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Montag, 1. Januar 2024

Alle schrumpfen, einer wächst

Seine Eiskappe schwindet: der Glarner Tödi. (Schweizmobil, Screenshot)

Unsere Berge ruhen nicht, sie sind ständig in Bewegung, ich las darüber gestern online einen Artikel der "Sonntagszeitung". Um die Höhe geht es in diesem Fall konkret. Grundsätzlich steigen die Alpen immer noch auf, Erdplatten, die aufeinander zudriften, bewirken es. Gleichzeitig erodiert der Fels, was das tektonische Wachstum mehr oder minder zunichte macht. Beide Veränderungen spielen im Millimeterbereich. Spektakulärer als geologische Faktoren macht sich in den Alpen die klimabedingte Eisschmelze bemerkbar, da reden wir von Metern. Das Fletschhorn im Wallis, Gemeinde Saas-Grund, war 1911 noch 4001 Meter hoch, heute sind es 3985 Meter, der Berg ist aus der Viertausenderliga abgestiegen. Der Glarner Tödi büsste in den letzten 63 Jahren 12 Meter ein und ist noch 3570 Meter hoch. Die Tendenz ist klar und wird sich fortsetzen: Unsere höchsten Gipfel schrumpfen massiv. Die Ausnahme ist der Mönch in den Berner Alpen. Er wächst, seit 1960 hat er um elf Meter zugelegt. Grund ist seine exponierte Stellung am Nordrand des Alpenhauptkamms; Stürme in Kombination mit riesigen Niederschlagsmengen transportieren enorme Schneemassen auf den Gipfel. Der Mönch, derzeit 4110 Meter über Meer, legt zu, wo seine Nachbarn verlieren. Nun wünsche ich allen ein gutes neues Jahr.

Donnerstag, 18. Mai 2023

Wärmetod

Sieben Seiten Mammut in der neuen
"Schweizer Familie". Plus eine Werbung.

In unserem Land gibt es etwa 100 Stellen, wo Reste von Mammuts – Wollhaarmammuts, genau gesagt – gefunden wurden. Knochen, Backenzähne, Stosszähne. In der neuen "Schweizer Familie" habe ich dem Tier, das mit dem Elefanten verwandt ist, einen grossen Artikel gewidmet. Natürlich geht es auch um die Frage, warum die Mammuts, reine Vegetarier übrigens, hierzulande vor gut 11 000 Jahren ausstarben. Nein, Homo sapiens war nicht schuld. Zwar jagten die Menschen der Urzeit Mammuts, doch wären sie rein zahlenmässig nicht in der Lage gewesen, diese auszurotten. Etwas anderes wirkte sich fatal aus. Die letzte Eiszeit endete, es wurde wärmer, das Schmelzwasser der Gletscher stieg in die Atmosphäre und fiel im Winter als Schnee, der den Boden deckte. Das Futter der Mammuts, Gras, Baumblätter, Kräuter, war somit wesentlich schwerer zu finden als zuvor. Auch konnten geschwächte Tiere in den dichten Wäldern, die nun wuchsen, ihren natürlichen Feinden, Grossraubtieren, nicht mehr so leicht entkommen. Die Mammuts: Opfer des Klimawandels.

Freitag, 30. September 2022

Drei Eiswürfel

Ihn gibt es noch, doch auch er ist stark geschrumpft: der Persgletscher, den ich letzten
Sommer von der Diavolezza aus fotografierte. Hinten links der Mitte der dreigipflige Piz Palü.
Stellen wir uns einen Würfel vor, je einen Kilometer lang, breit, hoch. Und jetzt stellen wir uns drei solche Riesenkuben vor. So viel Eis haben die Gletscher im Land diesen Sommer verloren. Der Schwund entspreche einem Volumenverlust von ungefähr sechs Prozent, steht in einem diese Woche veröffentlichten Bericht der "Akademie der Naturwissenschaften Schweiz". Kleinere, tiefer gelegene Gletscher wie der Pizolgletscher SG, der Vadret dal Corvatsch GR und der Schwarzbachfirn UR sind praktisch ganz verschwunden. Verheerend war für die hiesigen Gletscher nicht nur die extreme Hitze des Sommers, sondern auch die Tatsache, dass der letzte Winter kaum Schnee brachte, der die Eisfläche den Sommer über hatte isolieren können.

Mittwoch, 15. September 2021

Die grosse Schmelze

Der Randsee des Triftgletschers mitsamt
dem Gletschertor im Berner Oberland.
(Foto: Michael Graf / Wikicommons)
Am Ende der Kleinen Eiszeit, um 1850, hatten die Alpengletscher ihre grösste Ausdehnung. Dann setzte ihr Schwund ein, um sich in unserer Gegenwart aufgrund des Klimawandels dramatisch zu bescchleunigen. Die ETH-Forschungsanstalt Eawag hat, las ich unlängst im Tagi, erstmals ein Inventar sämtlicher Gletscherseen erstellt, die das Resultat der grossen Schmelze sind. Innerhalb von zehn Jahren sind demnach 180 neue Seen entstanden, die Wasserfläche wuchs zwischen 2006 und 2016 jedes Jahr um rund 150 000 Quadratmeter. Insgesamt sind im Inventar 1200 Seen aufgelistet, von denen 187 wieder aufgefüllt wurden, meist durch Sedimente.

Samstag, 14. August 2021

Der neue Gletscherweg

Der Persgletscher, hinten links der Palü mit seinen drei Gipfeln.

Das Diavolezza-Gasthaus nach den ersten Minuten des neuen Rundwegs. Rückblick.

Die Diavolezza, das per Seilbahn von der Berninastrasse oberhalb Pontresina her erschlossene Wander- und Skigebiet mit dem Berggasthaus auf knapp 3000 Metern: was für ein unglaublich aussichtsreicher Ort! Ich war noch nie dort gewesen und staunte am Donnerstag über das, was es zu sehen gab. Da waren der Viertausender Piz Bernina und der Piz Palü mit knapp über die Distanz auszumachenden Alpinisten-Menschlein in den steilen Schneehalden, da war vor allem der Persgletscher direkt zu unseren Füssen. Zu einer Medien-Veranstaltung war ich geladen, die örtlichen Touristiker haben nämlich einen neuen Rundweg realisiert, den Glacier Experience Trail. Ihn begingen wir im Folgenden und erfuhren von der Glaziologin Christine Levy, wie der Persgletscher aufgebaut ist, was ihn ausmacht und wie er seit langem schmilzt. Das war bewegend, wie ich überhaupt für dieses Eiswesen fühlte, als sei es ein lebendes Geschöpf. Ein gewaltiges Tier.

Ab dem Diavolezza-Gipfel-Gasthaus braucht man für die Gletscherrunde gut anderthalb Stunden, fünf Infostationen werden passiert, es geht je 250 Meter auf und ab, die Signalisierung ist weiss-rot-weiss, man kann das durchaus auch mit berggängigen Kindern machen. Auf der Schweizmobil-Karte ist die Route bereits eingezeichnet, ein Leporello liegt vor und ist herunterladbar.
Der schrundige Leib des Gletschers.

Dienstag, 22. September 2020

Der verschwundene Bergweg

Ein Screenshot der Schweizmobil-Karte, den ich gestern machte. Man sieht unten rechts Sedrun GR, und oben geht es zum Chrüzlipass, über den man von Sedrun ins Urnerland gelangt, nach Bristen im Maderanertal und weiter nach Amsteg im Reusstal. Die direkte Verbindung von Sedrun zum Pass - das ist das Val Strem. Die rote Linie, von mir gezeichnet, ist das Problem. Auf dieser Länge nämlich kann man nicht mehr wandern. Was ich befürchtete, ist eingetreten. 2016 gab es einen Felssturz, der Wanderweg wurde gesperrt, und weil weitere Rutsche drohen, ist er mittlerweile ganz von der Karte gestrichen. Das ist nötig, weil es um die Sicherheit geht, tut aber weh, weil das Val Strem wunderschön ist. Und weil man nun, wenn man die Route machen will, die ohnehin lang ist, einen riesigen Umweg weiter westlich machen muss, um auf den Chrüzlipass zu gelangen. Hier die Daten:
  • Auf der Direttissima von Sedrun durchs Val Strem brauchte man früher 3 Stunden bis zur Passhöhe (936 Meter aufwärts, 30 abwärts).
  • Mit dem Umweg braucht man von Sedrun zur Passhöhe 5 Stunden (1324 Meter aufwärts, 421 abwärts).
Ich bin froh, habe ich den Chrüzlipass in früheren Jahren gemacht. Zwei Mal. Mit dem Val Strem.
Im Val Strem. 2014. Als es noch nicht gesperrt war.