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Donnerstag, 13. August 2026

Aus der Hausapotheke

Ich habe Ferien, in der Wohnung ist es Tag für Tag brutal heiss. Wenns irgendwie geht, fliehe ich – in die Höhe, in den Schatten, ans Wasser. Wenn das mal nicht möglich ist, schwitze ich daheim vor mich hin. Greife aber auch immer wieder mal in meine, wie ich sie nenne, digitale Hauspotheke, Youtube. Gönne mir dort das eine oder andere Filmli aus kalten Regionen und Zeiten. Hier eines, das nachhaltig erfrischt, 13 Minuten lang ist es. Ein Mann und sein Hund kämpfen sich durch das Schneegestöber zu einer alten Hütte. Holzen, heizen, kochen, essen, schlafen, mehr ist da nicht. Aber wie gut das in meinem Fall wirkt!

PS: Falls es mit dem Klicken oben nicht klappt, hier der Link.

Mittwoch, 12. August 2026

Lautlos übers Wasser

Schon schön, im Elektro-Motorschiff über den Ägerisee zu gleiten, ein Windchen im Haar, die Landschaft schmuck, der Antrieb praktisch lautlos. Die E-MS Ägerisee ging 2003 als Motorschiff in Betrieb, wurde letztes Jahr auf Elektrobetrieb umgerüstet, kann 130 Personen fassen. Als ich letzten Samstag von der Schifflände Unterägeri zum Morgartendenkmal reiste, war sie vielleicht zu einem Drittel besetzt, herrlich, es gab Platz, und die Besatzung war so was von entspannt. Ich kann die Fahrt allen empfehlen, die sich entspannen und ein bisschen Frische tanken wollen.

Dienstag, 11. August 2026

Himmlisch, dieses Tor

Beim Felsentor haben Leute ein hübsches
Steinkreislabyrinth gebaut. (Foto: Peider)
Etwas über anderthalb Gehstunden braucht man, um das Felsentor, auch "Himmelstor" genannt, zu erwandern. Der Bergweg führt vom Julierpass das Val d'Agnel hinauf, schon vom Abzweiger zur Fuorcla digl Leget aus sieht man das Tor in der Höhe auf einer Krete. Noch ein wenig Richtung Fuorcla aufgestiegen, dann zeigt ein Schild nach rechts ins Gelände, das spektakuläre Gebilde ist nun schnell – und problemlos – erreicht. Aus Dolomit besteht es, ein weicherer Teil des Gesteins verwitterte im Lauf der Zeit, derweil der härtere Teil geblieben ist. Es braucht Mut, auf den Bogen zu steigen, mein Bergfreund Peider tat es, derweil ich dankend verzichtete. Glücklich machte mich das Tor in seiner hochalpinen Umgebung, gut 2650 Meter über Meer, auch so. Die Koordinaten für die, die es auf der Karte verorten wollen; angeschrieben ist es dort nämlich nicht: 2'773'532 1'151'350.

Montag, 10. August 2026

Ein Tag im Gebirge

Zehn Minuten vor Wanderende: Es wird Abend in Sur.
Wunderschön, diese Wanderung. Aber auch anstrengend. Kürzlich nahm ich die frühestmögliche Verbindung vom Zollikerberg auf den Julier, Haltestelle La Veduta. Unterwegs stieg mein Bündner Bergfreund Peider zu, gemeinsam starteten wir auf dem Pass. Stiegen das Val d'Agnel hinauf, bogen ab zum höchsten Punkt des Tages, der Fuorcla digl Leget auf 2710 Metern über Meer. Das namensgebende Seelein ("Leget") lag uns zu Füssen. Hart der folgende Abstieg, zuerst gingen wir auf einem enorm steilen, rutschigen, bröseligen, staubigen Erdpfad, kamen dann in die Geröllzone. Weiter unten erreichten wir Weideböden, weit war es freilich auch da noch bis zur Alp Flix. Als wir auf ihr ankamen, gönnten wir uns auf der Terrasse des Berghauses Piz Platta Kaltes, ich ein Bier, Peider einen Eiscafé. Nun hätten wir eine Stunde warten müssen bis zur Abfahrt des Kleinbusses, der hinab nach Sur verkehrt. War uns zu lang, wir machten auch dieses unschwierige Stück noch zu Fuss und langten rechtzeitig unten an. Die Zeit hätte sogar noch für einen Einkauf im modernen, automatisierten 24-Stunden-Laden von Sur gleich bei der Postautohaltestelle gereicht, bloss kamen wir drinnen nicht mit der Kasse zurecht. Kein Problem, es wäre ja mehr ein Sympathiekauf gewesen. Um 5 Uhr 25 morgens war ich im Zollikerberg gestartet, um 21 Uhr war ich wieder daheim – um grandiose Eindrücke reicher. (5 Stunden, 640 Meter aufwärts, 1310 Meter abwärts)

PS: Morgen geht es um einen Abstecher auf dieser Wanderung zu einer grossartigen geologischen Formation.

Allein der Anblick kühlt ab: das Seelein auf der Fuorcla digl Leget.
Steiler Abstieg von der Fuorcla.

Es ist nicht mehr weit bis zu den flachen Böden der Alp Flix (Bildmitte).
Romantisches Surses: Spätnachmittagslicht auf der Alp Flix.

Sonntag, 9. August 2026

Der taktische Weinkrampf

"Einmal, in den Dolomiten, hatte ich solche Schmerzen und war derart müde, dass ich mich vor einer Gruppe Touristen ausgeweint habe. Die armen Leute. Ich nenne es einen 'taktischen Weinkrampf'. Ich war so emotional wegen der Hitze und allem – das Weinen tat gut, danach konnte ich weitergehen."

Wer die gemacht hat, ist seeehr sportlich: die ganze "Via Alpina".
(Karte: Cipra/Wikicommons)
Der Pass Sefinenfurgge im Berner
Oberland gehört auch zur "Via Alpina".
Gestern Samstag las ich in der NZZ das Interview mit der Neuseeländerin Sophie Woods, einer 42-jährigen Ultratrail-Sportlerin. Sie lief diesen Sommer die gut 2000 Kilometer lange "Via Alpina" von Triest nach Monaco, machte dabei über 117 000 Höhenmeter. Ein interessantes Gespräch, finde ich, mit vielen prägnanten Aussagen wie der oben zitierten. "Taktischer Weinkrampf": Kann man ja vielleicht auch als Normalwanderer mal anwenden. Sophie Woods hat übrigens einen neuen Streckenrekord realisiert, sie war auch weit schneller als der bisher schnellste Mann: 28 Tage und 17 Stunden brauchte sie.

Samstag, 8. August 2026

Ein berühmtes Panorama

Apéro auf der Berneuse.
Aus der Gondel gesehen: das berühmte Waadtländer Zackenduo Tour d'Aï (l.) und Tour de Mayen (r.).
Das Drehrestaurant Kuklos.
Auf der Berneuse hat man den Genfersee zu Füssen. (Foto: Ronja)
Im Selbstbedienungsrestaurant.
Gesten erzählte ich vom Waadtländer Tourismusdorf Leysin, das uns reichlich verwahrlost vorkam. Aber was trieb uns kürzlich überhaupt dorthin? Es war La Berneuse, der berühmte, per Gondelbahn von Leysin aus erschlossene Aussichtsberg mit zwei Restaurants. Auch ihn fanden wir, was die Anlagen angeht, ein wenig schäbig. Und das All-you-can-eat-Buffet für 38 Franken im gehobenen Drehrestaurant "Kuklos" bestand aus einigen Kochwannen mit 08/15-Ware im Stil Militärkantine. Kulinarisch war das eine Tristesse, nichts zu spüren vom welschen Savoir-vivre, von der Gaumenkunst der Romandie. Wenn meine Begleiterin und ich auf dem Gipfel doch frohlockten, dann wegen des Panoramas samt dem Genfersee, den Waadtländer, Berner und Walliser Alpen und dem Mont Blanc. Die Landschaft, die uns die Berneuse vorführte, die ist grandios.
Chicken Nuggets & Co.: ein Teil des Mittagsbuffets im "Kuklos".

Freitag, 7. August 2026

Was ist denn hier passiert?



Ein lustiges grünes Zahnradbähnli zuckelt von Aigle im Rhonetal hinauf nach Leysin VD, das im 19. Jahrhundert als Kurstation für Lungenkranke bekannt wurde. Diese Epoche ist längst vorbei, an die Stelle der Kliniken sind Hotels für den Sommer- und Wintertourismus getreten. Und internationale Schulen. Als wir vor wenigen Tagen anreisten, fanden wir Leysin freilich in desolatem Zustand vor. Jedenfalls, was den oberen Ortsteil angeht, das Gebiet Feydey-Talstation Berneuse. Vernachlässigte Bauten, versprayte Wände, vandalisierte Anlagen, die Strassen ein Flickwerk, an manchen Stellen wächst das Unkraut aus den Asphaltritzen. Eine allgemeine Verwahrlosung erlebten wir. Was ist hier los? Nun, zum einen möchte der Ort angesichts des Schneemangels im Winter die Vorwärtsflucht antreten; die Touristiker würden gern rund 20 Millionen Franken in ein neues Pump- und Leitungssystem zwecks besserer Beschneiung des regionalen Skigebietes investieren. Bloss sind gegen das Unterfangen 500 Einsprachen eingegangen, der Widerstand ist massiv, eine Blockade. Ein zweites Projekt ist mit dem ersten verknüpft: Für 130 Millionen Franken will man die Verkehrserschliessung im weitläufigen, terrassierten Höhendorf völlig neu gestalten samt einer unterirdischen Verlängerung durch das Zentrum und zwei neuen Standseilbahnen. Bis 2033 soll das geschehen. Ob es klappt und Leysin sich aufrappelt? On verra.