Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Montag, 23. März 2026

Regula und der Schultheissensaal

Gediegen, der Schultheissensaal im ersten Stock der Bibliothek Münstergasse in Bern. Und ein wenig einschüchternd – es sind die Gnädigen Herren von einst, die da aus den Gemälden der Galerie auf einen niederblicken. Die Stadtchefs. Am Samstag sass ich mit vielen anderen Leuten im Saal, eine Buchvernissage, Regula Tanner, die in Steffisburg das "Leseglück" betreibt, Bücherbrocki, Veranstaltungsort, Kafi-Kuchen-Treff in einem – diese Regula Tanner, die auch für die "Schweizer Familie" schreibt, stellte ihr neues Buch vor. In "Schweiz erlesen" präsentiert sie 55 literarische Orte im ganzen Land, die mit Büchern zu tun haben. Die Stiftsbibliothek St. Gallen ist darunter. Aber auch das "Centre Dürrenmatt" in Neuenburg. Das verrückte "B2 Hotel" in Zürich mit 33'000 Büchern (zu sehen auf dem Vorderdeckel). Und natürlich der Berner Schultheissensaal. Ich kann Regulas Buch nur empfehlen, es ist mit Liebe geschrieben. Und garantiert bietet es staunenswerte Ziele für Ausflüge.

Sonntag, 22. März 2026

Alder gönnt sich etwas

Schöne, auffällige, historische Häuser fotografiere ich immer. Dieses steht in Schwellbrunn AR schräg vis-à-vis der Dorfkirche, ich sah es kürzlich und blieb gern stehen. "Grafenhaus" oder auch "Hochhaus" heisst der Bau, der erste Name geht zurück auf die Gebrüder Graf, Schweinehändler, die ihn 1926 kauften. Er ist wesentlich älter. Bauherr war 1784 der Mousseline-Fabrikant und Tuchhändler Johannes Alder. Der Textilbaron, der übrigens verarmt starb, wollte sich offensichtlich etwas gönnen.

PS: Man entschuldige, dass der Text zum Foto als erweiterte Bildlegende daherkommt. Ein Problem mit der Formatierung, ich werde sie einfach nicht los.

Samstag, 21. März 2026

Ab zum Heideloch!

Das Heideloch auf dem Born.
Bald ist wieder Karfreitag. Mit ihm kommt eine grosse Chance. Auf dem Oltner Hausberg Born gibt es eine zerklüftete Spalte im Kalkstein, die zu einer Höhle hinab führt, dem Heideloch. Dort wacht ein böser Hund mit scharfen Krallen und feurigen Augen über eine Eisenkiste. Sie soll gefüllt sein mit Goldstücken. Jeweils am Karfreitag aber wird die Kiste ans Licht geholt und gelüftet, man darf sich bedienen, heisst es. Und der Hund? Wer weiss, vielleicht hat er an diesem Tag frei.

Gleich noch eine Sage, die das Heideloch umrankt, ich las auch sie diese Woche vor Ort auf einer Tafel. Ein junger Mann und eine junge Frau, beide bitterarm, wollten einst heiraten. Aber eben, sie hatten kein Geld. Der junge Mann beschloss, in der Fremde sein Glück zu suchen und dann zurückzukommen. Am Tag vor seiner Abreise stieg er von Kappel am Fuss des Born noch einmal auf ebendiesen Berg und pflückte dort Schlüsselblumen für seine Angebetete. Als das Urseli, wie diese hiess, die Blumen berührte, verwandelten sie sich in Goldstücke. Und so konnte das Paar gleich sofort zusammenkommen.

Freitag, 20. März 2026

8 von 10

Der Weg von Olten zum Säli-Schlössli führt durch das Müliloch.
Blick über die Mauern der Alt-Wartburg zum Säli-Schlössli.
Blick zurück: die Aare und hinten die Kirche und die Festung Aarburg.
Fast oben: Widmers Schuhe auf dem Tuusigerstägli.
Die Aare, gesehen vom Born.
Deftiger Burger im "Astoria" in Olten.
Ich würde dieser Tour mit Anfang und Ende in Olten auf einer Zehnerskala glatt eine 10 geben. Oder, weil man aus Prinzip anspruchsvoll sein soll, eine 9. Wobei – als wir am Mittwoch wanderten, blies eine derart brutale Bise, dass ich ihretwegen noch einen Punkt abziehen muss. Also, eine 8. Ausser den Windböen, die uns schlottern liessen, war alles gut. Wir stiegen von Olten zum Säli-Schlössli auf (Eintrag von vorgestern), wärmten uns im Restaurant mit einem Tee wieder auf. Besuchten die benachbarte Ruine Alt-Wartburg, der Pfad zu ihr ist kettengesichert, der Blick in die Ferne, zu den Alpen etwa und Richtung Jura, atemberaubend. Danach hielten wir zur Festung Aarburg hinab, folgten anschliessend der Aare flussaufwärts bis zum Fuss des Tuusigerstäglis. Das kam hier auch schon vor, es führt schnurgerade die Flanke des Berges Born hinauf, begleitete früher ein Wasserdruckrohr, das heute nicht mehr da ist, und hat in Wahrheit 1150 Stufen. Auf dem Stägli war viel Betrieb, Leute rannten hinauf und hinab, da hat sich ein kleiner Kult etabliert, manche Personen machen die Treppe an ein und demselben Tag gleich mehrmals. Uns reichte einmal, oben waren wir, oder zumindest ich, ziemlich geschafft. Hart an der Kante des Born zogen wir im Folgenden hinab nach Olten und gönnten uns im "Astoria" warme Kost. Die Bise hätte nicht sein müssen, ansonsten war das eine sehr ergiebige Unternehmung, fanden wir dort.
5 Stunden. 715 Hm aufwärts, 705 Hm abwärts.

Donnerstag, 19. März 2026

Tobis drei Wochen

Tobias Renggli und ich beim Käfelen in Zürich.

Vor einigen Wochen traf ich in Zürich in einem Café einen jungen Mann, die Serviererin fotografierte uns beide mit meinem Handy. Jetzt ist in der "Schweizer Familie" mein grosses Gespräch mit Tobias Renggli, 23, erschienen, auf die Titelseite hat er es auch gebracht. Der Luzerner, Student an der ETH und Leistungssportler, hat sich in der Outdoorszene einen Namen gemacht mit originellen Leistungen. Zum Beispiel absolvierte er in nur drei Wochen eine verrückte Velo-Berg-Tour, fuhr durch die ganze Schweiz und besuchte die höchsten Punkte aller Kantone. Alles nur mit der eigenen Körperkraft, oft schlief er bloss zwei Stunden und stieg dann wieder aufs Velo, auf dem er auch alles Material mitführte. Ah ja, noch dies: So nebenbei testete er auf jedem Gipfel ein Gipfeli, das er unten im Ort gekauft hatte. Denn Tobi ist kein bierernster Typ, sondern ein Schalk. Dafür mag ich ihn besonders. Meinen Respekt hat er sowieso.

Mittwoch, 18. März 2026

Wo Mosimann waltete

Hübsche Fantasie: das Säli-Schlössli bei Olten.
(Foto: Uwelino/Wikicommons)
Schönes Wetter, ich freue mich. Heute legen wir im Gebiet Olten-Starrkirch-Aarburg eine grosse Schleife ins Gelände. Zu Beginn steigen wir von Olten zum Säli-Schlössli auf, einem Ausflugsrestaurant, das von weitem sichtbar ist und Anfang der 2000er-Jahre besonders bekannt war, als dort der Spitzenkoch Anton Mosimann kochte. Der Bau wurde ohne Rücksicht auf archäologische Verluste vor 155 Jahren auf eine Burgruine gepfropft – das Schlössli sieht wunderbar aus, ist aber völlig geschichtsfrei, es ist eine romantische Fantasie des 19. Jahrhunderts. Und noch etwas: Seinen Namen verdankt das Säli-Schlössli einer Feuerwächterdynastie, die hier oben einst nach Bränden Ausschau hielt, als es das Restaurant noch nicht gab. Die Familie hiess Sali.

Dienstag, 17. März 2026

Wanderung mit Kiebitz

Am Samstag wanderten wir bei kaltem und nassem Wetter durch das Zürcher Weinland. Dreieinhalb Stunden brauchten wir – reine Gehzeit – für die Strecke von Ossingen via Oerlingen und Marthalen nach Rheinau. Hier fünf Fotos von unterwegs.

Schwer lesbar, der Gedenkstein in zwei Sprachen beim Husemersee. Er erinnert
an den Serben Marko Orlovic, der mit anderen Internierten des Zweiten Weltkriegs
hier Torf stach. Am 26. August 1943 wollte er sich im See abkühlen und ertrank dabei.

Ein Feuchtgebiet kurz vor Oerlingen. Die Ornithologin
liess auch uns durch ihr teures Fernrohr spähen. Wir
sahen Kiebitze, die im Ried ihre Nester hüteten.
Das Bistro Oerlingen war eigentlich noch zu. Die Wirtin sah uns durch die Scheibe,
öffnete, so kamen wir zu einem Tee. Sie erwarte nächstens 30 Leute zu einem
Jassturnier, erzählte sie uns. Und: In wenigen Wochen schliesse sie das Bistro.
In Marthalen lebte im 17. Jahrhundert der steinreiche Pankraz Toggenburger
in einem schmucken Haus, dem "Schneggen-Geheuss". So nebenbei
liess er damals auf dem Guggenbüel dieses barocke Rebhäuschen bauen.

In Rheinau gabs einen späten Zmittag. Im "Augarten" wirten zwei Schwestern.
Appenzellerinnen. Und so kamen wir zu Appenzeller Chäsfladen. (Foto: Ronja)