bezeichnet der rätoromanische Ausdruck das mit dem Tag verbundene Brauchtum. In Ardez zum Beispiel ist "Babania" ein Tanzfest. Die jungen Leute üben für den Anlass intensiv alte Tänze ein. Kurz vor dem Fest wird dann verlost, wer mit wem tanzen darf; wie ich in einem Zeitungsartikel las, haben die Mädchen den Horror, einen schlechten Tänzer zu erwischen. Oder, noch schlimmer, einen schlechten Tänzer, der zusätzlich ein Langweiler ist. Babania in Ardez wird traditionell auf den ersten Samstag des neuen Jahres angesetzt, heuer ist das der 4. Januar. Eben, heute.
Kirchengeschichtlich verhält es sich so: Epiphaneia, latinisiert "Epiphania", heisst "Erscheinen". Gemeint ist das Erscheinen Gottes, der sich in seinem Sohn den Menschen zeigt. Die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland, die dem Kindlein in der Krippe huldigen, wurden als Motiv erst später dem Ritual hinzugefügt.
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Samstag, 4. Januar 2020
Freitag, 29. November 2019
Nur die Hebamme hat den Schlüssel
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| Der Chindlistein vom Hüttikerberg ist als Wanderziel ausgeschildert. |
Wenn früher hiesige Kinder ihre Eltern fragten, woher das neugeborene Geschwisterlein komme, so gab es diverse Möglichkeiten zu antworten. Zu flunkern, genauer gesagt. 1922 listete ein Zürcher Chronist auf, was in seinem Kanton an Behauptungen kursierte. Wahlweise sagten Eltern, die Kindlein kämen aus Schluchten, Felsen oder Brunnenstuben, wo die Hebammen sie aus einem verborgenen Raum holten, zu dem nur sie den Schlüssel besässen. Die Kinder aus der Gegend von Wädenswil, Schönenberg und Hirzel stammten angeblich aus einer Felshöhle beim Sihlsprung. Und in Horgen wurde behauptet, die Neugeborenen kämen vom Chindlistein im nahen Wald. Auch auf dem Hüttikerberg hoch über dem Limmattal gab es einen solchen Stein. Die Mär vom Storch als Kindlein-Bringer kam übrigens erst um 1900 aus Deutschland in die Schweiz. Bilderbücher, Kinderverse, Reime, Postkarten machten sie schnell populär.Meine Quelle: "Bräuche im Lebenslauf am Zürichsee" von Peter Ziegler, Th. Gut Verlag, 2014.
Samstag, 19. Oktober 2019
Ich bin jetzt ein echter Kulturmensch
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| .In Grosshöchstetten will ich auch von diesem Stein erzählen. Er steht auf der Mörlialp OW. |
Da wir schon beim Thema Auftritte sind: Zuvor bin ich am 29. Oktober um 7 Uhr 50 auf dem Kultursender Radio SRF 2 zu hören. Es handelt sich um das 15-minütige Dienstagmorgen-Gespräch. Der Eingeladene wird zu sich selber befragt und zu seinem Beruf. Zudem geht es auch um einen oder zwei aktuelle Zeitungs-Artikel oder ähnlich, die den Gast in den Tagen zuvor beeindruckten. Das Ganze wird bis circa 8 Uhr 30 in drei Live-Blöcken gesendet. Ich freue mich echt, im "Zwei" war ich noch nie, jetzt bin ich ein echter Kulturmensch.
Zunächst freue ich mich jetzt auf etwas anderes. Auf unsere heutige Samstagswanderung nämlich. Es geht wieder, wie letzten Dienstag, ins Prättigau.
Samstag, 14. September 2019
Tote haben es nicht eilig
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| Lychleustein bei Grosshöchstetten BE. Im Hintergrund der Alpenkranz. |
und ihm Gelegenheit zu geben, in Ruhe Abschied zu nehmen.
Montag, 30. Oktober 2017
Die Feuerräder von Matt
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| Das Wappen von Matt GL. (Bild: Ambroix/ Wikicommons) |
Mittwoch, 16. Dezember 2015
Sechten
Das Horgner Jahrheft 2011 ist mir in die Hände gefallen. Sein Thema sind Waschhäuser, von denen es in der grossen Zürcher Seegemeinde noch etliche gibt, natürlich sind sie allesamt umgenutzt. Ein Wort, das ich bei der Lektüre gelernt habe: sechten. Die Waschhäuser heissen auch Sechthäuser nach dem mittelalterlichen Verb, das jene Prozedur bezeichnet, bei der die schmutzige Wäsche wiederholt mit Asche übergossen und in Aschewasser gelaugt wird. Im Zusammenhang damit eine Redensart von 1824:
"Wenn eine kann ein Mehlmus machen, eine Wasch sechten und kneten, so darf sie einen Mann nehmen."
Dienstag, 10. November 2015
Vom Gratzug
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| Das Beinhaus der St. Stephanskirche Leuk kommt im Film auch vor. |
Sonntag, 18. Oktober 2015
Die Polterfrauen von der Haggenegg
Diese sechs Frauen fotografierte ich unterhalb der Haggenegg im Kanton Schwyz. Ja, bestätigten sie unsere Vermutung, Polterabend. Welche von ihnen denn heirate? Sie, sagten sie und deuteten auf die eine (die zweite von rechts). Die Frauen waren gut drauf, lustig, freundlich, fröhlich, nicht betrunken, sondern allerhöchstens angeheitert, ich dürfe sie gern fotografieren. Sie fragten dann noch schüchtern - der Nebel war dicht: Sie, wissen Sie, ob wir noch auf dem Rundweg zum Mostelberg sind, geht es auf diesem Weg retour zur Seilbahn? Wir bejahten, verabschiedeten uns, zogen davon und redeten, wieder entre nous, darüber, wie sich das Gefühlsregime der Schweizerinnen und Schweizer oder doch dessen äusserer, sichtbarer, öffentlicher Teil geändert hat. Wieviel extrovertierter dieses Volk doch ist als vor dreissig, vierzig Jahren!
Donnerstag, 15. Oktober 2015
Alpenvoodoo
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| Sorry für das schlechte Foto. Das Sennentuntschi war hinter Glas ausgestellt. |
Sonntag, 19. April 2015
Die Vorderländer Zimmerschützen
Kürzlich erzählte ich in meiner Wanderkolumne vom Restaurant Urwaldhaus im Weiler Robach in Rehetobel AR. Das Urwaldhaus hiess die längste Zeit Bären. Dann kam eine Wirtin, die ihrem Haus einen abenteuerlichen Ursprung herbeifabulierte und zum Besten gab, die Balken stammten aus dem Dschungel; so kam es zu dem neuen Namen.Im Urwaldhaus gibt es eine einmalige Einrichtung, nämlich eine Zimmerschützenanlage. Der Brauch des Präzisionsschiessens in einem Restaurantsäli (neun Meter Distanz, Stutzen) war einst im Appenzeller Vorderland weit verbreitet, heute existieren aber nur noch wenige Vereine. Er enstand, weil die normalen Schiessstände in dieser schneereichen Gegend im Winter nicht benutzbar waren. Und gleichzeitig gelüstete es die Leute im 19. Jahrhundert nach Unterhaltung und Geselligkeit. Der Vorderländer Schriftsteller Peter Eggenberger erzählt* in einer Geschichte, wie es damals zuging. Kostprobe: «Wenn amel im Sääli inn gschosse worde-n-ischt, häd de Zaager vorn bi de Schiibe henderem Blatt vommene ommgleite Tisch gwartet, bis di aane gkhört hand mit Schüüsse.»
* Was das für ein Dialekt ist? Kurzenberger Dialekt, eine Besonderheit des Vorderlandes. Ich habe einige Verwandte in Wolfhalden, die auch so reden. Und vor allem habe ich noch meinen Grossvater im Ohr, ebenfalls aus Wolfhalden. Ich will nächstens einen Eintrag zu diesem Dialekt bringen.
Samstag, 11. April 2015
Aurelio und Ernst
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| Die Aurelio-Zen-Krimis wurden verfilmt. Zen hat nichts mit Zen zu tun, sondern ist ein venezianischer Name. |
- Zum einen lese ich die Aurelio-Zen-Krimis von Michael Dibdin. Es sind elf Romane, jetzt bin ich beim Zweiten, der im Italien der 1980er-Jahre spielt. Grossartige Sache. Übrigens las ich die ganze Serie vor Jahren schon einmal, habe sie unterdessen aber weitgehend vergessen. Es gehört zu den Vorzügen des Alters, dass man Dinge zum zweiten Mal entdecken darf.
- Zum anderen bin ich heute mittag an ein Geburtstagsfest in Opfikon geladen. Wir feiern Ernst. Vor einem halben Jahr rief mich eine Frau aus Wallisellen an. Sie sagte, Ernst sei ein begeisterter Leser meiner Kolumnen und sei früher selber ein grosser Wanderer gewesen. Jetzt sei er 94 und habe den Wunsch, mich kennenzulernen. Das ist inzwischen geschehen, ich habe Ernst zweimal getroffen, wir haben uns befreundet. Erstaunlich finde ich, wie genau Ernst seine Routen im Gedächtnis hat; er beginnt gleich zu strahlen, wenn er die eine oder andere Unternehmung schildert, und kennt alle Wegdetails. Es gehört zu den Vorzügen des Alters, dass einem die wirklich wichtigen Dinge wohl doch bleiben.
Sonntag, 19. Oktober 2014
Ab nach Unteriberg!
Einst gab es das "Streblen" an der Küssnachter Sennenchilbi und am - inzwischen eingestellten - Schwingfest auf der Seebodenalp unter der Rigi. Mittlerweile kann man den Brauch nur noch in Unteriberg erleben; auch dort war er verschwunden, bis er 1997 neu belebt wurde. Morgen Montag ist Chatzestreble am Stöckmärcht in Unteriberg, nichts wie hin! Das urtümliche Kräftemessen besteht darin, dass sich zwei chäche Männer auf allen vieren gegenüberknien wie zwei Katzen oder Kater, die Stirnen nicht allzu weit auseinander. Nun wird ihnen beiden ein gemeinsamer Riemen um den Nacken gelegt. Es beginnt eine Art Seilziehen per Genickmuskulatur. Der Schwächere verliert bisweilen dadurch, dass er über die Grenzmarke gezogen wird, öfter aber, indem er nicht mehr kann und den Nacken beugen muss, worauf der Lederriemen ausklinkt. Übrigens veranstalten sie in Unteriberg seit 2006 auch den Nachwuchswettbewerb "Jung-Chatzestreble" mit Knaben und Mädchen. Woher ich das weiss? Aus dem formidablen Y-Mag Schwyz (seltsamer Name, ich weiss).
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| Vom Chatzestreble habe ich kein Foto. Hier stattdessen ein Foto von gestern; der Weg zur Tällifurgga nah Davos. Schön, wie sich der Wald herbstlich färbt. |
Mittwoch, 2. Juli 2014
Sigriswil und Qu'eswachaka
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| Eine Brücke aus Gras? Klingt romantisch. Und dubios. (Wikicommons/ Leonard G.) |
Sonntag, 25. Mai 2014
Z'ouberst uf
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| Muttens Wappen: Nein, dies ist nicht das Kulturtenn. |
Montag, 17. März 2014
Spätzle, oh Spätzle!
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| Renaturierter Rhein beim neuen Kraftwerk Rheinfelden. |
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| Das von den Deutschrittern gegründete Schloss Beuggen. |
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| Mmmmmmmmmmmmmmmmh! |
Gegen den erstarkenden Wind zogen wir im Folgenden via Adelhausen Richtung Basel, das Wiesental stets zur Rechten unter uns erahnbar; ein Teil des Grüppleins stieg bald vorzeitig ab. Der Rest hielt durch und erreichte via Eiserne Hand (was das ist, werde ich demnächst hier erklären) am späten Nachmittag Riehen BS. Doch, das war eine tolle Route. Und wer findet, dass ihm 27 Kilometer, 7 Stunden Gehzeit, 600 Meter auf- und abwärts zuviel seien: Vom Hohen Flum kann man in einer knappen Stunde nach Schopfheim absteigen; von dort fährt die S-Bahn durchs Wiesental direkt nach Basel. So sind es nur vier Wanderstunden. Lohnt sich!
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| Vom Turm auf dem Hohen Flum sieht man weit. Wenn das Wetter mittut. |
Mittwoch, 16. Januar 2013
Böser, böser Schwabe
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| Fidele Sache: Homepage Hilariverein Laufen-Uhwiesen. |
Und für den bösen Ritter
gilt der Hilarimann
er wird am End des Festes
verbrannt an einer Stang.
Denn wär er nicht geflohen
samt seinem wilden Tross,
so hätten unsere Ahnen,
erhängt ihn auf dem Schloss.
Dienstag, 18. Dezember 2012
Oomäiseler, du!
Kürzlich schrieb ich darüber, dass die Einwohner von Hochwald SO im Dialekt "Hobler" genannt werden. Leserin Marianne machte mich daraufhin auf ein interessantes Phänomen aufmerksam: Im Baselbiet gibt es für viele Orte bzw. ihre Bewohner Spitznamen - die freilich am Verblassen sind. Hier eine Auswahl:
- Allschwil: Chruttstoorze, Schwellemer
- Benken: Schingge
- Biel: Stäggestregger
- Binnigen: Wääiechöpf
- Bottmingen: Brootfrässer
- Ettingen: Gugger
- Oberwil: Chaatzewalde, Schnägge
- Schönenbuch: Oomäiseler
- Therwil: Nüünenüünzger, Iltise
Mittwoch, 16. Mai 2012
Auch die Zürcher schwingen, jawohl
In drei Stunden ging ich gestern von Männedorf am Zürichsee (Bild) über den Pfannenstiel nach Egg. Vor dem Restaurant Hochwacht-Pfannenstiel sah ich ein halb aufgebautes, riesiges Festzelt. Ich erfuhr, dass am Donnerstag, also an Auffahrt, dort oben das Pfannenstiel-Schwinget stattfindet. Oh ja, liebe Restschweizer, das haben wir im Kanton Zürich auch; ihr täuscht euch, wenn ihr meint, bei uns gebe es nur Banken, irre Werber und die Anstalt am Leutschenbach! Und statt Schwinger nur Swinger.
Mittwoch, 15. Februar 2012
Der Methanbrauch
Grossartig! Ich stiess gestern durch einen Artikel meines Tagi-Kollegen Erwin Haas, der eine Nase für Lokalstoffe hat, auf diesen Brauch: Unter dem Eis des Lauerzersees gärt es. Bakterien zersetzen abgestorbene Pflanzen und setzen Methangas frei. Und es gibt Schwyzer, die ein Loch ins Eis bohren und das Gas abfackeln - man schaue den Clip an.
Dienstag, 24. Januar 2012
Chrähaane und Haageri
Eben las ich im "Tages-Anzeiger" von einem neuen Buch. "Bräuche im Jahreslauf am Zürichsee" heisst es. Autor Peter Ziegler studierte über fünf Jahrzehnte, was es rund um den Zürichsee an kalendarischen Festen und Gepflogenheiten so gab und gibt, das Buch ist eine volkskundliche Trouvaillensammlung. Drei von vielen alten Bräuchen:
- Der Chrähaane. Bis zum morgendlichen Hahnenschrei tafeln und feiern die Winzer an diesem Tag anlässlich der abgeschlossenen Weinlese.
- Das Sternsingen. Am Dreikönigstag ziehen die Kinder, als Kaspar, Melchior, Balthasar verkleidet, von Haus zu Haus und überbringen den Haussegen.
- Haageri. In Samstagern gehen junge Männer am Abend des 30. Dezember durch die Gassen und führen einen Rosskopf mit sich, der an einer langen Stange befestigt ist. Der klappernde Pferdekiefer, Peitschenknallen und Kuhglockengeläute helfen, die bösen Geister dieser dunklen Jahreszeit zu verscheuchen.
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