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Montag, 24. August 2026

Buddha und der Turner

Sieht er nicht aus wie von Menschenhand skulptiert? Blick vom Titlis zum sitzenden Buddha.
Kennen alle die Geschichte von Donghua Li und dem Buddha auf dem Titlis? Nun, wir hatten keine Ahnung von ihr, als wir kürzlich auf dem Aussichtsberg weilten und das Panorama genossen. Uns fiel dabei ziemlich in der Nähe ein Zacken auf, der uns an einen sitzenden Buddha erinnerte. Die junge Serviererin im Bergrestaurant sagte uns, ja, das sei der Buddha, er sei recht bekannt, seinetwegen würden immer wieder Leute anreisen. Zuhause googelte ich und fand dies heraus: Im Januar 1996 besuchte der schweizerisch-chinesische Kunstturner Donghua Li den Titlis. Und auch er sah die natürliche Felsformation, die, wie er später erzählte, von goldenen Sonnenstrahlen erleuchtet war; das sei der Buddha, verkündete er. Und wünschte sich in diesem Moment ganz heftig eine Olympiamedaille in den anstehenden Sommerspielen von Atlanta. Diese holte Donghua Li dann tatsächlich, am Pauschenpferd – Gold. Später wurde auf der Aussichtsterrasse des Titlis ein Schild angebracht, das an die Begebenheit erinnert. Wir sahen es freilich nicht, was heisst, dass wir es übersahen. Oder war es wegen der laufenden Bauarbeiten auf dem Gipfel abmontiert worden? Etwas anderes plagt mich viel mehr: Mir kam im Angesichte Buddhas nicht in den Sinn, dass ich mir auch etwas wünschen könnte.

Sonntag, 23. August 2026

Hochgeschwindigkeitshagel

Blick von der Alpwirtschaft Rittmarren Richtung Zürichsee.
Die Wirtschaft.
Der Zmittag.
Eine schmucke, höchstens mittelstrenge St. Galler Wanderung, die ich mit Freund M. am Mittwoch machte: von der Bushaltestelle Dorf in Kaltbrunn hinauf zum Bahnhof, weiter hinauf via Port nach Giegen, noch weiter hinauf auf den Axerberg. An diesem höchsten Punkt der Route auf 1142 Metern über Meer war im Wald ein ungeheuerlicher Lärm zu hören, es ratterte und donnerte schon von Weitem, und ich musste an den "Odysseus"-Film denken, der im Kino läuft; der Titelheld ist ja, derweil er mit seinen Gefährten heimwärts reist bzw. irrt, permanent mit Monstern und Bedrohungen aller Art konfrontiert. Nun, in unserem Fall kamen wir zu einem Kran, der ganze Baumstrünke in eine Verschrotungsmaschine hievte, die wiederum die Schnitzel auf einen Lastwagen spuckte unter schauerlichem Prasseln. War ziemlich eindrücklich – Hochgeschwindigkeitshagel. Nun, kurz darauf war wieder alles friedlich und erreichten wir die etwas tiefer aussichtsreich platzierte Alpwirtschaft Rittmarren. Dort assen wir ein Rindsgeschnetzeltes vom Hof und hielten danach hinab zum nahen Restaurant Bildhaus an der Rickenstrasse. Ein Bier für mich und Glace für M. beschloss auf der Terrasse die Tour. – Die Angaben: 3 h 35 min. 760 Hm aufwärts, 410 Hm abwärts.
Sie sind immer wieder schön.

Samstag, 22. August 2026

Seraina Cadonau?

Das Val Roseg, Unfallort.
(Foto: Adrian Michael / Wikicommons)
Der Kutschenunfall letzten Samstag im Val Roseg bei Pontresina hinterliess eine Tote, zwei Schwerverletzte, zehn Verletzte. Fotos zum Ereignis gibt es kaum, immerhin lieferte die Bündner Kantonspolizei eines, das die meisten Medien übernahmen. Einzig das kürzlich gestartete, in Hongkong domizilierte Medienportal We-News bot Bilder. Darunter eines, das die umgestürzte Kutsche im Schnee zeigt; an jenem Tag lag im Val Roseg aber kein Schnee – das Bild ist KI-generiert, ganz klar. Und auch die Artikelautorin, eine Person mit dem klingenden Bündner Namen Seraina Cadonau, ist wohl eine Kunstfigur. Das wenigstens vermutet das Schweizer Newsportal Infosperber, das dem seltsamen Newsanbieter aus Hongkong einen Artikel widmet und neben dem offiziellen Polizeifoto auch die Fakefotos zeigt.

Freitag, 21. August 2026

Luxus auf dem Titlis

Schöner Teller auf dem Titlis. (Foto: Ronja)

Die Steckdosen im teuren Restaurant sind spärlich und versteckt. Widmer sucht. (Foto: Ronja)
Der alte Sendeturm mit den neuen Querelementen.
Hitzeflucht war letzte Woche das Motiv des Ausflugs auf den Titlis. Der ist bis 2029 eine Baustelle, die neue Bergstation entsteht. Bereits vollendet ist seit wenigen Wochen die Ummodelung des 76 Meter hohen Sendeturms; die Basler Architekten Herzog & de Meuron haben ihm kreuzförmig zwei verglaste Stahlkörper sozusagen implantiert. Drei Dinge sind neu im Turm. Die Rolex-Boutique interessierte mich und meine Begleiterin weniger, immerhin schauten wir rein. Ergiebig fanden wir hingegen die Aussichtsplattform "Horizon Desk" ganz zuoberst. Die Aussicht ist uneingeschränkt und raubt den Atem; das Gleiche gilt für den Eintrittspreis, 19 Franken zahlt man. Attraktion Nr. drei im verwandelten Turm ist "Joseph's Restaurant". Dort ist gar nichts billig. Die Küche war aber auch fantastisch, ich hatte einen in Lärchenholz gebeizten Saibling, meine Begleiterin ein gereiftes Rindsentrecôte. Ob Luxusgastronomie die Bestimmung und Zukunft des Titlis ist: Das weiss ich nicht.
 
Ein Ausschnitt der Gebirgs- und Gletscherwelt rundum. (Foto: Ronja)

Ausländische Touristin mit einheimischem Restschneemann.

Donnerstag, 20. August 2026

Standseilbahn in Not

Hoch über dem Tal der Linth: ein entspannter Gast in Braunwald GL.
Das Dorf Braunwald im Kanton Glarus ist nur per Standseilbahn erreichbar. In den letzten Jahren lief es mit dem Tourismus nicht besonders, wozu auch die schneearmen Winter beitrugen; vor Wochen wurde bekannt, dass die Skilifte in der kommenden Kaltsaison nicht mehr fahren werden, Braunwald verabschiedet sich vom Skibetrieb. Mittlerweile ist klar, dass auch die Standseilbahn in Schwierigkeiten steckt, sie schreibt seit 2023 grosse Defizite. Diese Woche las ich, dass der Kanton einspringen muss, vorerst zahlt er 600'000 Franken, weitere staatliche Zuschüsse werden folgen. Denn ohne Standseilbahn ist Braunwald nun einmal tot.

Mittwoch, 19. August 2026

Vier Seen auf einen Streich

Das schönste Gewässer des Tages: der Seefeldsee, vom Abgschütz aus gesehen.
Abstieg vom Mittelpunkt der Schweiz Richtung Sachseln, der Anblick des Sarnersees motiviert.

Im letzten Eintrag erzählte ich vom Mittelpunkt der Schweiz auf der Älggi-Alp im Kanton Obwalden. Eigentlich wollte ich da gar nicht hin, als ich am Samstagmorgen auf Melchsee-Frutt früh startete. Mein Ziel war der Hochstollen, den ich vor mir hatte. Doch auf dem Abgschütz, einem Pass, fasste ich anderthalb Stunden später einen neuen Plan, dies schlicht darum, weil eine Riesengruppe junger Männer vor mir zum Hochstollen abbog. Auf dem Gipfel würde ich keine Ruhe finden, wusste ich und verspürte Unlust. Ich konsultierte den Abgschütz-Wegweiser, sah die Älggi-Alp als Ziel aufgeführt, voilà. Es folgte ein grober, wirklich sehr grober Abstieg zum Sachsler Seefeld durch eine geröllige Felsflanke: hohe Tritte, Ketten, Eisenbolzen halfen. Auf dem Seefeld wurde alles wieder leicht, und bald erreichte ich, eine Geländestufe tiefer, den Mittelpunkt der Schweiz. Was mich dort enttäuschte, habe ich gestern erzählt: Das Gasthaus war geschlossen. Mittlerweile wasserlos, trat ich den langen Marsch hinab nach Giswil oder Sachseln an; weil es gegen Westen zu nach Gewitter aussah, nahm ich nicht den Pfad durch das Tobel der Kleinen Melchaa. Zwei Stunden lang tippelte ich auf dem Strässchen, Autos fuhren praktisch keine vorbei. Ich fühlte mich schon ziemlich ausgetrocknet, als weit unten doch ein Auto kam und hielt. Ein junger Obwaldner lud mich auf, so fiel der Schluss meiner Wanderung komfortabel aus, in Sachseln rehydrierte ich im "Denner" – herrlich. Aber anstrengend war das durchaus gewesen: fast fünfeinhalb Stunden Gehzeit bei 430 Höhenmetern aufwärts und 1750 Höhenmetern abwärts. Und noch dies: Nicht zuletzt waren es die vier wunderbaren Seen und Seelein, die mir von dieser Route bleiben werden.
Zwei Stunden Hartbelag: das Strässchen, auf dem ich Richtung Sachseln marschierte.

Dienstag, 18. August 2026

Mittelpunkt geschlossen

Der touristische Mittelpunkt der Schweiz.
Das umlaufende Mäuerchen bildet die Umrisse unseres Landes nach.
Alles so schön flach hier: die Älggi-Alp.

O weh! Das Älggi-Gasthaus ist derzeit geschlossen.
Am Samstag erreichte ich, vom Sachsler Seefeld abgestiegen, die Älggi-Alp. Dort gibt es inmitten flacher Wiesenböden eine kleine Hügelkuppe; 1988 wurde sie als Mittelpunkt der Schweiz bestimmt, auch wenn dieser ganz genau genommen 500 Meter entfernt liegt – in den Felsbändern, die die Alp gegen Norden begrenzen. Auf der Kuppe zeichnen Weidemauern die Umrisse unseres Landes nach, auch eine Triangulationspyramide steht da. Und natürlich ist eine Feuerstelle eingerichtet. Ich fand das alles stimmig, war aber gleichzeitig ein wenig verstimmt. Denn das beliebte Gasthaus ganz in der Nähe war verrammelt, und ich hatte doch grossen Durst. Hofläden oder einen Selbstbedienungskiosk gibts an dem abgelegenen Ort nicht. Ein Schild an der Gasthaustür informierte, dass der Pächter krank sei. Später, wieder zuhause, las ich in der "Obwaldner Zeitung" die Hintergründe nach. Der Pächter hatte im letzten Dezember Konkurs angemeldet, aus Gesundheitsgründen offenbar und auch, weil Schneemassen die Terrasse zum Einsturz gebracht hatten. Der Mittelpunkt der Schweiz, er ist derzeit sozusagen geschlossen. Immerhin: Drei Sachsler haben sich zusammengetan und werden das Gasthaus übernehmen. Nächstes Jahr soll es wieder öffnen. Eine gute Nachricht.