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Dienstag, 16. Juni 2026

Zürcher Direttissima

Die Schlüsselpassage vor der Claridahütte. Der Fels ist abgewetzt und rutschig.
Die Claridahütte hatte ich mir heimeliger vorgestellt.
Huch. Ein Fixseil am Uetliberg? Es hilft über die – wenigen – besonders schwierigen Meter der Direttissima, die vom Friesenberg-Quartier via die Rossweidliegg und die Claridahütte zum Fernsehturm gleich beim Gipfel führt. Auf der Karte ist dieser ruppige Weg mit bis zu 60 Zentimeter hohen Tritten, der bei Nässe garantiert gefährlich ist, gestrichelt eingezeichnet. Nachahmung auf eigene Gefahr. Ich hatte eine kundige Begleitung, Karin und Martin, die im Friesenberg wohnen und den Uetliberg und dessen Flanken auf immer neuen Pfaden erkunden. Allein wäre ich auf die Prickelroute auch gar nicht gekommen.
Den Zürichsee zu Füssen: auf dem Uetliberg.

Sonntag, 24. November 2024

Strässchen des Grauens

Wanderstart am Bahnhof Neuhausen-Rheinfall.
Gern wären wir vom überfrorenen Perron direkt
mit dem Lift zum Rheinfall hinabgefahren.
Gestern wanderten wir von Neuhausen, Schaffhausens Nachbargemeinde, ins Klettgau hinüber. Stark war schon der Auftakt, vom Bahnhof "Neuhausen Rheinfall" besuchten wir als erstes wieder einmal einen alten Freund, den Rheinfall. Der ist ein Meister der Stimmungen, diesmal schwebten feine Dunstreste über dem Wasser, von dem es reichlich hatte. Irritierend fanden wir vor Ort einzig dies: Der Aufzug, der vom Bahnhof Richtung Ufer hinab fährt, war ausser Betrieb. So mussten wir eine steile, schattige Halde bewältigen, ein Strässchen, das um zehn Uhr morgens überfroren war. Mit uns waren ein paar asiatische Touristinnen und Touristen unterwegs, die im Unterschied zu uns besser bewehrten Wanderinnen und Wanderern Turnschuhe trugen. Man hätte auf diesem Strässchen des Grauens jederzeit stürzen, sich einen Arm oder Rückenwirbel brechen können. Ich verstehe nicht, warum der Lift nicht fuhr – ist das eine saisonale Schliessung. Neuhausen, hallo?

Immer wieder schön: der Rheinfall bei Neuhausen SH.

Montag, 2. September 2024

Die Killerraupen von der Broye

Ein Schild warnt an der Broye vor einer bestimmten Raupenart. Gleich gegenüber ist
am anderen Ufer der Broye die Aussenanlage des stillgelegten AKW Lucens zu sehen,
Ronjas Geigerzähler zeigt 0,12 Mikrosievert an. (Untere zwei Fotos: Ronja) 
Als wir uns am Samstag von Pré Cerjat, etwas ausserhalb von Lucens gelegen, einem Waldrand entlang dem Broyeufer näherten, die Aussenanlage des nach dem Unfall von 1969 dekontaminierten und zubetonierten unterirdischen AKW am anderen Ufer vor Augen, begann Ronjas Geigerzähler schneller zu ticken. Innerhalb von 200 Metern verdoppelte sich die Strahlung, der wir ausgesetzt waren. Und damit fertig dramatisch: Ronjas höchster Messwert war tief, 0,12 Mikrosievert sind kein Problem. Eine Tafel warnte an unserem Ufer vor einer realen Gefahr: Der Uferweg von Lucens bis Moudon ist grossteils von Bäumen gesäumt. In ihnen prosperiert offenbar die Raupe des Eichen-Prozessionsspinners. Deren Brennhaare können die Haut beschädigen und eine spezielle Dermatitis auslösen. Nun, soviel ich weiss, haben wir alle die heiklen Kilometer auf dem Jakobsweg unbeschadet überstanden. Die Raupe heisst übrigens so, weil sie und ihresgleichen sich gern in einer prozessions-artigen Kolonne fortbewegen. 

Montag, 18. April 2022

Ostern am Arsch

Morcheln. Wo? Das ist geheim.
Am Ostersamstag gingen wir von Berschis nah Walenstadt nach Sargans. Zum Auftakt machten wir in Berschis einen Dorfrundgang. Erst dann hielten wir durch den Hang nach Osten, wobei wir in den nächsten siebzig Minuten nicht das als Wanderweg beschilderte Strässchen auf etwas über 800 Metern nahmen, sondern die Sersaxstrasse circa 100 Meter tiefer, die nicht asphaltiert ist und bald in eine Folge von Forstpisten und Waldwegen überging. Im Bereich des Milchbaches wurde es kurz heikel, als wir auf einem schlecht unterhaltenen, von Laub verdeckten Pfad in der steil abfallenden Flanke ein Stück absteigen mussten. Gut, war das nur ein Intermezzo. Alles andere war Wohlgefallen samt der Einkehr auf Schloss Sargans. Wir genossen an diesem lauen Tag den Anblick von Bergen wie dem Guscha am Flumserberg, dem Falknis vor uns über dem St. Galler Rheintal und dem Gonzen als Sarganser Hausberg, liebten die wilden Bergbäche wie besagten Milchbach, den Hagerbach und den Ragnatscher Bach und brätleten gemütlich in der Lichtung von Vadarsch. Dieser Flurname hat mit einem Hintern nichts zu tun. Es gibt ein lateinisches Verb ardere mit dem Partizip arsus, verbrannt. Der Wald war in diesem Gebiet einst mit Feuer gerodet worden, daher die Bezeichnung. 5 1/4 Stunden, 880 Meter aufwärts, 845 abwärts.
Schloss Sargans. Gleich wird eingekehrt.
Der Ragnatscher Bach.

Dienstag, 3. August 2021

Das Greifenseemonster

Er will doch nur spielen! Ein Wels.
(Foto: Dieter Florian / Wikicommons)

Es mag kein weltbewegender Zwischenfall gewesen sein. Aber ich blieb gestern doch mit den Gedanken bei dem hängen, was ich grad im Tagi gelesen hatte. Der Artikel vermeldete, dass vier Tage zuvor im Greifensee eine Schwimmerin von einem fiesen Unterwasser-Wesen attackiert und gebissen worden war bei einer Boje der Furren-Badi in der Nähe des Städtchens Greifensee. Die Frau ging mit einer rund 15 Zentimeter langen Bissspur am Bein zu einem Arzt, der auch Fischer ist. Sein Befund: Ein Wels hatte da zugebissen. Ein grosser, mindestens einen Meter langer Wels. Was heisst das jetzt? Sollte man im Greifensee gar nicht mehr baden? Nein, nein! Welse haben eine grosse Schnauze und viele Zähne. Die sind aber klein. Weswegen die Frau ja auch mit einem Gebissabdruck davonkam. Selber bin ich aber doch froh, dass Baden nicht zu meinen Hobbys zählt.

Dienstag, 29. Juni 2021

Simse, Seile, steile Flanken

In der Chelli-Laui.
Schmal waren manche Passagen.
In der Tiefe sahen wir immer wieder mal die Reuss.

Lieblichkeit nach der Gefahr: der Arnisee.
Die Wanderung vom Samstag im Urnerland war, wie ich gestern antönte, wild. Wir nahmen den Rot-Weiss-Weg von Erstfeld über Hoferli, Riedberg und Vorder Arni zum Arnisee. Zwischen Riedberg und Vorder Arni wars schwierig. Die Chelli-Laui erwies sich als brüsk in die Tiefe abfallendes Geröllfeld, die Traversierung war heikel. Der Pfad war stellenweise schmal, Farnfelder verbargen den Grund, manche Passagen waren mit ein, zwei Zentimetern Wasser geflutet, Baumwurzeln und feuchtelnde Steine erforderten konzentriertes Gehen, schmale Simse und Seilpassagen forderten uns. Nun, wir schafften es alle heil zum Arnisee, der uns nach der gefahrvollen Strapaze umso lieblicher vorkam. Im Alpenblick assen wir eine sehr gute Rösti. Ehrensache, dass wir hernach zu Fuss nach Inschi hielten. Dort nahmen wir nicht den nächsten, sondern den übernächsten Bus – im Schäfli stiessen wir an auf unser Abenteuer (5 3/4 Stunden, 1250 Meter aufwärts, 1070 abwärts).
Intschi, das Happy End.

Donnerstag, 20. Mai 2021

Drei simple Regeln

Rund 12 000 Kilometer Wanderwege führen in unserem Land über alpwirtschaftliche Nutzflächen mit Kühen. Rund 600 Kilo wiegt so ein Tier und kann bis zu 40 Kilometer schnell werden. Rechtzeitig zum Start der Wandersaison rufen die Schweizer Wanderwege in einer Medienmitteilung drei Grundregeln in Erinnerung, wie man es vermeidet, von einer aufgeregten Mutterkuh aufgespiesst oder niedergetrampelt zu werden. Einen neuen
Infofilm ("Like to Hike Vol. II") gibts auch (siehe Screenshot). Hier die Regeln, sie sind weiss Gott simpel:

  1. Distanz halten.
  2. Kälber nicht berühren.
  3. Hunde an der Leine führen. 

Freitag, 17. April 2020

Brätlen oder nicht, das ist hier die Frage

Das will doch keiner. (Foto: Tilo/ Wikicommons)
Brätlen am Samstag, irgendwo im Wald? Ist das erlaubt angesichts der Trockenheit? Je nach Kanton gelten andere Regelungen. In meinem Wohnkanton Zürich etwa mahnen die Behörden zum "sorgfältigen Umgang mit Feuer im Wald und in Waldesnähe" und im Freien allgemein. Feuer wird nur auf fix eingerichteten Feuerstellen toleriert, Vorsicht ist geboten. Wer sich informieren möchte, wie es in seiner Region ums Feuermachen im Freien bestellt ist: Das Bafu, das Bundesamt für Umwelt, unterhält eine übersichtliche Liste mit den Massnahmen der einzelnen Kantone gegen Waldbrände. Man findet sie hier. Was mich angeht: Morgen wird nicht gebrätlet.