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Montag, 5. Oktober 2026

Die Beeren sind keine Beeren

Die Wappen von Oberiberg (l.) und
Unteriberg zeigen beide eine Eibe.
(Wikicommons)
In Oberiberg kamen wir letzte Woche an einer Wappenfahne vorbei. Den Baum im Gemeindewappen konnten wir nicht auf Anhieb identifizieren. Eine Tanne? Die roten Beeren (sorry, auf meinem Foto sind sie kaum auszumachen) führten uns auf die richtige Spur. Dies ist ein sprechendes Wappen, es illustriert den Gemeindenamen. In Oberiberg (und natürlich auch in Unteriberg) steckt Eibe. Also der Name jenes Baumes, der in vergangenen Jahrhunderten geschätzt wurde als Lieferant des besten Holzes für Bögen. Die roten Beeren machen die Eibe, ein giftiges Gewächs übrigens, kenntlich. Wobei ich nachgelesen habe, dass die Beeren strenggenommen keine Beeren sind. Sondern Samenhüllen.

Sonntag, 4. Oktober 2026

Wanderung mit Zugabe

Blick von einem Aussichtskänzeli zwischen der Rotenflue und der Holzegg auf den
Vierwaldstättersee. Rechts der Bildmitte das Rigimassiv mit der Hochfluh.
Let the sunshine in: kurz vor Wanderende beim Brunni.
Der Gross Schijen, ein Kletterbergli.
Die Route von Unteriberg auf die Bergkuppe Rotenflue ist abwechslungsreich, stellten wir am Mittwoch fest. Der Anfang ist streng. Durch einen steilen, von Kalkfelsen durchsetzten Wald geht es vorbei an der Lourdesgrotte bei der Guggeren, einem tatsächlich aussichtsreichen Ort, nach Oberiberg. Sanfter ist die Steigung – die meiste Zeit jedenfalls – auf dem zweiten Teilstück via Änglisfang hinauf zum Pass der Ibergeregg, wobei in der Nähe immer mehr der beliebte Kraxelberg Gross Schijen dominiert. Von der Ibergeregg schliesslich zieht sich der Weg gemütlich durch die voralpinen Hügel, um im letzten Teil vor der Rotenflue doch kräftig zu steigen. Nach gut vier Stunden waren wir oben, genossen den Tief- und Weitblick und fanden nach dem Zmittag, dass es angesichts der Landschaft und des prächtigen Wetters schade wäre, nun schon die Gondel talwärts nach Rickenbach zu nehmen. Also gönnten wir uns eine Zugabe: via die Holzegg hinab zum Brunni. War gut, war schön, war bei etwas über fünf Stunden Gehzeit mit 920 Höhenmetern aufwärts und 750 Höhenmetern aber durchaus auch ein wenig anstrengend.
Schon ein bisschen kitschig: Am Weg von Unteriberg hinauf zur
Lourdesgrotte von Oberiberg sind unzählige Engeli platziert.

Oberiberg voraus. Links der Roggenstock.

Samstag, 3. Oktober 2026

Alte Bahn, neue Bahn

Die alte Rotenflue-Bahn.
Foto im "Gipfelstubli".
Ich weiss noch, wie ich mich freute, als vor 11 Jahren die neue Bahn auf die Rotenflue startete. Achtergondeln, 10 Minuten Fahrt ab der Talstation in Rickenbach nah Schwyz, eine speditive Sache. Das Wandergebiet rundum ist grossartig, das Gipfelziel lohnend, der benachbarte Grosse Mythen zeigt sich erhaben mit den krassen Wegkehren durch seine Steilflanke, und weiter weg reihen sich am Horizont die Berge. Seit der Eröffnung war ich einige Male auf der Rotenflue, diesen Mittwoch wars wieder einmal soweit. Oben assen wir im "Gipfelstubli" gut, ich hatte eine Bratwurst, mein Gegenüber einen Wurst-Käse-Salat, draussen tobten auf dem Spielplatz die Kinder, die im Kanton Schwyz schon Herbstferien haben. Interessant fanden wir ein historisches Foto im Restaurant. Es zeigt die zwei Kabinen der vormaligen alten Rotenflue-Bahn. Sie fuhr gut fünf Jahrzehnte auf den Berg. 2004 wurde sie stillgelegt. Schön, hat sie eine Nachfolgerin gefunden.
Die Terrasse des "Gipfelstubli". 

Bergzmittag.
Tolles Trio, gesehen von der Rotenflue auf 1571 Metern über Meer:
der Grosse Mythen (l.), daneben der Kleine Mythen und der Haggenspitz.

Freitag, 2. Oktober 2026

Kleine grosse Insel

St. Martin (l.) und St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau, die zur Gemeinde Freienbach SZ gehört.
Der leere Sarkophag des heiligen Adalrich in der Kapelle St. Martin.
Fresken in der Kirche St. Peter und Paul.
Die Ufenau oder auch Ufnau im Zürichsee ist seit mehr als 1300 Jahren ein Kraftzentrum des christlichen Glaubens. Alles Historische hat auf der kleinen Insel, die seltsamerweise doch die grösste im Land ist, mit dem Glauben zu tun. Schon um 700 stand hier eine christliche Kirche, deren Nachfolgerin die anmutige St.-Martin-Kapelle auf dem kleinen Hügel ist; in ihrem Inneren steht der Sarkophag des heiligen Adalrich, der der Sohn der schwäbischen Herzogin Reginlinde gewesen sein soll. Diese lebte auf der Insel in einem Haus, das über einen Steg im Obergeschoss mit der Kapelle verbunden war. Heisst es. Etwas unterhalb steht eine etwas grössere Kirche, den Heiligen Peter und Paul gewidmet, sie wurde auf den Mauern eines antiken Tempels errichtet. Uff, die Geschichte ist auf der Ufenau dicht, die Dinge überlagern sich, alles ist mit allem verwoben durch Tatsachen und Legenden. Am Montag schauten wir uns zur Mittagszeit beide Gotteshäuser an und gingen dann in der nahen Inselwirtschaft essen. Sie gehört, wie die ganze Insel, dem Kloster Einsiedeln, worauf schon die beiden Raben an der Hausfassade deuten, Einsiedelns Wappentier-Duo.
Die zwei Einsiedler Raben an der Fassade der Inselwirtschaft.

Hier gabs Zmittag.

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Wir wanderten im See

Der Seegrund bei der Insel Ufenau, normalerweise deckt ihn Wasser.
Lebt hier Robinson? Reizvoll ist die verlandete Fläche schon.
Das Kursschiff kommt.
Der Pegelstand des Zürichsees ist krass niedrig, betroffen ist unter anderem die Passagier-Schifffahrt, die verschiedene Ziele nicht oder nur eingeschränkt bedienen kann. Zum Beispiel die Insel Ufenau, die weniger oft angesteuert wird. Am Montag machten wir einen Ausflug auf die Ufenau und waren schon bei der Annäherung schockiert, grosse Flächen, die normalerweise als eine Art Lagune knapp unter Wasser liegen, sind temporär verlandet. Was uns Anlass gab zu einem ganz besonderen Spaziergang über den ausgetrockneten Seegrund, der leicht nach fauligem Schluck roch. Mit anderen Worten: Wir wanderten nicht am, sondern im Zürichsee.

Mittwoch, 30. September 2026

Mitmachen freiwillig

Die Zeit der Oktoberfeste ist wieder da. Vielerorts in unserem Land spielen sie Wiesn. Die Frauen tragen Dirndl, die Männer lederne Kurzhosen und dicke Kniesocken. Viele Leute mögen das Fest sehr. Andere, darunter ich, würden nie hingehen. Müssen wir ja aber auch nicht. Mein Foto, übrigens, ist im HB Zürich aufgenommen.

Dienstag, 29. September 2026

Zur Musik gewandert

Die Aussicht vor Hauptikon: links die Rigi, unter ihr der Zugersee.
Wandern bedeutet auch: Farbe tanken.
Am Sonntagnachmittag wanderte ich von Mettmenstetten nach Kappel am Albis. Säuliamt also, Kanton Zürich. Eine lange Unternehmung war das nicht – anderthalb Gehstunden. Um nicht zu früh in Kappel anzukommen, verbrachte ich viel Zeit auf zwei Bänkli. Das eine stand nah Hauptikon unter einem Birnbaum, ich ruhte, schaute gemütvoll Richtung Zugerland, wunderte mich über die unangemessene Hitze an diesem Spätseptembertag, als … autsch! Eine überreife Birne knallte mir auf den Schädel. Gott sei Dank wars eine eher kleine, Gott sei Dank platzte das matschige Ding nicht. In Kappel gönnte ich mir dann ein kleines Bier in der Klosterbuvette. Alsbald ging ich in die Kirche und hörte mir dort das Konzert des A Cappella Chors Zürich an; eine Bekannte tut im Chor mit und hatte mich eingeladen. Die feine, reine Musik, Renaissancemelodien vor allem, stürzte mich im Verbund mit der ganz besonderen Atmosphäre des gotischen Gemäuers in eine Art Trance. Es war das gute Ende einer guten Wanderung.
Mein Ziel, das ehemalige Kloster von Kappel am Albis.

Noch zehn Minuten, bis das Konzert beginnt.