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Donnerstag, 20. August 2026

Standseilbahn in Not

Hoch über dem Tal der Linth: ein entspannter Gast in Braunwald GL.
Das Dorf Braunwald im Kanton Glarus ist nur per Standseilbahn erreichbar. In den letzten Jahren lief es mit dem Tourismus nicht besonders, wozu auch die schneearmen Winter beitrugen; vor Wochen wurde bekannt, dass die Skilifte in der kommenden Kaltsaison nicht mehr fahren werden, Braunwald verabschiedet sich vom Skibetrieb. Mittlerweile ist klar, dass auch die Standseilbahn in Schwierigkeiten steckt, sie schreibt seit 2023 grosse Defizite. Diese Woche las ich, dass der Kanton einspringen muss, vorerst zahlt er 600'000 Franken, weitere staatliche Zuschüsse werden folgen. Denn ohne Standseilbahn ist Braunwald nun einmal tot.

Mittwoch, 8. Juli 2026

Der Buchstabenlapsus

Hier stimmt was nicht.
Autsch. An der Kantonsstrasse zwischen Worb und Boll wurde grad eben ein neues Ortsschild montiert: "Boll (Gde. Vechingen"). Gleich gabs einen Riesenärger. "Vechigen" heisst die Berner Gemeinde. Nicht "Vechingen" wie auf dem Schild. Die kantonale Bau- und Verkehrsdirektion kann belegen, dass sie das Schild mit der richtigen Schreibweise bestellt hatte, der Fehler passierte später bei der Firma. Die hat unterdessen -– unzählige hässige Social-Media-Kommentare später – ein neues, korrektes Schild gefertigt. Es soll noch diese Woche aufgestellt werden. Dann ist in Vechingen, pardon: Vechigen die Welt wieder in Ordnung. Den Lapsus öffentlich gemacht hatte die Plattform bernost.ch.

Donnerstag, 11. Juni 2026

Das "Kreuz" ist auferstanden

Das noch unrenovierte "Kreuz" am ersten Tag des Jahres 2023.
Damals lag kein Schnee, sodass wir problemlos auf den Napf gelangten.
Eine gute Nachricht: Das Hotel Kreuz, das man getrost als Seele von Romoos LU bezeichnen darf, ist wieder offen. Die umfassende Renovation des 120-jährigen Baus war dringend notwendig, aber teuer – sie kostete sechs Millionen Franken. Und dauerte knapp ein Jahr. Eine Million Franken gaben Private, den Rest die öffentliche Hand, schön, geht es weiter mit diesem gastlichen Haus unter Denkmalschutz, in dem die Napfwanderer und -wanderinnen absteigen und die Leute aus dem Dorf sich treffen. Ich freue mich auf den nächsten Besuch im "Kreuz", in dem ich schon einige Male eingekehrt bin. 

Samstag, 28. Februar 2026

Sonne für Schattighalb

Heute, 28. Februar, endet der Winter. Wengistens nach der meteorologischen Definition, die ihm die Monate Dezember, Januar, Februar zuordnet. Die andere Definition, das ist die astronomische, gemäss der der Winter mit der Tag-und-Nacht-Gleiche am 20./21. März abgeschlossen ist. Ich denke, dass in Zeiten des Klimawandels die meteorologische Definition die stimmigere ist. Diejenige, die auf die Realität besser zutrifft. Und somit erkläre ich den Winter 2025/26 offiziell für beendet – ungeachtet der Rückschlage, die es wohl auch heuer geben wird.

Bristen oberhalb Amsteg im Kanton Uri – bei Sonnenschein.
(Foto: Andreas Faessler / Wikicommons)
PS: Gestern war eine Reportage über Bristen im Maderanertal in der NZZ. Das kleine Dorf hat zwei Hänge, der eine trägt das Beiwort sonnenhalb, der andere das Beiwort schattighalb. Wer auf der schattigen Seite wohnt, sieht die Sonne im Winter vier Monate nicht. Dieser Tage kehrt sie zurück.

Donnerstag, 3. Juli 2025

Wo die hohen Herren jagten

Menzbergs Wappen.
(Wikicommons)
Menzberg, Teil der Gemeinde Menznau LU, ist das höchste Dorf am Napf; oft wird es "Bergdorf" genannt, was mir bei einer Höhe von knapp über 1000 Metern über Meer doch eher übertrieben scheint. Abgelegen liegt der Ort ganz sicher. Menzbergs Wappen machte mich kürzlich neugierig, als wir dort ankamen. Es zeigt einen Sperber. Die Geschichte des Motivs führt ins Mittelalter und zu einer regionalen Adelsdynastie, den Herren von Wolhusen. Die pflegten offenbar in Menzberg zu jagen, wobei sie Sperber einsetzten. Die Historie lebt auch im Namen des Dorfrestaurants weiter, das "Sperber" heisst. Wobei es im Moment geschlossen ist. Ich hoffe, dass es (bald) wieder öffnet. Wieder fliegt, sozusagen.

Mittwoch, 5. März 2025

Der Doppelpalast zu Trogen

Dem Kanton Appenzell Ausserrhoden scheint es nicht gut zu gehen. Jedenfalls denkt man das, wenn man die Anzahl von Häusern zum Mass nimmt, die in manchen Dörfern seit langem verkommen: lotternde Schindeln, überwucherte Vorgärten, verrostete Eisenzäune. In Trogen fiel mir das am Samstag speziell auf. Und gleichzeitig stehen dort die steinernen Prunkbauten vergangener Zeiten, in denen die Zellweger und ihresgleichen residierten, Textilbarone mit internationalen Verbindungen, die auch als Mäzene und Philanthropen in Erscheinung traten; nun, manche von ihnen jedenfalls. In der Nideren, etwas unterhalb des Dorfkerns von Trogen, passierten wir den Honnerlag'schen Doppelpalast. Er wurde 1763 für die Brüder Sebastian und Johann Conrad Honnerlag erbaut, die mit zwei Zellweger-Cousinen verheiratet waren. Nicht übel. Beide Brüder hatten zuvor ihr Vermögen im Ausland gemehrt, in Lyon vor allem. Erstaunlich, in einem  Kanton, den viele Leute bloss mit Bauernmalerei und Sennentum assoziieren, eine derartige Prachtentfaltung im Stile des Klassizismus mit Rokoko-Einschlägen zu sehen. Auch das ist (oder war) Ausserrhoden.

Donnerstag, 27. Februar 2025

Mikwe und Synagoge

Nein, das ist nicht die Kirche von Lengnau AG, sondern die Synagoge.
Die Inschrift in Hebräisch und Deutsch an der Synagoge gibt eine Bibelstelle wieder:
"Mein Haus wird ein Bethaus genannt für alle Völker." (Jesaia 56.7)
Ebenfalls im Dorfkern von Lengnau zu finden:
das einstige jüdische Frauenbad.
Seit vier Jahrhunderten leben in Endingen und Lengnau im Surbtal, Kanton Aargau, Juden. Gegen Ende des Ancien Régime durften sie sich in unserem Land überhaupt nur hier niederlassen, kein Wunder, haben so viele von ihnen eines der beiden Dörfer als Bürgerort, die frühere Bundesrätin Ruth Dreifuss etwa. Die Juden und Jüdinnen im Aargauischen wurden von der Obrigkeit kräftig geschröpft, zahlten regelmässig hohe Summen für einen sogenannten Schutz- und Schirmbrief. Schikaniert wurden sie auch, indem man ihnen gewisse Berufe wie das Bauern und alle Arten von Handwerk untersagte. Die landesweite Niederlassungsfreiheit bekamen die Juden erst 1866, 18 Jahre nach der Gründung unseres Bundesstaates. Letzten Samstag kamen wir in Lengnau durch, schauten uns die Synagoge an und die zeitweise verfallene und umgenutzte Mikwe, das Badehaus der Frauen. Beide Gebäude waren verschlossen, die Synagoge wird derzeit renoviert. Wer sich interessiert: Es gibt einen Weg, auf dem man an etlichen Stationen in Lengnau und Endingen mehr zum Thema erfährt.

Sonntag, 23. Februar 2025

Leckerlitod

Der bekannteste Herisauer ist an einem Leckerli erstickt, das er geklaut hat – nein, er ist kein Ehrenmann, dieser Gidio Hosestoss. Ein Halunke ist er, aber auch eine Witzfigur. Sicher hat er es nicht verdient, wegen eines Gebäcks zu sterben. Zu Grabe getragen wird er durch den Ortskern von Herisau, mit dabei im Umzug ist die Witwe Eulalia Fadehäx. Und natürlich der Gidiopfarrer, ein Schüler, der in seiner Trauerrede das letzte Jahr Revue passieren lässt. Man wirds gemerkt haben, ich rede von der Fasnacht. In Herisau findet jeweils am Aschermittwoch, heuer am 5. März, der "Gidio Hosestoss" statt, ein beliebtes und geliebtes Ritual des Dorfes, das gemessen an der Einwohnerzahl von 16 000 Menschen eine Stadt ist. Warum die Hauptperson des Anlasses, der Gidio, der am Sonntag nach dem Umzug auf dem Ebnet-Areal verbrannt wird als eine Art Ausserrhoder Böögg – warum der Gidio so heisst, wie er heisst, ist unklar.

Szenen vom "Gidio Hosestoss" in Herisau. (Screenshot Homepage Appenzellerland Tourismus)

Samstag, 8. Februar 2025

Das letzte Dorf

Einmal Winterwandern, einmal Wandern im Winter.
Es gibt, was das Wandern im frostigen Jahresviertel betrifft, eine begriffliche Unterscheidung, die ich sinnvoll finde und anwende. Einerseits ist da das Winterwandern, das sich auf gewalzten Pisten und mehr oder minder geräumten Strässchen abspielt, in der Regel jedenfalls auf Schnee und in den Bergen. Und anderseits ist da das Wandern im Winter, das für gewöhnlich im Flachland stattfindet, wo Schnee keine oder keine grosse Rolle spielt, gegangen wird auf normalen Wanderwegen, allenfalls trägt man mal ein Paar Stulpen. Heute werden wir im Schaffhausischen unterwegs sein. Ich freue mich auf die Route, weil sie uns durch das letzte Dorf des Kantons führt, das ich noch nicht kenne. Mehr von dieser Wanderung im Winter erzähle ich nächstens.

Freitag, 7. Februar 2025

Kostbar und verletzlich

Vrins Kirche ist ein Bijou.
Schädel als Baumaterial für das an die Kirche angefügte Beinhaus.
In der "Ustria dalla Posta" gibts Feines zu degustieren. (Foto: Ronja)
Wie gut geht es Vrin? Das 250-Menschen-Dorf zuhinterst in der Talschaft des Lugnez, in einer 47-minütigen Postautofahrt ab Ilanz erreichbar, präsentiert sich dem Aussenstehenden als Idyll, ich und meine Begleiterin waren bei unserer Visite am Montag berückt. Die kolorierte Kirche! Die Blockhäuser aus Holz in Strickbauweise! Die urgemütliche "Ustria dalla Posta", in der die Einheimischen grad jassten, auf Rätoromanisch parlierend! Alles liebenswert. Freilich waren die Jasserinnen und Jasser alle im sehr fortgeschrittenen Alter. Ob es mit der Verjüngung klappt, ob im Ort auch Bewegung herrscht, wenn nicht die Sonne scheint und unsereins Unterländer vorbeischaut, ob sich das Gewerbe samt der Metzgerei und dem Volg halten kann: Ich hoffe es. Einen konkreten Grund zu zweifeln habe ich nicht. Bloss kam mir das kleine Vrin, das so vieles richtig gemacht hat, das zum Beispiel das Land rundum der Spekulation entzogen hat und für die mit Sorgfalt betriebene Erneuerung des Dorfbildes 1998 den Wakkerpreis bekam – mir kam das kostbare Vrin unendlich verletzlich vor.
Hässlich ist hier gar nichts. (Foto: Ronja)

Dienstag, 26. November 2024

Osterfingens Stolz

Die Bergtrotte Osterfingen. Am rechten Bildrand ist das angebaute moderne Restaurant erahnbar.
Wir tranken einen Osterfinger, logisch.
Die Bergtrotte Osterfingen steht im Weinberg oberhalb des Dorfes; wer Osterfingen nicht kennt, kennt vielleicht das Nachbardorf Wilchingen, dies nebenbei. Die Trotte ist alt, sie wurde 1584 gebaut und repräsentierte die Dominanz der Stadt Schaffhausen. Die einheimischen Winzer waren nämlich gezwungen, ihre Trauben hier keltern zu lassen zu vorgegebenen Preisen. Das ist lange her, man ist heute in Osterfingen stolz auf die Trotte, die 1962 von der örtlichen Rebbau-Genossenschaft übernommen wurde. Am Samstag besichtigten wir die riesige Fachwerkhalle. Wesentlich länger hielten wir uns allerdings im modernen Ergänzungsbau aus Beton auf, in dem ein stilvolles Restaurant untergebracht ist, das "1584". Wir assen dort sehr gut. Wer auch hin will, muss dies bis zum 22. Dezember tun. Oder bis April 2025 warten. Im Zeitraum dazwischen wird die Bergtrotte Osterfingen umgebaut, in ihr sollen vermehrt auch Kulturanlässe stattfinden.
Das "1584" ist stilvoll eingerichtet.

Montag, 18. November 2024

Mit dem Belchentunnel kam der Niedergang

Langenbruck, das Baselbieter Dorf bei der Passhöhe des Oberen Hauensteins, war einst ein Kurort mit etlichen Restaurants und Hotels. Heute sind die meisten der gastlichen Häuser eingegangen. Speziell schadete der Branche die Eröffnung des Belchentunnels der A2 im Jahr 1970, denn ab da fuhren die meisten Autos, Cars, Lastwagen nicht mehr über den Berg vom Schweizer Mittelland in die Nordwestschweiz. Die traurigste Ruine im Dorf ist der "Bären", in dem einst die Prominenten abstiegen, darunter mehrere Bundesräte. 2007 kam das Traditionslokal nach dem Konkurs unter den Hammer, es wurde zum Spekulationsobjekt, immer wieder mal wechselt seither die Liegenschaft die Hand. Pläne, im alten Hotel Wohnungen zu realisieren, zerschlugen sich, was die Eigentümer wollen, ist nicht wirklich klar. All das las ich in der "bz – Zeitung für die Region Basel", der vor zwei Wochen erschienene Artikel schliesst mit dem Langenbrucker Gemeindepräsidenten, der sagt: "Wenn sich im 'Bären' etwas tut, würde die Aufbruchstimmung, die wir latent spüren, im Dorf manifestiert. Das könnte uns einen Schub geben." Schön wärs, dachte ich, als ich am Donnerstag an der Haltestelle gegenüber dem "Bären" wartete und dessen Anblick ein wenig deprimierend fand.
Szenen des Niedergangs: der "Bären" in Langenbruck, geschlossen seit vielen Jahren.

Donnerstag, 7. November 2024

Es ist immer die Siedwurst

Vier Mal die Schaukäserei Stein bzw. ihr Restaurant.

In Stein AR, wo ich geboren und – weitgehend – aufgewachsen bin, gibt es zwei Restaurants meines Vertrauens. Zum einen ist da der "Ochsen", wo Margrit Wild umsichtig wirtet, ich liebe ihren Braten. Zum anderen ist Stein bekannt für seine Appenzeller Schaukäserei. Die hat auch ein Restaurant, in dem ich mit meiner Mutter essen gehe, wenn der "Ochsen" Ruhetag hat oder Ferien. Die machen das auch gut, finde ich, für eine an einen touristischen Betrieb angeschlossene Gastrostätte ist alles überdurchschnittlich: der Service, das Essen, die Dekoration. Diese Woche war ich wieder mal in der "Schauchäsi", an der ich auch schätze, dass ich nie überlegen muss, was ich nehme. Es ist immer die Siedwurst mit Käshörnli.

Mittwoch, 12. Juni 2024

Ein Dörfchen lebt auf

Das "Post Hotel Löwe" vor und nach dem Umbau.
(Alle Fotos: "Nova Fundaziun Origen", Benjamin Hofer)

Das Minidorf Mulegns, etwas unterhalb des Marmorerasees an der Julierpassstrasse gelegen, hat seine besten Tage hinter sich. Würde man meinen. Derzeit scheint der Ort mit noch 14 Einwohnerinnen und Einwohnern, der seit einigen Jahren der Gemeinde Surses zugehört, aufzuleben. Im September, etwas später als angekündigt, wird der 30 Meter hohe "Weisse Turm" eingeweiht, er gilt als höchstes im 3-D-Druckverfahren hergestelltes Bauwerk der Welt (Foto hier). Bereits letzte Woche öffnete das aufwändig umgebaute "Post Hotel Löwe"; es ist bald einmal 200 Jahre alt und florierte in der grossen Zeit des Passverkehrs um 1900. Wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht, beteiligte sich die "Schweizer Berghilfe" mit 350 000 Franken an der Sanierung. Hinter beiden Projekten steht die "Nova Fundaziun Origen" des Kunstintendanten Giovanni Netzer aus Riom ganz in der Nähe von Mulegns.

Glänzt wie neu: ein Gang.
Extravagante Tapeten, splendide Nassanlagen: ein Zimmer. 

Montag, 25. September 2023

Da gehn wir wieder hin

Blick zurück auf Beggingen einige Zeit nach dem Start daselbst.
Kurz vor dem "Randenhaus". In Schaffhausen haben sie schöne Wolken.
Begginger Birnen.
Der Randen, das Schaffhauser Jurahochland, hat bei aller Schönheit einen Nachteil: Er ist klein. Geht man öfters hin, macht sich das bemerkbar, gar nicht einfach, jedesmal eine andere Route zu finden. Nun, am Samstag gelang es weitgehend, einmal abgesehen vom Mittelteil der Wanderung, als wir für den Zmittag dem Siblinger Randenhaus zustrebten. Gestartet waren wir in Beggingen, einem ungeheuer abgelegenen Dorf. Zuerst durch die Felder, dann durch den Wald gelangten wir auf den Felssporn mit dem Schleitheimer Randenturm und den kümmerlichen Resten der Randenburg; die schmalen Kehren im steilen Hang unterhalb bereiteten Spass umso mehr, als wir sonst die meiste Zeit auf breiten Waldwegen und Fahrsträsschen unterwegs waren. Zum Beispiel auf dem folgenden Abschnitt vom Turm hinab zum Randenhaus, in dem wir wieder einmal sehr gut assen, siehe Eintrag von gestern. Via Hinterranden und Stauffebärg hielten wir später hinab nach Löhningen, Ende der Wanderung. Wenig anstrengend war diese gewesen und erholsam, der Randen mit seinen weiten Flächen abseits der Dörfer in den Tiefen rundum harmonisiert das Gemüt. Macht es ruhig. Weswegen wir irgendwann ein nächstes Mal hingehen werden. Wieder auf neuen Pfaden, hoffentlich.
3 1/2 Stunden. 460 Meter aufwärts, 520 abwärts.
Schmaler geht nicht. Spalt zwischen zwei Häusern in Löhningen.

Samstag, 9. September 2023

Tod einer Seilbahn


Erstaunlich, wie spät Mund VS mit einer Strasse erschlossen worden ist: 1978 erst, von Naters her, der Nachbargemeinde von Brig. Zuvor war das Hangdorf über dem Rhonetal jahrhundertelang nur über einen Saumpfad erreichbar gewesen. 1951 nahm die Seilbahn Gamsen-Mund den Betrieb auf. Sie verkehrte bis 1984, die Strasse machte sie überflüssig. Am Montag passierten wir etwas ausserhalb von Mund die alte Bergstation der Seilbahn. "Ein Stück Munder Heimat" sei mit ihr verlorengegangen, steht in der Dorfchronik zu lesen.

Mittwoch, 6. September 2023

Die Galgenwanderung

Kreuz und Galgen in Finnen.
Finnen im Rückblick, hinten links der Mitte das Weisshorn.
Die Kapelle im kleinen Dorf Färchu.

Vorgestern machten wir eine Wanderung am Hang nördlich über Brig. Sie führte von Eggen nach Finnen, weiter via Chaschtler und Färchu nach Mund und schliesslich ins benachbarte Birgisch. Dreieinhalb Stunden brauchten wir für die Strecke bei 610 Metern aufwärts und 590 abwärts; weil es heiss war, fand ich die Unternehmung durchaus anstrengend. Schön war sie auch und abwechslungsreich, hier ein paar Dinge, die uns gefielen oder die uns doch auffielen und uns beschäftigten.

  • Das kleine Finnen hat seinen historischen Galgen auf dem nahen Hügel Galguhubol nicht abgebaut, sondern ins Dorf geholt. Dort steht er nun mit hängender Schlinge inmitten der sonnengeschwärzten Holzhüsli und Speicher, was im Zusammenspiel mit der nahen Kapelle und dem riesigen Kreuz wirkt wie eine Szene aus einem Italowestern.
  • Man hat auf der Route einen grossartigen Blick zu den hohen Bergen gegenüber im Süden, darunter das Allalinhorn, das Matterhorn, das Fletschhorn und das Weisshorn.
  • Immer wieder mal gingen wir an einer Suone, einem jener Wasserkanäle, die typisch sind für das Wallis. Manche der Suonen des Kantons führen an senkrechten Felswänden entlang, ihre Begleitwege sind gefahrvoll. Auf unserer Route war alles harmlos. Und gleichzeitig erfrischte das Gluckern des Wassers.
  • In Mund assen wir wieder einmal gut im Restaurant Safran, das seinen Namen natürlich von jener Pflanze hat, für die Mund berühmt ist: vom Safran eben. Noch ist nicht Erntezeit. Freude bereitete uns die ähnlich aussehende Herbstzeitlose. Ihr Lila schmückt derzeit die Wiesen, sie blüht.
    In Mund gedeiht nicht nur Safran: fast reife Tomaten.

Donnerstag, 31. August 2023

Das sumpfige Saignelégier

Saignelégier, das Alte Schulhaus. Es ist "der Jugend" (juventuti) zueeignet.

Nachdem ich kürzlich in Saignelégier war, schlug ich nach, was es mit dem Ortsnamen auf sich hat; mache ich routinemässig. Saignelégier sei die verballhornte Form von Sankt (Saint) Leodegar, hatte ich mal irgendwo gelesen. Nun, das stimmt nicht. Richtig ist: Der Ortsname kombiniert sagne, Sumpf, mit dem Eigennamen Légier; wer dieser Légier war, wissen wir nicht. Viel mehr ist dazu nicht zu sagen. Halt doch: Dasselbe sagne, das auf einen vorkeltischen, also uralten Ausdruck zurückgeht, steckt zum Beispiel auch in den Schweizer Ortsnamen La Sagne, Sagno und Massagno.

Dienstag, 8. August 2023

Okra im Baselbiet

Mein Curry war sehr fein.

Im Restaurant Waldgrotte. Foto unten: die Terrasse.
Unsere Samstagswanderung führte uns von Sissach nach Rheinfelden, hier vorab etwas zum Zmittag an einem Ort, der uns allen sympathisch war. Wir assen im Tierpark von Buus, der ein wenig oberhalb des Dorfes liegt, das man schön im Blick hat. Genauer gesagt, spiesen wir im tierpark-eigenen Restaurant "Waldgrotte", dessen Karte überrascht, ich hatte ein Jaffna-Curry mit Gemüse, darunter Okraschoten. Und dazu ein örtliches Bier, ein "Buusner Bräu", das dem Brauer allerdings nicht wirklich gelungen war, man öffnete die Flasche, worauf es zu schäumen begann und nicht mehr zu schäumen aufhören wollte. Nun, wir stiegen um auf einen Roten aus der Gegend, aus Maisprach, eine Assemblage aus Cabernet Dorsa und Merlot. Der war wunderbar. Das Restaurant Waldgrotte schien im Dezember 2020 am Ende, Corona hatte ihm zugesetzt. Seit gut zwei Jahren ist es wieder offen, vom ehemaligen Betreiber haben seine zwei Töchter samt dem Ehemann der einen Tochter übernommen. Die machen das gut, geben sich Mühe. Und die zwei kleinen Buben der einen Tochter, die uns ihre neusten Spielzeuge zeigten, der eine eine Miniaturmotorsäge und der andere einen Miniaturrasenmäher, waren herzig. Ob die mal Förster und Gärtner werden? Oder doch Wirte im Familienrestaurant?
Blick vom Restaurant und dem Tierpark auf das Dorf Buus.

Donnerstag, 3. August 2023

Storchenproblem im Storchendorf

Das Wappen von
Oetwil am See ZH.
(Wikicommons)
Als wir am Samstag in Oetwil am See loswanderten, freuten wir uns grad sofort, in der Langholzstrasse, über die Störche ganz in der Nähe; die einen Nester sind auf Stangen platziert, die anderen auf Dachfirsten. 1979 waren die Weissstörche hierzulande praktisch ausgestorben. Ein nationales Aufzuchtprogramm startete, auch Oetwil, das seit 1836 einen Storch im Wappen führt, beteiligte sich am Versuch, neue Populationen heranzuziehen. Das Unterfangen klappte spektakulär, gemäss der Gesellschaft Storch Schweiz gibt es heute 887 Storchenpaare im Land, viel mehr, als man vorsah. Oetwil, das oft als "Storchendorf" bezeichnet wird, habe seit einiger Zeit ein Problem mit den vielen Störchen, las ich diesen Frühling in der "Zürichsee-Zeitung". Viele Leute wollen keine Störche auf ihrem Dach, nur schon wegen der Ausscheidungen, die an den Dächern weissliche Spuren zeitigen. Rutscht ein Nest ab, kann es die Dachrinne blockieren. Auch sind die Revierkämpfe um bestehende Nester nicht immer schön anzuschauen. So kommt es, dass der örtliche Storchenverein jetzt Einwohnerinnen und Einwohner beraten muss, die auf ihrem Dach kein Nest möchten. Wer bei sich keine Störche will, montiert zur Abschreckung stumpfe Nadeln. Oder lässt auf dem First eine Kupferschicht anbringen, auf der die Vögel keinen Halt finden; zudem erhitzt sich die Schicht im Sommer zu einer sehr ungastlichen Temperatur. Manchmal hat man halt einfach zu viel Erfolg. Auch das kann ein Problem sein.

PS: Wie es mir gestern Mittwoch im Wallis erging und was meine Wanderung mit Asien zu tun hatte – mehr dazu morgen und übermorgen.