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Donnerstag, 26. Februar 2026

Schaffhauser Höhlenbewohner

Leider kann ich kein Foto der Wohnhöhlen von Rüdlingen
zeigen. Stattdessen hier eines aus Matmata in Südtunesien.
Auch dort gibt es Wohnhöhlen, die ich vor vielen Jahren besuchte.
(Foto: Wikicommons)
Ein fast zugewachsener Trampelpfad im Steilhang über dem Rhein. Er führt zu zwei Höhlen in einer Sandsteinwand. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in ihnen Menschen. Arme Leute, Taglöhner und Korbflechter und ihre Familien zum Beispiel. Im "Tages-Anzeiger" stand gestern eine Reportage über den Ort auf Boden der Gemeinde Rüdlingen SH in der Nähe von Flaach ZH zu lesen, der Journalist hatte sich die Höhlen mit einem 72-jährigen Mann angeschaut, dessen Grossmutter in einer von ihnen aufgewachsen war. Schön wäre, wenn es an diesem Ort einen Picknickplatz gäbe und vielleicht eine Infotafel. Geht nicht. Zwar gehört das Grundstück samt den Höhlen der Gemeinde, doch ist es gefangen inmitten von Privatgrundstücken, ein Eigentümer rekurrierte vor Jahren gegen den Ausbau des Weges. Schade, ich wäre da gern mal hin.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Himmlische Spediteure

Die Santa Casa in der Basilika von Loreto in Italien.
(Foto: Zorro 2212 / Wikicommons)
Engel tragen die Santa Casa von Nazareth nach Loreto.
Gemälde des 16. Jahrhunderts aus Brügge. (Wikicommons)
Die Loretokapelle auf dem Achenberg.
Gestern erzählte ich vom Achenberg in der Nähe von Zurzach und von der dortigen, 1662 fertiggestellten Loretokapelle mit der Schwarzen Madonna. Aber was ist eine Loretokapelle überhaupt? Ich musste das selber nachschlagen. Nun, das Original findet sich als Haus im Haus im Wallfahrtsort Loreto bei Ancona in Italien. Dort gibt es eine Basillika, in der das Wohnhaus der heiligen Familie steht. Angeblich. Engel sollen das Wohnhaus, die sogenannte Santa Casa, im 13. Jahrhundert von Nazareth nach Loreto gebracht haben als sozusagen himmlische Spediteure. Später breiteten sich Imitationen oder nachempfundene Bauten der Santa Casa zu Loreto in ganz Europa aus. Vor allem in der Gegenreformation war dies der Fall, in der die katholische Kirche ab 1545 die sich ausbreitende Reformation zu bremsen versuchte mit neuen Glaubensprojekten.

Dienstag, 24. Februar 2026

Schwarzer Samstag

Dreimal Achenberg: Dahomey-Zwergrinder (Foto: Ronja) im Stall,
Madonna in der Loretokapelle, Hausbier in der Achenberg-Wirtschaft.
Obiger Titel bezieht sich auf den Achenberg, Gemeinde Zurzach AG, den wir am Samstag überschritten. Gleich drei Dinge waren im Miniweiler schwarz:

  1. die Madonna in der Loretokapelle, einem beliebten Pilgerort. 1660 bis 1662 wurde die Kapelle gebaut. Die ursprüngliche Schwarze Madonna musste dann vor 61 Jahren bei der Kapellenrenovation weichen. Ihre Nachfolgerin wurde 2005 platziert und stammt von einem Zürcher Bildhauer.
  2. das Vieh auf dem Bauernhof. Es handelt sich um Dahomey-Zwergrinder. Die Rasse kam Anfang des 20. Jahrhunderts von Belgisch Kongo nach Europa, als der Zoo von Antwerpen in Belgien Raubtiere einführte und mit ihnen gleich deren Futter (ja, ich weiss, brutal). Ihren Ursprung hat dieses Zwergrind im afrikanischen Dahomey, heute Benin.
  3. das Hausbier im Restaurant Achenberg. Die "Birra Madonna Negra", Bier Schwarze Madonna, wurde zur Feier der neuen Madonnenstatue 2005 lanciert. Obwohl es elf Uhr war, also früh für Alkohol, bestellte ich ein Herrgöttli – journalistische Pflicht, da opfert man sich halt. Es ähnelt dem irischen Guinness, ist aber luftiger, ist leicht säuerlich und prickelt irgendwie im Mund. Man entschuldige die mangelhafte Beschreibung, ich bin kein Bier-Sommelier.

Montag, 23. Februar 2026

Schönes Hudelwetter

30 Sekunden nach Wanderstart, wir steuern auf die reformierte Kirche von Tegerfelden zu.
In der Kirche: Skulpturen des Künstlers Peter Hächler
von 1967 zeigen die vier Thronwesen der biblischen Offenbarung.
Passt! Schild in der Wirtschaft auf dem
Achenberg, wo wir kurz einkehrten (Foto: Ronja).
Es hudelte, als wir am Samstag von Tegerfelden AG via den Achenberg nach Koblenz und weiter über den Rhein nach Waldshut (D) zogen. Spass hatten wir bei dieser knapp vierstündigen Unternehmung (280 Meter aufwärts, 320 Meter abwärts) trotzdem oder genau deswegen. Der Regen akzentuierte die Farben des rotbraunen Herbstlaubs und des Mooses, in den Pfützen spiegelte  sich der Himmel, und vor allem hatten wir das Gelände völlig für uns – keine anderen Wanderinnen und Wanderer in Sicht. Schön auch das Ende, im "Oscar's" in Waldshut, wo in den Gassen der Altstadt Konfetti von der Fasnacht zeugte, gönnten wir uns alle deftige Burger. Und dazu einen kräftigen Roten aus Italien.
Der Frühling kommt: Haselzötteli am deutschen Rheinufer bei Waldshut.

Und zum Schluss noch dies: Halloumi-Burger mit Süsskartoffel-Frites in Waldshut.

Sonntag, 22. Februar 2026

Der blaue Waldhüter

Das Wappen von nahem. (Wikicommons)
Nach knapp vier Stunden beschwingten Gehens erreichten wir gestern, vom Aargauischen her kommend, das deutsche Mittelalter-Städtchen Waldshut. Unten am Rhein fotografierte ich die Fähre, mit der ich auch schon gefahren war, sie verkehrt zwischen Waldshut und Full AG. Das die Fähre schmückende Wappen war mir kein Begriff, ich musste nachschlagen und fand heraus: Dies ist das Wappen der seit 1975 bestehenden Doppelstadt Waldshut-Tiengen. Die Madonna rechts und ihr Kind repräsentieren Tiengen. Und links sehen wir das sogenannte Waldshuter Männle, das schon 1277 auf einem Siegel aufgeprägt war. Keine Sagengestalt stellt das Männle dar und auch keinen Pilger oder Eremiten. Dies ist ein Waldhüter.

Samstag, 21. Februar 2026

Mit Dani aufs Schiff

Dani fährt Schiff. Ich auch, sehr gern sogar:
An der Schifflände von Merligen am Thunersee.
Dani ist Berner, das hört man sofort. Und Dani liebt Schiffe, speziell Dampfschiffe, auch das ist klar. 50 Folgen umfasst sein Podcast "Dani fährt Schiff" mittlerweile. Zu diesem Jubiläum hat ihn die Journalistin Claudia Salzmann interviewt, was die neuste, vor zwei Tagen publizierte Folge des Podcasts ergab. Schön lebendig ist das Gespräch. Und natürlich – Markenzeichen von Danis Schiffspodcast – gibts viel O-Ton. Nämlich von der Fahrt der beiden über den Thunersee. Gross die Vielfalt der Themen, die Dani bisher behandelt hat, darunter waren etwa "Musik an Bord: Vom Arbeitslied zum Tiktok-Hit" oder "Wie Motorschiff Etzel Geschichte schrieb". Reinhören, es lohnt sich!

Freitag, 20. Februar 2026

Säntis mit Kehrtunnel

Hätte man diese Zahnradbahn gebaut, hätte der Säntis mit dem Pilatus gleichgezogen: doppelte Erschliessung mit einer Zahnradbahn von der einen Seite des Berges und einer Schwebebahn von der anderen Seite her. 1914 legte ein gewisser Robert Vontobel aus Wallisellen sein Projekt vor, ihm schwebte vor, von Unterwasser im Toggenburg ein Bahntrassee zum höchsten Ostschweizer Gipfel zu bauen samt einem kühnen Kehrtunnel auf dem Rotsteinpass. Nun ja, im selben Jahr begann der Erste Weltkrieg, der Tourismus brach ein, und 1915 annullierte Vontobel das Vorhaben, über das kürzlich die Online-Plattform wundo.ch berichtete. Vielleicht nicht schlecht, dass es diese Zahnradbahn nicht gibt und also die eine Seite des Säntismassivs einigermassen ruhig geblieben ist. Wobei ich schon sagen muss: Die Fahrt durch den Kehrtunnel wäre sicher reizvoll gewesen.

Eine fantasievolle, aber auch charmante Darstellung des Säntis
auf einer Radierung von 1760. (Wikicommons)