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Mittwoch, 15. Juli 2026

Der Gewerbepolizeipalast

Schöner Wohnen: die Villa Hohenbühl  beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich.
Man ist tausend Mal vorbeigefahren und hat nie richtig geschaut. Und dann wird eines Tages die Stadtzürcher Endhaltestelle der Forchbahn wegen Bauarbeiten vom Stadelhoferplatz 50 Meter Richtung Hegiplatz verschoben – und plötzlich nimmt man, an der Kreuzbühlstrasse stehend und auf den Zug wartend, die prächtige Villa wahr, die erhaben im Hang über den Geleisen am Bahnhof Stadelhofen steht. Das war am Sonntag. Die Villa Hohenbühl, auch "Villa Wegmann", ein Neorenaissancepalast, wurde 1889 fertiggestellt, hier residierte Friedrich Wegmann, 1832–1905, Erfinder, Müller, Industrieller, der sein Vermögen einem selbstkreierten und patentierten Porzellanwalzenstuhl für die Müllerei verdankte. Porzellanwalzenstuhl? Hm. 1949 erwarb die Stadt Zürich das Anwesen, lange mietete die Kantonsschule Stadelhofen es, mittlerweile ist im Rahmen einer Zwischennutzung die Gewerbepolizei einquartiert. Ich sags ja immer: In der Verwaltung sollte man arbeiten.

Samstag, 6. September 2025

Der Neffe, der Stein und die Pizza

1000 Kubikmeter sichtbarer Fels: der Pflugstein in Herrliberg ZH.
Stufen auf der Nordseite.
Der junge Mann auf dem Stein – das ist mein Neffe. Ein Kantischüler, der dieser Tage eine längere Arbeit schreiben muss über ein frei gewähltes Thema. Er entschied sich für Findlinge und fragte mich umgehend, ob ich ihm einen bestimmten Findling empfehlen und ihm auch ein paar grundlegende Dinge erklären könnte. Natürlich sagte ich ja, auch wenn ich kein Geologe bin; immerhin habe ich ein Buch geschrieben, in dem Findlinge prominent vorkommen ("Hundertundein Stein"). Am Mittwoch fuhren wir zum Pflugstein, der oberhalb von Erlenbach steht, knapp schon auf Boden der Gemeinde Herrliberg; er ist auf der Landeskarte übrigens eingezeichnet. Ihn hatte ich vor fünf Jahren für mein Buch besichtigt. Vor Ort erzählte ich dem Neffen vom Linthgletscher, der in der letzten Eiszeit nicht nur die gewaltigen Moränen links und rechts des heutigen Zürichsees anhäufte, sondern ganz nebenbei auch den Pflugstein deponierte, der in der Gegenwart als grösster Findling des Kantons Zürich gilt. Wir schauten ihn uns im Folgenden an, stiegen auf ihn, was man an einer Stelle darf, während andere Partien des Steins geschützt sind, weil dort seltene Moose, Flechten und Farne gedeihen. Dann, nach der Feldforschung, reisten wir retour nach Zürich und gönnten uns eine Pizza. Die war auch riesig.

Mittwoch, 29. Januar 2025

Wo der Kindergartenpionier wirkte

Schloss Wartensee, hinten der Sempachersee.

Im Mittelalter hauste hier an bester Lage der Seevogt, ein hoher habsburgischer Funktionär, der den Schiffverkehr von Sursee nach Sempach überwachte. Jenes alte Schloss Wartensee wurde nach der Schlacht bei Sempach 1386 zerstört, in der die Eidgenossen die Habsburger besiegten. 1514 entstand der Bau, den wir heute vor uns haben und an dem ich am Samstag mit meinem Grüppli vorbeikam. Er gehörte zuerst einem Ratsherrn der Stadt Luzern, dann der Luzerner Patrizierfamilie Schnyder von Wartensee. 1830 öffnete im Adelsgemäuer eine Privatschule, die ein Schnyder von Wartensee mit dem deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel führte; er war einer der Pioniere des Kindergartens. Nun, auch diese Phase endete, die Schule verschwand. Seit 1888 heisst die Besitzerfamilie Rösli. Vor gut zwanzig Jahren wurde Schloss Wartensee totalsaniert, heute sind auf dem Anwesen Künstlerwerkstätten aller Art eingerichtet.
Zu einem rechten Schloss gehört ein Schlossweiher.

PS: Nicht nur im Luzernischen, sondern auch im Kanton St. Gallen gibt es ein Schloss Wartensee. Es steht in Rorschacherberg und ist in der Gegenwart ein Hotelbetrieb.