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Dienstag, 31. Oktober 2023

Abenteuerliches Obwalden

Die Südspitze des Sarnersees mit dem einmündenden Steinibach.
Improvisation am Edisriederbach. Das Geschiebe half in diesem Fall.

Nachdem wir am Samstag in Sachseln erstens die Pfarrkirche (siehe Eintrag von gestern) und zweitens die Sammlung Sigrist (dazu morgen mehr) besucht hatten, wanderten wir. Stiegen via Totenbüel steil auf zur Lichtung von Huggeten und zogen von dort auf schmalen Pfaden in leichtem Auf und Ab über etliche Tobel via Musschwendli und Schwendeli nach Obstocken, um schliesslich wieder an den Sarnersee abzusteigen. Im Restaurant Zollhaus im gleichnamigen Sachsler Dorfteil endete die Wanderung, wir assen fein und tranken reichlich Rotwein. Eine schöne Route wars gewesen mit einigen abenteuerlichen Stellen, die extrem schmale Hängebrücke über den Sigetsbach zum Beispiel hatte bedrohlich geschwankt. Und der Edisriederbach führte nach den Regenfällen der letzten Tage soviel Wasser, dass wir ihn trotz eines Hilfsseiles nicht an der vorgesehenen Stelle im abschüssigen Hang überqueren konnten, wir fanden aber eine andere Stelle, an der das einigermassen gefahrlos ging. Wesentlich heikler aus meiner persönlichen Sicht: Kurz nach Wanderstart machte ich oberhalb von Sachseln den Fehler, ein Pony streicheln zu wollen. Nur knapp entging ich seinem Biss, meine Cargohose freilich trug eine leichte Blessur davon. 
Widmers heroische Überquerung des Sigetsbaches. (Foto: AM)

Montag, 30. Oktober 2023

Unsere Visite bei Klaus

Bruder Klaus in der Pfarrkirche von Sachseln OW.

Die Kutte, die Klaus angeblich
an seinem Todestag trug.
Die Kirche von Sachseln ist eine der schönsten, die ich kenne. Früher Barock und italienische Renaissance. Am Samstag schauten wir uns in ihr um, bevor wir zu einer Wanderung loszogen. Der mit einer Glasscheibe ausgestattete Hauptaltar zog uns gleich sofort an. Niklaus von Flüe, der Schweizer Landespatron, ist in ihm als versilberte Figur präsent. Sie ist ein Reliquienbehälter, birgt in ihrem Inneren die Reste jenes Mannes, der im 15. Jahrhundert zuerst als hablicher Bauer im Dorf Flüeli unweit von Sachseln lebte, um dann Frau und Kind zu verlassen und in der nahen Ranftschlucht als Asket zu leben. Klaus war eine Art Weisheitsinstanz oder auch Orakel der Alten Eidgenossenschaft, ein Friedensstifter und Visionär und Mystiker, den einfache und mächtige Leute aufsuchten und um Rat baten. Nach seinem Tod wurde der Bruder Klaus in der Kirche von Sachseln beigesetzt, dem Vorgängerbau der heutigen Kirche, in die man den Sarg 1679 überführte. Der Hauptaltar ist neuzeitlich, er stammt aus dem Jahr 1976. Ebenfalls zu sehen ist in der Kirche in einem Glaskasten Klausens Eremitenrock, den seine Frau Dorothea gefertigt haben soll. Auf den Besuch des Museums Bruder Klaus gleich neben der Kirche verzichteten wir aus zeitlichen Gründen. Dafür besuchten wir die Sammlung Sigrist. Was das ist – mehr davon morgen oder übermorgen.
Klaus als Vermittler und Friedensstifter an der Aussenwand der Kirche.

Sonntag, 29. Oktober 2023

Bei den Pfadi

Am Freitagabend war ich Gast bei den Altpfadi Zollikon und hielt einen Vortrag – mit Fotos natürlich – über grosse Steine der Schweiz. Der Fast-Vollmond machte mir Freude während des Anmarsches von Waltikon zur Schützenstube Breitwis in Zumikon. Als ich dort kurz vor sieben eintraf, brannte im Cheminée ein schönes Feuer, der Hüttenwart und seine Frau waren am Kochen und der Apéro voll im Gang. Bald gabs Znacht: Flädlisuppe, Salat, Kalbsgeschnetzeltes mit Kartoffelküchlein. Und Rotwein. Nie war ich unter Pfadi gewesen, die Senioren und Seniorinnen, etliche über 80, nannten sich bei ihren Pfadinamen wie Molch, Spatz, Fips, Conte, riefen alte Spassverse ab, machten an einem Pfadi-Wissen-Quiz mit und sangen zur Gitarrenbegleitung Lieder, von denen ich die meisten nicht kannte. Auch die Botschaft eines todkranken Abwesenden wurde vorgelesen, in traurigen Reimen verabschiedete sich der Mann von allen. Mein Vortrag kam dann, denke ich, gut an, und als ich gegen zehn Uhr heimging, erinnerte ich mich, dass ich als Kind auch gern zu den Pfadi gegangen wäre. Bei uns im Dorf gabs die aber nicht. Stattdessen ging ich in den Turnverein, was nicht annähernd so stilvoll war.

Samstag, 28. Oktober 2023

Metzgete, Metzgete, Metzgete

Fleischlastiger Teller. (Jocian/Wikicommons)

Mir kommt es vor, als veranstalteten Jahr für Jahr mehr Restaurants im Land eine Metzgete. Manche reihen gar über die Wochen hinweg mehrere Metzgeten aneinander. Bisweilen bin ich dann froh, wenn ich auf Wanderung eine Beiz finde, in der es eine normale Karte hat. Eine ohne Adrio, Schlachtplatte, Blut- und Leberwürste, frische Koteletts. Gestern las ich im "Blick" eine kurze Geschichte der Metzgete. Dass diese Teil der hiesigen Profigastronomie ist und dass alle Gesellschaftsschichten teilnehmen von der Lehrerin bis zum Lastwagenfahrer und vom Pfleger bis zur Kosmetikerin, diese Tradition ist noch gar nicht so alt, das begann so circa 1940, während die Fleischproduktion professionalisiert und industrialisiert wurde. Zuvor hielt man Schweine – das Schwein ist das Haupttier der Metzgete – nicht nur auf Bauernhöfen, sondern auch in der Stadt. Man fütterte das Tier mit Essensresten, führte es zum Fressen auch in den Wald. Kam die Kälte, kam der Schlachttermin. Die Metzgete war  damals ein Brauch in der kleinen Gemeinschaft, öffentlich ausgeschrieben für zahlende Gäste wurde sie eher selten.

Freitag, 27. Oktober 2023

Tod eines Influencers

Ein Teil der riesigen Piazza dell'Unità d'Italia in Triest,
beim Palast rechts der Bildmitte handelt es sich um das Hotel Duchi d'Alba.

Johann Joachim Winckelmann
auf einem Gemälde, das 1794
entstand, lange nach seinem Tod.
(Gleimhaus Halberstadt / Wikicommons
Ich lese Reiseführer am liebsten, wenn ich aus den Ferien zurück bin. So auch im Fall von Triest, wo ich vor zwei Wochen war. Aus dem Reiseführer über Triest erfuhr ich gestern, dass das grandiose Hotel Duchi d'Aosta am wichtigsten Platz der Stadt, der Piazza dell'Unità d'Italia, am Ort eines älteren Hotels steht. Und dass in jener "Locanda Grande" Johann Joachim Winckelmann ermordet wurde. Erdolcht, in seinem Zimmer. Winckelmann, ein Deutscher, war mir vage ein Begriff, er gilt als Begründer der wissenschaftlichen Archäologie, schrieb aber auch hinreissend über die Ruinen Italiens und weckte in seinen Landsleuten eine Art Klassikfieber; Deutschland war damals im 18. Jahrhundert dem Barock und Rokoko zugetan, aus der Sicht Winckelmanns, der für die alten Römer und noch viel mehr für die alten Griechen schwärmte, waren diese Stilrichtungen Schwulst. Für die Meisterstücke der griechischen Antike prägte er das Motto "Edle Einfalt, stille Grösse"; "Einfalt" meint so viel wie Schlichtheit, Schnörkellosigkeit. Während Winckelmann 1768 in der erwähnten "Locanda Grande" zu Triest weilte, traf er einen Zimmernachbarn, einen vorbestraften Koch. Und zeigte diesem in aller Arglosigkeit vier Gold- und Silbermedaillen, die er von der Habsburgerkaiserin Maria Theresia als Geschenk erhalten hatte. Worauf es zum Raubmord kam. Sterbend konnte der 50-jährige Winckelmann den Behörden noch den Namen des Täters nennen. Der wurde bald gefasst. 

Donnerstag, 26. Oktober 2023

Ein Tunnel geht in Pension

Im März 2022 gabs den neuen Tunnel noch nicht. Auf der Heimreise von Euseigne
nach Zürich fotografierte ich aus dem Postauto den bestehenden Tunnel.

Es ist vollbracht, vor wenigen Tagen ist der neue Tunnel bei den Erdpyramiden von Euseigne im Wallis eingeweiht worden. Die Pyramiden kamen hier schon mehrmals vor, sie sind als geologisches Schauspiel berühmt, verblüffend, wie auf einzelnen Spitzen der betonharten Moränenwand Steine liegen, als hätte ein verspielter Riese hier Schabernack getrieben. Seit Jahren gab es allerdings ein Problem mit dem Verkehr, 3500 Fahrzeuge nutzten täglich den Tunnel durch die Pyramidenwand und setzten dieser – Vibrationen! – zu. Mit dem neuen Tunnel, der etwas mehr als 10 Millionen Franken gekostet hat, ist das Problem beseitigt, er liegt etwas abseits und ist übrigens auch breiter, was zur Verkehrssicherheit beiträgt. Beim alten, jetzt sozusagen pensionierten Tunnel sollen eine Fussgängerzone sowie ein Besucherpavillon entstehen.

PS: Ein schönes Foto mit beiden Tunneln, dem alten und dem neuen, findet man hier.

Mittwoch, 25. Oktober 2023

Das Pionierbänkli

Die Giessbachfälle. Ein Foto des Ortes 
mit Bänkli habe ich leider nicht.

In der "Schweizer Revue", dem Magazin für die Auslandschweizerinnen und -schweizer, las ich grad einen langen Artikel über Bänkli. Im Text äussert sich unter anderem eine Soziologin, die einen Verein zur Förderung der Schweizer Bankkultur gegründet hat. Sie erwähnt, dass eines der allersten Bänkli der Schweiz bei den Giessbachfällen platziert wurde. Dort legte man gleichzeitig Gehwege für die englischen Touristen an, damit sich diese die Schuhe nicht schmutzig machten mussten. Beide zivilisatorischen Vorrichtungen in Kombination erlaubten das komfortable Geniessen wilder Natur. Wer mehr wissen will, findet den Artikel hier.

Dienstag, 24. Oktober 2023

Die Kantone ohne

Am 7. Dezember ist Bundesratswahl, es geht um die Nachfolge von Alain Berset. Was mich in diesem Zusammenhang immer wieder erstaunt: Nidwalden, Schaffhausen, Schwyz und Uri hatten noch nie einen Bundesrat oder eine Bundesrätin. Krass übervertreten im Bundesrat hingegen: Neuenburg. Berücksichtigt man die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner, hätte Neuenburg bisher zwei Mal ein Bundesratsmitglied stellen dürfen. Es hatte aber schon neun Bundesräte.

Emil Frey. Er wanderte 1860 mit 22
Jahren nach Amerika aus, nahm am
amerikanischen Bürgerkrieg teil und
kehrte 1865 in die Schweiz zurück.
(Foto: Wikicommons)
Und gleich noch etwas Interessantes zum Thema aus derselben Quelle: 1890 wurde der Baselbieter Emil Frey in die Landesregierung gewählt. Ein Amerika-Rückkehrer. Er besass auch den amerikanischen Pass und war somit Doppelbürger. 

Montag, 23. Oktober 2023

Fossatis letzte Bleibe

Hier ruht in der Kapelle, die er selber ersann, Gaspare Fossati.
Das Hagia-Sophia-Relief im Inneren.

Blick von der Terrasse des Friedhofs Morcote
über den Luganersee Richtung Süden.
Der Friedhof von Morcote wird immer wieder mal als schönster Friedhof der Schweiz bezeichnet. Das ist nachvollziehbar. Allein die Lage: Hoch über dem Luganersee ist er eingerichtet in einem terrassierten Hang, hier triumphiert der Tod über das Leben, in der Tiefe schimmert das Wasser, dahinter zieren Berge den Horizont. Die splendiden Grabmale für vergessene Grössen wie den Opernbariton Georges Baklanoff reihen sich. Auch Kunst gibt es zu betrachten, so das Grab eines Bankiers mit einer Henry-Moore-Skulptur. Als wir den Friedhof vor einer Woche aufsuchten, hatten wir etwas Bestimmtes im Sinn. Die Kapelle des Gaspare Fossati wollten wir besichtigen, des grossen Tessiner Architekten aus Morcote, der im 19. Jahrhundert zuerst Hofarchitekt des Zaren war und dann für den Sultan des Osmanenreiches wirkte. In ganz Europa machte Fossati Furore, als er in zwei Jahren die vom Einsturz bedrohte altehrwürdige Hagia Sophia rettete und erneuerte. Im Inneren der Grabkapelle aus roten Ziegeln, die er 1869 für sich und seinen Bruder Giuseppe erschuf, findet sich ein Relief. Es zeigt … die Hagia Sophia.

Sonntag, 22. Oktober 2023

Stächelegg, wie weiter?

Am ersten Tag des Jahres 2023 wars nicht winterlich, sondern herbstlich.
Wir stiegen von Romoos auf den Napf (linker Bildrand). In der Stächelegg
(das Haus rechts der Bildmitte) kehrten wir kurz ein und tranken etwas.

Napf-Wanderer und -Wanderinnen kennen die Alpwirtschaft Stächelegg, sie liegt einen Kilometer vom Gipfel entfernt auf Boden von Trub BE. Am Neujahrstag, vor knapp zehn Monaten, machten wir hier Pause, das erste Getränk war gratis – eine grosszügige Geste. Ob man auf der Stächelegg auch in Zukunft einkehren kann, ist allerdings offen. Im August verstarb der Besitzer unerwartet. Er hatte sich wegen gesundheitlicher Probleme eine Auszeit in Gambia gönnen wollen und war dort im Flughafen zusammengebrochen. Das las ich gestern in der "Berner Zeitung". Ob der als Erbe eingesetzte Geschäftspartner übernimmt, muss sich noch zeigen, es dürfte unter anderem davon abhängen, ob der Betrieb schuldenfrei ist, stand in dem Artikel. Derzeit und auf den Winter hin ist das ziemlich rudimentäre Lokal geschlossen.

Samstag, 21. Oktober 2023

Dann brach er zusammen

Dunkle Wolken über der Säntiskette.

Dem Höndli ist das Wetter völlig egal.
Hauptsache, man geht mit ihm raus.
Gestern fuhr ich wieder einmal ins Ausserrhoder Mittelland, um das Höndli meiner Schwester zu hüten, sie war kurz mal verreist. Als ich am frühen Morgen in Bühler aus dem Zug stieg, blies mich der Wind fast um. Föhnsturm. In den Höhen über dem Dorf waren die Böen noch viel wilder, überall lagen Äste herum, der Lärm war erschreckend, es knatterte und orgelte aus dem Wald. Nach einer halben Stunde erreichte ich das Hemetli der Schwester. Und bald schon machten das Höndli und ich uns auf zu einer grossen Runde durch die Hügel, wobei wir in der Hohen Buche Pause machten; das Höndli kroch unter den Tisch und schnarchte, während ich Kafi trank und mit der Wirtin gsprächlete. Gegen halb elf dann wurde es auf einmal still, der Föhn war zusammengebrochen, die Ruhe nach dem Sturm kam mir unheimlich vor. Bald begann es zu tröpfeln. Als ich am späten Nachmittag wieder hinab ins Dorf und zum Bahnhof ging, regnete es richtig fest, gut, hatte ich die Pelerine dabei. Der Freitag hat mir ein Wetterspektakel geschenkt.

Freitag, 20. Oktober 2023

Endlich Herbst

Die Radarkuppel bei der Lägern-Hochwacht dient zur Sicherung des Flugverkehrs,
der Flughafen Zürich liegt in der Nähe.
Das Chaltbrünnli oberhalb Ennetbaden.
Etliche Male bin ich von Regensberg nach Baden gegangen. Über die Lägern, einen langezogenen Jurakamm, der im letzten Stück immer schmaler wird und Gefahr birgt. Vor allem bei Nässe. Gestern ging ich mit Freund M. von Regensberg nach Baden. Ab der Hochwacht, wo wir einen Kafi tranken, wählten wir den Weg, der am Südfuss der Lägern verläuft statt über den Kamm, es regnete sanft, das Gelände feuchtelte, rutschig war der Kalk, gegen Mittag hörten wir durch den Nebel Kirchenglocken, vielleicht waren es die von Oberehrendingen. Mir gefiel es, eine neue Lägern-Variante kennenzulernen. Und ebenso gefiel mir der Zmittag im Restaurant Schloss Schartenfels eine knappe halbe Stunde vor Ende der dreieinhalbstündigen Unternehmung. Wir hatten einen Fensterplatz mit Tiefblick auf Baden, der Pinot war würzig, das Geschnetzelte mundete ebenfalls. Schön, dass es endlich Herbst ist. Dass es kühl ist statt heiss. Dass Wolken den Himmel überziehen. Dass es nieselt und die Sonne nicht zu sehen ist. Diese Art Wetter macht die Wege wohltuend einsam.
Im Abstieg von Schloss Schartenfels nach Baden.

Donnerstag, 19. Oktober 2023

Neufundland liegt in der Schweiz

Ein Fischerweiler in Neufundland. 
Demjenigen in Kanada.
(Foto: Wikicommons/carlb)
Neufundland ist eine kanadische Insel im Atlantischen Ozean auf einer Fläche, in die man zweieinhalb Schweizen packen könnte. Auch hierzulande, sah ich gestern auf der Karte, gibt es ein Neufundland. Nein, sogar vier, in Quarten SG, in Flawil SG, in Büetigen BE und in Ilanz GR. Zu Neufundland in Quarten merkt ortsnamen.ch an, es könnte sich um "erst spät als Weideland erschlossenes Gebiet handeln, das deshalb scherzhaft diesen Namen erhielt". Ich nehme an, die Deutung lässt sich auch auf die anderen drei Schweizer Fluren übertragen.

Mittwoch, 18. Oktober 2023

1400 Stufen

Torello, oft auch "Torrello". Die Kirche ist mit dem einstigen Augustinerkloster zusammengebaut.
Die Vorspeise meiner Begleiterin:
Culatelloschinken mit Burrata,
schwarzem Trüffel und Focaccia.
Mit dem Bus fuhren wir vorgestern von Lugano los mit dem Plan, in Morcote die Wanderung hinauf zur Alpe Vicania und weiter nach Carona zu starten. Nun, das Leben wollte es anders, in der hässlichen Gewerbezone zwischen Pambio und Figino war die Strasse blockiert, ein Auto und ein Lastwagen waren zusammengestossen, nichts wirklich Schlimmes, bloss durch kam man nicht, alles wartete auf die Polizei. In solchen Situationen muss man umstellen. Taten wir, stiegen aus, folgten dem Flüsschen Scairolo bis Cernesio, nahmen dort den Waldweg via Torello und Madonna d'Ongero nach Carona hinauf. Der war grob und steil, doch auch von Esskastanien übersät. Schön, dass wir nun genau rechtzeitig zum Mittagessen in Carona eintrafen und das Restaurant Sosta offen vorfanden. Wir spiesen, es war gediegen und teuer, aber auch gut, nur schon mein Randentartare mit Zitrönchen und Kapern ... Die zweite Etappe war hernach leicht: hinauf zum botanischen Park von San Grato und hinüber zur Alpe Vicania, wobei wir grandios auf den Luganersee und auf Berge wie den San Salvatore, den Sighignola, den Monte Generoso und den Monte San Giorgio blickten. Etappe drei war hingegen wieder ein bisschen anstrengend: Wir wählten die Direttissima nach Morcote hinab, also den Treppenweg mit über 1400 Stufen. Unten stellten wir befriedigt fest, dass die Knie das bestens durchgestanden hatten, da war weder Schmerz noch Schlottern. 4 Stunden hatten wir für die ganze Route gebraucht bei 570 Meter aufwärts und 590 abwärts. An Ende der Unternehmung stand, was im Tessin oft am Ende einer Wanderung steht: un gelato.
Zwischen Carona und Alpe Vicania: Blick auf den Luganersee.
Hinten die Kette mit dem Monte Generoso.

Einige wenige der 1400 Stufen hinab nach Morcote.
Gleich sind wir in Morcote.

Dienstag, 17. Oktober 2023

Die Beute für heute


Ist das nicht seltsam: Da redet man immer von Food Waste und dass man Nahrungsmittel auf keinen Fall wegschmeissen darf. Und dann geht man im Tessin wandern und sieht, dass der Boden mit feinster Essware bedeckt ist. Scherz beiseite jetzt – gestern war ich in der Gegend von Carona unterwegs, überall lagen im Wald die Marroni rum, die meisten davon noch in ihren Stachelhüllen. Ich klaubte und klaubte und klaubte auf. Heute Mittag gibt es ... nun, ich habe mich noch nicht entschieden. Risotto mit Kastanien? Ein Kastanien-Süsskartoffel-Süppli? Ein Steinpilz-Kastanien-Ragout mit Polenta? Wir werden sehen. Und geniessen.

Montag, 16. Oktober 2023

Gott sei Dank blies die Bora nicht

Triest by night.

Das waren letzte Woche gute Kurzferien in Triest. Fassen wir zusammen. Die Stadt in unmittelbarer Nähe zur slowenischen Grenze ist ein Ort, wo sich die Kulturen mischen. Immer wieder merkten wir das beim Essen, die "patate" zum Beispiel, die mir mal zu einer Tagliata gereicht wurden, waren keine Bratkartoffeln oder so ähnlich. Nein, Kartoffelstampf mit Speckwürfeli wurde aufgetragen, das war alpin und deftig, als seien wir in der Steiermark. A propos Essen: Zu unserem Liebling erkoren wir einstimmig die Antica Hostaria da Libero, die abseits der Touristenmeile liegt. Herzliche Atmosphäre, die Frau bediente, der Mann kochte, allein das Primo, die Gnocchi an gehacktem Fleisch, machte mich satt. Freude bereitete uns auch das Wetter, es war die ganze Zeit warm bis heiss, die gefürchtete Bora, die schnell mal mit 100 Stundenkilometern bläst und Brillen locker vom Kopf fegt, war nicht aktiv. Gut zurecht kamen wir mit dem öffentlichen Verkehr, das Busnetz ist weit gespannt und funktioniert. Last not least spricht für Triest, dass es samt Umland einfach enorm viel zu bieten hat, aber das habe ich ja in den Einträgen der vergangenen Tage von Kalkhöhle über Karst bis brutalistische Kirche bereits dokumentiert. Etwas vom Letzten, was wir unternahmen: Wir bestiegen ein Boot – der einzige Ganzjahreskurs – und tuckerten vorbei an all den Containerflächen mit den gewaltigen Kränen und den noch viel gewaltigeren Kreuzfahrtschiffen zum Nachbarort Muggia. Der kam uns mit seinen engen Gassen ein wenig vor wie Gandria im Tessin. Man vergleicht das Fremde halt gern mit dem, was man aus der Nähe kennt.
Der Dom von Muggia. Wir erreichten den ...
... Ort per Kursboot und sahen dabei einiges vom Triester Hafen.

Sonntag, 15. Oktober 2023

Maria, Sisi und die Quallen

Die Wallfahrtskirche auf dem Monte Grisa nah Triest und ...

Am Donnerstag verbanden wir im Umland von Triest in einer knapp zweistündigen Wanderung zwei Bauwerke. Zum einen suchten wir die in exponierter Stellung am Rande des Karsts platzierte Wallfahrtskirche auf dem Monte Grisa auf. Sie ist im Stil des Brutalismus gebaut, also aus Beton. 1966 wurde das Santuario Nazionale a Maria Madre e Regina geweiht und erregt seither die Gemüter; die Kirche sei hässlich, heisst es, sie mache depressiv. Könnte ich nicht sagen, mir gefiel die Konstruktion mit dem Grundelement des gleichschenkligen Dreiecks. Leider ist das Innere vollgestopft mit Heiligenbildchen in grellen Farben, mit schlecht gemachten Statuen, überladenen Andachtstexten auf Tafeln und so weiter. An diesem Ort ist der Katholizismus kitschig, dass es wehtut. Schloss Miramare, das wir im Folgenden besichtigten, steht ebenfalls ausserhalb von Triest und ist in seiner Position auf einem Landvorsprung im Meer auch von weitem sichtbar. Die Hafenstadt war über fünfeinhalb Jahrhunderte Teil des Habsburgerreiches, gern stiegen die Angehörigen der Dynastie hier ab, spazierten durch den riesigen Park, schauten übers Wasser, empfingen Gäste; auch Sisi, also Kaiserin Elisabeth, liess es sich im Schloss, das Gotik, Neorenaissance und Barock ziert, gut gehen. Stattlich ist sie, die 1860 vollendete Anlage. Von einem Fussbad auf der Mole ist allerdings abzuraten: Das Wasser, sahen wir, ist voller Quallen.

... Schloss Miramare, das ebenfalls nicht in, aber bei Triest steht.

Samstag, 14. Oktober 2023

Wir wanderten in Slowenien

Im Rosandratal.
Die Kirche Santa Maria in Siaris war leider verschlossen.

Die Hafenstadt Triest ist vom Karst umgeben, einer Hochfläche aus Kalk mit Spalten, Höhlen, Schratten. Genau einen Taleinschnitt gibt es in der Gegend, den des Rosandratals, heute ein Naturpark. Am Mittwoch wanderten wir dort, drehten vom Dorf Bagnoli della Rosandra aus eine Runde. Circa fünf Stunden waren wir unterwegs, eingerechnet die halbstündige Einkehr in der Locanda Mario im Dorf Draga. Wir sahen viel. Natürlich das Flüsschen selber und einen Wasserfall. Aber auch die abgelegene Kirche Santa Maria in Siaris. Und Reste eines Römerviadukts. Das Tal, das von Fluhen umgeben ist, wirkte auf uns ziemlich einsam. Grossartig fanden wir den Moment, als wir vom Monte Stena, 441 Meter über Meer, hinab aufs Meer blickten. Noch ein Letztes: So nebenbei war dies nicht nur eine italienische, sondern auch eine slowenische Route, der obere Teil des Rosandratals liegt in Slowenien.
Die Bucht von Triest.
An der Grenze zu Slowenien.

Freitag, 13. Oktober 2023

Säulen, Säulen, Säulen


5. Juli 1908, festliche Eröffnung, Kerzen erhellen die Kaverne einigermassen, Musiker spielen Melodien aus Wagners "Siegfried". 115 Jahre später gestaltet sich das Höhlenerlebnis wesentlich anders. Bombastische Operklänge gibts keine, wohltuende Stille waltet. Und die effektvoll eingesetzte Beleuchtung ist natürlich elektrischer Art. Am Dienstag besuchten wir zu viert die Grotta Gigante im Karst nah Triest bei der Ortschaft Sgonico. Sie ist riesig, die grosse Halle allein ist 99 Meter hoch, 76 Meter breit und 167 Meter lang; bis vor kurzem galt diese Höhle als grösste Schauhöhle der Welt. Wer an einer Führung teilnimmt, steigt über 500 Treppenstufen ab, legt unterirdisch einige Distanz zurück und steigt am anderen Ende wieder 500 Treppenstufen auf. Fantastisch sind die Stalagmiten und Stalaktiken überall – sie kamen mir vor wie das Werk eines besessenen Bildhauers, der nur eines will: immer neue Säulen schaffen.

Donnerstag, 12. Oktober 2023

Vicentini wars

Der Obelisk von Opicina, einem Ortsteil von Triest. Hier beginnt ...
... die Panoramaroute, die auf den Ingegnere Vicentini zurückgeht.
Dreieinhalb Kilometer lang ist die Strada Napoleonica, ein Flanierweg hoch über Triest für Fussgängerinnen und Fussgänger, den wir am Dienstag begingen. Wir starteten im Ortsteil Opicina, der 350 Meter über Meer liegt – beste Voraussetzung für den Blick auf Stadt und Bucht. Bei einem Obelisken beginnt der Weg, doch täuscht sich, wer meint, dieser Obelisk sei pharaonischen Ursprunges. Aber nein, das ein wenig plumpe Ding wurde 1830 errichtet zu Ehren des Habsburgerkaisers, der die damals seinem Reich zugehörige Stadt besuchte. Mit einem anderen Irrtum räumt gleich am Startpunkt zur Strada Napoleonica ein Schild auf: Die Strada ist wider ihren Namen nicht napoleonisch, auch wenn kolportiert wird, sie sei als Nachschubroute gebaut worden, während Napoleons Truppen gegen Ende des 18. Jahrhunderts nach Italien vordrangen. Tatsächlich war es der Ingenieur Giacomo Vicentini, der 1821 die Bauarbeiten einleitete; ihm schwebte vor, die Küste mit der verkarsteten Hochfläche zu verbinden, doch kam es nicht so weit. Was er schuf, waren die Anfänge einer grossartigen Panoramastrecke; in Anlehnung an Vicentinis Namen heisst sie korrekt "Strada Vicentina". Am besten gefiel uns auf unserer Flaniererei zum Dorf Prosecco, wo die Strada endet, die wildromantische Passage durch die Kalkfluhen. In ihnen waren Kletterer zugange. Jetzt hat man mal die Schweizer Berge mit Italien vertauscht. Und was sieht man? Alpinisten.
Felsfluh an der Strada Vicentini. Man beachte den Mann in der Wand.

Kein Wunder, mögen die Kletterer dieses Gebiet.

Mittwoch, 11. Oktober 2023

Die Jacht, die nicht segeln darf


Die Strada Napoleonica, ein Panoramaweg oberhalb Triest, hat gar nichts mit Napoleon zu tun, stellten wir gestern fest. Aber das will ich erst morgen oder so erzählen. Heute vorerst dieses Foto, das leider nur ungenügend dem zudienen kann, was ich berichten will; gestern morgen, als wir besagte Strada begingen, war es sehr dunstig. So dass man auch das Schiff nur knapp erkennt, um das es hier geht. Die "Sailing Yacht A", die als grösstes Segelschiff der Welt gilt, sitzt seit mehr als anderthalb Jahren in der Bucht vor Triest fest, die italienische Finanzpolizei hatte es verfügt. Dahinter stehen EU-Sanktionen gegen Russland, den Aggressor im Ukrainekrieg; der russische Oligarch Andrej Melnitschenko, dem das 530 Millionen Euro teure Gefährt gehört, ist nämlich auf besagter Sanktionsliste namentlich aufgeführt. Er bestreitet allerdings, der Eigentümer der Superjacht zu sein, vielmehr gehöre sie einer Gesellschaft. Der Rechtsstreit läuft, der italienische Staat hat insofern das Nachsehen, als er für die Bewachung und vor allem für die Wartung des 143 Meter langen High-Tech-Schiffes durch 20 Seeleute zahlen muss. Circa 800 000 Euro kostet das pro Monat – Stadtgespräch in Triest.