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Samstag, 1. August 2015

Ich vermisse alles

Isenau-Gondel, du fehlst mir.
Grüner Wurm, du fehlst mir auch.
Wehmütig muss ich bekanntgeben, dass die Wanderwoche in den Waadtländer Alpen, genauer gesagt in Les Diablerets, vorbei ist. Ich vermisse alles: das stilvolle alte Hotel du Pillon unter dem liebenswürdigen, leicht chaotischen Patron Francis, die roten Nostalgiegondeln hinauf nach Isenau, die meterhohen Kerbelstauden an der Grande Eau, den Gletscherblick vom Hotelbalkon und den abendlichen Bitter des Diablerets (okay, oft war es auch ein Oban). Und auch das grünliche Zuckelding, das einen von Aigle via Le Sépey hinauf nach Les Diablerets trägt und sich in Anlehnung an die drei Orte ASD nennt, vermisse ich. In der Mitte, in Le Sépey, gibt es übrigens eine Spitzkehre, der Zug wechselt die Richtung. Charmant, wie man als Passagier draussen vor dem Fenster den Lokführer vorbeischlendert sieht, gemütlich, wie sie dort oben sind.

Freitag, 31. Juli 2015

Der See und die Saudis

Der Arnensee von, circa, der Seeberg-Alp aus.
Die Kuh vom Col des Andérets.
Was für ein Abschluss der Wanderferien - der Arnensee stellte sich gestern als Bijou der Berge heraus. Wir starteten in Feutersoey, stiegen auf via den Tuxberg. Nach zwei Stunden der See, tiefblau, mit einer Wirtschaft, in der wir einkehrten. Am Nebentisch sass eine arabische Familie, Saudis vermutlich, der Luxus-Ferienort Gstaad ist nah. Die zwei Buben wurden von einem touristischen Helfer mit Schwimmwesten ausgestattet und machten sich auf zu einer Bootsfahrt, während die verschleierten Mädchen nicht durften. Wir zogen dann weiter und erkeuchten uns nach dem Käsekauf auf der Alp Seeberg den Col de Voré; zum Col des Andérets und hinab zur Isenau-Gondel war es hernach ein Katzensprung. Von dieser viereinhalbstündigen Wanderung (990 Meter aufwärts, 350 abwärts) wird mir vieles bleiben, die Bläue des Arnensees und später des Bergseeleins auf dem Col de Voré etwa und noch viel mehr das Wolkenspiel am Himmel über dieser traumhaften Gegend, wo die Kantone Bern und Waadt sich treffen.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Der Wassertag

Bitter des Diablerets: Der Likör gegen nasse Füsse.
Am Lac Retaud.
Der gestrige Wandertag hatte ein grosses Thema: Wasser. Wir liefen von Les Diablerets hinauf zum Col du Pillon, zuerst der Grande Eau entlang, dem mächtigen Fluss der Talschaft, dann dem Nebenfluss Dar. Es begann zu regnen, nicht stark, aber stetig. Eine Hängebrücke war zu nehmen, zwar nur zwei Meter über dem Wasser; aber was war sie für ein Schaudermodell, man betrat sie, sie kippte gleich zur Seite, man fiel fast über das auf Hüfthöhe angebrachte Seitenseil, wirklich gefährlich. Weiter oben die Attraktion des Tages, ein Wasserfall, die Cascade du Dar. Wir wären gern ganz zum Punkt aufgestiegen, wo das Wasser aufprallt, aber der schmale und steile Pfad dort hinauf erwies sich als brutal schlüpfrig, wir kehrten um, mich haute es einmal auf den Hintern, ich war nicht der einzige. Vom Col du Pillon stiegen wir weiter auf zum Lac Retaud, hübscher Bergsee, bei Sonne ist er noch hübscher, weiss ich von früher. Schliesslich nach drei Stunden und doch 700 Metern aufwärts die Bergbeiz bei der Seilbahnstation Marnèche/Isenau, wir waren froh, uns mal kurz aus unseren klatschnassen Regenjacken schälen zu können. Nach der Einkehr ging es per Gondel hinab nach Les Diablerets. Es regnete immer noch, die Scheiben der Gondel beschlugen, ich sah wenig. Unten stiessen wir, unter dem Vordach der Station, mit dem örtlichen Kräuterschnaps auf unsere Unternehmung an und pflatschten dann retour ins Hotel, heiss duschen.
Stimmungsbild aus der Isenau-Gondelbahn.

Mittwoch, 29. Juli 2015

Sommer auf 3000 Metern

Die Showhängebrücke auf dem Sex Rouge, knapp 3000 Meter über Meer. 
Auf dem Tsanfleuron-Gletscher - hier eine nicht vereiste Passage.
Ich weiss nicht, wo anfangen, derart grandios war gestern die Route vom Sex Rouge hoch über Les Diablerets zur Quille du Diable, hinab zur Cabane de Prarochet und zum Sanetschpass und schliesslich zur Staumauer des Sanetsch-Stausees. Wir liefen gar nicht so lang, gut viereinhalb Stunden, aber es fühlte sich am Schluss an, als seien wir acht Stunden gelaufen. So viel sahen wir. Zuerst  vom Sex Rouge das Nebelmeer unter uns. Dann die Hängebrücke, die dort oben zu einem Nebengipfel führt und nur zur Unterhaltung da ist; ich gestehe, dass auch wir uns auf ihr unterhielten: Der starke Wind brachte uns aus dem Gleichgewicht, abenteuerlich. Hernach der Tsanfleuron-Gletscher, den wir auf einem halb nassen, halb vereisten Pfad überquerten. Bei der Quille du Diable tranken wir etwas in der behelfsmässigen Buvette und sahen bolzengrad hinab auf den Derborence-See. Es folgte eine Abwärtspassage über glattgeschliffene Felsen, man musste auch mal bei der einen oder anderen Stufe die Hände zu Hilfe nehmen. Überall waren eingelagerte Seen. Der Gletscher, der den Stein längst freigegeben hat, bleibt präsent in Form unzähliger Kratzspuren. Die Arnikablumen standen höher als überall anders, wo ich sie schon sah. Das Wollgras war unendlich flauschig. Schliesslich die Sanetsch-Strasse und der tiefblaue Stausee, an dessen Ende wir die Seilbahn hinab nach Gsteig erreichten. Bizarr: Hochsommer, doch im Biswind froren wir uns, während wir verschwitzt im Schatten warteten, bis wir an der Reihe waren, fast zu Tode. Es war grandios, wie gesagt, und dieser Text kann das nur mangelhaft spiegeln.
Hübsches Kegelchen! Die Quille du Diable. 
Eines der vielen eingelagerten Seelein, an denen wir vorbeikamen.

Dienstag, 28. Juli 2015

Fliegenkotelett an Thymian

Die haben textile Flurnamen:
Les Jeans liegt in der Nähe
von Les Diablerets.

Hat schon was, das Hotel du Pillon in Les Diablerets. Nur schon, dass es ausserhalb liegt - man hat seine Ruhe. Das Hotel, 1875 gebaut, ist klein und nimmt allerhöchstens 28 Leute auf. Der Patron Francis Barlier, ein Pariser, war früher Kunsthändler, was man daran merkt, dass kuriose und aparte Gegenstände herumstehen. Am Abend zieht er die Kochschürze über und kocht für seine Gäste. Weiss er am Morgen mal nicht, was er am Abend machen soll, schreibt er zum Beispiel auf die Menütafel: Fliegenkotelett an Thymian.

P.S. Gestern wanderten wir drei Stunden: von Les Planches hinauf nach La Forclaz und wieder hinab nach Les Echenards und via Les Aviolats und Vers-l'Eglise nach Les Diablerets. Höhepunkt war das Dörfchen La Forclaz mit seiner Holzkirche und den alten Bauernhäusern, die allesamt weise Inschriften tragen.
Die Holzkirche von La Forclaz VD.

Montag, 27. Juli 2015

Heidelbeerkuchen und ein krasser Abstieg

Gestern eine Bergwanderung. Oder eher: eine Voralpin-Wanderung. Sie startete am Col de la Croix und führte uns an vier Seen vorbei. Am letzten kehrten wir ein, ich hatte einen Heidelbeerkuchen. Krass später der Abstieg nach Vers-l'Eglise durch einen Steilwald mit Ketten und befestigten Stufen - Gott sei Dank war der Boden trocken. Was mir am besten gefallen hat? Nun, sicher der Anblick des Mont Blanc, der gar nicht so weit entfernt schien und noch dick mit Schnee bepackt war. Und, eben, der Lac des Chavonnes, in dessen Restaurant wir ruhten. Hier die Route, danach lasse ich die Fotos für mich sprechen: Col de la Croix - Ensex - Col de Bretaye - Crêta - Lac des Chavonnes - Vy Boveyre - Le Lavanchy Poy - La Bierla - Vers-l'Eglise.  4 1/4 Stunden, 420 Meter aufwärts, 1070 abwärts.
Kurz nach Wanderbeginn, Blick nach Süden. Bildmitte: der Alpweiler Taveyanne.
Beim Col de Bretaye. Das Bähnlein keucht von Villars hoch.
Hier rasteten wir: Beizli am Lac de Chavonnes. 
Derselbe See später von oben gesehen.

Sonntag, 26. Juli 2015

Muss man gehört haben

Eine Art Kathedrale mit Wasserfall: zuhinterst in der Grotte aux Fées in Saint-Maurice VS.
Gestern war ein guter Tag - ziemlich voll war er auch. Wir fuhren mit dem Bähnlein von Les Diablerets nach Aigle hinab und weiter nach Saint-Maurice. Dort besichtigten wir die alte Abtei, die im Jahr 515 wurzelt. Später, nunmehr wieder in Aigle, setzte es eine zweite Besichtigung - des Schlosses, auf dem zu Zeiten des Ancien Régime der Berner Statthalter hockte. Die Sache war mässig interessant, das Schloss enthält vor allem Gegenstände zum Weinbau; ich habe in meinem Leben schon viele Trotten gesehen. Am eindrücklichsten war die Attraktion zwischen der Abtei von Saint-Maurice und dem Schloss von Aigle: die Grotte aux Fées in Saint-Maurice. Man muss zuerst 15 Minuten auf einem Zickzackweg den Hang hinauf steigen. Dann der Eingang. 500 Meter geht man im Kalkstein durch enge Gänge und geht diese 500 Meter auch wieder zurück; wahnsinnig, wie ein unterirdischer Fluss gewirkt und ein Höhlensystem in den Stein gefressen hat. Ganz zuhinterst gibt es eine Art Kathedralen-Halle, deren Boden ein See bildet. Ein Wasserfall, 77 Meter hoch, speist den See. Er macht es aus, dass man den Besuch nicht so schnell vergisst. Es ist die Akustik, die sich besonders einprägt. Das Schiessen und Prasseln des fallenden Wassers. Muss man gesehen haben, Freunde! Und vor allem: muss man gehört haben!