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Dienstag, 21. Juli 2026

Meine Solothurner Forelle

Forelle grilliert. Mundete.
Was für ein Oäschen! Am Samstag beendete ich meine Jurawanderung an der Bushaltestelle in Kienberg SO noch nicht ganz. Vielmehr ging ich 500 Meter weiter, folgte dabei  der Strasse Richtung Wittnau. Ein Trottoir gabs nicht. Bei einer Sägerei erreichte ich den "Forellenhof". Der Name enthält das Programm, hier kann man im hauseigenen Teich, aufgestaut aus dem Dorfbach, nach Forellen fischen. Oder man lässt sich eine Forelle gekocht vorsetzen. Was ich tat. Meine Bestellung führte dazu, dass die Serviererin zum Teich eilte und eine Forelle aus dem Wasser hievte. Die bekam ich 20 Minuten später vorgesetzt. Sie war  – Variante grilliert – sehr gut. Sodass ich nicht nur satten, sondern auch zufriedenen Bauches heimreisen konnte.
Blick über den Fischteich nach Süden. Links gleich neben der
Schweizerfahne ist winzig der Turm der Pfarrkirche von Kienberg auszumachen.

Der "Forellenhof" ist ein perfekter Ort für den Wanderzmittag.

Montag, 20. Juli 2026

Nächstes Mal bringe ich die Machete mit

Wo ist hier der Weg? Im Burggraben oberhalb von Lostorf.
Blick vom Jura-Höhenweg nach Westen.
Am Samstag startete ich bei der Mineralquelle von Lostorf SO, wo unter anderem die Hausmarke des Grossverteilers Lidl abgefüllt wird. Weitläufig das Areal, in einer Gewerbehalle sah ich gestapelte Harasse. Ein paar Meter höher im Hang passierte ich anschliessend das zerfallende Bad Lostorf (Eintrag von gestern). Danach drehte ich nach Westen, kam ins Tälchen des Schwandenbaches, aus dem ich bald nach Norden abbog. In die Höhe. Im dichten Wald ging ich nun abseits des offiziellen Wanderwegnetzes. Mein Weg durch den Burggraben, gestrichelt auf der Landeskarte eingezeichnet, war aber gut, wenn man von wenigen Stellen absieht, an denen Buschwerk und Pflanzen mir buchstäblich über den Kopf wuchsen. Nach einer knappen halben Stunde erreichte ich den Jura-Höhenweg, der Rest war easy: via die Schafmatt, die Sternwarte Schafmatt, Oberer Sennhof, Unterer Sennhof kam ich nach Kienberg SO und beschloss dort die Wanderung nach etwas über drei Stunden (530 Höhenmeter aufwärts, 470 Höhenmeter abwärts). Tolle Route, finde ich. Was die paar verkrauteten, überwachsenen, verbuschten Wegstellen im ersten Drittel angeht: Das nächste Mal bringe ich eine Machete mit.
Die Sternwarte Schafmatt.

Letzte Meter zur Pfarrkirche von Kienberg. Leider fand ich sie verschlossen vor.

Sonntag, 19. Juli 2026

Der Zauber von Ruinen

Manche sprechen von "Schandfleck". Aber ein verfallender oder schon ganz ruinierter Ort hat ja auch etwas Faszinierendes – einen speziellen Zauber. Eine Endzeit-Aura. Mir gefällt der Begriff "lost place" daher besser. Hier zwei "lost places", an denen ich dieses Jahr vorbeikam, beim ersten ist es mehrere Wochen her, beim zweiten wars gestern.

  • Seit 23 Jahren steht die Autobahn-Raststätte Walensee bei Mühlehorn GL leer. Von der Autobahn ist sie längst nicht mehr ansteuerbar. Kürzlich las ich, dass die Liegenschaft einen neuen Besitzer hat; tatsächlich betätigten sich Arbeiter auf dem Dach, als wir sie passierten. Und plötzlich gibt es Projekte oder doch Visionen: Diesen Sommer soll gemäss der "Südostschweiz" hier ein Musikvideo gedreht werden. Und für den Herbst sind Konzerte angesagt. Später könnte ein Café eingerichtet werden. Wir werden sehen.
    Gibts hier bald Livemusik? Die ausrangierte Raststätte Walensee bei Mühlehorn.

  • 2002 wurde das Bad Lostorf am Südrand des Solothurner Juras stillgelegt. Das tat vielen weh, immerhin hat das Bald als Heilbad eine Geschichte, die bis ins später Mittelalter zurückreicht. Derzeit gammelt es vor sich hin, einzig in einem Trakt wird offenbar gewohnt. Letztes Jahr machte sich die Gemeinde Lostorf daran, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Sie soll, so das "Oltner Tagblatt", Projekte entwickeln und Kontakte zu Investoren herstellen. Am Ende müsste allerdings die Firma, der das Areal gehört, mitziehen. Wir werden sehen.
    Die Sprayer und Sprayerinnen lieben das stillgelegte Bad Lostorf, soviel ist klar.
    Gebadet wird hier schon lange nicht mehr.

Samstag, 18. Juli 2026

Wir sahen rot

Flumserberg halt: Verrucano im Abschnitt Winkelzahn–Seebenalp.
Loop der Rodelbahn Floomzer beim Tannenboden.
Mein Sandwich.
Am Mittwoch wanderten M. und ich am Flumserberg, von der speziellen Schönheit der Seebenalp mit ihren drei Seen und dem zackigen Sächsmoor am nahen Horizont habe ich gestern erzählt. Hier die ganze Route, für die wir knapp drei Stunden brauchten bei 690 Höhenmetern aufwärts und 60 Höhenmetern abwärts: Tannenboden, Gondelbahn–Winkelzahn–Seebenalp–Heusee–Grueb–Zigerfurgglen–Maschgenkamm. Wieder einmal übertrumpfte die Landschaft bei weitem die Hässlichkeit der Ski- und Freizeitanlagen, wieder einmal bezauberte uns der rote Verrucano, aus dem die Gegend gebaut ist – märchenhaft, dieses Gestein. Wer eine imposante Route sucht: Diese kann ich empfehlen. Samt dem Snack am Ende: Neun Franken nur bezahlte ich für das grosszügig mit örtlichem – chüschtigem! – Alpkäse gefüllte Knusperbrot auf dem Tannenboden im "Colors". So beschloss ein wirklich gutes Sandwich unsere Wanderung.
Zwischen Grueb und Zigerfurgglen: Auf dem Kamm zeigt sich die Bergstation Maschgenkamm.

Talfahrt vom Maschgenkamm zum Tannenboden, es fängt an zu regnen.

Freitag, 17. Juli 2026

Drei Seen und der Sächsmoor

Auf der Seebenalp, im Wasser des Grosssees spiegelt sich der Sächsmoor.
Das Wasser ist rot wegen des roten Verrucanogesteins.
Der Schwarzsee war auch schon grösser.
Heusee mit Ente.
Die Seebenalp, erreichbar in leichten 90 Wanderminuten ab Tannenboden, ist mit Sicherheit einer der schönsten Orte auf dem Flumserberg. Drei Dinge sind es mindestens, mit denen ich das belegen kann, nachdem ich am Mittwoch wieder einmal dort war.

  1. Das Berghotel auf 1620 Metern über Meer. Der gemütliche alte Kubus, grünes Dach, grüne Fensterläden, wurde 1906 gebaut als Erholungsort für Leute mit Atemproblemen und Lungenkrankheiten. Belle Epoque im Sarganserland.
  2. Der Sächsmoor. Was für ein Zacken! Man hat ihn auf der Seebenalp direkt vor Augen und findet, dass man ihn getrost den kleinen Bruder des Matterhorns nennen darf.
  3. Die drei Seen. Den kleinsten, den Schwarzsee, fanden wir geschrumpft vor. Eine Folge der Hitzewelle, nehme ich an. Im grössten, dem Grosssee, gibt es Hechte, erzählte uns ein Angler. Charmant der Heusee. Auf dem Weg zu ihm und um ihn mussten wir gut aufpassen beim Gehen. Hunderte winziger brauner Frösche, kaum grösser als ein menschlicher Daumennagel, waren unterwegs. Was die wohl antrieb?
    Noch einmal der Grosssee mit dem Berghotel Seebenalp (rechts hinten).
    Im Hintergrund zur Rechten ein Teil der Churfirsten.

Donnerstag, 16. Juli 2026

Die Marche de rupture

Ein Foto vom letzten Jahr: auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela. 
Jakobswandern als Kinostoff: das Filmplakat. 
Seit ich letztes Jahr auf dem spanischen Jakobsweg für eine Reportage unterwegs war, bin ich von diesem fasziniert. Ehrensache, dass ich mir – diese Woche wars – im Kino den französischen Spielfilm "Compostelle" anschaute. Der erzählt von einer entlassenen Lehrerin, die einen jugendlichen Straftäter auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela begleitet. In Frankreich nennt man das eine "marche de rupture" oder "marche éducative", gemeint ist ein Marsch, der aus dem Alltag reisst und erzieherisch wirkt. Ein Richter, eine Richterin kann die Jakobsroute einem jungen Menschen als Alternative zu einem Gefängnisaufenthalt anbieten. So zottelt das ungleiche Paar, der Delinquent und die ihm behördlich zugeordnete Begleiterin, also los. Von der Mühsal des Langstrecken-Wanderns ist nicht viel zu spüren, dafür sind die grossartigen Landschaften Südfrankreichs und Nordspaniens mit der Drohne genial eingefangen. Die Handlung ist von Kitsch durchsetzt und sprunghaft. Wenn ich am Ende doch zufrieden aus dem Kino ging, dann darum, weil es im letzten Viertel doch einen entscheidenden Bruch gibt – die Geschichte nimmt eine sehr unerwartete Wendung. Also: Widmer gäbe nach Schweizer Schulsystem die Note 4,75 und empfiehlt den Besuch durchaus.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Der Gewerbepolizeipalast

Schöner Wohnen: die Villa Hohenbühl  beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich.
Man ist tausend Mal vorbeigefahren und hat nie richtig geschaut. Und dann wird eines Tages die Stadtzürcher Endhaltestelle der Forchbahn wegen Bauarbeiten vom Stadelhoferplatz 50 Meter Richtung Hegiplatz verschoben – und plötzlich nimmt man, an der Kreuzbühlstrasse stehend und auf den Zug wartend, die prächtige Villa wahr, die erhaben im Hang über den Geleisen am Bahnhof Stadelhofen steht. Das war am Sonntag. Die Villa Hohenbühl, auch "Villa Wegmann", ein Neorenaissancepalast, wurde 1889 fertiggestellt, hier residierte Friedrich Wegmann, 1832–1905, Erfinder, Müller, Industrieller, der sein Vermögen einem selbstkreierten und patentierten Porzellanwalzenstuhl für die Müllerei verdankte. Porzellanwalzenstuhl? Hm. 1949 erwarb die Stadt Zürich das Anwesen, lange mietete die Kantonsschule Stadelhofen es, mittlerweile ist im Rahmen einer Zwischennutzung die Gewerbepolizei einquartiert. Ich sags ja immer: In der Verwaltung sollte man arbeiten.