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Freitag, 30. Januar 2015

Drohneneinsatz in der Kirche

In ihr flog die Drohne:
Kirche Wiesendangen.
(Wiki., Roland zh)


Gestern las ich im Tagi zwei bemerkenswerte Dinge. Zum einen bleibt das Café Mandarin beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich, das schrecklicherweise einer Velostation weichen soll, noch mindestens ein, wenn nicht zwei Jahre lang offen. Das ist schön, weil ich dort gerne vor dem Wandern Kaffee trinken gehe. Und diese Gipfeli, mmm.

Zum anderen liessen zwei Buben im Rahmen einer Sek-Abschlussarbeit kürzlich in der Kirche von Wiesendangen ZH eine Drohne steigen. Und zwar mit dem Segen des Pfarrers. An der Decke gibt es wertvolle spätmittelalterliche Fresken, die nun dank dem Drohnen-Einsatz in die Nähe rücken - sinnvoller Einsatz einer prinzipiell umstrittenen Technik.

Donnerstag, 29. Januar 2015

Schöner Totsein geht nicht

Die alte Kirche von Falera, St. Remigius. Und einer der vielen Menhire.
Erhabener Menhir und Ferienhäuser.
Falera, das Dorf in der Surselva, hat eine neue und eine alte Kirche. Die alte Kirche sieht man zur Linken auf einem kleinen Hügel namens Mutta stehen, wenn man mit dem Bus von Laax her ankommt. Sie ist dem heiligen Remigius gewidmet und bildet auch das Motiv des Dorfwappens. Als ich mich letzte Woche in Falera umschaute, ging ich die Remigius-Kirche besichtigen und war begeistert: diese Lage hoch über dem Tal des Vorderrheins, diese Aussicht auf die in Schnee verpackten Berggipfel, dieser stimmungsvolle Mini-Friedhof - hier ist gut Totsein! Aus historischer Sicht, stellte ich fest, sind es gleich drei Dinge, die der Mutta-Hügel bietet:
  • Erstens, eben, die Remigiuskirche. Sie ist Spätgotik, stammt aus der Zeit knapp vor 1500. Ihr Turm allerdings ist noch romanischer Herkunft, also mittelalterlich. Einen Pfarrer hatte St. Remigius schon 765, die Kirche gehörte zuerst dem Kloster Schänis SG, dann dem Kloster Disentis, bis endlich Falera selber die Hoheit übernahm. Anfang des 20. Jahrhunderts baute man eine grössere Kirche, seither heisst die kleine "Baselgia Veglia". Alte Kirche.
  • 1935 entdeckte der Kantonsförster auf dem Mutta-Hügel eine prähistorische Siedlung aus der Bronzeit, 2000 bis 800 vor Christus. Das Dörflein beherbergte gut 100 Menschen. Ihre Rundholzhütten waren von einem zwei Meter hohen Wall umfriedet. Er hatte gleich zwei Aufgaben: Abschreckung von Feinden und Schutz gegen den Wind. Archäologen fanden im Boden eine Bronzenadel von 83 Zentimetern Länge mit einem flachen, scheibenförmigen Kopf von mehr als 10 Zentimetern Höhe und Breite. Die Entdecker meinten vorerst, dies sei eine Kleidernadel gewesen. Heute kursiert die Theorie, dass die Verzierungen auf dem Kopf Venussymbole seien und die Nadel ein Venuskalender.
  • Gleich neben der Kirche ist der Hügel eher flach, die Wiese heisst "Planezzas". Einst muss auf ihr irgendeine Art von Kult stattgefunden haben. Drei Dutzend Menhire, also längliche, aufgerichtete Steine zeugen davon sowie mehrere Schalensteine. Einige Menhire bilden Reihen. Wenn man die jeweilige Linie aufnimmt und Richtung Horizont weiterzieht, ergeben sich astronomische Entsprechungen; zum Beispiel zeigt eine Linie wohl* auf den Punkt, wo zur Sommersonnenwende die Sonne aufging. Die Menschen von damals waren allem Anschein nach Gestirnsexperten.
* Eine gewisse Skepsis ist angebracht. Manche Peilungen sind reichlich ungenau; zudem ist der Himmel derart reich an Objekten, dass eine terrestrische Linie fast immer irgendetwas Stellares im Visier hat. Auch muss man bedenken, dass viele Menhire erst in unserer Neuzeit wieder aus dem Boden geholt und aufgerichtet wurden.
PS: Morgen widmet sich meine Zeitungskolumne der Winterroute Falera - Ladir - Ruschein.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Bachtel und boykottiertes B

Wetterkino im Abstieg vom Bachtel.
Ronja macht mal kurz Pause vom Stapfen.
Dieser Beizenboden wird bald herausgerissen und entsorgt.
Gestern vormittag gingen Ronja und ich nach einer Nacht, in der es ausgiebig geschneit hatte, auf den Bachtel. Wir hatten Glück, zwei Leute hatten kurz vor uns die Direttissima vom Örtchen Wernetshausen auf den Gipfel eingeschlagen. Dank ihrer Spur hielt sich die Anstrengung des Aufsteigens im tiefen Schnee in Grenzen. Oben assen wir sagenhaft; nicht zum ersten Mal hatte ich Kotelett und Rösti, wieder einmal war ich begeistert. Der junge Kellner, glaubs ein Kroate, erzählte uns, warum die Wirtschaft vom 12. Februar bis 6. März Betriebsferien macht: Umbauarbeiten. Insbesondere wird der 50 Jahre alte Kunststoffboden durch einen neuen Parkettboden ersetzt. Der Abstieg nach Wald war dann noch viel schöner als der Aufstieg. Das Wetter zeigte uns, was es alles kann. Mal erschien kurz die Sonnenscheibe im grauen Himmel, mal wallten Wolken wild aus Südwest heran und türmten sich zu gewaltigen Gebilden; dazwischen inszenierte sich der Januar klassisch mit wattierten Tannen, von denen im Wald gewaltige Schneefuder auf uns stürzten. Stellenweise war das Wandern anstrengend, wir sanken bis zu den Knien ein. Unten in Wald gab es in der Bleiche, einem umgenutzten Industrieareal mit Restaurant, Kafi Schnaps respektive Bier - so endete das Abenteuer. Ah ja, noch dies: Einen Schlitten sahen wir am Vormittag, der auf einem von Orn her kommenden, ebenaus verlaufenden Forststrässchen vorbeischoss. Er wurde gezogen von, wenn ich recht gesehen habe, zehn Huskies. (Wernetshausen - Bachtel - Unterbachtel - Bachtelspalt - Forhalden - Tänler - Bleiche - Bahnhof Wald. 3 Stunden, 405 Meter aufwärts, 510 abwärts.)
In Wald kehrten wir in der Bleiche noch einmal ein. Das B boykottierte ich.

Dienstag, 27. Januar 2015

Sedrun hell? Nun ja...

Blauer Himmel circa bei Flims. Und grauer Himmel über Disentis (Bildmitte).
Die Matterhorn-Gotthard-Bahn zwischen Sedrun und Disentis.
Hm. Was nun? Ich stellte mir, während ich am Morgen via den Oberalppass anreiste, den blauen Himmel über der oberen Surselva vor. Doch tatsächlich erstreckte er sich von Flims Richtung Osten, wie obiges Foto zeigt - ich war ein wenig ernüchtert, als ich in Sedrun ausstieg, über mir war alles grau. Ich zog meinen Plan trotzdem durch, hinab nach Disentis winterbahnzuwandern. Die Strecke gestern war hübsch auch ohne Sonne, der Winterwanderweg folgt mehr oder weniger dem Bahntrassee. Nach 2 1/4 Stunden war ich freilich ziemlich durchfroren, sah deshalb von einer Verlängerung nach Cumpadials ab und fuhr von Disentis wieder heim. Hinter mir hockten im Zug vier Teenager, die nach Chur reisten. "I wott en uhuara grossa Döner", sagte der eine. Das Mädchen ihm gegenüber übte mit leiser Stimme einen Popsong, als wollte sie in einer dieser grassierenden TV-Sing-Konkurrenzen mitmachen. In Chur war es dann hell und schön. Und später in Zürich düster wie in einem Keller.

Montag, 26. Januar 2015

Glück und Enttäuschung im Thurgau

Winter auf dem Seerücken nach dem Haidenhaus.
Der Seerücken ist dünn besiedelt.
Unsere Samstagswanderung war strikt zweigeteilt. Die ersten drei Stunden bestanden in der Überquerung des Thurgauer Seerückens auf der Route Müllheim-Wigoltingen Station - Müllheim - Homburg - Haidenhaus - Steckborn. Das war grossartig, das Plateau des Seerückens ist als einsam bekannt, die Höfe sind spärlich gestreut, die Dörfer rar. Wir froren aber gewaltig beim Start, in der Ebene zwischen Frauenfeld und Weinfelden verharrte der Frost, was in der Meteorologie Kaltluftsee oder Kältesee heisst (nicht zu verwechseln mit Kalterer See). Oben schlotterten wir in der Bise noch viel mehr. Aber schön war das, wir hatten unsere Ruhe; ums Heidenhaus, wo wir einkehrten, sahen wir nicht mal Langläufer, die sich dort für gewöhnlich sammeln.
In Stein am Rhein SH kamen wir am Ende doch ans Wasser.
Nach dem Zmittag in der Sonne Steckborn, einer Pizzeria, ging es in noch einmal drei Stunden via Mammern nach Stein am Rhein - alles den See entlang. Halt, dieser Nachsatz ist grundfalsch. Uferwandern war meine Vision gewesen. Doch leider gingen wir praktisch nirgendwo am See. Der Grossteil des Ufers ist von Privatgrundstücken belegt und unzugänglich. Der Weg verläuft mal ganz abseits am Hang, mal eingekeilt zwischen Bahnlinie und Uferböschung, mal auf der Strasse an der Bahn und zum Schluss immerhin - auf Asphalt - durch die seenahen Felder. Empfehlen kann man das Stück nicht, ausser den Velofahrern. Aber der Seerücken hat sich gelohnt.

Sonntag, 25. Januar 2015

Dr. Fleisch und die Klettenkatze

Über die gestrige Wanderung von der Station Müllheim-Wigoltingen über den Seerücken nach Steckborn und weiter via Mammern nach Stein am Rhein will ich morgen berichten. Hier vorerst vier Schnappschüsse.
Bei diesem gewaltigen Ast- und Reisighaufen fragte ich mich spontan, ob es
sich wohl um den Grabhügel eines Oberförsters handelt. Wenn ja, dann hat
man ihn hoffentlich im Pharao-Modus bestattet. Mit der Axt auf der Brust.

Ich weiss nicht, ob ich zu einem Arzt dieses Namens Zutrauen fassen könnte.
Schwierig, eine schwarze Katze zu fotografieren, der Belichtungsmesser mag
das nicht besonders. Das junge Tierchen begleitete uns über Kilometer und
begann dann traurig zu maunzen; es realisierte wohl, dass es den Rückweg
nicht mehr finden würde. Wir deponierten es bei einem Ehepaar, das auch eine
Katze hat und netterweise versprach, sich um die Rückführung zu kümmern.
Kobane ist die kurdische Stadt, die von der Soldateska des Islamischen Staates
(IS) heimgesucht wurde. Der Betreiber eines Dönerkiosks in Stein kommt wohl
von dort. Wer wandert, ist bisweilen mit der grossen Weltgeschichte konfrontiert.

Samstag, 24. Januar 2015

Dreimal Homburg

Winston Churchill mit Homburg.
(Wikicommons)
Heute wollen wir vom Bahnhof Müllheim-Wigoltingen über den Seerücken nach Steckborn laufen. Dort gibt es nach den drei Wanderstunden Zmittag, hernach wird es voraussichtlich den Bodensee entlang nach Stein am Rhein gehen. Am Vormittag werden wir Homburg passieren, eine der flächenmässig grössten Thurgauer Gemeinden. Wenn ich den Namen höre, muss ich erstens an das unnachahmlich melancholische Lied "Homburg" von Procol Harum denken. Und zweitens an den gleichnamigen Hut. Kennt den jemand? Winston Churchill zum Beispiel trug immer einen. Oder Konrad Adenauer. Mit dem Ostschweizer Ort Homburg hat der Hut nichts zu tun, vielmehr stammt er aus dem deutschen Bad Homburg, wo ihn eine Hutfabrik schon im 19. Jahrhundert fertigte. Weltweit populär wurde der Homburg durch einen Besuch des späteren englischen Königs Edward VII. 1882 daselbst. Der Thronfolger sah den Hut, mochte ihn und liess sich einen fertigen. Halb Europa tat es ihm nach, der Zylinder sowie die Melone erlitten dann gleich eine Beliebtheitskrise. Homburg: ein vielseitiges Wort.