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Donnerstag, 15. Oktober 2026

Heihei und der Bergsturz

Gestern, Blick zurück auf dem Gipfelgrat des Roggenstocks.
Hinten rechts knapp zu erkennen ist ein Stück Vierwaldstättersee.
Wer in der Ybrig-Region im Kanton Schwyz auf den Roggenstock steigt, wie wir das gestern taten, kommt an geologischen Thementafeln vorbei. Sie schauen weit in die Runde, erzählen also nicht nur von der Innerschweiz. Interessant, was man da so erfährt. Weiss jemand, welches der grösste prähistorische Bergsturz im Gebiet der heutigen Schweiz war? Das war der Bergsturz von Flims GR. 10 Kubikkilometer Gestein gingen nieder, die heutige Ruinaultaschlucht des Vorderrheins entstand im Gefolge des gewaltigen Rutsches. Geometrische Auffrischung: Ein Kubikkilometer – das ist ein Würfel, bei dem jede Kante einen Kilometer lang ist. Was mich beim Lesen auch berührte: Einer der zwei Autoren der Tafeltexte war mein – inzwischen längst verstorbener – Kantilehrer Hans "Heihei" Heierli, ein schweizweit bekannter Geologe. In gruseliger Erinnerung ist die mörderische zweitägige Säntistour, die unsere Klasse damals in den Siebzigerjahren mit ihm absolvierte.

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Vertikale Reise

Zweimal Tief und Weitsicht …

… vom Roche-Turm 2 in Basel bei bestem Wetter.
Oben gabs einen kleinen Apéro.
Das Roche-Areal am Kleinbasler Ufer des Rheins ist riesig, hier befindet sich der Firmensitz, hier wird verwaltet, geforscht, entwickelt, gefertigt. Zwei gewaltige Türme markieren den Standort. Der grössere, der Roche-Turm 2, vor vier Jahren fertiggestellt, ist mit 205 Metern Höhe das höchste Hochhaus der Schweiz. Am Montag konnten wir ihn besichtigen, besonders gefiel uns, dass man zuoberst im 47. Stock auf die Terrasse hinaus darf. Ich wüsste nicht zu sagen, was mehr Freude machte: die Sicht in die Ferne oder der Blick auf Basel selber mit dem Rhein, der Wiese, der Birs und den umliegenden Hügeln, von denen wir manche erwandert haben. Die allererste Sensation der Visite war zuvor die Liftfahrt gewesen, kaum ist man eingestiegen, ist man auch schon oben, 30 Sekunden nur dauert die Vertikalreise. Letztes Jahr gabs einen Tower-Run, der schnellste Läufer schaffte es in 6 Minuten und 37 Sekunden auf den Turm.
Grenzacherstrasse mit Roche-Gebäuden, in der Mitte der markant gestufte Turm 2.

Der linke ist 27 Meter höher: die zwei Türme von der Wettsteinbrücke aus.

Dienstag, 13. Oktober 2026

Schöne Nässe

Im Regen wandern ist auch schön. Als Abwechslung, im Kontrast zu sonnigen Unternehmungen, von denen die letzten Monate wimmelten. Man schwitzt nicht, man fröstelt. Am Samstag wars nass. Wir, Freund R. und ich, genossen das. Wir starteten in Erlenbach an der Zürcher Goldküste. Zogen das Erlenbacher Tobel hinauf zur Kittenmühle, gingen hinüber nach Wetzwil, stiegen wieder auf zum Pfannenstiel. In der "Hochwacht-Pfannenstiel" gabs Zmittag, wonach wir hinab ins nahe Egg hielten. 3 Stunden und 10 Minuten reine Gehzeit hatten wir gebraucht bei 480 Höhenmetern aufwärts und 250 Höhenmetern abwärts, eine lange Wanderung war das nicht. Aber doch eine, auf der wir sogennant schlechtes Wetter hatten erleben können mit allem Drum und Dran von den charmanten Nebelschleierchen über die wie lackiert glänzenden Blätter bis zu den pflotschnassen Wiesen.
Im Erlenbacher Tobel.

Widmer isst auch mal gesund.
Am Schluss in Egg besuchten wir wieder einmal die Wallfahrtskirche St. Antonius.
Warme Farben tun gut im Oktober: im Inneren der Kirche.

Montag, 12. Oktober 2026

Zopfzeit?

Zofingens altes Schützenhaus, das heutige Kunsthaus.
(Foto: Roland Zumbühl / picswiss / Wikicommons)

Am Freitag besuchten wir, wie gestern erzählt, das Zofinger Kunsthaus. Es ist im ehemaligen Schützenhaus untergebracht, das wiederum 1822 eingeweiht wurde. In der "Zopfzeit", wie ein Schild an der Fassade festhält. Zopfzeit? Ich musste das nachschlagen. So heisst eine kurze Übergangszeit zwischen Rokoko und Klassizismus im Möbelbau und in der Architektur. Wie der Ausdruck sprachlich zu erklären ist – da gibt es zwei Deutungen. Entweder geht er darauf zurück, dass die Männer in jener Epoche Haarzöpfe trugen. Oder aber das Wort nimmt Bezug auf die damals häufig benutzten Blattornamente und Blumengirlanden an den Häusern.

Sonntag, 11. Oktober 2026

Der Wolf in Zofingen

Wenn das nicht das Rotkäppchen ist! Ölgemälde "In the Pines"
von Andrea Nyffeler, 2026. (Foto: Kunsthaus Zofingen)
Graues Phantom: "Wolf" von Michael Günzburger,
Lithografie von 2014. (Foto: Kunsthaus Zofingen)
Das Hochzeitsauto.
Freitagnachmittag, ein Fährtli nach Zofingen. Beim Eintritt in die Altstadt passieren wir den mittelalterlichen Folterturm. Im Rathaus, stellen wir fest, wird gejasst. Pensionierte. Mit französischen Karten. Und am Niklaus-Thut-Platz kommen wir an einem splendiden Oldtimer vorbei, einem Ford Galaxie; ein Brautpaar ist in ihm zur Hochzeit chauffiert worden. Dann erreichen wir unser Ziel, das Kunsthaus, in dem eine kleine, aber durchaus feine Ausstellung vom "Wolf in der Gegenwartskunst" erzählt. Erfrischend zu sehen, was das politisierte Tier in der Malerei und anderen kreativen Sparten so auslöst. Die Zofingen-Visite hat inspiriert.

Samstag, 10. Oktober 2026

Die Tour vor dem Temperatursturz

Auf dem Gulmen liegt es sich schön. Hinten rechts die Churfirsten.
Begegnung bei Altschen.
Noch einmal wars warm, ja sogar heiss, als wäre Sommer. Wobei dann doch gegen Mittag erste, erstaunlich kalte Windböen aufkamen und den Temperatursturz ankündigten. Ich rede vom Mittwoch, an dem wir zu dritt eine Rundwanderung ab Amden machten, die "Bergtour" zu nennen ich mich nicht getraue. Dafür war das Gelände zu sanft. Den Gulmen bestiegen wir, 1789 Meter hoch, eine unscheinbare Kuppe, die aber einen gewaltigen Rundblick bietet. Via Tscherwald und Hüttlisboden stiegen wir auf, überschritten unseren Gemütlichgipfel und stiegen via Vorder Höhi, Altschen, Gschwendsegg und Büttel wieder ab zum Ausgangspunkt. Und wie es halt der Stil ist in meinem Grüppli: Mindestens einmal wird pro Unternehmung eingekehrt. In diesem Fall gönnten wir uns am Ende in der "Sonne" in Amden um halb vier Uhr nachmittags ein richtiges Mahl. Die Kalorien taten gut, wir waren doch fast fünf Stunden (reine Gehzeit) unterwegs gewesen bei je 935 Höhenmetern auf- und abwärts.
Der Gulmen, gesehen vor dem Hüttlisboden.

Fast oben. Unten der Walensee.

Ein bisschen anstrengend war …

… das letzte Stück vor dem Gulmen-Gipfel aber schon.

Freitag, 9. Oktober 2026

Echt gut

Die Lektüre lohnt sich, bin ich mir sicher.
Das nächste "Echtzeit"-Buch. Es erscheint
Ende Oktober, geschrieben hat es mein
ehemaliger Tagi-Kollege Philipp Loser.
Ich bin stolz darauf, dass ich meine sieben Wandern-und-vieles-mehr-Bücher beim Basler "Echtzeit Verlag" herausbringen konnte. Erstens ist das kein Bezahlverlag, in dem also der Autor jämmerlicherweise Geld hinüberschieben muss, damit sein Buch erscheint; bei "Echtzeit" machen sie ein Buch, weil sie an dieses glauben. Zweitens sind die "Echtzeit"-Bücher wunderbar gestaltet, oft verblüfft die visuelle Umsetzung. Drittens bin ich bei "Echtzeit" in bester Gesellschaft mit Journalistinnen und Journalisten, die ich je nach Person mag, bewundere, beneide. Und viertens sind zwei der drei Verleger seit mehr als zwei Jahrzehnten Freunde von mir. Wendelin Hess und Markus Schneider lernte ich bei der "Weltwoche" kennen. Dort kamen die beiden 2006 auf die Idee, einen Verlag zu gründen, in dem bald mein erstes Wanderbuch erschien. Nun feiert "Echtzeit" den 20. Geburtstag und blickt in einem schön lebendigen Text auf die Gründung und all die folgenden Jahre zurück. Ich gratuliere.