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Donnerstag, 16. Juli 2026

Die Marche de rupture

Ein Foto vom letzten Jahr: auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela. 
Jakobswandern als Kinostoff: das Filmplakat. 
Seit ich letztes Jahr auf dem spanischen Jakobsweg für eine Reportage unterwegs war, bin ich von diesem fasziniert. Ehrensache, dass ich mir – diese Woche wars – im Kino den französischen Spielfilm "Compostelle" anschaute. Der erzählt von einer entlassenen Lehrerin, die einen jugendlichen Straftäter auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela begleitet. In Frankreich nennt man das eine "marche de rupture" oder "marche éducative", gemeint ist ein Marsch, der aus dem Alltag reisst und erzieherisch wirkt. Ein Richter, eine Richterin kann die Jakobsroute einem jungen Menschen als Alternative zu einem Gefängnisaufenthalt anbieten. So zottelt das ungleiche Paar, der Delinquent und die ihm behördlich zugeordnete Begleiterin, also los. Von der Mühsal des Langstrecken-Wanderns ist nicht viel zu spüren, dafür sind die grossartigen Landschaften Südfrankreichs und Nordspaniens mit der Drohne genial eingefangen. Die Handlung ist von Kitsch durchsetzt und sprunghaft. Wenn ich am Ende doch zufrieden aus dem Kino ging, dann darum, weil es im letzten Viertel doch einen entscheidenden Bruch gibt – die Geschichte nimmt eine sehr unerwartete Wendung. Also: Widmer gäbe nach Schweizer Schulsystem die Note 4,75 und empfiehlt den Besuch durchaus.

Sonntag, 14. Dezember 2025

Der Donnersohn

Seit wir von Konstanz auf dem Jakobsweg nach Genf gepilgert sind, seit ich zudem den spanischen Jakobsweg von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela erkundet habe, fühle ich mich Jakob verbunden. Schliesse ich die Augen und stelle ihn mir vor, sehe ich die Darstellungen, die ich vom Jakobsweg kenne: bärtiger Mann, Pilgerstock, Muschel, Schlapphut. Gestern traf ich in Lenzburg wieder auf Jakob, bloss kommt er auf der etwas mehr als 500-jährigen Ikone anders daher. Ohne Pilgerattribute. Als Jünger Jesu. So wie ihn die Bibel uns präsentiert. Jesus nannte Jakob, weil dieser nicht immer sein Temperament im Griff hatte, "Donnersohn". Der Ikonenmaler drückt das Ungestüme des jungen Mannes aus, indem er diesen in Bewegung abbildet mit einem Gewand und einem Untergewand, die beide Falten werfen. Subtile Sache. 

Mehr zu Lenzburgs Ikonenmuseum nächstens. Wir schauten dort am Samstag im Rahmen unserer Weihnachtswanderung vorbei.

Mittwoch, 24. September 2025

Endlich ist sie erschienen

Ende Mai war ich einige Tage lang unterwegs auf dem "Camino Francés", dem wichtigsten spanischen Jakobsweg. Besuchte zwischen den Pyrenäen und der Atlantikküste wichtige Pilgerorte mit dem Auto, wanderte jeden Tag immerhin auch ein, zwei Stunden. Und nun darf ich glücklich vermelden, dass meine über neun Seiten sich ziehende, splendid bebilderte Reportage endlich erschienen ist. Wer sie lesen will: kaufen! Das neue Heft der "Schweizer Familie" ist ab heute am Kiosk erhältlich!

Dienstag, 26. August 2025

Wer kennt Pierre Viret?


Zürich hatte Zwingli, Genf hatte Calvin, Basel hatte Oekolampad, Bern hatte Haller, St. Gallen hatte Vadian, Chur hatte Comander. Aber wie heisst der Reformator von Lausanne? Der Name Viret ist mir erst ein Begriff, seit ich in Lausanne einen Brunnen mit einem Flachrelief sah, das den Mann darstellt. Die Fontaine Pierre Viret wurde 1921 gebaut, die Inschrift zitiert einen ziemlich verschachtelten Satz aus einer der Schriften Virets: "Wenn ich gehalten bin zu wünschen, dass Gott unter den Menschen gerühmt werde, wo würde ich mehr und früher wünschen, dass ihm das geschieht, als im Land meiner Geburt?" Virets reformatorischer Eifer mag sich übrigens auch dadurch erklären, dass er in Paris mit Jean Calvin studiert hatte, dem glühenden Genfer Reformator, der es zu weltweiter Berühmtheit brachte.

Dienstag, 22. Juli 2025

Jakob in Zürich

Wer sich einmal für die Jakobspilgerei begeistert hat, sieht fortan überall ihre Zeichen. Eben war ich in Zürich an der Stampfenbachstrasse unterwegs, einer Einfallstrasse in die Stadt. Bei der Hausnummer 78 erblickte ich einen Brunnen und darüber eine Figur. Grober Stock, Muschelhut, Provianttasche, Kürbisflasche – ja, eindeutig ist das ein Jakobspilger, wenn nicht gar Jakob selber. An Information fand ich im Internet wenig, immerhin aber dies: Es handelt sich um den "Pilgerbrunnen" der Künstler Joseph von Wyl, Hermann Herter und Walter Arnold Gygi; wer von den dreien was schuf, kann ich nicht sagen. Platziert wurde das Werk aus Oggione-Hartsandstein 1933, die Idee war laut einer Notiz in der NZZ von damals, den in Zürich durchziehenden Pilgern einen sinnreichen Wasserspender zur Verfügung zu stellen – und darüber hinaus das Pilgerwesen als jahrhundertealte Tradition zu feiern.

Sonntag, 20. Juli 2025

Der Steg hat ein Problem

Ein Foto vom Ostersamstag 2024. Damals machten wir die Jakobsweg-Etappe
Rapperswil–Einsiedeln. Gleich als erstes gings auf dem Holzsteg über den Obersee.
Die verantwortlichen Fachleute gäben dem Material eine Lebensdauer von 50 bis 70 Jahren, liess die Stadt Rapperswil SG, heute Rapperswil-Jona SG, verlauten. Das war 2001, als der Holzsteg aus unbehandeltem Eichenholz eröffnet wurde, der über den Obersee nach Hurden führt, einem Ortsteil von Freienbach SZ. Das Bauwerk, 841 Meter lang, wurde schnell zum Wahrzeichen der Gegend. Drei Millionen Franken hatte es die Gemeinden an beiden Ufern gekostet. Diese Woche las ich im "Tagi", dass der grandiose Steg ein Problem hat. Ein Pilz setzt dem Holz zu und macht regelmässig teure Unterhaltsarbeiten nötig, die Stabilität der Konstruktion wird von einem Ingenieurbüro überwacht. Mittlerweile sieht es so aus, als sei ein Neubau günstiger als die permanente Wartung. Bereits budgetiert die Stadt Rapperswil-Jona eine Million Franken für den Projektwettbewerb. 50 Jahre alt wird der schöne Steg also kaum. Und viel Festfreude dürfte nächstes Jahr anlässlich seines 25. Geburtstages nicht aufkommen.

Montag, 2. Juni 2025

Ich war am Ende

Hier ist alles fertig: Kap Finisterre.
Dies ist nicht der westlichste Punkt Europas, es gibt Orte, die weiter in den Atlantik vorgeschoben sind. Aber man hat doch fest das Gefühl, dass bei Kap Finisterre nah Santiago de Compostela der Kontinent endet. So empfanden es die Menschen in der Antike, und so besagt es ja auch der Name, Finisterre heisst "Ende der Welt". Nur folgerichtig, dass für viele Leute erst an diesem Ort – und nicht im 60 Kilometer enfernten Santiago – die Jakobspilgerei definitiv abgeschlossen ist. Deshalb der Kilometer-Null-Stein in Finisterre, den ich am Freitag ebenso besuchte wie den berühmten und vielfotografierten Leuchtturm.
So, hiermit beende ich die Berichterstattung über mein Spanienreisli. Es war schön, intensiv, bereichernd. Und jetzt wende ich mich wieder der Schweiz und meinen Wanderungen in ihr zu.
Jakobspilgern geht auch mit dem Pferd: Dieser Mann ist von
Reus, einer Stadt in Katalonien, nach Finisterre geritten.

Sonntag, 1. Juni 2025

Toño spielt auf

Der Dudelsack, die Gaita, ist das Nationalinstrument von Galicien in der Nordwestecke Spaniens. Mein Führer Juan erzählte mir das am Donnerstag im Auto, derweil wir Galicien erreichten. Tatsächlich trafen wir eine halbe Stunde später in O Cebreiro, das am Camino Francés liegt, gleich beim Dorfeingang auf Toño. Der stand dort, spielbereit, mit dem Dudelsack. Der 67-Jährige berichtete, dass sein Vater wie viele andere Männer der Gegend in der Schweiz gearbeitet hatte, auf dem Bau. Unser Gespräch wurde immer wieder unterbrochen, wenn ein Pilger, eine Pilgerin einlief. Dann intonierte Toño mal kurz eine schmissige Melodie. Was für eine stilvolle Begrüssung, wenn man sich ins abgelegene O Cebreiro, 1300 Meter über Meer, hochgewandert hat.
Blick von O Cebreiro über das galicische Bergland.

PS: Hier der Link zu meinem 25-Sekunden-Filmli mit Toño in Aktion.

Samstag, 31. Mai 2025

Sie legen ihre Sorgen ab

Endlich, die Passhöhe mit dem Eisenkreuz.
Um das Kreuz liegen beschriftete Steine
mit persönlichen Botschaften aller Art.
Auf meiner Jakobsweg-Reise durch Nordspanien bin ich wenig gewandert. Dafür legten wir in fünf Tagen weit mehr als tausend Kilometer im Auto zurück. Rasender Reporter und so, wir waren jeweils von morgens bis abends unterwegs mit höchstens zwei kurzen Pausen, der Znacht nach acht war die Belohnung. Am Donnerstag genoss ich es, mal wieder eine Stunde zu Fuss zu gehen, und zwar zum höchsten Punkt des Camino Francés, der von den Pyrenäen nach Santiago führt. Am Monte Irago steht auf 1515 Metern, auf einen Baumstamm montiert, ein Kreuz aus Eisen, "La Cruz de Ferro" heisst es. Hier deponieren Pilgerinnen und Pilger Steine, die sie zuvor aufgelesen haben; manche beschriften ihren Stein mit den eigenen Sorgen, die sie an diesem Ort sozusagen deponieren können. Andere Leute geben der Menschheit gute Gefühle mit. Ich fand das berührend.

Freitag, 30. Mai 2025

Das Königinnenrätsel

Einer der schönsten Orte, die ich auf meiner Jakobsweg-Reise durch Nordspanien kennengelernt habe: Puente la Reina in der Region Navarra. Hier vereinen sich zwei Stränge des berühmten "Camino Francés"; beide haben zuvor, von Frankreich nach Spanien führend, die Pyrenäen überquert, der eine etwas westlicher als der andere. Puente la Reina ist das Nadelöhr, hier müssen sie alle durch, die nach Santiago de Compostela wollen. Der Name "Königinbrücke" rührt von der Brücke über den Fluss Arga, wer aber die Königin war, die sie – 110 Meter lang, sieben Bögen – im 11. Jahrhundert in Auftrag gegeben hat, bleibt unklar. Jedenfalls war es eine segensvolle Investition, denn mit dem Pilgervolk kam der Aufschwung. Der Ort ist ohne die Brücke undenkbar, sie ist seine Geschichte und seine Essenz.

PS: Ade Spanien. Heute morgen sausen wir von Santiago, wo ich übernachtet habe, nach Finisterre. Schauen uns am "Ende der Welt", was der Name ja bedeutet, den Leuchtturm an. Und dann gehts per Bus zum Flughafen von Porto in Portugal und von dort heim. Gegen Mitternacht, so der Plan, sollte ich im Zollikerberg ankommen.

Donnerstag, 29. Mai 2025

Kalen trinkt

Kalen, eine junge Amerikanerin, gönnt sich jetzt einen Roten.
Ein Traum wird wahr. Am Dienstag kamen wir auf dem Camino Francés am Weingut Irache vorbei, das bei einem alten Kloster steht, eine halbe Autostunde westlich von Pamplona. Ich war nicht sonderlich erstaunt, dort eine kleine Schar von Pilgerinnen und Pilgern in vergnügter Stimmung anzutreffen. Besagtes Weingut unterhält seit 1991 einen Rotweinbrunnen für jedermann. Man öffnet den Hahn und füllt das Trinkgefäss, das man freilich selber mitbringen muss. Ich probierte auch und war eigentlich ganz zufrieden. Der Wein war zwar jung und eher schwach im Gout, doch da es heiss war, fand ich das passend. Was für ein schöner Gratis-Apero. 
 

Mittwoch, 28. Mai 2025

Die bösen Araber

Vor dem Kloster Roncesvalles erinnert ein Gedenkstein an die Schlacht von 
778, in der, so die lateinische Inschrift, die "Basken auf dem Gipfel des Berges angriffen".
Roncesvalles oder, auf Baskisch, Orreaga.
An unserem ersten Tag in Spanien machten wir am Montag in Roncesvalles halt, einem Kloster am Ibañeta-Pass hart an der Grenze zu Frankreich. Draussen vor dem Kloster trafen wir drei südkoreanische Jakobspilger, die uns ihr Smartphone entgegenstreckten und in rudimentärem Englisch fragten, ob sie hier in Roncesvalles seien; in der Tat zeigte ihr Navi "Orreaga" an und nicht "Roncesvalles". So geht das im Baskenland, wo die spanische Sprache neben der baskischen steht. Apropos Basken: Sie lauerten in Roncesvalles 778 den Truppen Karls des Grossen auf, der zuvor ins grossteils von den Arabern beherrschte Spanien eingefallen war und sich nun auf dem Rückzug befand. Karls Nachhut unter der Führung des Grafen Roland wurde vollständig vernichtet, aus dem Gemetzel ist das berühmte Rolandslied entstanden. Freilich sind es in diesem mittelalterlichen Heldenlied die Araber, die Roland und seine Männer töteten – Kunst war schon damals auch ein Mittel der politischen Propaganda.

Dienstag, 27. Mai 2025

Baskische Impressionen

Gestern kam ich am Vormittag um zehn Uhr in Bilbao im spanischen Baskenland an. Von dort reisten mein Führer und ich im Mietwagen nach Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich. Wir schauten uns in dem reizenden Örtchen um. Assen etwas. Überquerten im Folgenden auf einer atemberaubenden Passstrasse die Pyrenäen, kamen wieder nach Spanien, machten einige Abstecher und Halte und langten schliesslich abends um sieben in Pamplona an. So geht das, wenn man als Reporter unterwegs ist, meist ist das Programm ehrgeizig getaktet – ich bitte um Vergebung, wenn meine Mitteilungen in den kommenden Tagen kurz ausfallen. Ah ja, ich muss noch sagen, was mein journalistisches Thema ist: Wir sehen uns den Camino Francés an, den spanischen Jakobsweg von der französischen Grenze bis nach Santiago. Gewandert wird nur wenig, ebenso sehr wie um den Weg geht es um die Dinge an ihm von Kultur über Kirche bis Kulinarik.

PS: Hier Schnappschüsse aus Saint-Jean-Pied-de-Port. Der Ort im französischen Baskenland lebt vom und für den Jakobsweg, dem praktisch jeder Betrieb vom Sportartikelladen über die Herberge bis zum Restaurant zudient.

Donnerstag, 1. Mai 2025

Noch einmal davongekommen

St. Jost in Blatten bei Malters LU.
Der heilige Jakob, Freund aller
Pilgerinnen und Pilger. (Foto: Ronja)
Was für eine riesige Kirche, gemessen am kleinen Weiler, in dem sie steht. St. Jost findet sich in Blatten, einem Mini-Ort drei Kilometer östlich von Malters. Am Samstag kamen wir auf dem Alpenpanorama-Weg vorbei an dem mehrfach erweiterten Gotteshaus mit seinen Seitenkapellen und dem Beichthaus. Draussen trafen wir ein junges deutsches Pärli beim Picknicken, Jakobspilger. Und freuten uns drinnen, unseren alten Freund Jakob zu sehen, den Pilgerheiligen, der mit Bart und Schlapphut stets ein wenig aussieht wie ein Waldschrat. Dass es diese reich ausgestattete und geschmückte Kirche gibt, hat mit dem Bauer Hartmann Krämer zu tun. Er wurde 1367 auf der Wallfahrt zum Schrein des heiligen Jost in der Picardie in Frankreich von einem Räuber überfallen, kam mit dem Schrecken davon und gelobte, zuhause auf seinem eigenen Land eine Kapelle zu errichten. 1391 wurde sie geweiht.
Drinnen. (Foto: Ronja)

Sonntag, 30. März 2025

Alarm in Galgenen

Bruder Klaus in der Jostenkapelle.
Jakobspilger haben in der Kapelle ihre Zeichen
hinterlassen, darunter die Jakobsmuschel.
(Foto: Ronja)
Vorgestern löste ich in der Jostenkapelle am Rand des Dorfes Galgenen SZ den Alarm aus. Dabei hatte ich mich den Wandbildern, die Szenen aus dem Leben von Bruder Klaus zeigen, nur auf einen guten Meter genähert und dabei das Smartphone etwas weit über die Abschrankung Richtung Klaus gestreckt – fotografieren muss doch aber sein. Nun, Gott sei Dank beruhigte sich die Alarmanlage, deren schriller Ton sicher in der Nachbarschaft zu hören war, gleich wieder, es war wohl eine Art Warnung gewesen. St. Jost ist eine grossartige Kapelle, eine der kostbarsten im kapellenreichen Kanton Schwyz. Draussen ist der Rütlischwur aufgemalt, drinnen sind Fresken zu sehen, auch das Leben des heiligen Jost, der der Kapelle ihren Namen gibt, wird in Bildern erzählt. 1362 ist sie das erste Mal erwähnt, wurde seither mehrere Male umgestaltet, bis zur Reformation kamen hier Unmengen von Pilgern vorbei, die Richtung Einsiedeln zogen oder auch, auf dem Jakobsweg, nach Santiago de Compostela. Unsereins hatte am Freitag einen anderen Plan, wir machten Etappe sieben auf dem Alpenpanorama-Weg von Siebnen-Wangen nach Einsiedeln. Mehr über diese Route morgen oder übermorgen.
Rütlischwur an der Aussenwand.

Erster Anblick der Jostenkapelle.

Samstag, 1. März 2025

Heute geht es los

510 Kilometer Länge
17 800 Höhenmeter aufwärts
17 800 Höhenmeter abwärts
29 Etappen

Vom Bodensee an den Genfersee: der Alpenpanorama-Weg
bei Schweizmobil (Screenshot).
Oben die Zahlen zum Schweizer Alpenpanorama-Weg, der von Rorschach nach Genf führt und durchgehend als nationale Route Nr. 3 ausgeschildert ist. Heuer wollen wir uns diesem Weg widmen, der nicht etwa durch die Alpen führt, sondern durch die Voralpen; die Alpen bilden die zweifellos attraktive Kulisse. Zwei Dinge weiss ich nicht. Erstens, ob wir alle Etappen machen werden; bis Lausanne weichen sie praktisch integral vom Schweizer Jakobsweg ab, den wir letztes Jahr begingen, ab Lausanne gibt es dann Überlappungen. Gut möglich daher, dass wir nur bis Lausanne laufen. Zweitens zweifle ich, dass wir jede Etappe voll durchziehen, manche Stücke sind etwas gar lang mit sehr viel Höhendifferenz; kann also sein, dass wir immer wieder mal eine Etappe in zwei kleine aufteilen. Heute starten wir jedenfalls in Rorschach. Ob uns die Unternehmung gefällt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen – schwer, den Jakobsweg (Nr. 4) zu überbieten, der uns 2024 mit seiner historischen Tiefe und den vielen Kirchen und Kapellen am Weg voll und ganz in seinen Bann schlug. Wir werden sehen.

Freitag, 10. Januar 2025

Andreas kehrt ein

Grossartig. Derweil ich und mein Grüppli ausgepilgert haben, geht mir ein unlängst erschienenes Buch zu, dessen Autor Andreas Staeger ich kenne und schätze. "Natur und Einkehr" präsentiert Wanderungen zu Schweizer Pilgerorten, von denen ich gut die Hälfte kenne, während mir andere neu sind; oder dann habe ich sie noch nicht besucht. Eine gute Sache, dieses Buch mit Einkehr-Zielen wie der Antoniuskirche in Egg ZH, der Grotte de Sainte-Colombe in Undervelier JU und der Kapelle Maria Sieben Schmerzen in Salgesch VS. Auch wenn "Einkehr" in diesem Fall nichts mit Gastronomie zu tun hat.

Dienstag, 31. Dezember 2024

Stempelfieber

Mein Pilgerpass. Kurz nach Lausanne war er voll,
Vorder- und Rückseite. Ich brauchte einen zweiten.
Jeder Stempel ist eine Erinnerung.
In der Pfarrkirche in Schwyz.
Ich habe noch gar nicht vom Pilgerpass erzählt, jetzt ist der Moment, denn er gehört zu meinem Wanderjahr 2024, das in wenigen Stunden endet. In Pilgershops und -herbergen beziehbar, begleitet der Pilgerpass die Jakobswanderinnen und Jakobswanderer. Mit ihm und den Stempeln darin können sie belegen, dass sie wirklich Richtung Santiago de Compostela unterwegs sind. In manchen Unterkünften gibt es ohne Pass kein Nachtlager. Oder dann kostet es mehr. Für mich und mein Grüppli, die wir heuer den Schweizer Jakobsweg von Konstanz bis Genf machten, spielte das keine Rolle, wir übernachteten nur einmal, und das in einem ganz normalen Hotel, ansonsten fuhren wir am Abend stets wieder heim. Wir waren Tagespilgerinnen und -pilger. Lustig ist, wie versessen wir trotzdem darauf waren, uns auf jeder Etappe möglichst einen, zwei, drei Stempel zu holen. Die gibt es vor allem in Kirchen, manchmal aber auch in Pfarrhäusern, Tourismusbüros, Restaurants am Weg. In meinem Grüppli grassierte ein Stempelfieber, das an die obsessive Paninibildli-Sammlerei erinnerte. Klappte es mal nicht (in Merligen etwa war die Dorfkirche wegen einer Hochzeit nicht betretbar), waren wir alle betrübt. Auf 72 Stempel habe ich es im 2024 gebracht. Und jetzt wünsche ich allen ein frohes 2025. Mit oder ohne Stempel.
Kluge Lösung für den Fall, dass die Kirche zu ist: In Céligny GE
wartet der Stempel in einem Mauerloch der Fassade.

Samstag, 28. Dezember 2024

Das Weihnachtsfeuerchen

Pfäffikon SZ, kurz nach fünf Uhr nachmittags.
Von hier aus gehts jetzt über den Seedamm.

Auf dem Seedamm, die Lichter von Rapperswil vor Augen. 
Brennende Vorspeise im
"La Fuente". (Foto: Ronja)
Der Weihnachtsanlass unseres Grüpplis bestand erstens aus der Wanderung über den Chatzenstrick und zweitens aus einer Führung durch die Barockbibliothek des Klosters Einsiedeln. Habe ich bereits erzählt. Hinzu kam drittens ein kleiner Apéro in der bewährten "Trubä 67" ebenfalls in Einsiedeln. Und dann? Fuhren wir – viertens – mit dem Zug hinab nach Pfäffikon und liefen über den Seedamm nach Rapperswil, was ja auch zum Thema des endenden Wanderjahres passte, der Pilgerei; über den Seedamm verläuft der Schweizer Jakobsweg. Kurz vor halb sieben Uhr kamen wir in Rapperswil an, begaben uns zum Restaurant La Fuente und assen und tranken dort vom Feinsten, das war im Weihnachtsanlass Punkt fünf. Noch lange  in Erinnerung bleiben wird mir, wie auf unserem Tisch der Chorizo flambiert wurde – was für ein wärmendes Feuerchen.

Freitag, 27. Dezember 2024

Staunen mit Pater Lorenz

Pater Lorenz in der Barockbibliothek des Klosters Einsiedeln.
Eine Kostbarkeit von vielen: Pergamentband aus dem 10. Jahrhundert.
Es handelt sich um ein Lehrbuch für die Schule vom spätantiken Denker Boethius.
Eine Klosterführung in Einsiedeln kann man beim örtlichen Tourismus für wenig Geld buchen. Wir, unser acht, entschieden uns für die teure Variante, wie sie das Kloster selber anbietet, und wählten von den zwei Optionen Klosterkirche oder Bibliothek die Bibliothek. Was wir für 280 Franken im Rahmen unseres grüppli-internen Weihnachtsprogrammes bekamen, war Pater Lorenz. Der alt Rektor, Philosoph mit Doktortitel, etwas über 80-jährig, zeigte uns das Oratorium, in dem einst die Internatszöglinge zum internen Gottesdienst zusammenkamen. Einen langen Gang mit enorm starken Schwarzweissfotos, die gegen 100 Jahre alt sind und das Klosterleben dokumentieren mit, zum Beispiel, einem Bergausflug der Zöglinge unter Leitung zweier Patres. Schliesslich gings in den 1740 fertiggestellten Barocksaal der Bibliothek, die nächstens 1000 Jahre alt ist und insgesamt 230 000 Bücher, 934 Handschriften und viele weitere Preziosen umfasst. Ein ums andere Mal staunten wir dort. Und als wir von Pater Lorenz Abschied nahmen, war uns dieser ans Herz gewachsen. Unbedingt war seine Führung ihren Preis wert.

Pater Lorenz vor dem Bibliothekskatalog (Detail oberes Foto).
Natürlich gibts unterdessen auch einen modernen Katalog.