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Freitag, 18. September 2026

Die 50-Rappen-Investition

Blick vom Turm auf dem Schleifenberg bei Liestal Richtung Basel.
Links der Bildmitte sind die Roche-Türme zu erkennen.
Den Kantonshauptort Liestal hat man auf dem Turm zu Füssen.
Der Schleifenberg-Turm ist aus Stahl gebaut. 1900 ersetzte
er einen ersten Turm an diesem Ort, ein Holzmodell von 1891.
Mein Teller: Egli aus einem Zuchtbetrieb in Raron VS.
Aufgrund der Prognosen dachten wir, es würde früher oder später zu regnen beginnen. Tat es aber nicht. Unsere Wanderung von etwas über vier Stunden (450 Höhenmeter aufwärts, 490 Höhenmeter abwärts) führte uns vorgestern von Liestal via Roti Flue auf den Schleifenberg. Dort warfen wir jeder 50 Rappen ins Drehkreuz zum Aussichtsturm und bewunderten aus 30 Metern Höhe das Panorama – die Investition hatte sich gelohnt. Danach zogen wir hinab nach Hersberg, traten gleich anschliessend vom Baselbiet über ins Fricktal, Kanton Aargau, erreichten schon bald Magden. Zmittag in der "Blume", die wir von einer früheren Einkehr kannten. Das Essen war wieder gut, und was den Rotwein angeht, wählten wir natürlich ein einheimisches Erzeugnis, einen Magdener Pinot. Derweil ein mittelstarkes Windlein aufkam, gönnten wir uns am Ende eine einstündige Verlängerung und gingen hinüber nach Rheinfelden. Mein Regenschirm, den ich vorsichtshalber eingepackt hatte, kam dann erst nach der Heimreise in Zürich zum Einsatz.
Fricktaler Landschaft. Magden, eine halbe Gehstunde entfernt, ist bereits zu sehen.

Montag, 17. August 2026

Die Pinguinvision

60 Meter Spannweite: die Kuppel der Basler Markthalle.
(Foto: Alexandre Prevot / Wikicommons)
Immer wieder mal sah ich in der Nähe des SBB-Bahnhofs in Basel die riesige rote Kuppel. Letzte Woche habe ich es endlich geschafft, hinzugehen und mir den Bau anzuschauen. Die Markthalle, 1929 erstellt. Das Gewölbe der achteckigen Stahlbetonkuppel hat eine Spannweite von 60 Metern. Im Inneren der Halle war, wie es der Name ja ausdrückt, ein Grossmarkt untergebracht. 2004 zog er aus. Ein paar Jahre später startete die Halle neu, sie beherbergte nun ein Sammelsurium von Fachgeschäften von Mode über Bergsport bis Computer. Mittlerweile hat sich längst ein neues Konzept durchgesetzt. Die Markthalle ist ein Food Court, die Stände mit Verpflegung reihen sich. Zudem finden hier Kulturveranstaltungen statt. Hübsch finde ich eine Idee von 2006, die die Stadt bewegte, die letztlich jedoch verworfen wurde: Der benachbarte Zoo Basel hatte vorgeschlagen, in der Markthalle ein "Polarium" einzurichten für Tiere aus den Polargebieten. Originell wäre das schon gewesen, vom Bahnhof mal kurz hinzuspazieren und den Pinguinen einen Hausbesuch abzustatten.


Donnerstag, 2. Juli 2026

Zwei Friedhöfe

Meine Fotos vom Berner Rosengarten: Blick zum Münster …

… das Restaurant …
… der Seerosenteich.
Am Montag besuchte ich den Rosengarten in Bern, der Park ist bekannt für die Aussicht auf die Berner Altstadt samt der Aareschleife und dem Münster. Ich schaute genüsslich und ging dann im Restaurant einen Kafi trinken. Lange war ich nicht mehr hier gewesen, seit dem Studium nicht mehr, denke ich. Womit wir bei meiner zweiten Berner Station wären. Zwei Bushaltestellen weiter stadtauswärts findet sich der Schosshaldenfriedhof. Dort wurde an diesem Nachmittag die Asche meines kürzlich verstorbenen Professors Johann Christoph Bürgel beigesetzt, bei dem ich einst Islamwissenschaften und Neuere Vorderorientalische Philologie studiert und abgeschlossen hatte. In melancholischer Stimmung fuhr ich nach der Zeremonie heim. Und nun noch einmal zum Rosengarten. Er wurde 1765 eingerichtet. Als Friedhof. Gut 110 Jahre lang wurde auf ihm bestattet. Bis zur Eröffnung des Schosshaldenfriedhofs. Womit ich am Montag in Bern also gleich auf zwei Friedhöfen war.

Donnerstag, 7. Mai 2026

Berner Unterland? Wo ist das?

Im "Bären" zu Langenthal ass ich schon sehr gut.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Langenthal leistet sich einen Stadtchronisten, er soll die örtliche Geschichte hüten und vermitteln. Eben las ich von Stadtchronist Daniel Gaberell ein historisches Aperçu, das ich hier gern reportiere. Nämlich: Langenthal ist bekanntlich das Zentrum des Oberaargaus, der entgegen seinem Namen zum Kanton Bern gehört. 1942 gelangte der Langenthaler Gemeinderat tatsächlich an den Berner Regierungsrat und schlug vor, den Oberaargau in Berner Unterland umzubenennen. Dies, weil es immer wieder zu Missverständnissen komme. Nun, der Regierungsrat verwies darauf, dass die Bezeichnung Oberaargau uralt und schon 861, in der alemannisch-fränkischen Epoche, dokumentiert ist. Das Ansinnen wurde zurückgewiesen. Und daher heissen die Leute der Region auch heute Oberaargauer und Oberaargauerinnen. Ein Berner Unterland gibt es nach wie vor nicht.

Montag, 13. April 2026

Der Knopf von Bern

Das Restaurant Tscharnergut am Dorfplatz des Tscharnerguts.
Sehr praktisch, dieser Knopf.
Am Freitag war ich in Bern-Bethlehem unterwegs im Hochhausviertel Tscharnergut. Mit Freunden. Wir hatten uns dort vor 45 Jahren in einer WG kennengelernt, wohnten lange zusammen und halten seither den Kontakt – dies war eine Tour in unsere Vergangenheit. Toll, wieder einmal über den Dorfplatz und durchs Ladenzentrum zu gehen, der Ort ist keine Schönheit, aber Erinnerungen sind nun einmal Erinnerungen. Ebenfalls ein Nostalgieritual: Wir assen am Dorfplatz im Restaurant Tscharnergut, es war fein wie einst, ich hatte Rahmschnitzel mit Nüdeli. Hilfreich fanden wir den Knopf, den es in diesem Lokal auf jedem Tisch gibt. "Call", man drückt, der Service kommt. So einen Knopf sollte jedes Restaurant haben.

Dienstag, 7. April 2026

Hofvisite

Der Klosterstaat der St. Galler Fürstäbte. Die
Stadt Wil findet man am westlichsten Punkt
der "Alten Landschaft" (grün), dem Fürstenland.
(Illustrierte Karte: Marco Zanoli / Wikicommons)
Die Fürstäbte von St. Gallen waren mächtige Herren, ihnen gehörte zeitweise das ganze Toggenburg sowie der flache und fruchtbare Landstrich von Rorschach am Bodensee bis Wil. Weil die geistlichen Herren sich in St. Gallen ob diverser Konflikte mit der Stadt bisweilen nicht wohl fühlten, seit der Reformation sowieso nicht mehr, hausten sie über Jahrhunderte, mit Unterbrüchen, in Wil. Ihr Prunkgebäude dort, das war der Hof zu Wil, den wir am Samstag gebührend bewunderten, während wir durch die prachtvolle Altstadt hinab zum Bahnhof zogen. Wil ist den meisten Leuten nur vom Durchfahren bekannt. Ich rate, dort stadtzubummeln.
Ein Stadtbummel lohnt sich: Wil mit dem Hof zu Wil (rechts oben).

Donnerstag, 8. Januar 2026

Oltens Jüngling


Wie kaum ein anderes Kunstwerk prägt dieses das Oltner Stadtbild. "Remonte!" findet sich auf der Altstadtseite der Bahnhofbrücke, der Name bedeutet "Steig wieder auf!", freilich scheint sich der Jüngling mit dem Wieder-Aufsteigen schwer zu tun, das Pferd benimmt sich widerspenstig. Von Otto Charles Bänninger stammt die Bronzeplastik von 1961 und war in ihren Anfängen umstritten. Es gab Leute, die störten sich daran, dass der Jüngling nackt war. Und dass seine Gesichtszüge abstrahiert waren. Womöglich ging es aber auch darum, dass die örtlichen Behörden vorerst einen Bildhauer aus der Region auserkoren hatten, diesen zentralen Ort zu bestücken, bis nach einigem Hin und Her doch ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Den gewann Bänninger. Ein Zürcher. Aber das ist alles vergangen, vergeben, vergessen. Heute ist "Remonte!" akzeptiert. Die Skulptur, die ich kürzlich fotografierte, würde einem fehlen, wenn sie nicht dastünde.

PS: Der Führer "Kunst in Olten" listet 83 Kunstwerke in der Stadt auf und schlägt fünf Spaziergänge vor, auf denen man sie kennenlernt. Er ist gratis beziehbar und auch herunterladbar – toll und vorbildlich, liebes Olten.

Samstag, 15. November 2025

Ein bisschen Repetition

Während ich am Mittwoch mit zwei Berner Freunden im Emmental wanderte, erreichte mich aus Berlin per WhatsApp dieses Foto. Ronja, die häufig mit mir durchs Gelände zieht, schaut sich dort grad ein paar Tage um. Sie entdeckte dabei die Emmentaler Strasse. Wie passend. Apropos: Heute werde ich mit meinem Grüppli grad noch einmal im Emmental unterwegs sein auf einer Route, die sich teilweise mit der vom Mittwoch überschneidet. Man kann als Wanderer nie genug kriegen von dieser reizvollen Region. Ein bisschen Repetition schadet da gar nichts.

Montag, 13. Oktober 2025

Der Holzweg nach Basel

Reizendes Gewässer in einem stillen ... 
... Seitental: der Bogentalweiher.
Der Hof Bogenthal. Der Weiher liegt verdeckt am linken Bildrand.
Als wir am Samstag im Gebiet Wasserfallen/Passwang wanderten, kamen wir auch zum Bogentalweiher beim Hof Bogenthal. Gemeinde Lauwil, Basel-Landschaft. Die Lüssel, die höher oben im engen Talschlitz dem Erdgrund entspringt, ist an diesem Ort zu einem Weiher aufgestaut, einem herrlich lauschigen Gewässer samt Riedgürtel. Dank der Website der regionalen WWF-Sektion weiss ich, dass hier der Glögglifrosch lebt, die seltene Geburtshelferkröte. Interessant auch die Geschichte des Weihers. Er wurde zu Ende des 15. Jahrhunderts angelegt als Flösserweiher. Fällte man in der Umgebung Bäume, schleppte man die Stämme zum nahen Weiher, in dem sie landeten. Am Flössertag entleerte man den Weiher rasch, die Flutwelle reichte, die Stämme die Lüssel hinab zu tragen. Auf dem Anschluss-Fluss, der Birs, reisten sie weiter nach Basel. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam dieses so zu Holz aus dem Juragebirge. 

Freitag, 10. Oktober 2025

Serras schöne Wellen

Gestern erzählte ich von unserer Tour über den Novartis-Campus in Basel und zeigte drei Gebäude, die uns gefallen hatten. Es ging also um Architektur. Heute quasi als Ergänzung ein Kunstwerk – auf dem Campus gibt es nämlich reichlich Kunst. Speziell mochten wir die Skulptur "Dirk's Pod" des Amerikaners Richard Serra. Sie besteht aus fünf massiven Stahlkörpern, alle gut fünf Meter hoch und 14 Meter lang. Faszinierend, wie ihre rot-braune Farbe je nach Standpunkt und Lichteinstrahlung ganz anders nuanciert ist, mal kalt wirkt und mal warm. Und wie die geschwungenen Körper zu fliessen scheinen, was den strengen Grundriss der Häuser rundum konterkariert, den Campus quasi zum Tanzen bringt. Zudem nimmt die Skulptur die Bewegung des nahen Rheins auf, das Spiel der Wellen. Uff, ich kanns nicht einfacher ausdrücken. Vor Ort hatten wir jedenfalls Freude wie die Kinder an dem eleganten Serra-Ding.

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Meine Campustour

Unverkennbar: Stararchitekt Frank Gehry hat zum Novartis-Campus beigetragen.
Wohltuend farbig: das Gebäude des
Schweizer Büros Diener & Diener.
Auf dem Novartis-Campus in Basel wird sowohl geforscht als auch verwaltet, dies ist der Hauptsitz des Pharmagiganten, Management und Produktentwicklung verschränken sich. 8000 Menschen arbeiten hier auf 200'000 Quadratmetern im Quartier St. Johann am Rhein. Der Campus entstand in der Ära von CEO Daniel Vasella und ist ein Wurf. Nicht nur bekannte Architekten trugen zur Anlage bei, die zwischen 2003 und 2022 gebaut wurde, sondern auch bekannte Künstler. Und das Beste: Werktags ist der Campus fürs Publikum zugänglich, man kann flanieren, es gibt Restaurants und Cafés zum Verweilen und auch lauschige Plätze. Am Dienstag war ich mit Freund M. auf dem Areal unterwegs, wir schauten uns dies und das an, waren immer wieder mal begeistert. Wer auch hin will: Mit dem Tram Nr. 1 ab dem Bahnhof Basel SBB bis "Novartis Campus", dort sieht man gleich den Haupteingang.
Und noch drei Fotos vom Novartis-Pavillon. Der liegt ausserhalb des Campus gleich beim Haupteingang. Im ersten Stock ist eine Medizin-Ausstellung eingerichtet.

Dienstag, 26. August 2025

Wer kennt Pierre Viret?


Zürich hatte Zwingli, Genf hatte Calvin, Basel hatte Oekolampad, Bern hatte Haller, St. Gallen hatte Vadian, Chur hatte Comander. Aber wie heisst der Reformator von Lausanne? Der Name Viret ist mir erst ein Begriff, seit ich in Lausanne einen Brunnen mit einem Flachrelief sah, das den Mann darstellt. Die Fontaine Pierre Viret wurde 1921 gebaut, die Inschrift zitiert einen ziemlich verschachtelten Satz aus einer der Schriften Virets: "Wenn ich gehalten bin zu wünschen, dass Gott unter den Menschen gerühmt werde, wo würde ich mehr und früher wünschen, dass ihm das geschieht, als im Land meiner Geburt?" Virets reformatorischer Eifer mag sich übrigens auch dadurch erklären, dass er in Paris mit Jean Calvin studiert hatte, dem glühenden Genfer Reformator, der es zu weltweiter Berühmtheit brachte.

Mittwoch, 21. Mai 2025

Olten schirmt sich ab

Im Sommer wird die Kirchgasse, die mehr ein Platz als eine Gasse ist und so etwas wie das gefühlte Zentrum Oltens – im Sommer wird diese Kirchgasse traditionell beschattet. Auf kreative Art, wobei in der Vergangenheit weder das Blätterdach noch die Scherenschnitte wirklich gut funktionierten und die Sonne effizient einschränkten. Und so hat man dieses Jahr wieder, wie vor fünf Jahren und wie letztes Jahr, die farbigen Regenschirme montiert. Finde ich gut, der kolorierte Himmel gefiel mir sehr und machte mir gute Laune, als ich am Montag in Oltens Altstadt unterwegs war.

Mittwoch, 30. April 2025

Gibraltar – die Erklärung

Dieser Schweizmobil-Screenshot zeigt Luzern, links das Gebiet Gibraltar.
Ich danke allen, die gestern Ideen beisteuerten, wie das Luzerner Stadtquartier Gibraltar zu seinem Namen gekommen sein könnte. Am selben Tag erreichte mich das Antwortmail vom Stadtluzerner Quartierverein Säli Bruch Obergütsch, zu dem Gibraltar gehört und bei dem ich nachgefragt hatte. Co-Präsidentin Marlis Ledermann konnte helfen, hier ihre Erklärung; sicher wird diese gelegentlich auch in meine Wanderkolumne in der "Schweizer Familie" einfliessen.

Guten Tag Herr Widmer
Vielen Dank für Ihr Mail.

Im Jahr 2024 feierte unser Quartierverein sein 100-jähriges Bestehen. In diesem Zusammenhang habe ich im Stadtarchiv zur Geschichte recherchiert, weil ich einen dreiteiligen Bericht dazu für unsere Quartierpost schrieb. Dabei bin ich auch auf den Namen des Gibraltars gestossen.

Der Name Gibraltar und auch Gibraltarstrasse stammt wahrscheinlich aus dem späten 19. Jahrhundert. Damals gab es im Gebiet, unterhalb des Hotels Gütsch, Pensionen, zum Beispiel die Pension Viktoria Britannia, die viele englische Touristen beherbergten. Die grossen Hotels am See gab es noch nicht.

Um in die Stadt und zum See zu gelangen, führte der Weg entlang dem Steinbruch. Vermutlich hat die Situation mit dem steilen Felsabbruch die Engländer an den Felsen von Gibraltar erinnert und sie nannten die Strasse entsprechend. Der Name wurde übernommen und ist bis heute in Gebrauch.

Dienstag, 29. April 2025

Ich war in Gibraltar

Am Samstag kamen wir hier vorbei.
Ab und zu erlaubt sich der Blogger, seine Ignoranz einzugestehen und auf die Schwarmintelligenz seiner Leserschaft zu hoffen: Weiss jemand, woher der Name des Stadtluzerner Quartiers Gibraltar stammt? Bis jetzt fand ich keine Erklärung, habe deswegen gestern jenen Quartierverein angeschrieben, von dem ich denke, dass er die Information haben könnte. Und eben – vielleicht kann jemand helfen, der grad diese Zeilen liest. 

Mittwoch, 26. März 2025

Castellio? Castellio!

Sebastian Castellio. (Wikicommons)
Heute wird – eine Premiere – in Basel der Sebastian-Castellio-Preis verliehen; dahinter steht eine Stiftung, die den Namen Castellios lebendig halten will. Ich gestehe, diesen erst kürzlich zum ersten Mal gehört zu haben. Sebastian Castellio war Savoyer. Franzose. Ein Denker und Theologe, der sich der Genfer Reformationsbewegung anschloss. Später zerstritt er sich mit dem dortigen Reformator Jean Calvin, der ein schrecklich intoleranter Charakter war und einen Gelehrten wegen eines abweichenden Gottesverständnisses hinrichten liess. Castellio pochte auf die Freiheit des Denkens, er fand, dass niemand um seiner Ansichten willen verfolgt, drangsaliert, getötet werden darf. In Basel fand der grosse Humanist einen neuen Lebensort, starb dort 1563. Bei der St.-Alban-Kirche ist ihm ein Fussweg gewidmet, das Castellioweglein. 

Sonntag, 23. Februar 2025

Leckerlitod

Der bekannteste Herisauer ist an einem Leckerli erstickt, das er geklaut hat – nein, er ist kein Ehrenmann, dieser Gidio Hosestoss. Ein Halunke ist er, aber auch eine Witzfigur. Sicher hat er es nicht verdient, wegen eines Gebäcks zu sterben. Zu Grabe getragen wird er durch den Ortskern von Herisau, mit dabei im Umzug ist die Witwe Eulalia Fadehäx. Und natürlich der Gidiopfarrer, ein Schüler, der in seiner Trauerrede das letzte Jahr Revue passieren lässt. Man wirds gemerkt haben, ich rede von der Fasnacht. In Herisau findet jeweils am Aschermittwoch, heuer am 5. März, der "Gidio Hosestoss" statt, ein beliebtes und geliebtes Ritual des Dorfes, das gemessen an der Einwohnerzahl von 16 000 Menschen eine Stadt ist. Warum die Hauptperson des Anlasses, der Gidio, der am Sonntag nach dem Umzug auf dem Ebnet-Areal verbrannt wird als eine Art Ausserrhoder Böögg – warum der Gidio so heisst, wie er heisst, ist unklar.

Szenen vom "Gidio Hosestoss" in Herisau. (Screenshot Homepage Appenzellerland Tourismus)

Sonntag, 5. Januar 2025

Rustikal essen in Basel

Die Brasserie "Zum Braunen Mutz" in Basel findet man am Barfüsserplatz, dem "Barfi". Seit 1915. Im ersten Stock im Restaurant war ich nie, lernte hingegen mit meinem Grüppli eben nach unserer Neujahrswanderung die Bierhalle im Erdgeschoss kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick an einem Tag, an dem gefühlt 90 Prozent der Stadtbasler Gastronomie blau machten. Die Karte ist altmodisch und fleischlastig, der Service sowohl flink als auch freundlich, und die Gerichte, die auf den Tisch kamen, waren alle gut gekocht auf der rustikalen Seite. Viele der Leute, die assen oder auch nur etwas tranken, waren Stammgäste. Und die Küche ist auch am Nachmittag offen. Dies ist eine Beiz, die ich sicher wieder besuchen werde, wenn mich das Wanderschicksal nach Basel verschlägt.

Donnerstag, 28. November 2024

Erhart Küng grüsst uns


Wenn ich in Bern bin und in der Altstadt unterwegs, versäume ich es nie, zum Münster zu gehen und an dessen Nordfassade die in ein paar Metern Höhe an einem Pfeiler eingemeisselte Inschrift zu lesen. So auch am Dienstag. "Machs na" steht da, es ist ein Gruss aus der Vergangenheit, der wohl vom vierten Münsterbaumeister stammt, von Erhart Küng, 1420 geboren. In der Tat dürfen er und all die anderen Menschen, die an der eleganten gotischen Kirche Hand anlegten, stolz sein. Denn das drückt der lakonische Spruch doch wohl aus: Erbauerstolz.

Montag, 28. Oktober 2024

Tempel mit Bauzaun

Heute vier Fotos, die den Eintrag von gestern illustrieren. Auf dem Schweizer Jakobsweg kamen wir also, gestartet im Februar in Konstanz, am Samstagnachmittag in Genf bei der Kathedrale an. Deren Fassade zum grossen Platz gleicht einem griechischen Tempel, schade, beeinträchtigte ein Bauzaun den Anblick leicht. Wer Fotos macht, hasst Architektur mit Abschrankungen. Im Inneren des gewaltigen Baus stiegen wir auf zu den beiden Türmen. Eben, wie gestern berichtet. Mehr vom Pilgerwochenende in der Region Genf erzähle ich nächstens, zuerst muss ich die rund 300 Fotos sichten und ordnen. 

Reformierter Glaubenstempel: die Genfer Kathedrale St. Pierre.
Drinnen.
Aufstieg.
Die Scheiben in der Turmstube müsste man mal wieder putzen.
Aber man sieht den Jet d'Eau ja durchaus.