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Samstag, 10. Oktober 2020

Das Missverständnis

Eine Postkutsche der San-Bernardino-Linie.
(Foto: Adrian Michael/Wikicommons)
Den San-Bernardino-Pass, also die Verbindung vom Raum Chur in die Lombardei, dürften schon die alten Römer benutzt haben. Bis zum Ende des Mittelalters hiess er in der Regel auf Lateinisch "Culmen de Ouxello"; "Culmen" meint Kulminationspunkt, während das keltische Wort "Ouxello" soviel wie Höhe bedeutet. Weil "Ouxello" klingt wie italienisch "uccello", also Vogel, wurde der Pass bald "Vogelberg" genannt. Dann kam es zwischen 1451 und 1467 zum Bau einer Kapelle auf dem Übergang, die dem heiligen Bernhardin von Siena gewidmet war. So erlangte der San Bernardino seinen heutigen Namen. Östlich der Passhöhe erhebt sich der Piz Uccello. In ihm lebt das sprachliche Missverständnis von einst fort.
(Quelle: "Entdeckungen am San Bernardino", Verlag Hier und Jetzt, 2020)

Freitag, 9. Oktober 2020

Das rote Phantom

So sieht er aus.
55 Franken zahlte ich.
Grks, man konnte sich gar nicht in Ruhe und etappenweise von den höheren Lagen verabschieden, so schnell wurde es vor drei Wochen auf einmal garstig. Die Berge wurden einem entrückt, auf einen Schlag. Das war brutal. Auch dieses Wochenende dürfte es wieder weit herabschneien. Und wir Flachländer werden wohl wieder einmal kalt geduscht. Gestern ging ich in Zürich in den riesigen Transa in der Europaallee-Passage und kaufte mir etwas, das ich mir seit langem wünschte: einen schützenden Poncho. Womit ich optimal gerüstet bin, falls es morgen zünftig schüttet. Das rote Phantom im Gelände, das wäre dann ich, Leute.

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Bahntrassee und Pfützenberg

Am Dienstag ging ich von Cama das Misox hinauf nach Mesocco. Die Route (4 1/2 Stunden, 550 Meter aufwärts, 130 abwärts) gefiel mir sehr. Sie war abwechslungsreich von Anfang bis Ende, Kastanienhüllen polsterten den Weg, an anderen Wanderern traf ich gerade mal zwei junge Frauen. Hier sieben Fotos.

Die Ruine von Norantola stammt von den mittelalterlichen Herren von Sax.

Der Pfützenberg.

Die Madonna von Lostallo hat ein modernes Dach.

Wo kämen wir denn da hin, wenn wir die Kastanien liegenliessen, wo sie hinfallen!
Der Buffalora-Wasserfall.

Soazza mochte ich besonders.

Oft ging ich auf dem Trassee der stillgelegten Misoxerbahn.

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Wichtige Wiese

Der Prato della Centena in Lostallo GR, Blickrichtung Süden.

Das Tessin schmachtete jahrhundertelang in der Knechtschaft; es wurde je nach Talschaft durch die Urner allein, durch das Trio Uri, Schwyz, Nidwalden oder aber durch die gesamte Eidgenossenschaft ausgebeutet. Das Misox und sein Seitental Val Calanca, beide italienischsprachig und katholisch wie das benachbarte Tessin, hatten es besser: Man trat gegen Ende des 15. Jahrhunderts dem Grauen Bund bei und gehörte somit zum Freistaat der Drei Bünde, dem Vorläufer des heutigen Graubünden. In diesem Gebilde war mehr Freiheit und Selbstbestimmung möglich, auch wurde die Politik zum grossen Teil vor Ort gemacht und nicht von weit entfernten, desinteressierten Herren. Gestern kam ich in Lostallo durch, dem alten Hauptort, wo jährlich die "Centena" abgehalten wurde, die Wahl- und Gesetzgebungsversammlung des Hochgerichts-Bezirks Misox-Calanca. Der Anlass fand jeweils am 25. April auf dem Prato della Centena statt, der Wiese am südlichen Dorfeingang; ganz in der Nähe gibt es das Grotto Centena mit Direktblick auf das symbolträchtige Grün.

Dienstag, 6. Oktober 2020

Mit einer Villa fing alles an

Payerne VD, links der Turm der Abteikirche, rechts der Turm der Pfarrkirche.

Letzte Woche war ich in Payerne, dem Wirtschaftszentrum der Broyeregion - ich habe davon in zwei Einträgen erzählt. Hier im Nachtrag drei sprachliche Dinge:

  • Das Flüsschen Broye hat einen alten deutschen Namen: Brüw. Gebräuchlich ist er nicht mehr. Deutschschweizer halten sich an den französischen Namen, den sie freilich "Broiä" aussprechen.
  • "Payerne"hat nichts mit "pays" oder "payer" zu tun. Der Römer Publius Gracius Paternus aus Aventicum liess auf dem Boden des heutigen Payerne die Villa Paternia bauen. Von diesem antiken Gutsherrn hat das heutige Städtchen, 9949 Einwohnerinnen und Einwohner, seinen Namen.
  • Payerne heisst auf Deutsch Peterlingen. Auch diese Bezeichnung hört man nur noch selten. Ausser es gehe um Payernes alte Abtei: "Kloster Peterlingen" wird durchaus noch verwendet. So heisst auch der Eintrag in der deutschen Wikipedia.

Montag, 5. Oktober 2020

Top Gun an der Broye

Im Museum hing diese historische Fotografie als Poster. Datiert war sie nicht.
Die Herren mit den Karabinern betreiben Flugabwehr, nehme ich an.

Der Militärflugplatz Payerne liegt Luftlinie dreieinhalb Kilometer nordwestlich von Payerne im breiten Tal der Broye. Letzte Woche war ich mit Freund Christian dort. Als wir gegen halb drei nachmittags ankamen, donnerten grad einige F/A-18 über die Piste. Wir sahen und hörten sie vom Museum des Flugplatzes aus, genauer gesagt von dessen Terrasse im ersten Stock. Leider passierte danach länger gar nichts mehr. Wir begaben uns also ins Museum mit dem poetischen Namen Clin d'Ailes, in dem ein Dutzend Flugzeuge und Helikopter aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu sehen sind von Vampire über Mirage bis Tiger. Sowie dazu passende Exponate, Flugzeugpneus, Schleudersitze, Kanonen, alte Fotos et cetera. Nach der Besichtigung erkundigten wir uns bei der Frau an der Kasse der Museums-Buvette, ob mit weiteren F/A-18-Flügen zu rechnen sei. Sie wisse es nicht genau, sagte sie, aber normalerweise sei zwischen halb vier und vier einiges los. Genau so war es - rund 10 Kampfjets heulten bald, stets im Duo, himmelwärts. Wir bekamen also, was wir uns erhofft hatten: Top-Gun-Feeling.
Blick von der Museumsterrasse im ersten Stock.

Im Museum.

Sonntag, 4. Oktober 2020

Starker Dreiakter

Vor Basadingen, die Ziege sass den Regen unter dem Bauwagen aus.

Metzgete in Ossingen.
Das war gestern das Regenband des Jahres, das am Morgen über uns hinwegzog, nachdem wir in Diessenhofen gestartet waren. Fast drei Stunden lang wurden wir ohne Unterlass geduscht, wobei das Wasser nicht von oben kam, sondern von der Seite. So nebenbei ramponierte der Sturmwind meinen Schirm. Dann kam der Mittag und mit ihm eine herrlich opulente Metzgete in der Wirtschaft zum Thalacker in Ossingen. Als wir wieder ins Freie traten, war das Unwetter weg, und bald begann die Sonne zu scheinen. Das Licht blitzte und blendete, dass es mir vorkam, als sei das mit dem Regen eine Illusion gewesen. Fazit am Ziel in Henggart nach sechs Gehstunden  Dieser Samstag war grosses Theater in drei Akten.

Am Nachmittag bei Oberwil, jetzt schien die Sonne.