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Montag, 2. Juni 2025

Ich war am Ende

Hier ist alles fertig: Kap Finisterre.
Dies ist nicht der westlichste Punkt Europas, es gibt Orte, die weiter in den Atlantik vorgeschoben sind. Aber man hat doch fest das Gefühl, dass bei Kap Finisterre nah Santiago de Compostela der Kontinent endet. So empfanden es die Menschen in der Antike, und so besagt es ja auch der Name, Finisterre heisst "Ende der Welt". Nur folgerichtig, dass für viele Leute erst an diesem Ort – und nicht im 60 Kilometer enfernten Santiago – die Jakobspilgerei definitiv abgeschlossen ist. Deshalb der Kilometer-Null-Stein in Finisterre, den ich am Freitag ebenso besuchte wie den berühmten und vielfotografierten Leuchtturm.
So, hiermit beende ich die Berichterstattung über mein Spanienreisli. Es war schön, intensiv, bereichernd. Und jetzt wende ich mich wieder der Schweiz und meinen Wanderungen in ihr zu.
Jakobspilgern geht auch mit dem Pferd: Dieser Mann ist von
Reus, einer Stadt in Katalonien, nach Finisterre geritten.

Sonntag, 1. Juni 2025

Toño spielt auf

Der Dudelsack, die Gaita, ist das Nationalinstrument von Galicien in der Nordwestecke Spaniens. Mein Führer Juan erzählte mir das am Donnerstag im Auto, derweil wir Galicien erreichten. Tatsächlich trafen wir eine halbe Stunde später in O Cebreiro, das am Camino Francés liegt, gleich beim Dorfeingang auf Toño. Der stand dort, spielbereit, mit dem Dudelsack. Der 67-Jährige berichtete, dass sein Vater wie viele andere Männer der Gegend in der Schweiz gearbeitet hatte, auf dem Bau. Unser Gespräch wurde immer wieder unterbrochen, wenn ein Pilger, eine Pilgerin einlief. Dann intonierte Toño mal kurz eine schmissige Melodie. Was für eine stilvolle Begrüssung, wenn man sich ins abgelegene O Cebreiro, 1300 Meter über Meer, hochgewandert hat.
Blick von O Cebreiro über das galicische Bergland.

PS: Hier der Link zu meinem 25-Sekunden-Filmli mit Toño in Aktion.

Samstag, 31. Mai 2025

Sie legen ihre Sorgen ab

Endlich, die Passhöhe mit dem Eisenkreuz.
Um das Kreuz liegen beschriftete Steine
mit persönlichen Botschaften aller Art.
Auf meiner Jakobsweg-Reise durch Nordspanien bin ich wenig gewandert. Dafür legten wir in fünf Tagen weit mehr als tausend Kilometer im Auto zurück. Rasender Reporter und so, wir waren jeweils von morgens bis abends unterwegs mit höchstens zwei kurzen Pausen, der Znacht nach acht war die Belohnung. Am Donnerstag genoss ich es, mal wieder eine Stunde zu Fuss zu gehen, und zwar zum höchsten Punkt des Camino Francés, der von den Pyrenäen nach Santiago führt. Am Monte Irago steht auf 1515 Metern, auf einen Baumstamm montiert, ein Kreuz aus Eisen, "La Cruz de Ferro" heisst es. Hier deponieren Pilgerinnen und Pilger Steine, die sie zuvor aufgelesen haben; manche beschriften ihren Stein mit den eigenen Sorgen, die sie an diesem Ort sozusagen deponieren können. Andere Leute geben der Menschheit gute Gefühle mit. Ich fand das berührend.

Freitag, 30. Mai 2025

Das Königinnenrätsel

Einer der schönsten Orte, die ich auf meiner Jakobsweg-Reise durch Nordspanien kennengelernt habe: Puente la Reina in der Region Navarra. Hier vereinen sich zwei Stränge des berühmten "Camino Francés"; beide haben zuvor, von Frankreich nach Spanien führend, die Pyrenäen überquert, der eine etwas westlicher als der andere. Puente la Reina ist das Nadelöhr, hier müssen sie alle durch, die nach Santiago de Compostela wollen. Der Name "Königinbrücke" rührt von der Brücke über den Fluss Arga, wer aber die Königin war, die sie – 110 Meter lang, sieben Bögen – im 11. Jahrhundert in Auftrag gegeben hat, bleibt unklar. Jedenfalls war es eine segensvolle Investition, denn mit dem Pilgervolk kam der Aufschwung. Der Ort ist ohne die Brücke undenkbar, sie ist seine Geschichte und seine Essenz.

PS: Ade Spanien. Heute morgen sausen wir von Santiago, wo ich übernachtet habe, nach Finisterre. Schauen uns am "Ende der Welt", was der Name ja bedeutet, den Leuchtturm an. Und dann gehts per Bus zum Flughafen von Porto in Portugal und von dort heim. Gegen Mitternacht, so der Plan, sollte ich im Zollikerberg ankommen.

Donnerstag, 29. Mai 2025

Kalen trinkt

Kalen, eine junge Amerikanerin, gönnt sich jetzt einen Roten.
Ein Traum wird wahr. Am Dienstag kamen wir auf dem Camino Francés am Weingut Irache vorbei, das bei einem alten Kloster steht, eine halbe Autostunde westlich von Pamplona. Ich war nicht sonderlich erstaunt, dort eine kleine Schar von Pilgerinnen und Pilgern in vergnügter Stimmung anzutreffen. Besagtes Weingut unterhält seit 1991 einen Rotweinbrunnen für jedermann. Man öffnet den Hahn und füllt das Trinkgefäss, das man freilich selber mitbringen muss. Ich probierte auch und war eigentlich ganz zufrieden. Der Wein war zwar jung und eher schwach im Gout, doch da es heiss war, fand ich das passend. Was für ein schöner Gratis-Apero. 
 

Mittwoch, 28. Mai 2025

Die bösen Araber

Vor dem Kloster Roncesvalles erinnert ein Gedenkstein an die Schlacht von 
778, in der, so die lateinische Inschrift, die "Basken auf dem Gipfel des Berges angriffen".
Roncesvalles oder, auf Baskisch, Orreaga.
An unserem ersten Tag in Spanien machten wir am Montag in Roncesvalles halt, einem Kloster am Ibañeta-Pass hart an der Grenze zu Frankreich. Draussen vor dem Kloster trafen wir drei südkoreanische Jakobspilger, die uns ihr Smartphone entgegenstreckten und in rudimentärem Englisch fragten, ob sie hier in Roncesvalles seien; in der Tat zeigte ihr Navi "Orreaga" an und nicht "Roncesvalles". So geht das im Baskenland, wo die spanische Sprache neben der baskischen steht. Apropos Basken: Sie lauerten in Roncesvalles 778 den Truppen Karls des Grossen auf, der zuvor ins grossteils von den Arabern beherrschte Spanien eingefallen war und sich nun auf dem Rückzug befand. Karls Nachhut unter der Führung des Grafen Roland wurde vollständig vernichtet, aus dem Gemetzel ist das berühmte Rolandslied entstanden. Freilich sind es in diesem mittelalterlichen Heldenlied die Araber, die Roland und seine Männer töteten – Kunst war schon damals auch ein Mittel der politischen Propaganda.

Dienstag, 27. Mai 2025

Baskische Impressionen

Gestern kam ich am Vormittag um zehn Uhr in Bilbao im spanischen Baskenland an. Von dort reisten mein Führer und ich im Mietwagen nach Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich. Wir schauten uns in dem reizenden Örtchen um. Assen etwas. Überquerten im Folgenden auf einer atemberaubenden Passstrasse die Pyrenäen, kamen wieder nach Spanien, machten einige Abstecher und Halte und langten schliesslich abends um sieben in Pamplona an. So geht das, wenn man als Reporter unterwegs ist, meist ist das Programm ehrgeizig getaktet – ich bitte um Vergebung, wenn meine Mitteilungen in den kommenden Tagen kurz ausfallen. Ah ja, ich muss noch sagen, was mein journalistisches Thema ist: Wir sehen uns den Camino Francés an, den spanischen Jakobsweg von der französischen Grenze bis nach Santiago. Gewandert wird nur wenig, ebenso sehr wie um den Weg geht es um die Dinge an ihm von Kultur über Kirche bis Kulinarik.

PS: Hier Schnappschüsse aus Saint-Jean-Pied-de-Port. Der Ort im französischen Baskenland lebt vom und für den Jakobsweg, dem praktisch jeder Betrieb vom Sportartikelladen über die Herberge bis zum Restaurant zudient.