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Mittwoch, 24. Januar 2018

Die Ufenau erwacht wieder

Lange fuhr das Kursschiff an der Ufenau vorbei. Bald hält es wieder.
Seit dem Jahr 965 gehört die Insel Ufenau oder auch Ufnau im Zürichsee dem Kloster Einsiedeln. Seit 2002 läuft ein Umgestaltungs-Projekt, das demnächst abgeschlossen ist und mit der Sanierung der Uferbereiche begann. In den letzten gut 600 Tagen war die Insel nur schwer zugänglich, das Linienschiff steuerte sie nicht an, der Gasthof Wirtschaft zu den zwei Raben war zwecks Totalumbau geschlossen; er kostete das Kloster Einsiedeln mehr als sieben Millionen Franken. Demnächst kommt der Inseltourismus wieder in Gang. Ab Karfreitag, 30. März, werden die Schiffe der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft wieder bei der Ufenau stoppen. Am 23. April öffnet dann das Restaurant, das eine wetterfeste Gaststube mit 80 Sitzplätzen bekommen hat, während man in früheren Jahren mit einem Zelt vor dem Haus geschäftete. Zum gleichen Zeitpunkt startet ein Shuttlebetrieb ab Pfäffikon SZ, zweimal pro Tag wird ein Taxiboot die Insel direkt erschliessen. Als das vermeldete gestern ein Artikel im Tages-Anzeiger mit dem hübschen Titel "Die Felchen-Chnuschperli kehren zurück".

Dienstag, 23. Januar 2018

Ein Findling stellt Fragen

Der  Guggehürlistei, Kanton Aargau.
Aktivdienstplakette am Stein.
Einen halben Kilometer vor dem verlandeten Südufer des Egelsees erreichten wir am Samstag auf dem Wanderweg den Abzweiger zum Guggehürlistei; wir leisteten uns natürlich den Kurzabstecher. Eine kleine Plakette an dem Findling von gut sechs auf vier auf vier Metern erinnert an die Mobilmachung 1939 bis 1945. Wie der Stein anreiste, ist klar: Der Linth-Rhein-Gletscher trug ihn heran und liess ihn zurück. Angeblich ist mit dem Guggehürlistei eine Sage verknüpft, lese ich in einem Zeitungsartikel - bloss finde ich diese Sage weder im Artikel noch anderswo. Dafür ist mir dank des Dialektwörterbuchs Idiotikon klar geworden, was der Name bedeutet. "Gugge" steht für "gucken", schauen. "Hürli" wiederum ist die Verkleinerungsform zu "Hur", was einen Ort bezeichnet, an dem man "huret", niederkauert. Guggenhur - das war laut "Idiotikon" ein Häuschen, das auf einem grossen Haus stand und sich gewissermassen duckte, es diente als Aussichts- oder Wachtpostenstation. Bei Frauenfeld steht das Guggenhürli, ein Erkerbau mit einem Türmli, von dem aus man laut Homepage weit ins Land schauen kann. Dieses Guggenhürli ist heute ein Museum. Nun aber zurück zu unserem Stein. Dass man von ihm aus viel sieht, könnte ich nicht behaupten; auf der einen Seite begrenzt der steile Heitersberg-Hang die Sicht, und rundum stehen dicht die Bäume. War das einmal anders? Oder hat dieses Guggenhürli zu tun mit der nahen Ruine der Burg Kindhausen, schoben hier Männer Wache wegen der Burg? Oder kletterten Kinder auf den Stein und spielten Ausguck? Oder erinnert dieser an ein Guggehürli-Häuschen, von der Form her? Das alles sind neue Fragen, die ich nicht beantworten kann. Falls jemand mehr weiss oder auch die erwähnte Sage kennt, bitte ich um Zuschrift.

Montag, 22. Januar 2018

Als sei man in Flims

Der Egelsee, Gemeinde Bergdietikon AG.
Der Wanderbeginn bei der Zugstation Berikon-Widen ist deprimierend, der Mutschellen ist so was von be-, über- und verbaut. Bald aber kommt man Richtung Hasenberg aus dem Asphalt auf einen Höhenweg im Grünen und hat Weitblick. Und später ist da natürlich im Forst der Egelsee, dieser grösste ganz im Aargau gelegene Natursee, an dessen Ufer ich jeweils wähne, in Flims oder so zu sein. Am Samstag war der Egelsee wunderbar still, da das Wetter nicht besonders war. Wir setzten dann fort zum Weiler Heitersberg und stiegen ab nach Spreitenbach - erstaunlich wild der steile Wald bis an den Rand des zersiedelten Limmattals.
Zwei Attraktionen am Weg: Erstens der Guggehürlistei und zweitens ...
... die Burgruine Kindhausen, zu der man auf einem glitschigen Pfad aufsteigt.

Sonntag, 21. Januar 2018

Heitere Einkehr

Meine Bauernbratwurst mit meiner Rösti mit meiner Sauce.
Das Dessert meines Gegenübers: Zwetschgenmus (oder so) plus Zimtglacé.
Gestern war ich mal nicht der Organisator der Wanderung. Oder wenigstens nicht der Einladende. Aber ich steuerte doch die Idee des Mittagsziels und der diesem zustrebenden Route bei; ich schlug einen Ort vor, den mein Grüpplein kürzlich ohne mich besucht hatte an einem Samstag, an dem ich nicht konnte. Besagtes Restaurant liegt auf der Höhe von Spreitenbach hoch über dem Limmattal im Bauernweiler Heitersberg und heisst auch so. Von aussen ist es unauffällig, wirkt auf keinen Fall gentrifiziert. Die Stube ist gemütlich, der Service uneilig und sehr nett. Und die Küche sensationell gut: Es gibt ländlich schwere Sachen, aber auch das eine oder andere eher städtisch-urbane Gericht wie pulled pork. Jedenfalls aber war alles - die Fotos mögen es belegen - sensationell gekocht, so dass ich nur empfehlen kann, dass man im Heitersberg einkehrt. Die Visite dort macht heiter.
Von aussen sieht die Wirtschaft eher aus wie ein Wohnhaus.

Samstag, 20. Januar 2018

I-N-T-E-R-E-S-S-A-N-T

Das von Claude Chappe entwickelte Zeichensystem.
(Bild: Patrick87/ Wikicommons)
Mit Genuss lese ich dieser Tage die "Ramage"-Romane des englischen Schriftstellers Dudley Pope, die zurzeit der Kriege der Engländer gegen Frankreich unter Napoleon spielen. In Band elf ("Ramage's Signal") entdeckt der Romanheld, Kapitän Nicholas Ramage, an der südfranzösischen Küste von seinem Schiff aus eine merkwürdige Baute. Er begreift bald: Das ist ein Semaphor. Also eine optische Telegrafiestation. Schon die Griechen der Antike übermittelten Nachrichten auf dem optischen Weg: per Rauchzeichen etwa. Der entscheidende Schritt für eine effizientere optische Nachrichtenübermittlung war die Entwicklung des Fernrohrs im Jahr 1608 durch holländische Brillenmacher; nun konnte man viel weiter in die Entfernung blicken und also Signale ausmachen. Der Erfinder des Semaphors, das war dann in der Napoleon-Zeit der Franzose Claude Chappe. Er entwickelte folgende Vorrichtung: einen hohen Pfahl, an dem zwei schwenkbare Querbalken angebracht waren mit je einem schwenkbaren Zusatzbalken an jedem Ende. Dazu lieferte Chappe ein Alphabet, in dem bestimmten Balkenpositionen Buchstaben zugeordnet wurden (dazu kamen natürlich auch die Ziffern). 1794 wurde die erste reguläre Telegrafenlinie zwischen Paris und Lille eingerichtet, die mit 22 einzelnen Stationen 270 Kilometer überbrückte. Napoleon profitierte vom Chappe-System erheblich. Bis 1845 entstand in Frankreich ein von Paris ausgehendes, die Hauptstadt mit allen wichtigen Städten des Landes verknüpfendes System von Semaphoren. Andere Länder übernahmen die Erfindung bald. "Semaphor" kommt übrigens aus dem Altgriechischen und bedeutet "Zeichen-Bringer". Auf Italienisch ist der "semaforo" mit betontem A heutzutage das Lichtsignal.

Freitag, 19. Januar 2018

Babylonien - Zürich einfach

Der Militärarzt Alexander Schläfli und der Kaufmann Julius Weber sind sich 1861 in Badgad begegnet. Doch was die beiden Schweizer wirklich verknüpft, ist nicht persönliche Bekanntschaft, sondern die Leidenschaft für assyrische, babylonische und sumerische Altertümer. Vieles schicken die zwei von ihren Orientreisen heim an die Antiquarische Gesellschaft Zürich; später gehen die wertvollen Statuetten, Schrifttafeln, Reliefs an die Universität Zürich. Bis in die Gegenwart kommen weitere Kollektionen dazu, die Privatsammlung des Zürcher Ägyptologen Peter Arpad Kaplony etwa oder des Zürcher Verlegers Werner Coninx. Heute sind
die Preziosen aus Nahost, Ägypten und dem Mittelmeerraum (Griechen, Römer, Etrusker) in der Archäologischen Sammlung der Uni Zürich an der Rämistrasse 73 zu sehen. Diese Woche ging ich hin, während ein Schneesturm wütete, schlenderte unter den wachsamen Augen einer Aufsichtsperson als Alleinbesucher vorbei an den Vitrinen und den Masken und Statuen und war beeindruckt, was Schweizer so alles von ferne nach Haus gebracht haben. Ein Wort zu den Fotos: Viel war nicht abzulichten, denn man darf in der Sammlung nicht fotografieren. Ein Grund mehr, liebe Leserin und lieber Leser, sich vor Ort zu begeben.

Donnerstag, 18. Januar 2018

Die Hölzige

Zwei Prachtexemplare an der Arbeit.
Mit einem Ohr nur hörte ich gestern Mittag dem Radio zu. Beim Satz "De Hölzig isch en Teamplayer" horchte ich auf. Da war ein Wort wieder, das ich seit Jahren nicht mehr gehört - und zuletzt selber gebraucht hatte, als ich für "Geo Schweiz" ein Porträt des Neckertals schrieb. Denn dieses ist, als weitgehend ländlich gebliebene Gegend, das Reich der Hölzigen. Will heissen aller Leute, die mit Holz zu tun haben: Förster, Waldarbeiter, Säger, Zimmerleute. Im gestrigen Radiobeitrag ging es um die Schäden landesweit, die die Winterstürme Burglind und eventuell Evi hinterlassen - die Hölzigen müssen ran.