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Montag, 7. September 2026

Hofnarr, Herzog, Bäuerin

Hörstation Nr. 2: Hier geht es um den Ritter von Hünenberg,
der die Schwyzer 1315 vor den anrückenden Habsburgern gewarnt haben soll.
Der Morgarten-Letziturm bei Schornen an der Strasse von Oberägeri nach Sattel.
Er ist von einer grösseren Befestigungsanlage an diesem Ort übriggeblieben.
Auch das ist Morgartenpfad: Wegstück mit Seilsicherung Richtung Figlenflue.
Die Kirche von Sattel, wo der Themenweg endet. Oder
beginnt, denn man kann ihn von beiden Seiten angehen.
Als der Habsburgerherzog Leopold damals im November 1315 mit seinem Begleittross anrückt, weiss er wohl nichts vom Hinterhalt der Schwyzer am Morgarten; Leopolds Ziel ist vermutlich das mit Habsburg verbündete Kloster Einsiedeln. Wo am Morgarten in der Gegend des Ägerisees die Schlacht stattfand, ist unklar, wer genau teilnahm und wie viele Leute starben, ebenfalls. Jahrhunderte der patriotischen Ausschmückung überlagern die Vorgänge. Am Freitag absolvierte ich eine Wanderung mit einer Gehzeit von bloss 90 Minuten, freilich brauchte ich wesentlich länger. Der "Morgartenpfad" führt vom Zuger Morgarten-Denkmal hinüber zur Pfarrkirche von Sattel SZ und widmet sich dem Geschehen von einst in sieben Audiostationen; am Weg stehen Säulen, per Knopf ruft man die jeweilige Einspielung von gut vier Minuten ab. Wobei drei Säulen defekt waren, als ich unterwegs war; wiederum war mir das kein Problem, weil man auch per QR-Code zu den Kurzhörspielen kommt. Die sind unterhaltsam und blenden aus verschiedenen Winkeln – Hofnarr, Herzog, Bäuerin usw. – auf die Schlacht am Morgarten samt Vorgeschichte. Auch kommt eine Historikerin zu Wort, die zu jedem Thema darlegt, was wir wissen. Und was erfunden ist. Eine gute Sache, dieser Pfad. Die Route herunterladen kann man hier.
Der Ägerisee von der Aussichtsplattform "Stauffacherkanzel" der Figlenflue gesehen.

Sonntag, 6. September 2026

Spatenstich in Morgarten ZG

Bauvisier (r.) am Weg zum Morgarten-Denkmal.
Blick vom Denkmal auf die Theaterbühne und den Ägerisee.
Es darf nicht wahr sein! Bis jetzt wurde das Morgarten-Denkmal in Morgarten ZG einigermassen in Ruhe gelassen. Seit 1908 steht es schön für sich auf einer kleinen Anhöhe über dem Ägerisee. Und jetzt das! In der Wiese unter dem Denkmal sind Bauvisiere aufgestellt, eine Investorengruppe namens "Team of Visions" will ein Luxusresort realisieren. Ich war empört, als ich am Freitag vorbeischaute.

Das Plakat der Aufführung.
Nein, nein. Natürlich war ich nicht empört. Die Bauvisiere sind fake. Teil eines Theaterprojekts sind sie, des zweiten "Morgarten-Spektakels" nach einem längeren Intermezzo. Das Stück "Spatenstich" spielt gleichzeitig in der Vergangenheit des geschichtsträchtigen Platzes und in der Gegenwart. Um Heimatliebe versus Profitgier geht es grob besagt, die Gemüter erhitzen sich heftig. Las ich in den Rezensionen.  Am 7. August war Uraufführung, noch bis 19. September laufen Vorführungen. Könnte sich lohnen hinzugehen.

Samstag, 5. September 2026

Ich konnte mich nicht sattfotografieren

Beim Felsentor: der Vierwaldstättersee mit dem Bürgenstock am Ufer vis-à-vis.
Hinten rechts der Pilatus, hinten etwas links der Bildmitte das Stanserhorn.
Pforte aus verkeilten Blöcken: das Felsentor.
Mein Zmittag nach drei Gehstunden.
Ich habe gestern von den Treppen erzählt, die an der Rigi den Geissrügge bewältigen und hinauf zum Aussichtspunkt Chänzeli leiten. Das kleine Abenteuer war am Mittwoch Teil einer grösseren Unternehmung – Gehzeit 3 h 40 min, 940 Hm aufwärts, 390 Hm abwärts. Wir starteten bei der Bahnstation Romiti Felsentor. Kamen gleich zum Felsentor, einer magischen Felspforte. Durchquerten das Areal des gleichnamigen spirituellen Zentrums, stiegen auf einem breiten Weg durch die Felsbänder ab zum Ober Säntiberg. Worauf der lange Aufstieg nach Rigi Kulm begann. Er führte uns zur Müseralp, über den Geissrügge, zum Chänzeli, zur Staffelhöhe und zur Rigi Staffel. Dort gabs Zmittag auf der Terrasse des "Lok 17", ich hatte eine Pouletbrust an Harissa-Sauce mit Couscous, ganz fein. Es folgte der Schlussaufstieg zum Gipfel. Vielseitig und abwechslungsreich, diese Route. Wenn eines sie zusammenhält als optische Klammer, dann die unzähligen Tiefblicke aufs blaue Wasser, das des Vierwaldstättersees vor allem, aber auch des Zugersees. So schön war das, dass ich mich nicht sattfotografieren konnte.
Die Kapelle Heilig Kreuz zwischen Felsentor und Ober Säntiberg.

Blick vom Rigi-Gipfel über den Zugersee nach Norden.

Freitag, 4. September 2026

Warens Treppen, warens Leitern?

Steiles Stück.
In die Nagelfluh gezwungenes Wegstück.
Der Geissrügge ist ein Hindernisparcours der Natur.
Und hier noch einmal ein Treppenfoto.
Waren es nun acht oder neun Treppen? Ich erinnere mich nicht genau, was wohl auch damit zu tun hat, dass ich auf meine Schritte achten musste und im abschüssigen Gelände ins Keuchen kam. Und waren es Treppen oder Leitern? Für mein Dafürhalten eher Treppen, teilweise steil zwar, aber mit komfortablen Stufen ausgerüstet und jeweils auf der einen Seite mit einem Handlauf versehen. Am Mittwoch wanderten wir im Rigigebiet, und ich lernte den Geissrügge-Weg kennen, der von oberhalb der Müseralp zum Aussichtspunkt Chänzeli führt. Grobes Waldgelände, Nagelfluh, an einigen Stellen mussten wir die Hände zu Hilfe nehmen und kurz kraxeln. Gut, gabs die Treppen. Die vielleicht auch Leitern waren.
Unser Weg von der Müseralp her in Violett auf einem "Schweizmobil"-Screenshot.
Oben links der Geissrügge, ein Waldgrat, der zum Chänzeli führt.

Donnerstag, 3. September 2026

Wurst und Hellebarden

Der Zeughauskeller. Respektive ein Teil des Zeughauskellers.
Meine "Zwingli-Wurst" war würzig,
der Reis viel zu trocken. 
Der Zeughauskeller beim Paradeplatz in Zürich ist riesig. Was beim Eintreten auch gleich auffällt, ist das Kriegsgerät an den Wänden, Hellebarden und dergleichen. Die längste Zeit war dies halt eben ein Zeughaus, in dem Waffen, Rüstungen, Munition gelagert wurden. 1487, als der Bau entstand, hatte Kolumbus noch nicht Amerika entdeckt und war Gutenbergs revolutionäre Druckerpresse noch eine Neuheit. Auch schon wieder 100 Jahre sind vergangen, seit der Zeughauskeller 1926 zur Wirtschaft umgewandelt wurde. Und die Kost? Touristen werden carweise herangeführt, die Karte gibts auch auf Englisch und Chinesisch, die Portionen sind riesig, das Essen, nun ja, okay. Aber seinetwegen geht man auch gar nicht in den Zeughauskeller. Was anzieht, ist die Atmosphäre. Und dass man auch am Nachmittag jederzeit warme Gerichte bekommt.
Seit mehr als fünf Jahrhunderten gibt es das Haus schon. (Foto: Paebi/Wikicommons)

Mittwoch, 2. September 2026

Land am Wasser

Vor Wochen: Einkehr im "Eierhals" im Weiler Morgarten ZG.
Eben berichtete ich vom "Eierhals", einem Restaurant mit eigener Fischerei am Ägerisee, das nach der gleichnamigen Flur so heisst. Eigenwillige Sache, woher kommt das Wort? Auf ortsnamen.ch wurde ich fündig und kann vermelden: Um Eier gehts hier gar nicht. Die Deutung bzw. die Deutungsvarianten in zwei Teilen:

  1. Hals bedeutet entweder einen Einschnitt oder eine Engstelle, gemeint sein könnte die Runse des Eierhalsbaches. Oder die Engstelle zwischen Hang und See.
  2. Früher hiess der Ort Heierhals. Heier hat zu tun mit hegen, womöglich geht  es um einen Ort, an dem man pflanzte oder hegte. Alternative Deutung: Ei kann auch Land am Wasser bedeuten.

Dienstag, 1. September 2026

Carrot wandert durch

Carrot Quinn heisst wirklich so und wuchs in Alaska als Kind einer schizophrenen Mutter auf, die sie und ihren Bruder vernachlässigte, die Geschwister litten oft Hunger, stahlen, lebten zeitweise auf der Strasse. Ich erzähle diese biografischen Dinge, weil Quinns Buch von 2013 bei alledem nur so strotzt vor Lebensenergie und Lebensfreude. "Thru-Hiking Will Break Your Heart" handelt vom 4265 Kilometer langen Weitwanderweg "Pacific Crest Trail", den die junge Frau unter die Füsse nimmt. Die Strecke von der mexikanischen zur kanadischen Grenze führt durch die Wüste, durch die Sierras, durch den Regenwald, an manchen Tagen geht den Leuten, die den Trail bewandern, das Wasser aus, oder ihr Vorrat an Schoggiriegeln ist aufgebraucht und sie leiden Hunger. Oder sie haben Monsterblasen, quälen sich mit Darmparasiten vorwärts, bekommen Fieber, verirren sich, fallen in eisige Bergbäche. Von vielem mehr erzählt dieses Buch, das in einer Art Rausch geschrieben worden sein muss, es zieht vorwärts wie ein reissender Fluss. Und verschweigt nichts, es geht um Menstruationsblut, das an den Beinen eine Kruste bildet. Um einen Schlafsack, der tagelang nicht mehr trocknet. Um Bären und Klapperschlangen mitten auf dem Pfad. Vor allem aber hat Carrot Quinn eine Hommage an die Freundschaft geschrieben, an ihre "trail family", eine Handvoll junger Leute, die zusammen unterwegs sind, sich immer wieder mal aus den Augen verlieren und wieder finden. Auch eine Liebesgeschichte entfaltet sich. Eine traurige. Ich empfehle das Buch allen, es quillt über vor Kraft, es tut weh, es macht glücklich.

PS: Hiking ist Wandern auf Englisch. Thru-Hiking bezeichnet das Langstreckenwandern, das Durchwandern.