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Samstag, 29. August 2026

Der Playboy

Das Grab von Gunter Sachs in Saanen BE, die Schrift auf dem Stein ist stark verblichen.
Saanens schön schlichte Dorfkirche.
Gunter Sachs war Spross einer Industriellenfamilie, Bobfahrer, Fotograf, Filmer, Kunstsammler; sein Urgrossvater war der Opel-Gründer Adam Opel. Als ich ein Bub war, tauchte Gunter Sachs oft in den deutschen Illustrierten auf, die die Welt der Reichen und Schönen vorführten; dort wurde er stets mit dem Beiwort "Playboy" bedacht. Mit der persischen Ex-Königin Soraya hatte er eine Liaison, mit der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot war er drei Jahre verheiratet. 1932 in Deutschland geboren, war Sachs mit der Schweiz eng verbunden, seit er in St. Gallen das Internat "Auf dem Rosenberg" und dann im Engadin das "Lyceum Alpinum Zuoz" besucht hatte, um im Folgenden in Lausanne zu studieren. 2011 schied Gunter Sachs, damals seit Jahrzehnten auch Schweizer, in seinem Haus in Gstaad mit 78 aus dem Leben, er begründete den Suizid mit einer Alzheimer-Erkrankung. Auf dem Friedhof neben der Dorfkirche von Saanen ist er beigesetzt; gestern, als ich dort vorbeischaute, kam ich zum Grabstein.
Gunter Sachs im Jahr 1978.
(Foto: Christof Sonderegger /
ETH-Bibliothek / Wikicommons)

PS: Heute ist "Schweizer Familie"-Wandertag in Gstaad (Teil der Gemeinde Saanen, übrigens). Mit prachtvollem Wetter ist zu rechnen.

Montag, 3. August 2026

Ich ass industriell

Schöner essen: das Restaurant der Marina in Unterterzen mit dem Walensee.
Mein Zmittag: Flanksteak vom Kalb
mit Gemüse und Kartoffelpüree.
Das in den Walensee vorgeschobene Schwemmdelta von Unterterzen SG war über viele Jahrzehnte ein industrieller Standort, die Arbeiter kamen aus der ganzen Region, es gab Kamine und Ladekräne, die groben Steine wurden per Schiff vom gegenüberliegenden Steinbruch Lochezen-Walenstadt antransportiert, Kies und Sand kamen vom Gäsi, ebenfalls am Walensee gelegen, heute ein beliebter Campingplatz. Die "Zementi", die Cement- und Kalkfabrik Unterterzen AG, gehörte lange der Industriellenfamilie Schmidheiny. 1977 freilich stellte diese die Produktion ein, später dann auch das Mahlwerk. Eine deutsch-holländische Investorengruppe übernahm das Areal, baute ein Resort auf, das 2008 eröffnet wurde, im Folgenden aber in Geldnot geriet und konkurs ging. 2018 übernahmen neue Betreiber, zu denen auch die Bergbahnen Flumserberg gehören. Flumserberg: ein gutes Stichwort für mich: Nach meiner Wanderung von Mols auf den Flumserberg gondelte ich am Mittag des 31. Juli zum See hinab. Und ging in der Marina, wie die ganze Überbauung mit Hotel, Ferienwohnungen, Freizeitanlagen auch heisst, essen. War sehr gut, ich hatte irgendwie halluziniert, es würde vielleicht von der Decke Zementstaub auf den Teller rieseln. Dem war natürlich nicht so. Die Küche war modern, subtil, sogar ein bisschen kreativ. Wer gern direkt am Wasser speist – dies ist der passende Ort.

Die Zementi von einst: historisches Foto im Eingang zum Marina-Hotel.

Wo einst Zement fabriziert wurde, macht man heute Ferien.

Mittwoch, 22. Juli 2026

Maloya, mit Y

Die Busverbindung Kienberg–
Gelterkinden auf sbb.ch.
Im Postauto kam ich am Samstag an der Haltestelle "Gelterkinden, Maloya" vorbei. Der Name weckte in mir Erinnerungen – genau, Autoreifen. Das Unternehmen in Gelterkinden BL startete 1936 als Velopneu-Fabrik, der Inhaber war Bündner, daher nannte er seine Erzeugnisse Maloja; später wurde daraus Maloya mit Y. Ab 1949 stellte man auch Motorrad- und Autoreifen her. 1993 kam das Ende der Produktion in der Schweiz, die Pneufabrik war mit ihrem Standort im Hochlohnland nicht mehr konkurrenzfähig. Die Marke ist geblieben und gehört heute einem indischen Reifenproduzenten.

Montag, 20. Juli 2026

Nächstes Mal bringe ich die Machete mit

Wo ist hier der Weg? Im Burggraben oberhalb von Lostorf.
Blick vom Jura-Höhenweg nach Westen.
Am Samstag startete ich bei der Mineralquelle von Lostorf SO, wo unter anderem die Hausmarke des Grossverteilers Lidl abgefüllt wird. Weitläufig das Areal, in einer Gewerbehalle sah ich gestapelte Harasse. Ein paar Meter höher im Hang passierte ich anschliessend das zerfallende Bad Lostorf (Eintrag von gestern). Danach drehte ich nach Westen, kam ins Tälchen des Schwandenbaches, aus dem ich bald nach Norden abbog. In die Höhe. Im dichten Wald ging ich nun abseits des offiziellen Wanderwegnetzes. Mein Weg durch den Burggraben, gestrichelt auf der Landeskarte eingezeichnet, war aber gut, wenn man von wenigen Stellen absieht, an denen Buschwerk und Pflanzen mir buchstäblich über den Kopf wuchsen. Nach einer knappen halben Stunde erreichte ich den Jura-Höhenweg, der Rest war easy: via die Schafmatt, die Sternwarte Schafmatt, Oberer Sennhof, Unterer Sennhof kam ich nach Kienberg SO und beschloss dort die Wanderung nach etwas über drei Stunden (530 Höhenmeter aufwärts, 470 Höhenmeter abwärts). Tolle Route, finde ich. Was die paar verkrauteten, überwachsenen, verbuschten Wegstellen im ersten Drittel angeht: Das nächste Mal bringe ich eine Machete mit.
Die Sternwarte Schafmatt.

Letzte Meter zur Pfarrkirche von Kienberg. Leider fand ich sie verschlossen vor.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Der Gewerbepolizeipalast

Schöner Wohnen: die Villa Hohenbühl  beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich.
Man ist tausend Mal vorbeigefahren und hat nie richtig geschaut. Und dann wird eines Tages die Stadtzürcher Endhaltestelle der Forchbahn wegen Bauarbeiten vom Stadelhoferplatz 50 Meter Richtung Hegiplatz verschoben – und plötzlich nimmt man, an der Kreuzbühlstrasse stehend und auf den Zug wartend, die prächtige Villa wahr, die erhaben im Hang über den Geleisen am Bahnhof Stadelhofen steht. Das war am Sonntag. Die Villa Hohenbühl, auch "Villa Wegmann", ein Neorenaissancepalast, wurde 1889 fertiggestellt, hier residierte Friedrich Wegmann, 1832–1905, Erfinder, Müller, Industrieller, der sein Vermögen einem selbstkreierten und patentierten Porzellanwalzenstuhl für die Müllerei verdankte. Porzellanwalzenstuhl? Hm. 1949 erwarb die Stadt Zürich das Anwesen, lange mietete die Kantonsschule Stadelhofen es, mittlerweile ist im Rahmen einer Zwischennutzung die Gewerbepolizei einquartiert. Ich sags ja immer: In der Verwaltung sollte man arbeiten.

Samstag, 4. Juli 2026

Das Schmerzmittelfrühstück

Der Lärm der Maschinen. Der Stress. Die Monotonie. Das grelle Licht, das für diese Tätigkeit zwingend war. Der Staub. Der stechende Geruch des Maschinenöls und des Reinigungsbenzins. All das setzte den Leuten zu, die früher in den Uhrenfabriken – in diesem Fall denen im Jurabogen – arbeiteten. Viele betäubten sich jeden Morgen präventiv mit Schmerzmitteln, die damals in beliebiger Menge frei zugänglich waren, die es am Kiosk und auch am Automaten gab. Manche rührten das Pulver in den Kaffee ein oder bestreuten ihr Frühstücksbrot mit der zerdrückten Tablette. In den 1960er-Jahren stellte man in der Region denn auch einen massiven Anstieg an Nierenerkrankungen fest. Wer mehr über dieses ungute Stück Geschichte der hiesigen Uhrenindustrie wissen will, findet hier den interessanten Artikel einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Kultur-Historischen Museums Grenchen zum Thema.

Samstag, 23. Mai 2026

Sprengfreude

2013 wurde in Aarau das Rockwell-Hochhaus gesprengt, ich schrieb damals im "Tagi" eine Hommage ans Sprengen und rief deswegen auch den Innerrhoder Künstler Roman Signer an, der für seine Lust an der Detonation bekannt ist. Nein, er werde nicht nach Aarau fahren, um sich die Sprengung anzusehen, sagte Signer, er ziehe kleine Explosionen vor: "Wenn es zum Beispiel einen Hut lupft."

Vorgestern gabs in unserem Land wieder eine hübsche Sprengung eines industriellen Gebäudes. Im Wallis, in Collombey-Muraz. Dort tilgt man die Überleibsel der ehemaligen "Tamoil"-Raffinerie. Wie die zwei fast 100 Meter hohen Schornsteine, kumuliertes Gewicht 4000 Tonnen, binnen weniger Sekunden einstürzten: Das war grandios. 50 Kilo Sprengstoff haben es möglich gemacht.

Hier das knapp zweiminütige Filmli, gefunden auf der Plattform Youtube bei "vidsfromsam". Falls es unten mit dem Klicken nicht klappt, hier auch noch der Link.

Mittwoch, 29. April 2026

Luzerner Idyll

Abstieg von der Würzenegg ins Eigental.
Die Pilatuskette ist, vom Eigental gesehen, verwechselbar – 
der Pilatus (l.) wirkt nicht so markant wie aus anderen Winkeln.
1453 erwarb die Stadt Luzern das Eigental, ein Hochtal nördlich der Pilatuskette. Dessen Holz war eine begehrte Ware. Heute sind zwei andere Rohstoffe des Eigentals wichtiger. Zum einen das Wasser: Von hier oben kommt ein guter Teil des Trinkwassers, das 600 Meter tiefer in Luzern konsumiert wird. Das andere Luxusgut, das ist die Natur, das Eigental ist zur Naherholungszone der Stadt Luzern geworden. Seine Staulage begünstigt Regenfälle, so konnten sich mehrere Feuchtgebiete entwickeln, Flach- und Hochmoore. Dies ist ein Amphienlaichgebiet nationaler Bedeutung. Erfreulich, dass sich die Pläne zu Anfang des 20. Jahrhunderts zerschlugen, das Tal mit einer Sperre zu versehen und einen Stausee zu bauen. Am Samstag war das Eigental, wie ich gestern erzählt habe, unser Wanderziel. Wir fanden ein Idyll vor.

Mittwoch, 8. April 2026

Böhmerwald, Kanton Bern

Die Porzellanfabrik Langenthal auf einem Luftbild
von Walter Mittelholzer aus dem Jahr 1934.
(Foto: ETH-Bibliothek/Wikicommons)
Der Böhmerwald ist ein Gebirge, das sich über drei Länder zieht, Deutschland, Tschechien, Österreich; vor allem mit Tschechien assoziieren wir den Namen des Gebirges, weil in diesem "Böhmen" steckt, eine tschechische Landschaft. Was ich nicht wusste – und erst kürzlich von einem Redaktionskollegen erfuhr: Auch in Langenthal im Oberaargau, Kanton Bern, gibt es einen Böhmerwald. Eine Siedlung, geprägt von Fachkräften aus Böhmen, die um 1900 geholt wurden, um in der örtlichen Porzellanfabrik, der "Porzi", zu arbeiten.  Heute bilden die Häuschen mit den geschwungenen Giebeln und den kleinen Gärten ein eigenes, putziges Quartier.

Sonntag, 1. März 2026

Menschenwaschmaschine

Sie wäscht Menschen: die neue Maschine an der Expo 2025
in Osaka. (Youtube, der Film dauert zwei Minuten)
Immer wieder mal bin ich nach dem Wandern müde und denke zuhause, dass es schön wäre, wenn es eine Maschine gäbe, die mich duschen würde. So wie es Maschinen gibt, die Geschirr spülen. Oder Anlagen, die Autos waschen. Diese Woche las ich im "Tagi", dass es in Japan mittlerweile tatsächlich eine High-Tech-Maschine gibt, die Menschen säubert. 15 Minuten dauert der Vorgang, man legt sich in eine Kabine, die einem Sarg mit Kuppel gleicht, und sofort strömt warmes Wasser ein und beginnt die Reinigung. Eine gute Sache, ich würde die "Mirai Human Washing Machine" glatt bestellen. Zwei Dinge machen es – derzeit – unmöglich. Die Maschine passt bei einer Länge von 2 Meter 30 nicht in mein kleines und verstelltes Badezimmer. Und: Rund 300 000 Franken kostet sie. Kann ich nicht bezahlen. So bleibt mir nichts anderes übrig, als weiterhin selber die Reinigung meiner selbst zu besorgen.

Dienstag, 17. Februar 2026

Der Müller, der Baron und das Bier

Das kleine Feldbach mit seinem Bahnhof. Hinten in der Mitte Rapperswil.
Die Villa Rosenberg in Feldbach, in der der Müller und Bierbrauer
Hans Heinrich Hürlimann mit seiner Gattin Verena Bleuler lebte.
Die ehemalige Brauerei von Hans Heinrich
Hürlimann, ebenfalls in Feldbach.
Erstaunlich, dass das nicht sonderlich grosse Feldbach, ein Ortsteil der Zürcher Gemeinde Hombrechtikon, einen eigenen Bahnhof besitzt. Uns fiel das auf, als wir am Samstag dort vorbeikamen. Nicht zuletzt hat die grosszügige Erschliessung mit Hans Heinrich Hürlimann zu tun, einem hablichen Müller und Getreidehändler. Er gründete 1836 in Feldbach eine Bierbrauerei, nachdem er wenige Jahre zuvor in der Nähe auf einem Hügelsporn mit Blick auf den Zürichsee die herrliche Villa Rosenberg hatte bauen lassen; weil seine geliebte, aus Küsnacht stammende Gattin allem Anschein nach immer wieder mal von Heimweh geplagt wurde, liess er im grössten Raum des Hauses eine Wand mit der Ansicht ihres Dorfes bemalen. Doch zurück zur Brauerei. Die lief nicht besonders, des öftern musste das Bier als ungeniessbar weggeschüttet werden. Die Misswirtschaft hatte viel mit einem Baron zu tun, den Hürlimann als Partner eingespannt hatte; der Baron verstand von Bierbrauen gar nichts – und flog schliesslich auf, er war kein Baron, sondern ein Hochstapler. Der Brauereibetrieb ging weiter, das Geschäft lief aber meist nicht besonders, noch vor Ende des Jahrhunderts war das Unternehmen am Ende. Das Hürlimann-Bier ist trotzdem bis in die nahe Gegenwart geblieben: Der Sohn von Hans Heinrich Hürlimann nämlich, Albert, der in Kempten im Allgäu eine Ausbildung zum Brauer absolviert hatte, gründete 1866 in Zürich-Enge die Brauerei Hürlimann. Vor drei Jahrzehnten ist allerdings auch sie eingegangen.

Sonntag, 8. Februar 2026

Dutti und die Tanks

Nichts ist mehr zu sehen von den unzähligen Tanks, die in dieser
Wiese am Rhein bei Tössriederen ZH im Boden versenkt waren.
Vor gut 70 Jahren spekulierte Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Die Schweiz werde am Rhein bei Eglisau einen Industriehafen anlegen, sodass Lastschiffe von der Nordsee via Basel bis hierhin, ins Zürcher Unterland, fahren könnten. Wähnte er. Und liess ab 1957 in Tössriederen bei Eglisau am Fluss ein riesiges Tanklager anlegen mit unzähligen unterirdischen Tanks für total 40 Millionen Liter Heizöl und Benzin – schliesslich war die Migros mit ihrer "Migrol" dick drin in diesem Geschäft. Nun ja, der Hafen wurde nie gebaut, Lastwagen trugen den Treibstoff heran, der im Kalten Krieg als strategische Reserve für die Schweiz gedacht war. Bis die Migros 1978 die Anlage stilllegte und verkaufte. Später kam es zum Rückbau, der teuer war; heute gehört die Wiese, an der wir am Mittwoch auf dem Weg von Eglisau zur Tössegg vorbeiwanderten, der Pro Natura Zürich. Die lobt sie als "artenreich". Als wertvollen Lebensraum für Amphibien und Reptilien. Auch gut.

Sonntag, 25. Januar 2026

Geberts Fabrik

Im Foyer der Alten Fabrik in Rapperswil (sorry für die
dilettantische Retusche, ich kanns nicht besser).
Die Gebert-Fabrik in ihren Anfängen.
(Foto: Infotafel vor Ort)
Albert Emil Gebert, ein Spengler, kreierte einen mit Blei ausgeschlagenen Holzspülkasten und brachte es fertig, diesen ab 1905 in Serie zu produzieren. So begann der Aufstieg der Firma Geberit, deren WC-Spülkästen uns allen ein Begriff sind. In Rapperswil wirkte der Pionier, unterhielt dort in der ganzen Stadt etliche Werkstätten, eine von ihnen, die heutige "Alte Fabrik", war das Stammhaus des Unternehmens, das heute global geschäftet. In dieser Fabrik von einst ist in der Gegenwart die Stadtbibliothek untergebracht plus ein sehr schönes Kulturlokal. In ihm erlebte ich am Donnerstag den Aufritt der Appenzeller Stand-up-Comedian Reena.

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Zinggelers Jet d'Eau

Der Sternenweiher auf der Geländeterrasse oberhalb von Richterswil ZH.
Eine Viertelstunde ist nicht lang, wenn man etwas Schönes geniessen will. Winters ist die Fontäne in Richterswil, direkt am Zürichsee-Ufer gelegen, jeweils am Sonntag von 11.45 bis 12 Uhr angestellt. Um den weltweit höchsten bloss mit der Schwerkraft funktionierenden Springbrunnen soll es sich handeln, 101 Meter schiesst das Wasser in die Höhe. Dass Richterswil einen Jet d'Eau à la Genf hat, verdankt es dem Textilindustriellen Rudolf Zinggeler-Syfrig. Er liess im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts den Bach oberhalb Richterswil in der Nähe von Samstagern aufstauen zu einem Weiher, dem Sternenweiher, dessen Wasser fortan via ein weitverzweigtes Netz von Druckleitungen die Maschinen von Zinggelers Fabrik und anderer Betriebe antrieb. Die Fontäne war ein Nebenprodukt, ein Geschenk des Unternehmers sozusagen, das die Einheimischen stolz machte und den Fremdenverkehr ankurbelte. Jahrzehntelang lief sie, doch in den 1960er-Jahren war dann doch Schluss. Bis sich später ein Verein bildete, der sie reaktivierte. Was etwas mehr als zwei Millionen Franken kostete, die alte Leitung musste ersetzt werden, und weil der Sternenweiher mittlerweile unter Naturschutz steht und aus ihm kein Wasser entnommen werden darf, wurde eine Wasserfassung etwas unterhalb gebaut. 2007 war es soweit und schoss die Fontäne wieder in die Höhe. Warum ich das alles erzähle? Weil wir am Wochenende am Sternenweiher vorbeikamen. Was für ein geschichtsträchtiges Gewässer.

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Wir können Gold

Die wird garantiert nicht eingeschmolzen, sie ist
berühmt: Goldmaske des Agamemnon, circa 1400
vor Christus, aufbewahrt im Archäologischen
Nationalmuseum Griechenlands in Athen.
(Foto: Die Buche / Wikicommons)
Wo wird Gold, das frisch aus dem Boden geholt wurde oder aber schon vorhanden ist zum Beispiel in Form von Schmuck und Münzen – wo wird dieses Gold eigentlich gereinigt und von weniger wertvollen Stoffen wie zum Beispiel Silber oder Kupfer getrennt? In der neuen "Schweizer Familie", die dem Gold eine Titelgeschichte widmet, gibt es eine Grafik, die mich staunen lässt. Vier der zehn weltweit grössten Raffinerien finden sich in der Schweiz. Darunter auch die Nummer eins der Welt, die Valcambi SA in Balerna im Tessin. 1400 Tonnen Gold verarbeitete sie letztes Jahr. Wie kommt es, dass unser Land in Sachen Gold derart wichtig ist? Wie genau läuft der Raffinierungs-Vorgang ab? Und warum hat sich der Goldpreis in den letzten zehn Jahren fast vervierfacht? Im grossen Interview mit einem Fachmann kann man es nachlesen. Der Kauf des Heftes lohnt sich, der Artikel ist wirklich wertvoll.

Mittwoch, 3. Dezember 2025

Feste Erde

Vor drei Jahren besuchten wir das idyllische Haberstal
in der Gemeinde Stadel ZH. Dass es als Standort für
ein Endlager für atomare Abfälle dienen soll, war erst
kurz zuvor bekannt geworden. Den Namen "Terradura"
trug das geplante Lager damals noch nicht.
Circa 1600 Jahre nach dem Ende des Römischen Reiches nutzen wir Latein weiterhin, um neue Ausdrücke zu prägen; die Sprache wird oft totgesagt, ist es aber nicht. Terradura ist lateinisch und bedeutet "feste Erde". Letzte Woche wurde bekannt, dass das geplante Tiefenlager für radioaktive Abfälle in Stadel im Zürcher Unterland ab sofort so heisst. In einem Online-Voting hatten sich schweizweit fast 40 Prozent aller Personen, die an der Abstimmung mitmachten, für diesen Namen ausgesprochen.

Dienstag, 2. Dezember 2025

Stroh kann reich machen

Vier Mal das "Schweizer Strohmuseum" in Wohlen AG.
In einigen Gegenden der Schweiz fertigten einst Menschen in Handarbeit Hüte und anderes aus Stroh. Im Tessin, im Kanton Freiburg, im Aargauischen. Aber nur im Aargau gelang im 19. Jahrhundert der Sprung zur Industrieproduktion, ein Zentrum war Wohlen. Was im Freiamt und im Seetal hergestellt wurde, Hüte vor allem, reiste in die ganze Welt. In der Blütezeit waren in der Region bis zu 3500 Menschen in der Strohproduktion tätig; manche Fabrikantenfamilien brachten es zu grossem Reichtum. In der Villa des August Isler in Wohlen, einem Bau im Stil des Klassizismus, ist in der Gegenwart das "Schweizer Strohmuseum" untergebracht. Am Samstag schauten wir vorbei zum Abschluss unserer Wanderung von Seon nach Wohlen. War interessant. Freilich fand im Park vor der Villa ein Weihnachtsmarkt statt, entsprechend war im Haus viel Betrieb, ja Rummel. Ohne wären wir länger geblieben. Aber wie gesagt, unterhaltsam und lehrreich ist die Ausstellung durchaus.

Samstag, 27. September 2025

Das "Bären"-Projekt

Roulädli mit Rohschinken, Pouletbrust an Thai-Sauce, getrüffelte Nüdeli,
Kost für verfressene Wanderer im "Bären" in Utzenstorf BE
Am Mittwoch wanderten wir von Gerlafingen nach Utzenstorf und assen dort hervorragend zu Mittag im "Bären" – schon wieder ein "Bären", erst eine Woche zuvor waren wir in Dürrenroth in einem Gasthaus dieses Namens eingekehrt. Mich ereilte vor Ort der Gedanke, ich könnte doch alle "Bären" der Schweiz besuchen, natürlich inklusive die "Ours" der Romandie. Und dann eine Art Wander-Gastro-Kultur-Geschichte-Führer schreiben. Wäre lustig. Fehlt bloss der Financier. Und jetzt noch einmal zur Route. Wir brauchten gut zwei Stunden für die Strecke, die am Bahnhof Gerlafingen, knapp noch im Solothurnischen, beginnt und als erstes am riesigen Stahlwerk vorbeiführt; zudem war da ein Schrottplatz, wie er auch in einem "Mad Max"-Film vorkommen könnte. Gleich kam aber Gott sei Dank der Änteweier in Sicht, ein reizendes Gewässer, das als Fabrikteich begann und in der Gegenwart geschützt ist als Biotop und Vogelbrutplatz. Im Folgenden gingen wir bis Utzenstorf am Unterlauf der Emme, die in diesem Sektor zum Grossteil begradigt ist und von einem Kanal begleitet wird. Die meiste Zeit waren wir im Wald unterwegs, sahen eigentlich gar nichts. Ausser Grün. Wer eine kurze Wanderung machen möchte, die entspannt: Diese passt. Natürlich mit dem "Bären" am Schluss.

Blick vom Aussichtsturm über den Rand des Änteweiers zum Stahlwerk Gerlafingen.
Eine sehr gerade Gerade im Wald am Emme-Ufer.

Blumen tun dem Auge wohl.

Montag, 13. Januar 2025

Ein grosser Name

Im Saurer-Museum in Arbon TG.
Nutzfahrzeuge werden bei Saurer in Arbon am Bodensee seit Jahrzehnten nicht mehr produziert. Und doch hallt der Firmenname bis heute nach. Saurer fertigte Lastwagen, Busse, Militärfahrzeuge, Feuerwehrautos und Postautos. Plus Web- und Stickmaschinen. Beide Dinge, Fahrzeuge und Textilmaschinen, sind im Saurer-Mueum in Arbon ausgestellt in alten Fabrikräumen, in denen es herrlich nach Schmiere riecht. Letzten Mittwoch schaute ich mir das an, war um vier Uhr nachmittags der einzige Besucher und war froh darum, weil die Objekte nah beieinander stehen; wenn hier Gruppen unterwegs sind, wird es eng. Toll wars – und falls jemand am Schluss noch mehr sehen möchte: Das Museum unterhält ein Depot, das der Öffentlichkeit ebenfalls offen steht.
Auf dem umgenutzten Saurer-Areal. Das Museum findet man unten am See.

Samstag, 30. November 2024

Umbau im Paradies

Das Foto oben und das Foto rechts stammen vom Mai 2011, als ich im Kanton Thurgau am Rhein wanderte, bei Schlatt im Restaurant Paradies einkehrte und mir einen Fischteller gönnte. Das "Paradies" ist Teil des Areals eines vormaligen Frauenklosters, das in der Gegenwart dem Schaffhauser Industrieunternehmen Georg Fischer AG gehört; dieses betreibt vor Ort unter anderem ein Ausbildungszentrum. Am Dienstag, als wir auf dem Weg von Langwiesen ZH nach Diessenhofen TG vorbeikamen, gerieten wir an eine Baustelle samt Umleitung. Und erblickten ein Infoplakat, siehe Foto unten. Auf dem Paradies-Gelände entsteht ein Hotel für die Seminar- und Sitzungsgäste der Georg Fischer AG. Und das altgediente Restaurant, in dem so viele von uns Wanderinnen und Wanderern einkehrten, wird aufgewertet. Es soll in Zukunft kein Saisonbetrieb mehr sein, sondern ein Ganzjahresrestaurant. Die Arbeiten sollen nächstes Jahr im Dezember abgeschlossen sein.