Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Sonntag, 17. Dezember 2017

Mein innerer Grammatiknörgler

Die neue Nummer von "Schweiz - Das Wandermagazin" widmet sich dem Winter. Verdienstvollerweise wird auch das Thema des Wildschutzes und der Wildruhezonen behandelt. Allerdings meldete sich beim Lesen der Grammatiknörgler in mir. Meiner Meinung nach ist das Zitat der Wanderleiterin Schäfer, siehe Foto, doppeldeutig. Und zwar in Bezug auf den präpositionalen Einschub "auf den markierten Sommerwegen". Die Frage ist: Gehört er zu der Wendung, die vor ihm kommt, oder nicht? Muss ich das also so verstehen: Man soll die potenziellen Tageseinstandzonen der Wildtiere auf den markierten Sommerwegen - man soll diese Zonen irgendwie umgehen? Oder so: Man soll die potenziellen Tageseinstandzonen der Wildtiere umgehen - und zwar auf den markierten Sommerwegen? Beides geht. Zur guten Kommunikation gehört, den Leser nicht zu verwirren. Und à propos: Es wäre nett, die "Tageseinstandzonen" - ein schauderhaftes Wort - für Laien wie mich zu übersetzen.

Samstag, 16. Dezember 2017

Oh du komplizierter Winter

Winter. (Alan Zomerfeld/ Wikicommons)
Während ich gestern im Schleichtempo meine Langwattstrasse hinunterging zur Station Zollikerberg - das Trottoir war teilweise eingeschneit, teilweise aber auf die Art freigeräumt, bei der die Schaufel des Schneeräumtraktors hauchdünne und spiegelglatte Eisflächen hinterlässt -, dachte ich, dass der Winter dieses Jahr früh und mächtig Präsenz angenommen hat. Gleich anschliessend fragte ich mich, woher eigentlich das Wort Winter kommt. Zuhause schlug ich das nach und stellte fest: Der Winter ist aus etymologischer Sicht reichlich kompliziert. Es gibt mindestens drei Theorien:
  1. Das Wort, das im Althochdeutschen, Altsächsischen, Altfriesischen und dergleichen mehr in verwandten Formen wie wintar, winder, winter belegt ist, könnte verwandt sein mit Lateinisch unda gleich Welle und Litauisch vanduc gleich Wasser. Gemäss dieser Theorie ist der Winter die feuchte, die nasse Jahreszeit.
  2. Das altirische Wort find gleich weiss könnte Pate stehen. Heutige Namen wie Finn und Fiona sind mit dieser Wurzel verwandt, ihre Träger sind die Hellen oder Blonden. Übrigens bloggte ich vor Jahren über den Namen Fintan, der auch in diese Gruppe gehört.
  3. Dann gibt es noch das althochdeutsche Wort winistar mit der Ausgangsbedeutung weg oder abgewendet; dieser Ausdruck findet sich im Zusammenhang mit den Himmelsreichtungen und meint soviel wie: vom Süden abgewendet.

Freitag, 15. Dezember 2017

Sein Ohr war gefroren und brach ab

Dawson. Am Yukon. In Nordkanada.
(Bild: Wikicommons)
Es gibt diese Traumorte. Man stellt sich vor hinzureisen. Aber man weiss auch, dass es kaum so weit kommen wird - vielleicht ist es auch besser so, weil die Idee in der Regel mehr Spass macht als ihre Ablösung durch die Realität. Mich fasziniert seit Jahren Dawson, die alte nordkanadische Goldgräberstadt am Yukon. Und à propos Yukon: Wenn ich mich nach Dawson begeben würde, dann natürlich im Kanu. Von Whitehorse aus, der grössten Stadt des Yukon Territory, braucht man 14 Tage, Abenteuer wie Stromschnellen und hungrige Bären inbegriffen. Allerdings sass ich noch nie in einem Kanu; auch darum ist es wohl besser, wenn ich es bleiben lasse. Stattdessen lese ich allerhand Bücher über die Gegend; eben gerade begeisterte mich "The Good Life: Up the Yukon without a Paddle" vom Engländer Dorian Amos. An einer Stelle erzählt er, was man so für Sätze hört, wenn man winters bei circa 35 Grad unter Null in Dawson in einer Bar hockt und den Einheimischen, einer rauen Mischung aus Holzfällern und Karibujägern, zuhört. Zum Beispiel: "Hey, ich habe meinen Finger bis heute nicht gefunden." Oder: "Ich folgte der Blutspur, bis sie sich unter einer Eisscholle verlor." Oder: "Sein Ohr war gefroren und brach ab."

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Wölfisches in Zürich

Schaut, ein Wolf! Das Foto stammt aus Italien (Abruzzen).
(Bild: Medienmitteilung Uni Zürich/ Fabien Brugman)
Vor ungefähr 20 Jahren kam der Wolf zurück in die Schweiz, viele freuten sich, einige ärgerten sich, die einen wollen ihn hegen und pflegen, die anderen abschiessen. Im Zoologischen Museum der Uni Zürich läuft seit kurzem eine Ausstellung, die vom Naturhistorischen Museum Freiburg übernommen wurde: "Wolf - Wieder unter uns" enthält sich, so wenigstens sagt es die Medienmitteilung, der Wertungen und "gibt jedem die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild zu machen". Ich werde sicher hingehen, schön, dass die Ausstellung sechs Monate offen ist, man hat keinen Ich-muss-subito-hin-Stress.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Der Pilgerberg ohne Pilgerei

Vor bald zwei Jahren traf ich mich mit einem deutschen, in Konstanz lebenden, geradezu unheimlich vielseitigen Wander- und Tourismus-Autor. Das war auf der Hohen Buche im Appenzellerland. Auf Facebook sind Patrick Brauns und ich schon viel länger befreundet, ab und zu kommentiert er Blogeinträge von mir, oft sind es Ergänzungen, manchmal auch freundliche Einwände oder kritische Nachfragen. Dass Patrick ein Schweizkenner ist, zeigt sich auch in vielen seiner Bücher. Eben ist im Midas Verlag ein neues erschienen: "Das kleine Buch der grossen Berge", Untertitel: "50 Berge, die Sie kennen müssen, um die Schweiz zu verstehen". Besonders gefällt mir an der Sammlung, dass sie nicht nur berühmte Berge wie das Matterhorn, die Rigi, den Säntis behandelt; etliche Kapitel widmen sich eher abseitigen, unbekannten oder auch verkannten Erhebungen. Und immer sind die Texte witzig und gewitzt. Warum bloss, fragt sich Patrick, heisst der Mont Pèlerin über den Rebbergen des Lavaux eigentlich so, also "Pilgerberg", da es doch keine Hinweise auf eine Wallfahrt und auch keine Kapelle gibt? Man liest den scharfsinnigen Schreiber mit Gewinn.

Dienstag, 12. Dezember 2017

Der Tag begann mit der 8

Gestern beim Escher-Wyss-Platz: Die Haltestelle des neuen Achters ist nicht zu übersehen.
Gestern morgen reiste ich auf einem Riesenumweg zur Arbeit. Dies, um mit dem neuen Achter-Tram zu fahren. Den Achter gibt es schon lange, er war unter Zürichs vielen Tramlinien aber zweitklassig. Seit dem Wochenende ist das anders: Der Achter hat nun eine neue Funktion als Problemlöser. Er verbindet nämlich die Gegend des Paradeplatzes und des Stauffachers effizient mit dem Bahnhof Hardbrücke, dem Escher-Wyss-Platz und Züri West. Anders gesagt: Wer von der alten City oder auch dem angrenzenden Kreis vier hinüber in den boomenden Kreis fünf will, hat nun ein komfortables Direkttram und muss nicht mehr via HB fahren. Der Achter überwindet den Schienenstrang der Bahn, indem er die Hardbrücke benützt. Die entsprechenden baulichen Anpassungen samt Rampenausbau kosteten 130 Millionen Franken. Die Verbesserung für so manchen Zürcher ÖV-Nutzer ist markant. Und es macht Spass, mit dem Tram über die Brücke zu flitzen; bis jetzt war jeweils am Hardplatz Endstation.

Montag, 11. Dezember 2017

Doorffä

"Kauz" Walpen ist Kriminalpolizist in Zürich. Freigestellt, beschliesst er, im Goms, wo er familiäre Wurzeln hat, seine Langlauftechnik zu verfeinern. Doch wie das halt so geht in derlei Geschichten, passiert gleich ein Mord, so dass das mit der verbrechensfreien Zeit eine Illusion bleibt. Kaspar Wolfensberger, Zürcher Psychiater, hat einen untadeligen Krimi geschrieben, clever gebaut, sprachlich souverän, doch. Zudem strotzt "Gommer Winter" (bilgerverlag, 477 Seiten) vor Lokalkolorit, man erfährt und lernt vieles über das Hochtal des jungen Rotten. Zum Beispiel das Verb "doorffä". Es bezeichnet das Geplauder im Dorf unter Einheimischen.