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Mittwoch, 30. September 2026

Mitmachen freiwillig

Die Zeit der Oktoberfeste ist wieder da. Vielerorts in unserem Land spielen sie Wiesn. Die Frauen tragen Dirndl, die Männer lederne Kurzhosen und dicke Kniesocken. Viele Leute mögen das Fest sehr. Andere, darunter ich, würden nie hingehen. Müssen wir ja aber auch nicht. Mein Foto, übrigens, ist im HB Zürich aufgenommen.

Dienstag, 29. September 2026

Zur Musik gewandert

Die Aussicht vor Hauptikon: links die Rigi, unter ihr der Zugersee.
Wandern bedeutet auch: Farbe tanken.
Am Sonntagnachmittag wanderte ich von Mettmenstetten nach Kappel am Albis. Säuliamt also, Kanton Zürich. Eine lange Unternehmung war das nicht – anderthalb Gehstunden. Um nicht zu früh in Kappel anzukommen, verbrachte ich viel Zeit auf zwei Bänkli. Das eine stand nah Hauptikon unter einem Birnbaum, ich ruhte, schaute gemütvoll Richtung Zugerland, wunderte mich über die unangemessene Hitze an diesem Spätseptembertag, als … autsch! Eine überreife Birne knallte mir auf den Schädel. Gott sei Dank wars eine eher kleine, Gott sei Dank platzte das matschige Ding nicht. In Kappel gönnte ich mir dann ein kleines Bier in der Klosterbuvette. Alsbald ging ich in die Kirche und hörte mir dort das Konzert des A Cappella Chors Zürich an; eine Bekannte tut im Chor mit und hatte mich eingeladen. Die feine, reine Musik, Renaissancemelodien vor allem, stürzte mich im Verbund mit der ganz besonderen Atmosphäre des gotischen Gemäuers in eine Art Trance. Es war das gute Ende einer guten Wanderung.
Mein Ziel, das ehemalige Kloster von Kappel am Albis.

Noch zehn Minuten, bis das Konzert beginnt.

Montag, 28. September 2026

Der Chaostag

Im Bahnhof Sargans, hinten der Sarganser Hausberg Gonzen. 
Wenn man als Wanderleiter seit vielen Jahren praktisch fehlerfrei im hiesigen ÖV unterwegs war, hat man doch hoffentlich das Anrecht, auch mal so richtig Chaos anzurichten. Am Samstag geschah es. In Zürich traf ich auf dem Perron mein Gspänli Birgit, wir stiegen gleich in den Zug ein, der fuhr los, worauf wir feststellten, dass wir beide unabhängig voneinander den gleichen Fehler gemacht hatten – falscher Zug, der richtige verkehrte auf einem anderen Gleis als üblich. Wir wollten in Wädenswil umsteigen, fuhren aber bis Sargans durch. Ich kontaktierte die anderen vier vom Grüppli, die waren so lieb, in Wädenswil zu warten. Und dann passierte mir und Birgit in Sargans erneut ein Lapsus: Wir nahmen retour wieder den Zug, der in Wädenswil durchfuhr. Unerklärlich. Wars meine anlaufende Frühpensionierung – eine Art postprofessioneller Rausch? Hatten wir zuviel geplaudert?  Oder waren es die extrem vielen Leute, die an diesem Tag unterwegs waren? Wie gesagt, ich kann es nicht erklären. So ging es danach weiter: Birgit fuhr mit mir retour nach Zürich und wanderte vom HB auf den Uetliberg. Ich traf im HB Roger, der nach all der Verspätung aufs Wandern verzichtete und von Wädenswil zurückgereist war. Peider und Albert wiederum wanderten von Wädenswil hinauf nach Menzingen. Und Jörg? Der machte unsere geplante Wanderung, reiste von Wädenswil mit grober Verspätung nach Oberiberg und stieg auf den Roggenstock. Was für ein Chaostag! Ich sah bei bestem Wetter die allerschönsten Gipfel, stiege aber auf keinen und endete gegen Mittag im "Santa Lucia" am Paradeplatz. Mit den klobigen Bergschuhen an den Füssen.

Sonntag, 27. September 2026

Die Verweigerin

Von einer lieben Redaktionskollegin habe ich zur Pensionierung letzte Woche ein hübsches kleines Buch erhalten, das vor vielen Jahren gelesen zu haben ich mich erinnere. Nun lese ich es wieder, und alles ist mir neu, erstaunlich, wie der Mensch vergessen kann. "52 Wanderungen" von Franz Hohler entstand im Jahr, nachdem der Oltner Schriftsteller 60 geworden war, er beschloss an seinem Geburtstag, sich jede Woche eine Wanderung irgendwo im Land zu gönnen. Die Berichte von diesen Unternehmungen sind unaufdringliche Protokolle. Gespreizten Stil, wilde Wendungen, Sensationen findet man nicht. Aber doch die ruhige Prosa eines genauen Beobachters. Nur schon der Satz über die Sihl, an der die erste Wanderung entlangführt, gefällt mir. Er holt mich sozusagen ab, weil ich selber des öftern gedacht habe, dass die Sihl doch eigentlich bei Pfäffikon oder Richterswil oder Wädenswil in den Zürichsee münden müsste; stattdessen zieht sie parallel zu ihm nach Norden. Sie verweigert sich dem naheliegenden Gewässer. In den Worten Franz Hohlers, dessen Wanderwerklein ich nur empfehlen kann: 

"Was für ein eigenwilliger Fluss, die Sihl. Statt sich von Einsiedeln aus auf geradem Weg in das einladende Zürichseebecken zu ergiessen, hat sie alles getan, um diesem See auszuweichen, und es ist ihr gelungen; sie versteckt sich die längste Zeit hinter einer Seitenmoräne des Linthgletschers und mündet knapp hinter dem Seeausfluss in die Limmat."

Samstag, 26. September 2026

Maria und die Hölle

Der Hof Höll liegt höllisch abgelegen. Hinten links der Groot.
Die heilige Idda in der Iddakapelle im Wald bei der Ottenegg.
Aussichtsreich steht die Marienstatue auf der Ottenegg.
Mein Zmittag im Restaurant des Klosters
Fischingen: Wasserbüffel-Bratwurst und ein
vor Ort gebrautes Pilgrimbier, Variante blond.
Schön wars, erstaunlich kalt wars, die Sonne zeigte sich erst, als ich praktisch fertig war mit der Wanderung. Anfang Woche drehte ich vom Kloster Fischingen aus eine Runde, die auf dem Groot kulminierte, dem – siehe Eintrag von gestern – höchsten Punkt des Kantons Thurgau, 991,1 Meter über Meer. Was mich an der etwas über dreistündigen Unternehmung (je 520 Meter auf- und abwärts) frappierte, war die Stille der Gegend, durch die ich zog; mir kam es vor, als sei seit der Landnahme durch die Alemannen hier nicht viel passiert. Besonders einsam liegt der Hof Höll, dessen Name soviel bedeutet wie: abgelegenes Gebiet. Vor der Höll war ich an einer der heiligen Idda gewidmeten Waldkapelle vorbeigekommen und dann an einer Metallsäule. Die ist so hoch, dass ich erst beim zweiten Hinschauen merkte, dass auf ihr eine Marienstatue steht. In diesem Fall ist die Gottesmutter den Menschen etwas gar weit entrückt.

Freitag, 25. September 2026

Eine Anregung

Schön abenteuerlich: auf dem Groot.
Der höchste Punkt des Kantons Thurgau, den ich am Montag besuchte, ist nicht sonderlich hoch. Auf dem Groot liegt er, einem Waldgrat südlich von Fischingen, der in diesem Abschnitt die Grenze zum Kanton St. Gallen bildet. Wobei die Grenzlinie knapp vor dem höchsten Punkt des Groot (996 Meter) wegknickt – zuungunsten des Thurgaus. Dessen höchster Punkt liegt deswegen auf bloss 991,1 Metern.

PS: Eine Anregung. Der Kanton St. Gallen könnte doch den Thurgauerinnen und Thurgauern auf dem Groot einige Meter Fläche schenken, sodass deren Staatsgebiet ein paar Meter höher kulminiert. St. Gallens höchster Punkt, das ist der Gipfel des Ringelspitz auf 3247 Metern. Mitleidvolle Grosszügigkeit wäre also angebracht. Und wenn der höchste Punkt des Thurgaus dann auf 996 Metern läge, könnte man ihn um 4 Meter aufschütten – auf 1000 Meter über Meer. Gute Idee, oder?

Der Groot mit dem höchsten Punkt auf St. Galler Boden. Die Kantonsgrenze in Rot.
PS: Gestern hatte ich meinen letzten Arbeitstag. Wie in diesem Blog angekündigt. War intensiv, war berührend, war schön. Am Nachmittag konnte ich der Branchenzeitschrift Persönlich ein Interview geben. Hier ist es.

Donnerstag, 24. September 2026

Ein wichtiger Tag

Wandern und geniessen will ich weiterhin. Prosit!
Heute ist für mich ein wichtiger Tag. Mein letzter Arbeitstag, auch wenn mein Anstellungsverhältnis bei "Tamedia" formal erst Ende Monat endet. Um neun Uhr mache ich zum letzten Mal Blattkritik vor der Redaktion, beurteile also die neue "Schweizer Familie". Und am Nachmittag um halb fünf lade ich das ganze Büro plus einige weitere Leute zum Adieuapéro in einem nahen Café. Wie ich mich fühle? Sagen wir mal: freudig verwirrt. Gespannt bin ich des weitern, wie sich der morgige Freitag anfühlen wird. Was wiederum meine Pläne angeht, nach denen ich oft gefragt werde: Ich möchte weiterhin zwei Mal pro Woche wandern und darüber bloggen. Auch schwebt mir vor, mich weiterzubilden, bereits habe ich festgestellt, dass die Uni Zürich einen Veranstaltungskalender unterhält, der täglich die allerinteressantesten Anlässe für alle offeriert. Sicher wird das eine oder andere Erlebnis hier aufscheinen. Vorerst gehts jetzt aber auf die Redaktion. Zum letzten Mal. Das ist nicht nichts.

Mittwoch, 23. September 2026

Wogender Bau

Das geplante Gehry-Haus im arabischen Emirat Abu Dhabi.

Gehry in Basel.
Es wogt, es wellt, es wirkt bewegt. Und die Farben, wenn es nachts illuminiert ist! Der Architekt Frank Gehry, letztes Jahr verstorben, hat Pläne hinterlassen für ein Haus der Künste in Abu Dhabi. Die werden nun umgesetzt. Im"Dar al-Funun", so der arabische Name, soll es Spielstätten für alle Kultursparten geben. Die Eröffnung des spektakulären Zentrums ist für 2030 geplant. Ein Trost für all die Leute, die nicht so weit reisen bzw. so lange warten möchten: In Basel gibts auf dem Novartis-Campus einen Gehry zu besuchen. Der Basler Bau ist vergleichsweise klein, beeindruckt aber durchaus auch; letztes Jahr war ich auf dem Campus und schaute ihn mir an.


Dienstag, 22. September 2026

Falsche Richtung

Der steile Abstieg nach Wolfs Ort, im Schatten war alles feucht und rutschig.
Kurz zuvor bei Wolfs Ort.
Aufstieg nach Wolfs Ort. Der Berg hinten rechts, die Wandflue, gehört zur  Gastlosen-Kette.
Hier kehrte ich am Anfang und am Ende ein: die Buvette
bei der Sessellift-Bergstation auf dem Musersbergli.
Die Geografie des Gastlosen-Massivs habe ich gestern erklärt und auch gleich die Route vorgelegt, die ich am Samstag dort machte. Heute möchte ich erzählen, wie sich die Unternehmung anfühlte und wie sie ablief. Nun, sie begann damit, dass ich auf dem Sessellift zum Musersbergli hinauf fast erfror, erstaunlich, wie kalt die Morgen schon sind.

Oben ging ich als erstes in die Buvette und wärmte mich mit einem Kaffee wieder auf. Wie er die Tour machen würde, fragte ich den Wirt auch – im Gegenuhrzeigersinn oder im Uhrzeigersinn? Nun, er kenne sie nur im Gegenuhrzeigersinn, sagte er, so mache man sie im Allgemeinen. Aha.

Ich wählte dann doch den Uhrzeigersinn. Dies schlicht, um möglichst speditiv zum Osthang der Gastlosen zu kommen. In die Sonne. Bald schon erreichte ich das besonnte Chalet Grat, mir war wieder warm. Das nächste lange Stück via Oberberg zum Wolfs Ort, einem Pass, war wundervoll, zur Rechten hatte ich die Kalkspitzen meines Massivs, sah in allen anderen Richtungen massive Berge und hatte in der Nähe unter mir voralpines Weideland mit eingestreuten Wäldern.

Bei Wolfs Ort, auf 1915 Metern über Meer, änderte sich das Szenario auf einmal. Und ich begriff, warum man diese Strecke besser in der anderen Richtung bewandert. Kurz ging ich auf einem Grat, schon hier war Vorsicht angesagt. Und dann gings auf einmal steil, sehr steil runter. Geröll, gezackter Fels, Kies, Wurzeln im Mix, und das alles feucht vom Morgentau – unheimlich glitschig war dieses Stück, das mir lang vorkam, obwohl ich es nach 20 Minuten hinter mir hatte; froh war ich um die Ketten, die stellenweise angebracht waren.

Ab dem Chalet du Soldat, einem vielbesuchten Berghaus, war alles wieder lieb und harmlos, der weitere Weg hinab zum Ausgangspunkt beim Sessellift stellte mir keine Probleme mehr. Gut vier Stunden braucht man für den Pfad bei je 750 Metern auf- und abwärts, wer ihn machen will, merke sich dies: Zuerst der Westen und dann der Osten.

Voralpines Land, gezackter Horizont. Blick vom Osthang der Gastlosen-Kette nach Süden.

Montag, 21. September 2026

Einmal um die Festung

Einige wenige der vielen Gipfel des Gastlosen-Massivs.
Hat die Bergkette der Gastlosen, die den Kantonen Bern, Freiburg und Waadt angehört, ihren Namen vom Adjektiv gastlos, das soviel wie ungastlich bedeutet? Naheliegend, da das Gebirge abgelegen liegt und abweisend wirkt. Falsch ist die Deutung trotzdem. Zugrunde liegt lateinisch castellosus, was wiederum auf castellum zurückgeht, Schloss, Burg. Die Gastlosen, die ich am Samstag im Rahmen der bekannten Gastlosen-Tour umkreiste, sind ja tatsächlich eine Festung aus Fels. Atemberaubend, diese Bastion aus  Kalkzacken.

Und noch ein Wort zur Geografie: Die Gastlosen-Kette zerfällt in mehrere Abschnitte und zieht sich von den Marchzähnen nah Jaun bis zu den Rochers de Rayes nah Rougemont. Die Gastlosen im engeren Sinn, das ist der nördlichste Teil der Kette. Auf meiner Tour umrundete ich diesen Nordteil samt den angrenzenden Sattelspitzen.
Mein "Schweizmobil"-Screenshot zeigt in Violett die Tour, die ich machte.
Oben rechts das Dorf Jaun, von wo ein Sessellift zum Startpunkt hinauf führt.
Die zwei Sterne bezeichnen das nördliche und das südliche Ende der Gastlosen-Kette.

Sonntag, 20. September 2026

Ein Zürcher träumt von Florenz

Die Fassade an der Storchengasse 13 in Zürich fällt auf, weil sie aus dem Rahmen fällt. Das Haus zum Thor datiert von 1593. Drei Jahrhunderte später verpasst der Geschirrhändler Daniel Bolliger im Jahr 1865 seinem Laden eine neue Fassade. Eine, die punkto Formensprache im Stil des Palazzo Medici in Florenz gestaltet ist. 1898 dann wird die Fassade von einem Dekorationsmaler im Stil des Fin de Siècle als prunkvolle Marmorimitation koloriert – was für ein erfrischender Auftritt in der farblich nicht überbordenden Zürcher Altstadt.

Samstag, 19. September 2026

Ronigers Keller

Wohnt hier ein Zauberer? Die grüne Tür zum Bierkeller bei Rheinfelden AG.
Die Feldschlösschen-Brauerei (in Rot) sahen wir aus der Distanz,
derweil wir bei Rheinfelden die Autobahn überquerten.
Damals im 19. Jahrhundert lebt in Magden im Fricktal ein Wirtesohn namens Theophil Roniger, der in der väterlichen "Sonne" Bier braut. Wobei er im Sommer allerdings ein Problem mit der Kühlung hat. 1868 investiert der Jungunternehmer; er lässt am Weg von Magden nach Rheinfelden im Gebiet Enge einen Felsenkeller in den bewaldeten Kalkhang hauen und sprengen. Hundert Quadratmeter Grundfläche, drei Meter hoch, konstante Temperatur durchs Jahr acht Grad, ideal, um von den nahen Weihern im Winter Eis zu holen und einzulagern, das sich auch in der warmen Jahreszeit hält und das Bier kühlt. Acht Jahre nach der Realisierung des Bierkellers, an dem wir am Mittwoch vorbeikamen, gründet Theophil Roniger eine Brauerei mit, die spätere Feldschlösschen-Brauerei. Sein Keller wird bald nicht mehr für den ursprünglichen Zweck gebraucht, weil die Firma sich eine Eismaschine zulegt. Der Keller steht Jahrzehnte lang leer, dient auch mal als Apfellager, droht zu zerfallen oder gar einzustürzen. Bis ihn die Brauerei 2005 als Teil der Unternehmensgeschichte renoviert.

Freitag, 18. September 2026

Die 50-Rappen-Investition

Blick vom Turm auf dem Schleifenberg bei Liestal Richtung Basel.
Links der Bildmitte sind die Roche-Türme zu erkennen.
Den Kantonshauptort Liestal hat man auf dem Turm zu Füssen.
Der Schleifenberg-Turm ist aus Stahl gebaut. 1900 ersetzte
er einen ersten Turm an diesem Ort, ein Holzmodell von 1891.
Mein Teller: Egli aus einem Zuchtbetrieb in Raron VS.
Aufgrund der Prognosen dachten wir, es würde früher oder später zu regnen beginnen. Tat es aber nicht. Unsere Wanderung von etwas über vier Stunden (450 Höhenmeter aufwärts, 490 Höhenmeter abwärts) führte uns vorgestern von Liestal via Roti Flue auf den Schleifenberg. Dort warfen wir jeder 50 Rappen ins Drehkreuz zum Aussichtsturm und bewunderten aus 30 Metern Höhe das Panorama – die Investition hatte sich gelohnt. Danach zogen wir hinab nach Hersberg, traten gleich anschliessend vom Baselbiet über ins Fricktal, Kanton Aargau, erreichten schon bald Magden. Zmittag in der "Blume", die wir von einer früheren Einkehr kannten. Das Essen war wieder gut, und was den Rotwein angeht, wählten wir natürlich ein einheimisches Erzeugnis, einen Magdener Pinot. Derweil ein mittelstarkes Windlein aufkam, gönnten wir uns am Ende eine einstündige Verlängerung und gingen hinüber nach Rheinfelden. Mein Regenschirm, den ich vorsichtshalber eingepackt hatte, kam dann erst nach der Heimreise in Zürich zum Einsatz.
Fricktaler Landschaft. Magden, eine halbe Gehstunde entfernt, ist bereits zu sehen.

Donnerstag, 17. September 2026

Schräg ist schlau

Als wir letzten Samstag in St. Pantaleon SO starteten, stellte uns der Weg sofort ein erstes Rätsel. Wir sahen Obstbäume. Niederstämmer. Und fragten uns, warum die Stämme nicht senkrecht angelegt waren, sondern schräg. Ich schlug das nach und fand heraus: Wenn ein Baum senkrecht aus dem Boden kommt, wächst er besonders schnell, wobei die meiste Energie ins Holz geht. Wächst der Baum hingegen schräg, bildet sich der Stamm langsam aus, wovon die Blütenknospen und Früchte profitieren. Sie bekommen in diesem Fall mehr Energie. Gewusst?

Mittwoch, 16. September 2026

Frohsinniger Tag

Letzter Blick auf Büren. Das Dorf versinkt im Wald. Wenigstens aus diesem Winkel.
Schatten tut wohl, finden die Schafe von St. Pantaleon.
Beim Hof Dietel.
Früchtlein in Nunningen.
Qual der Wahl: Speisekarte im "Frohsinn" in Nunningen.
14 Kilometer lang war die Strecke, die wir am Samstag im Solothurnischen zurücklegten. Halt, etwas stimmt nicht ganz, 300 Meter führten zwischendurch im Gebiet Dietel über Baselbieter Boden. Nicht, dass wir das gemerkt hätten, zwei andere Dinge absorbierten uns. Das sonnige, angenehm temperierte Spätsommer- oder auch Frühherbstwetter zum einen, die von Jurakämmen und -fluhen geprägte Landschaft zum anderen. Gestartet waren wir in St. Pantaleon, hielten hinüber nach Büren, stiegen über eine Krete nach Seewen. Und stiegen gleich über die nächste Krete, um hernach unser Schlussziel anzuvisieren, Nunningen. Etwas über vier Stunden brauchten wir für die Route bei 620 Höhenmetern aufwärts und 480 Höhenmetern abwärts. Am Ende gabs einen späten Zmittag in Nunningens Dorfbeiz, dem "Frohsinn". Der Name passte zum Tag.

Dienstag, 15. September 2026

Schönes Wetter, schöne Stadt

Zürich ist nie schöner, als wenn die Wolken sich über dem See auftürmen. Dachte ich gestern, als ich nach einem Zmittag beim Paradeplatz ein wenig durch die Stadt bummelte. Wobei ich mir vornahm, das in Zukunft noch mehr zu tun als bisher. Ein halber Monat bleibt, dann bin ich pensioniert.

PS: Morgen gibts hier wieder Substanzielleres, von unserer Samstagswanderung im Schwarzbubenland soll berichtet werden.

Montag, 14. September 2026

Saubere Sache


Was es nicht alles gibt. Zum Beispiel diese Seife in Form eines Wanderschuhs der Marke Lowa. Der Zusatz "100 years", übrigens, bezieht sich auf den runden Geburtstag, den das in Deutschland 1923 gegründete, in der Schweiz mit einer eigenen Niederlassung aktive Unternehmen vor drei Jahren feierte. Ich erhielt die Seife von einer Wanderfreundin, die sie in einem Brocki entdeckt hatte.

Sonntag, 13. September 2026

Höher wohnen

Ein Foto von 2022, der Roche-Turm 2 (Mitte) im Bau.
Ein Bild des Dreispitz-Projekts habe ich leider nicht.
(Silesia711/Wikicommons)
Basels Roche-Turm 2 ist derzeit mit 205 Metern das höchste Bürohochhaus der Schweiz. Im Oktober werde ich ihn mit Freundinnen und Freunden besuchen, ich freue mich schon jetzt. Heute möchte ich hier von drei anderen Gebäuden erzählen, die in Basel auf dem Gewerbeareal Dreispitz Nord entstehen sollen im Rahmen eines neuen Quartiers; diese Woche hat das Parlament des Kantons den Bebauungsplan genehmigt. 124, 138 und 152 Meter hoch sollen die projektierten Häuser werden; das grösste wäre nach heutigem Stand das höchste Wohnhaus unseres Landes. Läuft alles nach Plan, sind die drei Dreispitz-Türme in zehn Jahren bezugsbereit. Entworfen hat sie, wie schon die Roche-Türme, das Basler Architekten-Duo Herzog & de Meuron.

Samstag, 12. September 2026

Käselose Heimreise

Sieht gut aus, oder? Ein Schweizer Vacherin
Mont d'Or. (Wikicommons)
Als ich eben von Vallorbe VS auf den Mont d'Or stieg, dessen Gipfelkamm in Frankreich liegt, fiel mir natürlich der gleichnamige Vacherin ein. In meinem Gedächtnis begann es zu rumoren. War da nicht mal etwas? Jawohl! 1987 machte eine Epidemie Schlagzeilen. In einer Waadtländer Käserei war der Mont d'Or damals mit Listerien befallen gewesen. Rund 120 Leute erkrankten, rund 30 starben. 200 Tonnen Käse mussten vernichtet werden. Seither wird der Schweizer Mont d'Or thermisiert, also erhitzt, was die Bakterien abtötet. Im nahen Frankreich tut man das nach wie vor nicht. Die dortigen Behörden erklärten zur Zeit des Skandals, noch nie sei in ihrem Land eine Erkrankung mit Sicherheit auf den Genuss von Weichkäse zurückgeführt worden. Obs stimmt? Einen Waadtländer Mont d'Or hätte ich nach der Rückkehr vom Berg jedenfalls gern gekauft. Doch meine Wanderung endete, wo sie begonnen hatte: am Bahnhof von Vallorbe, der ein wenig oberhalb des Dorfes steht. Einen Laden gibts dort nicht. Ohne Vacherin reiste ich heim.

Freitag, 11. September 2026

Eine Frage des Winkels

Gewellter Rücken: auf dem höchsten Punkt des Mont d'Or (F).
So sah ich den Mont d'Or auf meiner Wanderung leider nicht,
die Felswände bleiben beim Anmarsch von Vallorbe (fast) verborgen.
(Foto: Wikicommons/Vodimivado)
Verdorrter Gelbenzian. Hinten rechts ist in der Tiefe der Lac de Joux erahnbar.
Der dunkle lange Kamm links ist die Dent de Vaulion.
Die Cabane du Mont d'Or circa
20 Gehminuten unterhalb des Gipfels.
Heiss wars am Dienstag, als ich im Waadtländer Grenzdorf Vallorbe loszog; dies war der letzte richtige Sommertag vor dem Temperatursturz. Der Aufstieg zu meinem Gipfelziel führte zunächst durch einen stillen Buchenwald. Höher oben erreichte ich ein Waldsträsschen, kam dann in ein Gebiet typisch jurassischer Weideflächen mit eingestreuten Fichten; markant eine SAC-Hütte, die freilich verschlosssen war. Und dann war ich auch schon ganz oben. Der Mont d'Or, 1463 Meter über Meer, steht auf französischem Boden und ist ein überaus spektakulärer Berg, wobei ich die nackten Kalkwände, die ihn zur Schweiz hin begrenzen, auf meiner Route nur teilweise sehen konnte – eine Frage des Winkels. Beim höchsten Punkt hatte es doch einige Leute, nachdem ich zuvor zweieinhalb Stunden allein unterwegs gewesen war. Grandios die Aussicht, insbesondere gefielen mir in einiger Distanz der Suchet, die Aiguilles de Baulmes und der Chasseron, die ich alle schon besucht habe. Ich verweilte, ich schaute, ich genoss. Und stieg dann wieder ab nach Vallorbe und trank dort im Bahnhofbuffet ein kaltes Bier. Essen mochte ich nicht, es war mir schlicht zu heiss. – 3 h 30 min. Je 690 Hm auf- und abwärts.
Baumskelett.

Donnerstag, 10. September 2026

Die Prozession

Zürichs Stadtsiegel von 1347 zeigt die drei geköpften
Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius.
(Foto: Roland zh / Wikicommons)
Dem Verband Orthodoxer Kirchen im Kanton Zürich gehören 13 Gemeinden an, deren Namen alle exotisch klingen – da ist etwa die Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo Kirchgemeinde Medhanialem oder die Serbisch-Orthodoxe Kirche Maria Entschlafen. Am 13. September, also am Sonntag, veranstalten die Orthodoxen eine gemeinsame Prozession durchs zwinglianische Zürich. Gewidmet ist sie übrigens Zürichs Märtyrern und Stadtheiligen: Felix, Regula und Exuperantius. Ich ginge gern hin, kann aber nicht, ich gehe an ein Familientreffen.

Mittwoch, 9. September 2026

Pfeiler Nr. 2

Als 2005 die Sunnibergbrücke, das Herzstück der Umfahrung Klosters, feierlich eingeweiht wurde, war der englische Prinz Charles, heute König Charles III., wichtigster Ehrengast. Und Bundesrat Moritz Leuenberger trug im Rahmen seiner Festrede einen, wie ich finde, grässlichen Spruch vor: "Eine Prättigauer Prücke praucht einen Prinzen." Haben wir alle noch mehr oder minder in Erinnerung. Seither ist Christian Menns Brücke zum Wahrzeichen von Klosters aufgerückt; aus dem Zug ist sie übrigens besonders imposant. Was ich nicht wusste und gestern erst erfuhr, als mir Wanderin Ronja ein Foto schickte, das ich hier gern abdrucke (merci!): Seit vier Jahren gibts "Sunniberg Climbing". Einen Klettergarten mit insgesamt 22 Routen, die den 77 Meter hohen Pfeiler Nr. 2 der Brücke hinaufführen. Erstaunlich, was dieses Pündner Pauwerk pietet. 

Dienstag, 8. September 2026

Verschränkt

Die Kapelle St. Meinrad in Oberbollingen SG.

Einfach und gut: Pouletbrust vom Grill
mit Zitronenbutter und Hörnlisalat.
Wer von Rapperswil auf dem Uferweg Richtung Schmerikon geht, kommt in Oberbollingen durch. Drei Dinge ergeben dort ein stimmiges Ganzes. Erstens ist da die Kapelle St. Meinrad, die so schön für sich auf einer in den Obersee vorgeschobenen Landzunge steht. Zweitens findet sich ganz in der Nähe am Wanderweg der Bauernbetrieb Lehhof. Er gehörte viele Jahrhunderte dem Kloster Wurmsbach in der Nähe von Rapperswil; seit 1915 wird er privat geführt. Womit wir bei drittens wären: Das Bauernpaar vom Lehhof betreibt mit Erfolg die Wirtschaft zum Hof, das Fleisch, das auf den Tisch kommt, nimmt es natürlich aus dem eigenen Betrieb. Alles ist in diesem Weiler auf gute Art verschränkt.
Wenn das Wetter passt, wird in der Wirtschaft zum Hof der Grill angeworfen.

Die Freiluftwirtschaft. Nicht zu sehen ist der andere Restaurantteil, der Garten.