Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Donnerstag, 30. April 2026

Genfer Frühling

"Der Frühling ist da!": offizielles Genfer Communiqué vom 5. März dieses Jahres.
Der Sautier – es kann auch eine Frau sein – steht dem Generalsekretariat des Genfer Kantonsparlaments vor. Eine witzige Pflicht, die zu diesem an sich ernsthaften Amt gehört, steht jeweils gegen Ende des Winters an. So circa ab Mitte Februar geht der Sautier täglich vor dem Regierungsgebäude zu einer bestimmten Rosskastanie. An ihr, dem Marronnier de la Treille, verfolgt er, wie frühe Triebe sich bilden, bis schliesslich das erste Blatt erscheint. Dieses Ereignis verkündet der Sautier in einer Medienmitteilung. Will heissen: Im Kanton Genf wird der Frühling behördlich festgestellt und vermeldet. Erwähnt wird dieses Kuriosum in der neuen "Schweizer Familie" im Rahmen einer grösseren Geschichte über die kleinen Überraschungen, die unser Land birgt. Ich habe diese nicht selber zusammengetragen, sondern einem neuen Buch entnommen.

Mittwoch, 29. April 2026

Luzerner Idyll

Abstieg von der Würzenegg ins Eigental.
Die Pilatuskette ist, vom Eigental gesehen, verwechselbar – 
der Pilatus (l.) wirkt nicht so markant wie aus anderen Winkeln.
1453 erwarb die Stadt Luzern das Eigental, ein Hochtal nördlich der Pilatuskette. Dessen Holz war eine begehrte Ware. Heute sind zwei andere Rohstoffe des Eigentals wichtiger. Zum einen das Wasser: Von hier oben kommt ein guter Teil des Trinkwassers, das 600 Meter tiefer in Luzern konsumiert wird. Das andere Luxusgut, das ist die Natur, das Eigental ist zur Naherholungszone der Stadt Luzern geworden. Seine Staulage begünstigt Regenfälle, so konnten sich mehrere Feuchtgebiete entwickeln, Flach- und Hochmoore. Dies ist ein Amphienlaichgebiet nationaler Bedeutung. Erfreulich, dass sich die Pläne zu Anfang des 20. Jahrhunderts zerschlugen, das Tal mit einer Sperre zu versehen und einen Stausee zu bauen. Am Samstag war das Eigental, wie ich gestern erzählt habe, unser Wanderziel. Wir fanden ein Idyll vor.

Dienstag, 28. April 2026

Dü-Da-Do

In Malters nahmen wir einen Startkafi.
Herzig, oder?
Der "Eigenthalerhof". Schön, hatte es nicht viele Leute.
Biorind-Burger mit Schweizerfähnli.
Wie könnte man bei diesem makellosen Wetter keine gute Laune haben? Die Sonne schien praktisch uneingeschränkt, als wir am Samstag in Malters nach einem Kafi im Restaurant Bahnhof starteten. Zweieinhalb Stunden ging es, bis zur Würzenegg, die meiste Zeit aufwärts, das Tal der Kleinen Emme blieb unter uns zurück, wir hatten bald die Pilatuskette vor Augen samt dem hübschen Mittaggüpfi zur Rechten. Auf der Würzenegg, dem höchsten Punkt der Route, rasteten wir nicht – der Hunger trieb uns weiter. Unten im Eigental gabs eine halbe Stunde später Zmittag im "Eigenthalerhof", der mittlerweile im Selbstbedienungsmodus funktioniert. Wieso auch nicht, wir fanden das kein Problem und mochten im Folgenden unser Essen, rühmenswert war insbesondere der Hamburger mit Biofleisch. Die nächsten knapp anderthalb Stunden waren ein frohes Auslaufen, wir hielten hinüber ins nahe Schwarzenberg und beendeten unsere Luzerner Wanderung dort. Schön, dass uns das Smartphone für die Rückkehr den Bus nach Luzern vorschlug mit einmal Umsteigen beim Holderchäppeli auf die Eigental-Linie mit ihren vielen Kehren. So eine abenteuerliche Postautofahrt ist pures Ferienfeeling, und endlich hörte ich wieder einmal das altvertraute Dü-Da-Do.
Bahnhof Malters – Siten – Guberwald – Würzenegg – Würzen – Rest. Eigenthalerhof – Meiestoos – Lifelen – Schwarzenberg, Ennenmatt. 4 h 30 min. 14 km. 830 Hm aufwärts, 500 Hm abwärts.

Jetzt hat die Landschaft wieder Farbe.
Hinten links zeigt sich Schwarzenberg.

Montag, 27. April 2026

Eine schöne Erinnerung

Genau zehn Jahre sind vergangen seit dem 27. April 2016. Ich kann mich bestens erinnern an die Vernissage im "Miller's" beim Bahnhof Tiefenbrunnen in Zürich, an die vielen Leute, die kamen, an das spassige Gespräch mit meinem Tagikollegen Edgar Schuler. "Schweizer Wunder" heisst das Buch, das staunens- und besuchenswerte Orte überall im Land vorschlägt; es kam nach Erscheinen auf Platz eins der Schweizer Sachbuch-Top-Ten und verkaufte sich super, bis heute sind mehrere Auflagen erschienen. Eine schöne Erinnerung, der Anlass von damals.

Morgen, ich gelobe es, soll es wieder um die Gegenwart gehen – gern werde ich von unserer Samstagswanderung im Luzernischen berichten.

Sonntag, 26. April 2026

Bauchwehalarm

Mmmmm, Mörcheli. Die sind so fein, dass man sie nicht lange kochen will. Nein, kurz anbraten möchte man sie. Oder sie ganz am Ende dem praktisch fertigen Risotto oder dem Rahmsösseli beigeben. 

An sich mag ich sie sehr: die Speisemorchel.
(Foto: Mushroom Observer / Wikicommons)

Falsch, falsch, falsch. Meine Journalistenkollegin Catherine Duttweiler hat kürzlich einen Artikel geschrieben, demzufolge rohe oder nur kurz gekochte Morcheln schon Menschen getötet haben, derweil andere Betroffene mit üblen Magen-Darm-Symptomen auf der Intensivstation landeten. Auch hierzulande. Die Sache ist nicht vollständig klar. Vor allem Billigmorcheln aus Asien scheinen das Problem zu sein, wobei sich das Gift in den Morcheln selber gebildet haben oder von aussen eingedrungen sein könnte. Fachleute schliessen aber keineswegs aus, dass auch hiesige Morcheln Gefahr bergen. Laut der Fachstelle Tox Info Suisse gibt es daher nur eines: Die Morcheln, ob frisch gepflückt oder getrocknet, in Gottes Namen 20 Minuten lang kochen.

Samstag, 25. April 2026

Es tropft

Schönes Badegelände: die Sitter bei Stein AR.
Heute geht es auf die Würzenegg, einen Hügel mit Aussicht südlich von Malters LU. Was bedeutet der Name? Wurzel steckt darin, gemeint ist ein Ort mit Krautbewuchs. In Stein AR, wo ich aufwuchs, gibt es eine Würzen an der Stelle, wo der Weg hinüber nach Haslen AI den steilen Wald an der Sitter erreicht. Hilfe, schon wieder ein Name, der erklärt gehört. Sitter geht zurück auf ein uraltes Wort, das tropfen und fliessen bedeutet. Was die Sitter als Gewässer natürlich tut.

Freitag, 24. April 2026

Martin und Carlo

Martin, hoch zu Ross, zerteilt sein Gewand, den Armen freuts:
Fresko an der Fassade der Kirche San Martino in Calonico.
Im Innern der Kirche: Carlo Borromeo hält Hof.
Die Kirche San Martino, im kleinen Tessiner Dorf Calonico hart am Abgrund auf einen Felsen gestellt, dominiert die Media Leventina, die mittlere Leventina. Wer durch das Tal fährt, kann sie nicht übersehen. So habe auch ich sie schon vor Jahrzehnten erstmals registriert. Habe sie seither immer wieder mal bewundert. Aber nie sie besucht. Bis diesen Montag, als ich San Martino von Chiggiogna aus erwanderte, siehe Eintrag von gestern. Der Kirchturm ist romanisch, wurzelt im Mittelalter, der Rest wurde im 17. Jahrhundert total umgemodelt. Meine Visite begann damit, dass ich die Kirche umrundete und vom Friedhof hinab ins Tal 300 Meter tiefer mit dem Schienenstrang und der Autobahn schaute. Wonach ich eintrat und auch drinnen meine Augen schweifen liess; besonders präsent ist in den verblichenen Fresken Carlo Borromeo, der Mailänder Kardinal, der im 16. Jahrhundert für die Gegenreformation kämpfte, also sowohl die Erneuerung der katholischen Kirche vorantrieb als auch den Kampf gegen den Protestantismus. Das klingt heroisch, heisst aber: Intoleranz, Verfolgung, Folter, Hinrichtung nicht-katholischer Menschen. Carlo Borromeo wurde heiliggesprochen. Ich muss sagen, mir ist der Kirchenpatron von San Martino lieber, der heilige Martin eben, der als Militär mit seinem Schwert den eigenen Rock zerteilte und die Hälfte einem frierenden Armen gab. Und jetzt wieder in die Gegenwart: Ich bin glücklich, San Martino endlich besucht zu haben.
Hinter der Kirche liegt, 300 Meter tiefer, der Talboden der Leventina.

Blick vom Kirchhof Richtung Faido.