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Samstag, 28. März 2015

Stein mit Bahnanschluss

Der Erdmannlistein. Leider habe ich kein Foto, auf dem man Erdmannli sieht.
(Wikicommons, Voyager)
Toll. Bis Mitte Woche musste man davon ausgehen, dass es am Samstag schon am Vormittag zu regnen beginnen würde. Dann verbesserte sich die Prognose - und jetzt heisst es: Regen heute Samstag erst gegen Abend. Trockenen Fusses werden wir, hoffe ich, von Bremgarten nach Muri wandern und, nach dem Zmittag, weiter nach Mettmenstetten oder so. Ziemlich bald nach Wanderstart kommen wir übrigens am Erdmannlistein vorbei, einer Findlingsgruppe, bei der ich noch nie war. Es gibt ganz nah sogar eine S-Bahn-Haltestelle "Erdmannlistein"! Cool, oder?

PS: Vielleicht gibt es Leute, die sich für das Thema interessieren - hier der Link zu einem Artikel, den ich diese Woche publizierte. Er handelt vom Zürcher Germanisten Martin Müller, dessen Leidenschaft es ist, seltene und seltsame Wörter (Flette, Ehekriepel, sich bespitzen) zu sammeln.

Freitag, 27. März 2015

Küche mit Einsicht

Warum heisst das Restaurant Urwaldhaus im Weiler Robach der Gemeinde Rehetobel AR so, wie es heisst? Die Kolumne, in der es erklärt wird, steht heute in der Zeitung; natürlich kann man die kleine Geschichte auch auf der Restaurant-Homepage finden. Dort las ich auch, dass im Urwaldhaus die Küche "einsichtbar" sei. Gemeint ist wohl eher "einsehbar". Ich möchte mich nun aber nicht beim Deutschfehler aufhalten, sondern feststellen, dass eine Küche, die Einsichten zeigt, die also denkt, durchaus im Trend liegt. Grosse Firmen wie Google arbeiten derzeit eifrig daran, Autos, Haushaltgeräte wie Staubsauger, Kleidungsstücke mit allerhand Sensoren und interaktiven Einrichtungen "intelligent" zu machen. Auch Küchentechnik ist betroffen. Wenn dereinst mein Backofen das Kommando übernimmt, den Gugelhopf aber nicht optimal hinkriegt, werde ich sanft mit ihm schimpfen. Ich hoffe, er zeigt sich einsichtig.

Donnerstag, 26. März 2015

Ab in den Feuersee!

Woran erkennt man den Fanatiker? Daran, dass er keinen Respekt vor den Gesetzen der Typographie hat. Das Blatt, das ich kürzlich aus meinem Briefkasten fischte, war auf beiden Seiten vollgedruckt bis zum Rand - jeder Quadratzentimeter zählt für Leute, die eine Botschaft loswerden müssen. In diesem Fall geht es um die Endzeit, die offenbar "bald geschehen" wird, so der anonyme Schreiber. Sein Szenario fand ich interessant: Ein Politiker wird auftreten, ein Charismatiker, der einen wirtschaftlichen Aufschwung und Frieden bringt. Die Regierung, die er kontrolliert, wird jeder Bürgerin und jedem Bürger einen Chip implantieren wollen, auf dem deren persönliche Daten sowie der Name des Antichristen stehen. In diesem Moment wird es zwei Arten Menschen geben: Die einen werden die Einpflanzung des Chips verweigern und deswegen umgebracht werden, werden dafür aber später belohnt werden, wenn Jesus zurückkommt. Die anderen aber werden den Chip und allerlei Vorteile annehmen. Kurzfristig, bis Jesus wieder da ist, werden sie profitieren. Aber dann? "Wegen dieser Tat werden sie für immer in den Feuersee geworfen."

Interessant. Die Person, die das geschrieben hat, bringt die gute alte Apokalypse mit den gegenwärtigen Möglichkeiten der Überwachungstechnologie zusammen. Es nimmt mich wunder, wie sie lebt. Vermutlich in steter Angst, dass es klingelt und ein Mann vor der Tür steht, der mit einem satanischen Grinsen sagt: "Grüezi, ich komme wegen dem Chip, passt es Ihnen grad?"

Mittwoch, 25. März 2015

Die Merinomillionen

Jesus mit einem Merinoschaf. "El Buen Pastor" von
Bartolomé Esteban Murillo, 17. Jh. (Wikicommons)


Icebreaker: Das ist hippe Sportbekleidung aus Merinowolle. Der neuseeländische Anthropologe Jeremy Moon baute das Unternehmen in den Neunzigerjahren auf. Heute ist man in 50 Ländern präsent, beliefert gut 4000 Händler, macht 200 Millionen Dollar Umsatz pro Jahr. 40 Prozent des Umsatzes stammen aus Europa, die Schweiz ist dessen drittwichtigster Markt. Kann man alles im Tagi-Artikel nachlesen. Interessant fand ich die Kalkulation. Wenn ein Icebreaker-T-Shirt 100 Franken kostet, dann gilt folgender Schlüssel:
  • 60 Franken behält der Händler.
  • 21 Franken sind in die Produktionskosten von Material über Verarbeitung bis Logistik geflossen.
  • 16 Franken gingen in Design, Verkauf, Personal- und Finanzierungskosten.
  • 3 Franken beträgt der Gewinn für Moons Firma.

Dienstag, 24. März 2015

Sebastian und Babs und Sivo

Neumüli? Da wohnt doch der Dings! Grün von
unten nach oben unser Wanderweg nach Kreuzlingen.
Sebastian Vettel ist Autorennfahrer, Formel eins. Ich sehe diesen Sport so: Leute wie er verpesten und verlärmen mit ihren Boliden die Welt. Und gleichzeitig suchen sie privat das Idyll: Grün, Stille, Vogelgezwitscher usw. Am Samstag auf unserer Thurgauwanderung durchzogen wir die sehr, sehr ländliche Gemeinde Kemmental. Etwas südlich des zu Kemmental gehörenden Dorfes Ellighausen hat sich Vettel die Neumüli gekauft. Die alte Mühle samt Umschwung lag nicht direkt an unserem Wanderweg, aber wir erahnten aus der kurzen Entfernung doch: Momoll, der Mann mag die Natur. Wenn er nicht gerade rast und stinkt.

Und gleich noch ein Nachtrag zu der Samstagswanderung: Sie begann in Kradolf, wo vor Jahren eine andere Samstagswanderung endete. Damals nahmen wir bahnhofsnah unser Schlussbier in «Babs & Sivo's Dart & Steak-Beiz». Gemerkt? Jawohl, in dem Beizennamen fehlt bei "Babs" der Apostroph, der den Genitiv signalisiert (Babs'). Oder sind "Babs und Sivo" eine Fügung, also zwei Wörter, die ein neues einziges Wort bilden, das nur am Schluss in "Sivo" dekliniert wird? Kann sein. Aber ganz sicher hat "Sivo" in dem Beizennamen einen Apostroph, der dort nicht hingehört. Der Genitiv von "Sivo" ist "Sivos". Nicht "Sivo's". Man verspöttelt diesen Falschfall mit Apostroph, der gern in Würstchenbuden-Schriftzügen auftaucht, als "sächsischen Genitiv". Was ich nicht realisierte, als ich am Sonntag einen Eintrag über das Restaurant "Babs Türmli" in Sulgen schrieb: Das ist die apostrophlose Babs von Kradolf! Sie ist mit ihrem Sivo ins Nachbardorf gezogen.

Montag, 23. März 2015

Die Morchelsauce morchelte nicht

Heu, mmmh!
Der Leistenbruch. Links oben
die Station Berg TG.
Mit der Ostschweiz trafen wir am Samstag eine gute Wahl. Die meiste Zeit waltete trockenes Wetter, einmal blitzte gar die Sonne durch die Wolken; der Regen kam erst gegen vier, als wir fast in Kreuzlingen waren. Ein paar Dinge zur Strecke Kradolf - Auwald - Sulgen - Leimbach - Guntershausen - Berg - Alp Ottenberg - Ottenberg/Stelzenhof - Kemmental - Ellighausen - Bommer Weiher - Bernrain - Kreuzlingen (6 1/2 Stunden, 26.5 km, 350 m aufwärts, 400 m abwärts):
  • Zwischen Kradolf und Sulgen gingen wir an der Thur und hernach an einem Kanal, der gerade neu gefasst wird. Die Baustelle sah imposant aus mit gerammten Dammwänden aus rostrotem Eisen. Wir witzelten, dies sei der historische Beginn einer Wasserstrasse durch den Thurgau.
  • Sulgen fanden wir deprimierend, ein Wirrwarr von Häusern aller Stile und Nichtstile, ein Gewucher von Gewerbebauten. Haben die dort keine Ortsplanung?
  • Vor Berg gingen wir bei Andhausen ein rechtes Stück der Bahnlinie entlang. Der Schienenstrang war ungesichert, das kam uns vor wie im Wilden Westen. Später vollzog der Weg eine Schleife weg von der Bahn, um gleich wieder zurück zu ihr halten. Wir tauften das Wegstück: Leistenbruch.
  • Im Stelzenhof auf dem Ottenberg assen wir und fanden es nicht besonders. Ich hatte Kalbsschnitzel an Morchelsauce. Das Schnitzel war länglich und schmal wie eine Schuhsohle und etwas zäh. Und die Morchelsauce morchelte nicht.
  • Einer der Bommer Weiher.
  • Die Bommer Weiher begeisterten uns. Herrlich still war es da. So still, dass wir hörten, wie es zu tröpfeln begann. Zeit, den Schritt zu beschleunigen. Unten in Kreuzlingen waren wir recht müde. Im Restaurant Bahnhof nahmen wir das Schlussbier und fuhren heim in den Rest des Wochenendes.

Sonntag, 22. März 2015

Drei Theorien zu Babs

Gestern wanderten wir und wurden vom Regen fast ganz verschont. Wir starteten in Kradolf, assen auf dem Ottenberg zu Mittag und beschlossen die Wanderung in Kreuzlingen. Mehr davon morgen - und heute zunächst dieser Schnappschuss:
Das Beizenschild in Sulgen fesselte mich augenblicklich; ich wusste nicht, wie den Beizennamen deuten. Es gibt mindestens drei Möglichkeiten.
  1. "Babs" könnte als Genitiv zum Nominativ "Babs" gemeint sein. Dann fehlt aber der Apostroph: "Babs' Türmli". Nicht ganz klar ist mir, ob man zu dem Nominativ "Babs" alternativ auch den Genitiv "Babsens" konstruieren kann; ich glaube schon. Wäre hübsch, aber natürlich länger: "Babsens Türmli". Ah ja, was ich zu sagen vergass: Das Wirtshaus hat eine Art Erker. Also ein Türmli.
  2. "Bab" heisst auf Arabisch "Tor" oder "Tür". "Das Türmli der Tür"? Irgendwie seltsam, da ich auch kein Stadttor sah. Und wieso sollte man ein solches Tor auf Arabisch übersetzen müssen? Wohnt hier ein Orientfan? Oder ein Araber, den sie "Tür" nennen?
  3. Vielleicht gibt es in Sulgen eine Frau namens Babs, die mit Nachnamen Türmli heisst. Dann hätte sie vielleicht zielgerichtet das Haus mit dem Türmli gekauft, um nun mit der Doppelung zu spielen.