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Sonntag, 21. Juni 2026

Die Grotte von Gstaad

Eines der Highlights meiner Repo-Tour in und um Gstaad war der Besuch der Käsegrotte im Weiler Bissen. Ein ehemaliges Wasserreservoir, eine unscheinbare Türe, die immerhin mit einem hübschen, regionstypischen Scherenschnitt geschmückt ist. Über zwei steile Leitern – schmale Tritte! – geht es hinab in die Grotte. Dort ist es kühl, was dieser Tage gut tut. Auf hohen Regalen lagert der Käse der umliegenden Alpen, betreut von der Molkerei Gstaad. 30 Tonnen sind es, und natürlich kann man, wenn man eine Führung gebucht hat, den Käse probieren. Taten wir mit Hingabe; der Hobelkäse und all die anderen Sorten waren fein. Beeindruckend, dieser Raum, er hat mit seiner kuppelartig gewölbten Decke etwas von einer Kathedrale. 

PS: Meine Reportage in der "Schweizer Familie" erscheint Ende Juli, dies mit garantiert grossartigen Fotos von Sébastien Anex. Am Nationalen Wandertag der "Schweizer Familie" am 29. August in Gstaad führt übrigens die Route zwei ("mittlere Route") an der Käsegrotte vorbei. Diese wird dann geöffnet sein, eine Degu ist auch vorgesehen.


Samstag, 20. Juni 2026

Entschleunigung

Repo-Tage sind anstrengende Tage, man koordiniert laufend Termine, trifft Leute, stellt Fragen, macht Notizen, schaut hysterisch auf die die Wetterprognose, vernachlässigt das Trinken und hat keine Zeit zum Essen. So war das auch gestern und vorgestern in Gstaad. Wir besuchten eine Künstlerin und einen Kitzbühel-Sieger, begleiteten in der Vormittagswärme und Mittagshitze eine Familie und ihre Kindern beim Wandern, fuhren mit dem Auto an entlegene Punkte und liessen die Drohne steigen, fragten wildfremde Biker und Bikerinnen, ob wir sie fotografieren und mit Namen erwähnen dürften, stiegen zudem in ein unterirdisches Käselager ein. Und und und. Schliesslich endete der rasant getaktete Aufenthalt in einem gemütlichen Entschleunigungsritual: Mit der Kutsche fuhren wir vom Weiler Bissen talwärts nach Gstaad. 

Freitag, 19. Juni 2026

Das Brauchtums-WC

Gestern war ich also auf Reportage in Gstaad. Die Eindrücke purzelten mir am Ende des sehr langen Tages – ich musste um fünf Uhr von zuhause los – im Kopf herum. Und die Fotos muss ich zuerst ordnen. Weswegen ich hier heute nur zwei Bilder vom Kafihalt im Sporthotel Viktoria zeige. Eines ist aufgenommen im Herren-WC, das andere zeigt die Tür zu ebendiesem WC. Bäuerliche Sujets. Sie sind allgegenwärtig im Saanenland.

Donnerstag, 18. Juni 2026

Die Ente vom Kapälliplatz

Heute gehts für zwei Tage nach Gstaad, ich und ein Fotograf machen eine Reportage über die Saanenländer Ferienregion; dies im Hinblick auf den Herbst, wenn dort der Nationale Wandertag der "Schweizer Familie" stattfindet. Wir sind gewissermassen das journalistische Vorauskommando. Mein Foto stammt vom Frühling, als ich mich in Gstaad schon mal umschaute. Am Kapälliplatz fiel mir damals beim Flanieren die Ente auf, die da so hübsch sitzt. Offenbar ist sie, wie das Schild zur Skulptur erklärt, ein Geschenk von Julie Andrews und Blake Edwards, platziert vor 12 Jahren. Blake Edwards, der "Pink Panther"-Regisseur, ist mittlerweile verstorben. Aber seine Ehefrau Julie Andrews, die weltberühmte Schauspielerin ("Mary Poppins"), lebt und hält sich oft in Gstaad in der Gemeinde Saanen auf. 2014 war sie zur Ehrenbürgerin von Saanen ernannt worden und bedankte sich damals mit der "Sitting Duck", der Sitzenden Ente, die Blake Edwards geschaffen hat.

Mittwoch, 17. Juni 2026

235 Kilometer Natur

Einer Medienmitteilung der Zürcher Wanderwege entnehme ich, dass die "Via Natura" nun voll und ganz realisiert ist. Letzten Freitag wurde die fünfte und letzte Etappe des Zürcher Rundwanderweges eröffnet. 235 Kilometer lang ist dieser, bietet mit Wäldern, Mooren, Seen und Flussräumen viel Abwechslung und verbindet – dies vor allem – die Naturzentren des Kantons. Um Familien zu motivieren, sind an einigen Standorten Hörpfade für Kinder eingerichtet.

Die Via Natura, Übersichtskarte aus der Medienmitteilung.

Dienstag, 16. Juni 2026

Zürcher Direttissima

Die Schlüsselpassage vor der Claridahütte. Der Fels ist abgewetzt und rutschig.
Die Claridahütte hatte ich mir heimeliger vorgestellt.
Huch. Ein Fixseil am Uetliberg? Es hilft über die – wenigen – besonders schwierigen Meter der Direttissima, die vom Friesenberg-Quartier via die Rossweidliegg und die Claridahütte zum Fernsehturm gleich beim Gipfel führt. Auf der Karte ist dieser ruppige Weg mit bis zu 60 Zentimeter hohen Tritten, der bei Nässe garantiert gefährlich ist, gestrichelt eingezeichnet. Nachahmung auf eigene Gefahr. Ich hatte eine kundige Begleitung, Karin und Martin, die im Friesenberg wohnen und den Uetliberg und dessen Flanken auf immer neuen Pfaden erkunden. Allein wäre ich auf die Prickelroute auch gar nicht gekommen.
Den Zürichsee zu Füssen: auf dem Uetliberg.

Montag, 15. Juni 2026

Zwei Türme

Das Restaurant Baldegg bei Baden und sein Aussichtsturm.
In der Art-brut-Ausstellung im Restaurantturm hängt dieses Bild, das das Restaurant zeigt.
Mein Zmittag.
Als wir am Mittwoch vom Bahnhof Mellingen-Heitersberg via Birmenstorf nach Baden wanderten, kamen wir auch auf der Baldegg vorbei. Dort gibt es ein vorzügliches Ausflugsrestaurant dieses Namens, das der Stadt Baden gehört; der Zmittag – ich hatte eine Maispoulardenbrust an einem Morchelsösseli – schmeckte. Bemerkenswert, dass es auf der Baldegg gleich zwei Türme gibt:

  • Der eine Turm ist Teil des Restaurants Baldegg, das 1837 erbaut wurde; der Turm, der 12 Meter hoch ist und den Gästen Aussicht verschafft, wurde 1905 hinzugefügt. Wir bestiegen ihn natürlich und durchschritten dabei so nebenbei eine Art-Brut-Ausstellung im Treppenhaus. 
  • Der andere Turm steht drei Gehminuten entfernt im Wald und ist mit 38 Metern wesentlich höher. 1985 erstellt, dient er als Reservoir, 200 Kubikmeter Wasser fasst dieses. Das grandiose Rundpanorama zuoberst auf dem Wasserturm ist somit bloss ein Nebenprodukt. Ein erfreuliches, fanden wir.
    Der Wasserturm auf der Baldegg.
    Auf dem Wasserturm. Hinten links der Mitte die Lägern.