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Montag, 29. Februar 2016

Die falsche Pizzeria

Katze, Katze, was hast du bloss getan?
Zwischen Maschwanden und Obfelden
fliesst die Lorze (l.) in die Reuss.
Ich hatte mir den Tag warm vorgestellt, stattdessen blies am Samstag eine mittelstarke Bise. Und die Sonne kam erst am Mittag und blieb schwach. Wir froren. Aber schön war die folgende Route zwischen Zugerland und Säuliamt schon: Cham - Friesencham - Schönau - Rumentikon - Kloster Frauenthal - Islikon - Hatwil - Maschwanden - Lorze-Einmündung in die Reuss - Obfelden - Chilenfeld - Bickwil - Isenberg - Zwillikon - Unterfeld - Hedingen - Schurten - Bonstetten - Station Bonstetten-Wettswil (5 3/4 Stunden, 23 Kilometer). Wir sahen viel, unter anderem eine Katze mit einem Vogel zwischen den Zähnen. Eine alte Scheune, an der ein Wegweiser "Ibiza" anzeigte, was uns wärmte. Und einen Bauernhof mit einem Schild "Familie Studer - Pizzeria" davor; nun gut, bei näherem Hinsehen merkten wir Hungrigen, dass es sich um einen Familiennamen handelte: Studer-Pizzera. Kurios war am Mittag die Einkehr im "Löwen" in Obfelden. Das Essen war gut, die Karte aber ein irres und wirres Dokument von gut 20 Seiten mit Gerichten sonder Zahl. Doch, das war ein spassiger und vielfältiger Samstag mit einer tollen, höhenweg-artigen Passage von Hedingen nach Bonstetten zum Schluss. Und wieder einmal waltete die Wanderregel: Wenn das Wetter ein wenig grenzwertig ist, hat man dafür die Landschaft für sich.
Einige Zeit vor Bonstetten, 40 Minuten noch bis Wanderschluss.

Sonntag, 28. Februar 2016

Kama ist heute eine Stadt

Einer meiner liebsten Kollegen in der Tagi-Redaktion war Ignaz Staub; heute ist er Ombudsmann der Tamedia. Ignaz, ein Zuger, brachte mir auch bei, wie man den Ortsnamen Cham richtig ausspricht: Chom. Das Wort geht zurück auf eine helvetische, also keltische Wurzel, "kama" gleich Dorf; "kome" heisst die verwandte altgriechische Version. Mittlerweile ist Cham allerdings kein Dorf mehr, sondern eine Stadt mit 15 000 Einwohnern. Gestern starteten wir dort unsere Wanderung den Unterlauf der Lorze entlang bis zur Einmündung in die Reuss unweit von Maschwanden und weiter nach Obfelden, Hedingen, Bonstetten. Mehr darüber morgen.

PS. Am Rand von Cham kamen wir gestern an diesem Wegweiser vorbei. Gut, mussten wir nicht Richtung Hüniberg; wir hatten keine Schaufeln dabei, um zu graben.

Samstag, 27. Februar 2016

Das doppelte Lorzchen

Als ich vorgestern die Wanderroute für heute Samstag festlegte, wurde mir klar, dass sich die Lorze in ihrem mittleren Abschnitt kurios benimmt. Ursprünglich in den Zuger Highlands aus dem Ägerisee geboren, strömt sie von Norden her unweit von Zug in den Zugersee. Und was macht sie dort? Kaum ist sie im See, will sie wieder raus; sie macht sozusagen rechtsum kehrt und verlässt den See bei Cham Richtung Norden. In den 1970er-Jahren verlegte man die dem Zugersee zuströmende Lorze in ein neues Bett näher bei Zug. Es gibt seither, was den Zufluss angeht, eine Alte und eine Neue Lorze. Aber das mit der Rechtskurve gilt nach wie vor, das doppelte Lorzchen mag den Zugersee offenbar nicht und sagt ihm schnell wieder Adieu.

Freitag, 26. Februar 2016

Manuela wie?

Ein Screenshot von der Homepage des Restaurants Gupf in Rehetobel AR, einer Stätte des gehobenen Kochens und der entsprechend gehobenen Preise. Irgendwie finde ich die Legende seltsam: "Ihre Gastgeber. Walter Klose und Manuela mit Sohn Kilian." Den Sohn Kilian sieht man nicht; okay, später auf einem zweiten Bild ist er immerhin vorhanden. Dort ist die "Manuela" auch drauf. Aber einen Nachnamen hat sie nicht. Warum nicht?

Und da wir nun beim Thema der Restaurant-Homepage sind, gleich noch ein Screenshot. Diesmal geht es um den "Löwen" in Obfelden ZH. Man erkennt gleich: Da war erstens kein Grafiker am Werk, sondern ein Laie. Und zweitens hat dieser Laie den fatalen Hang, alle möglichen Schriften und sonstigen Elemente auszuprobieren. Was für ein Wirrwarr!

Donnerstag, 25. Februar 2016

Die Rumfordsuppe

Sättigt, sieht aber pampig aus:
Rumfordsuppe.
(Foto: Wikicommons/ Gestumblindi)
Ich lese gerade Schriften zum Thema des Hungers und der Nahrungskrisen im Ancien Régime. Ein isolierter Fakt zum Thema: Im Hungerjahr 1817 werden den Bedürftigen in Bäretswil im Zürcher Oberland allein zwischen Frühling und Sommer ingesamt 52 655 Portionen Suppe ausgeteilt. Und zwar, darauf will ich hinaus, Rumfordsuppe. Es handelt sich um den  Suppenküchen-Standard von damals, erfunden und durchgesetzt vom Amerikaner Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, der die Suppe ursprünglich für die Soldaten seines Dienstherrn kreiert hatte, des bayrischen Kurfürsten. Rumfords Gericht, damals europaweit bekannt, bestand aus Graupen (Gersten- oder Weizenkörnern) und Erbsen, die stundenweise gekocht und bisweilen auch mit altem Brot gestreckt worden. Eine Armensuppe eben.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Der Juniorflambeur von Schafis

Schöner Wohnen, schöner Winzern: das Schlössli in Schafis.
(Screenshot von der Homepage des Weingutes)
Ein kleiner Nachtrag zum Wochenende - wir wanderten am Samstag in Biel, so habe ich das unlängst vermeldet. Am Vorabend war ich in Schafis am Bielersee von einer grosszügigen Freundin zum Treberwurst-Essen eingeladen, derzeit ist Saison. Das Prozedere geht so: Man kann als Gruppe bei einem der örtlichen Winzer Plätze buchen, es gibt dann eine Führung durch den Weinkeller, ein Apero und danach die im Marcnebel gedünstete Treberwurst samt natürlich reichlich Wein. Am Ende schwankt man zufrieden und wunderbar vollen Bauches zur Bahnstation, wo schon Scharen anderer Treberwurstianer stehen und auf den Zug heim warten - ganz Biel frönt jedes Jahr diesem Plaisir. Unser Essen mit einer Gruppe von 20 Leuten fand im Keller der Winzersippe Teutsch statt; das Gut heisst Schlössli. Der junge Besitzer, Fabian, war knapp verhindert, weil eben aus den Skiferien heimgekommen. So erzählte der frühere Chef, Heinz, fünfte Generation auf dem Gut, einiges über Wein, Reben, Marc. Für das Kulinarische war anschliessend Sebastian, sechste Generation, Fabians Bruder, zuständig; seine Freundin half, beide haben eine Gastroausbildung. Die siebte Generation trat endlich an den Tisch, als aufgetragen war. Andrin, sechsjährig, goss reichlich Marc über die Würste und zündete sie an - der Juniorflambeur von Schafis.

PS. Interessant war eine Bemerkung von Heinz Teutsch während der Führung. Früher habe man den Traubenschnaps "Grappa" genannt, sagte er. Das dürfe man jetzt nicht mehr, der Name sei geschützt. Seit man dieselbe Flüssigkeit als "Marc" verkaufe, sei der Umsatz um 80 Prozent zurückgegangen. Grappa ist beliebt, den Marc kennt kaum einer.

Dienstag, 23. Februar 2016

Piktogramm (II)

Letzten Freitag ging es in meinem Blog um ein eher verhaltenes Piktogramm an einem Tessiner Wanderweg; es bittet die Leute, sich an diesem Ort nicht zu erleichtern, tut dies aber auf auffallend prüde Art. Leser Niklaus Bruggmann schickte mir darauf - siehe links - ein sozusagen ehrlicheres Schild. Gesehen hat er es bei Samos in Galizien in Spanien, am Jakobsweg, und zwar an der Wand eines Bauernhofes. Vielen Dank für den Schnappschuss!

PS: Inschrift auf einem Wasser-Verteilturm im antiken Herculaneum, römisches Reich: "Jedem, der an diesem Ort defäzieren will, wird geraten, dass er weiterzieht. Wenn du dieser Warnung zuwiderhandelst, wirst du eine Busse zahlen müssen. Kinder müssen xx (die Zahl ist unleserlich; tw) Münzen zahlen. Sklaven erhalten Schläge auf den Hintern."