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Donnerstag, 17. August 2017

Das edle Dutzend

In der Kirche auf Valère, einer Basilica minor.
Der Papst kann nicht nur Kirchenleute befördern, sondern auch Kirchen - indem er ihnen den Titel einer Basilica minor verleiht, einer "Kleineren Basilica". Kirchen, die irgendwie besonders wichtig waren oder sind, zum Beispiel punkto Glaubensverbreitung, können ernannt werden. Weltweit sind es über 1600, die den Titel tragen, 12 davon stehen in der Schweiz. Kürzlich in Sion besichtigten wir eine. Die Kirche auf dem Hügel Valère ist seit 30 Jahren eine Basilica minor. Dies sagt das Schild an der Fassade.
Das Ernennungsschild.

Mittwoch, 16. August 2017

Mein Totenreisli

Der Dolmen von Aesch wird durch ein Geländer geschützt.

Einer der Dolmen von Laufen.
Man darf einen Menschen durchaus als Morbidling bezeichnen, der durch die halbe Schweiz reist, um ein Grab zu besuchen, in dem kein Verwandter oder Bekannter liegt und auch kein Prominenter. So einer bin ich. Gestern fuhr ich nach Aesch BL und suchte dort den Dolmen im Gebiet Chlusböden westlich des Dorfs. Ein Dolmen ist ein prähistorisches Grab, das in der Regel eine ganze Sippe aufnahm, meist ist es gebaut aus Seitensteinen und einer Deckplatte. In Oberbipp und im Laténium bei Neuenburg hatte ich bereits Dolmen gesehen. Nun also der von Aesch. Er stammt wohl aus dem 3. Jahrtausend vor Christus, also aus der Jungsteinzeit, ist rechteckig, 2 1/2 auf 4 Meter, die Deckplatte fehlt, dafür war er sicher von einem Erdhügel bedeckt. Die Reste von 47 Skeletten fand man in ihm und dazu Beigaben für die Toten. - Nach gut anderthalb Stunden war ich wieder unten im Dorf und ganz schön verschwitzt, die Hitze setzte mir zu. Im Zug von Zürich nach Basel hatte ich aber gelesen, dass es in Laufen BL gleich zwei Dolmen des Typs von Aesch gibt. Das wiederum hielt mich davon ab, sofort heimzureisen und kalt zu duschen. Ich begab mich nach Laufen, durchquerte die Altstadt, fand nach dem nördlichen Stadttor linkerhand die Glasabdeckung über den zwei Dolmen - und war gleich wieder berührt. Dass Menschen vor Tausenden von Jahren schon Sorge zu ihren Toten trugen, bringt uns diese Menschen näher.

P.S. In Courgenay JU gäbe es die Pierre Percée, einen besonders markanten, vereinzelten Dolmenstein. Aber den hob ich mir für ein andermal auf. Für das nächste Totenreisli.

Dienstag, 15. August 2017

Südbündner Schönheit

Ist das die schönste Gebirgslandschaft der Schweiz? Wie gestern erzählt, nahm ich am Sonntag mit Freunden an einer Kunstführung im Gebiet Albigna teil. Bergell also, Südbünden. Wir fuhren per Seilbähnli von Pranzaira zum Albigna-Stausee hinauf, wanderten zur gleichnamigen Hütte, stiegen wieder hinab zur Bergstation. Lang war diese Wanderung nicht, etwas unter zwei Stunden reine Gehzeit. Aber das Auge, der Kopf, das Gemüt kamen aus dem Staunen nicht heraus.

Montag, 14. August 2017

Schräger Piaggio

Huch, hat sich da ein italienischer Gärtner oder Gemüsler verfahren? Natürlich nicht. Wie ginge das denn auch? Ein Helikopter trug den blauen Piaggio vor einiger Zeit auf 2100 Meter über Meer und seilte ihn ab zur Staumauer des Albignasees hoch über dem Talboden des Bergells; Arbeiter standen bereit und fixierten ihn. Es handelt sich um einen Beitrag zu Arte Albigna, einer Kunstaktion im Raum Albigna, die noch bis Ende September dauert. Ob es sinnvoll sei, im Gebirge nun auch noch Kunst zu installieren, und sei es auch auf begrenzte Zeit - darüber kann man diskutieren. Aber die Künstler haben es im verschärften Kampf um Aufmerksamkeit, immer neue Ausstellungsflächen und Spielräume sowie Sponsorengelder bekanntlich nicht leicht. Und Albigna ist von der Stromwirtschaft längst kolonisiert, unberührt ist die Natur dort nicht. Aus ökologischer Sicht ist die Sache jedenfalls nicht ganz unproblematisch: Warentransporte und so. Aber okay, ich will nicht puritanisch tun. Bleibt die Frage nach der Qualität der Kunst von Arte Albigna. Gestern Sonntag war ich an einer anderthalbstündigen Führung. Ich fand einiges gut und inspirierend. Manches schmerzhaft banal. Und eines grandios: den Piaggio an der Staumauer. Er stammt vom genialsten aller Kindsköpfe, Roman Signer.

Sonntag, 13. August 2017

Engadiner Seen von oben

Ist das Foto richtig platziert? Ich bin unterwegs, blogge im Hotel in Maloja auf dem iPhone, mit Fotos arbeiten ist ein Problem. Aber jedenfalls wurde dieses gestern mittag auf dem Piz Nair aufgenommen, einem per Seilbahn erschlossenen Dreitausender über Sankt Moritz, als eben das Wetter kehrte. Zuvor hatte es geschneit, nun kam die Sonne. Das Foto zeigt den Silvaplanersee sowie den See von Champfèr. Heute nun geht es den Malojapass hinab. Mehr darüber bald. Schönen Sonntag!

Samstag, 12. August 2017

Der Maschinengewehrschütze vom Crestawald

Festungsmuseum Crestawald bei Sufers GR: Soldat am MG.
Fahne und Hellebarde als Schmuck: in der Offiziersmesse.
Als ich am Mittwoch von Sufers Richtung Rofflaschlucht wanderte, passierte ich nach 30 Minuten im Crestawald ein Geschützrohr, das aus der aufgemauerten Felswand im Hang ragte. Kurz darauf ein Schild: Festungsmuseum. Die Festung Crestawald war Teil eines grösseren Abwehrdispositivs bei Sufers. Im Juni 1941 bezogen 95 Mann die Räume unter Tag, deren Bau knapp zwei Jahre zuvor begonnen worden war. Bis 1995 lief der Betrieb, dann wurde die Festung aufgehoben, 2000 fiel die Geheimhaltung. Heute kümmert sich ein Verein um die Anlage, die mittlerweile ein Museum ist. Ich hatte Glück, das Museum war offen, als ich vorbeiwanderte. Im Inneren war ich fasziniert, überwältigt, ergriffen angesichts der endlosen Gänge auf mehreren Etagen: Was war das für ein Leben im Berg zwischen den Geschützständen, dem Maschinenraum, den Kajütenbett-Schlafräumen, der Funknische, dem Munitionsmagazin, dem Soldatenstübli und der Totenkammer? Die Männer, die hier während der Kriegszeit Dienst taten, hatten es in der Tat hart. Dass der Feind nicht kam - wir wissen es heute. Aber damals war die Bedrohung samt Gefühlen von Angst und Beklemmung täglich Realität.
Eine der vielen Treppen.

Freitag, 11. August 2017

Bico-flex-Moos

Sufers war gestern um 10 besonnt. Aus Südwest drückte das schlechte Wetter.
Strassenschleife bei der Rofflaschlucht.
Kann man in meinem Fall von Fernweh reden, oder ist es eher Nahweh? Jedenfalls verspürte ich gestern früh um 5 Uhr 10, während ich meinen Schwarztee trank, schon wieder dieses Reissen. Ich öffnete im Internet das Niederschlagsradar, schaute mir den prognostizierten Zug der Regenfronten über das Land für die nächsten Stunden genau an und befand, dass es am Hinterrhein noch bis mindestens zwei Uhr nachmittags trocken bleiben würde. Um zehn Uhr war ich in Sufers und startete. Drei Stunden später endete meine Wanderung beim Rofflaschlucht-Gasthaus. In der Tat hatte es in dieser Zeit nicht geregnet, nur kurz einmal getröpfelt, und es hatte sich gar immer wieder die Sonne gezeigt. Der Weg, Teil der Via Spluga, ist herrlich, ich empfehle ihn allen. Es ging auf und ab, ich sah Strassenbauten und -brücken aller Art, ich wanderte auf Moos so weich wie eine Bico-flex-Matratze, auf Natursträsschen, auf Waldboden, auf Wiesengrund, auf kunstvoll arrangierten Steintreppen und auf Holzstegen und auf Gitterrosten und einmal sogar auf dem Dach einer Autobahn-Galerie. Der Regen ereilte mich schliesslich während der Heimreise in der Gegend von Domat/Ems.
Sauber gebaut, schön vermoost.