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Samstag, 17. Februar 2024

Einsiedeln, wir kommen

Der Jakobsweg über den Etzelpass nach Einsiedeln, Abbildung
auf der Infotafel auf dem Etzelpass. (Foto: Roland zh / Wikicommons)

Wenn man sich mit dem Phänomen der Jakobspilgerei befasst, muss man sich mindestens drei geschichtliche Dinge vor Augen halten. Erstens wurde im 9. Jahrhundert in Santiago de Compostela in Spanien jene Grabstätte entdeckt, in der angeblich die sterblichen Reste des Apostels Jakobus ruhten. Damit bekam die christliche Welt ein neues Pilgerziel neben Rom und dem Heiligen Land. Zweitens: Jeder Weg, der nach Santiago de Compostela zu Jakobus führt, ist automatisch ein Jakobsweg. Erst mit der Zeit ergaben sich fixe Routen wie zum Beispiel, auf dem Gebiet der Schweiz, der Schwabenweg von Konstanz nach Einsiedeln. Und drittens: 1987 erklärte der Europarat die Pilgerwege nach Santiago zur ersten europäischen Kulturstrasse. Er löste damit jenen Wander-Pilger-Boom aus, der nach wie vor anhält.

Warum ich das erzähle? Nun, ich habe vor einer Woche mit ein paar lieben Leuten ein neues Grüppli gebildet, das wohl nicht länger als ein Jahr bestehen wird. Wir wollen uns immer am Samstag treffen und auf Jakobswegen die Schweiz durchwandern. Etappenweise also, wobei diese Etappen nicht allzu lang sein sollen, man will es ja nicht übertreiben mit der Pilgerei, möchte auch gut essen und sich ab und zu einen Abstecher zu Interessantem in der Nähe der Route leisten. Möglicherweise gibt es, wenn der Sommer da ist und die Alpen endlich wieder begehbar sind, einen längeren Unterbruch zugunsten der einen oder anderen Passwanderung oder Bergtour. Sei dem, wie dem sei: Heute starten wir vor dem Münster von Konstanz zu Etappe eins und ziehen auf dem Schwabenweg südwärts – Einsiedeln, wir kommen.

Samstag, 24. Oktober 2020

Totengässlein 3

Venezianisches Apothekerdiplom von 1732.

Vogelspinnen und Schlangenhäute und getrocknete Kröten und Mumienteile und Fett von gewaltsam getöteten Menschen: Sie dienten in früheren Jahrhunderten als Heilmittel und wurden verabreicht gegen diverse Leiden von Schwindsucht bis Herzschwäche. Am Donnerstag war ich in Basel und besuchte dort das Pharmaziemuseum, das reich dotiert ist und zum Beispiel mit alten Apotheken-Intérieurs aufwarten kann. Aber eben auch mit gruseligen Dingen in alten Flaschen und verstaubten Behältnissen. Entstanden ist das Museum aus der akademischen Sammlung des Josef Anton Häfliger, der es 1924 gründete. Wer sich für Heilkunde interessiert und vielleicht auch ein wenig das Schaurige mag, dem oder der sage ich: ab nach Basel! Die Adresse passt: Totengässlein 3.

Mittwoch, 22. Juli 2020

Pater Theo, die Madonna, das Erwachsenenkind

Die Madonna von Oberkastels, um 1200. In der rechten Hand hält sie den Apfel,
den Eva vom Paradiesbaum pflückte. Das Jesuskind sieht seltsam erwachsen aus.
Pater Theo, der uns am Samstag durch das Kloster Disentis führte, uns die barocke Kirche zeigte, das Museum, Knochenrelikte der beiden Gründerheiligen - diesen Benediktinerpater fand ich eine Wucht. Innerschweizer ist er aus Nidwalden, ist, wenn ich mich recht erinnere, seit 37 Jahren im Kloster, hielt dort verschiedene Ämter, leitet als Kantor die gregorianischen Chorgesänge, unterrichtet im klostereigenen Internat. Ich mochte seinen Mix aus Lakonie und Witz, die Gelassenheit, mit der er erzählte und das Klosterleben beleuchtete von spirituell bis weltlich - ein Mitbruder, sagte er, sei Skisportfan, wenn ein Abfahrtsrennen sei, dann sei er immer im Gemeinschaftsraum mit dem Fernseher zu finden. Ich kann eine solche Klosterführung nur empfehlen, wir waren zu acht, buchten auch das Museum und zahlten für die zwei Stunden geballten Katholizismus 130 Franken. Das Kloster Disentis, die weisse Arche der Surselva, ist übrigens gut 1300 Jahre alt. 
Dem Märtyrer Placidus von Disentis wurde grad der Kopf
abgeschlagen. Das Ölbild entstand um 1630.

Donnerstag, 3. Januar 2019

Sumpfmalve

Marshmallows.
(Dvortygirl/ Wikicommons)
Habe seit Wochen einen mühsamen Chiichhueschte. Der Gspüriapotheker verschrieb mir letzte Woche Eibischwurzeln. Die muss ich kalt ansetzen, sie sondern einen fädigen Schleim ab, den ich nach einer halben Stunde absiebe, die kleingeschnittenen Wurzeln sind auffallend klebrig. Klingt das widerlich? Der Trunk riecht und schmeckt fein und gut. Nützen tut er nichts, was bei mir für fast alle alternativmedizinischen Produkte und insbesondere für homöopathische Ware gilt - ausser Spesen nichts gewesen. Alle paar Jahre versuch ichs trotzdem wieder mal. Der Eibisch hat mir immerhin ein paar lexikalische Bildungserlebnisse beschert:
  1. Die Gattung Eibisch heisst mit dem botanischen Namen Althaea von griechisch althein gleich heilen. Von Althaea leitet sich die volkstümliche Verballhornung Alter Tee ab.
  2. Eibisch ist das gleiche Wort wie Hibiskus. 
  3. Die Gattung Eibisch gehört zur Familie der Malvengewäsche. Ein Exkurs ins Reich der Süsswaren: Malve heisst auf Englisch mallow. Sumpf heisst auf Englisch marsh. Die Sumpfmalve auf Englisch: marshmallow. Tatsächlich wurde die Süssigkeit Marshmallow zu Beginn mit der klebrigen Wurzelsubstanz der Malve hergestellt. Heutzutage verwendet man in der Regel Gelatine.

Dienstag, 10. Januar 2017

Anneli und der Heiland

Die Linthbordkapelle kommt in Sicht. Links der Buechberg.
Nach Tuggen, unterwegs zur Grinau, passierten wir am Samstagnachmittag die Linthbordkapelle, natürlich schauten wir sie uns an. Acht Wandgemälde, darunter Verse, erzählen im Inneren die Geschichte des Linthbord-Anneli. Die junge Frau aus Uznach hat zwei gelähmte Füsse. Sie macht sich auf nach Einsiedeln, um dort die Muttergottes um Beistand zu bitten. Genauer gesagt, sie kriecht los. In der Gegend der Kapelle begegnet ihr der Heiland und heilt sie. Ich erzähle das in aller Kürze, weil jemand anders verdienstvollerweise im Internet die Wandgemälde zeigt und auch die Verse wiedergibt. Hier nur die Schlussstrophe:
"Gen Einsiedeln ich komme an,
Hab' dort verkündet jedermann
Das Wunder, so mir Gott der Herr
Erwiesen hat zu seiner Ehr."

Sonntag, 9. September 2012

Gelenkschmerz, du darfst kommen!

Ich bin ein Fan von Natursalben aller Art. Die Murmeli-Kräutersalbe kaufte ich soeben in Schafhausen BE, was aber nicht viel zur Sache tut. Hergestellt wird sie in Frutigen von der AS Alpenprodukte, enthält keinerlei künstliche Zusätze, dafür aber Dinge wie - neben dem Murmeliöl natürlich - Dachsfett, Gemsfett und Farnkraut. Es gibt die Salbe in zwei Varianten, wärmend und kühlend, und ich finde das Döschen so schön, dass ich mich richtiggehend freue, bald mal einen mittelschlimmen Gelenkschmerz zu kriegen, gegen den ich sie dann anwenden darf.