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Mittwoch, 30. November 2022

Tarngletscher

Der Blockgletscher Murtèl am Piz Corvatsch im Engadin.
(Foto: Matti& Keti; Lorenz King at
Giessen.university.de / Wikicommons)
Im Alltag macht mich die Liste mit den bedeutendsten geologischen Orten weltweit nicht heiss. Man hat ja schon Mühe, im eigenen Land den Überblick zu behalten über Naturpark-Welterbe-Unesco-Nationalpark-Label-Zeugs, die Auszeichnungen für Landschaften und Naturattraktionen geraten einem durcheinander. Eine kommt nun hinzu, eine geologische eben: Die "International Union of Geological Sciences" hat in ihre Liste der 100 geologischen Welterbestätten, auf der auch der Zuckerhut in Rio de Janeiro und der Grand Canyon in Amerika stehen, eine Schweizer Besonderheit aufgenommen: die Engadiner Blockgletscher. In dieser Art Gletscher sind Geröllschutt und Eis vereint. Rund 300 solche Gebilde gibt es im Engadin, touristisch vermarktbar sind sie kaum, der Nichtkenner, die Nichtkennerin halten sie in der Regel für schnöde Geröllhalden – Blockgletscher sind Meister der Tarnung.

Bevorzugte Wohnlage

Ein Screenshot der Schweizmobil-Karte mit den
Ruinen der Burg Wartau und der Procha Burg sowie 
dem Herenfeld und der prähistorischen
Wehranlage auf dem Ochsenberg.
Von Oberschan hielten wir am Samstag nach Sevelen – auf dem Weg über Gretschins. Denn dort gibt es eine prähistorische Festung, die rundum von einer Felsfluh geschützt wird. Sie wollten wir uns anschauen. Aber würden wir es zu ihr hinauf schaffen? Wir besichtigten zuerst die Ruine der Burg Wartau auf dem benachbarten Sporn. Und fanden dann, dass vom Sattel zwischen beiden Erhebungen ein Weglein die einzige Schwachstelle der erwähnten Befestigung nutzt. So kamen wir also auf den Ochsenberg oder auch St. Martinsberg, wie der Ort heisst, ohne freilich auf der Karte so beschriftet zu sein; wir entnahmen die Namen einer Infotafel. Schon in der Jungsteinzeit liessen sich hier oben Menschen nieder, errichteten ihre Hütten und Verteidigungsanlagen. Auch unterhalb des Ochsenberges lebten auf dem Herenfeld lange vor den Kelten und Römern Menschen. Kein Wunder, die Gegend ist von Geländekuppen durchsetzt, die den Wind abhalten, als Versteck und Schutz dienen und gleichzeitig den Blick auf das Rheintal etwas tiefer ermöglichen. Von der attraktiven Lage zeugt auch die Ruine der Procha Burg ganz in der Nähe, ein Platz, wo ebenfalls schon in der Jungsteinzeit gesiedelt wurde.

Die Burgruine Wartau. Der Hügel zu ihrer Linken ist der Ochsenberg mit der
befestigten Siedlung aus der Prähistorie. Von ihr ist nichts Auffälliges geblieben.
In der Burgruine Wartau.
Blick von der Ruine der Procha Burg zur Ruine
Wartau. Links unten das St. Galler Rheintal.

Dienstag, 29. November 2022

Meine Shingrixnacht

Die fünf Phasen von Herpes Zoster, Gürtelrose.
a) Hautoberfläche, b) Nervenfaser,
c) aktivierte Viren, d) inaktivierte Viren.
(Illustration: Wikicommons)

Nacken- und Kopfweh. Bauchweh. Gliederschmerzen von Kopf bis Fuss, als habe mich ein Traktor überrollt. Fieber, Schwitzanfälle, wirre Träume im Wechsel mit Schüttelfrost und Eisfüssen. Das war meine Nacht, ich bin froh, ist wieder Morgen. Die Beschwerden sind am Abklingen, einzig leichtes Fieber habe ich noch, was mich nicht sonderlich plagt, weil ich für heute Dienstag einen freien Tag eingeplant habe. Ich werde ihn zuhause verbringen. Am Montagmorgen hatte ich mich gegen das Virus impfen lassen, das Gürtelrose auslöst und das ich seit meiner Gürtelrose im Spätfrühling 2021 in mir trage, wie das bei dieser Krankheit nun einmal ist; hat man sie einmal gehabt, bricht sie womöglich ein zweites Mal aus. "Shingrix" heisst der Stoff, den ich mir spritzen liess, ein Totimpfstoff mit stark abgeschwächten Erregern, das war gestern die zweite und letzte Impfung. Eine gute Sache trotz allem. Die Gürtelrose war letztes Jahr übel, sie bescherte mir monatelang Schmerzen und hat mir die Nervenbahnen der einen Hand geschädigt. So, das wars für heute, besten Mutes lege ich mich wieder hin. Über unsere archäologische Expedition vom Samstag im St. Galler Rheintal will ich morgen berichten.

Montag, 28. November 2022

Abstieg zum Aufstieg

Einige Zeit nach Sargans, noch einmal gabs Herbstlicht.
Sturz über die Fluh: der Lochbach bei Lochberg.
Es glitzert in der Tiefe: die Ebene des Rheins bei Sargans.

Zmittag im "Aufstieg".
110 Kilometer Länge, 5000 Höhenmeter aufwärts, 4900 abwärts: die Zahlen zum Rheintaler Höhenweg, der sich von Sargans nach Rorschach am Bodensee zieht. Am Samstag begingen wir die – von Süden nach Norden gedacht – erste Etappe. Wir starteten also in Sargans. Gut dreieinhalb Stunden waren wir auf dem Höhenweg unterwegs, um dann von Oberschan nach Sevelen im Rheintal abzusteigen, wobei wir uns Abstecher in die Prähistorie und Historie leisteten. Fünf Stunden Gehzeit brauchten wir insgesamt für die Unternehmung, stiegen dabei je gut 870 Höhenmeter auf und wieder ab. Einige Dinge, die uns besonders gefielen:

  • Schloss Sargans ist ein grandioser Aussichtspunkt, von dem aus man erfasst, wie zwei Täler zusammenkommen, das der Seez und das des Rheins. Zuoberst auf einer Wehrplattform des Schlosses war man gerade dabei, die Aufrichtung eines Christbaums vorzubereiten. Und unter uns glitzerten im Licht der Sonne, die sich durch den Nebel kämpfte, die Strassen und Wasserläufe, als seien sie aus Silber.
  • Man hat auf dem Höhenweg durchgehend viel zu sehen. Den Rhein und sein breites Tal natürlich. Vor allem aber hohe Berge, die des Pizolgebietes, des Rätikon und von Vorarlberg, dazu die südliche Alpsteinkette mit dem Hohen Kasten, dem Altmann und dem Säntis. Unser Hausberg des Tages war der Alvier, den wir direkt über uns wussten und stellenweise auch sahen. 
  • Gemässigt anspruchsvoll ist die Passage zwischen Lochberg und Lavadarsch, Bäche haben sich in den steilen Waldhang gefräst, es gibt Wasserfällchen und Tobel. Stege helfen über abschüssige und feuchte Stellen.
  • Etwas oberhalb von Oberschan erreichten wir nach längerem Abstieg das Restaurant Aufstieg. Die Gaststube aus Holz fanden wir urgemütlich. Und alles, was wir an Essen vorgesetzt bekamen, war erstklassig. Mein Kalbsschnitzel mit Eierschwämmli-Sauce, Spätzli, einem grosszügigen Gemüsebouquet und danach der Mini-Coupe-Dänemark ist mir auch heute in bester Erinnerung.
  • Im zweiten Teil der Wanderung, nach dem Zmittag, wandelten wir nah Oberschan auf den Spuren der Archäologie. Von der Burgruine Warteck und anderen Trouvaillen in dieser Gegend möchte ich morgen erzählen, das wird hier sonst zu lang. Es war halt wirklich eine abwechslungsreiche und ergiebige Wanderung.
    Um 15 Uhr bei Gretschins, die Sonne wird bald hinter
    dem Gonzen (rechts der Bildmitte) verschwinden.

Sonntag, 27. November 2022

Das Ellhorn, ein Gewinn



Die Fotos habe ich schon bearbeitet und abgelegt. Aber der Kopf ist noch zu voll von den Eindrücken unserer Route, ich muss vorerst quasi meine Erinnerungen sortieren, bevor ich hier aushole und resümiere, was wir gestern unternahmen. Und daher heute nur dies: Wir begingen mit Start in Sargans einen Abschnitt des Rheintaler Höhenweges. Und … das Licht war fantastisch mit wildem Wolkenspiel und einer Sonne, die mit dem Wegfressen des Nebels ziemlich beschäftigt war. Mein Foto ist gegen Mittag oberhalb von Oberschan aufgenommen, Blickrichtung Süden. Es zeigt den Rhein in der Gegend von Sargans. Der nicht besonders hohe, aber doch schön geformte Berg im Vordergrund gleich links des Flusses ist das Ellhorn. Es gehörte bis 1948 zu Liechtenstein und kam dann durch einen Gebietsaustausch zur Schweiz. Ein Gewinn für unser Land, finde ich.

P.S. Letzten Mittwoch kam das Ellhorn schon einmal in meinem Blog vor. Man sieht es auf dem untersten Foto des Eintrags.

Samstag, 26. November 2022

Meister der Melodien

Der grosse Sänger im Bild.
(Foto: Wikicommons / Marek Szczepanek)

And the winner is … der Sumpfrohrsänger. Unscheinbar anzusehen ist er in seinem graubraunen Federkleid. Doch dieser Gesang! Von einem "Schwall aus quirlenden und pfeifenden Lauten" schwärmt die NZZ, die gestern auch erwähnte, dass das musikalische Tierli täuschend die Melodien anderer Vögel imitieren kann. Diese Woche ist der Sumpfrohrsänger zum Schweizer Vogel des Jahres 2023 erkoren worden. Wie er klingt, kann man sich hier anhören.

Freitag, 25. November 2022

Interlaken direkt

Bald erreichen auch die Leute aus
Zürich Interlaken per Zug wieder direkt.
Am 11. Dezember ist Fahrplanwechsel. Auf diesen Zeitpunkt wird behoben, was mich seit längerem ärgert: Man gelangt von Zürich aus im Zug nicht direkt nach Interlaken, muss in Bern oder Spiez umsteigen. Nun wird es wieder eine Direktverbindung von Romanshorn via Zürich nach Interlaken geben wie früher. Alle zwei Stunden ist der wichtige Berner Oberländer Knoten aus der östlichen Schweiz direkt erreichbar. Bahnfahrer Widmer freut sich. Endlich!