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Dienstag, 24. Mai 2016

Solare Fehlkalkulation

Als wir am Samstag per Zug von Bad Ragaz zurück nach Zürich fuhren, sagte eine meiner Begleiterinnen auf der Höhe von Mühlehorn: "Bauen sie jetzt eigentlich diese Solaranlage?" Sie meinte die Solaranlage im Steinbruch Schnür gegenüber, am Nordufer des Walensees. Zwei Tage später schlug ich die Zeitung auf und las, dass das Projekt gerade einen herben Rückschlag erlitten hat. Das Argument der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich für ein Solarkraftwerk an dieser Stelle war, dass dort nicht nur die Sonne stark einstrahlt; nein, der See reflektiere zusätzlich die Sonnenstrahlen, so dass man besonders viel Energie erzeugen könne. Nun aber, so gestern der Artikel, zeigen Berechnungen: Das mit dem See stimmt so nicht, es resultiert wegen des Wassers kaum zusätzliche Sonnenkraft. Deswegen müssen die EKZ nun über die Bücher. Und die Naturschützer, die das Projekt bekämpfen, sind freudig erregt.

Montag, 23. Mai 2016

Ein wässriger Samstag

Das alte Bad Pfäfers im untersten Tobelabschnitt der Tamina, dem Badtobel.
August von Platen und Nikolaus
Lenau zählten zu den Gästen des Bades.
Das war schön am Samstag. Dass wir die Thermalquelle im Badtobel bei Bad Ragaz besuchten, habe ich im gestrigen Eintrag erwähnt; muss man machen, ich sah sie das letzte Mal auf einer Schulreise, an die ich mich kaum noch erinnere. Hier nun der Überblick über die ganze Unternehmung, die mir grossen Spass machte. Die Route war leicht, reine Gehzeit drei Stunden: Bad Ragaz, SBB - Dorf - Badtobel - altes Bad Pfäfers - Besichtigung der Thermalquelle - Bad Pfäfers - Naturbrücke - Valens. Aber die Route war auch abwechslungsreich, so dass ich am Ende vermeinte, wir seien doppelt so lang unterwegs gewesen. Einige markante Momente dieser Unternehmung im Zeichen des Wassers:
Bodenwanne aus dem 19. Jh.
  • Bald nach dem Start am Bahnhof Bad Ragaz sahen wir hoch über dem Dorf die Statue Cristo Redentor. Sie ist eine Kopie der berühmten Figur von Rio de Janeiro, 11 Meter hoch, 2,4 Tonnen schwer und Teil einer Skulpturenausstellung. Mittlerweile wollen die in Bad Ragaz die Statue nicht mehr hergeben, die segnend die Arme ausbreitet.
  • Am Schwattenfallbrunnen kosteten wir nach einer guten Wanderstunde zum ersten Mal Thermalwasser. 
  • Im gediegenen Speisesaal des alten Bades Pfäfers nahmen wir Kaffee und Kuchen. Berühmte Männer schauten auf uns herab, "Lederstrumpf"-Verfasser James Fenimore Cooper, die Dichter Nikolaus Lenau, August Graf von Platen und Rainer Maria Rilke, der Staatsmann und Historiker Aegidius Tschudi. Sie und viele mehr badeten hier einst. Ah ja, der Zwingli war auch einer von ihnen.
  • Im klosterartigen Gebäude des Bades, halb Hotel, halb Museum, stiegen wir ins zweite Untergeschoss, wo gekachelte Wannen aus dem 19. Jahrhundert in den Boden eingelassen waren. Klamm war es da unten.
  • Danach fassten wir alle ein Plastikmänteli, warfen fünf Franken ins Drehkreuz, betraten den touristisch hergerichteten Teil der Schlucht und gingen zur Quelle. Es prasselte wild auf unsere Köpfe. Und dann wurde es nach zehn Minuten, als wir in einem Stollen gingen, immer wärmer: das heisse Wasser eben. Meine Brille beschlug, die Kameralinse auch, so dass ich von der Quelle kein Foto machen konnte. Sie sprudelte in Reichweite, war aber mit einem Glas vor menschlichem Zugriff geschützt, aus hygienischen Gründen.
  • Im Aufstieg nach Valens machten wir den Abstecher zur Naturbrücke, einem Ort direkt über der Quelle. Felsbrocken und Geröll verschütteten einst in der Vorgeschichte an dieser Stelle den Lauf der Tamina und schufen einen natürlichen Übergang.
  • Kurz vor Valens kamen wir ins Sonnenlicht und beendeten das Abenteuer bald bei Bauernwurst, Speck und dergleichen auf der Terrasse des Restaurants Klosterhof.
    Das Plastikmänteli war sehr nötig: Am Eingang zur Thermalquelle.

Sonntag, 22. Mai 2016

Drei epochale Röhren

Gestern beim Bad Pfäfers unweit der Thermalquelle.
Die erste Leitung von 1840.
Gestern wanderten wir von Bad Ragaz durch das Badtobel zum alten Bad Pfäfers und besichtigten - nach dem Gang durch Stollen und über Stege die Tamina entlang - die Quelle, aus der jeden Tag gut sieben bis zehn Millionen Liter heisses Wasser sprudeln. Am 31. Mai des Jahres 1840 läuteten in Ragaz, das sich später "Bad Ragaz" nannte, die Kirchenglocken, Böllerschüsse krachten, Freude herrschte: Das Unterfangen war vollbracht, dies Quellwasser über fast fünf Kilometer durch das Badtobel hinab ins Dorf zu leiten; so begann dessen Aufstieg zum international beachteten Kurort. Bei der Quelle sind kurze Stücke der drei Leitungsgenerationen seit 1840 ausgestellt:
  1. Die Pionierleitung nach Ragaz war aus Holzröhren zusammengesetzt.
  2. Die Leitung von 1961 bestand aus Eternit und hatte eine Korkdämmung.
  3. Letztes Jahr kam Leitung Nr. drei aus Polyethylen, man rechnet, dass sie bei Kosten von fünf Millionen Franken wieder gut 50 Jahre halten wird.
    Leitung Nr. 2, 1961.
    Leitung Nr. 3, 2015.

Samstag, 21. Mai 2016

Chronischer Rülpser


Heute geht es ins Taminatal bei Bad Ragaz. Als ich auf der Karte die nähere Umgebung ein wenig studierte, musste ich lachen: Der  Bach, der vom Kunkelspass hinab nach Vättis und in die Tamina fliesst, heisst nämlich: Görbsbach. Wobei der Name durchaus nachvollziehbar ist: Dass ein Bach leise oder laut rülpst, ergibt Sinn. Weiter unten, zwischen Vättis und Mapragg, hatten die Namensgeber weniger poetisches Sensorium. Hatten sie gar schlechte Laune? Der Bach, der dort in den Mapragg-Stausee mündet, heisst: Bschissnebach.

Freitag, 20. Mai 2016

Mütt macht müd

Aus heutiger Sicht kurios, dass man das Baujahr eines Hauses erläutert, indem man den Getreidepreis vorbringt. Zwei Dinge muss man dazu bedenken. Erstens war Nahrung im Ancien Régime viel teurer und frass einen viel grösseren Anteil des Haushaltsbudgets weg als heute. Und zweitens kam es regelmässig zu Versorgungskrisen; das Überleben der einfachen Leute hing davon ab, dass genug Getreide usw. zur Verfügung stand Ich fotografierte die Inschrift vor einiger Zeit an der Wand eines Speichers im Zürcher Weinland. Ein Mütt ist eines dieser nach Gegend notorisch schwankenden Masse von einst. Es entsprach - theoretisch - einer Mannslast, also dem Gewicht eines Sackes, den ein Mann zu tragen vermochte. Im Mittelland waren das zwischen 65 und 108 Kilo, in Bern und Solothurn um die 160 und im Bündnerland gar bis zu 185 Kilo. Ich bekomme grad Rückenweh, während ich das schreibe. Noch ein Wort, das erklärt gehört: "Kernen" sind entspelztes Korn.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Die Candrians

Anton Bon, Hotelpionier.
(Wikicommons)
Schon mal in Zürich im HB im Nordsee Scholle gegessen oder im Fédéral ein Bier getrunken? Oder in der Brasserie Lipp eingekehrt, im Clouds Kitchen, in der Jules-Verne-Bar? All diese Lokale und gut 40 mehr werden von der Candrian Catering AG betrieben - der Name Candrian steht für eine Schweizer Gastrodynastie. Sie begann mit Anton Bon, 1854 in Bad Ragaz geboren; er baute das Luxushotel Suvretta House und das Parkhotel Vitznau und... ich habe darüber einen Artikel geschrieben, der gestern erschien. Ein Porträt von Martin Candrian, 70-jährig. Er präsidiert den Verwaltungsrat des Unternehmens und repräsentiert die vierte Generation der Familie. Bereits hat die fünfte Generation zum Teil übernommen: Sein Sohn Reto ist Geschäftsführer.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Dös yür dög bäit?


Wir Wanderer bekommen es ja regelmässig mit Hunden zu tun. Mit lieben. Und mit bösen. Zur Erheiterung ein Sketch mit Peter Sellers in der Rolle des vertrottelten Inspektors Clouseau in der Filmreihe "Der rosarote Panther".