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Montag, 23. Januar 2017

Festival des Lichts (21./22. Januar 2017)

Gestern in Stein AR.
Samstag und Sonntag: ein zweitägiges Festival des Lichts. Die samstägliche Winterwanderung von Klosters nach Küblis habe ich hier schon rapportiert. Gestern kam ich wieder ins Helle: Familienbesuch im Appenzellerland - ich fühlte mich wie in einem Bilderbuch des Winters. Zmittag gab es im Ochsen in Stein, der Dorfbeiz. Wenn ich dort hocke, kommt die Kindheit zurück: Vis-à-vis am Dorfplatz wohnten die Grosseltern. Mein Grossvater ging gern - in den Finken - in den Ochsen jassen. Ich weiss noch, dass ich ihn einmal dort besuchte respektive besichtigte, ich schaute stumm, stören ging nicht. Gestern mischten sich Vergangenheit und Gegenwart, im Ochsen dachte ich immer wieder: Hockt der Grossvater wohl irgendwo hier in einer Nebenstube und jasst?

Sonntag, 22. Januar 2017

Ein Tag, der zählt

Unterhalb von Klosters Platz machte K. für uns den Engel.
Vorn die Landquart. Hinten die Sunnibergbrücke, die wir unterquerten.
Schneekristalle.
Glücksgefühle wallen auf in mir, wenn ich an gestern zurückdenke: die Sonne, die Weite des Prättigaus, die Schneekristalle, Essen, Gehen, Luft, Frische. In knapp 3 1/4 Gehstunden gelangten wir von Klosters Platz zum Bad Serneus (dazu bald ein eigener Eintrag), machten einen Abstecher nach Serneus hinauf, zogen nach Saas, assen dort im Restaurant Bahnhof, setzten fort nach Küblis. Die meiste Zeit gingen wir im Licht, umso aparter waren einzelne Passagen direkt an der Landquart im Schatten. Gefroren habe ich trotz Minustemperaturen keinen Moment, vielmehr fühlte ich mich durchwärmt. Es war ein toller Tag. Einer von denen, die zählen.
Serneus, der Kirchhof.

Samstag, 21. Januar 2017

Heute sehen wir die Prücke von ganz nah

Moritz Leuenberger.
(Wikicommons/ Schw. Eidgen'schaft)
Ich wusste gar nicht, wie die Autobrücke heisst, die man immer sieht, wenn man mit dem Zug von Küblis auf Klosters zufährt. Im Kopf habe ich bloss den etwas doofen Einweihungsvers von Moritz Leuenberger, der sich auf den Brückengötti Prinz Charles bezog: "Eine Prättigauer Prücke praucht einen Prinzen." Nun, jedenfalls heisst das Bauwerk, das bei starker seitlicher Krümmung das Tal überquert und 525 Meter lang ist, Sunnibergbrücke. Wer wissen will, weshalb die Brücke aus technischer Sicht bemerkenswert ist, findet die Erklärung hier. Heute werde ich die Sunnibergbrücke ganz neu sehen, aus einem völlig anderen Winkel, während wir von Klosters nach Serneus gehen. Ein Foto folgt.

Freitag, 20. Januar 2017

Jetzt twittern sie wieder

Für morgen plane ich eine Winterwanderung von Klosters nach Serneus und Küblis, alles schön der Landquart nach. Heute gehe ich auch: ins Büro. Um 6.30 setze ich mich dort in den Newsroom und betreue bzw. mitbetreue per Newsticker eine Aktion, die um 7 Uhr anläuft: Stadtpolizei Zürich sowie Schutz & Rettung Zürich wollen 24 Stunden lang live über ihre Einsätze twittern. Schon vor Jahren tat die Stadtpolizei das einmal, es war ein Grosserfolg, auf Facebook bildete sich für den einen Streifenwagen sogar eine Fangruppe. Mal schauen, wie es diesmal läuft. Ah ja, der Hashtag heisst: #SID24. Aber natürlich kann man auch die begleitende Tagi-Version verfolgen, die Dinge herauspickt. Einfach hier klicken.

Donnerstag, 19. Januar 2017

Die Toten von Tuggen

Kirchenarchäologie begeistert mich immer wieder. Nehmen wir die Pfarrkirche Tuggen, in der ich kürzlich war. St. Erhard ist ein Barockbau, das ist mir jeweils zu tortig und schwülstig, tendenziell; die Kirche entstand 1733 bis 1743. Interessanter sind die zwei von der Forschung dokumentierten Vorgängerbauten - ich fasse den Kunstführer zusammen, den ich mir vor Ort besorgte:
  • In romanischer Zeit, 10. bis 12. Jahrhundert, entstand an dieser Stelle eine Saalkirche, die später gotisiert wurde. 
  • Noch viel älter ist die erste Kirche Tuggens. Sie entstammt der späten Merowingerzeit um 700 und deckt sich teilweise mit dem Grundriss der heutigen Kirche; sie war bloss viel kleiner. Aus dieser Zeit fand man im Boden, den Blick nach Osten ausgerichtet, drei männliche Skelette. Es waren vornehme Alemannen, vermutlich die Kirchenstifter.  Die Toten hatten Waffen bei sich aus Eisen und Bronze mit Messing- und Silberverzierungen. Der Tote in der Mitte war am reichsten ausgestattet, er trug einen Spatha, also ein Langschwert, und einen Sax, also ein Kurzschwert. Der Spatha-Griff war mit Tierornamenten verziert.
Ist das nicht phantasiebefördernd? Ich finde, man könnte sich daran machen, diesen drei Alemannen Leben einzuhauchen und einen Roman über sie zu schreiben. Wer will ran?
St. Erhard ist nicht die erste Kirche an dieser Stelle.

Mittwoch, 18. Januar 2017

Am selbe Tag sei grad Sumart gsee

Die Anthologie
des Appenzeller Verlags.
"Ich wäre überall und nirgends", eine kürzlich erschienene Appenzeller Anthologie, versammelt - so heisst es im Untertitel - literarische Texte seit 1900 und ist eine Fundgrunde: Robert Walser, Hermann Hesse, Martin Walser, Fleur Jaeggy, Helen Meier und Dutzende anderer sind berücksichtigt. Und mitten drin hat es auch etwas von mir, was ich ehrenvoll finde, aber auch unverdient. Mein Beitrag stammt von der letzten Ausserrhoder Kulturlandsgemeinde in Stein AR. Damals trug ich drei Stein-Beschreibungen vor, die sich auf die drei Orte Stein im Ausserrhodischen, im Aargauischen und im Toggenburg bezogen. Nun wieder zum Buch als Ganzes: Ich mag es, darin zu stöbern und auf Sätze zu stossen wie diese - sie wurden 1942 geschrieben und heimeln mich sowohl durch ihren Klang an als auch durch ihre Lakonie, in der sich Humor verrät: "Min Namen isch Walter Nänny. I bi am 11. November 1889 als zeht vo älf Goofe gebore. Am selbe Tag sei grad Sumart gsee. De Vatter: Schuehmacher a de Schmetgass, d Mueter isch vom Rhintel choo."

Die Appenzeller Anthologie tourt mit ihren Herausgebern Rainer Stöckli und Peter Surber durch die Schweiz. Am nächsten Montag macht sie halt in Zürich in der Kassette, ich darf auch aufs Podium.

Dienstag, 17. Januar 2017

Heldentum am Uetliberg

Winter auf Zürichs Hausberg.
Wanderfreund Edwin hat mich auf eine super Sache hingewiesen. Es gibt im Internet eine Seite, auf der einer sämtliche Schleichpfade zum Uetliberg aufgelistet hat samt interaktiver Karte. Die steilen Hänge des Zürcher Hausbergs, muss man wissen, sind von solchen Pfaden durchsetzt; die einen sind bloss apart, die anderen zusätzlich gefährlich - die Bergrettung musste auch schon mit dem Heli kommen, um den einen oder anderen Abenteurer zu retten. Aber toll wäre das schon, im Frühling, wenn der Schnee weg ist, den "Kulmpfad Süd" hinaufzukraxeln, also in der Direttissima auf den Gipfel zuzuhalten, um oben vor den staunenden Touristen als letztes Hindernis heldenhaft den Zaun der Aussichtsterrasse zu nehmen.