Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Dienstag, 2. September 2014

Rägiswald - muss man kennen

Widmer nimmt sich von der Rösti.
Die Métairie du Bois Raiguel auf der Montagne de Courtelary nordseitig etwas unter der Chasseral-Krete muss man besucht haben. Allein der Geruch, milchelig wie in einer Geburtsstation; dazu kommen Noten von Vieh und Stall. Die Gaststube ist aber, wie die Küche, blitzsauber. Wir kehrten am Samstag ein, assen buttergesättigte Rösti und ein Kotelett, wie es sein muss, saftig, kompakte Struktur, perfekt gebraten. Zwei andere Leute aus dem Grüpplein nahmen ein Fondue und wurden still bem Essen. Später gab es Meringues und Enzianschnaps, natürlich auch das Ware vom eigenen Hof. Und dann besuchten wir den Käsekeller und kauften, ich trug ein Zwei-Kilo-Mutschli heim. Jeder Bissen erinnert mich in den nächsten zwei Wochen oder so an die Métairie du Bois Raiguel. Zu Deutsch heisst die Bauernwirtschaft: Rägiswald.

Montag, 1. September 2014

Die SBB und unser Wanderplan

Zwischen Bois Raiguel und der Métairie de Gléresse.
Die SBB luden uns am Samstag morgen mit elf Minuten Verspätung in Biel ab. Der Zug nach La Heutte war weg; eine Stunde auf den nächsten warten mochten wir nicht. Wir stellten um, neuer Plan. Wir zogen von Biel aus los, hinauf nach Magglingen, in die Zwischenrinne von Jorat, wieder hinauf nach Les Prés-d'Orvin, noch weiter hinauf durch Felder voller Herbstzeitlosen zur Chasseralkrete. Dann hinab zur Métairie du Bois Raiguel, wo wir so grossartig assen, dass sich die Wirtschaft einen eigenen Blogeintrag (morgen, vermutlich) verdient hat. Hernach die Fortsetzung, wobei das Licht immer schöner und der Himmel patagonisch weit wurde mit Wolken so gross wie Raumschiffe: hinab durch Le Graben und die Porte des Enfers zu den 165 Millionen Jahre alten Spuren des Brachiosaurus bei La Heutte; in dem verschlafenen, beizenlosen Dorf endete die Wanderung nach 7 1/2 Gehstunden. Vermeldet sei noch eine Art Drogenerlebnis: Auf der zweiten Wanderhälfte nach dem späten Zmittag geriet ich in einen Zustand nah der Erleuchtung. Lag es an den aparten Pflanzen in Le Graben und ihren Duftsubstanzen? Vermutlich; eventuell mag dazu der Enzianschnaps vom Bois Raiguel mitgewirkt haben.

Biel - Magglingen-Bähnli, Talstation - Pavillon - Magglingen-Bähnli, Bergstation - End der Welt - Jorat - Les Prés-d'Orvin - Chasseral-Krete, 1288 m - Métairie du Bois Raiguel - Métairie de Gléresse - Le Graben - Porte des Enfers - La Heutte, Dinosaurierspuren - La Heutte, Station. 1180 Meter aufwärts, 1008 Meter abwärts.
Bei der Porte des Enfers.

Sonntag, 31. August 2014

Duell mit Frau Schnyder

In der aktuellen Nummer des Appenzeller Magazins duelliere ich mich mit einer Frau. Natürlich nur rhetorisch. Es geht ums Wandern. "Wandern ist cool", sage ich, "Wandern ist doof", sagt sie. Sehr hübsch finde ich die Fotos von Martina Basista, eine kunstvolle Montage - ich habe meine Konkurrentin Rebecca C. Schnyder nie wirklich getroffen.

Samstag, 30. August 2014

Wow? Wau!

Ein Foto von Tschingel habe
ich nicht. Hier immerhin ihr
Herrchen, William Coolidge,
1850 - 1926, grosser Alpinist.
(Wikicommons/ Jebulon)

Am 24. Juli 1875 krönt Tschingel ihre Karriere mit der Besteigung des höchsten Berges von Europa, des Mont Blanc. Ehrenmitglied des Alpine Club, des ältesten Bergsteigerverbandes der Welt mit Sitz in London, ist sie da schon seit sechs Jahren. Was für eine Ehre für eine Berner Oberländer Hündin! Tschingel erklettert aber auch immer wieder Viertausender und realisiert dabei mehrere Erstbesteigungen; sie ist der Stolz ihres Herrn, des amerikanischen Bergsteigers William Coolidge. Das ganze Hundeleben nachlesen kann man in einem langen und schönen Artikel in der NZZ.

PS: Heute wird gewandert. Vier-, Drei- und letztlich auch Zweitausender kommen nicht in Frage. Wir wandern am Chasseral und haben auch schon eine deftige Métairie, also eine Bauernwirtschaft, im Auge.

Freitag, 29. August 2014

Die Mauer von Bondo

Bei Bondo erreicht die Bondasca die Maira, mündet somit das Bondascatal ins Bergell. Zuhinterst im Bondascatal ereignete sich im Dezember 2011 ein gewaltiger Bergsturz vom Pizzo Cengalo. Die Einwohner Bondos hatten damit kein Problem, bis im Sommer darauf ein Unwetter aufzog. Das wilde Wasser der Bondasca wälzte die Felsbrocken des Bergsturzes Richtung Dorf. Mein Berner Wanderfreund Stefan von Bergen, mit dem Bergell seit langem verbunden, hat eine schöne Reportage geschrieben, wie sich das Leben in Bondo angesichts dieser Bedrohung anfühlt und was Experten gegen die Gefahr tun: Eine zwei Meter hohe und 500 Meter lange Mauer soll schon bald verhindern, dass bei einem neuen Unwetter eine Katastrophe passiert und ein Murgang Bondo verschüttet. Alles Weitere lese man auf den Schweiz-Seiten der gestern erschienenen "Zeit" nach.

Donnerstag, 28. August 2014

Mein Selfie (keine Angst, jugendfrei)

Ja, ich weiss, ich muss zum Coiffeur.Widmer in Réclère.
Letzte Woche war ich in Réclère, einem Dorf im Pruntruter Zipfel in unmittelbarer Nähe zu Frankreich. Ich besuchte dort die Grotten, darüber habe ich berichtet. Anschliessend wanderte ich durch den Préhisto Parc, der mit den Grotten eine Art Erlebniskombi bildet; die meisten Leute führen sich gleich beide Attraktionen zu. Gut eine Stunde brauchte ich, um den hübsch gemachten Waldweg abzuschreiben und die Schilder zu lesen, die erklären, was für Monster der Prähistorie auf einen lauern. Ich kann den Besuch allen Leuten nur empfehlen, besonders natürlich denen mit Kindern.

Mittwoch, 27. August 2014

Weissenstein - das Problem

Der erste Fahrplan der Solothurn-Moutier-Bahn.
(Wikicommons/ Scan Gestumblindi)
Noch etwas zur neuen Gondelbahn von Oberdorf auf den Weissenstein, die im Dezember in Betrieb gehen wird. Die Betreiber haben ein potenzielles Problem. Sie sind auf die Solothurn-Moutier-Zuglinie angewiesen, mit der Gondelbahn-Benutzer zur Talstation Oberdorf gelangen. Und genau diese unrentable und schwach genutzte Zuglinie steht jetzt zur Disposition. Der Weissenstein-Tunnel nämlich, ihr Herzstück, ist baufällig und müsste für 170 Millionen Franken renoviert werden. Die Frage ist, ob das wirtschaftlich sinnvoll ist; dies umso mehr, als bloss 500 Leute pro Tag durch den Tunnel fahren. Zwei Alternativszenarien zur Renovierung stehen im Raum:
  1. Totale Stillegung der Bahn, wobei das Teilstück Solothurn - Oberdorf duch einen Bus ersetzt würde.
  2. Beschränkung der Bahn auf das Teilstück Solothurn - Oberdorf. Also Fahrt bis zum Tunnel.
Wo ist das Problem, mag man sich fragen; die Weissenstein-Gondel hätte ja nach wie vor ihren direkten Zubringer Solothurn - Oberdorf. Durchaus. Aber einen Zubringer von Moutier her gäbe es nicht mehr. Und die Solothurner, die vom Weissenstein auf die Moutier-Seite abstiegen, würden nur auf einem Riesenumweg wieder zurück auf die Solothurner Seite gelangen. Die Leute hinter der neuen Gondelbahn plädieren nun dafür, dass man das Geschäft ein wenig ruhen lässt und schaut, ob nicht just ihre Bahn der kriselnden Zuglinie neuen Schwung bringt.