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Montag, 24. November 2014

Novemberglück, Novemberhoffnung

Schön ist der alte Kasten auf der Chrüzegg nicht. Oder doch?
Der Alpenkranz von der Chrüzegg aus. Dafür geht man meilenweit.
Schon wieder ein Novemberwunder! Auch dieser Samstag war ein Herbsttag, wie man ihn normal im September und Oktober hat, mit warmem Licht und einer Sonne, die wärmte, ja sogar ins Schwitzen brachte. Wir machten eine Rundwanderung: Goldingen - Rüeterswil - Köbelberg - Eggli - Atzmännig - Schwammegg - Obere Tweralp - Chrüzegg - Im Chabis - Enkrinnen - Schutt - Hintergoldigen/Sandacher - Sägel - Stüssel - Huzlen - Goldingen (5 1/2 Stunden, je 880 Meter aufwärts und abwärts). Ich fand die Route recht streng, weil das Gelände ruppig war und rutschig im Schatten. Aber die Sicht war überwältigend. Auf der Chrüzegg erspähten wir unseren Wanderfreund René P. Moor, der auf separater Tour unterwegs war und sich alsbald an unseren Tisch setzte. Doch, das war ein toller Wandertag. Er endete eigentlich erst in Rüti, wo wir die Heimfahrt unterbrachen und in einer niveaulosen Bar am Bahnhof das wohlverdiente Schlussbier nahmen, das uns in Goldingen versagt geblieben war, weil dessen Dorfbeiz zu war, Betriebsferien. Nun hoffe ich, dass der November sich bis zum Ende grosszügig zeigt; wer weiss, vielleicht kann man nächstes Wochenende noch einmal hoch und schön ins Gelände!
Unbekannter Mann geniesst unterhalb Chrüzegg November.

Sonntag, 23. November 2014

Die Halsabschneider von Baden

1580/81 reiste der grosse Renaissance-Gelehrte und Essayist Michel de Montaigne von Frankreich über die Schweiz und Deutschland nach Italien. Was er sah und ass und fühlte, wen er traf, worüber er sich wunderte und ärgerte - alles das kann man jetzt im wundersamerweise wieder aufgetauchten und in "Die Andere Bibliothek" erschienenen Reisetagebuch lesen. Es ist, so der akribische Herausgeber im Vorwort, zu exakt 54 Prozent von Montaigne selber geschrieben. Den Rest verfasste ein mit Namen nicht bekannter Sekretär, entweder aufgrund der direkten Diktate seines Herrn oder aber aus der noch frischen Erinnerung, an den Abenden oder Wochenenden. Kurios ist, dass Montaigne mit vier wesentlich jüngeren adeligen Compagnons startete. Respektive, dass diese ihm unterwegs alle abhanden kamen, weil sie sich beim Tanzen und Fechten verlustierten und nicht länger folgen mochten. Ich lese das Buch gerade. Hier eine Stelle, die sich auf die Stadt Baden AG bezieht, die damals ein wichtiger Bade- und Kurort war:
"... sind die den Fremden abverlangten Preise halsabschneiderisch. Vier Zimmer mit neun Betten, davon zwei mit Öfen und einem Bad, kosteten uns täglich für jeden der Herren einen Taler und für jeden Bedienten vier Batzen (also etwas mehr als neun Sous), und für die Pferde mussten wir sechs Batzen (ungefähr vierzehn Sous) täglich berappen. Ausserdem aber haben sie uns ... bei der Abrechnung mehrfach bemogelt."

Samstag, 22. November 2014

Fleisch am Chnoche

Damals im Dezember 2010, unterwegs zum Weihnachtsessen im Restaurant
Sihlmatt ZG. Wanderhund Emil ging beim Fondue dann allerdings leer aus.
Noch drei Wochen bis zum Weihnachtessen meines Fähnlein Fieselschweif, einem Ritual, das doch auch schon eine gewisse Tradition hat - unvergessen etwa das Weihnachtessen damals unten an der Sihl im Restaurant Sihlmatt. Fondue. Nach dem Znacht stiegen wir in der Dunkelheit vorbei an Bauernhäusern mit hell erleuchteten Fenstern wie Adventskalender-Türchen auf nach Menzingen. Das war magisch. Und arktisch kalt. Wo es heuer hingeht, ist noch nicht ganz klar, sicher aber werden wir in oder nah Zürich essen, eventuell im Restaurant Fleisch am Chnoche (ha, was für ein Name), eventuell aber auch im Hühnerhimmel (ha, was für ein Name).

Die heutige Wanderung strebt ebenfalls einer Beiz zu. Einer Wirtschaft im Bergland, die winters an den Wochenenden offen hat, sehr verdienstvoll. Es handelt sich um die Chrüzegg oberhalb von Goldingen, wo unsere Rundroute beginnt; die Chrüzegg steht auf St. Galler Boden, gehört gefühlt aber zum Zürcher Oberland. Lustiges Detail: Mein Wanderfreund René P. Moor macht, fanden wir heraus, eine ganz ähnliche Wanderung. Und zwar rein zufällig. Allerdings wandert René im Uhrzeigersinn, wir hingegen im Gegenuhrzeigersinn; auch nimmt er ein, zwei Höger mehr mit, als wir es planen. Ich bin gespannt, ob es irgendwo bei der Chrüzegg zum Gipfeltreffen kommt.

Freitag, 21. November 2014

Bitte weiter wandern für mich!

Ich kann nicht alles lesen. Es beginnt mit "Wunderbar...". In der Mitte heisst es: "Alles ist noch schöner als sonst und plötzlich stürklisch." Und der Schlusssatz ist auch klar: "Bitte weiter wandern für mich." Die Karte ging mir auf der Zeitung zu, kommt aus Bern, stammt offensichtlich von einer Person mit Multipler Sklerose - und rührte mich sehr.

Donnerstag, 20. November 2014

Fritz filmwandert

Fritz Hegi unterwegs an der Südrampe. (Screenshot aus dem neuen Clip)
Letztes Jahr wurde der Wanderweg die Lötschberg-Südrampe* hinab verlängert um das Stück Lalden - Naters - Brig. Seither kann man von Hohtenn bis Brig durchwandern. Gestern mailte mich Fritz "Wander-Fritz" Hegi an und wies mich auf einen neuen Film hin, der die Route promotet. Ein witziges Wiedersehen ist das gleichzeitig mit meinem gelegentlichen Wanderfreund. Denn Fritz und sein Wandergrüppchen sind die Stars des Clips; Fritz ist übrigens an der weissen Dächlikappe mit dem blauen Schirm zu erkennen.

PS: Die Touristiker sprechen, in Anlehnung an die neukreierte Tourismusgegend "Lötschberger", seit einiger Zeit von der Lötschberger-Südrampe. Ich bleibe bei "Lötschberg-Südrampe".

Mittwoch, 19. November 2014

Ich bin dann mal kurz bei den Toten

Gesucht: Repo-Idee zum Thema Friedhof. (Aeternitas e.V.)
Die Verbraucherinitiative (hurks, was für ein Wort) Aeternitas e.V. ist eine unabhängige deutsche Konsumentenorganisation, die Beratung in Sachen Friedhof und Bestattung anbietet. Und jetzt schreiben die doch erstmals einen Medienpreis aus: "Friedhof heute". Gesucht sind journalistische Arbeiten, "die sich dem Thema Friedhof jenseits der klassischen Totengedenktage unbefangen und mit gegenwärtigem Bezug widmen". Und hey! Da warten immerhin 5000 Euro Preisgeld. Ich glaub, ich husche jetzt ab auf den nächsten Totenacker und überlege mir dort eine gezielt unkonventionelle Repo.

Dienstag, 18. November 2014

Von Arsch und Säss

"Willkommen im Arsch" steht über der Tür. Und der Älpler nennt sich "Arsch-Willi". Seine Alp liegt hoch über dem Toggenburg, gehört aber bereits zu Amden; vielleicht heisst sie Arsch-Alp, weil sie diejenige Alp ist, die am weitesten von Amden entfernt ist - ich erwähnte das in meinem Blogeintrag vom Sonntag. Ein Zeitungsartikel erzählt lustig, wie der Älpler stolz auf den Namen seiner Alp ist, die halt einfach immer so hiess. Und wie die St. Galler Wanderwege den Flurnamen zu deftig finden und deshalb die Bezeichnung "Säss" anwenden wollen. Wobei das ja auch etwas kurios ist: Zwar kommt Säss von "sitzen", ist ein Sitz. Aber es klingt halt ein bisschen wie... Gesäss. Soweit Teil zwei meiner Arsch-Geschichte.

PS: Im gestrigen Tagi duellierte ich mich mit meiner Kollegin Michèle Binswanger. Es ging um die Frage, ob man Enten und Schwäne mit altem Brot füttern soll und darf; ich schrieb das Pro, Michèle das Contra.