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Mittwoch, 19. Juni 2024

Zwei kraftvolle Kirchen

Die Dorfkirche von Brienz ist an die 900 Jahre alt.
Blick aus dem Vorraum Richtung Interlaken.
Weil sie so schön ist, gleich noch ein Foto.

Zwei wundervolle Kirchen, beide reformiert, lernte ich kennen, als ich am Sonntag auf dem Jakobsweg von Brienz nach Interlaken wanderte. Die eine Kirche steht am östlichen Dorfrand von Brienz auf einem kleinen Felssporn; aus Stein gebaut, ersetzte sie um 1130 eine Holzkirche. Eine Mauer umgibt die Brienzer Dorfkirche und lässt sie wehrhaft aussehen. Die andere Kirche, die mir Eindruck machte, fand ich in Ringgenberg vor. Sie entstand im 17. Jahrhundert und wurde in die Ruine der Burg der ehemaligen Adelsherren von Ringgenberg eingepasst als rechteckiger Predigtsaal. Nach der Visite stieg ich zum höchsten Punkt der Ruine, dem mit einer modernen Treppe ausgestatteten Turm – was für ein Blick ich da hatte auf den Brienzersee und Richtung Interlaken. Und auf die nahe Kirche.
Ringgenbergs Dorfkirche ist auf die Burgruine gepfropft.
Auf dem Turm der Ruine.

Dienstag, 18. Juni 2024

Tiberius, Drusus und der Römerturm

Die Bushaltestelle Römerturm in Filzbach auf dem Kerenzerberg.
Mauerreste des antiken Militärturms am Haus
neben dem Hotel Römerturm, unten der Walensee.
Im Jahre 15 vor Christus machen sich Tiberius und Drusus, die Adoptivsöhne des Kaisers Augustus, daran, die Alpen zu erobern und deren Stämme zu unterwerfen. Gleich drei Militäreinrichtungen entstehen damals am Walensee, es sind die sogenannten Walenseetürme:

  • Turm 1 bei der Stralegg nah Betlis am Nordufer des Walensees.
  • Turm 2 auf dem Biberlikopf, jenem niedrigen Hoger gleich neben dem heutigen Bahnhof Ziegelbrücke, den der Zug Richtung Chur in einem Tunnel durchfährt.
  • Turm 3 in Filzbach auf dem Kerenzerberg bei Voremwald, nach ihm, "Römerturm" genannt, sind ein Hotel und die Bushaltestelle vor dem Hotel benannt. Viel ist vor Ort nicht zu sehen, ein paar rudimentäre Mauerreste, die ich mir zum Ende meiner Kerenzerbergtour letzten Mittwoch anschaute. Der Turm war jedenfalls bestens platziert, die Legionäre kontrollierten den Landweg, der hier vorbeiführte, unten am See gab es damals keine Wege, dort nahm man das Boot. Wer mehr wissen will: Hier ein interessanter archäologischer Artikel zu diesem und den anderen beiden Walenseetürmen.
PS: Zwischen Obstalden und Filzbach wanderte ich durch die "Alte Gasse", Teilstück der alten Fernverbindung von Splügen via Chur nach Zürich. Der Weg soll auf die Römerzeit zurückgehen. Jahrhunderte später nahmen die Leute vom Kerenzerberg diesen Weg zur Messe in Schänis.

Montag, 17. Juni 2024

Die Aktien des Balthasar Meier

Ich mag alte Fotos. Bahn auf dem Weg
 zum Gornergrat, eine Aufnahme von 1959.
(Foto: Anidaat/Wikicommons)
Dieter Meier kennen wir alle, Stichwort Yello. Dass der Zürcher Popmusiker, 79, bis vor einiger Zeit ein bedeutendes Paket an BVZ-Aktien besass, das er mittlerweile abgestossen hat, wusste ich nicht; das Kürzel BVZ steht für jene Holdinggesellschaft, die unter anderem die Bahn von Zermatt auf den Gornergrat  betreibt. Ebenfalls wusste ich nicht, dass Dieter Meier einen Bruder namens Balthasar hat, einen Vermögensverwalter. Hatte. Vor wenigen Wochen ist Balthasar Jürg Meier gestorben, und die Wirtschaftswelt fragt sich, was mit seinen Aktien passiert, Balthasar Jürg Meier war Hauptaktionär der Gornergrat-Bahn. All das entnahm ich eben der Plattform "Inside Paradeplatz". Sie spekuliert, dass ausländische Investoren sich beim Bahnunternehmen einkaufen, dieses gar übernehmen könnten. Die Bahn auf den Gornergrat in chinesischen Händen? Das passt insofern, als auch die Klientel zu einem guten Teil aus Chinesinnen und Chinesen besteht.

Sonntag, 16. Juni 2024

Der Alleinpilger

In Brienz sahen wir vor drei Wochen dieses Boot, einen
schwimmenden Hot Tub mit 38-grädigem Wasser. (Foto: Ronja)
Endlich. Heute wird wieder gepilgert auf dem Schweizer Jakobsweg, die Etappe von Brienz nach Interlaken steht an. Am Samstag vor einer Woche hatte ich abgesagt, des Wetters wegen, was, im Nachhinein betrachtet, ein Fehler gewesen war, weil es dann gar nicht regnete und auch nicht gewitterte; die Prognosen kommen mit den volatilen Druckverhältnissen dieses Sommers nicht wirklich zurecht. Nun, gestern Samstag wanderten wir auch nicht, wieder wegen des Wetters, es regnete diesmal tatsächlich. Aber heute Sonntag wird im Berner Oberland die Sonne scheinen. Ich werde diesmal allein unterwegs sein, mein Grüppli ist, wie es der Diminutiv besagt, klein. Alle ausser mir sind abwesend, weil krank, in den Ferien oder sonst nicht verfügbar; zwei Leute sind schon vorgepilgert, um diese Etappe nicht zu verpassen. Jetzt bin ich gespannt, wie sich das Alleinpilgern anfühlt.

Samstag, 15. Juni 2024

Schönheitsrausch auf dem Kerenzerberg

Blick zurück nach Obstalden. Der Walensee war der Star der Wanderung. Zusammen mit den Wolken.

In Obstalden.

Das Südufer des Walensees und speziell der Kerenzerberg strotzen vor Schönheit. Wenn das Wetter stimmt und die Sonne scheint, wird klar, wie mediterran die Gegend ist, allein die Palmen zeigen es. Und allenthalben stehen alte Holzhäuser mit prachtvollen Blumengärten. Okay, das war jetzt ausgiebig geschwärmt. Aber genauso empfand ich, als ich am Mittwochvormittag eine Wanderung über den Kerenzerberg machte, von Mühlehorn via Fuchsfallen und Sagenwald hinauf nach Walenguflen und Obstalden und weiter auf dem Römerweg nach Filzbach, wo die Wanderung beim Hotel Römerturm endete. Nicht einmal zweieinviertel Stunden hatte die Unternehmung gedauert (450 Meter aufwärts, 130 abwärts), doch hatte sie mich mit derart vielen Attraktionen verwöhnt, wie sie normalerweise in einer Fünf-Stunden-Route enthalten sind. Der Walensee, seine Bläue, die Harmonie der Wasserfläche im Kontrast zu den brüsken Wänden der Churfirstenkette war ein Bild, das mich nicht losliess. Und diese Wolken. Berauscht fuhr ich heim.
Zwei Bilder vom Wegstück Fuchsfallen–Sagenwald
oberhalb Mühlehorn: erstens ein kurzer Felsentunnel und …
… zweitens die Fuchsfallen-Hängebrücke.

Freitag, 14. Juni 2024

Nachruf auf einen alten Freund

Links alt, rechts neu, die Daten sausen drahtlos.
Am Dienstagmittag klingelte bei mir ein Kurier, mein neuer Laptop war da. Ich packte das MacBook Air aus, schaltete es ein, verband es mit dem Internet. Es fragte mich, ob ich die Daten meines alten MacBook Air übertragen wolle. Ich bejahte. Eine halbe Stunde sassen die beiden Seite an Seite auf meinem Schreibtisch, der eine schickte dem anderen seine Inhalte, auf beiden Bildschirmen zeigte ein Pop-up-Fenster das Voranschreiten des Vorganges an. Ich fand das Ganze ein bisschen traurig. Wie der Alte dem Jungen alles preisgab, was ihn selber ausmachte, abgeklärt, kulant, ohne aufzumucken, im Wissen, dass sein eigenes Ende nah war. Und tatsächlich habe ich gestern das alte MacBook Air von 2014 weggestellt, es landet nächstens im Elektroschrott. Musste sein, das Ding hatte mir in den letzten Monaten Probleme bereitet, es verweigerte den Batteriebetrieb, blockierte gewisse Befehle mehrere Minuten lang, um sie dann doch umzusetzen, konnte bei wichtigen Programmen wie dem "Adobe Acrobat Reader" auch keine Updates mehr laden. Es war halt wirklich Zeit für ein neues Gerät. Und für den Abschied vom alten. Lebe wohl, treuer Freund.

Donnerstag, 13. Juni 2024

Seeli parat

Ein Schweizmobil-Screenshot:
Oben rechts das Sunnbüel mit dem Restaurant und der
Seilbahnstation. Unterhalb der Bildmitte die Arvenseeli. Die
violette Linie ganz unten ist die Kantonsgrenze Bern–Wallis

Ich fuhr schon von Kandersteg mit der Luftseilbahn aufs Sunnbüel. Und wanderte von dort durch eine wunderschöne Gebirgslandschaft zum Gemmipass, um am Ende wieder eine Seilbahn zu nehmen, diejenige hinab nach Leukerbad. Kurios, dass ich die drei Seeli, die vom Sunnbüel bloss eine halbe Gehstunde entfernt sind und praktisch am Wanderweg liegen, nicht sah. Nun, man kann es erklären. Die Arvenseeli, wie sie heissen, füllen sich so circa im Mai mit dem Wasser der Schneeschmelze und trocknen irgendwann im Sommer wieder aus; ich war damals im Herbst unterwegs und muss die wasserlosen Mulden übersehen haben. Und jetzt ins Jetzt: Meine frühere Redaktionskollegin Barbara, die in Kandersteg lebt, hat mir eben mitgeteilt, dass die Arvenseeli dieser Tage gefüllt sind. Und dass das etwas für mich wäre. Ist es ganz sicher. Die Fotos auf der Website der Sunnbüel-Bahn machen jedenfalls Lust hinzuwandern.