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Montag, 10. August 2026

Ein Tag im Gebirge

Zehn Minuten vor Wanderende: Es wird Abend in Sur.
Wunderschön, diese Wanderung. Aber auch anstrengend. Kürzlich nahm ich die frühestmögliche Verbindung vom Zollikerberg auf den Julier, Haltestelle La Veduta. Unterwegs stieg mein Bündner Bergfreund Peider zu, gemeinsam starteten wir auf dem Pass. Stiegen das Val d'Agnel hinauf, bogen ab zum höchsten Punkt des Tages, der Fuorcla digl Leget auf 2710 Metern über Meer. Das namensgebende Seelein ("Leget") lag uns zu Füssen. Hart der folgende Abstieg, zuerst gingen wir auf einem enorm steilen, rutschigen, bröseligen, staubigen Erdpfad, kamen dann in die Geröllzone. Weiter unten erreichten wir Weideböden, weit war es freilich auch da noch bis zur Alp Flix. Als wir auf ihr ankamen, gönnten wir uns auf der Terrasse des Berghauses Piz Platta Kaltes, ich ein Bier, Peider einen Eiscafé. Nun hätten wir eine Stunde warten müssen bis zur Abfahrt des Kleinbusses, der hinab nach Sur verkehrt. War uns zu lang, wir machten auch dieses unschwierige Stück noch zu Fuss und langten rechtzeitig unten an. Die Zeit hätte sogar noch für einen Einkauf im modernen, automatisierten 24-Stunden-Laden von Sur gleich bei der Postautohaltestelle gereicht, bloss kamen wir drinnen nicht mit der Kasse zurecht. Kein Problem, es wäre ja mehr ein Sympathiekauf gewesen. Um 5 Uhr 25 morgens war ich im Zollikerberg gestartet, um 21 Uhr war ich wieder daheim – um grandiose Eindrücke reicher. (5 Stunden, 640 Meter aufwärts, 1310 Meter abwärts)

PS: Morgen geht es um einen Abstecher auf dieser Wanderung zu einer grossartigen geologischen Formation.

Allein der Anblick kühlt ab: das Seelein auf der Fuorcla digl Leget.
Steiler Abstieg von der Fuorcla.

Es ist nicht mehr weit bis zu den flachen Böden der Alp Flix (Bildmitte).
Romantisches Surses: Spätnachmittagslicht auf der Alp Flix.

Sonntag, 7. September 2025

Wie finster der schaut

Am Freitagnachmittag hatte ich einen Auftritt im "Orell Füssli" in Langendorf, das mit Solothurn praktisch zusammengewachsen ist. Die Buchhandlung findet sich in einem Einkaufszentrum, dem "Ladendorf"; bevor ich einlief, trank ich im Migros-Restaurant gleich nebenan einen Kafi und googelte ein wenig zu Langendorf. Beim Gemeindewappen blieb ich hängen – da gibts eine Besonderheit. Das Wappen zeigt nämlich nicht nur einen Kauz, sondern enthält auch ein ganzes Wort, was selten vorkommt. "Vorwärts" steht auf einem Kanonenrohr zu lesen. Ziemlich militant. Der Kauz spielt auf die örtliche "Chutzenschützen"-Gesellschaft an. Deren Herren nahmen 1845 an einem Freischarenzug gegen Luzern teil und führten dabei ihre Kanone mit. Freischarenzüge, dies zur Erklärung, waren im Vorfeld der Gründung unseres Bundesstaates 1848 eher chaotische Kriegsaktionen radikal-liberaler Kräfte gegen die katholisch-konservative Regierung des Kantons Luzern. Langendorfs Chutzenschützen kamen aus der Innerschweiz peinlicherweise ohne ihre Kanone heim. Die Luzerner hatten sie ihnen abgenommen. Vielleicht schaut der Chutz ja darum so grimmig.

Montag, 10. März 2025

Frühfrühlingswandern

Neckisches Plakat zwischen Bühler und Saul.
König Säntis, gesehen von der Hohen Buche. (Foto: Ronja)
Die Sonne schien am Samstag uneingeschränkt, wir schwitzten. Im Schatten aber, da froren wir. Wir sahen viele Primeln, die Wiesen freilich waren noch nicht schön grün, es wird ein wenig dauern, bis so richtig der Saft in sie schiesst und sie vor Farbe sozusagen knallen. So war das am Samstag, als wir auf dem Alpenpanorama-Weg von Trogen via Bühler nach Appenzell zogen: Wir hatten Frühling, freilich war es ein früher Frühling, die Natur hat in den kommenden Wochen noch einiges zu tun. Im Übrigen war dies eine Traumwanderung, auf der wir Berge sahen von der Roten Wand über die Schesaplana bis zum Hohen Kasten, dem Säntis, dem Speer. Schönster Punkt war das Fuchsenkreuz hoch über Appenzell, das wir im Rahmen eines kleinen Umweges erstiegen, diesen Hoger direkt vor der Alpsteinkette durften wir nicht ignorieren. Und das Essen? In Bühler machten wir einen Umweg zum einzigen verbliebenen Dorfladen, dem Denner, kauften uns dort ein Glace. Am Ende dann, nach 4 1/2 Stunden Gehzeit bei doch 620 Höhenmetern aufwärts und 750 Höhenmetern abwärts, kehrten wir wieder einmal in der bewährten "Sonne" in Appenzell ein, wo ich wieder einmal die Siedwurst hatte. Halt, nein, stimmt gar nicht. Mir war nach etwas anderem. Schnipo ass ich.
Das Fuchsenkreuz (ganz rechts).

Abstieg vom Fuchsenkreuz: der Nachbarhügel mit der Ruine der Burg Clanx.

Donnerstag, 24. Oktober 2024

Das Coopbüsi


Im Eingang zu meinem kleinen Coop wacht oft eine Katze. Die lebt in der Nähe und kommt zu Besuch. Im Sommer lässt sie sich eher draussen nieder, jetzt, wo's kühler ist, macht sie es sich drinnen gemütlich. Ich frage mich jedesmal, wenn ich einkaufen gehe: Sehe ich heute wohl das Coopbüsi?

Montag, 15. Juli 2024

Der Zweitürenzugriff

Kurz vor Rüeggisberg, das Korn steht hoch. Ganz hinten in der Bildmitte grün
der Schwendelberg und rechts daneben als winziger Spitz das Guggershorn.

Im Abstieg von Rüeggisberg nach Rohrbach.
Jakobsmuschel als Hommage
an den Jakobsweg in einem
Einfamilienhaus-Vorgarten.
Das Korn stand hoch, die Äpfel waren fast reif, die Haselnüsse nur knapp noch nicht pflückbar. Als wir am Samstag auf dem Jakobsweg von Riggisberg via Rüeggisberg, Wislisau und Schönentannen nach Schwarzenburg pilgerten, gingen wir durch ein blühendes Land, das wir umso mehr liebten, als wir vollkommen allein unterwegs waren. Berg des Tages war das Guggershorn, ein kecker Waldhügel, den wir die meiste Zeit vor Augen hatten, während wir ihm langsam näherkamen. In Rüeggisberg machten wir Pause im "Dorfegge", einem Miniladen, der auf Selbstbedienung ausgelegt ist, an ebendiesem Tag Eröffnung feierte und ziemlich voll war mit Einheimischen; wir kauften Glace, Dauerwürste, Käse. Ich könnte nichts nennen, was wir an dieser vierstündigen Unternehmung (390 Meter aufwärts, 360 Meter abwärts) nicht gemocht hätten, sie war nachgerade perfekt. Was auch für den folgenden späten Zmittag in Schwarzenburg im Gasthof Bühl passt, auf den schön frischen und knackigen gemischten Salat, das riesige Wienerschnitzel, den Roten aus Italien. Und um das letzte Highlight zu nennen: In Bern, wo wir Richtung Zürich umsteigen mussten, war das Perron rappelvoll mit Reisenden. Trotzdem sicherten wir uns dank der bewährten Methode, uns aufzuteilen und durch zwei verschiedene Türen den Zug zu entern, locker einen Vierertisch im Speisewagen.
Was man so isst, wenn man Pilger ist.

Sonntag, 20. August 2023

Die Reise zum Berghaus

Das Berghaus Vereina, wir sind eben ausgestiegen, der Bus fährt schon wieder talwärts.
Der Berghaus-Bus von nahem.

Die 750 Höhenmeter zwischen Klosters und dem Berghaus Vereina überwindet ein privater Kleinbus. Das reservierte Ticket holt man sich im Gotschna Sport in Klosters Platz, die einfache Fahrt kostet 14 Franken, das ist ein Schnäppchen. Immerhin ist man 35 Minuten unterwegs, folgt zuerst der jungen Landquart stromaufwärts und bewundert deren Geschiebefelder, um dann zum Vereinabach abzubiegen. An dessen Tobelflanke geht es aufwärts und aufwärts und aufwärts auf einer atemberauend schmalen Naturstrasse, man sieht Wasserfälle, blickt bange in den Abgrund, empfindet ein Gefühl der Unwirklichkeit. Bis sich endlich ein Kessel öffnet mit dem Berghaus Vereina. Anmutig höcklet es auf einem Heidekrauthügel inmitten der wildesten Gipfel. Muss man erlebt haben, diese Reise! Mehr zu den Jöriseen, die wir vom Berghaus Vereina, Ausgangspunkt diverser grossartiger Routen, anpeilten, morgen oder übermorgen.
Kurz nach dem Start: der Jöribach. Hinten das Flüela Wisshorn.

Sonntag, 30. Juli 2023

Hier wohnte die First Lady

Heidi Abels Hüsli mit Blick auf den Lützelsee.

Gestern kamen wir zu einem Hofladen im Weiler Lützelsee, er liegt auf einer Anhöhe über dem gleichnamigen See in der Zürcher Gemeinde Hombrechtikon. Lustig, ich kaufte dort nicht nur einen Bauernschüblig, sondern entdeckte (und kaufte) auch eine Seife. Eine vom Aroser Seifenmacher Beat Urech, den ich grad eben in meinem Heftli porträtiert habe, was ich hier kürzlich erzählte. Ein paar Meter weiter, und wir passierten das verträumte Hüsli einer längst verstorbenen Frau, die als nationale TV-Ikone empfunden wurde. Und wird. Heidi Abel war das Gegenteil etlicher Plumpgestalten am Bildschirm, sie hatte Stil, sie sprach ein elegantes Baslerdeutsch und ein dito elegantes Hochdeutsch. So gelang es ihr, sich von der "Ansagerin zur First Lady des Schweizer Fernsehens" hochzuarbeiten, wie der "Blick" treffend schrieb. 1986 erlag sie dem Krebs, den sie jahrelang der Öffentlichkeit verheimlicht hatte. Sie wurde nur 57 Jahre alt, die letzte Zeit ihres Lebens musste sie in einer Wohnung in Zürich verbringen in der Nähe der Arztklinik, in der sie behandelt wurde – Abschied vom schönen Lützelsee.

Samstag, 4. Dezember 2021

Der Prättigauexkurs

Pragg-Jenaz, der neue Laden.
Mmmm, Käse.
Sieht fein aus, oder?
Am Donnerstag gabs einen hübschen Gastroausflug ins Prättigau. Er bestand aus zwei Teilen: Erstens besuchten wir vom Bahnhof Furna in Pragg-Jenaz aus in der nahen Gewerbezone Garola den neuen "Genussmarkt" mit Produkten aus der Talschaft. Seit dem ersten Oktober ist der Laden offen, den ich hier schon mal kurz erwähnte. Das Shoppen ist ausgesprochen angenehm, weil der Bau aus duftig frischem Holz grosszügig bemessen ist, wir kauften Käse, Salsiz, Speck und Süsses. Teil zwei: Das war, ganz in der Nähe, die Einkehr im Hotel-Restaurant Sommerfeld. Der Zmittag, in meinem Fall Pouletbrust mit einer Marronifüllung auf Kakaojus, gegrilltes Gemüse und Breitbandnudeln, schmeckte grossartig. Und als wir um zwei Uhr wieder ins Freie traten, schien entgegen der Prognose die Sonne. Man muss mehr ins Prättigau.
Am Bahnhof Furna, kurz vor der Heimreise.

Mittwoch, 21. April 2021

Zürichs neuer Supermarkt


Als Brücke zum Supermarkt von morgen sieht die Migros ihr neues Foodlokal an der Europaallee in Zürich ganz nah beim HB. Auf zwei Stockwerken gibts Ess- und Trinkware, dazu kommen Kochstellen, an denen man frisch zubereitetes Essen kauft oder sich das Steak brutzeln lässt, das man aus dem Kühler geklaubt hat. Bridge, wie der Ort heisst, bietet aber nicht nur Dinge aus dem Migros-Sortiment, allerlei Partner aus dem Segment jung und aufstrebend halten ihre eigenen Produkte feil, darunter auch Non-Food, gerechte Seifen und dergleichen. Und so wird man beim Durchschlendern ab und zu überrascht. Am besten gefiel mir die Aussicht, als ich eben einen Augenschein nahm. Von den Sitzplätzen am Fenster, die momentan wegen Corona abgesperrt sind, blickt man direkt aufs Geleisfeld mit den ein- und ausfahrenden Zügen.

Mittwoch, 13. April 2016

Süd-Appezeller, Olio-Petrolio, Maiser

Grün-Weiss-Rot: Italiens Flagge.
Dass eine Negativbezeichnung sozusagen umgedreht wird, gibt es ab und zu. Der "Tschingg" war ein Schimpfwort, die Schweizer - und dazu die Schwaben und Vorarlberger - nannten so die italienischen Einwanderer. Das Wort, das bei uns so circa zur Zeit des Baus der Gotthard-Bahnlinie in Umlauf kam, rührt von italienisch "cinque" (fünf), einem Ausruf bei einem Spiel. Später verkehrte sich das Image der Italiener hierzulande dann ins Gegenteil, sie standen irgendwann für den Lebensgenuss, den sie uns beibrachten. Heute gibt es in Zürich einen Take-Away-Italiener mit drei Filialen, der sich selbstbewusst "Tschingg" nennt.

PS. Zürichs "Tschingg" liefert auf der eigenen Homepage eine Liste mit anderen Namen der Schweizer für "Italiener" - die Klischees jagen sich:
  • en Funghi
  • en Gotthard-Chines
  • en Grüen-Wiss-Roote
  • en Hörnli-Bohrer
  • en Maiser
  • en Makkaroni
  • en Marroni-Brätler
  • en Olio-Petrolio
  • en Paulino
  • en Pizza-Beck
  • en Ramazzotti
  • en Salami-Stampfer
  • en Salami-Tröchner
  • en Spaghetti-Frässer
  • en Süd-Appezeller
  • en Südtessiner
  • en Zitrone-Schüttler

Donnerstag, 10. September 2015

Das Geldloch von Zürich

Der Trichter hat mein Münz gefressen, die Scheibe sich wieder geschlossen.
Die Schwyzer haben das Hölloch. Die Solothurner haben, am Weissenstein, das Nidlenloch. Wir in Zürich aber haben das Geldloch. Am Rennweg gibt es eine PostFinance-Filiale. Und in ihr, eben, das Loch. Man braucht eine Postcard, um das Loch zu öffnen. Dann wird es eindrücklich. Die Scheibe über dem Loch gleitet zur Seite, das Loch öffnet sich. Man leert sein Münz hinein, wenn man will, kiloweise. Es beginnt zu rattern und zu rechnen, das Münz sinkt tiefer und tiefer, ein unheimlicher Vorgang, das Loch schluckt ganz langsam und genüsslich und macht dabei viel Fresslärm. Am Schluss ist das Geld verschwunden, und auf dem Display steht, wieviel einem auf dem Konto gutgeschrieben wird. Mir macht das Geldloch immer unheimlichen Spass. Alle paar Monate trage ich mein Münz hin und füttere es, eine Art Opfervorgang ist das.

Samstag, 3. November 2012

Brocky statt Quinten

Einen lustigen Werbeslogan haben sie auch.
Seufz. Heut wird das nichts mit Weesen - Walenstadt und der schönen Metzgete im Restaurant Schifflände in Quinten. Die ganze Woche war ich halb krank - knapp arbeitsfähig, aber auch knapp wanderunfähig; so ist das auch heute. Plan B? Etwas Gesundes kochen und ein kleiner Besuch im riesigen Antiquariat Bücher Brocky* am Bahnhof Enge in Zürich bei den Regalen "Helvetica".

*Das Y hat Stil. Ein Brocky ist einfach mehr als ein Brocki. Es ist aparter auf dieselbe Weise, wie Werni's Dönerbude mehr ist als Wernis Dönerbude (sog. sächsischer Genitiv).