Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Sonntag, 4. Februar 2018

Unser Held

Markus Walser (und die retouchierte Ronja).
Im Juni 2016 probierten wir das damals eben neu lancierte Palfries-Seilbähnli aus, das unweit von Sargans bei Heiligkreuz hinauf auf das Plateau von Palfries unterhalb des Alvier und Gonzen fährt. Dabei lernten wir Markus Walser kennen, den Präsidenten der Bahn-Genossenschaft, dem es massgeblich zu verdanken ist, dass die Seilbahn, die früher dem Militär gehörte, ein zweits Leben als Transporteurin von Wanderern und Bergsteigern geschenkt bekam. Darüber bloggte und kolumnierte ich. Gestern nun vernahm ich aus dem Radio, dass Markus Walser Held des Alltags 2017 geworden ist; das SRF-Publikum hat ihn erkoren. Hat er verdient, finde ich.

Samstag, 3. Februar 2018

Prähistorische Wehranlage und moderner Tunnel

Baustelle Eppenbergtunnel, beim Tunnelportal von Wöschnau.
(Bild: Bobo 11/ Wikicommons)
Als schweizweit aktiver Wanderer fährt man kaum eine Bahnstrecke öfter als die von Aarau nach Olten und vice versa. Der inländische Ost-West-Verkehr nutzt die Linie, internationale Züge wie TGV und ICE, aber auch die S-Bahnen; sie ist über die Massen beansprucht. Dabei gibt es im Abschnitt Schönenwerd-Däniken ein Problem. Einen Flaschenhals; der Sektor ist nur zweispurig geführt, während die Zubringer vierspurig angelegt sind. Der Eppenbergtunnel muss es ab 2020 richten, er ist über drei Kilometer lang, kostet um die 850 Millionen Franken und wird das Spurdefizit im Rahmen einer neuen Linienführung beheben. Gestern war Durchstich, als ich davon hörte, fiel mir wieder ein, wie wir vor zwei Jahren von Olten nach Aarau liefen und aus der Höhe auf die gewaltige Bahnbaustelle blickten. Und gleichzeitig hatten wir damals im Rücken eine prähistorische Wehranlage - auch sie ist ein Stück Eppenberg.

Freitag, 2. Februar 2018

Das Problemchen mit dem Honigstein

Das Wahrzeichen von Roggliswil LU: der Honigstein.
Erste Ansicht des Steins bei der Annäherung von Norden.
Ja, schon wieder ein Findling! Ich habs erwähnt: Ich bin im Moment auf dem Stein-Sammel-Trip. Der Honigstein steht auf Boden der Gemeinde Roggliswil LU etwas ausserhalb des Dorfes in der Netzelen; so heisst auch die nahe Bushaltestelle. Eigentlich ist der Name des Steins verwirrlich. Tatsächlich gibt es ein Mineral Mellit, das umgangssprachlich "Honigstein" genannt wird; allerdings ist dieses Mineral sehr selten - und sicher besteht der Luzerner Honigstein nicht aus Mellit. Vielmehr gibt es in der Nähe einen Hügel, die Honegg; der Findling war wohl zuvor ein "Honeggstein". Er besitzt eine eigene Kuppe und ist dank der exponierten Lage zum Wahrzeichen des Dorfes geworden, das ihm freilich früher nicht mit Ehrerbietung begegnete: Auch dieser Findling nämlich hielt als Steinlieferant her - in diesem Fall beim Bau eines örtlichen Schulhauses sowie der nahen St. Wendelinskapelle. 1932 kaufte der SAC, Sektion Luzern, den Boden, auf dem der Stein hockt, seither steht er unter Naturschutz. Darauf verweist eine Tafel mit folgendem Gedicht: "Vom fernen Wallis kam ich einst her auf des Rhonegletschers eis'gem Rücken, und jetzt gestrandet, verlassen und bedroht von Geldes und arger Menschen Tücken, steht mir der SAC zu treuer Wehr."

Hübsch. Ein Problemchen hatten wir allerdings, als wir am Mittwoch von der Strasse den Fussweg zum Stein nahmen. Kurz vor diesem hatte ein Bauer zwei Zäune über den Weg gesteckt, wir mussten diese überklettern. Nun habe ich mich bei der Gemeindeverwaltung erkundigt, ob das immer so ist und also der Honigstein gar keine Besucher anziehen soll.

Donnerstag, 1. Februar 2018

Ein Kotelett gegen den Giftwind

Wanderertreibstoff.
Die gestrige Wanderung zerfiel in drei praktisch gleich lange Etappen von je gut 1 1/2 Stunden; jede Etappe führte von einem Dorf auf eine Krete oder Hochebene und dann hinab ins nächste Dorf. Etappe eins: von Roggliswil LU nach Altbüron LU. Etappe zwei: von Altbüron nach Gondiswil BE. Etappe drei: von Gondiswil nach Huttwil BE. Drei Dinge sind insbesondere zu erwähnen.
Ein Opfer von Burglind.
  1. Der perfide Giftwind. Hätte man auf einer der Hochebenen einen Ochsen ausgesetzt, er wäre binnen fünf Minuten tot umgefallen.
  2. Waldschäden, Waldschäden, Waldschäden. Manche Pfade waren bestreut mit den Resten monströser Abräumarbeiten: Tannenäste überall. Manchenorts sahen wir im feuchten Boden die Spuren grosser Fahrzeuge. Und einige Male mussten wir über umgestürzte Tannen klettern. Burglinds Schäden voll und ganz zu beseitigen, geht nicht so schnell.
  3. Das Schweinskotelett im Rössli zu Gondiswil: grosse Klasse - geht da hin, Leute! Perfekt gebraten war das Stück, dick und weissfaserig und gefühlte 350 Gramm schwer. Es spendete Kraft für den Rest der Route, half beim Aushalten des Giftwindes und Überwinden der Tannen.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Dixie und die 24-hour-challenge

Dixie ist eine Amerikanerin mit schönem Südstaaten-Akzent, statt "time" sagt sie: "täääääm." Letztes Jahr, mit 31, bewanderte sie den Pacific Crest Trail, über den ich hier auch schon schrieb: 4279 Kilometer lang ist er und zieht sich von der Grenze der USA mit Mexiko bis zu jener mit Kanada. Dixie hat dazu einen Film gefertigt bzw. eine Serie von Youtube-Clips. In Episode 26 macht sie sich mit Freunden an eine 24-hour-challenge: Wer kann in 24 Stunden am weitesten laufen? Natürlich gewinnt Dixie. Schwer bepackt, bringt sie es auf 62 Meilen, das sind ziemlich genau 100 Kilometer. Dixie macht mir Eindruck.

Dienstag, 30. Januar 2018

Schweigend, aber hörend


Zwei Kilometer südöstlich von Heiden AR liegt die Raspeln, von der aus man den Bodensee vor Augen hat. Als ich dort am Samstag den Chindlistein sah, war das atemberaubend. Der gerundete, Kratzspuren, Rinnen und Löcher sowie Graffiti aufweisende Stein in der einsamen Gegend - sein Anblick machte mich glücklich. Er kam mir vor nicht wie ein Objekt, sondern wie ein machtvolles Wesen. Schweigend, aber hörend. Für alle, die hinwollen: Der Chindlistein ist auf der Karte eingezeichnet und liegt an einem Wanderweg, auch gibt es neuerdings den Chindlisteiweg.

Montag, 29. Januar 2018

Der Teufel und seine Kanzel

Predigt hier Satan? Und wenn ja, wann? 
Appenzellers Leibspeise.
Fantastisch, oder? Der vorspringende Felskopf bei der einsamen Raspeln südöstlich von Heiden AR heisst "Teufelskanzel". Am Samstag kam ich vorbei auf der Route Heiden - Bissau - Hinterholz - Raspeln - Hirschberg - Rutlen (Oberegg) - Ebenau - Rütegg - St. Anton - Bürki - Hinterholzeren - Oberegg, Post. 3 1/4 Stunden dauerte die Wanderung, dazu kam die Einkehr im Restaurant St. Anton, wo ich natürlich die - wohlverdiente - Siedwurst mit Chäshörndli und Apfelmus nahm. Den absoluten Höhepunkt dieser an Höhepunkten reichen Wanderung möchte ich erst morgen behandeln - und damit zurück zur Teufelskanzel. Sie reiht sich ein in die Liste schweizerischer Teufel-Orte. So mancher von ihnen klingt religiös: "Kanzel" selber spielt ja wohl auf das Ritual der Predigt an; im Zürcher Oberland gibt es die Tüfels Chilen, in Braunwald unter dem Ortstock das Tüfels Chilchli. Und immer sind es einsame Plätze wie etwa der feuchtdunkle Tüfels Chäller bei Baden, die nach dem Teufel benannt sind. Dieser ist im Grunde genommen ein armer Siech. Er war zu ehrgeizig, legte sich mit Gott an, wollte sich nicht in dessen Hofregime fügen, und also wurde er zur Persona non grata. Doch wenn er auch verstossen ist, kann er seine ursprüngliche Umgebung nicht vergessen. Daher die Kanzel und die Kirche. Satan ist zwar gefallen, aber immer noch ein Engel, der im Abseits den Bräuchen seiner Jugend anhängt.
Gleich ist Wanderende. Die Kirche Oberegg zeigt es an.