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Freitag, 2. Oktober 2026

Kleine grosse Insel

St. Martin (l.) und St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau, die zur Gemeinde Freienbach SZ gehört.
Der leere Sarkophag des heiligen Adalrich in der Kapelle St. Martin.
Fresken in der Kirche St. Peter und Paul.
Die Ufenau oder auch Ufnau im Zürichsee ist seit mehr als 1300 Jahren ein Kraftzentrum des christlichen Glaubens. Alles Historische hat auf der kleinen Insel, die seltsamerweise doch die grösste im Land ist, mit dem Glauben zu tun. Schon um 700 stand hier eine christliche Kirche, deren Nachfolgerin die anmutige St.-Martin-Kapelle auf dem kleinen Hügel ist; in ihrem Inneren steht der Sarkophag des heiligen Adalrich, der der Sohn der schwäbischen Herzogin Reginlinde gewesen sein soll. Diese lebte auf der Insel in einem Haus, das über einen Steg im Obergeschoss mit der Kapelle verbunden war. Heisst es. Etwas unterhalb steht eine etwas grössere Kirche, den Heiligen Peter und Paul gewidmet, sie wurde auf den Mauern eines antiken Tempels errichtet. Uff, die Geschichte ist auf der Ufenau dicht, die Dinge überlagern sich, alles ist mit allem verwoben durch Tatsachen und Legenden. Am Montag schauten wir uns zur Mittagszeit beide Gotteshäuser an und gingen dann in der nahen Inselwirtschaft essen. Sie gehört, wie die ganze Insel, dem Kloster Einsiedeln, worauf schon die beiden Raben an der Hausfassade deuten, Einsiedelns Wappentier-Duo.
Die zwei Einsiedler Raben an der Fassade der Inselwirtschaft.

Hier gabs Zmittag.

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Wir wanderten im See

Der Seegrund bei der Insel Ufenau, normalerweise deckt ihn Wasser.
Lebt hier Robinson? Reizvoll ist die verlandete Fläche schon.
Das Kursschiff kommt.
Der Pegelstand des Zürichsees ist krass niedrig, betroffen ist unter anderem die Passagier-Schifffahrt, die verschiedene Ziele nicht oder nur eingeschränkt bedienen kann. Zum Beispiel die Insel Ufenau, die weniger oft angesteuert wird. Am Montag machten wir einen Ausflug auf die Ufenau und waren schon bei der Annäherung schockiert, grosse Flächen, die normalerweise als eine Art Lagune knapp unter Wasser liegen, sind temporär verlandet. Was uns Anlass gab zu einem ganz besonderen Spaziergang über den ausgetrockneten Seegrund, der leicht nach fauligem Schluck roch. Mit anderen Worten: Wir wanderten nicht am, sondern im Zürichsee.

Mittwoch, 30. September 2026

Mitmachen freiwillig

Die Zeit der Oktoberfeste ist wieder da. Vielerorts in unserem Land spielen sie Wiesn. Die Frauen tragen Dirndl, die Männer lederne Kurzhosen und dicke Kniesocken. Viele Leute mögen das Fest sehr. Andere, darunter ich, würden nie hingehen. Müssen wir ja aber auch nicht. Mein Foto, übrigens, ist im HB Zürich aufgenommen.

Dienstag, 29. September 2026

Zur Musik gewandert

Die Aussicht vor Hauptikon: links die Rigi, unter ihr der Zugersee.
Wandern bedeutet auch: Farbe tanken.
Am Sonntagnachmittag wanderte ich von Mettmenstetten nach Kappel am Albis. Säuliamt also, Kanton Zürich. Eine lange Unternehmung war das nicht – anderthalb Gehstunden. Um nicht zu früh in Kappel anzukommen, verbrachte ich viel Zeit auf zwei Bänkli. Das eine stand nah Hauptikon unter einem Birnbaum, ich ruhte, schaute gemütvoll Richtung Zugerland, wunderte mich über die unangemessene Hitze an diesem Spätseptembertag, als … autsch! Eine überreife Birne knallte mir auf den Schädel. Gott sei Dank wars eine eher kleine, Gott sei Dank platzte das matschige Ding nicht. In Kappel gönnte ich mir dann ein kleines Bier in der Klosterbuvette. Alsbald ging ich in die Kirche und hörte mir dort das Konzert des A Cappella Chors Zürich an; eine Bekannte tut im Chor mit und hatte mich eingeladen. Die feine, reine Musik, Renaissancemelodien vor allem, stürzte mich im Verbund mit der ganz besonderen Atmosphäre des gotischen Gemäuers in eine Art Trance. Es war das gute Ende einer guten Wanderung.
Mein Ziel, das ehemalige Kloster von Kappel am Albis.

Noch zehn Minuten, bis das Konzert beginnt.

Montag, 28. September 2026

Der Chaostag

Im Bahnhof Sargans, hinten der Sarganser Hausberg Gonzen. 
Wenn man als Wanderleiter seit vielen Jahren praktisch fehlerfrei im hiesigen ÖV unterwegs war, hat man doch hoffentlich das Anrecht, auch mal so richtig Chaos anzurichten. Am Samstag geschah es. In Zürich traf ich auf dem Perron mein Gspänli Birgit, wir stiegen gleich in den Zug ein, der fuhr los, worauf wir feststellten, dass wir beide unabhängig voneinander den gleichen Fehler gemacht hatten – falscher Zug, der richtige verkehrte auf einem anderen Gleis als üblich. Wir wollten in Wädenswil umsteigen, fuhren aber bis Sargans durch. Ich kontaktierte die anderen vier vom Grüppli, die waren so lieb, in Wädenswil zu warten. Und dann passierte mir und Birgit in Sargans erneut ein Lapsus: Wir nahmen retour wieder den Zug, der in Wädenswil durchfuhr. Unerklärlich. Wars meine anlaufende Frühpensionierung – eine Art postprofessioneller Rausch? Hatten wir zuviel geplaudert?  Oder waren es die extrem vielen Leute, die an diesem Tag unterwegs waren? Wie gesagt, ich kann es nicht erklären. So ging es danach weiter: Birgit fuhr mit mir retour nach Zürich und wanderte vom HB auf den Uetliberg. Ich traf im HB Roger, der nach all der Verspätung aufs Wandern verzichtete und von Wädenswil zurückgereist war. Peider und Albert wiederum wanderten von Wädenswil hinauf nach Menzingen. Und Jörg? Der machte unsere geplante Wanderung, reiste von Wädenswil mit grober Verspätung nach Oberiberg und stieg auf den Roggenstock. Was für ein Chaostag! Ich sah bei bestem Wetter die allerschönsten Gipfel, stiege aber auf keinen und endete gegen Mittag im "Santa Lucia" am Paradeplatz. Mit den klobigen Bergschuhen an den Füssen.

Sonntag, 27. September 2026

Die Verweigerin

Von einer lieben Redaktionskollegin habe ich zur Pensionierung letzte Woche ein hübsches kleines Buch erhalten, das vor vielen Jahren gelesen zu haben ich mich erinnere. Nun lese ich es wieder, und alles ist mir neu, erstaunlich, wie der Mensch vergessen kann. "52 Wanderungen" von Franz Hohler entstand im Jahr, nachdem der Oltner Schriftsteller 60 geworden war, er beschloss an seinem Geburtstag, sich jede Woche eine Wanderung irgendwo im Land zu gönnen. Die Berichte von diesen Unternehmungen sind unaufdringliche Protokolle. Gespreizten Stil, wilde Wendungen, Sensationen findet man nicht. Aber doch die ruhige Prosa eines genauen Beobachters. Nur schon der Satz über die Sihl, an der die erste Wanderung entlangführt, gefällt mir. Er holt mich sozusagen ab, weil ich selber des öftern gedacht habe, dass die Sihl doch eigentlich bei Pfäffikon oder Richterswil oder Wädenswil in den Zürichsee münden müsste; stattdessen zieht sie parallel zu ihm nach Norden. Sie verweigert sich dem naheliegenden Gewässer. In den Worten Franz Hohlers, dessen Wanderwerklein ich nur empfehlen kann: 

"Was für ein eigenwilliger Fluss, die Sihl. Statt sich von Einsiedeln aus auf geradem Weg in das einladende Zürichseebecken zu ergiessen, hat sie alles getan, um diesem See auszuweichen, und es ist ihr gelungen; sie versteckt sich die längste Zeit hinter einer Seitenmoräne des Linthgletschers und mündet knapp hinter dem Seeausfluss in die Limmat."

Samstag, 26. September 2026

Maria und die Hölle

Der Hof Höll liegt höllisch abgelegen. Hinten links der Groot.
Die heilige Idda in der Iddakapelle im Wald bei der Ottenegg.
Aussichtsreich steht die Marienstatue auf der Ottenegg.
Mein Zmittag im Restaurant des Klosters
Fischingen: Wasserbüffel-Bratwurst und ein
vor Ort gebrautes Pilgrimbier, Variante blond.
Schön wars, erstaunlich kalt wars, die Sonne zeigte sich erst, als ich praktisch fertig war mit der Wanderung. Anfang Woche drehte ich vom Kloster Fischingen aus eine Runde, die auf dem Groot kulminierte, dem – siehe Eintrag von gestern – höchsten Punkt des Kantons Thurgau, 991,1 Meter über Meer. Was mich an der etwas über dreistündigen Unternehmung (je 520 Meter auf- und abwärts) frappierte, war die Stille der Gegend, durch die ich zog; mir kam es vor, als sei seit der Landnahme durch die Alemannen hier nicht viel passiert. Besonders einsam liegt der Hof Höll, dessen Name soviel bedeutet wie: abgelegenes Gebiet. Vor der Höll war ich an einer der heiligen Idda gewidmeten Waldkapelle vorbeigekommen und dann an einer Metallsäule. Die ist so hoch, dass ich erst beim zweiten Hinschauen merkte, dass auf ihr eine Marienstatue steht. In diesem Fall ist die Gottesmutter den Menschen etwas gar weit entrückt.