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Donnerstag, 6. Juni 2024

Weg ist der Widerspruch

Den Kiefer, um den es geht, habe ich gestern gezeigt. Hier
die Statue des Ursicinus im Felsen etwas oberhalb von
St-Ursanne. (Foto: Yesuitus2001/Wikicommons)
Gestern ging es hier um den Kiefer des heiligen Ursicinus, der in St-Ursanne im Kanton Jura in der Stiftskirche ausgestellt ist als Reliquie. Wie ich schrieb, wird der Knochen auf einem modernen Infoschild als "Unterkiefer" bezeichnet, wohingegen auf der Schatulle von 1870, in der er lagert, von der "maxilla" die Rede ist, also vom Oberkiefer. Widerspruch? Ich bekam gestern mehrere Zuschriften. Gleich drei Leute gaben durch, das sei eindeutig ein Unterkiefer. Schliesslich meldete sich die Archäologin Regula Steinhauser-Zimmermann. Von ihr erfuhr ich, dass "maxilla "noch im 19. Jahrhundert einfach "Kinnbacken" bedeutete; dem Mail war auch ein Link zu einem Lexikon aus der Mitte des 19. Jahrhunderts beigefügt, der das belegt. Mit maxilla kann in diesem konkreten Fall also sehr wohl der Unterkiefer gemeint sein. Widerspruch aufgelöst, vielen Dank!

Mittwoch, 5. Juni 2024

Oberkiefer oder Unterkiefer?

Der Kiefer von Ursicinus. (Foto: Ronja)
Am Montag wanderten wir im Jura, zogen von St-Ursanne über den Mont Terri nach Courgenay. Man erlaube, dass ich heute vorerst nur von St-Ursanne erzähle. Respektive vom irischen Wandermönch Ursicinus, der sich hier niederliess als Eremit. Respektive vom Kiefer des um 620 Verstorbenen, einem Knochen, der in der Stiftskirche in einer Vitrine ruht zusammen mit weiteren Körperteilen wie einem Schädelstück und einem Beinknochenfragment. Der Kiefer wird in einer kostbaren Schatulle von 1870 gezeigt. Damals tobte hierzulande der sogenannte Kulturkampf des reformiert geprägten jungen Bundesstaates gegen den Machtanspruch der katholischen Kirche. Der katholische Jura mit St-Ursanne war Teil des reformierten Kantons Bern. In St-Ursanne fürchtete man, die Reliquien könnten von fanatischen Reformierten geschändet werden. Für den Kiefer* des Heiligen fertigte man daher eine Schatulle, machte diesen so transportier- und versteckbar.

* In der Schatulle ist der Knochen als "Maxilla" bezeichnet, also als Oberkiefer des Heiligen. Im Infoschild neben der Vitrine (hier nicht zu sehen) ist von einem Unterkiefer die Rede. Ich kann nicht klären, was stimmt.

Dienstag, 4. Juni 2024

Zwingli und der Ryn


Am Sonntagmittag trafen wir uns im Familienkreis zum Konfirmationsessen. Der Ort war aussichtsreich, die Burg Hohenklingen; vom Restaurant im Mittelalterambiente schauten wir hinab auf den Rhein bei Stein am Rhein, der an diesem Tag nur knapp nicht über die Ufer trat. Drei Stunden zuvor hatten wir uns in Laufen ZH zur Konfirmation versammelt, die jungen Leute, unter ihnen mein Göttibub, machten es gut, ich fand es berührend, wie sie sich gegenseitig vorstellten, indem sie sich mit Blumen verglichen, das Motto des Anlasses lautete "Flower Power". Immer wieder mal lenkte mich während des Gottesdienstes die Inschrift vorn in der Kirche ab. Der Ausspruch des Reformators Zwingli passte bestens zur angespannten Wassersituation: "Warlich, warlich, Gottes Wort wirt so gwüss sinen Gang haben als der Ryn, den mag man ein Zyt wol schwellen, aber nit gstellen." In heutigem Deutsch ausgedrückt: Gottes Wort wird sich durchsetzen. Wie der Rhein, den man zwar stauen kann, aber nicht auf Dauer stoppen.

Montag, 3. Juni 2024

Gooooold!

Das hübsche Signet der Veranstaltung.
 (Screenshot von der Site goldwaschen.ch)
Wäre sicher einen Ausflug wert: Vom 28. bis 30. Juni findet in Pfyn im Kanton Thurgau eine Schweizermeisterschaft im Goldwaschen statt, dies nach mehreren Jahren Unterbruch. Am Freitag können Interessierte beim "Plauschwaschen" probieren, wie man Gold aus dem Wasser holt, am Samstag geht es dann ernsthaft zur Sache mit den Qualifikationsläufen, und für den Sonntag sind die Finalläufe in den verschiedenen Kategorien angekündigt. Goldig, oder?

Sonntag, 2. Juni 2024

Der alte Mann und das Grinsgesicht

Fast ein wenig unheimlich, wie
dieser Spitzbub grinst. (Foto:
Adrian Michael / Wikicommons)
Dieses Wochenende wird das nichts mit Jakobspilgern. Am Freitagabend hielt ich einen Vortrag in Bühler, der mir sehr gut gelang, wenigstens den Reaktionen zufolge, die alle zufrieden bis überschwänglich waren. Wirklich. Ich kam danach spät ins Bett, war erst nach Mitternacht wieder zuhause in Zollikerberg, der ÖV, nebenbei, funktionierte trotz Monsunregen bestens. Den Samstag widmete ich ganz der Erholung von der Arbeitswoche und dem Auftritt am Vortag, ich faulenzte hemmungslos, der Einkauf im nahen Cööpli war die einzige nennenswerte Anstrengung. Heute Sonntag geht Wandern ebenfalls nicht, ich bin zur Konfirmation meines Göttibuben geladen, sie findet in der Kirche von Laufen ZH statt, grad neben dem Rheinfall. Anschliessend soll es ein splendides Mittagessen geben an einem anderen aussichtsreichen Ort, mehr davon bald einmal. Jetzt noch eine Anekdote. In St. Gallen legte ich, unterwegs nach Bühler, am Freitagnachmittag einen Halt in einer Confiserie ein. Ein alter Mann trat an die Theke, deutete auf eine bestimmte Ware und sagte, er hätte gern so einen Spitzbuben. Die junge Verkäuferin sagte: "Der heisst nicht so, das ist ein Smiley!" Der Mann, in der vordigitalen Epoche sozialisiert, begriff nicht ganz, was die Verkäuferin meinte, hörte vielleicht auch nicht mehr gut, bekam aber umgehend, was er verlangt hatte. Das Ding mit dem roten Grinsmund.

Samstag, 1. Juni 2024

Ich war oben, kräh!

Zweimal der Hohenkrähen, auf dem unteren Foto ist hinten der Bodensee zu sehen.


Diesen faszinierenden Gupf, eine Art Guggershörnli der Süddeutschen, will man doch einfach besteigen. Darf ich vorstellen: der Hohenkrähen, 637 Meter über Meer. Er steht in der Nähe der Stadt Singen, fährt man von dort im Zug Richtung Engen, passiert man ihn gleich. Von der Bahnstation Mühlhausen ist er in einer Gehstunde erreichbar. Am Mittwoch war ich oben, der Hohenkrähen ist jetzt also Teil meiner Sammlung vulkanischer Kegel in jener Gegend, dem Hegau – ich war in den letzten Jahren schon auf dem Hohentwiel, dem Mägdeberg, dem Hohenstoffeln und dem Hohenhewen. Schön sind sie alle, aber so keck wie der Hohenkrähen mit der aufgepfropften Burg ist keiner. Klettern muss man nicht, ein steiler Steig, mit einem Handlauf gesichert, führt hinauf.
Das Tor zur Burgruine auf dem Hohenkrähen.

Blick von oben zum Dorf Schlatt unter Krähen.

Freitag, 31. Mai 2024

Regen, Regen, Regen

Regen, Regen, Regen: Wetterprognose auf sma.ch für Bühler heute Freitag.

Heute habe ich einen Auftritt vor der Lesegesellschaft Bühler und will dort unter kräftigem Einsatz von Fotos begründen, warum wir Schweizerinnen und Schweizer derart am Wandern hängen. Drei Dinge freuen mich, wegen einer Sache ist mir ein wenig bange. Also, zuerst das Positive. Erstens finde ich Lesegesellschaften imposant, es sind aus historischer Sicht frühe Foren der Demokratie, man ging in die Lesegesellschaft, um abonnierte Zeitschriften zu lesen, um sich Vorträge anzuhören und an Diskussionen teilzunehmen. Um sich eine Meinung zu bilden. Und um diese kundzutun. Zweitens: Bühler ist Heimat, Appenzell Ausserrhoden. Und drittens freue ich mich auf heute Abend, weil mit dem Erscheinen der Verwandtschaft oder auch von Freundinnen und Freunden zu rechnen ist. Alles gut. Ein bisschen besorgt bin ich einzig wegen der Wetterprognose. Starke Regenfälle sind angesagt, ich hoffe, das Trassee der Appenzeller Bahn hält. Möge ich rechtzeitig in Bühler eintreffen, möge auch meine Heimreise gelingen.