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Mittwoch, 21. August 2019

Recycling in der Steinzeit



 Mitten in Sion liegt in einem Teilabschnitt der Avenue du Petit-Chasseur eine steinzeitliche Nekropole. Eine grosse Begräbnisstätte  Manches davon ist überbaut und für immer verloren, anderes wurde ausgegraben. Im Landesmuseum Zürich stiess ich kürzlich auf diesen Petit-Chasseur-Stein. Dargestellt ist ein Mann, gegürtet, bewaffnet mit einem Pfeilbogen und in ein gemustertes Gewand gekleidet. War er ein verehrter Vorfahr der Damaligen, ein Anführer, eine Gottheit? Die Stele stammt aus der Zeit von 3000 bis 2500 vor Christus. Später, immer noch in der Prähistorie, wurde sie von Menschen, denen der Kult um sie offenbar nichts mehr bedeutete, zu einer Grabplatte umfunktioniert. Recycling gibts seit Anbeginn der Zeiten.

PS: Die Nekropole Petit-Chasseur kommt in meinem Buch Hundertundein Stein vor, das im Frühling erschienen ist.

Dienstag, 20. August 2019

Ein unwichtiger Pass

Das Foto zum Wanderstart. Den Gigerwaldsee erreicht man per Bus ab Bad Ragaz.

Tunnel auf dem Weg nach St. Martin.
Bedeutend war er wohl nie, der Heidelpass. Er ist äusserst ruppig und also keine klassische Säumerroute. Und die beiden Dörfer, die er verbindet, also Vättis und Weisstannen, sind zwar herzig, doch nicht bekannt als Produktionsort exklusiver Güter, die es im Handel auf die jeweils andere, sie benötigende Seite zu tragen galt. Am Samstag machten wir den Heidelpass, starteten bei der Bushaltestelle am Ostende des Gigerwald-Stausees oberhalb Vättis, gingen auf dem Fahrsträsschen nach St. Martin an der Westspitze des Sees, stiegen auf zur Passhöhe, machten uns nach der Rast an den langen Abstieg via Alp Valtüsch und Batöni nach Weisstannen. Mit 1160 Höhenmetern aufwärts und 1520 abwärts sowie einer Gehdauer von fast sieben Stunden war dies eine anstrengende Unternehmung, die ich gestern noch in den Knochen spürte. Doch was wir sahen, die einsame Berglandschaft, die vergletscherten Partien am Sardona, der Gigerwaldsee aus der Heliperspektive, die endlosen Zacken Richtung Lavtinasattel und Pizol, der Wasserfallkessel von Batöni: Das Spektakel entschädigte für die Strapaze. Der Heidelpass ist unwichtig. Und grandios.

PS: In Weisstannen komme ich immer gern an. Weil es dort die Gemse gibt. Auch diesmal wurden wir im Restaurant freundlich und flink versorgt. Ich hatte ein vorzügliches Schnitzel mit Pommes Frites.
Aufstieg zum Heidelpass, tief unten der Gigerwaldsee, wo wir begannen.
Kurz vor der Alp Valtüsch. Durch den Einschnitt (r.) geht es hinab nach Batöni.
Die Bergkette hinten ist die Verlängerung der Churfirsten Richtung Osten.

Montag, 19. August 2019

St. Galler Schönheitsverschwendung

Batöni, von links nach rechts: Piltschinabachfall, Sässbachfall, Muttenbachfall.
Der Muttenbachfall.
Zwischen Alp Valtüsch und Batöni.
Unter dem gesicherten Pfad geht es bös in die Tiefe.
Batöni ist kein ungarischer Adelsname, sondern ein Ort im Kanton St. Gallen auf 1540 Metern, ein Felskessel; man erreicht ihn von Weisstannen aus in knapp zwei Stunden Aufstieg am wilden Gufelbach. Noch schöner wirkt Batöni, wenn man von oben kommt, von der Alp Valtüsch und vom Heidelpass her, wie wir, mein Grüppli und ich, das am Samstag taten. Schmal der Pfad die Felsklus hinab, abenteuerlich, atemberaubend. Und dann diese drei Wasserfälle, an denen man sich gar nicht sattsehen kann, Batöni wird auch "Wasserfall-Arena" genannt. Später, auf der Heimfahrt, im Zug, dachte ich: Kann es sein, dass diese Wasserfälle auch nachts in Betrieb sind? Wenn kein Mensch sie geniessen kann? Ist das nicht eine ungeheuerliche Verschwendung an Schönheit?
Gut gelaunter Blogger Widmer auf der Hängebrücke von Batöni. Die ist noch ziemlich neu.

Sonntag, 18. August 2019

Ewiges Leben für Georg Jeger

Das Sertig ist ein Höhental bei Davos, es kam kürzlich hier vor, sein Name wird auf der zweiten Silbe, auf dem I, betont. Etwas südlich des Weilers Sertig Dörfli erhebt sich der Berg Jöri Jegersch Nase. Sprachlich ist das eindeutig Walserdeutsch mit dem Genitiv auf -sch, der die Herkunft des Flurnamens aus dem Oberwallis verrät - die Walser waren Siedler, die von dort auszogen, um in anderen Alpengegenden, darunter auch in der Landschaft Davos, ein neues Leben anzufangen. Würde einen wundern, wer wohl der Georg ("Jöri" ist die Koseform) Jeger oder Jäger war, der in diesem Felsgebilde weiterlebt.

Samstag, 17. August 2019

Zweimal Och

Es regnet. Da trägt die Wanderin eine Regenjacke. Die sie
irgendwo gekauft hat. Bei Och zum Beispiel.
Och ist ein grosses, traditionelles Sportartikel-Geschäft in Zürich. Gestern war im Tagi ein Interview mit dem Geschäftsführer Roman Oberholzer, in dem er unverblümt aussprach, was seine Branche und ihn beschäftigt und besorgt. Vor allem ist es ... der Klimawandel. Oberholzer sagt in dem Gespräch, das man hier ganz lesen kann (wenn man Abonnent ist oder einen Tagespass löst):
"Wir sind Anhänger der vier Jahreszeiten, damit unsere Kunden auch vier, fünf Teile tragen - und nicht einfach nur zwei, weil es meist warm ist. Sonst bricht uns in der Übergangszeit das modische Geschäft weg. Entsprechend litt dieses zuletzt."
PS: Eine assoziative Frage: Kennt jemand Armin Och? Ob er mit dem Sportgeschäft zu tun hat, weiss ich nicht. Aber jedenfalls stammt er, Jahrgang 1934, aus Zürich. Er schrieb den Wirtschafts-Thriller "Zürich Paradeplatz", der 1976 erschien - meiner Meinung nach ist dies einer der besten Schweizer Spannungsromane.

Freitag, 16. August 2019

Gürgaletsch, was für ein Name!

Rückblick zum Sattel (unten rechts), wo der Gürgaletsch-Gratweg beginnt.

Gürgaletsch voraus!
Es dauerte, bis ich auf dem Grat stand und also das letzte Stück auf dem Weg zum Gipfel des Gürgaletsch vor mir hatte. Gürgaletsch? Was für ein Name! So heisst der Hausberg von Tschiertschen; in jenem Dorf hoch über der Plessur war ich gestartet. Besagter Gratweg schenkte mir eine grosszügige Portion Aussicht, ich sah einen Teil der Stadt Chur, den Heidsee auf der Lenzerheide und so viele Berge, dass ich sie hier gar nicht aufzählen mag. Ich kann den Gürgaletsch, 2441 Meter über Meer, allen nur empfehlen, übrigens schätzen ihn auch die Kühe, die bis ganz oben an seinen Hängen weideten.

Meine Route: Tschiertschen - Clüs - Waldstafel - Alpbach-Tal - Obersäss - Stelli - Gürgaletsch - Stelli - Tälli - Gruoben - Furgglis - Tschiertschen. Knapp 6 Stunden, je 1160 Meter auf- und abwärts.
Der Heidsee, stark herangezoomt.

Donnerstag, 15. August 2019

Das Bänkli von Tschiertschen

Hm. Ich fotografierte das durchaus wohlgeformte Bänkli gestern morgen nach den ersten fünf Wanderminuten am oberen Dorfrand von Tschiertschen. Mehr zu meiner Unternehmung und ihrem Ziel morgen. Halt, heute und hier noch dies: Kalt war es um halb neun beim Wanderstart auf 1340 Metern, nur gerade neun Grad hatten wir. Ohnehin finde ich, dass es langsam zu herbsteln beginnt, der viele Tau auf dem Gras, die längeren Nächte...