Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Dienstag, 2. August 2022

Der geteilte Krebs

Die gehören irgendwie zusammen. Bzw. wurden sie irgendwie getrennt:
Links das Wappen von Onnens, rechts das Wappen von Montagny-près-Yverdon.

Online sah ich gestern beim "Tages-Anzeiger" einen grafisch opulent aufbereiteten Artikel über die Schweizer Gemeindewappen. Drei Sujets kommen in den hiesigen Gemeindewappen jeweils mehr als 200 Mal vor, las ich da. Es sind Berge (296 Wappen), Sterne (287 Wappen) und Bäume (218 Wappen). Nebenbei erfuhr ich aus dem Artikel, dass es im Kanton Waadt am südlichen Neuenburgersee eine heraldische Kuriosität gibt. Onnens hat einen Krebs im Wappen, dem die eine Schere fehlt. Diese fehlende Schere findet sich im Wappen der acht Kilometer entfernten Gemeinde Montagny-près-Yverdon. Die Erklärung, auf die ich im Internet stiess, klingt aus historischer Sicht etwas vage. Die beiden Gemeinden nehmen mit den komplementären Sujets offenbar eine Teilung auf, die zu Anfang des 18. Jahrhunderts geschah.

Montag, 1. August 2022

Schwitzen und frieren im Jura

Die Kirche in Mervelier ist riesig. Sind die so fromm dort?
Steiler Abstieg zur Gabiare.
Nach Harzer, zehn Minuten noch bis zur Einkehr.
Mein Leben ist schnitzelreich!
Am Samstag wanderten wir gleich in drei Kantonen. Wir starteten in Mervelier im Val Terbi, Kanton Jura. Überquerten auf einem ersten Jurakamm bei La Grande Schönenberg die Grenze zum Kanton Bern. Stiegen ab in das Tal der Gabiare, wie das dortige Flüsschen seltsamerweise heisst. Stiegen wieder auf nach Harzer und erreichten Solothurner Territorium. In der nahen Bergwirtschaft Malsenberg gabs Zmittag, prachtvoll der Blick hinüber zur Weissensteinkette. Danach stiegen wir erneut ab, und zwar nach Welschenrohr, wo wir am Schluss hausgemachte Glace vom Dorfbeck assen. Schön war diese Wanderung, weil man von den Höhen unzählige Jurahügel sieht. Anstrengend war sie, weil man in den fünf Gehstunden doch 960 Meter aufwärts und 840 Meter abwärts macht. Und einsam war sie auch, wenigstens dieser Tage, wo so viele Leute irgendwo im Süden baden und ähnlich; wir sahen keine anderen Wanderinnen und Wanderer. Apart war im Übrigen das Wetter. Wo kein Wind blies und die Sonne schien, war es am Vormittag brutal heiss. Später kamen Wolken auf, eine kühle Brise machte sich bemerkbar, beim Mittagessen war man froh, eine Jacke aus dem Rucksack klauben zu können.

Sonntag, 31. Juli 2022

Insuläres

Bahnhof Mürren, ein Triebwagen der Schmalspurbahn,
die zur Grütschalp verkehrt. (Foto: Herbert Ortner / Wikicommons)

Nein, ein "Inselbetrieb" ist kein Restaurant oder sonst eine Firma auf einer Insel. Um eine Eisenbahnstrecke handelt es sich vielmehr, die von einem grösseren Eisenbahnnetz unabhängig ist oder von diesem getrennt; die Definition ist in ihren Weiterungen und Feinheiten unübersichtlich. Ich stiess kürzlich auf das Wort, als ich mir wieder einmal vergewisserte, wie man von Lauterbrunnen nach Mürren gelangt. Man nimmt entweder den Bus ins Lauterbrunnental hinein nach Stechelberg und dann die Luftseilbahn. Oder man steigt in Lauterbrunnen in die Luftseilbahn hinauf zur Grütschalp und wechselt dort auf die Schmalspurbahn. Sie, las ich im Wikipedia-Eintrag, ist ein Inselbetrieb, der keine Gleisverbindung zu den übrigen Schienenbahnen des Berner Oberlandes hat.

P.S. Es gibt auch den Begriff der Inselbahn. Sie bezeichnet eine Bahnlinie spezifisch ohne Anschluss ans Festland.

Samstag, 30. Juli 2022

Es waren die Auslandschweizer

Der rote Lampion als Markenzeichen:
1. August in Reinach vor 17 Jahren.
(Foto: Roland Zumbühl, Picswiss / Wikicommons)

Am Montag ist Nationalfeiertag. Ich las gestern ein wenig nach zum Thema. Interessant: Die Bundesfeier wurde erst 1891 erstmals begangen, 600 Jahre nach 1291, das als Gründerjahr der Eidgenossenschaft gilt. Diese erste Bundesfeier von 1891 war als einmaliges Ereignis gemeint. Acht Jahre später aber wurde der Anlass doch fix in den Kalender des Bundesstaates eingebaut. Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer hatten das gefordert. Sie wollten dem Quatorze Juillet der Franzosen und Kaisers Geburtstag der Deutschen ein eigenes patriotisches Fest entgegenhalten. Der 1. August war zunächst ein Werktag, einzelne Kantone beförderten ihn dann zum Feiertag, 1993 wurde er gesamtschweizerisch zum arbeitsfreien Tag.

Freitag, 29. Juli 2022

Sümpfliseeli

In dieser Senke hats ab und zu Wasser.

Heute bloss ein Nachtrag. Kürzlich berichtete ich über das Bergetenseeli in Braunwald, das ausgetrocknet gewesen war, als wir vorbeikamen. Ich erkundigte mich danach bei der örtlichen Tourismusstelle, ob das normal sei. Ja, antwortete man mir. "Das Seeli hat generell nur im Frühling während und nach der Schneeschmelze Wasser. Und nach starken Regenfällen. Danach versickert das Wasser, und das Seeli ist wieder eine Sumpflandschaft." Mit anderen Worten: Das Seeli ist auch ein Sümpfli.

Donnerstag, 28. Juli 2022

Der erste Alleskleber

Birkenpech, las ich eben, war der Superleim der Steinzeit. Ötzi, der vor rund 5300 Jahren umgekommene Jäger, hatte einen 1,8 Meter langen Bogen aus Eibenholz bei sich. Sowie einen Köcher aus Rehleder. In diesem staken Pfeile, an denen vorne messerscharfe Feuersteinspitzen angebracht waren – mit Birkenpech auf den Schaft geklebt. Mit dem Alleskleber Birkenpech reparierte man in der Prähistorie auch zerbrochene Töpferwaren, dichtete Kanus und Boote ab.

Foto: Spitze eines Pfeils, den Ötzi bei sich trug. Der untere Teil der Spitze ist mit Birkenpech (schwarz) am Pfeilschaft fixiert. (Foto: Wikicommons)

Mittwoch, 27. Juli 2022

Das wiedergeborene Hotel

Hier essen und schlafen die Tunnelbauerinnen und -bauer:
das einstige Hotel Alpina am oberen Dorfrand von Airolo.

Gestern waren wir wieder einmal in Airolo. Kauften wieder einmal in der Schaukäserei bei der Pesciüm-Bahn-Talstation ein. Und assen wieder einmal hervorragend in der Osteria Tremola-San Gottardo im Dorfkern. Neu war einzig dies: Wir begingen einen Teil des Themenweges, den das Bundesamt für Strassen denen vorschlägt, die sich für den laufenden Bau der zweiten Gotthard-Strassentunnel-Röhre interessieren. Der Weg in und um Airolo ist armselig konzipiert, stellten wir fest. An den einzelnen Stationen gibt es – abgesehen vom Startort, dem Bahnhof – keinerlei Information, und zudem ist die Beschilderung mangelhaft. Unter anderem passierten wir das ehemalige Hotel Alpina am Hang oberhalb des Dorfes. Es wurde umgebaut und dient nun als Unterkunft und Kantine für die Arbeiter und Arbeiterinnen am und im Tunnel. Wenn die neue Röhre fertiggestellt ist, darf die Gemeinde Airolo das Gebäude anderweitig weiterverwenden.