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Freitag, 19. Juni 2026

Das Brauchtums-WC

Gestern war ich also auf Reportage in Gstaad. Die Eindrücke purzelten mir am Ende des sehr langen Tages – ich musste um fünf Uhr von zuhause los – im Kopf herum. Und die Fotos muss ich zuerst ordnen. Weswegen ich hier heute nur zwei Bilder vom Kafihalt im Sporthotel Viktoria zeige. Eines ist aufgenommen im Herren-WC, das andere zeigt die Tür zu ebendiesem WC. Bäuerliche Sujets. Sie sind allgegenwärtig im Saanenland.

Montag, 22. Dezember 2025

Innerrhoder Pyramide

Man backe einen Lebkuchen und bemale ihn mit einem traditionellen Appenzeller Motiv – fertig ist das Chlausebickli. Arrangiert man nun mehrere Bickli zu einer in der Regel fünfseitigen Pyramide, die am Ende zusätzlich noch mit Schmuckbildchen ausstaffiert wird, den Dewiisli, so heisst das Resultat Chlausezüüg. In Innerrhoden steht dieses Gebilde zur Advents- und Weihnachtszeit in den Stuben. Oder aber im Ladenschaufenster oder in der Wirtschaft. Gestern fotografierte ich ein Chlausezüüg in einem Restaurant, das ich sehr mag, dem Waldgasthaus Lehmen ganz hinten im Seitental Triebern, das bei Weissbad abzweigt.

Samstag, 6. Dezember 2025

Bizarre Karriere

Martin Luther war kein Freund des Kultes um die Heiligen der katholischen Kirche; den Brauch zum Beispiel, am Nikolaustag Geschenke auszutauschen, fand er "kindisch". Viel ausgerichtet hat der Reformator nicht, weder generell noch in Sachen Samichlaus. Der ist offensichtlich bis heute beliebt geblieben. Eine weltweit verbreitete Figur ist er, die auch in nichtchristlichen Gebieten bekannt ist; als ich vor vielen Jahren Weihnachten in Luxor in Ägypten verbrachte, stand alle paar hundert Meter ein Samichlaus und begrüsste die Touristen mit dem launigen Ruf "Welcome to Alaska". Kurios. Womit wir bei unserem Foto angekommen wären, das Wanderkollegin Ronja kürzlich am Rand von Wohlen AG machte. Dort waren etwa 20 Samichläuse auf dem Velo unterwegs. Zu welchem Happening es sie zog, fanden wir nicht heraus. Klar scheint mir, dass sich der heilige Nikolaus, ein Bischof in Myra in der heutigen Türkei, gewundert hätte, was in seinen Namen so alles veranstaltet wird – bizarr, diese Karriere.

Sonntag, 25. Mai 2025

Kalter Wind und warmes Essen

Eine Viertelstunde nach Wanderstart, auf der Schwägalp.
Gut 50 Minuten später: Stockberg voraus.
Der Risipass liegt in der Senke links hinten.
Im Abstieg vom Risipass nach Stein. Hinten in der Mitte die Goggeien.
Dieses Licht! Wir hatten Wetterglück, als wir gestern von der Schwägalp über den Risipass nach Stein zogen, was vier Stunden dauerte bei 490 Höhenmetern aufwärts und 1000 Höhenmetern abwärts. In der Woche hatte es zum Teil kräftig geregnet. Unser Tag aber wurde verschont. Zeitweise schien die Sonne, doch ab und zu verdüsterte sich der Himmel auch, dieses Hin und Her von hell und dunkel gefiel uns sehr. Kalt blies der Wind, zwischenzeitlich zog ich die Kapuze der Windjacke über den Kopf, und dann schwitzte ich wieder. Und in den Flanken des Säntis hatte es Neuschnee. Im Übrigen trafen wir zwischen Schwägalp und Bernhalden auf eine Bauernfamilie beim Öberefahre, also beim Aufzug auf die Alp. Und waren am Schluss unten in Stein sehr erfreut, dass kurz vor zwei Uhr die Küche im "Ochsen" noch offen war und wir etwas Warmes zu essen bekamen. Doch, Etappe vier des Alpenpanorama-Weges war eine gute Sache. Und ich darf stolz verkünden, dass ich nunmehr alle elf Etappen des besagten Weges von Rorschach bis Malters gelaufen bin; in Malters soll es in zwei Wochen weitergehen – als nächstes nehmen wir den Napf ins Visier.
Alpaufzug zwischen Schwägalp und Bernhalden. (Foto: Ronja)

Schnipo, ich liebs.

Dienstag, 12. November 2024

Flühlis überlaute Jugend

Wenn das Ende einer Peitsche gekonnt beschleunigt wird, ergibt das einen Überschallknall. Womit wir bei Flühli LU wären. Dort lief ich gestern am frühen Nachmittag ein, nachdem ich den Hilferenpass überquert hatte. Die Zeit, bis der Bus kam, reichte grad für eine kurze Kirchenvisite. Von der Kirchenterrasse sah ich auf den nahen Schulhof – von dort war infernalisches Knallen zu hören, das sich anhörte wie Feuerwerk. Es waren Buben, die das Geisselchlöpfe übten.

Die haben einen Knall: Schulhausareal von Flühli LU.
Mein Filmli ist 13 Sekunden lang, bitte hier klicken.

Mittwoch, 27. Dezember 2023

Willisauer Geister

Wegschild mit Monsterli im Ostergau östlich von Willisau. (Foto: Ronja)

Die Vorstellung vom Türst gründet in vorchristlichen Zeiten. Ein höllischer Jäger ist er, der mit einem schwarzen Hund an der Seite umgeht. Manchmal zieht er bei starkem Wind durch die Gegend, die Bauern im Luzernischen, wo er sein Stammgebiet hat, öffnen dann gelegentlich die Stalltüren, damit der Türst ungehindert passieren kann, wer weiss, was er sonst mit dem Vieh und dem Haus anstellt. Etliche ihn umrankende Geschichten erwähnen auch die Sträggele, eine Hexe, von der manche sagen, sie sei seine Frau. In der Weiherlandschaft des Ostergaus, Gemeinde Willisau, kamen wir kürzlich an einem Schild vorbei, das den "Sträggelewäg" anzeigt und auf einen lokalen Brauch anspielt. Wenn Fasnacht ist, gehen in Willisau die Moorsträggele um, sie stellen Geister dar, die aus den Tiefen des Ostergauer Torfes aufgestiegen sein sollen – das liebliche Luzernerland kann ganz schön unheimlich sein.

Samstag, 5. November 2022

Wolken mobbten die Sonne

Am späten Vormittag unweit von Grosshöchstetten, Wolken mobben die Sonne.
Der Lychleustein auf dem Möschberg.
Am Nachmittag kurz vor Emmenmatt, die Sonne hat sich durchgesetzt.
Hier gabs Zmittag.
Als wir am Dienstagvormittag in Grosshöchstetten starteten, tröpfelte es. Als wir am Nachmittag in Emmenmatt ankamen, schien, nein, blitzte die Sonne. In der ersten Routenhälfte besuchten wir auf dem Möschberg etwas abseits des Wanderweges den Lychleustein; die Besichtigung dieses Steins, bei dem einst die Leichenzüge auf dem Weg zum Friedhof innehielten, war uns den kleinen Umweg wert. In der zweiten Routenhälfte wiederum begeisterte ein Gratweg, der lange die Höhe hielt, so dass wir aus der Vogelschau ins Tal zur Linken blickten, bis doch der Abstieg begann. Und was wir an unserem Dienstag im Bernbiet auch mochten: den Zmittag im rustikalen Restaurant Waldhäusern in der Mitte der Unternehmung mit Rahmschnitzel und einem kräftigen Pinot vom Mont Vully.

Grosshöchstetten, Bahnhof – Möschberg – Höhe – Bühl – Chapfwald – Blasen – Waldhäusern – Eggelriedhoger – Gemmi – Blasen – Fuhren – Emmenmatt, Bahnhof. 3 3/4 Stunden. 410 Meter aufwärts, 500 abwärts.

Donnerstag, 14. Juli 2022

Ach, Zuoz!

Chalandamarz in Guarda.
Ein Foto aus Zuoz fand ich nicht.
(Claudio Schneider / Wikicommons)
Mancherorts gibt es im Land Bräuche, bei denen mit Lärm der Winter vertrieben werden soll. Bekannt ist der Chalandamarz in den Dörfern des Engadins, bei dem die Buben am 1. März mit Glocken umgehen. Nur die Buben. In Zuoz schlägt der Gemeindevorstand vor, dass auch die Mädchen am Chalandamarz aktiv teilnehmen; immerhin ist der Brauch im schulischen Kalender fest eingetragen. Doch wie ich eben im "Tagi" las, gibt es Widerstand von den Konservativen im Ort; ein Mann schlug kürzlich an der Gemeindeversammlung tatsächlich vor, die Mädchen könnten ja am Anlass "den Saal dekorieren". Im November soll abgestimmt werden.

Dienstag, 15. Juni 2021

Immer wieder gut: der Kronberg

Die Wartegg und hinten der Alpstein von der Scheidegg aus.
Blick vom Kronberg nach Westen.
Unterhalb Kleinbetten am Wissbach, der AI und AR separiert.
De Chroberg im Rückblick.

Zuerst die Fakten zu unserer samstäglichen Kronberg-Wanderung: Appenzell, Bahnhof – Eischen – Kaubad – Wasserschaffen – Scheidegg – Jakobskapelle – Jakobsquelle – Jakobsalp  – Kronberg – Dorwees – Kleinbetten – Grossbalmen – Hölzli – Herrendürren – Zimmermanns-Lauftegg – Oberhaumösli – Chräg – Feld – Urnäsch, Bahnhof. 6 1/2 Stunden, 1140 Meter aufwärts, 1100 abwärts. Und dann die Gefühle: Wir waren angetan, begeistert, glücklich vom Weg. Hier ein paar Dinge, die gesondert genannt sein müssen:

  • Immer wieder gut, nach der Hälfte des Aufstiegs auf den Kronberg oder ein wenig danach in der "Scheidegg" einzukehren, vor der verblichenen Schindelfassade in der Sonne zu sitzen, den Säntisriegel zu mustern und davor ganz nah den schnurgeraden Kamm der Wartegg.
  • Immer wieder gut auch, auf dem Kronberg einzukehren. Wirtsleute wie die auf dem Napf oder auf dem Chasseral könnten sich ein Beispiel nehmen, wie man in einer Ausflugsbeiz arbeitet, ohne sich gehen zu lassen. Wie man gut kocht. Und das für viele Leute.
  • Das Gebiet westlich des Kronbergs, Nagelfluhzacken noch und noch, ist faszinierend anzuschauen. Der Abstieg nach Kleinbetten und tiefer hinab zum Wissbach, der Inner- und Ausserrhoden trennt, fühlt sich an, als begebe man sich in eine zeitlose Grube. Und der Weg danach via Grossbalmen und Hölzli nach Herrendürren ist einer der schönsten im Appenzellerland. Ein Waldpfad schlängelt sich auf der Höhenlinie durch eine steile Flanke und will nicht enden. Die Bäche, die wir überschritten, waren noch gefüllt mit schmutzigem Lawinenschnee.
  • Auf Kleinbetten trafen wir eine Bauernfamilie, die just an diesem Tag mit dem Vieh zur Alp aufgefahren war. Die Leute sassen am Tisch vor der Hütte. Die Kinder, vier oder fünf, trugen wie die Erwachsenen Tracht. Ein Bub und ein Mädchen übten sich im Schelleschötte, wobei sie die riesigen Glocken nur mit Mühe überhaupt tragen konnten. Das war irgendwie rührend.

Freitag, 9. April 2021

Bechue?

Der Preis und die fünf Nominierten für 2021.
(Screenshot Medienmitteilung)
Gestern las ich den neusten Newsletter des Verlagshauses Schwellbrunn, das das "Appenzeller Magazin" herausgibt. Zusammen mit einer Stiftung wolle besagtes Magazin jährlich eine Person auszeichnen, die sich kulturell oder sozial für die Gemeinschaft eingesetzt habe, stand da. Und ich stolperte über den Namen des Preises, "Di goldig Bechue". Obwohl ich doch Appenzeller bin, war ich ratlos. Google half mir. Die "Bechue", auch "Beechue", ist eine Beinkuh. Offenbar gibt es einen Appenzeller Brauch, aus dem Holz eines alten Christbaums Kühlein zu schnitzen. Bechüeli eben. Nie davon gehört, nie gemacht.

Mittwoch, 11. März 2020

Die Nonne Massimo

Nächste und übernächste Woche muss ich fünf Mal nach Luzern: ein Interview, ein Treffen mit einem Freund, ein Maz-Kurs über drei Tage, den ich gebe. Sicher werde ich einmal im Bellini essen, einem Restaurant, das herrliche Tessiner Gerichte anbietet. Kürzlich war ich am Nachmittag in diesem Lokal. Und fotografierte die Nonne, die mir den Kafi brachte und laut Namensschild Massimo hiess. Das war in der Fasnachtszeit.

Dienstag, 14. Januar 2020

Za za

Einer, der zäuerlet: Urnäscher Silvesterklaus.
(Foto: nofnof/ Wikicommons)
"Zäuerle" heisst das Verb, "Zäuerli" das Substantiv, so nennt man den Naturjodel ohne Text im Appenzell-Ausserrhodischen. Gestern haben sie wieder gezäuerlet, im Appenzeller Hinterland war Alter Silvester, die Kläuse gingen um. Bei unserem Ausdruck handelt es sich um eine Verkleinerungsform zu "Zaur" gleich Jauchzer, freudiger Ausruf, Lockruf. Ursprünglich waren es die Kühe und Geissen, die man mit "za za" zauerte. Heute eher die Touristen, die auch gestern wieder von weit her angereist sein sollen.