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Donnerstag, 25. Dezember 2025

Zinggelers Jet d'Eau

Der Sternenweiher auf der Geländeterrasse oberhalb von Richterswil ZH.
Eine Viertelstunde ist nicht lang, wenn man etwas Schönes geniessen will. Winters ist die Fontäne in Richterswil, direkt am Zürichsee-Ufer gelegen, jeweils am Sonntag von 11.45 bis 12 Uhr angestellt. Um den weltweit höchsten bloss mit der Schwerkraft funktionierenden Springbrunnen soll es sich handeln, 101 Meter schiesst das Wasser in die Höhe. Dass Richterswil einen Jet d'Eau à la Genf hat, verdankt es dem Textilindustriellen Rudolf Zinggeler-Syfrig. Er liess im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts den Bach oberhalb Richterswil in der Nähe von Samstagern aufstauen zu einem Weiher, dem Sternenweiher, dessen Wasser fortan via ein weitverzweigtes Netz von Druckleitungen die Maschinen von Zinggelers Fabrik und anderer Betriebe antrieb. Die Fontäne war ein Nebenprodukt, ein Geschenk des Unternehmers sozusagen, das die Einheimischen stolz machte und den Fremdenverkehr ankurbelte. Jahrzehntelang lief sie, doch in den 1960er-Jahren war dann doch Schluss. Bis sich später ein Verein bildete, der sie reaktivierte. Was etwas mehr als zwei Millionen Franken kostete, die alte Leitung musste ersetzt werden, und weil der Sternenweiher mittlerweile unter Naturschutz steht und aus ihm kein Wasser entnommen werden darf, wurde eine Wasserfassung etwas unterhalb gebaut. 2007 war es soweit und schoss die Fontäne wieder in die Höhe. Warum ich das alles erzähle? Weil wir am Wochenende am Sternenweiher vorbeikamen. Was für ein geschichtsträchtiges Gewässer.

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Mein neuster Giessen

Der Greiselgubel-Giessen hat eine Höhe von 43 Metern, gilt als höchster Wasserfall des Kantons Zürich und ist leicht zugänglich: In 15 Gehminuten erreicht man ihn vom Bahnhof Fischenthal im Tösstal aus. Erstaunlicherweise ist das Naturspektakel ziemlich unbekannt, jedenfalls stellte ich das in meinem Freundeskreis fest. Kürzlich besuchte ich den Greiselgubel-Giessen und war beeindruckt. Wer auch hin will: Am stattlichsten ist der Fall natürlich, wenn es zuvor kräftig geregnet hat.

PS: "Giessen" ist der regionale Mundartausdruck für einen Wasserfall.

Sonntag, 25. Juli 2021

Bündner Pyramiden


Erdpyramiden, manchmal auch "Sandpyramiden" oder "Steinmannli" genannt, gibt es an einigen Orten im Land. Die berühmtesten sind die von Euseigne im Wallis. Gestern begingen wir von Langwies aus einen Abschnitt des Dörferweges, der grad eben eröffnet wurde (ich habe vor wenigen Tagen berichtet). Nach einer halben Gehstunde Richtung Peist erreichten wir den Einschnitt des Gründjitobels und konnten ausführlich jene Erdpyramiden bewundern, die man bloss für wenige Sekunden erblickt, wenn man im Zug von Chur nach Langwies reist und kurz vor Langwies links das Tobel hinauf schaut. Zu Fuss waren wir gestern höher im Hang unterwegs und sahen die Naturattraktion aus einem anderen Winkel. Nur schon ihretwegen hat sich die Samstagswanderung gelohnt. Die Fotos, übrigens, sind nicht von mir, sondern von Ronja.

Samstag, 1. Juli 2017

Die Melchiors und ihr Wasserfall

In der Rofflachlucht: Galerie hinter dem Hinterrhein und seinem Fall.
Das Gasthaus Rofflaschlucht ist
bis heute im Besitz der Melchiors.
Seit 1833 gehört das Gasthaus bei der Rofflaschlucht oberhalb Andeer der Familie Melchior. Wirtespross Christian Melchior wanderte mit der Frau gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika aus. Dort arbeitete er als Diener, kam zu den Niagarafällen und erkannte, wie man ein solches Naturspektakel touristisch nutzen und damit Geld verdienen kann. Wieder zuhause, bohrte und sprengte er von 1907 bis 1914 einen Weg vom Restaurant in die enge Rofflaschlucht bis zum Wasserfall, hinter dem er eine Galerie in den Fels trieb, so dass der Besucher heutzutage den Hinterrhein gewissermassen hintergehen kann. Genau das tat ich am Donnerstag. Nach der Schluchtvisite und der Einkehr wanderte ich hinab nach Andeer, verspürte dort grossen Hunger und verschlang im Hotel-Restaurant Post einen Yak-Hamburger, der dem vorangegangenen Doppel-Erlebnis von Besichtigung und Wanderung kongenial war. Tolle Sache.
Weg zum Wasserfall, von Christian Melchior gebaut.

Montag, 27. März 2017

Geschützstellung wird Partyraum

Silvia Götschi, geboren im Kanton Nidwalden, ist eigentlich Krimiautorin. Ihr neues Buch freilich ist ganz anders gelagert. "111 Orte im Kanton Schwyz, die man gesehen haben muss" heisst es. Wobei: Spannungsliteratur ist das ja durchaus. Götschi präsentiert mir so einiges, das ich noch nicht gesehen habe, zum Beispiel die beiden Artilleriewerke auf der Alp Sattel-Halsegg von 1986; die eine Geschützstellung ist heute ein Partyraum, die andere wurde zum Museum für General und Landesvermesser Henri Dufour umfunktioniert. Meine Wunschliste mit Schweizer Orten, an denen ich noch nie war, wird durch dieses Buch ein Stück länger.

Sonntag, 12. März 2017

Oh wäre ich doch auch abgebogen!

"Oh wäre ich doch..." Man sagt das ab und zu beim Wandern - im Nachhinein, wenn man realisiert, dass man etwas Schönes verpasst hat. Gestern zum Beispiel. Im Schaffhausischen, östlich von Merishausen auf dem Emmerberg beim Gmaafeld. Auf dem Wegweiser war als Abstecher ein Jakobsfelsen vermerkt, wir hätten, ihn zu besuchen, je 15 Minuten hin und zurück investieren müssen. Wir waren dazu alle zu faul und wussten ja auch nicht, was der Jakobsfelsen ist. Einzig Ronja, die ging hin. Und sie zeigte, nachdem sie uns wieder eingeholt hatte, ein Foto vor. Reizend, das Felszähnchen mit der Leiter. Oh wäre ich doch auch abgebogen! Mehr von der wunderbaren Route durch den Reiat gibt es morgen zu lesen.

Samstag, 28. Januar 2017

Ausflug ins Eis

Sass hier Schneewittchen?
Hier noch der angekündigte Eintrag zu den Eispalästen Schwarzsee. Man gelangt vom Schwarzsee in 50 Minuten hin auf einem recht hübschen Winterwanderweg, der weitgehend der Warmen Sense folgt. Bei der Bushaltestelle Lichtena liegt direkt an der Sense das Areal - und wenn ich jetzt sagen sollte, wie ich es fand, so antworte ich auf Englisch: conflicting emotions! Toll fand ich, wie benachbarte Tannen geduldig mit Wasser begossen wurden, so dass sich zwischen den Ästen Eisbärte spannen; auch sieht man Eispfeiler und Eisburgen, die begehbar sind, von der einen führt eine Kinderrutschbahn wieder hinab. Weniger toll fand ich das Trashige, zum Beispiel einen Gummidinosaurier und andere Kunststoff-Figuren, die da drapiert waren. Letztlich würde ich sagen: Doch, hingehen! Vor allem mit Kindern. Und abends, wenn das Licht sicher den Zauber verstärkt.

P.S. Gestern griff "20 Minuten" meinen Eintrag über Coop auf der Alm auf.