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Montag, 26. Oktober 2026

Das Hüttlein der Heiligen

Wiborada in einem St. Galler Kodex des
15. Jahrhunderts. Die Hellebarde verweist
wohl darauf, wie sie umgebracht wurde.
(Foto: Wikicommons)
Wiborada oder – näher an der Originalform – Wiberat war Thurgauerin. Eine Adelstochter, die früh schon einen starken religiösen Drang entwickelte und bald allem Weltlichen entsagte. Asketin wurde sie, Einsiedlerin auch, kam schliesslich bei der Kirche St. Mangen in St. Gallen zur Ruhe; in einer Zelle liess sie sich dort für den Rest ihres Lebens einschliessen und soll allerlei Wunder gewirkt haben. Kürzlich besuchte ich St. Mangen, an der Hinterwand des Gotteshauses verdeutlicht ein Gehütt aus der Gegenwart, wie Wiborada an diesem Ort in etwa gelebt haben könnte. Bis zu ihrem Tod als Märtyrerin: 926 fielen die Ungarn ins Land ein, plünderten, mordeten. Sie töteten die fromme Frau. Im laufenden Jahr begeht bzw. beging das katholische St. Gallen den 1100. Todestag Wiboradas – notabene ist sie die erste Frau der Christenheit, die heiliggesprochen wurde. Mir kommt es allerdings vor, als würden die meisten Leute im Land nichts von ihr wissen.
Die Kirche St. Mangen am Rand der St. Galler Altstadt.

Die Holzhütte an der Kirchenwand ist neuzeitlich und
soll zeigen, wie Wiborada als Eingeschlossene lebte.

Sonntag, 25. Oktober 2026

Quinten unter Druck

Quinten voraus, gerade legt das Schiff ab.
Die Schiffverbindung nach Quinten, Gemeinde Quarten SG, schien mir immer eine Selbstverständlichkeit; wie sonst wäre das Dorf am Nordufer des Walensees denn erreichbar? Eine Strasse führt nicht hin. Ja, klar, man kann zu Fuss in das winzige Quinten gelangen, aber das ist, ob von Walenstadt oder von Weesen her, weit. Diese Woche gab es Medienberichte, wonach der Kanton das Kursschiff nach Quinten nicht mehr subventionieren und so pro Jahr 250 000 Franken sparen will; die Gemeinde müsste in diesem Fall die jährlichen Gesamtkosten von einer halben Million Franken selber tragen – was sie überfordern dürfte. Eine Gruppe hat sich mittlerweile eingeschaltet, die die Kürzung per Aufsichtsbeschwerde verhindern will. Noch dieses Jahr dürfte der Kantonsrat in der Sache entscheiden. Es gibt also Hoffnung.

Samstag, 24. Oktober 2026

Aufladen in Wallisellen

Kürzlich betrat ich in der Nähe des Bahnhofs Wallisellen das "Zentrum Wallisellen". Mitten in der riesigen Eingangshalle lag am Boden ein Kopfhörer. Beim Näherkommen sah ich, dass er angeschlossen war und dass zwanzig Meter weiter auf einer Sitzbank am Rand der Halle ein junger Typ sass, ein Lehrling oder so. Ihm war wohl der Strom ausgegangen, und findig wie die Jugend ist, hatte er in der Halle den einzigen Stecker gefunden. Wenn man hochladen muss, muss man hochladen.

Freitag, 23. Oktober 2026

Ausgepächtert

Ein Foto von einer Tour im September 2020: Abstieg vom Speer, gleich gibts in der
Oberchäseren zu essen und zu trinken. Hinten der Riegel des Mattstock, Amdens Hausberg.
Hoffentlich kommt das gut! Die Alp Oberchäseren in Amden SG, auf der man einkehren und auch übernachten kann, ist sozusagen das Basislager der Leute, die auf den Speer steigen wollen, Europas höchsten Nagelfluhberg. Am Toggenburger Höhenweg liegt Oberchäseren auch. Und nun las ich eben in der "Linth-Zeitung", dass sich das langjährige, bewährte Pächterpaar zurückzieht. Offenbar stehen hinter dem Schritt Differenzen mit der Ortsgemeinde, der die – nicht ans Stromnetz angeschlossene – Alp gehört. Um Pläne, den Wassermangel auf Oberchäseren zu beheben und das Alpgebäude zu modernisieren, geht es anscheinend. Und womöglich auch um mangelhafte Kommunikation, ich sehe das Problem nicht wirklich scharf. Mittlerweile ist die Saison zu Ende und der Alpbetrieb geschlossen, mal schauen, wie es nächstes Jahr weitergeht und ob sich neue Pächter finden. Alles andere wäre übel. Hoffentlich kommt das gut!

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Alles wird neu auf dem Eggishorn

So soll es auf dem Eggishorn künftig aussehen.
(Visualisierung: Aletsch-Bahnen)
Das Eggishorn ist auf Kurs, was den Bau einer neuen Seilbahn, eines neuen Restaurants und einer Erlebnis-Inszenierung zum Thema Gletscher angeht: Eben las ich, dass letzten Monat das Bundesamt für Verkehr grünes Licht gegeben hat. Baustart ist nächsten Frühling, bis Dezember 2028 soll das Projekt realisiert sein. Mit dem Neubau wollen die Aletsch-Bahnen laut ihrer Mitteilung insbesondere das Geschäft im Frühling, Sommer und Herbst ausbauen. Das Eggishorn, 2926 Meter über Meer, bietet einen grandiosen Blick insbesondere auf den Aletschgletscher.

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Klar kenn ich den!

Unkonventionelles Modell: der Stadlerturm.
Der Turm ist ganz aus Holz gebaut.
Tiefblick auf Stadel. Ganz hinten in der Mitte ist auf dem Foto der Flughafen Zürich erahnbar.
Etwas Farbe am Weg kurz vor Weiach.
Am Montag gingen wir von Bachs via den Stadlerberg nach Weiach, eine Wanderung im Zürcher Unterland. Schon bei der Anreise stellten wir fest, dass die herbstliche Hochnebelsaison begonnen hat, grau war der Horizont, grau der Himmel. Immerhin hatten wir ein wenig Sicht, was gut war, weil wir auf dieser Route einen Panoramaturm anvisierten. Seit drei Jahren erst steht er auf dem Stadlerberg als Nachfolger eines früheren Modells, besteht ganz aus Holz, ist 27,5 Meter hoch und bietet viel Sicht. Wenn die Luft klar ist. Wir sahen ein paar Kilometer weit, sahen ganz nah das Dorf Stadel, sahen das Neeracherried, sahen knapp den Flughafen Zürich. Wie immer, wenn eine Bildungslücke geschlossen wurde, verspüre ich Befriedigung. Der neue Stadlerturm? Ja, klar kenn ich den!

Dienstag, 20. Oktober 2026

Alltag und Hochglanz

Tom Kublin, Fotografien für Forster Willi, 1959/60. Courtesy:
Maria Helena Kublin. Mise en Scène, Ausstellung im
Textilmuseum St. Gallen. Foto: Jürg Zürcher, 2026.
Barbara Davatz, Porträt einer Schweizer Firma, 1972. Mise en Scène,
Ausstellung im Textilmuseum St. Gallen. Foto: Jürg Zürcher, 2026.
Ausstellungsansicht, Mise en Scène, Textilmuseum St. Gallen. Foto: Jürg Zürcher, 2026.
Ich mochte die Ausstellung, die ich am Wochenende besuchte. "Mise en Scène" im Textilmuseum St. Gallen bietet Modefotografie von der Belle Epoque bis heute. Die Roaring Twenties kommen vor, aber auch die Haute Couture von Paris nach dem Zweiten Weltkrieg, die wilden Sechzigerjahre samt der Londoner Twiggy-Ästhetik, aber auch die sexualisierten Frauenkörper der Strumpf- und Unterwäscheprodukte – womit wir praktisch schon in der Gegenwart wären. Und dann gibts sozusagen die Kehrseite zu erleben. Oder doch eine völlig andere Welt. In einem separaten Raum sind Aufnahmen der Fotografin Barbara Davatz zu sehen. Sie bat 1972 die gesamte Belegschaft der Textildruckerei und Zwirnerei H. Walser AG in Zürchersmühle AR vor die Kamera. Also Menschen, die damals Stoffe fertigten, die andere Menschen trugen. Krass der Kontrast von Davatz' Fotos zur Hochglanzsphäre der Mode und Werbung.