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Dienstag, 24. Mai 2022

Die Sprecher und ihre Burg

Theophil Sprecher von Bernegg,
1850–1927. (Wikicommons)
Beim Bündner Geschlechtsnamen "Sprecher" kommt mir immer grad "Sprecher von Bernegg" in den Sinn. Und da vor allem der in unserer Neuzeit besonders bekannt gewordene Theophil von Sprecher. In der Generalswahl vom August 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs, die reichlich unsauber ablief, obsiegte sein Konkurrent Ulrich Wille, der in Hamburg geboren worden und am Zürichsee aufgewachsen war. Wille, Oberbefehlshaber der Kriegszeit, deutschfreundlich gesinnt und ein Anhänger der preussischen Militärtradition, konnte weder richtig Schweizerdeutsch, noch sprach er eine andere Landessprache fliessend. Sprecher von Bernegg, der in der Wahl Unterlegene, wurde dann quasi kompensativ zum Generalstabschef ernannt. Am Samstag passierten wir in Calfreisen die Ruine der Burg Bernegg, von der die Sprecher ihren Beinamen ableiten. Die Vorfahren kamen wohl aus dem Fondei, einem Seitental bei Langwies ebenfalls im Schanfigg. Was den Familiennamen angeht: "Sprecher" ist verkürzt für "Fürsprecher"; die begüterte Sippe brachte viele Anwälte und Notare hervor, die dann auch in die Politik gingen. 
Die Ruine der Burg Bernegg am Rand von Calfreisen im Schanfigg.

Montag, 23. Mai 2022

Montalin und Maluns

Unser erstes Dorf nach Chur: Maladers.
Im Calfreiser Tobel.
Mmmm, Capuns.
Letztes Jahr begingen wir einen Abschnitt des Schanfigger Dörferweges und wanderten von Langwies nach Pagig – dort beendeten wir damals die Unternehmung wegen eines nahenden Gewitters, indem wir zum Bahnhof Lüen-Castiel abstiegen. Letzten Samstag widmeten wir uns wieder dem Dörferweg und hielten von Chur nach Pagig. Am Anfang stand die Besichtigung der Churer Kathedrale. Dann ging es aufwärts, aufwärts, aufwärts, wir schwitzten kräftig, denn der Tag war heiss. Vieles gefiel uns sehr. Zum Beispiel das erste Dorf nach dem Start, Maladers, mit seinen alten Holzhäusern. Aber auch das Calfreiser Tobel mit den monumentalen Nagelfluh-Aufschlüssen. Sowie der rustikale Zmittag im Gassa-Beizli in Calfreisen: Capuns, Maluns, gemischtes Plättli. Und natürlich waren wir mit imposanten Bergen vom Montalin direkt über uns bis zum Gürgaletsch vis-à-vis konfrontiert. Gut auch das Ende: In Pagig tranken wir auf der Terrasse des Pagigerstübli Bier. Dort hatten wir ein Jahr zuvor gegessen und waren uns einig gewesen: Wir sind noch nicht fertig mit dem Dörferweg.

Chur, Bahnhof – Kathedrale – Brandacker – Tumma – Maladers – Ob der Müli – Calfreiser Tobel – Calfreisen – Castiel – Oberdorf – Maiasäss – Clasaurer Tobel – Pagig, Dorf – Pagig, Tura (Bushaltestelle zehn Minuten unterhalb). 4 3/4 Stunden, 1060 Meter aufwärts, 390 abwärts.

Unter Beobachtung.

Sonntag, 22. Mai 2022

Das Rätsel der Kathedrale

Churs Kathedrale im Jahr 1900.
(Foto: Max van Berchem / Wikicommons)

Im Jahr 285 nach Christus erhob der römische Kaiser Diokletian Chur zum Verwaltungszentrum der neu gebildeten Provinz "Raetia Prima". Gut 170 Jahre später wurde die Stadt, als das römische Reich christlich geworden war, zum Zentrum eines riesigen Bistums. Eine erste Bischofskirche entstand, dann eine zweite. Gestern besichtigten wir zum Auftakt einer schweisstreibenden Wanderung ins Schanfigg Bau Nummer drei an diesem Ort, eine klobige romanische Anlage, die der Kunsthistoriker Edwin Poeschel mit der "Halle eines mythischen Bergkönigs" verglichen hat. 1151 begannen die Arbeiten an dieser dritten Kirche. Mit ihr ist ein kleines Rätsel verbunden. Wer den Grundriss der Kathedrale betrachtet, stellt einen merkwürdigen Symmetriebruch fest. Einen Knick gegen Norden auf der Höhe des Altarhauses und einen zweiten am Chorbogen. Wieso diese Winkelabweichung? Sie hat mit dem Jahr 1170 zu tun. Damals beförderte Kaiser Friedrich Barbarossa den Churer Bischof in den Rang eines Reichsfürsten. Das hatte Folgen für die Architekten, die während des Baus die Pläne ändern und entsprechend mächtiger bauen mussten. Gegen Norden fand sich auf dem Felssporn Platz für die Vergrösserung der Kirche, gegen Süden gings nicht, da fällt das Gelände steil zur Plessur ab. So kam es zur Asymmetrie des Grundrisses.

Samstag, 21. Mai 2022

Vy kommt von ...

Haut de la Vy bei Fleurier NE.
In der Romandie ist der Flurname Vy verbreitet. Nachdem wir kürzlich oberhalb von Fleurier bei Haut de la Vy vorbeikamen, schlug ich nach, woher das Wörtli kommt. Von vue, Sicht, hätte ich gedacht. Falsch! In Vy verbirgt sich das lateinische via, Weg.

Freitag, 20. Mai 2022

"Wir verstehen die Welt nicht mehr"

Krasse Sache. In letzter Zeit kommt es häufig vor, dass ich irgendwo essen will, aber das Restaurant hat zu. Oder es hat die Öffnungszeiten drastisch reduziert, bleibt zum Beispiel Montag, Dienstag, Mittwoch geschlossen. Oft ist Personalmangel das Problem. Gestern besuchte ich die Internetseite des Hotels Tiefenbach an der Furkastrasse zwischen Realp und der Furkapasshöhe und stellte fest, dass man dort verzweifelt Arbeitskräfte sucht. Ich hoffe, es finden sich welche. Der Tiefenbach ist ein wichtiger Ort für Leute, die zum Beispiel den Urschner Höhenweg machen wollen.

Donnerstag, 19. Mai 2022

Unser Gemüsegarten hat ein Problem

Das Berner Seeland. (Webameise/Wikicommons)

Zwei Juragewässerkorrektionen, die erste noch im 19. Jahrhundert, legten das riesige Flachmoor südlich von Biel trocken. Es entstand, so die "NZZ am Sonntag" soeben, "der Gemüsegarten der Schweiz". Freilich hat der Eingriff in die Natur des Berner Seelandes ein Problem gezeitigt. Torfböden vergasen, wenn sie mit Sauerstoff in Kontakt kommen. Sie lösen sich in Luft auf. Im Seeland ist der Boden mancherorts stark abgesunken, bis zu zweieinhalb Meter, manche Strassen liegen deswegen viel höher als die Felder. Bei Gals westlich des Bielersees soll diesen Sommer eine Rettungsaktion anlaufen. Oder doch der Versuch einer Rettung. Bagger werden auf 70 Hektaren rund 100 000 Kubiketer Erde verteilen. Klappt es mit der Bodenaufschüttung, sollen später weitere Flächen folgen. Das verwendete Erdmaterial stammt von Baustellen der Region und ist, so der erwähnte Artikel, aus ökologischer Sicht unbedenklich.

Mittwoch, 18. Mai 2022

Die Teststrecke

Die neuen Schuhe in der, nein, nicht in der Feuertaufe.
Eher wars eine Dreck-und-Nässe-Taufe.


Brunnen voraus, in der Bildmitte in Grün der Seelisberg.
Gestern stand ich um vier auf. Die Idee war, ins Unterwallis zu fahren und bei Saxon den Sentier de l'Abricot zu machen. Um fünf, 20 Minuten vor Abfahrt des Bähnlis im Zollikerberg, merkte ich, dass ich keine Lust auf die lange Reise hatte. Ich legte mich aufs Sofa, schaute ein wenig die Karte an, überlegte. Auch fiel mir ein, dass ich seit drei Wochen neue Wanderschuhe hatte, die ich einlaufen musste. Hohe von Lowa. Mein neuer Plan führte mich in die Innerschweiz.

Das Becken des Zugersees und seiner Verlängerung, des Lauerzersees, ist durch das Rigimassiv vom Becken des Vierwaldstättersees samt dem Urnersee getrennt. Ich nahm mir den östlichsten Pass vor, der vom einen Becken über das Massiv ins andere Becken führt, also den Pass von Ränggen auf 926 Metern. Am Lauerzersee bei der Bushaltestelle "Lauerz, Seegütli" startete ich. Stieg auf und war froh, irgendwann in den Wald zu kommen, die Sonne brannte, ich schwitzte. Im obersten Drittel war der Pfad glitschig mit hohen Tritten unter beeindruckenden Fluhen. Auf der anderen Seite des Berges gings abwärts nach Brunnen. Nach knapp drei Stunden (505 Meter aufwärts, 520 abwärts) erreichte ich dort den Bahnhof und fuhr wieder heim. Nein, das war keine lange Unternehmung. Doch meine Schuhe sind jetzt bereit für mehr. Was die Füsse angeht: Am linken montierte ich nach der ersten Stunde an der Ferse ein Pflaster, vorbeugend, ich glaube, ich hatte diesen Schuh zu fest verschnürt. Ansonsten gabs keine Probleme.