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Sonntag, 6. September 2026

Spatenstich in Morgarten ZG

Bauvisier (r.) am Weg zum Morgarten-Denkmal.
Blick vom Denkmal auf die Theaterbühne und den Ägerisee.
Es darf nicht wahr sein! Bis jetzt wurde das Morgarten-Denkmal in Morgarten ZG einigermassen in Ruhe gelassen. Seit 1908 steht es schön für sich auf einer kleinen Anhöhe über dem Ägerisee. Und jetzt das! In der Wiese unter dem Denkmal sind Bauvisiere aufgestellt, eine Investorengruppe namens "Team of Visions" will ein Luxusresort realisieren. Ich war empört, als ich am Freitag vorbeischaute.

Das Plakat der Aufführung.
Nein, nein. Natürlich war ich nicht empört. Die Bauvisiere sind fake. Teil eines Theaterprojekts sind sie, des zweiten "Morgarten-Spektakels" nach einem längeren Intermezzo. Das Stück "Spatenstich" spielt gleichzeitig in der Vergangenheit des geschichtsträchtigen Platzes und in der Gegenwart. Um Heimatliebe versus Profitgier geht es grob besagt, die Gemüter erhitzen sich heftig. Las ich in den Rezensionen.  Am 7. August war Uraufführung, noch bis 19. September laufen Vorführungen. Könnte sich lohnen hinzugehen.

Montag, 31. August 2026

Stau im Gebirge

Auf dem Schilthorn, der Zacken ganz rechts ist der Eiger mit der verschatteten Nordwand.
Hübsche Farbe: die Antriebsräder der Seilbahn.
Das Blüemlisalp-Massiv. Im Vordergrund leicht rechts der Mitte in Grün die Sefinenfurgge. (Foto: Ronja)
Eben machte ich mit Begleiterin Ronja einen Ausflug auf das Schilthorn. Seit bald einem Jahr ist es neu erschlossen; von Stechelberg gelangt man jetzt in drei statt wie bisher vier Seilbahn-Sektionen auf den Gipfel auf 2970 Metern über Meer. Hier ein paar Dinge und Beobachtungen:
Eine der Rolltreppen im Gipfelterminal.

  1. Atemberaubend ist die unterste Sektion von Stechelberg hinauf nach Mürren. Offenbar handelt es sich gar um die steilste Seilbahn der Welt.
  2. Schaut man in dieser Sektion rechterhand aus dem Fenster, sieht man in der senkrechten Felswand den Klettersteig Mürren-Gimmelwald. Ausgesetzter geht nicht. Krass, wie viele Leute dort unterwegs waren. Beim Einstieg in den Steig hatte sich eine riesige Schlange gebildet, Stau im Hochgebirge.
  3. Ich hatte im Gipfelrestaurant reserviert für 12 Uhr 30. Die arbeiten dort mit Slots, man soll bitte schön zur reservierten Zeit eintreffen. Taten wir. Bloss das Restaurant war nicht parat. Eine Riesenschlange hatte sich gebildet. Wir standen unten am Fuss der Wendeltreppe, die hinauf ins Restaurant führt. Die Schlange bewegte sich nicht. Um 12 Uhr 45 gingen wir wieder und assen später schön stressfrei in Zürich.
  4. Von der Panoramaterrasse hat man ein paar hundert Berge vor Augen. Mich erfreute etwas anderes noch viel mehr: Einigermassen nah konnte ich am Fuss des Blüemlisalp-Massivs die Sefinenfurgge ausmachen. Einen Pass, dessen Überquerung (von Gimmelwald bei Mürren zur Griesalp) mir in Erinnerung geblieben ist.
  5. Lauterbrunnen, wo man vom Zug auf den Bus nach Stechelberg zur Seilbahn umsteigt, ist ein Irrenhaus. So viele Leute sind dort unterwegs, dass der Bus kaum durch den Ort kommt. Die Berner Oberländer wollten Tourismus, jetzt haben sie, an gewissen Punkten jedenfalls, Overtourism.
    Schlange auf der Treppe zum Drehrestaurant.

Mittwoch, 26. August 2026

Ein neuer Express

Juli 2025 in Innerarosa bei der
Talstation des "Hörnliexpress". 
Ich musste auf den Bus warten.
Diesen Monat gaben die Arosa Bergbahnen bekannt, dass sie 67 Millionen Franken ins Hörnli-Gebiet investieren. Der grösste Teil der Geldsumme fliesst in zwei neue Bahnen. Insbesondere soll die Gondelbahn "Hörnliexpress" von 1986  ersetzt werden. Zudem soll statt der alten, parallel verlaufenden Sesselbahn eine neue gebaut werden. Die Inbetriebnahme der neuen Anlagen ist für Dezember 2028 vorgesehen.

PS: Warum zwei parallel laufende Linien von Innerarosa aufs Hörnli? Wer Ski trägt, nimmt lieber die Sesselbahn, weil er oder sie die Ski während der Fahrt nicht abnehmen muss.

Donnerstag, 20. August 2026

Standseilbahn in Not

Hoch über dem Tal der Linth: ein entspannter Gast in Braunwald GL.
Das Dorf Braunwald im Kanton Glarus ist nur per Standseilbahn erreichbar. In den letzten Jahren lief es mit dem Tourismus nicht besonders, wozu auch die schneearmen Winter beitrugen; vor Wochen wurde bekannt, dass die Skilifte in der kommenden Kaltsaison nicht mehr fahren werden, Braunwald verabschiedet sich vom Skibetrieb. Mittlerweile ist klar, dass auch die Standseilbahn in Schwierigkeiten steckt, sie schreibt seit 2023 grosse Defizite. Diese Woche las ich, dass der Kanton einspringen muss, vorerst zahlt er 600'000 Franken, weitere staatliche Zuschüsse werden folgen. Denn ohne Standseilbahn ist Braunwald nun einmal tot.

Freitag, 7. August 2026

Was ist denn hier passiert?



Ein lustiges grünes Zahnradbähnli zuckelt von Aigle im Rhonetal hinauf nach Leysin VD, das im 19. Jahrhundert als Kurstation für Lungenkranke bekannt wurde. Diese Epoche ist längst vorbei, an die Stelle der Kliniken sind Hotels für den Sommer- und Wintertourismus getreten. Und internationale Schulen. Als wir vor wenigen Tagen anreisten, fanden wir Leysin freilich in desolatem Zustand vor. Jedenfalls, was den oberen Ortsteil angeht, das Gebiet Feydey-Talstation Berneuse. Vernachlässigte Bauten, versprayte Wände, vandalisierte Anlagen, die Strassen ein Flickwerk, an manchen Stellen wächst das Unkraut aus den Asphaltritzen. Eine allgemeine Verwahrlosung erlebten wir. Was ist hier los? Nun, zum einen möchte der Ort angesichts des Schneemangels im Winter die Vorwärtsflucht antreten; die Touristiker würden gern rund 20 Millionen Franken in ein neues Pump- und Leitungssystem zwecks besserer Beschneiung des regionalen Skigebietes investieren. Bloss sind gegen das Unterfangen 500 Einsprachen eingegangen, der Widerstand ist massiv, eine Blockade. Ein zweites Projekt ist mit dem ersten verknüpft: Für 130 Millionen Franken will man die Verkehrserschliessung im weitläufigen, terrassierten Höhendorf völlig neu gestalten samt einer unterirdischen Verlängerung durch das Zentrum und zwei neuen Standseilbahnen. Bis 2033 soll das geschehen. Ob es klappt und Leysin sich aufrappelt? On verra.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Virtuelles Kraxeln

Hier könnte mehr laufen, findet das Unternehmen:
die Station Eigergletscher der Jungfraubahnen.
(Foto: TurkAviator / Wikicommons)
Fast 200 Millionen Franken Umsatz machten die Jungfraubahnen letztes Jahr mit dem Jungfraujoch. Da liegt noch mehr drin, findet das Unternehmen; es fokussiert deswegen auf die Station Eigergletscher, den Umsteigeknoten auf halber Strecke. Dort soll, so die neusten Pläne, ein Museum entstehen, das die Eigernordwand mit einer Multimediashow quasi erlebbar macht. Plus ein asiatisches Restaurant mit 200 Plätzen. Naturschutzorganisationen sind dagegen. Und weil ein Gebietsabtausch der Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen nötig wäre, die bei der Station Eigergletscher aneinandergrenzen, kann Grindelwald in den laufenden Verhandlungen Druck machen. Es will, dass die Jungfraubahnen Geld für die Lösung der Verkehrsprobleme im Dorf aufwerfen – erst dann würde man Hand zum Abtausch bieten. Kommt das Museum, könne der Gast durch die Eigernordwand kraxeln, verheisst der Jungfrau-CEO auf der Newsplattform von srf.ch. Virtuell kraxeln, versteht sich.

Freitag, 3. Juli 2026

Innerrhoden verdreifacht

Hier und an anderen Zugangspunkten zum 
Alpstein wird das Parkieren teurer: Wasserauen AI. 
Der Andrang auf den Alpstein ist riesig. In Wasserauen, Brülisau und anderen Orten parkieren an schönen Tagen unglaublich viele Autos und ist das Gekarre unsäglich; manche Leute wollen partout nicht mit dem ÖV anreisen. Eben hat die Innerrhoder Regierung die Parkplatzpreise an den Einfallspunkten zum Alpstein massiv erhöht. Verdreifacht. Statt wie bisher 5 Franken kostet der Parkiertag jetzt 15 Franken 75. Dass das nicht bei allen gut ankommt, insbesondere nicht bei den Einheimischen, versteht sich von selber. Prinzipiell sind die neuen Gebühren nicht überrissen, jedenfalls nicht im Vergleich. So kostet, las ich in der "Appenzeller Zeitung",  das Parkieren in Täsch bei Zermatt 17 Franken pro Tag, und in St. Moritz verlangen einige Parkhäuser 30 Franken. Innerrhodens Preiserhöhung ist also eher eine Preisangleichung.

Dienstag, 9. Juni 2026

Urschweiz mit Pizza

Blick zurück auf Flüelen eine halbe Stunde nach dem Start daselbst.
Der Weg der Schweiz wurde von den Kantonen
bezahlt; jedem ist deswegen ein Abschnitt zugeordnet.
Ein traumhaftes Gewässer: der Urnersee mit dem Gitschen (rechts der Mitte). Hinten links Flüelen.
Die Tellskapelle bei der Tellsplatte nah Sisikon birgt vier
patriotische Fresken. Dieses zeigt Tell, der Gesslers Häschern bei der
Tellsplatte durch einen kühnen Sprung vom Boot entkommen kann.
Bei der Tellskapelle gibts ein kleines Restaurant.
Zwei Leute sind mit dem Kanu angereist.
Unser Schlussmahl.
Am Samstag gingen wir ein Stück auf dem Weg der Schweiz, wanderten von Flüelen bis Morschach, was etwas über vier Stunden dauerte bei 710 Höhenmetern aufwärts und 500 Höhenmetern abwärts. Die Route zerfiel in zwei ganz verschiedene Teile: In der ersten Hälfte waren wir im Gebiet der Axenstrasse unterwegs, erlebten die wichtige Nord-Süd-Verbindung aus der Nähe, sahen auch immer wieder mal einen Zug vorbeisausen. Es gibt Tunnels, Galerien und vor allem unzählige Treppen; der Weg der Schweiz wurde 1991, zum 700-Jahr-Jubiläum der Eidgenossenschaft, mit grossem Aufwand hergerichtet. In Sisikon gönnten wir uns im Garten des Hotels Eden einen Nussgipfel. Die zweite Hälfte entsprach dann eher einem klassischen Bergweg abseits der grossen Verkehrsstränge; die Aussicht, die schon zuvor grandios gewesen war, war es nun noch viel mehr. Womit wir bei dem wären, was die ganze Unternehmung zusammenhielt, sie verklammerte. Es war der Urnersee, der sich an unserem Tag in Türkis präsentierte und uns nachhaltig faszinierte. Am Ende gabs in Morschach im Restaurant Il Gusto, das zum riesigen Ferien-Freizeit-Resort Swiss Holiday Park gehört, zu essen. Uns wars dort zu wuselig, wir fühlten uns nicht wirklich wohl. Wobei die Servierin dann doch sehr nett war. Und die Pizza wirklich gut.

Sonntag, 17. Mai 2026

Das Stanserhorn rüstet auf

So sieht das Stanserhorn derzeit noch aus. 
(Foto: Stanserhorn-Bahn, Mediendienst)
Es läuft so einiges in den hiesigen Bergen. Das Schilthorn hat eben eine effizientere Seilbahn-Linienführung plus neue Stationsgebäude verpasst bekommen. Auf dem Säntis wird die Seilbahn völlig neu gebaut, derzeit ist der Betrieb deshalb unterbrochen. Auf dem Titlis arbeitet man an einem spektakulären Gipfelgebäude. Kürzlich wurde bekannt, dass auch auf dem Stanserhorn ein neues, dreistöckiges Gipfelgebäude entstehen soll mit Restaurants, einem Shop, Seminarräumen und grosszügigen Terrassen. 2030 soll das 34-Millionen-Projekt "Stanserhorn++" umgesetzt sein.

Dienstag, 30. Dezember 2025

Die Sache mit der Schleuse

Die Berninabahn auf einer Aufnahme von 1928.
(Foto: Wikicommons)
Bei dem Nebel in den letzten Wochen ist es kein Wunder, dass es alle in die Berge zog. "20 Minuten" reportierte, wie es über Weihnachten auf der Berninalinie der Rhätischen Bahn zu und her ging. Die war mit den Massen von Leuten überfordert, sie hatte zwar gegenüber dem Vorjahr je 600 zusätzliche Plätze von St. Moritz Richtung Tirano und retour geschaffen, was aber nicht reichte. Unglücklich auch der Versuch, an den Bahnhöfen von Tirano und St. Moritz ein Schleusensystem zu testen mit getrennten Zugängen für Gruppen und Leute mit Reservation bzw. Einzelreisende ohne Reservation. Im erwähnten Artikel erzählt ein Mann, er habe am späten Nachmittag "mit etwa 400 anderen" eine Stunde lang im Freien warten müssen. Bei minus 12 Grad. "Man hätte doch wenigstens Tee verteilen können." Die Rhätische Bahn ihrerseits liess verlauten: "Wir versuchen alles, aber es ist schwierig bei diesem ausserordentlichen Andrang, und die Möglichkeiten sind irgendwann ausgeschöpft."

Mittwoch, 12. November 2025

Neue Bahn startklar

Die neue Bahn auf dem
Hoch-Ybrig-Instagram-Kanal.
Es ist vollbracht – die neue Seilbahn von Weglosen bei Einsiedeln hinauf  ins Ski- und Wandergebiet Hoch-Ybrig ist fertiggestellt, grad eben fand die Einweihung statt. Wer die Novität testen will, muss freilich noch warten, bis die Wintersaison beginnt. Ich berichtete im Frühling über das Unterfangen, die Pendelbahn aus dem Jahr 1970 durch eine Gondelbahn zu ersetzen. Diese basiert auf ausgeklügelter Technik ("weltweit erste TRI-Line") und kommt bei 1,7 Kilometern Länge mit nur zwei Stützen aus

Mittwoch, 13. August 2025

Die Sache mit der Tafel

1320 Kilometer? Total falsch!
Der Tomasee oder auch Lai da Tuma, den wir am Sonntag besuchten, gilt als Rheinquelle und wird unter diesem Namen auch touristisch vermarktet. Wer die Karte betrachtet, sieht freilich, dass das mit der Quelle nicht ganz stimmt. Der See wird nämlich gespiesen vom Rein da Tuma, der anderthalb Kilometer entfernt unter dem Rheinquellenstock entspringt – jener Ort ist die Quelle. Es gibt noch eine zweite Unstimmigkeit. An der Ostspitze des Sees ist unweit von dort, wo der Rein da Tuma austritt, im Granit eine Tafel montiert, die den "Rhein-Ursprung" benennt mit der Angabe von 1320 Kilometern bis zur Mündung. Korrekt sind es, stellte 2010 eine internationale Hydrologie-Kommisson fest, 1233 Kilometer. Man geht, was die Tafel betrifft, von einem Schreibfehler aus, zudem bezieht sich die Kilometerangabe der Kommission nicht auf den Tomasee, sondern auf die erwähnte Quelle des Rein da Tuma oberhalb. Alles klar soweit? Dann etwas anderes Interessantes. Die 1233 Kilometer Distanz bis zur Einmündung in die Nordsee in den Niederlanden machen den Rein da Tuma punkto Länge nicht etwa zum Rekordhalter unter den Quellbächen des Rheins. Der Rein da Medel, der auf Tessiner Boden westlich des Lukmanierpasses startet, bringt es auf 1238 Kilometer. Auch der Rein da Maighels und der Rein da Curnera sind etwas weiter von der Rheinmündung entfernt als der Rein da Tuma. Zahlensalat? Kommen wir zurück zum Wesentlichen: Der Tomasee ist, Rheinquelle hin oder her, ein wunderschönes Gewässer.
Hippieflora am Tomasee.
Noch einmal der Tomasee, bekannt als Rheinquelle.

Donnerstag, 19. Juni 2025

Da kommen sich zwei näher

Die Innerrhödler haben mehr Berge, die Ausserrhödler mehr Hügelland samt Bodenseeblick. Die Innerrhödler haben das ein wenig disneyhafte Appenzell mit seinen farbigen Häusern, die Ausserrhödler das stille Trogen mit den Palazzi der Textilbarone von einst. Die Innerrhödler haben Prozessionen und Barockkapellen und das Wildkirchli, die Ausserrhödler haben die berühmte Alder-Streichmusik-Dynastie und das noch viel berühmtere Silvesterchlausen. Den Säntis aber, den höchsten Gipfel des Alpstein-Gebirges, teilen sich die zwei Kantone, wobei in diesem Fall noch ein dritter Kanton hinzukommt, St. Gallen. Ist es wirlich sinnvoll, dass die beiden Appenzell separate Tourismusorganisationen betreiben? Ab 2026 verstärken diese ihre Zusammenarbeit, weswegen die Ausserrhoder Geschäftsstelle in Herisau schliesst, während die Innerrhoder Zentrale in Appenzell bestehen bleibt; Ausserrhoden betreibt aber weiter die Niederlassungen in Urnäsch und Heiden. Für Ende 2028 prüfen die Partner eine vollständige Fusion, wurde diese Woche des Weitern lautbar. Finde ich gut: Es gibt zwei Appenzeller Kantone, der eine reformiert, der andere katholisch. Aber es gibt nur ein Appenzellerland.

Karte des Appenzellerlandes von Bartholomäus Bischofberger, 1682.
Oben links Herisau (HE), unten in der Mitte Appenzell (AP).
(Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden / Wikicommons)
Ab 2026 vermarkten Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden ihre Region touristisch unter einer gemeinsamen Organisation. Die beiden bisherigen Tourismusorganisationen rücken enger zusammen, prüfen eine Fusion bis Ende 2028.

Mittwoch, 30. April 2025

Gibraltar – die Erklärung

Dieser Schweizmobil-Screenshot zeigt Luzern, links das Gebiet Gibraltar.
Ich danke allen, die gestern Ideen beisteuerten, wie das Luzerner Stadtquartier Gibraltar zu seinem Namen gekommen sein könnte. Am selben Tag erreichte mich das Antwortmail vom Stadtluzerner Quartierverein Säli Bruch Obergütsch, zu dem Gibraltar gehört und bei dem ich nachgefragt hatte. Co-Präsidentin Marlis Ledermann konnte helfen, hier ihre Erklärung; sicher wird diese gelegentlich auch in meine Wanderkolumne in der "Schweizer Familie" einfliessen.

Guten Tag Herr Widmer
Vielen Dank für Ihr Mail.

Im Jahr 2024 feierte unser Quartierverein sein 100-jähriges Bestehen. In diesem Zusammenhang habe ich im Stadtarchiv zur Geschichte recherchiert, weil ich einen dreiteiligen Bericht dazu für unsere Quartierpost schrieb. Dabei bin ich auch auf den Namen des Gibraltars gestossen.

Der Name Gibraltar und auch Gibraltarstrasse stammt wahrscheinlich aus dem späten 19. Jahrhundert. Damals gab es im Gebiet, unterhalb des Hotels Gütsch, Pensionen, zum Beispiel die Pension Viktoria Britannia, die viele englische Touristen beherbergten. Die grossen Hotels am See gab es noch nicht.

Um in die Stadt und zum See zu gelangen, führte der Weg entlang dem Steinbruch. Vermutlich hat die Situation mit dem steilen Felsabbruch die Engländer an den Felsen von Gibraltar erinnert und sie nannten die Strasse entsprechend. Der Name wurde übernommen und ist bis heute in Gebrauch.

Mittwoch, 23. April 2025

Die verschwundene Bahn

Als wir am Ostersamstag vom Dietschiberg zur Seepromenade von Luzern abstiegen, fiel uns in der eingetieften Strasse Felsental ein brückenartiges Bogenkonstrukt auf. Wir rätselten, was es darstellt. Nun, es handelt sich um den Rest des Trassees einer Standseilbahn, die ansonsten praktisch ganz verschwunden ist. Sie verkehrte von der Stadt über knapp 200 Höhenmeter hinauf zum Dietschiberg. Die Dietschibergbahn startete im August 1912 und brachte das Ausflugsvolk aufs Plateau mit der grossen Aussicht über den Vierwaldstättersee zu den Voralpen und Alpen. Auf dem Berg stand auch  ein hübsches Ausflugslokal. Als dieses 1977 abbrannte, war auch die Bahn ruiniert, ein Jahr später stellte sie den Betrieb ein. Spätere Versuche eines Vereins, sie wiederzubeleben, scheiterten unter anderem an der Finanzierung. Geblieben ist ein Teil des Trassees, das ein wenig an einen römischen Wasser-Viadukt erinnert.

Donnerstag, 16. Januar 2025

San Bernardino bewegt sich

Die historische Acuforta-Trinkhalle (r.) in San Bernardino.
Der öffentliche Mineralbrunnen.
Einer der Ursprünge des Tourismus im Bündner Passdorf San Bernardino, das zum Misox gehört, weshalb man hier Italienisch spricht – einer dieser Ursprünge sind die Mineralquellen. Eine heisst "Acuforta", ihr Wasser ist dank einem kleinen Brunnen probierbar. Seit gestern bin ich vor Ort und habe das Wasser natürlich getestet. Es schmeckt extrem eisenhaltig, nicht von ungefähr sind die Felsen rundum von einer Art Rostschicht überzogen. Um 1830 liess ein reicher Mailänder eine Trinkhalle bauen. Das Acuforta-Gebäude in seiner heutigen Form geht auf eine Renovation von 1934 zurück; derzeit ist es nicht zugänglich. "Derzeit" ist prinzipiell das beste Adjektiv, um San Bernardinos Gegenwart zu beschreiben, vieles wird sich bald ändern. Der zuletzt ziemlich heruntergekommene Ort hat einen Investor gefunden, den Tessiner Stefano Artioli, der laut Zeitungsberichten 300 Millionen Franken aufwerfen bzw. auftreiben will, um aus San Bernardino eine moderne Sommer- und Winterdestination zu machen. Das wird viele Jahre lang dauern, hat aber schon begonnen, wie ich nach meiner Ankunft schnell feststellte: Bereits ist einiges renoviert. Weiteres ist programmiert, unter anderem soll San Bernardino ein Fünf-Sterne-Hotel mit Thermalbad bekommen. Gutes Wasser gibt es hier jedenfalls genug.
San Bernardinos Abenteuerpark. Nicht gut zu sehen
ist hinten links die Eisfläche zum Schlittschuhlaufen.
Der hübsche Berg ist der Pan de Zucher, 2601 Meter.

Sonntag, 24. November 2024

Strässchen des Grauens

Wanderstart am Bahnhof Neuhausen-Rheinfall.
Gern wären wir vom überfrorenen Perron direkt
mit dem Lift zum Rheinfall hinabgefahren.
Gestern wanderten wir von Neuhausen, Schaffhausens Nachbargemeinde, ins Klettgau hinüber. Stark war schon der Auftakt, vom Bahnhof "Neuhausen Rheinfall" besuchten wir als erstes wieder einmal einen alten Freund, den Rheinfall. Der ist ein Meister der Stimmungen, diesmal schwebten feine Dunstreste über dem Wasser, von dem es reichlich hatte. Irritierend fanden wir vor Ort einzig dies: Der Aufzug, der vom Bahnhof Richtung Ufer hinab fährt, war ausser Betrieb. So mussten wir eine steile, schattige Halde bewältigen, ein Strässchen, das um zehn Uhr morgens überfroren war. Mit uns waren ein paar asiatische Touristinnen und Touristen unterwegs, die im Unterschied zu uns besser bewehrten Wanderinnen und Wanderern Turnschuhe trugen. Man hätte auf diesem Strässchen des Grauens jederzeit stürzen, sich einen Arm oder Rückenwirbel brechen können. Ich verstehe nicht, warum der Lift nicht fuhr – ist das eine saisonale Schliessung. Neuhausen, hallo?

Immer wieder schön: der Rheinfall bei Neuhausen SH.

Donnerstag, 1. August 2024

Er Bündner, sie Chinesin

Die Heidialp auf dem Ochsenberg, 1111 Meter über Meer.
Wir besuchten letzten Samstag das Heididorf etwas oberhalb von Maienfeld im Weiler Ober Rofels (siehe gestern). Hier die Fortsetzung: Anschliessend stiegen wir durch den steilen Hölzliwald auf zur Heidialp auf dem Ochsenberg. Das war schweisstreibend. Auch die Heidialp versteht sich, ihr Name sagt's ja, als Heidi-Schauplatz, und auch sie ist es nicht, nachweisbar ist der Zusammenhang des Romans mit diesem Ort jedenfalls nicht. Schön war die Wanderung, und die Einkehr im Alp-Gartenbeizli der Familie Zindel war eine Freude. Dann stiegen wir durchs steile Gelände wieder ab, unsere Heiditour (690 Meter aufwärts, 565 Meter abwärts) endete in Maienfelds Nachbarort Jenins im Ausflugsrestaurant "Zur Bündte". Dort wirtet ein Ehepaar, er Bündner, sie Chinesin. Ich bestellte etwas Asiatisches, nämlich "Victoria's Secret", ein lauwarmes Gericht mit Pouletbruststreifen, Kartoffelstückchen, Gurkenspänen, Lycheefrüchten, Granatapfelkernen, Mais und Mango. In der Hitze war das genau das Richtige.
Blick aus der Höhe auf Jenins, hinten der Rhein nah Landquart.

"Victoria's Secret".

Mittwoch, 31. Juli 2024

Wer hat's erfunden?

Ich traf das Heidi und den Geissenpeter, als sie grad am Lernen waren.

Impressionen vom Heididorf inklusive Heidikleidli im Souvenirshop.
"Vom freundlich gelegenen, alten Städtchen Mayenfeld aus führt ein Fussweg durch grüne, baumreiche Fluren bis zum Fusse der Höhen, die von dieser Seite gross und ernst auf das Tal herniederschauen." So beginnt Johanna Spyris weltberühmter Roman "Heidis Lehr- und Wanderjahre" von 1880. Das Buch beschert Maienfeld GR einen, wie es aussieht, nicht versiegenden Touristenstrom. Vor allem das Heididorf zieht. Letzten Samstag besuchten wir diese Handvoll Häuser im Weiler Ober Rofels über dem Ort, wir zahlten Eintritt, schauten uns Heidis Haus an, Heidis Stall, Heidis Schlafkammer, Heidis Schulzimmer. Authentisch ist nichts von alledem, denn wie die regionalen Touristikerinnen und Touristiker selber anmerken, ist nicht klar, wo das Heididorf des Romans liegt – gibt es dieses Dorf in der Wirklichkeit überhaupt? Dies gesagt, sei nachgeschoben, dass uns die 1998 eröffnete Erlebnisanlage mit den verschiedenen Gehütten bestens amüsierte, die Räume sind aufwändig eingerichtet, es gibt viel bäuerliche und sennische Lebenswelt von einst zu erleben. Nachgebildete halt eben. Eindruck machte uns, mit wie viel Spass die Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland sich alles anschauten, natürlich unter Verfertigung immer neuer Selfies. Schon lustig. Das Heidi ist das bekannteste Mädchen der Schweiz. Weltberühmt ist es. Und wer, liebe Bündnerinnen und Bündner, hat's erfunden? Eine Zürcherin.
Denen gefiel das Heididorf bestens: türkische Touristinnen und Touristen. (Foto: Ronja)