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Sonntag, 31. Januar 2016

Eine Pizza und viele Telefone


Dieses Wochenende wird nicht gewandert, Sonntagsdienst und so. Stattdessen dies: Letzte Woche war ich über Mittag mal im "Ristorante Più" in der alten Sihlpost gleich beim Zürcher HB. Die Pizza in dem kürzlich eröffneten Lokal, das zur Bindella-Gruppe gehört, war grossartig: dünn und knusprig. Was mir im "Più" aber noch viel mehr gefiel, waren die zur Erinnerung an die ursprüngliche Bestimmung des Gebäudes ausgestellten Telefon-Apparate früherer Jahrzehnte. Es sind fast 100, und sie rührten mein Herz.

Samstag, 30. Januar 2016

Der Erfinder des Bauernkalenders

Gustave Moreau: "Hesiod und Muse".
(Wikicommons)
Wenn ich am Zürcher Stadelhofen auf die S-Bahn heim nach Zollikerberg warten muss, etwa auf der Rückkehr von einer Wanderung, gehe ich manchmal in den Orell Füssli an der Ecke, Bücher anschauen. Bisweilen kaufe ich eines, obwohl ich eher ein Kindle-Digital-Leser bin. Kürzlich legte ich mir Peter Handkes eben erschienenes Buch zu, eine Textsammlung namens "Tage und Werke" mit Bemerkungen zu Barack Obama, Tomas Tranströmer oder auch Henry David Thoreau und so weiter und so fort. Klingend der Titel von Handkes Buch, der an ein Frühwerk der antiken Literatur anspielt, an Hesiods "Werke und Tage" (Erga kai Hemerai) aus dem alten Griechenland. Womit wir elegant den Sprung von der Stadt aufs Land machen können. Hesiod lebte um 700 vor Christus, seine "Werke und Tage" sind ein Lehrgedicht, das Göttersagen mit Sinnsprüchen, ethischen Betrachtungen und, jawohl, didaktischen, datenbezogenen Bemerkungen zu Ernte und Ackerbau kombiniert. Hesiod, der wohl selber bauerte und Vieh hielt, ist somit der Erfinder des Bauerkalenders. Kostprobe:
Ferner der achte und neunte: fürwahr im wachsenden Monat
zwei vortreffliche Tage, der Sterblichen Werke zu treiben.
Wieder der elfte sodann und der zwölfte bewähren sich beide:
Sei es zur Schafschur oder die labenden Früchte zu ernten.

Freitag, 29. Januar 2016

Sieben an einem Punkt

Der Siebenzwingstein.
(Wikicommons/ Bambi79)
In den letzten Wochen schrieb ich zweimal (hier und hier) über das Thema des Vierländerecks in der Schweiz. Dann sagte mir jemand, dass die Aargauer sogar ein Siebenländereck hätten. Nun ja, ich schaute das nach - und es ist so: Es sind keine Länder, die an einem Punkt aufeinander treffen bzw. trafen, auch keine Kantone und nicht einmal Gemeinden. Sondern sieben Zwinge, weswegen der mit einem Stein markierte Ort südlich von Seon "Siebenzwingstein" heisst. Zwinge waren früher Zusammenschlüsse mehrerer Dörfer mit gemeinsamem Gerichtswesen. Also quasi so etwas wie historische Justizbezirke. Heute sind es drei moderne Kantonsbezirke, die an diesem Punkt aufeinandertreffen.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Hans My Hedgehog

Die Brüder Grimm von
Elisabeth Jerichau-Baumann, 1855. (Wikicommons)
In einem englischen Krimi las ich kürzlich von einem Grimm-Märchen namens "Hans My Hedgehog". Also "Hans mein Igel". Nie gehört. Auf Youtube fand ich alsbald eine deutsche Hörversion. Ein Bauer sehnt sich nach einem Sohn und sagt in der Verzweiflung, er würde sogar einen Igel nehmen. Tatsächlich gebiert ihm die Frau neun Monate später einen Knaben, der zur Hälfte ein Igel ist. Brrr. Der Bauer ist froh, als der Igelsohn im Jünglingsalter auf einem Hahn, der zuvor beschlagen wurde wie ein Pferd, von dannen reitet. Fortan lebt Hans mein Igel im Wald, wo er Schweine und Esel hütet. Zweimal verirren sich Könige in seiner Nähe. Beide Male hilft ihnen Hans mein Igel aus dem Wald gegen das Versprechen, dass ihm der jeweilige König schenken wird, was ihm, dem König, als erstes begegnet, wenn er wieder an seinen Hof kommt. Beide Male ist es natürlich die Königstochter. Die eine Prinzessin wird sich allerdings vor den Igelstacheln derart gruseln, dass Hans mein Igel mit ihr nicht glücklich wird. Die andere fasst Mut und ist lieb zu ihm. Er kann plötzlich die Igelhaut abstossen und ist fortan ein schmucker junger Mann. Später reist das Paar zum Bauernhof, wo Hans seine traurige Kindheit verbrachte. Er verzeiht dem Vater, und alle leben fortan glücklich. Starke Ware von den Brüdern Grimm, rätselhaft, poetisch, brutal in Verschränkung.

Mittwoch, 27. Januar 2016

Krieg in Altendorf

Man weiss es ja: Der Krieg ist der Vater aller Dinge, wie Heraklit sagte (die Debatte, wie genau man die entsprechende Stelle aus dem Griechischen übersetzt, will ich hier nicht referieren). Wann genau der Sopratec-Krieg sich abspielte und zwischen wem, muss ich noch recherchieren, bisher habe ich zu diesem Ereignis nichts gefunden. Die Aufnahme entstand natürlich auf einer Wanderung.

PS: Wie gestern versprochen, hier die Auflösung zur rätselhaft endenden Geschichte vom Montag. Was mich an Bänz Friedli damals, als wir beim "Facts" waren, immer störte, war sein chinesischer Rauchtee, dessen penetranter Geruch mich an einen Kabelbrand erinnerte.

Dienstag, 26. Januar 2016

Tolle Route, schöner Zufall

Der Sechsmoor, gesehen von der Seebenalp.
Das Hotel auf der Seebenalp.
Gestern stiftete ich ein Rätsel: Was war es, was mich an Kollege und Freund Bänz Friedli in jenen Jahren irritierte, als wir zusammen beim Facts in Zürich arbeiteten? (Wer nicht drauskommt, lese den Eintrag nach.) Ich wurde dann bestürmt, ich müsse die Sache auflösen. Werde ich. Aber erst morgen. Heute will ich erzählen, wie ich gestern winterwanderte. Das war grandios im blitzenden Sonnenlicht: Ich gondelte von Unterterzen auf die Tannenbodenalp auf dem Flumserberg. Und dann ging ich auf dem gespurten Weg hinauf zur Seebenalp, umrundete den Grosssee und stieg wieder ab; das dauerte insgesamt gut zweieinhalb Stunden. Was mir besonders gefiel:
  • Wieder einmal: das Ebenmass der Churfirstenkette gegenüber.
  • Der rotviolette Fels, der stellenweise aus dem Schnee lugte; er ist das Markenzeichen des Flumserbergs.
  • Der Walensee in seinem Fjord, der in der Gegend von Winkelzahn plötzlich tief unter mir auftauchte.
  • Das alte Hotel auf der Seebenalp, getarnt von trauten Tannen, ausgestattet mit einer riesigen Terrasse.
  • Ein Zacken von Berg, den ich bisher nicht kannte, der Sechsmoor; er sieht aus wie der Grosse Mythen und ist der Hausberg der Seebenalp.
  • Das Zufallstreffen mit den drei F, mit Fritz und Ferenc, zwei Wanderfreunden in Begleitung ihres Freundes Fred, den ich ebenfalls kenne. Sie stiegen auf, als ich abstieg; es war lustig und witzig, sie zu sehen.
    Auf der Tannenbodenalp, hinten die formidablen  Churfirsten.

Montag, 25. Januar 2016

Oh, ich bin in einem Buch

Der Bänz im Zug, so circa 1998.
"Widmer war ein lieber Arbeitskollege, lieb gewonnen über all die Jahre, die wir Pult an Pult sassen. Zuerst in Bern, später in Zürich, stets wir beide traut beisammen, schon in aller Herrgottsfrüh im Intercity Richtung Osten. Wir waren meist guter Stimmung, lachten viel, heckten gemeinsam Neues aus, hirnten, fabulierten, witzelten und verwarfen. Und wir halfen einander gern aus; zusammen durch dick und dünn, jahrelang. Nur über eines klagte er stets, über meinen..."
Huch, dieser Literatur gewordene Widmer, das bin ja ich! Bänz Friedli, mein Redaktions-Gspänli im Ressort Kultur zuerst bei der "Berner Zeitung" und dann ab 1995 beim Nachrichtenmagazin "Facts" in Zürich, hat mir sein Kolumnen-Büchlein "Und er fährt nie weg" geschickt - und eben, ich komme darin auch vor, und zwar in der Kolumne mit dem Titel "Vergissmeinnicht". Wer jetzt fragt, wie die Geschichte weitergeht und was mir am Bänz nicht gefiel, so dass ich ins Klagen geriet: Man kaufe das Büchlein und lese es nach.