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Donnerstag, 24. September 2026

Ein wichtiger Tag

Wandern und geniessen will ich weiterhin. Prosit!
Heute ist für mich ein wichtiger Tag. Mein letzter Arbeitstag, auch wenn mein Anstellungsverhältnis bei "Tamedia" formal erst Ende Monat endet. Um neun Uhr mache ich zum letzten Mal Blattkritik vor der Redaktion, beurteile also die neue "Schweizer Familie". Und am Nachmittag um halb fünf lade ich das ganze Büro plus einige weitere Leute zum Adieuapéro in einem nahen Café. Wie ich mich fühle? Sagen wir mal: freudig verwirrt. Gespannt bin ich des weitern, wie sich der morgige Freitag anfühlen wird. Was wiederum meine Pläne angeht, nach denen ich oft gefragt werde: Ich möchte weiterhin zwei Mal pro Woche wandern und darüber bloggen. Auch schwebt mir vor, mich weiterzubilden, bereits habe ich festgestellt, dass die Uni Zürich einen Veranstaltungskalender unterhält, der täglich die allerinteressantesten Anlässe für alle offeriert. Sicher wird das eine oder andere Erlebnis hier aufscheinen. Vorerst gehts jetzt aber auf die Redaktion. Zum letzten Mal. Das ist nicht nichts.

Mittwoch, 23. September 2026

Wogender Bau

Das geplante Gehry-Haus im arabischen Emirat Abu Dhabi.

Gehry in Basel.
Es wogt, es wellt, es wirkt bewegt. Und die Farben, wenn es nachts illuminiert ist! Der Architekt Frank Gehry, letztes Jahr verstorben, hat Pläne hinterlassen für ein Haus der Künste in Abu Dhabi. Die werden nun umgesetzt. Im"Dar al-Funun", so der arabische Name, soll es Spielstätten für alle Kultursparten geben. Die Eröffnung des spektakulären Zentrums ist für 2030 geplant. Ein Trost für all die Leute, die nicht so weit reisen bzw. so lange warten möchten: In Basel gibts auf dem Novartis-Campus einen Gehry zu besuchen. Der Basler Bau ist vergleichsweise klein, beeindruckt aber durchaus auch; letztes Jahr war ich auf dem Campus und schaute ihn mir an.


Dienstag, 22. September 2026

Falsche Richtung

Der steile Abstieg nach Wolfs Ort, im Schatten war alles feucht und rutschig.
Kurz zuvor bei Wolfs Ort.
Aufstieg nach Wolfs Ort. Der Berg hinten rechts, die Wandflue, gehört zur  Gastlosen-Kette.
Hier kehrte ich am Anfang und am Ende ein: die Buvette
bei der Sessellift-Bergstation auf dem Musersbergli.
Die Geografie des Gastlosen-Massivs habe ich gestern erklärt und auch gleich die Route vorgelegt, die ich am Samstag dort machte. Heute möchte ich erzählen, wie sich die Unternehmung anfühlte und wie sie ablief. Nun, sie begann damit, dass ich auf dem Sessellift zum Musersbergli hinauf fast erfror, erstaunlich, wie kalt die Morgen schon sind.

Oben ging ich als erstes in die Buvette und wärmte mich mit einem Kaffee wieder auf. Wie er die Tour machen würde, fragte ich den Wirt auch – im Gegenuhrzeigersinn oder im Uhrzeigersinn? Nun, er kenne sie nur im Gegenuhrzeigersinn, sagte er, so mache man sie im Allgemeinen. Aha.

Ich wählte dann doch den Uhrzeigersinn. Dies schlicht, um möglichst speditiv zum Osthang der Gastlosen zu kommen. In die Sonne. Bald schon erreichte ich das besonnte Chalet Grat, mir war wieder warm. Das nächste lange Stück via Oberberg zum Wolfs Ort, einem Pass, war wundervoll, zur Rechten hatte ich die Kalkspitzen meines Massivs, sah in allen anderen Richtungen massive Berge und hatte in der Nähe unter mir voralpines Weideland mit eingestreuten Wäldern.

Bei Wolfs Ort, auf 1915 Metern über Meer, änderte sich das Szenario auf einmal. Und ich begriff, warum man diese Strecke besser in der anderen Richtung bewandert. Kurz ging ich auf einem Grat, schon hier war Vorsicht angesagt. Und dann gings auf einmal steil, sehr steil runter. Geröll, gezackter Fels, Kies, Wurzeln im Mix, und das alles feucht vom Morgentau – unheimlich glitschig war dieses Stück, das mir lang vorkam, obwohl ich es nach 20 Minuten hinter mir hatte; froh war ich um die Ketten, die stellenweise angebracht waren.

Ab dem Chalet du Soldat, einem vielbesuchten Berghaus, war alles wieder lieb und harmlos, der weitere Weg hinab zum Ausgangspunkt beim Sessellift stellte mir keine Probleme mehr. Gut vier Stunden braucht man für den Pfad bei je 750 Metern auf- und abwärts, wer ihn machen will, merke sich dies: Zuerst der Westen und dann der Osten.

Voralpines Land, gezackter Horizont. Blick vom Osthang der Gastlosen-Kette nach Süden.

Montag, 21. September 2026

Einmal um die Festung

Einige wenige der vielen Gipfel des Gastlosen-Massivs.
Hat die Bergkette der Gastlosen, die den Kantonen Bern, Freiburg und Waadt angehört, ihren Namen vom Adjektiv gastlos, das soviel wie ungastlich bedeutet? Naheliegend, da das Gebirge abgelegen liegt und abweisend wirkt. Falsch ist die Deutung trotzdem. Zugrunde liegt lateinisch castellosus, was wiederum auf castellum zurückgeht, Schloss, Burg. Die Gastlosen, die ich am Samstag im Rahmen der bekannten Gastlosen-Tour umkreiste, sind ja tatsächlich eine Festung aus Fels. Atemberaubend, diese Bastion aus  Kalkzacken.

Und noch ein Wort zur Geografie: Die Gastlosen-Kette zerfällt in mehrere Abschnitte und zieht sich von den Marchzähnen nah Jaun bis zu den Rochers de Rayes nah Rougemont. Die Gastlosen im engeren Sinn, das ist der nördlichste Teil der Kette. Auf meiner Tour umrundete ich diesen Nordteil samt den angrenzenden Sattelspitzen.
Mein "Schweizmobil"-Screenshot zeigt in Violett die Tour, die ich machte.
Oben rechts das Dorf Jaun, von wo ein Sessellift zum Startpunkt hinauf führt.
Die zwei Sterne bezeichnen das nördliche und das südliche Ende der Gastlosen-Kette.

Sonntag, 20. September 2026

Ein Zürcher träumt von Florenz

Die Fassade an der Storchengasse 13 in Zürich fällt auf, weil sie aus dem Rahmen fällt. Das Haus zum Thor datiert von 1593. Drei Jahrhunderte später verpasst der Geschirrhändler Daniel Bolliger im Jahr 1865 seinem Laden eine neue Fassade. Eine, die punkto Formensprache im Stil des Palazzo Medici in Florenz gestaltet ist. 1898 dann wird die Fassade von einem Dekorationsmaler im Stil des Fin de Siècle als prunkvolle Marmorimitation koloriert – was für ein erfrischender Auftritt in der farblich nicht überbordenden Zürcher Altstadt.

Samstag, 19. September 2026

Ronigers Keller

Wohnt hier ein Zauberer? Die grüne Tür zum Bierkeller bei Rheinfelden AG.
Die Feldschlösschen-Brauerei (in Rot) sahen wir aus der Distanz,
derweil wir bei Rheinfelden die Autobahn überquerten.
Damals im 19. Jahrhundert lebt in Magden im Fricktal ein Wirtesohn namens Theophil Roniger, der in der väterlichen "Sonne" Bier braut. Wobei er im Sommer allerdings ein Problem mit der Kühlung hat. 1868 investiert der Jungunternehmer; er lässt am Weg von Magden nach Rheinfelden im Gebiet Enge einen Felsenkeller in den bewaldeten Kalkhang hauen und sprengen. Hundert Quadratmeter Grundfläche, drei Meter hoch, konstante Temperatur durchs Jahr acht Grad, ideal, um von den nahen Weihern im Winter Eis zu holen und einzulagern, das sich auch in der warmen Jahreszeit hält und das Bier kühlt. Acht Jahre nach der Realisierung des Bierkellers, an dem wir am Mittwoch vorbeikamen, gründet Theophil Roniger eine Brauerei mit, die spätere Feldschlösschen-Brauerei. Sein Keller wird bald nicht mehr für den ursprünglichen Zweck gebraucht, weil die Firma sich eine Eismaschine zulegt. Der Keller steht Jahrzehnte lang leer, dient auch mal als Apfellager, droht zu zerfallen oder gar einzustürzen. Bis ihn die Brauerei 2005 als Teil der Unternehmensgeschichte renoviert.

Freitag, 18. September 2026

Die 50-Rappen-Investition

Blick vom Turm auf dem Schleifenberg bei Liestal Richtung Basel.
Links der Bildmitte sind die Roche-Türme zu erkennen.
Den Kantonshauptort Liestal hat man auf dem Turm zu Füssen.
Der Schleifenberg-Turm ist aus Stahl gebaut. 1900 ersetzte
er einen ersten Turm an diesem Ort, ein Holzmodell von 1891.
Mein Teller: Egli aus einem Zuchtbetrieb in Raron VS.
Aufgrund der Prognosen dachten wir, es würde früher oder später zu regnen beginnen. Tat es aber nicht. Unsere Wanderung von etwas über vier Stunden (450 Höhenmeter aufwärts, 490 Höhenmeter abwärts) führte uns vorgestern von Liestal via Roti Flue auf den Schleifenberg. Dort warfen wir jeder 50 Rappen ins Drehkreuz zum Aussichtsturm und bewunderten aus 30 Metern Höhe das Panorama – die Investition hatte sich gelohnt. Danach zogen wir hinab nach Hersberg, traten gleich anschliessend vom Baselbiet über ins Fricktal, Kanton Aargau, erreichten schon bald Magden. Zmittag in der "Blume", die wir von einer früheren Einkehr kannten. Das Essen war wieder gut, und was den Rotwein angeht, wählten wir natürlich ein einheimisches Erzeugnis, einen Magdener Pinot. Derweil ein mittelstarkes Windlein aufkam, gönnten wir uns am Ende eine einstündige Verlängerung und gingen hinüber nach Rheinfelden. Mein Regenschirm, den ich vorsichtshalber eingepackt hatte, kam dann erst nach der Heimreise in Zürich zum Einsatz.
Fricktaler Landschaft. Magden, eine halbe Gehstunde entfernt, ist bereits zu sehen.