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Montag, 6. Dezember 2021

Die Wigger schäumte kakaobraun

Die Wigger bei Dagmersellen.
Tabakscheune zwischen Wikon und Reiden.
Die Prognose hatte starken Wind und starken Regen angekündigt, nein, angedroht. Vor Ort, im Wiggertal, erwies sich am Samstag der Regen als harmlos, und von Sturm war nichts zu bemerken. Auch war es verhältnismässig warm, angenehm. Einfach war die Route, wir wanderten in drei Stunden, wozu Zeit für eine Besichtigung kam, von Zofingen hinauf zum Adelboderchopf und zur Marienburg, stiegen ab nach Wikon, gingen weiter nach Reiden und von dort, jetzt direkt an der kakaobraun aufgeschäumten Wigger, nach Dagmersellen. Dort gabs Zmittag im italienischen Restaurant La Stazione, das Essen war untadelig, der Wein auch. Was die erwähnte Besichtigung angeht: Eindruck machten uns in Zofingen die Mosaikböden zweier römischer Villen, die 1826 entdeckt wurden und durch ein Paar neuzeitlicher Bauten im klassizistischen Stil nicht nur geschützt, sondern auch geschmückt werden. So einen Badezimmerboden hätte ich auch gern, dachte ich vor Ort.
Zofingen, einer der zwei Bauten, die die antiken Mosaiken schützen.
Die hatten Stil, die alten Römer!

Sonntag, 5. Dezember 2021

Unten und oben in Wikon

Die Marienburg über Wikon LU.

Immer wieder mal sah ich, wenn ich im Wiggertal unterwegs war, östlich auf dem Felssporn über Wikon eine seltsame Gebäudeballung: mittelalterliche Gemäuer zum einen, neuzeitliche Betonbauten zum anderen. Gestern erkundeten wir die Marienburg, wie sie heisst. Mit einer Ritterfestung beginnt im Mittelalter ihre Vorgeschichte, ein Bergfried bezeugt diese Ära, diverse Adelsgeschlechter halten sich hier auf, später übernimmt die Stadt Luzern. 1891 kaufen Benediktinerinnen das Anwesen und gründen das Kloster Marienburg. Ein Töchterinstitut entsteht irgendwann, die hässlichen Betonergänzungen dürften, schätze ich, aus den 1970er-Jahren stammen. Vor zwei Jahren gaben die Nonnen das Kloster auf, man kennt das Problem, Überalterung und zu wenig Nachwuchs. Ein Luzerner Bauunternehmer ist mittlerweile der Eigentümer, unten in Wikon ist man gespannt, was er oben im Sinn hat. Ich selber wüsste auch gern, wie es mit der Marienburg weitergeht.
Schön: Marienburg-Ziergarten mit Pavillon und Blick aufs Wiggertal.
Hässlich: Annexbau auf dem Marienburg-Areal.

Samstag, 4. Dezember 2021

Der Prättigauexkurs

Pragg-Jenaz, der neue Laden.
Mmmm, Käse.
Sieht fein aus, oder?
Am Donnerstag gabs einen hübschen Gastroausflug ins Prättigau. Er bestand aus zwei Teilen: Erstens besuchten wir vom Bahnhof Furna in Pragg-Jenaz aus in der nahen Gewerbezone Garola den neuen "Genussmarkt" mit Produkten aus der Talschaft. Seit dem ersten Oktober ist der Laden offen, den ich hier schon mal kurz erwähnte. Das Shoppen ist ausgesprochen angenehm, weil der Bau aus duftig frischem Holz grosszügig bemessen ist, wir kauften Käse, Salsiz, Speck und Süsses. Teil zwei: Das war, ganz in der Nähe, die Einkehr im Hotel-Restaurant Sommerfeld. Der Zmittag, in meinem Fall Pouletbrust mit einer Marronifüllung auf Kakaojus, gegrilltes Gemüse und Breitbandnudeln, schmeckte grossartig. Und als wir um zwei Uhr wieder ins Freie traten, schien entgegen der Prognose die Sonne. Man muss mehr ins Prättigau.
Am Bahnhof Furna, kurz vor der Heimreise.

Freitag, 3. Dezember 2021

Das Gasternrätsel

Ein Foto aus dem Gasterntal von 2011. Damals nahm 
ich den Lötschenpass unter die Füsse und ging nach Ferden VS.
Gestern erklärte ich die Herkunft des Namens Gasterland von lateinisch castrum, Lager. Blogleserin Ursula fragte nach, ob die Bezeichnung Gasterntal – das Tal liegt bei Kandersteg – auch auf castrum zurückgehe. Viel fand ich dazu nicht, doch immerhin dies: Im Wikipedia-Eintrag zum Gasterntal steht, die Bezeichnung komme von einem Kandersteger Verb gasteren, übernachten. Das Dialektwörterbuch Idiotikon stützt diese These indirekt. Es verzeichnet das Substantiv Gasteren. Gemeint ist ein mit Balken abgetrennter Verschlag auf einem Heuboden, der mit einer Leiter erstiegen wird und als Nachtlager dient. Was die Ableitung von castrum angeht: Ich wüsste nicht von einem römischen Lager oder einer Wachstation im Gasterntal. Immerhin: Schon die Römer nutzten den Lötschenpass, der vom Gasterntal hinüber ins Lötschental, also in den Kanton Wallis führt. Ist halt oft so bei der Deutung von Ortsnamen: Manche bleiben ungewiss. In der wissenschaftlichen Datenbank ortsnamen.ch findet sich zu Gasterntal keine Erklärung.

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Gaster

Das Gasterland oder auch die Landschaft Gaster: Das ist das Gebiet im Kanton St. Gallen zwischen Weesen und Uznach östlich der Linth. Der Name hat weder mit Gast noch mit Gastronomie oder Gastritis zu tun. Er kommt vielmehr vom lateinischen castrum, Lager. Womöglich ist speziell die römische Wehranlage auf dem Hügel Gasterholz bei Maseltrangen gemeint. Oder das ganze System der antiken Wachstationen in der Region, in der ich öfters wandern gehe, so vor zwei Monaten. Das Gasterland war für die Römer wichtig als Teil der Alpentransit-Handelsroute vom Julier und Splügen via Chur nach Zürich, von Italien nach Germanien. Für den Transport von Waren und Menschen nutzte man im Gasterland meist die Wasserwege: die Linth und die Maag und natürlich den Walensee und den Zürichsee. (Bild: Screenshot Schweizmobil, die Markierung bezeichnet das Gasterland)

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Gotthelf auf Englisch


Es ist immer interessant zu schauen, wie Schweizer Buchklassiker auf Englisch heissen. "Das Blütenstaubzimmer" von Zoë Jenny ist "The Pollen Room".  Das wusste ich schon länger. Hingegen entdeckte ich erst gestern das Pendant zu Jeremias Gotthelfs "Uli der Knecht". Der englische Titel lautet "Uli the Farmhand". Klingt irgendwie sehr fremd.

Dienstag, 30. November 2021

Tod und Auferstehung am Bachtel

Der leere Bachtelweiher.
Grad eben klagte ich, dass wir am Samstag auf unserer Wanderung im Zürcher Oberland den Bachtelweiher leer vorgefunden hätten. Ein kundiger Blogleser wies mich darauf hin, dass da mehr dahintersteckt als eine winterliche Abpump-Routine. Rund 100 Höhenmeter unter dem Weiher liegt die Hueb mit der ehemaligen Weberei. Für diese wurde der Weiher vor rund 150 Jahren aufgestaut, als Energiequelle. Nun hat vor einiger Zeit eine Sicherheitsprüfung ergeben, dass der Damm des Weihers nicht mehr hundertprozentig stabil ist; käme es zum Dammbruch, würde der Wasserschwall den Weiler Hueb gefährden. Daher wurde das Wasser abgepumpt. Die Sanierungsarbeiten beginnen nächstes Jahr, nach ihrem Abschluss soll der Bachtelweiher auferstehen.