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Dienstag, 26. Mai 2026

Die Romanoff-Woche

Obere Reihe: der Romanoff im Solothurnischen.
Untere Reihe: der Romanoff im Ausserrhodischen.

An was merkt man, dass der Sommer praktisch da ist? Daran, dass der Widmer wieder Coupe Romanoff bestellt. Letzte Woche passierte das grad zwei Mal in drei Tagen. Den ersten Romanoff nahm ich am Ende eines sehr feinen Essens im "Kreuz" in Metzerlen SO – wie zuvor die Spargeln mit Pouletbrust liess er nichts zu wünschen übrig. Den zweiten Romanoff gabs dann am Pfingstsamstag im Restaurant bei der Schwägalp-Passhöhe, Kanton Appenzell Ausserrhoden. Er schmeckte noch besser. Nicht, weil er objektiv betrachtet exquisiter komponiert gewesen wäre – nein, der Hochgenuss ergab sich in diesem Fall daraus, dass wir zuvor fünf Stunden anstrengend gewandert waren bei sehr warmem Wetter. Und jetzt … freue ich mich auf Romanoff Nr. 3, wo auch immer er auf mich wartet.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Bei Anruf Service!

Es gibt doch diesen Hitchcock-Thriller "Bei Anruf Mord". Im Film von 1954, der auf Englisch einen ganz anderen Titel hat, will ein Mann seine Frau umbringen. Die Sache geht allerdings schief. Gerade eben stiess ich auf unserer Wanderung von Rafz nach Andelfingen im deutschen Grenzdorf Nack auf eine Werbetafel, die mir die alptraumhafte Geschichte wieder in Erinnerung rief. Siehe Foto.


Dienstag, 21. Oktober 2025

Null Stress

Das Feuerwehrhüsli von Wynigen.
Rüedisbach.
Das Knuddeltier des Tages.
Letzten Samstag gingen wir von Wynigen via Rüedisbach und Richisberg zum Hirsernbad, assen dort hervorragend (siehe gestern) und hielten dann der Strasse entlang nach Ursenbach und zum Bahnhof von Kleindietwil. Mit anderen Worten: Wir zogen vom Emmental in den Oberaargau. Etliche Dinge waren bemerkenswert an der viereinhalbstündigen Tour (525 Hm aufwärts, 495 Hm abwärts). So stellten wir fest, dass es das lange Wanderwegstück von Wannenthal bis hinab in den Thörigraben nur auf der "Schweizmobil"-Karte gab, vor Ort war der Wanderweg aufgehoben, bloss an einigen Stellen sahen wir übriggebliebene Markierungen. Kein Problem. Freude machte uns das Wetter, zwar war die Sonne eher diskret präsent, doch immerhin: für einmal kein Hochnebel. Und hell wars durchaus. Noch viel besser war, dass wir die ganze Zeit über keine anderen Wanderinnen und Wanderer trafen und auch keine Velöler; aus meinem Umfeld vernahm ich später, dass die Züge von Zürich Richtung Graubünden, Innerschweiz, Berner Oberland, Wallis an diesem Wochenende pumpenvoll gewesen waren. Totalüberfüllt. Wir hingegen hatten es so etwas von ruhig – dieser Samstag war völlig stressfrei.
Zwischen Richisberg und Hirsern.

Montag, 6. Januar 2025

Wintertraum Horgenberg

Auf dem Horgenberg.
Der Bergweiher, ebenfalls Horgenberg.
In der reformierten Kirche Hirzel – ist dies
der Thron des Pfarrers, der Pfarrerin?
Knapp zweieinhalb Stunden brauchten wir am Samstag für die Wanderung vom Bahnhof Horgen Oberdorf nach Hirzel, wir waren dabei nicht auf der Direttissima unterwegs, sondern machten unter Führung einer Ortskundigen ein paar Umwege; natürlich schauten wir uns auch den Bergweiher auf dem Horgenberg an, einen Stausee, den die örtlichen Müller vor etwas mehr als 300 Jahren anlegten, um den Wasserzufluss zu ihren Mühlen besser zu steuern. Die Winterlandschaft, sie war ein Traum. In Hirzel angekommen, steuerten wir das Johanna-Spyri-Museum im einstigen Schulhaus an. Mehr zum Museum morgen. Nach einem Blick in die Dorfkirche nahmen wir einen Apéro in der Cafeteria des nahen Wohn- und Pflegeheims Spyrigarten und wurden von einer Truppe von Kindern überrascht, die als Heilige Drei Könige mit Gefolge kostümiert waren und uns zwei Lieder sangen. Das war reizend. Es folgte die Busfahrt talwärts Richtung Horgen, die wir freilich im Weiler Wührenbach unterbrachen für eine Einkehr im "Schwyzerhüsli". Das Essen dort war sehr gut und der Service überaus freundlich, auch diese Station unserer samstäglichen Unternehmung hat sich gelohnt.
Im Heim Spyrigarten nahmen wir einen Apéro.
Mein Zander im "Schwyzerhüsli".

Montag, 4. November 2024

Ein Thurgauer und ein Oligarch

Am Samstag waren wir das letzte Mal als Jakobspilgerinnen und -pilger unterwegs auf der Strecke von Konstanz nach Genf, wir zogen von Nyon nach Versoix. Fünf Stunden brauchten wir für die gut 20 Kilometer, genossen noch einmal das ganz eigene Pilgergefühl, zu dem gehört, dass der Weg der Weg ist, ob er nun durch schmucke Rebhänge führt oder einem zwei Kilometer Trottoir an einer vielbefahrenen Strasse serviert. Hier fünf Schnappschüsse.

In Nyon VD war Markt. Angesichts der Auslagen packten mich Kochfantasien. Weil ich aber den
Rucksack nicht vollpacken mochte, konnte ich nicht kaufen. Das war hart. (Foto: Ronja)

Das Château de Garengo in Céligny GE wechselte letztes Jahr die Hand.
Neuer Besitzer ist ein russischer Oligarch. Kaufpreis: 64 Millionen Franken.
Deutschsprachige Reklame vor dem Volg in Founex VD.
Das Areal La Bécassière in Versoix GE bietet Standplätze für
Hunderte von Schausteller-Vehikeln. 
Heimfahrt. Den Wein, einen Gamaret, hatte ich im 
Weingut Château de Crans VD gekauft.

Freitag, 2. Februar 2024

Gotthelf, Gotthelf, Gotthelf

Die Wanneflue bei Ramsei.
Gotthelf-Regal im Restaurant
Ochsen in Lützelflüh.
Erst jetzt komme ich dazu, von der Emmentalwanderung zu erzählen, die ich letzte Woche mit Freund Christian unternahm. Nun, lang war sie nicht. Aber schön war das schon, von Zollbrück der Emme entlang nach Lützelflüh zu flanieren. Zwei Stunden brauchten wir, die langen Geraden luden förmlich dazu ein, gar nicht gross auf die Landschaft zu achten, sondern dies und das zu bereden. Am Ziel in Lützelflüh schauten wir in die Kirche, in der Jeremias Gottfhelf einst predigte, warfen einen Blick auf das Gotthelf-Denkmal und stiegen in einem Abstecher auch noch zur Gotthelf-Gedenkstätte etwas oberhalb des Dorfes auf, von der der Blick zu den Alpen unverstellt ist. Gute Sache, diese Unternehmung. Und es kam ja etwas noch hinzu: Wir assen im "Ochsen", in dem auch Gotthelf einst verkehrte. Der altehrwürdige Gasthof hatte in letzter Zeit mit Wirtewechseln zu kämpfen. Was das jetzige Pächterehepaar angeht, das den Betrieb letzten Herbst übernahm, kann ich nur sagen: Sie war im Service freundlich und aufmerksam, und er kocht sehr gut. Cordon bleu und Siedfleisch: War beides impeccable. Gotthelf, ich bin sicher, hätte mir zugestimmt.
Die Gotthelf-Gedenkstätte, unten Lützelflüh.
Die stattliche Kirche.

Montag, 27. November 2023

Wir blieben trocken

Knonau, Wanderstart.
Blauer Himmel zwischen Knonau und Maschwanden.

Am Samstag starteten wir in Knonau, folgten dem Haselbach nach Maschwanden, gingen hinab zur Reuss und an ihrem Ufer nordwärts bis zur Strassenbrücke, wechselten im Folgenden vom Kanton Zürich in den Kanton Aargau und von reformiertem zu katholischem Terrain. In Merenschwand, notabene Geburtsort der früheren Bundesrätin Doris Leuthard, nahmen wir den Zmittag und durchquerten dann das Maiholz, um schliesslich nach knapp vier Stunden Gehzeit Muri zu erreichen. Dort besuchten wir noch die Klosterkirche und das Klostermuseum, bevor wir heimfuhren. Hier drei Dinge, die an dieser Unternehmung besonders gefielen.
Gott sei Dank hatte der Widmer
im "Huwyler" reserviert. Das
Lokal war nämlich ziemlich voll.

  1. Das Wetter. Wir hatten mit Regen oder Schneeregen gerechnet. Tatsächlich graupelte es mal kurz zehn Minuten. Ganz fein, die Körnchen, die vom Himmel fielen, waren rührend klein. Ansonsten genossen wir tatsächlich eine gute Stunde Sonnenschein. Und blieben den ganzen Tag über trocken.
  2. Der Weiher im Maiholz. In der kalten Jahreszeit haben Waldgewässer etwas unnachahmlich Verträumtes. Totholz, Schlick, Laubhaufen. Die spiegelnde Wasserfläche. Stille.
  3. Das Restaurant Huwyler. Schon der Service war flink. Obwohl die Beiz pumpenvoll war und wir im Säli platziert wurden, was in anderen Fällen heisst, dass bestenfalls alle 15 Minuten mal eine Servierkraft reinschaut. So wars aber nicht, wir wurden bestens versorgt mit Speisen von Rahmschnitzel über Hamburger und Rösti mit Ei bis Herbstteller vegetarisch. War alles gut. Zum Schluss ass ich einen Coupe Nesselrode, obwohl ich mir geschworen hatte, dieses Jahr keinen Coupe Nesselrode mehr zu essen, weil er dick macht. Aber wenn auf der Speisekarte dieses und andere Desserts gleich in drei Formaten bestellbar sind (mini, klein, gross), dann gibt man nach. Mein Minicoupe war genau richtig in der Grösse. Er machte mir kein schlechtes Gewissen.
    Der Weiher im Maiholz eine halbe Gehstunde vor Muri.

Mittwoch, 20. September 2023

Das Eschenrad

Die Alp Wielesch, Gemeinde Gommiswald SG.

Gern komme ich noch einmal auf die Alp Wielesch oberhalb von Rieden zurück; eben berichtete ich, dass wir dort am Samstag im Alpbeizli eingekehrt waren und uns sehr wohl gefühlt hatten. Nun muss noch der spezielle Flurname Wielesch erklärt werden, den es übrigens auch im Glarnerland gibt. In der zweiten Silbe von Wielesch steckt die Esche, womöglich ist speziell die Eberesche gemeint. Der Namensteil wiel wiederum – das finde ich überraschend – ist verwandt mit englisch wheel, Rad. Aus dem Holz der Eberesche stellte man einst Wagenräder her.

Donnerstag, 3. August 2023

Storchenproblem im Storchendorf

Das Wappen von
Oetwil am See ZH.
(Wikicommons)
Als wir am Samstag in Oetwil am See loswanderten, freuten wir uns grad sofort, in der Langholzstrasse, über die Störche ganz in der Nähe; die einen Nester sind auf Stangen platziert, die anderen auf Dachfirsten. 1979 waren die Weissstörche hierzulande praktisch ausgestorben. Ein nationales Aufzuchtprogramm startete, auch Oetwil, das seit 1836 einen Storch im Wappen führt, beteiligte sich am Versuch, neue Populationen heranzuziehen. Das Unterfangen klappte spektakulär, gemäss der Gesellschaft Storch Schweiz gibt es heute 887 Storchenpaare im Land, viel mehr, als man vorsah. Oetwil, das oft als "Storchendorf" bezeichnet wird, habe seit einiger Zeit ein Problem mit den vielen Störchen, las ich diesen Frühling in der "Zürichsee-Zeitung". Viele Leute wollen keine Störche auf ihrem Dach, nur schon wegen der Ausscheidungen, die an den Dächern weissliche Spuren zeitigen. Rutscht ein Nest ab, kann es die Dachrinne blockieren. Auch sind die Revierkämpfe um bestehende Nester nicht immer schön anzuschauen. So kommt es, dass der örtliche Storchenverein jetzt Einwohnerinnen und Einwohner beraten muss, die auf ihrem Dach kein Nest möchten. Wer bei sich keine Störche will, montiert zur Abschreckung stumpfe Nadeln. Oder lässt auf dem First eine Kupferschicht anbringen, auf der die Vögel keinen Halt finden; zudem erhitzt sich die Schicht im Sommer zu einer sehr ungastlichen Temperatur. Manchmal hat man halt einfach zu viel Erfolg. Auch das kann ein Problem sein.

PS: Wie es mir gestern Mittwoch im Wallis erging und was meine Wanderung mit Asien zu tun hatte – mehr dazu morgen und übermorgen.

Dienstag, 11. Juli 2023

Wenn sich Felsen küssen

Einer der Giessbachfälle von nahe, hinten das Hotel Giessbach.
Hübsche Ecke im Hotel.

Müde Touristen in Iseltwald.
Wie erfrischend fallendes Wasser anmutet im Hitzesommer! Allein der Anblick. Am Samstag machten wir eine dreieinhalbstündige Wanderung am Brienzersee, die uns zum Ferienhaus von Freunden führte. Wir nahmen in Interlaken das Schiff, fuhren bis Giessbach, beschauten uns als erstes in aller Ruhe das Belle-Epoque-Hotel etwas über dem See. Und nahmen dann den Schluchtweg, der sich am Rand der Giessbachfälle in die Höhe schraubt. Abenteuerlich war er, der Steig. Aussichtsreich. Und das Sprühen, Brausen, Spritzen des Wassers tat gut. Auf der Schweibenalp – alpine Permakultur, Kiosk, Garten – rasteten wir, wischten den Schweiss ab, hielten einige Zeit darauf hinüber und hinab nach Iseltwald. Kurz vor dem Ziel leisteten wir uns den gut halbstündigen Abstecher zum Farnihubel und fanden, dass arm dran ist, wer dieses Spektakel verpasst. Nicht in erster Linie der Blick über den ganzen Brienzersee macht es aus, den man vom höchsten Punkt hat. Der Farnihubel selber ist so speziell. Das schummrige, schattige, feuchte Gelände. Die gewaltigen Felsblöcke. Das vorkragende Dach, das sie an einer Stelle bilden. Die üppige Vegetation dazwischen mit Moosbärten und Hirschzungenfarnen. Die hohe Felswand im Hintergrund. Die kühle Brise, die das alles umweht. Wir waren begeistert. Bald darauf erreichten wir Iseltwald. Und nahmen mit unseren Freunden einen späten Zmittag im Chalet du Lac. Er machte die Unternehmung rund.
Der Brienzersee mit der Halbinsel von Iseltwald, Blick vom Farnihubel.
Wenn sich Felsen küssen: am Farnihubel.

Dienstag, 4. April 2023

Violett verhüllt

In der St.-Antonius-Kirche in Schwaderloch AG.

In Schwaderloch, wo wir am Samstag zu unserer Fricktalwanderung starteten, fanden wir in der modernen – und sehr schönen – Kirche das Kreuz verhüllt von einem violetten Tuch vor. Später in der Kirche in Mettau dasselbe: violett verhülltes Kreuz. Um eine vorösterliche Gepflogenheit der Katholiken handelt es sich, meist wird das Kreuz einen Sonntag vor dem Palmsonntag (er war vorgestern) verdeckt; am Karfreitag dann, am Tag der Kreuzigung Jesu, wird das Tuch wieder abgenommen. Für diesen Brauch gibt es einige Erklärungen, hier zwei. Die  erste Erklärung ist historischer Art, es gab eine Zeit, in der Kreuze mit dem geschundenen Jesus selten waren, stattdessen dominierten die "Triumphkreuze", die mit Gold und Edelsteinen geschmückt waren. So etwas Protziges passte natürlich nicht zum Karfreitags-Thema des Leidens, darum die Verhüllung. Die zweite Erklärung ist eher philosophisch. Was man verhüllt, das macht man sichtbar. Das Kreuz, das in der Karwoche im Mittelpunkt steht, wird mit einem Tuch markiert, sodass es sofort auffällt. Und umso stärker wirkt dann am Karfreitag die Enthüllung. Die violette Farbe des Tuches wiederum ist eine der Liturgiefarben des Katholizismus. Sie steht für das Fasten, in diesem Fall für das Fasten vor Ostern.

Dienstag, 28. März 2023

Viel gesehen, wenig erfahren

Den Berner Zytgloggeturm kenne ich aus der Studienzeit. Der Zytturm von Zug aber ist mir erst seit Samstag ein Begriff, als wir ihn besichtigten. Obwohl er doch als Wahrzeichen der Stadt Zug gilt, war er mir bisher nie aufgefallen. Unsere Visite begann damit, dass wir in einem Krims-Krams-Lädeli gleich nebenan den Schlüssel holten. Im Innern des Turms, der tief im Mittelalter wurzelt und Teil der Stadtmauer ist, stiegen wir dann auf, passierten zwei Verliese, sahen ein Uhrwerk, blickten aus den Fenstern in einiger Höhe auf die Altstadt. Das war toll. Wie hoch wir gestiegen waren, kann ich aber nicht sagen. Und auch sonst habe ich viel gesehen, aber kaum etwas erfahren. Denn es gab im Turm keine Schilder, die Dinge erklärt hätten.

Dienstag, 6. Dezember 2022

Kentenich am Walensee

Das Zentrum Neu-Schönstatt in Quarten SG, Restauranteingang.
Ein Teil des Zentrums, hinten die Kapelle.

Wenn ich eine Wanderung plane, schaue ich, ob es am Weg ein Restaurant gibt. So kam ich auf das Hotel "Neu-Schönstatt" in Quarten, zu dem auch eine Kapelle und ein Tagungszentrum gehören. Tatsächlich assen wir an dem aussichtsreich über dem Walensee gelegenen, von Nonnen geführten Ort letzten Samstag zu Mittag. Später schlug ich die Geschichte der Anlage nach. Ich fand die Schönstattbewegung. Sie geht zurück auf den deutschen Priester Josef Kentenich, 1885-1968, der als junger Mann seine eigene Sicht des katholischen Glaubens formulierte. Inmitten seiner Kirche, die geprägt war vom Klerus, von Regeln und Riten, vom Druck der Hierarchie, setzte er auf den Einzelnen, dessen individuelle Beziehung zu Gott, dessen Entwicklung zu einem ganzen Menschen – ich fasse zusammen, was ich las. Was aus Kentenichs Wirken hervorging, heisst "Schönstattbewegung", weil dieser lange in Schönstatt bei Koblenz tätig war. Im zweiten Weltkrieg sass der Pater im KZ Dachau ein. Das macht mir Eindruck. Gleichzeitig gibt mir zu denken, dass Kentenich später sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden, was dazu führte, dass das kirchliche Verfahren zur Seligsprechung ausgesetzt wurde. Kann man alles in Wikipedia nachlesen – und wieder einmal gilt: Wer wandert, trifft auf alles, was zwischen Himmel und Erde geschieht.

Samstag, 29. Oktober 2022

Turmrecycling nach Bündner Art

Sogn Luregn. Die Strassenbrücke im Foto oben links verbindet Uors mit Surcasti.
Wo der Valser Rhein (rechts) in den
Glenner (links) mündet, steht die Kirche.

Graubünden ist reich an beeindruckenden Kirchen und Kirchlein, denken wir etwa an die Kirche von Mistail bei Tiefencastel, die aus der Karolingerzeit stammt. Diese Woche lernte ich ein Exemplar kennen, das atemberaubend platziert ist. Nämlich auf einem halbinselartigen Felssporn dort, wo der Valser Rhein nah Surcasti und Uors in den Glenner einmündet, den Hauptfluss des Lugnez. Im Mittelalter stand an diesem Ort eine Burg, die einem regionalen Adelsgeschlecht gehörte. Später verdrängte eine Kirche, die man dem heiligen Laurentius (Sogn Luregn) widmete, die Burg. Deren Turm dient seither als Kirchturm, daran änderte auch ein Neubau aus dem frühen 16. Jahrhundert nichts. Was für eine trutzige Gottesfestung!
Die Gottesmutter in der Kirche Sogn Luregn leidet und lächelt.

Dienstag, 20. September 2022

Der Chef hat nicht immer recht

Holzkreuz und Gedenkstein mit den Namen der Opfer: hier prallte das Flugzeug auf.
Das Denkmal am Haggenberg
steht auf Weiacher Boden und ist
auf der Karte eingezeichnet. 
Man nennt diese Art Vorkommnis in der Fliegersprache "controlled flight into terrain". 14. November 1990 gegen acht Uhr abends, eine Alitalia-Maschine, die in Mailand gestartet ist, befindet sich kurz vor ihrem Ziel, dem Flughafen Zürich. Doch ein Anzeigeinstrument des Piloten ist defekt, so dass er nicht erkennt, dass man 300 Meter zu tief unterwegs ist. Das Instrument des Copiloten funktioniert, er will durchstarten, wird vom Captain aber zurückgehalten. Und so kommt es, dass das Flugzeug in den Hang des Stadlerbergs, genauer gesagt des Haggenbergs rast. Alle 46 Menschen an Bord sterben. Am Samstag kamen wir am Ort vorbei, wo es geschah, ein Gedenkstein und ein Holzkreuz erinnern an die Katastrophe.
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Montag, 20. Juni 2022

Stägeli uf, Stägeli ab

Geradeaus gings selten auf unserem Höhenweg (hier ein Blick zurück).
Der Zacken am Horizont rechts der Bildmitte ist der Chaiserstock.

Wir fuhren am Samstag mit der Standseilbahn auf den Stoos, das Schwyzer Feriendorf. Und fuhren gleich weiter mit dem Sessellift zum Klingenstock. Dort begann unsere Panoramawanderung hinüber zum Fronalpstock. Zwei Stunden brauchten wir, es war ein stetes Auf und ab mit unzähligen Stufen, fantastisch war die Sicht auf Berge wie Ortstock und Höch Turm, Chaiserstock und Rossstock, Niederbauen und Oberbauen. Und praktisch mit jedem Schritt zeigte sich mehr von der blauen Fläche des Urnersees, Sisikon lag uns bald zu Füssen. Dies sei der schönste Treppenweg der Schweiz, befand Mitwanderin Ronja auf dem Fronalpstock. Sie hatte recht. Wir machten dort dann nicht grad Schluss, sondern wanderten nach einer Pause, statt mit Sessellift Nummer zwei talwärts zu fahren, hinab zum Stoos. Dreieinhalb Stunden dauerte so die ganze Unternehmung, die auf der schattigen Terrasse des Restaurants Gadä auf dem Stoos ausklang – mit Hamburgern, Pommes und Bier. 

Donnerstag, 21. April 2022

Das Legendenloch

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Den "Ughür Brunnä", Höhe 4,5 Meter, hätten die Römer angelegt, um Menschen hineinzuwerfen. In ihm gebe es eine Kiste mit Geld, auf der als Bewacherin eine Hexe sitze. Eine Riesenschlange hause auf dem Grund, vor der man sich hüten sollte. Mit solchen Geschichten hat sich das wassergefüllte Loch am nördlichen Fuss des St. Georgenbergs, wie der Felssporn über Berschis im Seeztal heisst, das Adjektiv "ungeheuer" zugezogen – ungeheuer im Sinn von: nicht geheuer. Als wir am Samstag vorbeikamen, war da keine Hexe. Und leider auch keine Geldkiste. Um eine Gletschermühle handelt es sich beim "Ughür Brunnä" wohl. Vor etwa 50 Jahren pumpte man das Wasser ab und entdeckte von Menschenhand eingehauene Stufen. Sie scheinen wirklich antiken Ursprungs zu sein. Die Römer, die auf dem St. Georgenberg siedelten, brachten die Stufen vermutlich an, um leichter vom Wasser schöpfen zu können. Wer sich den Ort ansehen will, der auf der Karte markiert ist: Bei der Lourdesgrotte am Fusse des Berges zeigt ein Wegweiser den Pfad an, der hinführt.

Montag, 7. Februar 2022

Die Tour de Rafzerfeld

Blick vom Schürlibuck auf einen Teil des Rafzerfeldes.

Die Grafen von Sulz, ein süddeutsches Geschlecht, waren in Geldnot. 1651 verkauften sie ihren Schweizer Nachbarn deswegen definitiv ein riesiges Stück Land. So kam der Kanton Zürich zum Rafzerfeld nördlich des Rheins, das an Deutschland und an den Kanton Schaffhausen stösst und heute aus vier Gemeinden besteht. Am Samstag erkundeten wir das Rafzerfeld in einer knapp fünfeinhalbstündigen Wanderung. Wir zogen vom Bahnhof Hüntwangen-Wil via das Amphitheater von Hüntwangen nach Wasterkingen, stiegen auf zum Hof Bergheim hart an der Landesgrenze, hielten durch einsames Land, meist im Wald, via Forsthütte und Hochenstich nach Hüsliholz, leisteten uns einen Abstecher auf den Schürlibuck, stiegen ab nach Rafz, setzten fort über Waldhof und Galgenbuck – ein zweiter Abstecher auf einen Aussichtspunkt – nach Eglisau. Auf den 21 Kilometern der Route sahen wir viel. Einen Teil des Alpenkranzes mit dem Säntis, Schienen mit alten Kiesloren, prächtige Fachwerkbauten in den Dörfern. Und Haselzötteli en masse, deren Pollen unserer Allergikerin zusetzten. Bloss die Bise erinnerte uns auf manchen Abschnitten daran, dass wir im Winter unterwegs waren und nicht im Frühling.
Holcim-Relikt nah Hüntwangen.

Flaches Land zwischen Hüntwangen und Wasterkingen.