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Freitag, 31. Juli 2026

Durst

Auf halbem Weg von Grandval BE auf den Mont Raimeux: Schutzhütte und Schatten.
Letzte Meter zum Gipfel (versteckt in den Bäumen). Die Weide würde gern wieder mal trinken.
Tiefblick während des Abstiegs ins Tal, aus dem wir kamen.
Widmer. Die Erschöpfung ist gespielt.
Und das Bier war himmlisch.
Was für eine tolle Landschaft, der Jura hat einfach Charisma. Am Mittwoch stiegen wir von Grandval im Berner Jura gut 750 Meter auf; Ziel war der  Mont Raimeux mit dem aparten Aussichtsturm, der bei mir seit Jahren unter Bröselverdacht steht, er ist ja doch schon mehr als 120 Jahre alt. Nun, wir erklommen das Betonding ohne Probleme, das habe ich gestern berichtet. Vom Gipfel stiegen wir alsbald wieder ab ins Nachbardorf von Grandval, Crémines. Ein Aufsteller, dass wir dort das Restaurant de la Croix Blanche offen vorfanden und um halb zwei Uhr zu einem Zmittag kamen, der erst noch günstig war: Rindsentrecôte mit Gemüse und Reis sowie einem Salätli für 22 Franken.

Was mir von der vierstündigen Unternehmung (750 Hm aufwärts, 725 Hm abwärts) auch bleiben wird: die Hitze. Wir hatten damit gerechnet, auf dem Raimeux in der Bergerie du Signal einkehren zu können. Aber sie war zu; dass das Restaurant du Raimeux de Crémines an diesem Tag geschlossen sein würde, hatten wir schon im Voraus gewusst. Die Folge der Beizenlosigkeit: Unsere Wasservorräte wurde knapp, in der letzten Stunde litten wir Durst. Ging aber schon. Leid taten mir die Kühe, die im staubigen, total ausgetrockneten Weidegelände des Raimeux unter den wenigen Bäumen dicht an dicht standen, bewegungslos, von den Fliegen geplagt. Arme Tiere. Wie gut es wir Menschen doch hatten: Unten in Crémines gabs kaltes Panaché-Bier. Selten habe ich so gierig getrunken.
In Crémines BE: Zmittag gut, alles gut.

Donnerstag, 30. Juli 2026

Ich kam durch, hurra!

Widmer auf halbem Weg zur Plattform des Raimeux-Aussichturms. Kollege A. ist schon oben.
Blick vom Turm nach Norden in den Kanton Jura.
Auf dem Mont Raimeux war ich in den letzten Jahrzehnten zwei Mal. Gestern bestieg ich ihn mit drei Freunden zum dritten Mal, das war schweisstreibend wegen der Hitze. Unsere Wanderung spielte sich praktisch ganz auf bernjurassischem Terrrain ab. Oben freilich, wo der Berg gegen Norden brüsk abbricht, erreichten wir die Grenze zum Kanton Jura; der Gipfelpunkt des Mont Raimeux, 1302 Meter über Meer, ist auch der höchste Punkt des Kantons Jura. Gut achteinhalb Meter höher gelangt, wer den Aussichtsturm von 1902 besteigt, der im Ersten Weltkrieg als Flieger-Beobachtungsposten diente. Keine Treppe, sondern eine mit einem Käfig gesicherte, 28-sprossige Leiter führt hinauf. Gut, wenn man nicht zu dick ist. Sonst bleibt man womöglich stecken. Ich kam durch, hurra!
Durch diese enge Öffnung gehts auch wieder runter.

Mittwoch, 29. Juli 2026

Ein Wiedersehen

Kollege Anex an der Arbeit, Regina Martin posiert im Atelier ihres Wohnhauses.
Heute erscheint in der "Schweizer Familie" meine zehnseitige Reportage über die Ferienregion Gstaad, Anlass ist natürlich der "Schweizer Familie"-Wandertag, der dieses Jahr – am 29. August – in Gstaad stattfindet. Mitte Juni war ich mit Fotograf Sébastien Anex vor Ort, wir schauten uns zwei Tage um, trafen einen ehemaligen Profiskirennfahrer, den Geschäftsführer der örtlichen Molkerei, eine frohe Wanderfamilie, beschauten uns Landschaften und liessen die Drohne steigen. Besonders freute mich die Begegnung mit Regina Martin – es war ein Wiedersehen. Sie, die Scherenschnittkünstlerin, eine Bauerntochter aus dem nahen Lauenen, hatte ich vor neun Jahren auf einer Medienreise kennengelernt. Am Wandertag wird sie an einem Stand auf dem Festplatz demonstrieren, wie ein Scherenschnitt zustandekommt. Wer Lust hat, darf unter ihrer Anleitung selber zur Schere greifen und ausprobieren.

Dienstag, 28. Juli 2026

Boubétch?

Das Wappen von Valbirse BE. Es zeigt den Fluss Birs und die grünen Juraberge;
die Sterne stehen für die drei früheren Gemeinden, die sich zusammenschlossen.
Drei bernjurassische Gemeinden, Bévilard, Malleray und Pontenet, schlossen sich 2015 zu einer neuen Gemeinde zusammen: Valbirse. Ein kleines Problem ist noch ungelöst: Wie sollen die Einwohnerinnen und Einwohner von Valbirse heissen? Im Rahmen einer behördlichen Umfrage wurden 55 Vorschläge gesammelt. Ein Komitee hat drei von ihnen ausgewählt, Ende September wird abgestimmt, welche Bezeichnung in Zukunft gilt. Zur Auswahl stehen:

  1. Valbirsiens/Valbirsiennes.
  2. Valbirsois/Valbirsoises.
  3. Boubétch. Diese Variante geht zurück auf einen alten Spitznamen für Pontenet. Wäre seltsam, wenn sie obsiegen würde, da sie sich ja nur auf eine der drei vormaligen Gemeinden bezieht.

Montag, 27. Juli 2026

Zoll einst, Zoll heute

Markantes gelbes Haus in Cantine di Gandria: Im einstigen
Grenzwachtposten ist das Schweizerische Zollmuseum einquartiert.
Im Vorgarten des Museums ausgestellt: Schlagbaum mit Unterstand.
"Meine Schwester hiess Elvezia. Sie trug
den Namen des Landes, das uns aufgenommen hat."
Hart an der Grenze zu Italien findet sich in Cantine di Gandria am Luganersee ein hübsches Stück Eidgenossenschaft. Das Schweizerische Zollmuseum, in einem ehemaligen Grenzwachtposten untergebracht, ist Teil des Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit und wurde 1943 gegründet. Das Haus ist reich dotiert, stellten wir letzte Woche bei unserem Besuch fest. Es zeigt die Lebenswelt der Zöllner von einst, die – zum Beispiel am Luganersee – den Schmugglern nachjagten, dokumentiert aber auch, wie heute, etwa im Basler Rheinhafen, gearbeitet wird. Es gibt einen Raum, der sich dem Zweiten Weltkrieg widmet, und eine Fotoausstellung zur internationalen Migration in der Gegenwart. Plus dokumenieren Fundstücke, etwa Elefantenstosszähne, das Engagement für den Artenschutz, also gegen die klandestine Einfuhr illegal erjagter Trophäen. Wirklich gut, dieses Museum. Bis 18. Oktober ist es geöffnet, der Eintritt ist gratis.

Büroarbeiten.

Artenschutz: Elefantenstosszähne und andere sichergestellte Dinge.

Sonntag, 26. Juli 2026

Ruhe am Luganersee

Im Grotto Descanso ist es nie heiss.
Schön, hier gegessen zu haben.

Die grillierte Luganigha hatte einen feinen Zimtgout.
Am Freitag fanden wir am Luganersee unser Traumgrotto. Cantine di Gandria liegt gegenüber Gandria und war früher der Ort, wo der Wein von Gandria in Kellern ("Cantine") gelagert wurde. Ob das heute noch so ist, kann ich grad nicht sagen. Hin kommt man nur mit dem Schiff, gemütlich und schön ruhig – Elektroantrieb – fuhren wir von Lugano aus übers Wasser. Das Grotto Descanso ist im Schatten platziert, gegenüber sieht man den Monte Brè und den Monte Boglia, ein kühles Windchen umweht einen, man möchte eigentlich gar nicht mehr fort. Wobei wir doch froh waren, früh dran zu sein: Als wir gegen zwei Uhr Nachmittags aufbrachen, hatte sich die Terrasse ziemlich gefüllt; viele Leute reisen, stellten wir fest, mit dem privaten Motorboot an. Sehr gut war das Essen gewesen, ich hatte eine Luganigha vom Grillblech mit Polenta, meine Begleiterin Polenta mit einem Steinpilzragout, dazu tranken wir einen leichten Roten aus Ascona. Angesichts der Wetterprognose, die die nächste Hitzewelle ankündigt, würde ich am liebsten die nächsten Wochen Tag für Tag im "Descanso" einkehren. Dessen Name ist spanisch und bedeutet "Ruhe", "Pause", "Erholung". Er geht auf einen Mann aus Lugano zurück, der in der Jugend nach Südamerika ausreiste und später in die alte Heimat zurückkehrte. Als Ruheständler eben.

PS: In Cantine di Gandria besuchten wir das Schweizerische Zollmuseum. Davon erzähle ich in einem eigenen Eintrag.

Der Kapitän steuert ...
... Cantine di Gandria an.

Samstag, 25. Juli 2026

Büne und Lukas


Wir fuhren im vordersten Waggon des Zuges "Gurten" von Einsiedeln hinab nach Wädenswil, und mir fiel der etwas kryptische Spruch in Grossbuchstaben neben der Kamera auf: "Lukas the Lokomotivführer is watching you!" Ich fand ihn ein wenig launig, weswegen die Anspielung auf die Jim-Knopf-Geschichten, in denen der Lokführer Lukas heisst? Erst beim Aussteigen realisierte ich dann, dass der Waggon mit vielen anderen Dingen verziert ist, mit Bildern vor allem. Der Berner Büne Huber, "Patent Ochsner"-Sänger und Künstler, steht dahinter; er durfte für die Südostbahn den Waggon gestalten.