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Sonntag, 7. Juni 2026

Robespierre mag ich sehr

Der verspritzte Teller muss sein. Das Filet vom Rind brutzelt einen Moment noch kräftig weiter, wenn es auf dem Tisch des Gastes angekommen ist. Im "Bederhof" in Zürich servieren sie ein, wie ich finde, grossartiges Robespierre, Beilage Pommes allumettes; das dünn geschnittene; à la minute gebratene Fleisch wird in zwei Portionen aufgetragen. In der Wikipedia lese ich, dass das Gericht offenbar in einem Restaurant in New Orleans in den USA zu Berühmtheit gelangte. Sein Name bezieht sich natürlich auf den Fanatiker der französischen Revolution Maximilien de Robespierre, der zu jener Terrorherrschaft entscheidend beitrug, welcher er am Ende selbst zum Opfer fiel – 1794 endete Robespierre unter der Guillotine. Freilich ist es freiwillig, beim Essen an diese blutige Geschichte zu denken. Ich genoss mein Robespierre ganz im Moment.

Samstag, 6. Juni 2026

Arlesheims Stolz

Ich war letzten Mittwoch in Arlesheim BL. Von der Tramhaltestelle "Dorf" aus ging ich auf dem Wanderweg durch den Ortskern, war vorerst nicht wirklich angetan und ... blieb dann abrupt stehen, als ich vor mir einen grossen Platz erblickte, ein Rechteck mit stattlichen Häusern und der Kirche als, sozusagen, Chefin der Anlage. Beeindruckt war ich. Arlesheim, die Gemeinde im Agglogürtel der Stadt Basel, besitzt einen Dom. Eine besondere, wichtige Kirche. Das hat mit der Reformation zu tun. 1529 floh der Fürstbischof aus Basel und liess sich schliesslich in Pruntrut in seinen jurassischen Territorien nieder. Sein Domkapitel wiederum, also das Gremium leitender, ihm zudienender Kirchenmänner, begab sich zunächst ins nahe Deutschland. Und kehrte zurück in die Eidgenossenschaft, genauer gesagt nach Arlesheim, nachdem man den Klerikern dort einen Dom gebaut hatte; er wurde 1681 geweiht. Freilich mussten die Domherren, die am Domplatz residierten, gut 110 Jahre später wieder fliehen, als die Französische Revolution auch hierzulande die alte Ordnung zu bedrohen begann. Der Dom ist geblieben, ein nachträglich rokoko-isierter Prunkbau des Barock. Heute ist er, der zwischenzeitlich als Pferdestall gedient hatte, der Stolz Arlesheims und dessen unbestrittener Mittelpunkt.

Freitag, 5. Juni 2026

Norwegen im Urnerland

Die Haldikapelle auf ihrer Kuppe.
Hier wirtet ein freundlicher Mensch: "Bruno's Gästehaus".
Eigentlich wars mir zu heiss für Kafi Chrüter.
Aber Bruno ist halt ein guter Verkäufer.
Das Haldi, der Urner Gemeinde Schattdorf zugehörig und mit einer kleinen Seilbahn erschlossen, ist ein wundervoller Ort. Richtig überlaufen ist die ausladende Sonnenterrasse eigentlich nie. Man hat Platz, kann ein wenig wandern oder auch ausgiebig – gern würde ich einmal auf das Bälmeter Grätli steigen, das wir mitsamt anderen Bergzielen letzten Samstag vor Augen hatten, als wir zuerst über, dann auf dem Haldi unterwegs waren (siehe Eintrag von gestern über die Tour zur Alp Schilt). Gemütlich das Restaurant, in dem wir einkehrten. Der Wirt in "Bruno's Gästehaus" heisst – richtig! – Bruno. Er erzählte, dass er eigentlich Willisauer ist, also Luzerner, und legte für uns ein paar saftige Würste auf den Grill. So im Schatten, kalte Getränke auf dem Tisch und das Essen im Anzug, kam mir das Haldi vollends vor wie ein Paradies. Ein eigenes Kirchlein haben die dort oben übrigens auch. Die Haldikapelle, 1932 gebaut und ein beliebter Ort zum Heiraten, steht auf einer kleinen Hügelkuppe. Sie ist, las ich auf einer Infotafel, einer norwegischen Stabkirche nachempfunden.
Das Haldi (Bildmitte), gesehen von der Alp Schilt aus.
Der Einschnitt hinter dem Haldi ist das Schächental.

Donnerstag, 4. Juni 2026

Alp mit Aussicht

Reussebene und Urnersee zu Füssen: auf der Alp Schilt.
Die Alphütte.
Auf Schilt gibts Kaltes zu kaufen.
Wundervoll, diese Aussicht! Gut drei Stunden braucht man für den Aufstieg von Schattdorf, der Nachbargemeinde von Altdorf, zur Alp Schilt. Dort steht man hart an der Kante, erblickt unter sich die Reuss und den Urnersee und hat rundum natürlich jede Menge Berge von Krönten über Uri Rothorn und Rophaien bis Schächentaler Windgällen. Leicht dann der Abstieg, auf dem Erschliessungssträsschen geht es sanft abwärts zur Sonnenterrasse Haldi und mit dem Bähnli hinunter nach Schattdorf. Am Samstag waren wir zu viert auf dieser Route unterwegs und hatten jede Menge Spass. Von der Hitze war nichts zu spüren, wir waren die meiste Zeit im Wald unterwegs.
Der Aufstieg. Ein bisschen streng war die Sache schon: 1050 Hm
aufwärts, 450 Hm abwärts, Gehzeit etwas über 4 h.

Mittwoch, 3. Juni 2026

Das Klatsch-Experiment

Der Klatschmohn blüht. Knallrot steht er in den Wiesen. Ich muss ihm einfach diesen Eintrag widmen. Mein Foto stammt vom Mittwoch, es ist bei Wangen aufgenommen, einem Weiler unweit der Forch in der Gemeinde Küsnacht ZH.

PS: Etwas muss ich noch loswerden zum Klatschmohn. Er heisst offenbar so, weil die Blütenblätter ein klatschendes Geräusch machen, wenn sie im Wind aneinanderschlagen. Das deutsche "Naturparkmagazin" schlägt folgendes Experiment vor, für das man freilich ein Blütenblatt ausreissen muss: Mit Daumen und Zeigefinger der einen Hand, indem sich die zwei Fingerspitzen berühren, einen Kreis bilden. Das Loch mit dem Blütenblatt belegen und mit der Fläche der freien Hand darauf schlagen. Es klatscht. Lese ich. Ausprobiert habe ich es nicht.

Dienstag, 2. Juni 2026

Hohe Alp, tiefe Alp

Beliebtes Ausflugsziel an der Zürcher Goldküste: die "Blüemlisalp".
Mein später Zmittag.
Man ist hier wirklich auf einer Alp.
Gastliche Häuser namens "Blüemlisalp" gibts hierzulande mehrere. Hier seien zwei erwähnt, die ich schon besuchte. Da ist zum einen die Blüemlisalphütte im Berner Oberland auf einer Höhe von 2834 Metern gleich beim Pass Hohtürli; ich kann mich bestens erinnern, wie wir vor sechs Jahren hinaufkeuchten und oben etwas tranken. Zum anderen ist da die wesentlich leichter erreichbare Wirtschaft Blüemlisalp. Sie findet sich in Herrliberg ZH auf 594 Metern über Meer. Gestern arbeitete ich nur am Vormittag, am Nachmittag wanderte ich; ich zog von der Forch hinab nach Erlenbach, was gut zwei Stunden dauerte. Natürlich stoppte ich unterwegs bei der Blüemlisalp und kehrte ein. Sie ist übrigens – kein Witz – eine richtige Alp, auf der Rinder gesömmert werden. Die geniessen das milde Goldküstenklima garantiert.
Ein Foto von 2020: kurz vor dem Hohtürli.

Ebenfalls 2020: die Blüemlisalphütte des SAC beim Hohtürli.

Montag, 1. Juni 2026

Tierfriedhof zu verkaufen

Der Eingang zum Tierfriedhof von Läufelfingen.
Vor neun Jahren porträtierte ich in der "Schweizer Familie" Marlies Mörgeli, die in Läufelfingen BL 2001 einen Tierfriedhof gegründet hat. Kürzlich nun las ich auf srf.ch, dass Frau Mörgeli altershalber die Anlage verkaufen will, sie geht gegen die 70 und ist mit dem Betrieb zunehmend überfordert. Man könne von ihm leben, werde aber nicht reich, sagt sie. Wieviel man aufwerfen muss, um Besitzer bzw. Besitzerin eines Tierfriedhofs zu werden, steht da nicht.