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Montag, 27. Juli 2026

Zoll einst, Zoll heute

Markantes gelbes Haus in Cantine di Gandria: Im einstigen
Grenzwachtposten ist das Schweizerische Zollmuseum einquartiert.
Im Vorgarten des Museums ausgestellt: Schlagbaum mit Unterstand.
"Meine Schwester hiess Elvezia. Sie trug
den Namen des Landes, das uns aufgenommen hat."
Hart an der Grenze zu Italien findet sich in Cantine di Gandria am Luganersee ein hübsches Stück Eidgenossenschaft. Das Schweizerische Zollmuseum, in einem ehemaligen Grenzwachtposten untergebracht, ist Teil des Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit und wurde 1943 gegründet. Das Haus ist reich dotiert, stellten wir letzte Woche bei unserem Besuch fest. Es zeigt die Lebenswelt der Zöllner von einst, die – zum Beispiel am Luganersee – den Schmugglern nachjagten, dokumentiert aber auch, wie heute, etwa im Basler Rheinhafen, gearbeitet wird. Es gibt einen Raum, der sich dem Zweiten Weltkrieg widmet, und eine Fotoausstellung zur internationalen Migration in der Gegenwart. Plus dokumenieren Fundstücke, etwa Elefantenstosszähne, das Engagement für den Artenschutz, also gegen die klandestine Einfuhr illegal erjagter Trophäen. Wirklich gut, dieses Museum. Bis 18. Oktober ist es geöffnet, der Eintritt ist gratis.

Büroarbeiten.

Artenschutz: Elefantenstosszähne und andere sichergestellte Dinge.

Sonntag, 26. Juli 2026

Ruhe am Luganersee

Im Grotto Descanso ist es nie heiss.
Schön, hier gegessen zu haben.

Die grillierte Luganigha hatte einen feinen Zimtgout.
Am Freitag fanden wir am Luganersee unser Traumgrotto. Cantine di Gandria liegt gegenüber Gandria und war früher der Ort, wo der Wein von Gandria in Kellern ("Cantine") gelagert wurde. Ob das heute noch so ist, kann ich grad nicht sagen. Hin kommt man nur mit dem Schiff, gemütlich und schön ruhig – Elektroantrieb – fuhren wir von Lugano aus übers Wasser. Das Grotto Descanso ist im Schatten platziert, gegenüber sieht man den Monte Brè und den Monte Boglia, ein kühles Windchen umweht einen, man möchte eigentlich gar nicht mehr fort. Wobei wir doch froh waren, früh dran zu sein: Als wir gegen zwei Uhr Nachmittags aufbrachen, hatte sich die Terrasse ziemlich gefüllt; viele Leute reisen, stellten wir fest, mit dem privaten Motorboot an. Sehr gut war das Essen gewesen, ich hatte eine Luganigha vom Grillblech mit Polenta, meine Begleiterin Polenta mit einem Steinpilzragout, dazu tranken wir einen leichten Roten aus Ascona. Angesichts der Wetterprognose, die die nächste Hitzewelle ankündigt, würde ich am liebsten die nächsten Wochen Tag für Tag im "Descanso" einkehren. Dessen Name ist spanisch und bedeutet "Ruhe", "Pause", "Erholung". Er geht auf einen Mann aus Lugano zurück, der in der Jugend nach Südamerika ausreiste und später in die alte Heimat zurückkehrte. Als Ruheständler eben.

PS: In Cantine di Gandria besuchten wir das Schweizerische Zollmuseum. Davon erzähle ich in einem eigenen Eintrag.

Der Kapitän steuert ...
... Cantine di Gandria an.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Virtuelles Kraxeln

Hier könnte mehr laufen, findet das Unternehmen:
die Station Eigergletscher der Jungfraubahnen.
(Foto: TurkAviator / Wikicommons)
Fast 200 Millionen Franken Umsatz machten die Jungfraubahnen letztes Jahr mit dem Jungfraujoch. Da liegt noch mehr drin, findet das Unternehmen; es fokussiert deswegen auf die Station Eigergletscher, den Umsteigeknoten auf halber Strecke. Dort soll, so die neusten Pläne, ein Museum entstehen, das die Eigernordwand mit einer Multimediashow quasi erlebbar macht. Plus ein asiatisches Restaurant mit 200 Plätzen. Naturschutzorganisationen sind dagegen. Und weil ein Gebietsabtausch der Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen nötig wäre, die bei der Station Eigergletscher aneinandergrenzen, kann Grindelwald in den laufenden Verhandlungen Druck machen. Es will, dass die Jungfraubahnen Geld für die Lösung der Verkehrsprobleme im Dorf aufwerfen – erst dann würde man Hand zum Abtausch bieten. Kommt das Museum, könne der Gast durch die Eigernordwand kraxeln, verheisst der Jungfrau-CEO auf der Newsplattform von srf.ch. Virtuell kraxeln, versteht sich.

Freitag, 22. Mai 2026

Zolliker Markenparade

Historisches Haus: Zollikons Ortsmuseum. Unten in
diesem Eintrag Plakate aus der laufenden Ausstelllung.
Ein schönes Wiedersehen mit Schweizer Marken – das gabs für mich im Ortsmuseum Zollikon, das ich am Sonntag zum ersten Mal besuchte. Dort läuft eine Ausstellung über die "Graphische Kunstanstalt Paul Bender", die die meiste Zeit ihres Bestehens von 1907 bis 1970 in Zollikon geschäftete. Die Firma genoss einen ausgezeichneten Ruf, wurde für ihre Plakate auch im Ausland prämiert. Genau diesen Plakaten gilt die Ausstellung, ich freute mich über Motive wie Swissair-Flugzeug, Riri-Reissverschluss, Pelikan-Fülli. Eine Markenparade war das. So richtig berührt war ich dann über ein Video – es zeigt ein halbstündiges Gespräch mit dem betagten Peter Friedli, der vor Jahrzehnten im Bender'schen Betrieb sein Handwerk lehrte und dieses mit Liebe und Akribie erläutert und auch erklärt, warum in seinem Beruf immer wieder mal Leute schwer erkrankten. Man gehe hin, die Ausstellung ist wirklich informativ.


Donnerstag, 5. März 2026

Das Tablet von Iuliomagus

So notierten sie im Römischen Reich Dinge: antike stili, Griffel,
sowie ein rekonstruiertes Wachstäfelchen, ausgestellt in Schleitheim.
Die Therme, das geheizte Bad, von Iuliomagus.
Eine Illustration zeigt vor Ort, wie wir uns
die antike Kleinstadt vorstellen müssen.
Iuliomagus war eine römische Kleinstadt, gelegen am Rand des heutigen Schaffhauser Dorfes Schleitheim an einer Fernstrasse. 1860 begann man mit Ausgrabungen, nach heutigem Wissensstand deckte die Siedlung eine Fläche von gut sechs Hektaren. Was gab es da? Eine Therme, einen Tempelbezirk, ein Wohn- und Marktviertel sowie drei Gutshöfe. Gestern schauten wir uns im Thermenmuseum Iuliomagus um. Es zeigt in einem tagsüber jederzeit zugänglichen Pavillon Überreste der Therme, des ausgeklügelt angelegten, selbstverständlich geheizten Bades. Ene zweite, kleinere Ausstellung findet sich im Untergeschoss eines nahen Gewerbegebäudes, sie dokumentiert einen Abschnitt der antiken Marktstrasse. Speziell Eindruck machten mir ein paar stili in einer Vitrine. Ein stilus, so die Einzahl, war ein Griffel, mit dem spitzen Ende wurde geschrieben, mit dem flachen Ende wurde das Geschriebene wieder gelöscht. Respektive geglättet, denn die Schreibunterlage war ein Wachstäfelchen. Als ich es sah, dachte ich: Oha, die alten Römer hatten auch schon Tablets.

Sonntag, 1. Februar 2026

Wanderung mit Hüppenhalt

Blick von Schloss Arenenberg auf Ermatingen mit dem
markant in den Untersee vorgeschobenen Schwemmdelta.
Weltkriegsbunker bei der Bahnstation Triboltingen.
Letzten Mittwoch zogen wir vom Bahnhof Mannenbach-Salenstein im Kanton Thurgau nach Konstanz. Weil wir dort einen Abstecher zu einem besonderen Restaurant machten, brauchten wir dreieinhalb statt der für die Direttissima nötigen drei Stunden. Die Route war abwechslungsreich. Wir bekamen es mit gleich drei Gewässern zu tun, zuerst mit dem unteren Teil des Bodensees, dann mit dem Seerhein, dann mit dem oberen Seeteil. Im ersten Drittel gingen wir etwas oberhalb, via Schloss Arenenberg mit dem Napoleonmuseum, das grad noch in der Winterpause ist. Ab Ermatingen waren wir später in flachem Gelände ufernah unterwegs. In Gottlieben machten wir Pause im stilvollen Seecafé, das mit der örtlichen Hüppen-Manufaktur assoziiert ist, natürlich probierte ich Hüppen (einmal Vanille, einmal Mandel) und kaufte auch welche (Himbeere). Gleich anschliessend passierten wir, noch in Gottlieben, das Wasserschloss. Jenen Bau, in dem der böhmische Reformator Jan Hus 1415 als Gefangener sass. Noch einmal eine Strecke am Wasser, dann langten wir in Konstanz an und gönnten uns einen späten Zmittag. Wo genau, erzähle ich morgen oder so.
Schönes Gottlieben: das "Seecafé".

Düsteres Gottlieben: das Wasserschloss.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Zofinger Schatzkammer

Ein schöner Bau, dieses Museum Zofingen, das ich am Wochenende besuchte. Er datiert von 1901, imitiert die Palazzi von Florenz, die Fassade ist mit Sgraffiti dekoriert, man hatte in der Aargauer Kleinstadt Stil. Geld sowieso. Inwendig ist das Haus eine Fundgrube respektive Schatzkammer, es gibt auf mehreren Etagen Versteinerungen und Kristalle zu sehen, aber auch präparierte Tiere, Feuerwehrgerät, Flinten, Säbel, und der im Ort verwurzelte Schweizer Medienkonzern Ringier hat eine eigene Abteilung. Mir gefiel das Museum, weil es so schön altmodisch ist, Schaukästen dominieren, das digitale Angebot ist klein, viel Museumspädagogik gibts nicht. So kann man sich treiben lassen, was ich mit Freuden tat.

Dienstag, 27. Januar 2026

Zofingens Blutstab

Man soll nicht vorschnell den Stab über jemanden brechen. Die Redewendung heisst so viel wie: Man soll nicht vorschnell über eine Person ein endgültiges Urteil sprechen. Sie verurteilen. Am Sonntag war ich im Museum Zofingen und sah dort – neben unzähligen anderen interessanten Dingen – einen Blutstab. Auf meinem Foto ist es der dünne Stab rechts, das links ist passenderweise ein Richtschwert. In sehr alten Zeiten, las ich im Begleittext, wurde in Zofingen auf dem Gerechtigkeitsplatz, mittlerweile umbenannt in "Niklaus-Thut-Platz", Recht gesprochen. Hatte der Richter das Urteil gefällt, zerbrach er seinen Blutstab und warf ihn dem oder der Verurteilten vor die Füsse. Das Urteil war endgültig, Rekursinstanzen gab es nicht. 

Montag, 19. Januar 2026

Esther und Abi

Im Jüdischen Museum Schweiz in Basel – ich war letzte Woche dort – erblickte ich eine Schallplatte. Knapp erinnerte ich mich an den Namen der Sängerin, Esther Ofarim. Die Israelin zog 1962 mit ihrem damaligen Mann Abi, mit dem sie oft im Duo auftrat, nach Genf und liess sich dort nieder. 1963 nahm sie, damals 22-jährig, für die Schweiz am Grand Prix Eurovision de la Chanson teil; sie wurde zweite mit dem Lied "T'en va pas".

Samstag, 17. Januar 2026

Basel, Vesalgasse 5

Das Jüdische Museum Schweiz an der Vesalgasse 5 in Basel.
Den Umbau des ehemaligen Tabaklagers besorgte das örtliche
Architekturbüro Diener & Diener. Das Kunstwerk an der
Fassade heisst "Jeziory" und stammt von Frank Stella.
Kostbar: eine Tora-Rolle aus dem Kairo des 13. oder 14. Jahrhunderts.
Seit 1966 gibt es in Basel das Jüdische Museum Schweiz, diesen November ist es nach einem Zügel in den umgebauten Räumen eines ehemaligen Tabaklagers gleich bei der Universität neu eröffnet worden. Am Mittwoch besuchte ich das Museum, lernte und erfuhr etliches. Manches davon war deprimierend. 1349 etwa kam es in Basel zu einem Pogrom. Ein Mob trieb die Juden und Jüdinnen der Stadt auf eine Insel im Rhein und brachte sie alle um, zwischen 100 und 600 Menschen starben damals. Ich hoffe, dass sich so etwas nie wiederholt – die jüdische Bevölkerung der Schweiz war bekanntlich auch schon sicherer als derzeit.

Synagogenbänke im Museum. Das Buntglasfenster rechts stammt aus der Synagoge in Biel.

Dienstag, 16. Dezember 2025

Immer diese Ungereimtheiten

Kurz nach dem Start: Der Erzbach bildet in diesem Abschnitt
die Gemeinde- und die Kantonsgrenze (AG-SO).
Die Aare zwischen Aarau und Rupperswil.
Mein Weihnachtsznacht in Brunegg: Entenbrust.
Unsere Weihnachtswanderung von Erlinsbach SO via Aarau und Rupperswil nach Lenzburg (4 1/2 h) war vorerst geprägt von Gewässern. Wir lernten gleich nach dem Start den Erzbach kennen, der die Gemeinden Erlinsbach SO und Erlinsbach AG trennt – warum heisst er nicht Erlinsbach? Später waren wir an der Aare und an teils natürlichen, teils künstlich angelegten Seitenbächen unterwegs und passierten zudem den Ort, wo nah Aarau die Suhre in die Aare mündet. Ab Rupperswil änderte sich die Unternehmung grundlegend, gar kein Wasser mehr, stattdessen Wald. Viel Wald. Am Ziel in Lenzburg gabs einen Apéro im "Ochsen". Im Folgenden besuchten wir die Ikonensammlung im Museum Burghalde, von der ich bereits berichtet habe. Um fünf Uhr nachmittags dann nahmen wir den Bus hinüber nach Brunegg – Weihnachtsessen im "3 Sternen". Eigentlich müsste das Restaurant ja "4 Sternen" heissen, weil das zugehörige Hotel ein Vier-Stern-Hotel ist. Immer diese Ungereimtheiten. Aber fein war der Znacht.
Hübsches Treppenhaus in Rupperswil.

Treppe ins Nichts in Lenzburg.

Montag, 15. Dezember 2025

Haemmerlis Ikonen

In Lenzburg ausgestellt: der kriegerische Erzengel Michael als Heerführer (18. Jh.).
Und eine zweite Ikone aus dem Ikonenmuseum Lenzburg: das
sogenannte Tuchbild des Erlösers, 17. Jh. Das Originaltuch, die
Vorlage, wurde in Byzanz aufbewahrt als besonders kostbare Reliquie.
Das Museum Burghalde in Lenzburg, in dem auch das
Ikonenmuseum untergebracht ist. (Foto: Voyager/Wikicommons) 
Das Ikonenmuseum in Lenzburg, das wir am Samstag besuchten, überraschte uns gleich zweifach. Erstens birgt die Sammlung im Museum Burghalde wunderbare Stücke. Grossartige Kultbilder aus dem Gebiet der Ostkirche, die in der Regel Christus, Maria oder Heilige zeigen – so die Definition der Ikone. Dieses eigenständige Genre der Malerei entstand im Rom des Ostens, also in Byzanz, das das Ende der Antike um viele Jahrhunderte überstand.

Und damit zu zweitens. Die 64 in besagtem Museum ausgestellten Ikonen gehörten, bevor er sie nach Lenzburg verschenkte, dem in Zürich lebenden, doch aus einem altem Lenzburger Geschlecht stammenden Mediziner Urs Peter Haemmerli, Chefarzt im Zürcher Triemlispital. Er wurde in den 1970er-Jahren über die Schweiz hinaus bekannt als Vorkämpfer der passiven Sterbehilfe. Jetzt, in Lenzburg im Ikonenmuseum, wurde mir sein Name wieder in Erinnerung gerufen.

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Wir können Gold

Die wird garantiert nicht eingeschmolzen, sie ist
berühmt: Goldmaske des Agamemnon, circa 1400
vor Christus, aufbewahrt im Archäologischen
Nationalmuseum Griechenlands in Athen.
(Foto: Die Buche / Wikicommons)
Wo wird Gold, das frisch aus dem Boden geholt wurde oder aber schon vorhanden ist zum Beispiel in Form von Schmuck und Münzen – wo wird dieses Gold eigentlich gereinigt und von weniger wertvollen Stoffen wie zum Beispiel Silber oder Kupfer getrennt? In der neuen "Schweizer Familie", die dem Gold eine Titelgeschichte widmet, gibt es eine Grafik, die mich staunen lässt. Vier der zehn weltweit grössten Raffinerien finden sich in der Schweiz. Darunter auch die Nummer eins der Welt, die Valcambi SA in Balerna im Tessin. 1400 Tonnen Gold verarbeitete sie letztes Jahr. Wie kommt es, dass unser Land in Sachen Gold derart wichtig ist? Wie genau läuft der Raffinierungs-Vorgang ab? Und warum hat sich der Goldpreis in den letzten zehn Jahren fast vervierfacht? Im grossen Interview mit einem Fachmann kann man es nachlesen. Der Kauf des Heftes lohnt sich, der Artikel ist wirklich wertvoll.

Dienstag, 2. Dezember 2025

Stroh kann reich machen

Vier Mal das "Schweizer Strohmuseum" in Wohlen AG.
In einigen Gegenden der Schweiz fertigten einst Menschen in Handarbeit Hüte und anderes aus Stroh. Im Tessin, im Kanton Freiburg, im Aargauischen. Aber nur im Aargau gelang im 19. Jahrhundert der Sprung zur Industrieproduktion, ein Zentrum war Wohlen. Was im Freiamt und im Seetal hergestellt wurde, Hüte vor allem, reiste in die ganze Welt. In der Blütezeit waren in der Region bis zu 3500 Menschen in der Strohproduktion tätig; manche Fabrikantenfamilien brachten es zu grossem Reichtum. In der Villa des August Isler in Wohlen, einem Bau im Stil des Klassizismus, ist in der Gegenwart das "Schweizer Strohmuseum" untergebracht. Am Samstag schauten wir vorbei zum Abschluss unserer Wanderung von Seon nach Wohlen. War interessant. Freilich fand im Park vor der Villa ein Weihnachtsmarkt statt, entsprechend war im Haus viel Betrieb, ja Rummel. Ohne wären wir länger geblieben. Aber wie gesagt, unterhaltsam und lehrreich ist die Ausstellung durchaus.

Sonntag, 30. November 2025

Der Fetisch von Zug

Ein Nagelfetisch. Schon ein bitzli unheimlich, oder?
Durch die unscheinbare
braune Tür gehts ins Museum.
Sankt-Oswalds-Gasse in Zug, Hausnummer 17. An der Fassade ein schlichtes Schild: "Afrika Museum der Missionsschwestern von hl. Petrus Claver". Wir klingeln, es dauert, schliesslich öffnet eine betagte Nonne. Schwester Gertrud, wie sie heisst, führt uns ins Museum, lässt uns allein, wir staunen. Nein, perplex sind wir. Was es da alles zu sehen gibt: ausgestopfte Schlangen, Speere, Masken, Gemälde, Mörser und so weiter und so fort. Vor einer Statue aus Holz bleiben wir besonders lange stehen. Sie zeigt einen kongolesischen Nagelfetisch. Eine Männergestalt, in deren Körper und auch Kopf unzählige Nägel getrieben sind – mit ihnen wollte man den Gott zum Leben erwecken und ihn dazu bringen, gewisse, einem selber nützliche oder anderen schädliche Dinge zu tun. Gut erklärt sind all die Dinge nicht, die Absenz moderner Didaktik und Museumspädagogik fällt auf. Der Orden, der das Museum betreibt, entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts, zuallererst schwärmten die Missionsschwestern nach Afrika aus, vor allem ins zentrale Afrika, weitere Kontinente folgten. In der Zuger Niederlassung hat sich in den letzten 120 Jahren angesammelt, was afrikanische Stifter den Schwestern schenkten und was diese aus eigenem Impuls nach Hause trugen. Die Objekte aus Afrika seien dazu eingesetzt worden, für den Orden zu werben, steht auf dessen Website zu lesen. Zugs Afrika-Museum wirkt, als sei die Zeit an ihm vorbeigezogen. Umso faszinierender fanden wir, was wir bei unserem Besuch vor knapp zwei Wochen vorfanden.
Vier Mal Afrika in Zug.

Freitag, 28. November 2025

Mein Gewicht? Kein Thema

Waage, Waage an der Wand, wer ist der schwerste im ganzen Land?
Plakette auf der Waage.
Am Dienstag machte ich einen Ausflug mit Studienfreund Christian. Wir fuhren auf dem Vierwaldstättersee von Luzern nach Brunnen, fuhren wieder retour und besuchten dann, bevor es ins Restaurant ging, das Verkehrshaus. Es kam mir gross vor, zu gross, unübersichtlich, mit Ausstellungen, in denen ich vieles nicht wirklich durchdacht fand und einiges nicht so beschriftet, dass ich mit der Information zufrieden gewesen wäre. Zu schnell gewachsen, zu wenig Personal? Aber Spass hatten wir durchaus. Wir hielten uns vor allem an die Eisenbahn-Halle. Dort gefiel mir zum Beispiel das Rösslitram, das in Zürich einst verkehrte, der Tramfahrer agierte als Pferdeführer. Lange vor meiner Zeit. Noch viel mehr fesselte mich die alte Personenwaage. Weil sie mich in meine eigene Vergangenheit katapultierte. Als Kantischüler in Trogen stieg ich regelmässig in St. Gallen im Nebenbahnhof der Trogenerbahn um. Dort stand exakt eine solche Waage. Freilich wäre ich nicht auf die Idee gekommen, eine Münze einzuwerfen und mich wägen zu lassen – mein Gewicht interessierte mich damals überhaupt nicht.
Noch eine Aufnahme aus dem Verkehrshaus in Luzern: das Zürcher Rösslitram.

In Brunnen hatten wir gut 45 Minuten Aufenthalt.