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Montag, 25. Juni 2018

Der Mann, die Nische, die Bahnpolizei

In diese Nische quetschte er sich. Links der Arm von Ronja.
Am Freitag fuhren wir erster Klasse nach Visp, ich hatte einen Klassenwechsel gekauft, Ronja hat das Erstklass-GA. Ab Bern war der Waggon, der hinterste des ganzen Zuges, leer bis auf uns. Ein Typ kam rein, ein bisschen verzottelt, vielleicht 25, hängende Hosen, krauser Bart, irrlichternde Augen. Er ging zum Waggonende, wo sich hinter dem letzten Sitz (auf dem Ronja sass) eine Art Nische befindet. Er quetschte sich in die Nische, es sah aus wie ein Mann in einer Kiste in einem Variété-Zaubertrick. Ronja fragte, was er da mache. Er wolle einfach ein bisschen überlegen, sagte der Mann, es klang nicht überzeugend, er war dafür viel zu zappelig. Dann zottelte er murmelnd wieder davon, er war wohl verladen. In Visp sahen wir auf dem Perron zwei Bahnpolizisten, die ihn sich griffen; er hatte offenbar kein Billett und hatte sich vermutlich in der Nische verstecken wollen.

Sonntag, 24. Juni 2018

Dubiose Sprossen

Gestern erzählte ich von den Albinenleitern, die ich und Ronja meisterten. Hier die zugehörige Route: Leukerbad - Albinenleitern - Oberdietu - Albinen - Oberer Hangweg - Chumme - Spiu - Guttet - Guttet-Wiler (4 Stunden 20 Minuten; 658 m aufwärts, 785 m abwärts). Ein paar Fotos.
Ronja in den Albinenleitern. Die Übergänge sind gut gesichert.
Unangenehm fand ich, dass einige wenige Holzsprossen sich in den Löchern
drehen und gar herausnehmbar sind. 
Blick vom oberen Ende der Leitern nach Leukerbad.
Bänkli über Albinen. Dort assen wir im Sunnublick zu Mittag.
Ständiger Begleiter: der Pfynwald im Rhonetal. Links der Illgraben.
Wilers Kirche wird vom riesigen Fernmeldegebäude dominiert.

Samstag, 23. Juni 2018

HAL

Und das ist erst der Anfang: Widmer gestern im unteren Teil der Leiternstrecke.
Ich kam gestern abend spät heim. Müde von der langen Zugreise ins Wallis und retour, müde von der Mischung aus Biswind und mediterraner Sonne, müde von der Wanderung. Doch vor allem war (und bin) ich stolz und möchte dies verkünden. Wenn Wanderer wie Könige eine Titulatur hinter ihren Namen trügen, bestünde diese doch wohl aus besonders edlen und spektakulären Routen. Ich finde, in meine Titulatur gehört per sofort das Kürzel HAL. Es steht für: Held der Albinenleitern. Gestern nämlich durchstieg ich mit Ronja die Felswand zwischen Leukerbad und Albinen, die mit acht Holzleitern gebändigt ist, den Albinenleitern eben; es handelt sich um die direkte Zu-Fuss-Verbindung zwischen den zwei Dörfern, die freilich Schwindelfreiheit verlangt. Wir absolvierten die Leitern in Konzentration und Ehrfurcht. Für unsere Leistung, wie gesagt, sollte es den Titel HAL geben.

P.S. Mehr zum Thema morgen. Jetzt muss ich gleich wieder weg, nach Les Breuleux, freilich nicht für eine Wanderung, sondern für eine Reportage.
Warnschild unterhalb der ersten Leiter Richtung Albinen.

Freitag, 22. Juni 2018

Goldreiche Schweizer

Poseidonios.
(Wikicommons)
Wer hat eigentlich als erster die Helvetier beschrieben, den keltischen Hauptstamm der heutigen Schweiz? Nein, nicht Julius Caesar, der sie bekriegte. Sondern Poseidonios, der das Volk mit Namen nennt und dessen Männer  als "goldreich, aber friedlich" bezeichnet. Man rätselt seither, ob das Goldadjektiv sich auf bestimmte Bäche etwa im Napfgebiet bezieht. Poseidonios, circa 135 vor Christus bis 51 vor Christus, war ein griechischer Universalgelehrter, geboren in einer griechischen Kolonie in Syrien; er unternahm ausgedehnte Reisen, etwa nach Spanien, und schrieb darüber. Auch den Erdumfang soll er berechnet haben.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Eyja was schon wieder?

Heute wieder einmal schlechte Werbung. Das Plakat, das ich kürzlich sah, preist ein Erfrischungsgetränk mit Weisstee, das auch nach Rhabarber und Preiselbeeren schmecken soll. Doch wer versteht die plumpe Oberzeile und erinnert sich, dass "Eyjafjallajökull" jener isländische Gletschervulkan ist, der 2010 wieder einmal lebendig wurde und soviel Asche austiess, dass der europäische Flugverkehr beeinträchtigt war? Und wie genau inspiriert der Vulkan das Getränk? Die Sache ist konfus.

Mittwoch, 20. Juni 2018

Der Morgenkafiort

Das Il Baretto im Zürcher Hauptbahnhof, ebenerdig so circa gegenüber Gleis 16 gelegen, ist mir ans Herz gewachsen. Es hat am Morgen offen, wenn die meisten anderen Cafés noch zu sind; wenn ich um sechs Uhr zum Wandern irgendwo hinfahre, gehe ich vorher fast immer ins Baretto und hole mir einen Kafi. Der ist sehr gut. Suspendiert ist für den Moment meine Gewohnheit, dazu einen Gipfel mit Aprikosenconfi zu nehmen, ich will die ganz süssen Sachen mal ein paar Wochen auslassen.

Dienstag, 19. Juni 2018

Pumpfel und Famergü

Schloss Famergü: Klingt nicht sehr edel.
Es gibt Orte in der Romandie, da finde ich: Gut, ist der deutsche Name nicht mehr in Gebrauch. Bonfol JU hiess einst auf Deutsch Pumpfel, oh Graus. Und Vaumarcus NE, stellte ich vergangenes Wochenende fest, trägt den deutschen Namen Famergü; Gott sei Dank ist auch er verblasst.