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Freitag, 25. Juli 2014

Roland Fogg-Studer

Jules Vernes Gentleman-Held Phileas Fogg reiste in 80 Tagen um die Welt. Der Journalist Roland Studer schlägt diese Woche in der Schweizer Familie ein ähnliches Unterfangen für unser Land vor: "In 50 Etappen durch die Schweiz". Der Kauf des Heftes lohnt. Es ist unter diesen Reisestationen natürlich viel Bekanntes. Aber durchaus auch Unbekanntes - man schaue und lasse sich inspirieren. Ich zum Beispiel hatte vorher nie von der Maison d'Ailleurs in Yverdon gehört, einem Museum für Science Fiction und andere Utopien. Da will ich bald mal hin; Aliens, ich komme!

Donnerstag, 24. Juli 2014

Bickels heiliger Bezirk

Gestern eine nur knapp zweistündige Wanderung - die aber eine tiefe, schmerzlich empfundene Bildungslücke schloss; schon lange hatte ich das Paxmal besuchen wollen. Ich nahm den Bus hinauf zur Rehaklinik Walenstadtberg, stieg von dort 350 Höhenmeter auf; alles Asphalt, auch hinab wieder. Oben auf einer Geländeterrasse vor der imposanten Kulisse des Churfirsten-Gipfels Brisi besagtes Paxmal. Also ein Friedensmonument. Geschaffen hat es der Künstler Karl Bickel. Er musste 1913 auf den Berg, weil er Tuberkulose hatte. Sein Heilaufenthalt dauerte länger als ein Jahr, und die Landschaft, der er begegnete, inspirierte ihn. So schuf er zwischen 1924 und 1949 eine Art dorischen Tempel, an dem allerlei Fresken das Sein des Menschen und seiner Umwelt zeigen. Fand ich das Paxmal schön? Nicht wirklich; mich erinnerte es an den Totentempel der Hatschepsut nah Luxor. Aber eindrücklich ist die ummauerte Anlage bei aller Plumpheit der Säulen. Oder gerade deswegen. Mir fiel ein Wort ein, das ich einst in der Kanti Trogen im Altgriechisch-Unterricht gelernt hatte: temenos von temno gleich "schneiden". Der Temenos ist das Abgeschnittene. Der abgetrennte Heilige Bezirk. Bickels Tempel.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Aargauer Traum

Der Moor (l.) mit mir. Aber nicht im
Aargau, sondern im Solothurnischen.
Mein gewitzter Wanderfreund René P. Moor legt ein neues Buch vor. Der Titel sagt es, "Aargau rundum" schildert eine Serie von Wanderungen entlang der Kantonsgrenze. Man liest das gern, Renés Geschichten sind amüsant im Grossen wie im Kleinen. Und unterhaltsam. Die Servierfrau im Restaurant in Reitnau hat "Fingernägel so lang wie eine Dessertgabel".  Der Lokführer der Stadtbahn Zug lässt René bei sich im Flirt-Führerstand mitfahren. Bei Jonen hat der Waldbach Hochwasser, seine hellbraune Farbe inmitten des Waldgrüns erinnert "an Bilder aus dem Amazonas-Becken". Der Käse "Aargauer Traum" gemahnt an Appenzeller, wird ja aber auch von einem Käser namens Brülisauer hergestellt. Immer wieder gerät die Unternehmung zum Abenteuer und zur Strapaze. Etwa im Aufstieg zum Hersberger Plateau durch brutal dichtes Stechlaub. Wer den Aargau umkreist, kann etwas erleben.

Dienstag, 22. Juli 2014

Die sechs Toten von Saint-Gingolph (F)

Eine erschütternde Geschichte aus dem Jahr 1944 las ich gestern in der NZZ. Sie spielt in Saint-Gingolph am Genfersee, einem schweizerisch-französischen Grenzdorf. Am 22. Juli kommt es auf französischem Boden zu einer Schiesserei zwischen Résistance-Kämpfern und einer deutschen Patrouille, ein deutscher Soldat und eine unbeteiligte Frau sterben. Es ist klar, dass die Deutschen brutal zurückschlagen werden. Der Präsident der Schweizer Gemeinde Saint-Gingolph verhandelt mit dem deutschen kommandierenden Offizier und erreicht immerhin, dass die Kirche, die zwar in Frankreich steht, aber beiden Gemeinden gehört, verschont wird, zusammen mit dem unteren, schweizerischen Dorfteil. Im Übrigen habe er den Befehl erhalten, das Dorf dem Erdboden gleichzumachen, sagt der Offizier. Am 23. trifft die SS ein, glücklicherweise sind Frauen und Kinder da schon in die Schweiz geflohen, der Schweizer Grenzposten hat spontan die Schranke geöffnet. Der obere Dorfteil wird in Brand gesetzt, am Schluss brennen 80 Gebäude nieder. Die sechs Menschen, die nicht vor den Deutschen geflohen sind, werden exekutiert, darunter der Pfarrer. Soweit die traurige Begebenheit aus dem schönen Dorf am See.

Montag, 21. Juli 2014

Der Citrotag

Unterwegs zum Wannentritt.
Am Samstag wanderten wir vom Stoos via Rinderchruteren und Alp Laubgarten zum Wannentritt, unserem höchsten Punkt. Dann gings abwärts: Höchi, Riemenstalden, Riedberg, Sisikon. Das dauerte fünf Stunden (410 Meter aufwärts, 1250 abwärts). Unten war ich fertig. Vermutlich wegen der Hitze, ich brauchte drei eisgekühlte Fünf-Dezi-Citro, bis ich vom Seufz- und Stöhnmodus wieder in eine normale Gesellschaftsfähigkeit mit Sprechen, Lächeln und dergleichen wechseln konnte. Ein paar Beobachtungen zu der unglaublich schönen Route:
Wilder Steig zwischen Riedberg und Sisikon.
  • Bei der Talstation der Stoosbahn bildeten sich zwei Schlangen. Unsere war viel kürzer. Wir merkten bald, wieso. Zwei junge Frauen vor uns waren weniger darauf aus, ein Billett zu lösen als vielmehr eine Freizeit- und Lebensberatung einzufordern. Sie studierten Prospekte, diskutierten fröhlich untereinander, die Frau hinter dem Schalter beriet geduldig. Zu geduldig. Als sich das Zauderduo endlich entschieden hatte, zahlte natürlich jede einzeln. Mit der Karte.
  • Auf dem Stoos suchten wir vergeblich unsere Destination "Wannentritt". Statt dessen ein Schild, das Orientierung 100 Meter weiter vorn versprach. Dort aber auch kein zentraler Wanderwegweiser. Der kam erst viel weiter oben.
  • Nach dem Wannentritt erreichten wir die Höchi mit der Alp Goldplangg. Wir kehrten ein, tranken. Das Ehepaar, das dort sommers wirkt, heisst Schelbert-Betschart. Muotataliger kann man nicht heissen. Oder doch? Föhn-Gwerder eventuell.
  • Sofort nach der Höchi riefen wir hinab nach Riemenstalden ins Restaurant Kaiserstock an, ob wir zu fünft um 13 Uhr 15 essen könnten? Eine Frau mit dünner Stimme sagte, neineinei, das gehe also gar nicht, es sei alles voll und ausgebucht, Bankett. Wir waren betrübt, wanderten weiter, kamen nach Riemenstalden, schauten ins Restaurant. Es war draussen zu drei Vierteln und drinnen halb voll. Wir setzten uns im Holzsektor, verlangten die Speisekarte, bestellten, assen; die Serviererin war freundlich, der Schnipoteller sehr, sehr fein. Vielleicht sollten die jemand anderes ans Telefon abdeputieren.
  • Ein prickelndes Vergnügen ist der steile Waldweg vom Riedberg hinab nach Sisikon, den ich schon kannte; man geht hoch über dem Tobel des Riemenstaldner Baches auf einem alten Steig. Zwei Dinge ärgerten uns: Erstens hatte ein Schafbauer einen Hag über den Wanderweg gezogen. Und ziemlich weit unten verkündete ein Schild, der Weg sei gesperrt. Wäre es nicht möglich, so etwas oben und unten anzuschreiben dort, wo man in den Weg einsteigt, liebe Wanderweg-Unterhalter? Wir gingen trotz des Schildes weiter, da war ein kleiner Hangrutsch, kein gröberes Problem. Bald darauf kam Sisikon, und ich trank Citro, Citro, Citro.
  • Auf dem Heimweg nahmen wir von Arth-Goldau nach Zürich den Cisalpino. Im Speisewagen stank es bestialisch nach WC. Eine müde Kellnerin servierte im Schneckentempo. Und natürlich kam eine Durchsage, die eine Zugtüre funktioniere nicht, es werde Verspätung geben. Irgendwie war das gut, unsere Bierzeit wurde verlängert.
    Und es war Sommer: K. am Bahnhof von Sisikon.

Sonntag, 20. Juli 2014

Fett und frei

Kürzlich fotografierte ich im Untergeschoss des Luzerner Bahnhofs diesen Stand. Wieder einmal ein Beleg dafür, dass das Englische immer mehr zu einer Sprache wird, die die Wörter unverbunden nebeneinander stellt, was Sprachwissenschaftlier "isolierend" nennen. In diesem Beispiel fehlt der helfende Bindestrich - ich las zuerst: Fettes freies gefrorenes Joghurt.

PS: Zeit zum Lesen? Hier meine gestern erschienene Reportage aus Hinterkappelen BE. Ich besuchte Ueli Ramseier. Er ist der Pionier eines interessanten Projekts: Seidenkrawatten produzieren, die ganz in der Schweiz gefertigt sind, vom Maulbeerbaum über die Raupe bis zur Verwebung.

Samstag, 19. Juli 2014

Man will ja nicht kollabieren

Heute wird es über 30 Grad heiss. Wir fahren mit der Standseilbahn auf den Stoos und ziehen über den Wannentritt hinüber ins Riemenstaldner Tälchen. Das bedeutet, dass wir aufwärts nicht mehr als 500 Höhenmeter machen müssen. Man will ja nicht, dass womöglich einer oder eine kollabiert. Oder gar man selber.

PS: Ich berichtete letztes Jahr über die entstehende Alpkäserei auf dem Urnerboden. Mittlerweile ist sie eröffnet worden, man käst. Das las ich gestern in der NZZ.