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Donnerstag, 5. August 2021

Berner Affentheater

Affen-Maler porträtiert Katzen-Dame. Künstler unbekannt. (Ausschnitt)
Affenkonzert. Von Hippolyte de Boug D'Orschwiller, 19. Jh. (Ausschnitt)

Affen, die Menschenkleider tragen und alle möglichen menschlichen Tätigkeiten ausüben: Solche Darstellungen nennt man in der Kunst, abgeleitet von französisch singe, Affe, singeries. Im Kunstmuseum Bern schaute ich mir gestern die kleine und feine Ausstellung mit Singeries an; das Genre, übrigens, wurde in Flandern gegen Ende des 16. Jahrhunderts geboren und amüsierte die Menschen ebenso, wie es sie zum Nachdenken über ihr Verhältnis zur Tierwelt anregte. Die Bilder der besagten Ausstellung stammen sinnigerweise aus der Sammlung der "Zunft zum Affen", einer alten Stadtberner Handwerksgesellschaft, die heuer ihren 700. Geburtstag feiert. Sie hatte den Affen schon im Mittelalter zu ihrem Zeichen erwählt. Dies unter anderem, weil Steinmetze den unbehauenen Stein seit jeher als "Aff" bezeichnen.

Mittwoch, 4. August 2021

Wir gingen in die Nummuliten


In den Flachmeeren der Vorzeit tummelten sich Nummuliten, Einzeller. In derartigen Mengen kamen sie vor, dass sie später, als das Wasser verschwand, ein eigenes Gestein bildeten, den Nummulitenkalk. Ihren Namen haben die Nummuliten vom lateinischen "nummuli", kleine Münzen. In jener Art Kalk, der aus ihnen gebaut ist, sind sie manchmal ellipsenförmig zu sehen, oft aber auch rund, münzenartig eben. Unsere Wanderung letzten Samstag am hinteren Sihlsee war als Fossilientour angelegt, mein früherer Tagikollege Stefan Hohler, der uns vor Jahren die Waldohreulen am Katzensee bei Zürich gezeigt hatte, hatte uns den Tipp gegeben, dass es oberhalb von Euthal an bestimmten Orten von Nummuliten wimmelt. Tatsächlich entdeckten wir reichlich Steine mit den zu Tage tretenden, zwischen ein paar Millimetern und anderthalb Zentimetern grossen Gebilden – unser Wandergrüppli kam dank Stefan zu einem geologischen Bildungserlebnis. 

Dienstag, 3. August 2021

Das Greifenseemonster

Er will doch nur spielen! Ein Wels.
(Foto: Dieter Florian / Wikicommons)

Es mag kein weltbewegender Zwischenfall gewesen sein. Aber ich blieb gestern doch mit den Gedanken bei dem hängen, was ich grad im Tagi gelesen hatte. Der Artikel vermeldete, dass vier Tage zuvor im Greifensee eine Schwimmerin von einem fiesen Unterwasser-Wesen attackiert und gebissen worden war bei einer Boje der Furren-Badi in der Nähe des Städtchens Greifensee. Die Frau ging mit einer rund 15 Zentimeter langen Bissspur am Bein zu einem Arzt, der auch Fischer ist. Sein Befund: Ein Wels hatte da zugebissen. Ein grosser, mindestens einen Meter langer Wels. Was heisst das jetzt? Sollte man im Greifensee gar nicht mehr baden? Nein, nein! Welse haben eine grosse Schnauze und viele Zähne. Die sind aber klein. Weswegen die Frau ja auch mit einem Gebissabdruck davonkam. Selber bin ich aber doch froh, dass Baden nicht zu meinen Hobbys zählt.

Montag, 2. August 2021

Unser Schwyzer Holzhüsli

Die Rasthütte mit gemauertem Grill (und 1.-August-Schmuck) in der Sagenweid. 

In der Festung Ruestel am Sihlsee.
Euthal, Alte Festung (Bus) – Ruestelweidli – Sattelchöpfli – Sattel – Egg – Chleeriweid – Stöfel – Waldherren – Chrähwäldli – Egg – Bärlaui – Sagenweid – Eublätz – Euthal, Schulhaus (4 Stunden, je 665 Meter auf- und abwärts): dies die Angaben zu unserer Wanderung vom Samstag in der Nähe des Sihlsees, einer Runde durch die Hügel am Chli Aubrig, bestem Wandergelände. Eine Überraschung stand am Anfang, eine am Schluss der Unternehmung. Als wir am Morgen bei der Haltestelle "Euthal, Alte Festung" ausstiegen, sahen wir als erstes eine Tür im Fels. Ein Plakat informierte uns, dass wir vor der Panzerabwehr-Stellung "Ruestel" standen. Spasseshalber rief ich "hallo" durchs Gitter ins Dunkle. Stellte sich heraus, dass grad ein Mann von der Vereinigung, die die Festung erhält und betreut, drinnen war. Und so kamen wir zu einer viertelstündigen Führung, sahen alte Gasmaken, MGs, Funkgeräte. Soweit Überraschung Nr. eins. Nr. zwei kam gegen Ende der Wanderung, als wir fast unten in Euthal waren. Wir hatten Würste dabei zum Brätlen, hatten aber nirgendwo eine passende Feuerstelle gefunden, und überhaupt war das Fallholz nass. Und dann sahen wir bei der Sagenweid eine Rasthütte, überdacht, auf drei Seiten geschlossen und mit allem Drum und Dran versehen: fliessendes Wasser, WC, gemauerte Feuerstelle, Grillzange, trockenes Tannenholz. Luxuriöser kann man nicht grillieren. Es regnete leicht, wir sassen im Trockenen und assen. In unserem eigenen Schwyzer Holzhüsli.

Sonntag, 1. August 2021

Herbst im Schwyzerland


Unsere Jahreszeiten folgen sich nicht, sie überlappen sich. Gestern in den Hügeln über dem hinteren Sihlsee fühlte sich der Sommer an wie ein Herbst. Es war Oktober im Juli, Nieselregen fiel, es nebelte, und die Wege waren unsäglich dreckig - ich wars am Ende auch. Mehr von unserer Schwyzer Route möchte ich morgen erzählen. Und nun wünsche ich allen einen gefreuten 1. August. Ich selber fahre gleich in die Ostschweiz zu einem familiären Fischessen.

Samstag, 31. Juli 2021

Bergverrummelung

Ich glaub, ich muss mehr in den "Blick" schauen, da hats immer wieder Geschichten, die mich als Wanderer interessieren. Gestern las ich, dass im Coronajahr 2020 in der Schweiz über 200 000 neue E-Mountainbikes verkauft wurden, 40 Prozent mehr als 2019. Und dass letztes Jahr jedes dritte verkaufte Mountainbike einen elektronischen Antrieb hatte. E-Mountainbikes liegen im Trend, das sieht jeder, der wandert. Mir gefällt das nicht. Die faule Radelei verrummelt die Berge.

Ein Elektrovelo aus Holland von 1932. (Wikicommons)

Freitag, 30. Juli 2021

Agarns Schuhregal

Ein sehr junges Rotfüchslein.
(Foto: Hans-Jörg Hellwig / Wikicommons)
Diese Woche las ich im "Blick" amüsiert einen Artikel über Agarn nah Leuk. In "Agaru", wie das Walliser Dorf im Dialekt heisst, klauen ein paar Jungfüchslein Sommer um Sommer Kinderspielzeug, Handschuhe und vor allem Schuhe. Die neuen Sneaker eines Versicherungsberaters, der am Waldrand wohnt, verschwanden schon in der ersten Nacht, nachdem er sie angeschafft hatte. Nun, einer verschwand, der andere blieb. Ein Rentner geht ab und zu zum Fuchsbau und sammelt die Schuhe wieder ein, wobei sie in der Regel Bissspuren aufweisen. Mittlerweile hat eine Frau in Agarn im Freien ein Regal aufgestellt mit den wiederbeschafften Schuhen. Darauf steht: "Schuh- und Sportgeschäft Fuchs, bei Sofort-Mitnahme 100 Prozent Rabatt."