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Sonntag, 16. Juni 2019

Raubtierwasser


Gestern war in der Wetterprognose der SMA die Rede davon, dass vom Löwengolf ein Tief heranziehe. Löwengolf? Ich musste nachschlagen. Es handelt sich um den Golfe du Lion bei Toulon und Marseille, der tatsächlich diesen - etwas verblichenen - deutschen Zweitnamen besitzt. Der Name "Golfe du Lion" ist gut 1000 Jahre alt und hat wohl nichts mit der Stadt Lyon zu tun, die dort auch gar nicht liegt. Womöglich geht die Bezeichnung darauf zurück, dass mittelalterliche Seeleute das Gewässer als wild, ja mörderisch empfanden.

PS: Gestern war ich auf der Musenalp, Kanton Nidwalden. Mein Foto zeigt das Gipfelbänkli und hinten das Buochserhorn. Mehr von der Wanderung demnächst.

Samstag, 15. Juni 2019

Bavona und Babylon

Ein Prato pensile in Sonlerto in der Valle Bavona.
Die Hängenden Gärten der Semiramis. Gemälde von
Maarten van Heemskerck, 19. Jh. (Wikicommons)
Es dauerte einen Moment, bis ich vor wenigen Wochen in Sonlerto im Bavonatal realisierte, was die Treppe auf den Riesenstein soll. In dieser Talschaft ist Wiesenboden so spärlich vorhanden, dass die Bauern von einst auf die Idee kamen, auch die Flächen auf den Felsen zu  besäen und zur Heuproduktion zu nutzen. Was so dekorativ aussieht, zeugt von Armut. "Prati pensili", hängende Wiesen, heisst die Einrichtung. Das wiederum erinnert an die "Hängenden Gärten" der altorientalischen Königin Semiramis. Jene terrassierten Pflanzungen grösseren Ausmasses waren freilich rein zur Zier eingerichtet; die Hängenden Gärten zu Babylon waren eines der sieben Weltwunder der Antike. Welches waren die anderen sechs? Ich will das nächstens hier ausführen.

Freitag, 14. Juni 2019

Ging gut, war schön

Ein Handyfoto von der Vernissage, danke, Catherine Duttweiler!
Die Vernissage meines neuen Buches ist nun also auch vorbei. Für mich war sie ein Aufsteller: ein angenehmes Gespräch mit Moderatorin Judith Wittwer vom Tagi. Ein stattliches und freundliches Publikum. Und darin viele Freundinnen und Freunde, die unter anderem aus Luzern, Bern, Rapperswil, Herisau, Wil, St. Gallen und dem Fricktal angereist waren. Das dominante Gefühl im Rückblick auf den Anlass im Zürcher Kaufleuten: Dankbarkeit für das Interesse am Buch. Was will man mehr als Autor?

Donnerstag, 13. Juni 2019

Knabenkraut und Lawinenkegel

Rinder? Teddybären?
Am Dienstag gingen wir von Stein im Toggenburg hinauf zum Risipass, hielten hinab ins Luterental nach Lutertannen und stiegen ein zweites Mal auf zur Schwägalp. 4 1/2 Stunden dauerte das, wir machten 1000 Meter aufwärts und 500 abwärts. Streckenweise waberte Nebel, ich war froh, die Gegend gut zu kennen und also um die Wucht und Imposanz der Säntiswand zu wissen, die wir vor Augen hatten, ohne sie zu sehen. Was wir mochten: die Schönheit im Kleinen, das Knabenkraut mancherorts zum Beispiel. Was wir hingegen beklemmend fanden: die Spuren des Lawinenwinters allenthalben. Auf der Schwägalp, die im Januar besonders heimgesucht worden war, querten wir den letzten vorhandenen Lawinenkegel. Zuvor, weiter oben, waren wir an Pfosten mit Wanderwegweisern vorbeigekommen, denen die Schneemassen bös zugesetzt hatten.
Stein SG, unser Startort. Wir bekamen vorerst noch etwas Sonne geschenkt.
Der Speer wird von dreisten Nebelschwaden belagert.

Mittwoch, 12. Juni 2019

Der Fuss im Luterental

Irgendwie erinnert mich dieser Block an eine riesige Statue des Trajan oder Vespasian, die ich vor 37 Jahren in Rom sah, als ich dort gleich nach der Matura Ferien machte. Es handelt sich jedoch um reine Natur. Ich fotografierte den Vorderfuss aus Kalk, der vom Regenwasser geformt wurde, gestern im Luterental im letzten Drittel einer Wanderung, die uns von Stein im Toggenburg über den Risipass in besagtes Tal und hinauf zur Schwägalp führte. Ich will später etwas mehr über die Route erzählen. Hier gilt es etwas anderes einzuschieben: Heute abend um acht Uhr ist Vernissage meines neuen Buches "Hundertundein Stein" im Kaufleuten Zürich. Bin ich gestresst, bin ich nervös? Nicht so sehr, weil ich ja doch viele Auftritte hinter mir habe. Ein bisschen Angst macht mir jeweils eines: Wenn viele Leute um mich sind, verwechsle ich oft den Namen zu einem bestimmten Gesicht. Nun hoffe ich, dass mir das heute abend nicht passiert. Oder dass es mir, falls es doch geschieht, verziehen wird. Ansonsten: Ich freue mich! Und wer spontan kommen will: Das Kaufleuten ist nicht für kleine Räume bekannt. Platz hat es genug.

Dienstag, 11. Juni 2019

Entrücktes Tessin

Schön. Die nächsten anderthalb Jahre braucht man
aber (ab Zürich) länger, den Luganersee zu erreichen.
Seit langer Zeit war sie angekündigt, seit Sonntag ist sie in Kraft: die Sperrung der Bahnstrecke von Zug nach Arth-Goldau. Bei Walchwil wird endlich die Doppelspur realisiert, auch überholen die SBB ihre Anlagen auf der Strecke, Tunnels und Brücken zum Beispiel. Bis 12. Dezember 2020 - jawohl, 2020, nicht 2019! - werden sämtliche Fernzüge über den Gotthard ab Zürich und Zug via Rotkreuz umgeleitet. Die Fahrzeiten ins Tessin verlängern sich deswegen um bis zu 15 Minuten. Im Online-Fahrplan sind die Zeiten angepasst. Seufz.

Montag, 10. Juni 2019

Loch am Anfang, Loch am Schluss

Schöner grüner Jura: zwischen Chratten und Vorder Erzberg (oben rechts).

Die Salzrollen beim Vorder Erzberg: begehrter Schleckstoff.
Rundum Jura, Kämme zum einen, kecke Spitzen zum anderen. Alles grün, nur an wenigen Stellen die Graspolster durchbrochen von bleckenden Kalkfluhen. Das war die Kulisse unserer Pfingstsamstag-Wanderung. Wir starteten bei der Bushaltestelle Passwang, zogen via Beibelberg und Chratten nach Vorder Erzberg, erstiegen von dort die Hohe Winde, stiegen auf dem selben Weg wieder ab, gingen zum Scheltenpass und nahmen die letzte Steigung vor dem Zmittag, die hinauf zum Matzendörfer Stierenberg. Im Restaurant mit der grossen Terrasse assen wir gut, mussten freilich die Windjacken überstreifen, denn es blies eine böse Bise. Der Nachmittag war noch einmal anstrengend: hinüber nach Zentner und zur Oberen Tannmatt, durch die Rüchi zum Lochboden, dann zur Ergeleralp und hinab nach Welschenrohr. Nur etwas wurmt mich im Rückblick auf die schöne Unternehmung (sechs Stunden, 805 Meter aufwärts, 1055 abwärts): Wir hätten am Schluss noch das Bärenloch besuchen sollen, das tunnelportalartige Felsloch über Welschenrohr. Als ich mich umdrehte, es hoch über uns in der Wand sah und die Idee zur Visite hatte, waren wir freilich schon unten im Dorf. Noch einmal hinauf - dafür hätte mir die Energie dann doch gefehlt. Nun gut, das Bärenloch steht jetzt auf meiner Liste mit Wanderzielen.
Unser Anfangsloch: Der Passwang-Strassentunnel-Ausgang, wo wir starteten.
Unser Schlussloch: Das Bärenloch in der Felswand oberhalb Welschenrohr.