der Sonntag ein bemerkenswert schöner Tag werden würde, einer, um den es mich brutal reuen würde, wenn ich einfach in der Wohnung bleiben oder in meinem Zollikerberg ein wenig herumtippeln würde. So machte ich kurz entschlossen mit Wanderfreundin Rita ab. Wir fuhren gestern morgen nach Schaffhausen, begegneten in der Altstadt Scharen verkaterter Fasnächtler, passierten das Schlösschen Laufen und den Rheinfall, hielten am herrlich unverbauten Rhein entlang nach Süden, erreichten die Rheinau. Dort assen wir im Salmen hervorragend zu Mittag, ich hatte einen Teller mit verschiedenen frittierten Fischen. Hernach ging es unter einer gleissenden Frühfrühlingssonne weiter den Fluss hinab bis Ellikon, wo wir Richtung Flaach abbogen. Am Schluss waren wir 25 Kilometer gelaufen und sechs Stunden zu Fuss unterwegs gewesen. Toll! Um meinen Husten werde ich mich unter der Woche kümmern. Weiche von mir, Peiniger meiner Bronchien, satanischer!

Sonntag, 23. Februar 2014

Das Häftli und sein Macher

Das Häftli bei Büren an der Aare ist je nach Licht
beklemmend oder romantisch. Hier die alte Aare.
Am Donnerstag machte ich eine Wanderung ins Häftli bei Büren an der Aare, das zum einen von der alten Aare, zum anderen vom Nidau-Büren-Kanal umspült wird und daher faktisch eine Insel ist. Woher rührt der Name, fragte ich mich; hat er damit zu tun, dass man im Häftli sozusagen in der Haft sitzt, gefangen ist? Falsch! Häftli kommt von "heften" und "haften" und bezeichnet ein Kleiderhäkchen, mit dem vor Aufkommen des Reissverschlusses Frauenkleider geschlossen wurden; so ein Häftli hatte offenbar annähernd dieselbe Form wie die Schleife der alten Aare. Gefertigt wird die Kleiderschliesse vom "Häftlimacher", zu dem es in unseren Dialekten Redewendungen gibt wie "Augen haben wie ein Häftlimacher" und "aufpassen wie ein Häftlimacher". Die Liste dieser Wendungen ist übrigens lang und durchaus überraschend. Kurioserweise ist ein Häftlimacher in anderen Zusammenhängen auch ein Hausierer, ein Vagabund, ein Pfuscher, ein Wortverdreher oder ein Ignorant. Wer sich dafür interessiert, schaue es nach im Dialektwörterbuch Idiotikon.

PS: Fehlt noch der Eintrag über das Häftli als Standort eines schweizerischen "Concentrationslagers" im zweiten Weltkrieg; kommt, Freunde, kommt.