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Sonntag, 6. September 2026

Spatenstich in Morgarten ZG

Bauvisier (r.) am Weg zum Morgarten-Denkmal.
Blick vom Denkmal auf die Theaterbühne und den Ägerisee.
Es darf nicht wahr sein! Bis jetzt wurde das Morgarten-Denkmal in Morgarten ZG einigermassen in Ruhe gelassen. Seit 1908 steht es schön für sich auf einer kleinen Anhöhe über dem Ägerisee. Und jetzt das! In der Wiese unter dem Denkmal sind Bauvisiere aufgestellt, eine Investorengruppe namens "Team of Visions" will ein Luxusresort realisieren. Ich war empört, als ich am Freitag vorbeischaute.

Das Plakat der Aufführung.
Nein, nein. Natürlich war ich nicht empört. Die Bauvisiere sind fake. Teil eines Theaterprojekts sind sie, des zweiten "Morgarten-Spektakels" nach einem längeren Intermezzo. Das Stück "Spatenstich" spielt gleichzeitig in der Vergangenheit des geschichtsträchtigen Platzes und in der Gegenwart. Um Heimatliebe versus Profitgier geht es grob besagt, die Gemüter erhitzen sich heftig. Las ich in den Rezensionen.  Am 7. August war Uraufführung, noch bis 19. September laufen Vorführungen. Könnte sich lohnen hinzugehen.

Dienstag, 18. August 2026

Mittelpunkt geschlossen

Der touristische Mittelpunkt der Schweiz.
Das umlaufende Mäuerchen bildet die Umrisse unseres Landes nach.
Alles so schön flach hier: die Älggi-Alp.

O weh! Das Älggi-Gasthaus ist derzeit geschlossen.
Am Samstag erreichte ich, vom Sachsler Seefeld abgestiegen, die Älggi-Alp. Dort gibt es inmitten flacher Wiesenböden eine kleine Hügelkuppe; 1988 wurde sie als Mittelpunkt der Schweiz bestimmt, auch wenn dieser ganz genau genommen 500 Meter entfernt liegt – in den Felsbändern, die die Alp gegen Norden begrenzen. Auf der Kuppe zeichnen Weidemauern die Umrisse unseres Landes nach, auch eine Triangulationspyramide steht da. Und natürlich ist eine Feuerstelle eingerichtet. Ich fand das alles stimmig, war aber gleichzeitig ein wenig verstimmt. Denn das beliebte Gasthaus ganz in der Nähe war verrammelt, und ich hatte doch grossen Durst. Hofläden oder einen Selbstbedienungskiosk gibts an dem abgelegenen Ort nicht. Ein Schild an der Gasthaustür informierte, dass der Pächter krank sei. Später, wieder zuhause, las ich in der "Obwaldner Zeitung" die Hintergründe nach. Der Pächter hatte im letzten Dezember Konkurs angemeldet, aus Gesundheitsgründen offenbar und auch, weil Schneemassen die Terrasse zum Einsturz gebracht hatten. Der Mittelpunkt der Schweiz, er ist derzeit sozusagen geschlossen. Immerhin: Drei Sachsler haben sich zusammengetan und werden das Gasthaus übernehmen. Nächstes Jahr soll es wieder öffnen. Eine gute Nachricht.

Samstag, 11. Juli 2026

Er flog, er fotografierte

Das Spelterini-Denkmal auf dem Lindenhügel in Bazenheid SG.
Es wurde zu Spelterinis 150. Geburtstag im Jahr 2002 aufgestellt.
Die Pyramiden von Gizeh bei Kairo, fotografiert
von Spelterini 1904. (Wikicommons)
Was für ein Tausendskerl! Eduard Spelterini war Ballonkapitän, stieg hunderte Male mit Passagierinnen und Passagieren auf, besass ab 1887 seinen eigenen Wasserstoffballon namens "Urania". Er flog in Zürich, London, Wien, aber auch in Bukarest, Neapel und Kairo – und er flog über die Alpen. Dass Spelterini bis heute unvergessen ist, geht aber vor allem darauf zurück, dass er Luftfotos anfertigte; die darauf basierenden Dias zeigte er in über 600 Vorträgen. Heute sind es Aufnahmen von grossem historischem Wert. In Bazenheid kam ich eben am Spelterini-Denkmal auf dem Lindenhügel vorbei. Hatte ich nicht gewusst: In diesem Toggenburger Dorf wurde der Luftfahrt- und Fotografiepionier 1852 geboren als Eduard Schweizer. Der Name Spelterini, den er später annahm, klingt besser. Internationaler. Verwegener irgendwie.
Spelterini winkt vom Rand des Ballonkorbs,
Ort und Jahr der Aufnahme unbekannt.
(Adrian Michael / Wikicommons)


Freitag, 15. Mai 2026

Der See trug türkis

Zwischen Gäsi und Mühlehorn, gut, gibts ein Geländer.
Währschafte Ware in Mühlehorn. (Foto:Ronja)
Am Mittwoch wanderten wir am Südufer des Walensees: Start in Weesen, über den Linthkanal, zum Campingplatz Gäsi, nach Mühlehorn. Bloss eine knapp zweieinhalbstündige Unternehmung wars – aber was für eine schöne und interessante. Der See trug türkis, am Himmel trieben schmucke Wölklein, die Felswände unter dem Kerenzerberg bildeten die dramatische Kulisse. Beim Campingplatz Gäsi tranken wir einen Kafi, passierten im Folgenden das See-Wasserstandsdenkmal von 1863, wurden bald darauf durch einen rekonstruierten Steg an den historischen Heerenweg erinnert, so benannt nach dem Glarner Ratsherr Fridolin Heer, der 1603 eine Strasse durch die unwegsame Steilflanke bauen liess – heute ist sie nur noch erahnbar. Am Ende, in Mühlehorn, wartete ein kulinarisches Freudeli. Wir fanden die Dorfbeiz Mühle offen vor und kamen zu feinen Hacktätschli mit Kartoffelstock. Doch, das war eine gute Ersatzwanderung; zuvor hatten wir, siehe Eintrag von gestern, am gegenüberliegenden Ufer umkehren müssen wegen der Sperrung des Weges von Weesen nach Quinten.
Das Denkmal mit den Pegelständen des Walensees aus dem 19. Jahrhundert.

 
Schutznetze gegen Steinschlag. Und ein rekonstruiertes Stück Holzsteg des Heerenwegs.

Weite: Bei Gäsi ist das Ufer des Walensees herrlich unverbaut.

Mittwoch, 15. April 2026

Die Schlacht, das Denkmal, der Lärm

Ein Säulenstumpf erinnert an die Schlacht am Grauholz.
Im Hintergrund ist die Autobahn zu sehen und zu hören. Lärmig!

Im Grauholz, einem bewaldeten Höhenzug unweit von Bern, stellen sich bernische Truppen im Frühling 1798 dem französischen Feind entgegen. Ziemlich sinnlos, dieses Unterfangen, die Berner Regierung hat vor der Übermacht der napoleonischen Invasoren eigentlich schon kapituliert. Die Verteidiger, hoffnungslos in der Unterzahl, verlieren die Schlacht, Kommandant Karl Ludwig von Erlach wird kurz darauf bei Wichtrach massakriert. Von einem Mob aus Einheimischen. In diesen Tagen endet die Alte Eidgenossenschaft, deren wichtigste Kraft das bernische Staatswesen war. 1886 wird am Grauholz in der Gemeinde Moosseedorf ein Schlachtdenkmal eingeweiht. Dieses muss 1930 aber einem militärischen Bauvorhaben weichen. 500 Meter weiter westlich vom heutigen Eidgenössischen Waffenplatz Sand-Schönbühl findet das Grauholzdenkmal auf einem kleinen Hügel eine neue Bleibe. Am Sonntag kam ich vorbei. Ich fand den Platz mit dem Säulenstumpf an sich stimmungsvoll. An sich. Ganz in der Nähe führt die Autobahn von Bern Richtung Olten durch. Der Strassenlärm ist ein Stimmungskiller.

Dienstag, 21. Januar 2025

Huggenbergers Stein

Der Hügel mit der Huggenberger-Gedenkstätte.
Der Gedenkstein, hinten links das Dörfchen Bewangen.
Die Tafel auf dem Stein ist wortkarg.
Vorletzten Samstag durchquerten wir auf dem Weg von Elgg nach Frauenfeld Bewangen. Der Hügel oberhalb des Dörfchens bietet erstens eine prachtvolle Aussicht, ist zweitens mit einer grosszügig langen Sitzbank dotiert und dient drittens als Gedenkstätte. Ein Stein erinnert an Alfred Huggenberger, geboren 1867 in Bewangen ZH, gestorben 1960 in Diessenhofen TG. Kennt ihn jemand? Ein Artikel im "Tages-Anzeiger" griff 2013 ein ein Jahr zuvor erschienenes Buch auf. Den Bericht zweier Experten, die Huggenbergers Leben und Werk analysiert hatten. Der Schreiber des Zeitungsartikels folgerte aufgrund des Berichtes, dass Huggenberger "zu Recht vergessen" sei. Wer war der Mann also? Ein Schriftsteller, Theaterautor, Gedichteverfasser. Er schrieb im Dialekt und auf Hochdeutsch, wurde auch in Deutschland beachtet, sah seine Texte in Schulbüchern gedruckt, bestritt unzählige Lesungen im In- und Ausland. Leider ist auch dies zu überliefern: Huggenberger trat schon 1933 der Reichsschrifttumskammer bei, gegründet von Joseph Goebbels. Auch in einer anderen Nazi-Vereinigung tat er mit. Und wenn man dem erwähnten Bericht folgt, war mindestens einer der Romane Huggenbergers vom Blut-und-Boden-Gedankengut geprägt, für das er schwärmte. Reue zeigte Huggenberger nach dem Krieg nicht. "Der Hunger nach Anerkennung machte ihn blind und kalt vor den Opfern", schreiben die Bericht-Autoren. Beim Gedenkstein ist von alledem nichts zu erfahren.

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Wer kennt Marie Dentière?

2002 eingemeisselt: Marie Dentières Name auf der Seite des ...
... abseitigen Genfer Blocks, der Ulrich Zwingli gewidmet ist. (Oberes Foto: Ronja)

Aus Zürisicht ist Ulrich Zwingli der Held der Schweizer Reformation. In Genf sieht man das ganz anders, stellten wir fest, als wir dort am Sonntag im Parc des Bastions das Internationale Reformationsdenkmal besuchten, eine Art Hall of Fame des Protestantismus. Vier gestrenge Herren stehen im Zentrum der grossflächigen Anlage: Calvins Mitarbeiter Guillaume Farel. Jean Calvin selber, der Genfer Reformator. Theodor Beza, der ebenfalls in Genf wirkte. Sowie der schottische Prediger John Knox. Hinzu kommen weitere grosse Gestalten der konfessionellen Umwälzung vor 500 Jahren von Oliver Cromwell bis Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Zwinglis Name ist in einen abseitigen, von einem Baum verdeckten Steinblock eingemeisselt, als Skulptur zu sehen ist der Mann nicht. Am selben Block ist die einzige Frau des Denkmals genannt, Marie Dentière. Auch sie begeisterte sich für die Ideale der Reformation und fand damals, Frauen sollten ebenfalls predigen dürfen. Der mächtige Calvin und seine bärtig-gestrengen Compagnons goutierten das gar nicht, Dentière wurde verhöhnt und verleumdet. Sie verliess Genf und eröffnete im grenznahen Frankreich ein Mädchenpensionat. Erst 2002 wurde ihr Name dem Reformationsdenkmal zugefügt.
Die vier Herren, die im Zentrum der Denkmal-Anlage stehen:
Farel, Calvin, Beza, Knox (von links). (Foto: Ronja)

Freitag, 15. September 2023

Denkmal für dilettierenden Dichter

Das Gessner-Denkmal am Klöntalersee. Es ist auf der Landeskarte eingezeichnet.

Bukolische Szene von Salomon Gessner, 1767. (Wikicommons)

Der Zürcher Salomon Gessner wurde 58, er starb 1788 und hat somit vollständig im Ancien Régime der Schweiz gelebt, das Napoleons Truppen ein gutes Jahrzehnt später hinwegfegten. Das, neudeutsch gesagt, Timing passt, Gessner war ein Bürger der alten Ordnung durch und durch. In eine gutsituierte und in der Politik verankerte Familie geboren, bekleidete er in seiner Heimatstadt prestigiöse Ämter und war im reifen Alter zum Beispiel "Sihlherr", was bedeutet, dass er für die Versorgung Zürichs mit Brennholz aus dem Sihlwald zuständig war. Geblieben ist anderes. Zum Beispiel, dass er 1780 die "Zürcher Zeitung" gründete, die Vorläuferin der "Neuen Zürcher Zeitung". Vor allem aber war Salomon Gessner Maler. Und Dichter. Mit Vorliebe kreierte er Schäferidyllen bzw. Schäferinnenidyllen, das Genre war harmlos und ein wenig läppisch, der Städter schwärmte vom ländlichen Hirtenleben. Am Montag kamen wir am Südufer des Klöntalersees zu einem Wegweiser, der das einige Meter höher im feuchten Hang platzierte Gessner-Denkmal anzeigte. Natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, zu dem Gedenkstein aufzusteigen, den zwei Bewunderer 1788 erwählt und mit einer Inschrift ausgestattet hatten. "Salomon Gessnern wollte die Natur ein Denkmal stiften und lies hier seinen Namen verewigen", steht da zu lesen, die Orthografie von damals habe ich belassen. Das Denkmal in wildromantischer Lage lockte in der Folge viel Volk an den damals noch unglaublich abgelegenen Glarner Bergsee. Gessner selber freilich hat das Klöntal, soweit wir wissen, nie besucht.

Samstag, 3. Juni 2023

Stäfa muckt auf

Das Denkmal "Kettensprenger" von 1898 in Stäfa.
An der Zürcher Goldküste leben im 18. Jahrhundert viele Bürger der vifen Art, die Bücher lesen und Ideen von anderswo aufnehmen, die die herrschende Ordnung erstickend finden und darüber in der örtlichen Lesegesellschaft debattieren. Vier von ihnen, ein Ofenbauer, ein Bäcker, ein Wundarzt und ein Chirurg, verfassen 1794 eine Bittschrift an den Rat von Zürich, in der sie höflichst anregen, dem Volk mehr Freiheit zu gewähren. In Stäfa, damals der wichtigsten Zürcher Landgemeinde, wird dieses sogenannte Memorial speziell rege diskutiert. Die Obrigkeit schlägt bald zu, es gibt drei Landesverweise, viele Beteiligte müssen hohe Bussen zahlen, das Memorial, das die Regierung offiziell gar nie erreicht hat, wird verbrannt. Der Unmut wächst danach weiter, es kommt zu einer Solidarisierung, die Landschaft schliesst sich gegen die Stadt zusammen, was folgt, wird als "Stäfnerhandel" bekannt: Im Sommer 1795 spricht die Regierung einen Bann gegen Stäfa aus, verbietet den Verkehr mit dem Ort, flugs wird dieser militärisch besetzt. Verhaftungen, Verhöre, Folter, schliesslich die Gerichtsurteile, sechs Hauptangeklagte werden zuerst zum Tode verurteilt, worauf die Urteile in lebenslange Haft umgewandelt werden. Weitere 200 Leute werden mit empfindlichen Sanktionen bedacht. Stäfa verliert die Selbstverwaltungsrechte, ist wirtschaftlich ruiniert, muss wie andere Gemeinden in einem demütigenden Unterwerfungsritual der Stadt Zürich huldigen. Was für eine deprimierende Geschichte zu Ende des Ancien Régime, das offenbar unfähig zum Wandel ist! 1798 bringen französische Truppen der Eidgenossenschaft dann den Umsturz, die Helvetische Republik entsteht, eine neue Zeit beginnt. Johann Jakob Bodmer aus Stäfa, einer der Hauptangeklagten im Stäfnerhandel, wird im Jahr des Franzoseneinfalls rehabilitiert. Am 12. April eröffnet er als erster Präsident und Abgeordneter aus Zürich den helvetischen Senat. Vorgestern war ich in Stäfa essen und fotografierte am See das Denkmal zu Ehren der Leute, die sich hier einst auflehnten.
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Dienstag, 20. September 2022

Der Chef hat nicht immer recht

Holzkreuz und Gedenkstein mit den Namen der Opfer: hier prallte das Flugzeug auf.
Das Denkmal am Haggenberg
steht auf Weiacher Boden und ist
auf der Karte eingezeichnet. 
Man nennt diese Art Vorkommnis in der Fliegersprache "controlled flight into terrain". 14. November 1990 gegen acht Uhr abends, eine Alitalia-Maschine, die in Mailand gestartet ist, befindet sich kurz vor ihrem Ziel, dem Flughafen Zürich. Doch ein Anzeigeinstrument des Piloten ist defekt, so dass er nicht erkennt, dass man 300 Meter zu tief unterwegs ist. Das Instrument des Copiloten funktioniert, er will durchstarten, wird vom Captain aber zurückgehalten. Und so kommt es, dass das Flugzeug in den Hang des Stadlerbergs, genauer gesagt des Haggenbergs rast. Alle 46 Menschen an Bord sterben. Am Samstag kamen wir am Ort vorbei, wo es geschah, ein Gedenkstein und ein Holzkreuz erinnern an die Katastrophe.
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Samstag, 23. April 2022

Hodler und der Finel

Der Leissiger Aussichtspunkt Finel mit der Hodler-Gedenkstätte und der alten Sommerlinde.
Knotige Stränge: der Stamm der Linde.

Ferdinand Hodler, 1853 in Bern geboren, lernt das Oberland schon als Bub kennen und lieben. Ab 1878 verbringt er den Sommer oft in Leissigen am Thunersee und stellt seine Staffelei gern auf dem Finel auf, einem Aussichtspunkt oberhalb des Dorfes. Hier malt er auch sein erstes Bild der Reihe "Landschaften am Thunersee". Im Jahre 1953, zum 100. Geburtstag des Malers, der 1918 verstorben ist, wurde auf dem Finel eine Gedenkstätte eingeweiht. Wer sich bei der uralten Sommerlinde hinsetzt, wie ich und Wanderkollege Godi es am Mittwoch taten, versteht, weswegen Hodler hier so gern arbeitete. Diese Aussicht – magisch!

Freitag, 14. Januar 2022

200 kamen nicht zurück

1936 putschten in Spanien Teile der Armee gegen die demokratisch gewählte Regierung. Es folgte ein dreijähriger Bürgerkrieg, die daraus hervorgegangene faschistische Diktatur unter General Franco dauerte bis zu dessen Tod 1975. Im Bürgerkrieg der Dreissigerjahre kämpften in Spanien in internationalen Brigaden etwa 40 000 Ausländer, mehr als die Hälfte von ihnen kam um. Auch 800 Schweizer beteiligten sich, Kommunisten, Sozialdemokraten, Anarchisten und so weiter. Das organisierte Gedenken in der Schweiz an die rund 200 jungen Männer, die nicht zurückkamen, liess auf sich warten. 1976 erst wurde am Zürcher Volkshaus eine Tafel angebracht. Es folgte zwei Jahre später ein Denkmal auf dem Monte Ceneri speziell für die Spanienkämpfer aus dem Tessin, später entstanden auch in der Romandie Erinnerungsorte. Kürzlich kam ich auf dem Monte Ceneri beim Grotto al Ceneri am Stein mit den Namen der Gefallenen vorbei.

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Wo Gotthelf wirkte

Lützelflüh: Uli-Brunnen beim Schulhausplatz und Gotthelf-Denkmal beim "Ochsen".
Bei der Kulturmühle ist ein Teil der Holzbrücke zu sehen,
über die Gotthelf am 1. Januar 1831 im Schneegestöber
ritt, als er seine Seelsorger-Stelle in Lützelflüh antrat.
Gestern gotthelfte ich. Es gibt in Lützelflüh, wo Albert Bitzius ab 1831 zuerst als Vikar, bald aber als ordentlicher Pfarrer waltete und daneben als Schriftsteller eine Vielzahl von Romanen und Erzählungen schrieb, die heutzutage als grosse und bedeutende Literatur gelten, "Uli der Knecht" etwa – es gibt in besagter Emmentaler Gemeinde neuerdings einen Kulturweg namens "Unterwegs zu Gotthelf". Gestern beging ich die Route von zwei Stunden Gehzeit, die mich durchs Dorf und auch ein wenig in die Höhen nördlich führte. Ich sah viel: das Gotthelf-Zentrum natürlich, wo man die Broschüre zum Weg bekommt (noch bis und mit 14. November hat es offen). Die Kirche, in der Bitzius predigte. Seinen Grabstein. Den Uli-Brunnen. Das Gotthelf-Denkmal. Die Gotthelf-Gedenkstätte. Und einige prachtvolle Häuser wie etwa ein stattliches Bauernhaus im Weiler Waldhaus, das wohl als "Hof Liebiwyl" im Roman "Geld und Geist" auftaucht. Und und und, das war eine gute Sache. Bloss etwas klappte nicht. Den Ochsen, in dem der Herr Pfarrer gern einkehrte, hätte ich auch besuchen wollen. Das Restaurant hatte leider Ruhetag.
Berner Alpen und Föhnhimmel von Lützelflüh aus gesehen.

Freitag, 16. April 2021

Start ist beim Tell-Denkmal

Hier gehts los.
(Foto: Roland Zumbühl / Wikicommons)

Mit regionalen Partnern habe man eine neue Innerschweizer Wanderroute entwickelt, teilt Luzern Tourismus mit. Der Tell Trail führt in acht Etappen vom Tell-Denkmal in Altdorf nach Sörenberg. Die Sache ist anstrengend, pro Tag geht man fünf bis sechs Stunden, legt insgesamt 156 Kilometer zurück und absolviert 7126 Höhenmeter. Zum Trail gehört ein massgeschneidertes Angebot mit reservierten Übernachtungen und Gepäcktransport. Doch, das täte mich gelüsten. Bloss denke ich, dass ich für die anlaufende Warmsaison schon genügend Pläne habe.

Freitag, 4. Mai 2018

Ein Sevir namens Sisses

Der Sockel, um den es hier geht.
Am Mittwoch war ich in Genf und besuchte das Musée d'Art et d'Histoire, das grösste Museum der Stadt. Im Innenhof fiel mir im Lapidarium, der Sammlung alter Steine, auf einem Statuensockel ein Wort in Grossbuchstaben auf: SISSI. Ein lateinischer Dativ offensichtlich zum Namen Sisses. Decimus Valerius Sisses, ein Freigelassener, lebte in der Colonia Equestris, heute Nyon. Der Mann, der ihn freigelassen hatte, war der berühmte Senator Decimus Valerius Asiaticus, der unter dem Kaiser Claudius nach Intrigen gezwungen war, sich das Leben zu nehmen. Er starb im Jahr 47 nach Christus. Was nun aber Sisses angeht, den vormaligen Sklaven: Dem dürfte es nach der Freilassung gut ergangen sein. Mit Sicherheit hatte er Vermögen. Davon zeugt sein Titel, er war Sevir. Auch das gehört erklärt. Freigelassene bildeten im alten Rom eine riesige Bevölkerungsgruppe. Sie waren den römischen Bürgern nicht ganz gleichgestellt, erst ihre Kinder bekamen alle Privilegien. Die Freigelassenen konnten zum Beispiel kaum politische Ämter annehmen. Immerhin war es ihnen möglich, im Kollegium der Seviri ("sechs Männer") mitzumachen. Die Seviri wurden in der Regel jedes Jahr neu bestimmt und hatten die Ehre, an ihrem jeweiligen Lebensort die jährlichen Feiern zu Ehren des Kaisers zu organisieren, freilich mussten sie diese auch bezahlen. Daher wissen wir, dass Sisses reich war. Er dürfte es genossen haben, dass ihm bei seinen Besorgungen in der Öffentlichkeit ein Liktor voranging, der eine ähnliche Funktion hatte wie der Weibel der Bundesräte; der Liktor schritt voraus, sein Auftritt signalisierte: Achtung, da kommt ein wichtiger Mann des Weges. Sein Monument hat Sisses übrigens testamentarisch vorbestellt. Schade, fehlt die Statue, die ihn uns zeigen würde.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Ein Obwaldner im Kanton Jura


In der zweiten Hälfte des Jahres 1944 rücken die Alliierten durch Frankreich vor Richtung Deutschland. Auch das Dorf Delle gerät in die Kämpfe, wird mehrmals beschossen und bombardiert, Menschen sterben. Zwei Kilometer weiter, im schweizerischen Boncourt, fürchten die Leute um ihr Leben. Drei Jahre später, als der Krieg vorüber ist, ist in Boncourt das Gefühl der Dankbarkeit, verschont worden zu sein, immer noch da. Und so errichtet man dort ein riesiges Denkmal, eine Statue des Niklaus von Flüe, des Schutzpatrons der Schweiz, der just 1947 vom Papst heiliggesprochen wird. Interessant, dieses Auftauchen eines Obwaldners in der Ajoie - ich hätte an dieser Stelle am Waldrand über dem Dorf keinen Urschweizer erwartet.

Samstag, 30. September 2017

Begegnung mit dem Gottessohn

Gestern im Wallis war Sommer mit 24 Grad. Einzig die leichte Verfärbung der Blätter zeugte vom einsetzenden Herbst. Unsere Wanderung mit Start in St-Léonard zwischen Sion und Sierre führte zwei ziemlich schwindelerregenden Bisses entlang, Wasserkanälen aus dem Mittelalter. Mehr davon morgen. Heute möchte ich bloss dies erzählen: Wir kamen unweit unseres Ziels Lens - ein Hangdorf - zur Statue du Christ-Roi, zur Christus-König-Statue. Nie zuvor gehört. Dabei ist die Statue auf dem Berg Le Châtelard, die 1935 eingeweiht wurde, 15 Meter hoch ist und im Sockel eine Kapelle enthält, weitum sichtbar. Monumental ist dieser Christus. Aber schön?
Die Statue gesehen aus dem Postauto zwischen Lens und Sion.

Samstag, 23. September 2017

Bei Schänis traf ihn die Kugel


Der General Hotze ritt an jenem Septembertag des Jahres 1799 aus, um die Gegend um Schänis zu erkunden - wo stand der Feind? Nun, Hotze hatte dessen Position wohl verkannt, jedenfalls endete sein Leben durch eine französische Kugel. In Schänis gibt es ihm zu Ehren einen General-Hotze-Weg. Geht man auf diesem Richtung Sebastiankapelle am Waldrand, passiert man den Gedenkstein an exakt jener Stelle, wo Hotze fiel. Der hiess eigentlich gar nicht so schneidig-preussisch. Als Johann Konrad Hotz wurde er 1739 in Richterswil in eine wohlhabende Familie geboren, entschied sich in jungen Jahren für eine Offizierskarriere, stieg in der russischen und später in der österreichischen Armee auf. Als Napoleon sich im Gefolge der grossen Revolution daran machte, das monarchische Europa zu zerschlagen, war klar, dass Hotze sich für die alte Ordnung einsetzen würde; ein Anliegen war ihm besonders, dies auf dem Gebiet der Eidgenossenschaft zu tun. Dort ereilte ihn im Alter von 60 Jahren bei besagtem Ausritt das Verhängnis.