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Montag, 31. August 2026

Stau im Gebirge

Auf dem Schilthorn, der Zacken ganz rechts ist der Eiger mit der verschatteten Nordwand.
Hübsche Farbe: die Antriebsräder der Seilbahn.
Das Blüemlisalp-Massiv. Im Vordergrund leicht rechts der Mitte in Grün die Sefinenfurgge. (Foto: Ronja)
Eben machte ich mit Begleiterin Ronja einen Ausflug auf das Schilthorn. Seit bald einem Jahr ist es neu erschlossen; von Stechelberg gelangt man jetzt in drei statt wie bisher vier Seilbahn-Sektionen auf den Gipfel auf 2970 Metern über Meer. Hier ein paar Dinge und Beobachtungen:
Eine der Rolltreppen im Gipfelterminal.

  1. Atemberaubend ist die unterste Sektion von Stechelberg hinauf nach Mürren. Offenbar handelt es sich gar um die steilste Seilbahn der Welt.
  2. Schaut man in dieser Sektion rechterhand aus dem Fenster, sieht man in der senkrechten Felswand den Klettersteig Mürren-Gimmelwald. Ausgesetzter geht nicht. Krass, wie viele Leute dort unterwegs waren. Beim Einstieg in den Steig hatte sich eine riesige Schlange gebildet, Stau im Hochgebirge.
  3. Ich hatte im Gipfelrestaurant reserviert für 12 Uhr 30. Die arbeiten dort mit Slots, man soll bitte schön zur reservierten Zeit eintreffen. Taten wir. Bloss das Restaurant war nicht parat. Eine Riesenschlange hatte sich gebildet. Wir standen unten am Fuss der Wendeltreppe, die hinauf ins Restaurant führt. Die Schlange bewegte sich nicht. Um 12 Uhr 45 gingen wir wieder und assen später schön stressfrei in Zürich.
  4. Von der Panoramaterrasse hat man ein paar hundert Berge vor Augen. Mich erfreute etwas anderes noch viel mehr: Einigermassen nah konnte ich am Fuss des Blüemlisalp-Massivs die Sefinenfurgge ausmachen. Einen Pass, dessen Überquerung (von Gimmelwald bei Mürren zur Griesalp) mir in Erinnerung geblieben ist.
  5. Lauterbrunnen, wo man vom Zug auf den Bus nach Stechelberg zur Seilbahn umsteigt, ist ein Irrenhaus. So viele Leute sind dort unterwegs, dass der Bus kaum durch den Ort kommt. Die Berner Oberländer wollten Tourismus, jetzt haben sie, an gewissen Punkten jedenfalls, Overtourism.
    Schlange auf der Treppe zum Drehrestaurant.

Mittwoch, 19. August 2026

Vier Seen auf einen Streich

Das schönste Gewässer des Tages: der Seefeldsee, vom Abgschütz aus gesehen.
Abstieg vom Mittelpunkt der Schweiz Richtung Sachseln, der Anblick des Sarnersees motiviert.

Im letzten Eintrag erzählte ich vom Mittelpunkt der Schweiz auf der Älggi-Alp im Kanton Obwalden. Eigentlich wollte ich da gar nicht hin, als ich am Samstagmorgen auf Melchsee-Frutt früh startete. Mein Ziel war der Hochstollen, den ich vor mir hatte. Doch auf dem Abgschütz, einem Pass, fasste ich anderthalb Stunden später einen neuen Plan, dies schlicht darum, weil eine Riesengruppe junger Männer vor mir zum Hochstollen abbog. Auf dem Gipfel würde ich keine Ruhe finden, wusste ich und verspürte Unlust. Ich konsultierte den Abgschütz-Wegweiser, sah die Älggi-Alp als Ziel aufgeführt, voilà. Es folgte ein grober, wirklich sehr grober Abstieg zum Sachsler Seefeld durch eine geröllige Felsflanke: hohe Tritte, Ketten, Eisenbolzen halfen. Auf dem Seefeld wurde alles wieder leicht, und bald erreichte ich, eine Geländestufe tiefer, den Mittelpunkt der Schweiz. Was mich dort enttäuschte, habe ich gestern erzählt: Das Gasthaus war geschlossen. Mittlerweile wasserlos, trat ich den langen Marsch hinab nach Giswil oder Sachseln an; weil es gegen Westen zu nach Gewitter aussah, nahm ich nicht den Pfad durch das Tobel der Kleinen Melchaa. Zwei Stunden lang tippelte ich auf dem Strässchen, Autos fuhren praktisch keine vorbei. Ich fühlte mich schon ziemlich ausgetrocknet, als weit unten doch ein Auto kam und hielt. Ein junger Obwaldner lud mich auf, so fiel der Schluss meiner Wanderung komfortabel aus, in Sachseln rehydrierte ich im "Denner" – herrlich. Aber anstrengend war das durchaus gewesen: fast fünfeinhalb Stunden Gehzeit bei 430 Höhenmetern aufwärts und 1750 Höhenmetern abwärts. Und noch dies: Nicht zuletzt waren es die vier wunderbaren Seen und Seelein, die mir von dieser Route bleiben werden.
Zwei Stunden Hartbelag: das Strässchen, auf dem ich Richtung Sachseln marschierte.

Montag, 10. August 2026

Ein Tag im Gebirge

Zehn Minuten vor Wanderende: Es wird Abend in Sur.
Wunderschön, diese Wanderung. Aber auch anstrengend. Kürzlich nahm ich die frühestmögliche Verbindung vom Zollikerberg auf den Julier, Haltestelle La Veduta. Unterwegs stieg mein Bündner Bergfreund Peider zu, gemeinsam starteten wir auf dem Pass. Stiegen das Val d'Agnel hinauf, bogen ab zum höchsten Punkt des Tages, der Fuorcla digl Leget auf 2710 Metern über Meer. Das namensgebende Seelein ("Leget") lag uns zu Füssen. Hart der folgende Abstieg, zuerst gingen wir auf einem enorm steilen, rutschigen, bröseligen, staubigen Erdpfad, kamen dann in die Geröllzone. Weiter unten erreichten wir Weideböden, weit war es freilich auch da noch bis zur Alp Flix. Als wir auf ihr ankamen, gönnten wir uns auf der Terrasse des Berghauses Piz Platta Kaltes, ich ein Bier, Peider einen Eiscafé. Nun hätten wir eine Stunde warten müssen bis zur Abfahrt des Kleinbusses, der hinab nach Sur verkehrt. War uns zu lang, wir machten auch dieses unschwierige Stück noch zu Fuss und langten rechtzeitig unten an. Die Zeit hätte sogar noch für einen Einkauf im modernen, automatisierten 24-Stunden-Laden von Sur gleich bei der Postautohaltestelle gereicht, bloss kamen wir drinnen nicht mit der Kasse zurecht. Kein Problem, es wäre ja mehr ein Sympathiekauf gewesen. Um 5 Uhr 25 morgens war ich im Zollikerberg gestartet, um 21 Uhr war ich wieder daheim – um grandiose Eindrücke reicher. (5 Stunden, 640 Meter aufwärts, 1310 Meter abwärts)

PS: Morgen geht es um einen Abstecher auf dieser Wanderung zu einer grossartigen geologischen Formation.

Allein der Anblick kühlt ab: das Seelein auf der Fuorcla digl Leget.
Steiler Abstieg von der Fuorcla.

Es ist nicht mehr weit bis zu den flachen Böden der Alp Flix (Bildmitte).
Romantisches Surses: Spätnachmittagslicht auf der Alp Flix.

Freitag, 24. Juli 2026

Durch den Bannwald

Noch 45 Minuten bis Zwüschetmythen, in diesem oberen Teil des Aufstiegs gibt es ...
... beeindruckende Rüfen mit Geröll.


Widmer bei der "Brunni Lodge".
Fast 1000 Höhenmeter aufsteigen, aus dem Flachland, an einem Julitag? Kein Problem, wenn man es zu einem guten Teil im Wald tut, in diesem Fall dem Mythenbann, der den Flecken Schwyz vor Lawinen und Rutschen schützt. Ging – vorgestern wars – gut, wir hatten keine Probleme. Der Weg ist steil, wird im oberen Teil ein wenig abenteuerlich, es gilt ein paar Geröllrüfen zu queren. Wunderbar dann die Ankunft auf dem Pass Zwüschetmythen, der seine eigene Verortung im Namen enthält: Er findet sich auf 1437 Metern zwischen dem Grossen und dem Kleinen Mythen. Schwyz liegt einem zu Füssen, die Berge reihen sich, besonders nah sind der Fronalpstock, der Niederbauen und die Rigi Hochflue. Vergleichsweise leicht fiel der Abstieg aus, eine Stunde brauchten wir via die Alp Zwüschet Mythen nach Brunni, wo der Bus nach Einsiedeln fährt. Mit deftiger Kost, in meinem Fall einer Bratwurst, endete in der "Brunni Lodge" die Tour in voller Zufriedenheit.
Gehzeit knapp vier Stunden, 960 Hm aufwärts, 425 Hm abwärts.

Auf Zwüschetmythen, unten der Talboden mit Schwyz, Brunnen und dem Vierwaldstättersee,
ganz links der Fronalpstock, ganz rechts die Rigi Hochflue.

Dienstag, 14. Juli 2026

Oberstes Dorf und Ödland

Zelle der Zivilisation: das Kloster Disentis.
Als wir letzten Samstag den Vorderrhein hinauffuhren, dachte ich, dass zwei Ortsnamen in der Kombination eine stimmige Episode zur Besiedlung der Talschaft enthalten. Sumvitg ist gleich summus vicus, höchstes Dorf. Sumvitg war somit als oberster Vorposten am Vorderrhein schon da, als noch etwas weiter oben das Kloster Disentis gegründet wurde; Disentis hat zu tun mit desertus, was verlassen bedeutet. Genau das fanden die Klosterpioniere im achten Jahrhundert dort vor: ödes Land. Was die Dörfer noch weiter hinauf zum Oberalppass, Sedrun etwa, betrifft: Sie gehen auf das Kloster zurück.

Dienstag, 7. Juli 2026

Rahmschnitzelsamstag

Abstieg vom Chellenchöpfli Richtung Bättlerchuchi.

Hübsch abenteuerliches Wegstück vor dem Berggasthaus Obere Wechten.
Noch 40 Minuten bis zum Zmittag.
Mein Rahmschnitzel.
Am Samstag wanderten wir bloss drei Stunden, wobei wir aber doch 440 Höhenmeter auf- und 730 Höhenmeter abstiegen. Start war bei der Bergstation der Wasserfallenbahn im Baselbiet, wir drehten zuerst eine Runde nach Hinderi Egg und zum Chellenchöpfli (Eintrag von gestern), gingen dann Richtung Bättlerchuchi, zweigten dort ab vom Kretenweg, der zum Vogelberg führt. Das folgende Stück zum Berggasthaus Obere Wechten begeisterte uns: zum Teil überhängende Fluhen aus Kalk, ein schmaler Pfad, Seilsicherungen. Über Ober Passwang und das Restaurant Alpenblick, eine Töffbeiz direkt an der Passwangstrasse, kamen wir zu einem Bauernrestaurant, dem "Hagli", das ein wenig abseits der Strasse liegt. Dort assen wir einen sensationell günstigen Viergänger: Suppe, Salat, Rahmschnitzel mit Beilagen und ein kleiner Romanoff für 24 Franken. Fein wars auch, was ja das Wichtigste ist. Leicht fiel uns dann der kurze Schlussabstieg durch ein Tobel mit einer Lourdesgrotte und einem Kreuzweg nach Ramiswil SO. Am Ziel war es in der Sonne sengend heiss, nachdem uns zuvor in der Höhe ein kalter Wind zugesetzt hatte; das Samstagswetter hat uns erstaunt.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Entwertet

Beim Chräzerenpass. Die Passhöhe ist mehr oder 
minder bewaldet, man sieht nicht viel.
Ein Wort noch zum Chräzerenpass, bei dem wir am Pfingstsamstag vorbeikamen, kurz bevor unsere Wanderung auf der Schwägalp endete. Er ist der Prototyp eines Passes, den eine modernere Verkehrsverbindung entwertet hat. In diesem Fall ist das die Schwägalpstrasse, die 1935 gebaut wurde, um die neue Schwebebahn von der Schwägalp auf den Säntis zu erschliessen. Zuvor war der Kulminationspunkt des Überganges von Urnäsch AR nach Nesslau SG einen Kilometer westlich der heutigen Schwägalp-Passhöhe platziert; der Chräzerenpass eben, 1267 Meter über Meer. "Chräzeren" bezeichnet übrigens ein Gebiet mit Rinnen und Engstellen. 

Mittwoch, 4. Februar 2026

Über den Gotthard gondeln

Verkehrt hier in Zukunft eine Seilbahn?
Die Hochfläche der Gotthard-Passhöhe und des Gotthard-Hospizes ist im Sommer überlaufen. Und im Winter praktisch ausgestorben, wenn die Strasse geschlossen bleibt. Nun gibt es, las ich eben im "Blick", eine Idee, die Gegend ganzjährig zu erschliessen – mit einer Seilbahn. Mit einem Seilbahnnetz sogar, das Airolo, die Passhöhe und den Gemsstock im Skigebiet Andermatt verbinden würde samt einem Abzweiger nach Realp. "Porta Gottardo" heisst das Projekt privater Investoren. Eine vorläufige Umweltstudie kommt zum Schluss, dass es keine Gründe gibt, die Planung abzubrechen. Mal schauen, was aus der Sache wird.

Freitag, 15. August 2025

Passwanderung mit Schaf

Hurra, ein Lebewesen!
Im Abstieg Richtung Realp bei Giltnase. Gegenüber die untersten Kehren der Furkastrasse.
In den Bergen sind die Heidelbeeren reif.
Das Schaf schaute so vertrauensvoll über den Felsbrocken, als ich mich näherte. Auf der Alp Gatschola, einem ungemein weitläufigen, stark gekammerten, unübersichtlichen Boden, sömmern derzeit Hunderte Schafe. Vor sieben Jahren, las ich später nach, fiel im Gebiet ein Wolf ein und riss ein weibliches Schaf und fünf Lämmer. Nun, als ich durchkam, war kein Raubtier zu sehen. Hingegen machte ich in der Ferne eine Hüteperson mit Hund aus; sie war, abgesehen von einem einzelnen Wanderer, der einzige Mensch in diesem Gebiet, den ich erblickte. Der Bergpfad von der Gatscholalücke hinab nach Realp ist ja auch ruppig, er kann abschrecken, und im unteren, besonders steilen Teil nach dem Punkt Giltnase waren die Rot-Weiss-Markierungen arg verblasst. Begonnen hatte meine Tour von knapp fünf Stunden (650 Höhenmeter aufwärts, 1200 Höhenmeter abwärts) auf dem Gotthardpass. Via den Lucendro-Stausee, siehe Eintrag von gestern, und via Cascina della Gana stieg ich auf in ein Gebiet mit eingestreuten kleinen Seen, den Laghi della Valletta. Auf dieser ersten Hälfte der Tour, der leichteren, war ich nicht allein, zehn, fünfzehn andere Leute waren unterwegs. Und am einen Seelein fischte einer gemütlich. Auf der Gatscholalücke dann, 2528 Meter über Meer, wo das Tessin endet und der Kanton Uri beginnt, bekam ich eine neue Landschaft serviert, die des Urserntales mit der Furka-Passstrasse vis-à-vis. Vor dieser Kulisse begann mein einsamer Abstieg. Schön, war da das aufmerksame Schaf. Ob es heute wieder im Schatten des selben Felsens ruht?
Das Gehütt bei Cascina della Gana hat sich einen starken Partner zum Anlehnen gesucht.

Einsamer Angler an einem der Laghi della Valletta.

Samstag, 2. August 2025

Den alten Römern nachgewandert

Eines der ersten Fotos der Wanderung, aufgenommen in Casaccia: der Albigna-Staudamm. 
Noch 20 Minuten bis zum Pass: Blick zurück zu den Bergen über dem Malojapass.
Plättli mit Schüttelbrot in der Cesa da Sett bei der Passhöhe.
Darf ich vorstellen: der Septimerpass. Über ihn zogen schon die alten Römer, zwei Jahrtausende später tat ich es auch. Und wanderte – am Donnerstag wars – von Casaccia nach Bivio. Also vom Bergell ins Oberhalbstein. Viereinhalb Stunden brauchte ich für die Route, die auf 2310 Metern über Meer kulminiert; ich stieg 880 Höhenmeter auf und 570 Höhenmeter ab. 
Wichtig ist etwas anderes: Der Übergang führt durch eine beeindruckende Landschaft. Davon erzähle ich heute in einigen Fotos, ein paar historische Dinge folgen morgen.
Erste Aufnahme nach der Passhöhe. Irgendwo da unten ist die Julierstrasse.

Die Eva da Sett bei Tgavretga. Den Bach zieht es wie mich Richtung Bivio.

Dienstag, 29. Juli 2025

Plan A – und Plan B

Da hätte ich heute gerne pausiert: die Cristallinahütte
auf dem Cristallinapass, 2577 Meter über Meer.
(Foto: Paebi/Wikicommons)
Ich hätte eigentlich heute die anstrengende Wanderung von Ossasco im Bedrettotal über den Cristallinapass zum Stausee von Robiei machen wollen, um dort im Stauseehotel hoch über dem Bavonatal zu nächtigen. Bloss – mir ist das Wetter zu dubios, auf dem Pass kann die Temperatur nachts gar unter null Grad sinken; auch handelt es sich um Nordtessin, die Regenwolkenballungen in der Deutschschweiz sind nah. So habe ich mir eine ganz andere Dienstagswanderung vorgenommen, eine weiter unten im Süden. Ich freue mich und hoffe, dass alles klappt und ich eine mittlere Portion Sonne abbekomme.

Montag, 20. Januar 2025

Bernhardin und Bernhard

Bernhardin von Siena auf einem
Gemälde des Kroaten Giorgio
Schiavone aus dem 15. Jh.
(Wikicommons)
Als im Jahr 1400 in Siena die Pest ausbricht, begibt sich der 20-jährige Bernardino degli Albizzeschi in Todesgefahr, er pflegt Kranke. Zwei Jahre später tritt er dem Franziskanerorden bei; er gehört in diesem Orden zur radikal die Armut als Lebensideal betonenden Fraktion. Bernhardin von Siena, wie wir ihn auf Deutsch nennen, wird Priester, lebt zwischenzeitlich aber auch als Eremit, zieht später mit seinen Anhängern mittellos von Stadt zu Stadt. Soweit in Kürze die Biografie dieses Heiligen, dem um das Jahr 1450 in Südbünden auf einem Pass eine Kirche gewidmet wurde; der Ort, an dem dies geschah, heisst seither "San Bernardino". Die Kirche, siehe Eintrag von gestern, gibt es noch heute.

PS: Die Namen der Pässe Grosser und Kleiner St. Bernhard gehen auf einen anderen Heiligen zurück, einen Franzosen, der mal Bernhard von Aosta und mal Bernhard von Menthon genannt wird. Dieser Bernhard  soll zur Mitte des 11. Jahrhunderts auf dem Grossen St. Bernhard die Herberge gegründet haben. Das Hospiz, das es bis heute gibt.

Freitag, 17. Januar 2025

Wir waren nur halb oben

Am Tag unserer Anreise, am Mittwoch, war das Wetter in San Bernardino durchzogen: ein bisschen Sonne, viele Wolken. Ungenügendes Fotolicht – das Ziel ist nämlich, vor Ort eine Zeitschriftenreportage zu realisieren, und die funktioniert ohne splendide Fotos nicht. Gestern Donnerstag wurde alles gut. Wir hatten Sonne. Uneingeschränkt. Von Morgen bis Abend. Um halb zehn montierten wir die Schneeschuhe, zogen zu viert los vom Dorf Richtung San-Bernardino-Pass. Für dieses Ziel muss man hin und zurück mit circa fünf Stunden rechnen. Unsereins kam nur bis zum Ponte Nev, einer kleinen Brücke über die junge Moesa, dort kehrten wir um. Das hat nichts mit mangelnder Fitness oder Faulheit zu tun, sondern damit, dass wir, ein Führer, die Kommunikationsfrau vom örtlichen Tourismus und ich, immer wieder stoppten, um für den Fotografen zu posieren oder uns nach seinen Anweisungen zu bewegen. Auch die Drohne lancierte der Fotograf zwischendurch. Alles fürs gute Bild. Ein Problem war unser Stottermodus keineswegs. Bei dem strahlenden Wetter war es nicht nur herrlich, auf der verschneiten Passstrasse zu gehen. Ebenso schön fanden wir es, auf ihr zu stehen.

Donnerstag, 26. Dezember 2024

Behende wie eine Katze?

Zwischen der Altmatt und der Chatzenstrick-Passhöhe. Das Strässchen war übel vereist.
Am Samstag hatte mein Grüppli das Weihnachtsessen. Bevor wir am Abend in Rapperswil so richtig zulangten, erlebten wir ein paar andere Dinge. Der Tag begann mit der anderthalbstündigen Wanderung von der Äusseren Altmatt nah Rothenthurm über den Chatzenstrick-Pass nach Einsiedeln und zu dessen Kloster. Die Route war für uns stimmig, weil sie mit dem Thema unseres Wanderjahres zu tun hatte. Wir jakobspilgerten heuer ja von Konstanz nach Genf; der Chatzenstrick ist ein alter Pilgerweg, der von Luzern und anderen Innerschweizer Orten nach Einsiedeln führt. Dass der Name des Überganges auf eine habliche Innerschweizer Sippe namens Kätzi zurückgeht, ist höchst umstritten; dagegen spricht, dass es Orte mit dem Namen Chatzenstrick auch anderswo in der Schweiz gibt. Das "Schwyzer Namenbuch" gibt an, dass "Strick" oft einen langgezogenen Weg bezeichnet, in diesem Fall einen, "dessen Begehung die Behendigkeit der Katze erfordert." Nun, wir fanden die Wanderung ausgesprochen leicht, auf beiden Seiten erschliessen Strässchen den Pass. Früher war das wohl anders.


Die Kapelle Maria End.
Und noch dies: Auf der Einsiedler Seite des Chatzenstricks stehen zwei Häuser, die auf einen frommen Schwyzer Regierungsrat des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Stephan Steinauer stiftete zur Erinnerung an seine verstorbene Frau die Kapelle Maria End. 1862 wurde sie geweiht. Ein paar Jahre später gründete er ein paar Meter entfernt eine Knaben-, Waisen- und Erziehungsanstalt. Deren Lehrerschaft oder Insassen – ich weiss es nicht genau – hatten die Pflicht, dreimal täglich das Kapellenglöcklein zu läuten. Die Anstalt gibt es längst nicht mehr, aus ihr wurde ein Ausflugsrestaurant. Dieses, in dem ich vor vielen Jahren einkehrte, ist auch schon wieder verschwunden. 2018 ersetzte ein sich am Original orientierender Neubau mit Wohnungen Steinauers Vorgängerbau. 
Der Neubau an der Stelle der ehemaligen Erziehungsanstalt
 und des späteren Ausflugsrestaurants.

Mittwoch, 13. November 2024

Bei Dorbach sah ich die Sonne

Auf dem Hilferenpass, Blick zurück.
Am Montag ging ich über den Hilferenpass, eine auf 1291 Metern kulminierende Säumerverbindung, die von Wiggen nah Escholzmatt nach Flühli führt, dem Dorf im Tal der Waldemme. Lassen wir doch die Fotos von dieser Unternehmung erzählen.

In Wiggen startete ich beim Egghus, für den Weg kaufte ich mir im Imbiss ein Sandwich.

Der Passweg besteht auf der Seite Wiggen zu drei Vierteln aus Hartbelag.
Bei Dorbach kam ich aus dem Nebel an die Sonne.
In diesem reizenden Gehütt bei Dorbach ass ich mein Sandwich. Sehr fein.
Was die Natur alles schafft. Ein Pilz kurz vor der Passhöhe. Heute steht er womöglich im Schnee.
Auf der Flühli-Seite des Passes trug das Sumpfgras Raureif.
Besonders mochte ich im Abstieg die Waldpartien.
Das ehrwürdige Kurhaus von Flühli. Dahinter die Zacken der Schwändiliflue.
Schöne Mutter in der Pfarrkirche von Flühli. Ihre rechte Hand ist etwas lang geraten, oder?