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Sonntag, 27. September 2026

Die Verweigerin

Von einer lieben Redaktionskollegin habe ich zur Pensionierung letzte Woche ein hübsches kleines Buch erhalten, das vor vielen Jahren gelesen zu haben ich mich erinnere. Nun lese ich es wieder, und alles ist mir neu, erstaunlich, wie der Mensch vergessen kann. "52 Wanderungen" von Franz Hohler entstand im Jahr, nachdem der Oltner Schriftsteller 60 geworden war, er beschloss an seinem Geburtstag, sich jede Woche eine Wanderung irgendwo im Land zu gönnen. Die Berichte von diesen Unternehmungen sind unaufdringliche Protokolle. Gespreizten Stil, wilde Wendungen, Sensationen findet man nicht. Aber doch die ruhige Prosa eines genauen Beobachters. Nur schon der Satz über die Sihl, an der die erste Wanderung entlangführt, gefällt mir. Er holt mich sozusagen ab, weil ich selber des öftern gedacht habe, dass die Sihl doch eigentlich bei Pfäffikon oder Richterswil oder Wädenswil in den Zürichsee münden müsste; stattdessen zieht sie parallel zu ihm nach Norden. Sie verweigert sich dem naheliegenden Gewässer. In den Worten Franz Hohlers, dessen Wanderwerklein ich nur empfehlen kann: 

"Was für ein eigenwilliger Fluss, die Sihl. Statt sich von Einsiedeln aus auf geradem Weg in das einladende Zürichseebecken zu ergiessen, hat sie alles getan, um diesem See auszuweichen, und es ist ihr gelungen; sie versteckt sich die längste Zeit hinter einer Seitenmoräne des Linthgletschers und mündet knapp hinter dem Seeausfluss in die Limmat."

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