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Samstag, 23. Juli 2016

Einmal traurig, einmal froh

Heute ein Name: Jürg Frischknecht. Er ist diese Woche verstorben, mit 69 Jahren, an Krebs. Immer wieder erstaunte mich seine Berufsbiografie: diese Zweiteilung! Einerseits war er ein politischer Journalist, hatte einst den Zürcher Linken-Fichierer Ernst Cincera auffliegen lassen, schrieb mit am Standardwerk "Die unheimlichen Patrioten". Und anderseits war derselbe Frischknecht ein Wanderautor von unglaublicher Energie und Zähigkeit, der mit seiner Partnerin Ursula Bauer immer neue Regionen dokumentierte, am liebsten solche am Rand unseres Landes oder ennet der Grenze - Wahnsinn, was in diesen Büchern aus dem Rotpunkt Verlag an Recherche und Wissen steckte. Exakt darin löste sich der vermeintliche Widerspruch der zwei Existenzen auf: in den mit grösster Akribie zusammengetragenen Fakten waren beide Frischknechts ein und dieselbe Person. Die Todesnachricht berührt mich auch darum, weil Jürg Frischknecht Ausserrhoder war wie ich, er wurde 1947 in Herisau geboren. Hier geht es zu einem knappen, aber guten Nachruf.

Und jetzt noch etwas Erfreuliches. Aber nur in aller Kürze, weil ich nämlich später mehr bringen will. Wanderfreund René P. Moor hat geliefert. Bzw. hat sein Verlag ausgeliefert, der Bergverlag Rother. Ich rede von Renés beeindruckend dicht bepacktem, punkto Routen wunderbar originellem, splendid bebildertem Wanderbuch "Rund um Zürich" (der Mann kann echt fotografieren); jetzt liegt das Buch vor. Wie gesagt, ich werde irgendwann demnächst mehr Worte verlieren. Vorerst einfach dieser imperativische Rat: Kaufen, Leute, kaufen! Ah ja, gestern hat René übrigens über sich, mich und das Buch gebloggt.

Freitag, 22. Juli 2016

Bündner Urgeografie

Das Landwasser bei Davos-Islen. (Wikicomm./ Adrian Michael)
Der war mal viel grösser: Davosersee.
Kürzlich las ich über die Landschaft Davos dies: Das Landwasser floss in sehr alter Zeit nicht Richtung Filisur, sondern strömte in umgekehrter Richtung zum Prätttigau hin. Ein Bergsturz von der Totalp schnitt ihm dann in der Späteisenzeit beim Wolfgang den Weg ab und staute einen See auf, der sich von dort durch die ganze Landschaft nach Monstein zog. Das Wasser bahnte sich in der Folge überlaufend einen Weg zur Albula hin und fliesst seither nach Filisur hinab. So gilt auch in diesem Fall die gute alte Sentenz: Nichts war immer so und nichts wird immer so sein, wie es heute ist.

PS: Der Davosersee ist übrigens der Rest jenes prähistorischen Sees, der ungleich grösser war. Aber Windsurfer hatte es auf dem Urgewässer noch keine.

Donnerstag, 21. Juli 2016

Heiss

Das war fast am Schluss: Der Parsenn-Panoramaweg und hinten das Schiahorn.
Drei Minuten später: Das Standseilbähnli auf das Weissfluhjoch.
Die luftige Mitte meiner Strecke.
Es war heiss gestern. Als ich um neun Uhr auf dem Gotschnagrat hoch über Klosters der Seilbahn entstieg, merkte ich, dass ich den Faserpelz hätte zuhause lassen können. Die ganze folgende Strecke via Parsennhütte zur Station Höhenweg der Weissfluhjoch-Standseilbahn, der Panoramaweg, liegt auf über 2200 Metern, schmachten musste ich nicht. Aber ich vermisste doch einen erfrischenden Wind. In derselben Seilbahn war von Klosters eine junge Deutsche mit ihrem Hund hochgefahren. Dieser, ein Golden Retriever, warf sich oben auf das erste verfügbare Schneefeld, wälzte sich, frass Schnee und war fast nicht mehr von der kühlenden Fläche loszubringen. Wie heiss der Tag wirklich war, zeigte sich auf der Heimfahrt. Der Zug Landquart - Zürich, eine Ersatzkomposition, war unklimatisiert. Es gab Leute, die drehten im stickigen Waggon fast durch. Doch, es war heiss gestern.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Höremer

Das las ich gestern im Zürcher Unterländer und freute mich. Ein Höremer - das ist ein Einwohner der Gemeinde Höri, die aus den Teilen Oberhöri, Niederhöri und Endhöri besteht. Toll, wieder mal ein Wort für meine Sammlung von Ortsadjektiven.

Dienstag, 19. Juli 2016

Gartenbeiz und alte Römer

Unser Tisch. Rechts etwas verdeckt,
gelbes Etikett, das Centum Pratum.
Sucht jemand eine schöne Gartenbeiz? Ich empfehle die Schüür in Kempraten. Nur schon des Schattens der Nussbäume wegen. Dazu kommt eine Auswahl von über 100 Bieren, auch die Wurstkultur ist deutlich besser entwickelt als in irgendwelchen 08/15-Gärten. Als wir eben in der Schüür einkehrten, hatte ich eine Olmabratwurst. Sowie ein Lagerbier namens Centum Prata. Geschichtsbewusst die Leute, die es benannten. Übersetzt heisst das "Hundert Wiesen", die gleichnamige Römersiedlung gab Kempraten, heute ein Teil von Rapperswil-Jona, den Namen.

Montag, 18. Juli 2016

Ein guter Tag im Berner Jura

Der mittelalterliche Rillenweg kurz vor La Tanne.
Die Samstagswanderung von Tavannes über La Tanne nach Tramelan (2 1/2 Stunden) war besonders schön. Lags an der Sonne, die das erste Mal nach kalten und nassen Tagen wieder schien? An der Bise, die es nicht zu heiss werden liess? Am Plateau, auf dem die Wandernden näher am Himmel waren? Oder am hervorragenden Essen im zufällig gefundenen Restaurant Union am Schluss (Foie Gras, Poulet Jaune aux Morilles, heisse Schoggichüechli, Damassine und Kaffee)? Keine Ahnung - es war einfach ein guter Tag. Gesondert erwähnt werden muss die eine, gute 250 Meter lange Wegstelle kurz vor dem höchsten Punkt in La Tanne. Der Abschnitt ist eine voie à rainures, ein Rillenweg. Vermutlich im 15. Jahrhundert wurde eine Art Schienen in den Kalkstein eingetieft, für die Ochsenkarren. Zwischen den Schienen sieht man Stufen, die hilfreich für Mensch und Tier waren; das Gelände ist ziemlich feucht und rutschig.
Der Regen ist vorbei, die Sonne herrscht: auf dem Plateau von La Tanne.

Sonntag, 17. Juli 2016

Ralphs Gaden

Schön, oder? Diesen stilvoll umgerüsteten Gaden kann man ganzjährig mieten, er liegt oberhalb Ebnat-Kappel und bietet, so Besitzer Ralph Brühwiler, eine traumhafte Aussicht übers Toggenburg und den Alpstein. Der Gaden umfasst drei Räume, es hat in ihm vier Betten für Erwachsene und zwei Kajütenbetten, geheizt wird mit dem modernen Holzofen, es gibt ein WC und eine Badewanne, das Wasser holt man am Brunnen, Licht kommt zustande durchs Solarpanel. Ralph stellt sich einen monatlichen Mietzins von 600 Franken vor, den sich zwei Partien teilen - und weil wir erstens befreundet sind und ich zweitens die Gegend grossartig finde, gebe ich dieses Angebot hier gern weiter. Unter Tel 071 993 93 33 oder 079 447 87 77 kann man sich melden.