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Sonntag, 20. September 2020

C'est trop klobig

Gott sei Dank, der Weg war gestern offen.
 (Screenshot Schweizmobil)
Für gestern Samstag hatte ich eine anspruchsvolle Passwanderung im Sinn: die Überquerung der Bunderchrinde von Kandersteg nach Adelboden. Am Freitag wurde mir freilich klar, dass es am nächsten Tag just im Berner Oberland regnen würde. Und also stellte ich um und ging mit meinem Grüppli in den Neuenburger Jura. Wir zogen gestern über den Kamm des Mont Racine und der Tête de Ran, das war schön. Bei der Vorbereitung dieses Plans B war ich kurz beunruhigt, als ich auf Schweizmobil sah, dass beim Mont Racine offenbar ein längeres Wegstück auf der Krete gesperrt war. Ich klickte mich zur Information durch und fand heraus, dass das Militär dort im September schiesst. Aber nicht am Wochenende. Entwarnung, alles frei, ich atmete auf. Was mir an der Information auffiel: dass behördliche Texte auch auf Französisch - es gilt als elegante Sprache - schauderhaft umständlich und sperrig formuliert sind. Hier ein Satz aus der offiziellen Schiesswarnung:

Toute responsabilité est déclinée en cas de dommages dus à l‘inobservation des instructions données par les sentinelles ou celles figurant sur les  publications de tir. 
Beim Mont Racine. 

Samstag, 19. September 2020

Über dem Silsersee bröckelt es

Kurz mal Sperrzone: Plaun da Lej am Silsersee.
(Foto: Friedrich-Karl Mohr/Wikocommons)
Dass die Schweiz zunehmend bröckelt und rutscht, ist bekannt. Hier grad wieder ein Beleg: Gestern kam die Meldung, dass im Oberengadin ein Felsrutsch droht. Hoch über dem Silsersee hängen am Piz Lagrev und am Piz Mez lose Blöcke. Man muss sie aus dem Hang entfernen, die Malojastrasse soll dafür tagsüber zu gewissen Zeiten gesperrt werden. Am 28. September beginnen die Räumarbeiten und somit die Strassensperrung zwischen Sils Baselgia und Plaun da Lej, betroffen sind auch die Wanderwege in diesem Abschnitt. Bereits waren - eine Warnung - am 1. September riesige Blöcke talwärts gedonnert. 

Freitag, 18. September 2020

Kientaler Schlenderei

Wasser, Wasser, Wasser. Wer von der Griesalp hinab nach Kiental wandert, übertut sich nicht, es handelt sich um eine Schlendertour von 2 1/4 Stunden (104 Meter aufwärts, 555 abwärts), bei der man zuerst die Griesschlucht mit dem Pochtenfall durchquert, dann dem erst seit 1972 bestehenden, schon fast wieder verlandeten Tschingelsee folgt und schliesslich am Gornerewasser geht. Schön ist dieser Weg, den ich kürzlich kennenlernte.

Der unterste Teil des Pochtenfalles in der Griesschlucht.
Blick aus der Griesschlucht talwärts.
Der Tschingelsee.
Am Gornerewasser.

Donnerstag, 17. September 2020

Zitronenfalter und Vanilleshake

Hui, das ist aber steil! Treppe von der Sefinenfurgge hinab ins Kiental.
Auf Einladung weilte ich soeben im Berner Oberland und kam zu etwas, das ich mir schon lange vorgenommen hatte: Ich überschritt die Sefinenfurgge, 2612 Meter über Meer, die die Region des Lauterbrunnentales von der des Kientales und Frutigtales trennt. Das war happig, 1440 Höhenmeter aufwärts, 1405 abwärts, ich war, abgesehen von den Pausen, über sieben Stunden unterwegs. Doch wieder einmal muss ich sagen: Es hat sich gelohnt. Nach dem Start in Gimmelwald war schon das Sefinental eine Freude und Wucht, um mich flatterten die Zitronenfalter, und vor mir hatte ich eine unüberwindlich scheinende Felsbastion mit, unter anderem, dem Bütlasse-Massiv. Höher oben machte mir später die Einkehr in der Rotstockhütte Spass, ein Vanille-Milchshake lieferte mir die Energie für den zweiten Teil des Aufstiegs. Abenteuerlich fand ich vor der Furgge (und später auch nach ihr) die steilen Treppen mit dem sichernden Seitenseil. Und oben öffnete sich wieder einmal, wie das immer ist bei Gebirgspässen, eine neue Welt. Die des Kientales. Es begann der Abstieg hinunter zur Griesalp. Dort war ich dieses Jahr schon einmal und freute mich, wieder ein Zimmer im Hotel zu beziehen und fein essen zu können. Gern würde ich in dieser Saison ein drittes Mal dort schlafen, um die Gspaltenhornhütte zu erwandern. Ob ich dazu komme? Der Herbst schreitet voran, bald ist das Hochgebirge wieder vereist und verschneit.

Einige Zeit nach dem Wanderstart im Sefinental.

Die Rotstockhütte.
Ein göttlicher Gnadenstrahl trifft die Bundalp.

Mittwoch, 16. September 2020

Mein altes Haus


Kürzlich war ich wegen eines Interviews im Breitsch, wie das Breitenrainquartier in Bern meist genannt wird. Ich war eine Viertelstunde zu früh dran und fuhr darum eine Haltestelle weiter als geplant, bis "Parkstrasse". Dort stieg ich aus und erblickte sogleich mein geliebtes Haus Rodtmattstrasse 81. Im ersten Stock, dort, wo auf meinem Foto das Fenster offen ist, habe ich mehrere Jahre - in den Neunzigern - gewohnt. Es war vielleicht meine schönste Wohnung, gross, mit hohen Decken und abgewetzten Parkettböden. Geheizt wurde entweder in der Küche mit Öl, das man im Keller aus dem Tank in eine Kanne pumpte, oder in der Stube mit Holz, die Scheiter trug ich ebenfalls aus dem Keller hoch und bediente dann manchmal gleich auch Frau Maurer, die herrlich höfliche Vermieterin mit der kratzigen Raucherstimme. Sie ist meines Wissens verstorben. Und ich wohne längst in Zürich.

Dienstag, 15. September 2020

Die Propeller lösten sich auf

Die Savoia S.9 war ein Flugboot, das ab 1918 in Italien hergestellt wurde. Am 7. September 1920 starteten zwei dieser Maschinen am Lago Maggiore, sie sollten nach Finnland überführt werden. Über der Schweiz geschah etwas, das in dieser Krudheit im Flugwesen selten ist: Die Propeller lösten sich in ihre Bestandteile auf. Das eine Flugzeug stürzte südlich des Tödi ab, das andere endete vor Zollikon im Zürichsee. Der Schlussbericht der untersuchenden Behörde hielt fest, dass die Propeller schlecht verleimt gewesen waren. Insgesamt vier Besatzungsmitglieder starben bei den beiden Unglücksfällen, von denen ich kürzlich erfuhr, als ich meine Lokalzeitung "Zolliker Zumiker Bote" las.

P.S. Ein Flugboot ist ein Flugzeug, dessen Rumpf schwimmfähig ist. Das Foto (Wikicommons/Bundesarchiv) zeigt eine Dornier Do X aus dem Jahr 1929.

Montag, 14. September 2020

Hysterischer Samojede


Die Samojeden sind ein nordrussisches Volk, nach ihnen ist eine Hunderasse benannt. Samojeden sind Arbeitshunde, Schlittenhunde, Hütehunde und Wachhunde. In diversen Ländern um die Welt werden sie heute gezüchtet. Unlängst begegnete ich auf einer Alp einem Samojeden. Was für ein herrliches Hündli, dachte ich vorerst. Doch dann begann das herrliche Hündli eine Kuh um die andere zu verbellen und verfiel in die totale Hysterie; das junge Besitzerpaar konnte es nicht verhindern und wusste nichts anderes, als das eigene Tier anzuschreien: "Fertig jetzt, fertig!" Als ich weiterging, dachte ich: Nun ja, im hohen Norden gibt es halt keine Kühe.