Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Mittwoch, 3. Juni 2020

Das Emmental war nun in mir

Mein Zmittag auf der Lüdernalp:
Hamme, Kartoffelsalat und
ein Möhl akoholfrei.
Am Pfingstmontag startete ich früh, noch vor halb neun, in Trub. Die Matten glitzerten feucht, die Sonne war schon da, doch nicht die Bise, die kam erst gegen Mittag. Ich stieg auf zur Klosteregg, zum Stauffenknubel, zum Schynezingge, zum Homattgätterli, stieg wieder ab zum Rotchnubel, zur Lüdernalp, zur Sparenegg, zum Senggenberg, zur Harendegg und nach Sumiswald-Grünen. Knapp sieben Stunden war ich gewandert bei 990 Höhenmetern aufwärts und 1120 abwärts. Als ich auf der Heimreise die Augen schloss, sah ich Hügel und Kämme aller Formen und aller Grünstufen. Das Emmental war nun in mir.

Dienstag, 2. Juni 2020

Chnubuhubutour

Das schmucke Trub von oben.
Wer im Emmental wandert, kommt von Chnubu zu Hubu, das will nicht enden. So war das auch gestern Montag - daher taufte ich meine Tour, von der ich morgen mehr erzählen will, "Chnubuhubutour". Für alle, die des Schweizer- respektive Berndeutschen nicht mächtig sind: Chnubu ist Chnubel, also Knubbel, also Hügel. Und Hubu ist Hubel, also Hügel, dieser zweite Ausdruck findet sich im Duden. Gestartet war ich in Trub. Als ich etwas später von oben auf das Dorf hinabschaute, fand ich den Anblick lieblich, speziell den des Kirchleins. Bis mir einfiel, dass im Ancien Régime die Kirchen sozusagen Filialen der Herrschaft waren und die Pfarrer enge Mitarbeiter der Obrigkeit. Zuträger. Sitteneinpeitscher. Aufgrund der Taufrodel wurde zum Beispiel auch bestimmt, wer für die Gnädigen Herren in den Militärdienst einrücken musste. Nun wieder zu Trub: Ein Täufer-Fussweg führte mir dort vor Augen, dass diese Gegend mit den abgelegenen Höfen und entrückten Winkeln Täufergebiet war. Jahrhundertelang wurden die Täufer des Emmentals verfolgt, drangsaliert, eingekerkert. In Trub gab es einst sogar besoldete Täuferjäger. Also, seien wir nicht zu gefühlig im Umgang mit der Dorfkirche. Apropos Berner Täufer: Vor drei Jahren bat der Berner Regierungsrat Christoph Neuhaus die noch existierenden Täufergemeinschaften des Kantons um Verzeihung.

Montag, 1. Juni 2020

Also wir hatten unsere Ruhe

Das Glarnerland kann auch Dschungel.


Einige Zeit vor dem Schönaufurggeli. Der Talboden
im Hintergrund zeigt, wieviel Höhe wir bis hier machten.
Wenn man an Pfingsten wandern geht, muss man eine Route einschlagen, die die meisten Leute abschreckt. Dann hat man seine Ruhe. Diese Idee führt dazu, dass ich für mein Grüppli den Etzelstock im hinteren Glarnerland wählte, einen Gipfel, den zu erreichen man weit über 1000 Höhenmeter aufsteigen muss. Und hinunter muss man ja auch wieder. Der Plan funktionierte, wir trafen fast keine anderen Wanderer. Und weil wir früh losgefahren waren, um viertel vor sieben, fanden wir im Zug gut Platz. So wars auch im Bahnersatzbus; die Zuglinie von Schwanden Richtung Linthal war wegen eines technischen Problems unterbrochen. Wanderfreundin C., die uns mit einer Stunde Verspätung nachreiste, berichtete, ihr Zug sei in der zweiten Klasse schon voll gewesen, und im Ersatzbus sei nicht Platz für alle gewesen. So schnell geht das an Pfingsten. Nun zum Positiven. Der Etzelstock liegt in einer aparten, stellenweise sumpfigen Landschaft, derzeit ist Bergfrühling, die Blüemli entschädigten für die Mühe des Gehens bei Weitem. Und wir wurden mit Aussicht und Fernblick verwöhnt. So, fertig geschwärmt, hier noch die kruden Fakten. Route: Nidfurn-Haslen, Bahnhof - Haslen - Tannenberg - Auenalp - Mätz - Schönaufurggeli - Etzelstock - Schönaufurggeli - Etzelhüsli - Aueren - Rotenberg - Hellwald - Schwanderberg - Schwander Turm - Schlatt - Schwanden - Schwanden, Bahnhof. 7 Stunden, 1350 Meter aufwärts, 1370 abwärts.
Das Lokal des Skiclubs Altstetten auf der Auenalp. Man kann es kaufen.
Auch hübsch: das Restaurant Tannenberg auf der ersten Terrasse über Haslen.

Sonntag, 31. Mai 2020

Die Etzelstockstrapaze

Sanft ist der Rücken des Etzelstocks.
Es geht an den Abstieg.
Kurz darauf beim Schönaufurggeli.
Das Bier zum Schluss im
Restaurant Adler in Schwanden.
Eine rechte Wanderung braucht, finde ich, ein rechtes Ziel. Einen Pass, eine Hütte, einen Berg. Gestern nahmen wir uns den Etzelstock vor, einen Berg oberhalb Schwanden im hinteren Glarnerland, 1823 Meter über Meer. Der Aufstieg war hart. Der Abstieg war noch härter. Oben wars kalt. Wirtschaften unterwegs gabs keine. Gelohnt hat sich die Strapaze auf jeden Fall. Die endlosen Farnflächen, die Enziane, die Heidelbeerbüsche! Die immer wieder mal hinter Nebelschleiern sich versteckenden, dann doch wieder sich zeigenden Berge rundum wie der Gross Chärpf und der Chli Chärpf! Und vor allem dieser weite, sanfte, sofaartig gepolsterte Rücken des neusten Berges, den wir erwanderten! Etzelstock, es ist schön, dich kennengelernt zu haben.

Samstag, 30. Mai 2020

Geld made in Innerrhoden

Infotafel bei der Flur Münz.
Der Bahnhof Appenzell unten rechts,
die Flur "Münz" oben links.
(Screenshot Schweizmobil)
Etwas ausserhalb des Innerrhoder Hauptortes Appenzell, nordwestlich von diesem, strebt der Kaubach der Sitter zu. Unweit der Einmündung steht ein Bauernhof, die Flur heisst "Münz". Ein Schild erklärt, dass hier einst die Münzmühle stand, in der die Innerrhoder zwischen 1737 und 1742 ihr eigenes Hartgeld prägten. Warum taten sie das nur gerade fünf Jahre? Innerrhoden hatte das Münzregal, wie das Monopol der Münzprägung heisst, verpachtet. Die eidgenössische Tagsatzung wollte die Vergabe einer derart wichtigen Staatsausgabe in die Hände Privater aber nicht dulden und setzte dem Tun nach einem halben Jahrzehnt ein Ende. Womit das Kleingeld des Kleinstaates am Ende war. Gern würde ich Genaueres erzählen, doch habe ich nicht mehr zum Thema gefunden.

Freitag, 29. Mai 2020

Widmer grilliert

Ja, klar, beim nächsten Mal tu ich mehr drauf.
Da nimmt einer die gedruckte Presse noch ernst. Vorgestern Vormittag um zehn sah ich in der "Schweizer Familie" - aktuelle Ausgabe, "Grill-Extra" - den Hinweis auf einen Tischgrill mit zwei Platten, von denen eine glatt ist, eine Plancha also, die andere aber klassich gerillt. Die Temperatur kann man bei beiden einzeln regulieren. Ich bestellte den Cuisinart Plancha Multifunktion PL50E sofort. Gestern Vormittag lieferte ihn die Post. Am Mittag startete ich den Versuchsbetrieb mit einem Cervelat, ein paar Knoblauchzehen und Peperonischeiben. Es klappte alles, die Grillware schmeckte zusammen mit einem Bürli und Tomatensalat hervorragend. Noch nie im Leben habe ich zuvor einen Grill besessen. Jetzt wird alles anders. Sommer, komm und bleib lang! Nachtrag zum Preis: Der Grill kostete mit Lieferung 199 Franken. Mittlerweile ist der Preis aber bereits massiv gestiegen.

Donnerstag, 28. Mai 2020

Höhenweg durch die Heidelbeerbüsche

Blick vom Gipfelkreuz auf dem Crest Ault zum Calandamassiv (rechts der Mitte).
Präz, mit dem kleinen Gelben waren wir angereist.
Wir erreichten Präz vorgestern mit dem Kleinpostauto von Thusis aus, die Sonne schien, die Luft war rein, auch die fernen Berge waren gut zu sehen. Bloss etwas störte uns den ganzen Tag über: die Bise, die uns bei aller Wärme schlottern liess. Von Präz stiegen wir auf zur Präzer Alp und zum Kamm des Heinzenbergs. Das folgende Wegstück liess nichts zu wünschen übrig, ein Höhenweg schlängelt sich durch die Heidelbeerbüsche, man sieht zur Linken die Berge über dem Safiental, hat geradeaus diejenigen der Surselva und des St. Galler Oberlandes und zur Rechten diejenigen des Schanfigg und der Lenzerheide. Unser Ziel, der Crest dil Cut (2015 Meter), stellte sich als Hügelknubbel heraus mit weichen Matten, auf denen man sich hätte zur Ruhe betten können. Aber die Bise! Wir zogen weiter zu einem zweiten Aussichtspunkt, dem Crest Ault mit dem riesigen weissen Gipfelkreuz; er ist mit 1941 Metern deutlich weniger hoch als der Crest dil Cut, schenkt aber spektakuläre Tiefblicke auf das Domleschg. Der Abstieg zur Alp Sura hatte es in sich, hoch waren die Tritte, steil die Halden, wir mussten aufpassen. Nach der Alp Sura wurde alles leicht, der Rest der Route hinab nach Rhäzüns verlief auf - grossteils gekiesten - Alpsträsschen. Am Bahnhof Rhäzüns waren wir uns einig: Wer viel sehen will vom Bündnerland, der steigt auf den Heinzenberg. (6 3/4 h, 1000 Meter aufwärts, 1550 abwärts)
Rhäzüns (vorn) und Bonaduz (hinten) sowie der Hinterrhein vom Crest Ault.