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Freitag, 20. Mai 2022

"Wir verstehen die Welt nicht mehr"

Krasse Sache. In letzter Zeit kommt es häufig vor, dass ich irgendwo essen will, aber das Restaurant hat zu. Oder es hat die Öffnungszeiten drastisch reduziert, bleibt zum Beispiel Montag, Dienstag, Mittwoch geschlossen. Oft ist Personalmangel das Problem. Gestern besuchte ich die Internetseite des Hotels Tiefenbach an der Furkastrasse zwischen Realp und der Furkapasshöhe und stellte fest, dass man dort verzweifelt Arbeitskräfte sucht. Ich hoffe, es finden sich welche. Der Tiefenbach ist ein wichtiger Ort für Leute, die zum Beispiel den Urschner Höhenweg machen wollen.

Donnerstag, 19. Mai 2022

Unser Gemüsegarten hat ein Problem

Das Berner Seeland. (Webameise/Wikicommons)

Zwei Juragewässerkorrektionen, die erste noch im 19. Jahrhundert, legten das riesige Flachmoor südlich von Biel trocken. Es entstand, so die "NZZ am Sonntag" soeben, "der Gemüsegarten der Schweiz". Freilich hat der Eingriff in die Natur des Berner Seelandes ein Problem gezeitigt. Torfböden vergasen, wenn sie mit Sauerstoff in Kontakt kommen. Sie lösen sich in Luft auf. Im Seeland ist der Boden mancherorts stark abgesunken, bis zu zweieinhalb Meter, manche Strassen liegen deswegen viel höher als die Felder. Bei Gals westlich des Bielersees soll diesen Sommer eine Rettungsaktion anlaufen. Oder doch der Versuch einer Rettung. Bagger werden auf 70 Hektaren rund 100 000 Kubiketer Erde verteilen. Klappt es mit der Bodenaufschüttung, sollen später weitere Flächen folgen. Das verwendete Erdmaterial stammt von Baustellen der Region und ist, so der erwähnte Artikel, aus ökologischer Sicht unbedenklich.

Mittwoch, 18. Mai 2022

Die Teststrecke

Die neuen Schuhe in der, nein, nicht in der Feuertaufe.
Eher wars eine Dreck-und-Nässe-Taufe.


Brunnen voraus, in der Bildmitte in Grün der Seelisberg.
Gestern stand ich um vier auf. Die Idee war, ins Unterwallis zu fahren und bei Saxon den Sentier de l'Abricot zu machen. Um fünf, 20 Minuten vor Abfahrt des Bähnlis im Zollikerberg, merkte ich, dass ich keine Lust auf die lange Reise hatte. Ich legte mich aufs Sofa, schaute ein wenig die Karte an, überlegte. Auch fiel mir ein, dass ich seit drei Wochen neue Wanderschuhe hatte, die ich einlaufen musste. Hohe von Lowa. Mein neuer Plan führte mich in die Innerschweiz.

Das Becken des Zugersees und seiner Verlängerung, des Lauerzersees, ist durch das Rigimassiv vom Becken des Vierwaldstättersees samt dem Urnersee getrennt. Ich nahm mir den östlichsten Pass vor, der vom einen Becken über das Massiv ins andere Becken führt, also den Pass von Ränggen auf 926 Metern. Am Lauerzersee bei der Bushaltestelle "Lauerz, Seegütli" startete ich. Stieg auf und war froh, irgendwann in den Wald zu kommen, die Sonne brannte, ich schwitzte. Im obersten Drittel war der Pfad glitschig mit hohen Tritten unter beeindruckenden Fluhen. Auf der anderen Seite des Berges gings abwärts nach Brunnen. Nach knapp drei Stunden (505 Meter aufwärts, 520 abwärts) erreichte ich dort den Bahnhof und fuhr wieder heim. Nein, das war keine lange Unternehmung. Doch meine Schuhe sind jetzt bereit für mehr. Was die Füsse angeht: Am linken montierte ich nach der ersten Stunde an der Ferse ein Pflaster, vorbeugend, ich glaube, ich hatte diesen Schuh zu fest verschnürt. Ansonsten gabs keine Probleme. 

Dienstag, 17. Mai 2022

"Meine Musse"

Am Rand der Höhle, das Eis am Boden ist ein paar Meter dick. 
Nicht zu sehen ist linkerhand eine Art Fenster zur Nachbarhöhle.

Im Winter gefriert das durch den porösen Kalkstein eingesickerte Wasser. Im Sommer überlebt das Eis, weil sich dann eine sogenannte Kaltluftfalle bildet; ein warmer Luftpfropfen hindert die kalte Luft daran, nach oben zu entweichen. Dies das Geheimnis der Glacière de Monlési in der Region des Val de Travers, einer Höhle mit drei Hauptschächten, die sich als verschummerte Löcher im Waldboden abzeichnen. Am Samstag besuchten wir die Glacière und stiegen in sie ein, zuerst auf einem rutschigen Pfad, dann auf einer Leiter, deren Sprossen eiskalt waren, sodass mir fast die Finger abfroren. Unten, rund 20 Meter unter Bodenniveau, konnten wir nicht viel mehr tun, als vorsichtig noch ein paar abschüssige Meter zur Höhle zurückzulegen und an ihrem Rand die Eissäulen im Halbdunkel zu bewundern, wir hatten keine Schuhkrallen oder gar Halbsteigeisen dabei. 6000 Kubikmeter Eis soll es in diesem Neuenburger Hades geben, in den 1950er-Jahren wurde es abgebaut und in der Gegend verwendet. Ihren Namen bezieht die Eishöhle vom nahen Gut Monlési, es handelt sich um Patois, "mon loisir" bedeutet "meine Musse". 
Widmer (glücklich) steigt wieder aus.

Oberer Teil des Ausstiegs, der Boden ist sehr glitschig.

Montag, 16. Mai 2022

Schon der Beginn war toll

Starker Start: Aufstieg von Fleurier zum Aussichtspunkt 200 Meter höher.
Der Himmel über dem Hochplateau.

Von Fleurier via Haut de la Vy, Glacière de Montlési, La Sagnette, Bas des Roches und Corridor au loup nach Couvet: Viereinhalb Stunden (reine Gehzeit) brauchten wir für diese Route bei je rund 620 Metern auf und abwärts. Wir waren unter einem blauen, von Wolken durchzogenen Himmel unterwegs. Schon der Beginn war toll. Auf einem steilen Waldpfad gings aufwärts zu einem Aussichtspunkt, den man von Fleurier aus an der Schweizerfahne erkennt; oben bei ihm lag uns das Dorf zu Füssen samt dem hinteren Abschnitt des Val de Travers. Alsbald fanden wir uns auf einem Hochplateau mit Kuhweiden, charismatisch verknorzten Buchen, Enzianen und dezent violettem Knabenkraut. Bei Montlési brätleten wir in der Mitte der Unternehmung. Und am Schluss gabs in Couvet im Garten des Hôtel de l'Aigle Aprikosensorbet mit Mauler-Schaumwein; der wird im Tal hergestellt. Auch ein Fläschli Absinth konnte ich noch kaufen, bevor der Zug uns wieder heimführte.  

P.S. Wer die Gegend kennt und meine Route schon gemacht hat, weiss, dass ich auf eine wesentliche Attraktion nicht näher eingegangen bin. Sie braucht einen eigenen Eintrag. Der folgt wohl morgen.

Sonntag, 15. Mai 2022

Der Märchenkorridor

Couvet mit dem Wolfskorridor in Rot.
Anderthalb Kilometer nördlich von Couvet im Val de Travers, Kanton Neuenburg, findet man den Corridor au Loup. Auf gut 300 Metern hängt auf einem, von Süden gesehen, anfangs horizontalen, bald aber steil abfallenden Steig der Fels über. Das geologische Spektakel mit dem starken Namen – "Wolfskorridor" klingt nach Märchen – ist einfach zu erklären. An diesem Ort besteht der Fels aus drei Schichten, zwei harten und einer weichen in der Mitte. Sickerwasser höhlte die weiche Schicht über eine lange Zeit aus, das stete Hin und Her von Gefrieren und Abtauen sprengte Brocken ab. So entstand der Korridor, den wir gestern gegen Ende einer wunderbaren Jurawanderung kennenlernten.

Samstag, 14. Mai 2022

Fein und grob

Lärchenholz im Querschnitt. Ob es
fein- oder grobjährig ist, weiss ich nicht.
(Foto: Wikicommons)
Im Internet stiess ich gestern, als ich ein wenig über Lärchenholz nachlas, auf einen Artikel in der "Tierwelt", der von einer Schindelfabrik in Pfäffikon im Kanton Schwyz erzählt. Und ich stiess im Artikel auf ein Wort, das ich bis anhin nie gehört hatte: feinjährig. Es bezieht sich auf Holz, das nicht besonders schnell gewachsen ist, so dass die Jahrringe sich eng aneinander reihen – feinjähriges Lärchenholz ist speziell dicht und deshalb optimal geeignet für die Herstellung von Schindeln, die ja alle Arten Wetter aushalten müssen. Das Gegenteil dieser Eigenschaft nennt man ... ja, richtig, grobjährig.

Dies gesagt, mache ich mich daran, meinen Rucksack zu packen. Heute gehts mit dem Grüppli ins Val de Travers, Kanton Neuenburg. Sicher werden wir dort auch Bäume sehen. Fein- und grobjährige.

Freitag, 13. Mai 2022

Der Lärchenkönig

Eine Majestät lockte mich ins Wallis. Bewog mich zu der langen Reise, die vorgestern Mittwoch damit begann, dass ich zuhause im Zollikerberg um 5 Uhr 12 den Zug nahm. "Balavaux" heisst die Alp hoch über Isérables, eine Sesselbahn führt von Les Prarions über den besonnten Alphang mit seinen Ferienhäuschen hinauf zum Lac de Tracouet. Am fünften Mast von unten fand ich sie, die Lärche mit dem biblischen Alter von 850 bis 1000 Jahren, 30 Meter hoch ist sie, der Stammumfang am Boden beträgt fast 12 Meter. Damit man den Baum in dem steilen Gelände auch geniessen kann, ihm nahekommen, ihm huldigen, haben die Touristiker extra einen Holzsteg angelegt. Der Name der Lärche passt zur gewaltigen Erscheinung: Man nennt sie "Le Roi de Balavaux" – König von Balavaux.

Isérables, Seilbahn – La Teise – Les Tsans Roux – La Tsoume – Les Prarions – Abstecher zum Baum und retour nach Les Prarions – Forêt du Plâgne – Grand Bisse de Saxon – Forêt du Ban – Les Crêteaux – Les Grand Esserts – Isérables, Seilbahn. Je 890 Meter auf- und abwärts, 4 3/4 Stunden. Koordinaten des Baumes: 2587699 1111127.

Donnerstag, 12. Mai 2022

Mit Steigeisen zum Einkauf

In der Seilbahn von Riddes hinauf nach Isérables.
Die Dächer von Isérables.
Mein Essen. Herzig
das Kartoffelgratin-Förmli.
Gestern machte ich eine Entdeckung. Von Riddes, das im Rhonetal zwischen Sion und Martigny liegt, fuhr ich mit dem Seilbähnli ins Bergdorf Isérables. Nie war ich in dem Ort gewesen, in dem ich zu einer Rundtour startete. Isérables liegt auf 1100 Metern, bis 1942 die Schwebebahn entstand, lange vor der Strasse übrigens, blieben die Menschen hier oben weitgehend sich selber überlassen. Ihre Häuser schmiegen sich an einen sehr coupierten Hang, was man merkt, sobald man von der Dorfstrasse in die Höhe abbiegt; man fühlt sich sofort, als steige man eine Sprungschanze hinauf, derart happig geht das aufwärts. Ich fragte mich, wie die Einwohnerinnen und Einwohner solch steile Strassen im Winter überleben – tragen die Steigeisen, wenn sie einander besuchen? Nach meiner Tour gefiel mir dann auch die Einkehr. Die Terrasse der Auberge Le Mont-Gelé gleich bei der Bergstation der Seilbahn war praktisch voll. Drinnen fand ich Platz und bekam eine vorzügliche Entenbrust mit eingekochtem Honig-Soja-Jus, viel Gemüse und einem schön mit Knoblauch parfümierten Kartoffelgratin. Womit ich in Isérables zwei sich ergänzende Dinge gemacht hätte: erstens mich gefordert auf einer anstrengenden Strecke (mehr davon morgen). Und zweitens gegessen und genossen an einem freundlichen Ort.

Mittwoch, 11. Mai 2022

Neu und nützlich

Wer einen Weitwanderweg unter die Füsse nimmt, liest sich gern im Voraus ein und freut sich dann umso mehr auf die Unternehmung. Zur Via Rhenana, die von Kreuzlingen nach Basel führt, gibt es jetzt den Führer "Via Rhenana – Wasserweg mit Salzgeschmack" (Weber Verlag). Der Trutzturm bei Gottlieben, in dem im 15. Jahrhundert Reformator Johannes Hus schmachtete. Die Eisvögel in den Thurauen nah Flaach. Die einstige Herrlichkeit von Mumpf mit drei Kurhotels, in denen die Gäste in der Salzsole badeten: alles Dinge, über die man in dieser nützlichen Neuerscheinung mehr erfährt.

Dienstag, 10. Mai 2022

Das Zahnfest

Schöner Bau, oder? Teufens Zeughaus.
Im Zeughaus von Teufen, Kanton Appenzell Ausserrhoden, ist ein Museum untergebracht, das des grossen Teufner Baumeisters Hans Ulrich Grubenmann gedenkt. Grad eben sah ich, dass dort diesen September ein "Zahnträgerfest" stattfindet. Oh, schön, dachte ich, originelle Sache, und gleichzeitig ist das ein Fest für alle. Denn Zähne hat doch jeder und jede, ob sie nun echt sind oder Imitate. Bei näherem Hinschauen merkte ich, dass es um etwas ganz anderes geht. Der Grubenmann schaffte es, extrem weit gespannte Holzbrücken zu bauen dank einer ingeniösen Verzahnung der Holzträger. Daran erinnert das Fest mit einem Wettbewerb, bei dem entsprechende Konstruktionen im Modellformat juriert werden. 

P.S. Grubenmann, 1709 bis 1783, baute zum Beispiel die 119 Meter lange Schaffhauser Rheinbrücke, die mit einem einzigen Mittelpfeiler den Fluss überquerte. 1758 wurde sie eröffnet. 41 Jahre später setzten sie napoleonische Truppen in Brand und zerstörten sie.

Montag, 9. Mai 2022

Die Sursilvanträumerei

Im Bahnhof Stadelhofen in Zürich fotografierte ich am Samstagmorgen dieses riesige Werbeplakat. Ein Sprachkurs in Ilanz, das wärs, dachte ich und tagträumte mich in eine fidele Rätoromanisch-Klasse. Dann schlug ich nach, wie viele Menschen die angebotene Variante Sursilvan im Alltag sprechen. Es sind rund 18 000. Ich würde meine neuerworbenen Sprachkenntnisse zuhause in Zürich wohl in Windeseile wieder vergessen. Habe ja auch weder ein Ferienhüsli in Disentis noch eine Frau aus Cumpadials. Trotzdem – irgendwie täts mich gelüsten.

Sonntag, 8. Mai 2022

Grau statt blau

Steiler Abstieg von der Burgruine Neu Toggenburg zum Wasserfluhpass.

Ronjas Siedwurst.
Gestern waren wir in der Ostschweiz unterwegs. Zwischen dem Tal des Necker und dem der Thur. In einem herrlichen Hügelland. Das Problem war, dass wir nach dem Start in Brunnadern die ersten drei Stunden lang gar nichts sahen ausser grad den Weg vor uns. Dunst waberte. Kurz regnete es auch. Die Luft war so feucht, dass wir schwitzten, als seien wir im Amazonasgebiet und nicht im St. Gallischen. Auf dem Spitzli mit der Burgruine Neu Toggenburg dasselbe Grau. Der Zmittag in der Bauernwirtschaft Köbelisberg entschädigte später für den Aussichtsentzug, war alles sehr gut von Käse und Brot über die Siedwurst mit Chäshörnli bis zu Schnipo. Am Nachmittag bekamen wir dann etwas mehr Sicht, als wir wieder hinab nach Brunnadern hielten. Einmal war gar die Sonne zu erahnen. Und unten gabs ein Bier vom Volg. So dass man insgesamt von einer gelungenen Wanderung reden kann. Und bereits hat ja auch die Waschmaschine meine bis zu den Waden totalverdreckten Hosen wieder sauber gekriegt. Die Route: Bahnhof Brunnadern-Neckertal – Sonnegg – Vögelisegg – Oberwald – Burgruine Neu Toggenburg – Graben – Wasserfluh-Passhöhe – Bruggwisenwald – Wirtschaft Köbelisberg – Waldschwilerberg – Homberg – Hinteregg – Chrüzweg – Haselacker – Bahnhof Brunnadern-Neckertal. Je 810 Meter aufwärts und abwärts, 4 3/4 Stunden. 
So wars am Nachmittag.

Samstag, 7. Mai 2022

Zuerst Stollen, dann Schlucht

Die Kanderschlucht bei Gwatt war zuallererst ein Kanderstollen.
Dieser Tage bin ich des öftern in der Gegend von Thun und am linken Thunerseeufer unterwegs. Wegen eines Artikels. Unlängst fotografierte ich vom Strättligsteg aus, etwas oberhalb von Gwatt und einen Kilometer von der Einmündung der Kander in den See entfernt, die Kanderschlucht. Und ich dachte: Hach, schon erstaunlich, wie ein Fluss in tausenden Jahren eine beeindruckende Schlucht wie diese ins Gelände frisst. Blödsinn! Die Kander floss die längste Zeit nicht in den Thunersee wie heute, sondern strebte via Allmendingen und die Thuner Allmend der Aare zu. Weil sie dabei viel Land überschwemmte, baute man einen Stollen zum Thunersee. 1713 erfolgte der Durchstich. Man hatte freilich die Gewalt des Wassers unterschätzt, nach wenigen Monaten stürzte der Stollen ein – voilà die Kanderschlucht. Das Projekt war im Übrigen keine wirkliche Lösung für die Probleme mit der Kander, die nun einfach das Volumen des Thunersees derart vergrösserte, dass dieser ab und zu die Stadt Thun überflutete. Der Projektleiter riskierte, gelyncht zu werden, und musste aus Thun fliehen. Eine Reihe weiterer Meliorierungen wurde nötig. Immerhin gewann man dank der Kander-Umleitung westlich von Thun viel guten Boden. Dort entstand später der Waffenplatz Thun, der grösste Waffenplatz der Schweiz,

Freitag, 6. Mai 2022

Sanggeleboo

Die St. Kolumbanshöhle bei Gossau, auch "Salpeterhöhle" genannt, ist riesig.
Weil der Einsturz droht, darf man sie seit Jahren nicht mehr betreten.

O ihr heiligen Verballhornungen! St. Niklaus, der Hauptort des Mattertals im Wallis, heisst im Dialekt Zaniglas oder auch Saniglas. St. Pantaleon, das Dorf im Solothurnischen, ist Bäntlion. Neu war mir der Mundartname der St. Kolumbanshöhle nah Gossau SG am rechten Steilhang der Glatt. Sie heisst, wie ich grad zufällig las, Sanggeleboo. In dieser Höhle sollen sich die irischen Wanderheiligen Kolumban und Gallus vor 1400 Jahren eine Zeitlang niedergelassen haben, um den heidnischen Alemannen zu predigen.

Donnerstag, 5. Mai 2022

Schneller aufs Schilthorn

Gondel unterwegs zum Schilthorn.
(Foto: Schilthornbahn /Wikicommons)
In vier Sektionen fährt man in der Seilbahn von Stechelberg aufs Schilthorn, 2970 Meter über Meer. Die Bahn im Berner Oberland ist freilich 55-jährig. Mitte Juni startet eine Gesamterneuerung, die um die 100 Millionen Franken kosten und etwas über vier Jahre dauern wird. Das las ich eben in der "Berner Zeitung". Zum Projekt gehört, dass in Zukunft Wasser- und Energieleitungen doppelt geführt werden, was man "Redundanz" nennt; fällt das eine System aus, ist da noch das andere. Neu sind drei Sektionen vorgesehen, die Fahrzeit schrumpft von heute 36 auf 24 Minuten. Und es können in Zukunft statt 350 neu 800 Personen pro Stunde befördert werden – Effizienzsteigerung am Berg.

Mittwoch, 4. Mai 2022

Ägypten im Aargau

Staffelbach im Suhrental, Kanton Aargau, hat seit einiger Zeit ein Sandsteinmuseum. An verschiedenen Orten rund um das Dorf wurde einst Sandstein abgebaut, das Museum widmet sich der Geschichte dieses Handwerks, das meist von Taglöhnern ausgeübt wurde. Staffelbacher Sandstein war weitum geschätzt als Baumaterial und ergab auch spezielle Sitzöfen. Letzten Samstag kamen wir am Dorfrand auf dem Bühl vorbei, wo das Museum steht, doch es war nicht offen. Zuvor hatten wir den grössten Steinbruch von Staffelbach besichtigt, den Steinbruch Friedlistall. Wir waren fasziniert von den zwölf in eine Fluh gebohrten Kavernen, die Anlage hat etwas Riesenhaftes. Sie erinnerte uns an die Steinbrüche Ägyptens, aus denen einst die Blöcke für den Bau der Pyramiden gewonnen wurden.

Dienstag, 3. Mai 2022

Das heilige Kopfloch

Die Büste des heiligen Florinus mit dem Loch samt Deckel im Scheitelbereich.
Dieselbe Büste von vorn. Florinus wird als
Heiliger speziell im Bistum Chur verehrt.
Am Sonntag besuchte ich in Chur das Domschatzmuseum im Bischöflichen Schloss. Es enthält zwei ganz verschiedene Dinge. Im Untergeschoss ist ein Wandbildzyklus von 1543 zu sehen, Todesdarstellungen, die den Tod sozusagen an der Arbeit zeigen, auf Visite bei Menschen, die er mitnehmen will. Im Erdgeschoss ist der eigentliche Domschatz ausgestellt, eine Sammlung prunkvoller Gegenstände vom bischöflichen Zeremonialschwert über eine gotische Turmmonstranz bis zu seidenen Pontifikalschuhen, wie sie Äbte und Bischöfe trugen. Besonders gefiel mir eine Büste des heiligen Florinus aus dem 14. Jahrhundert. Auf dem Scheitel ist eine Öffnung mit Klappdeckel angebracht. In ihr wurde eine Reliquie aufbewahrt – ein Schädelfragment ebendieses Heiligen.

Montag, 2. Mai 2022

Zmittag beim Holländer

Die Dorfkirche von Uerkheim, "Uerke", wie die Einheimischen sagen.
In der Mitte zwischen Zofingen und Uerkheim.

Holländer im Aargau: Reini Notten
in der "Sonne" in Uerkheim.
Gestern berichtete ich über den Auftakt unserer Aargauer Wanderung, die uns vom Zofinger Bahnhof zurerst zur Stadtkirche führte und dann hinauf zum Steinbruch bei der Kuzenhöhle. Weiter gings so: Wir hielten, meist im Wald, via Martinsgraben und Sandebni nach Uerkheim. Dessen kleine und herzige Kirche gefiel uns wegen ihrer Lage auf einem Felssporn. Alsbald gabs Zmittag im Restaurant Sonne, wo ein kommunikativer Holländer wirtet; so nebenbei erzählte Reini Notten, dass sein Vater René einst als Profifussballer im holländischen Nationalteam gespielt habe. Über den Uerkner Berg verliessen wir nach der Einkehr Uerkheim, gelangten über die Schwarzhuserebni, den Sattelhof und den Lochhof nach Staffelbach. Das Wetter hatte uns den ganzen Vormittag über verwöhnt mit reichlich Sonnenschein. Am Nachmittag graupelte es mal kurz, schön fein, die Wege waren nun mit winzigen Eiskörnern bedeckt, die in Windeseile wieder schmolzen. Und just aufs Wanderende zog ein Gewitter heran mit schwerem Regen, knapp schaffen wir es, trocken zu bleiben. Ein Letztes noch zur abwechslungsreichen Tour durchs Hügelland am letzten Apriltag des Jahres: Kurz vor der Ankunft in Staffelbach erkundeten wir wieder einen Steinbruch, den Steinbruch Friedlistall. Mehr über ihn in einem späteren Eintrag.

Sonntag, 1. Mai 2022

Expedition Kuzen

Die Kuzenhöhle im Steinbruchwald östlich und etwas oberhalb von Zofingen.
Sandsteinfluhen rahmen den Steinbruch zu einem guten Teil.
Zofinger Stadtkirche, Stein vom Kuzen-Bruch.

Zofingens riesige Stadtkirche ist eine Basilika mit romanischen und gotischen Stilelementen. Etwas interessierte uns besonders, als wir gestern in Zofingen zu unserer Samstagswanderung starteten und gleich als erstes die Kirche aufsuchten. Nämlich der Stein, aus dem sie gebaut ist. Drei Arten lassen sich unterscheiden:

  1. Das Fundament sowie die Treppen bestehen aus fossilreichem Kalkstein vom nahen Jura. Aus der Nähe sieht man die unzähligen kleinen Muscheln im Stein.
  2. Für die Basis des mächtigen Turms verwendete man einen besonders robusten und druckfesten Stein, den "Mägenwiler Muschelkalk".
  3. Die Aussenpfeiler um den Chor sind aus grünlichem, auffallend feinem Sandstein. Er wurde zu einem guten Teil im Steinbruch der nahen Kuzenhöhle abgebaut, hatte ich am Tag vor der Wanderung in einem geologischen Aufsatz gelesen.
So etwas nervt.
Ebendiese Kuzenhöhle (Karte) oder auch Chuzenhöhle knapp 30 Gehminuten oberhalb des Städtchens war unser nächstes Ziel, wir besuchten also den Ursprungsort des Sandsteins der Zofinger Stadtkirche. Die Grösse des Steinbruchs überraschte uns, das Gelände besteht aus Mulden, die von einer Sandsteinfluh umringt sind. Etwas beeinträchtigt wurde unsere Freude durch den Abfall, der bei einem Rasttisch herumstand und -lag, es waren wohl die Überreste einer Party in der Nacht zuvor, einige Bierbüchsen waren nicht einmal geöffnet. Last not least entdeckten wir auf dem weitläufigen Areal ein einsames Tipi. Dessen Bewohner war grad dran, vor seinem Zelt Feuer zu machen. Er wohne seit vielen Jahren hier, erzählte er. Und ja, die Behörden liessen ihn gewähren.

Samstag, 30. April 2022

Neuer Bus, neues Chärtli

Dass neuerdings auch das Hochplateau des Randen im Schaffhauser Jura ein wenig öffentlichen Verkehr hat - ich habs hier vor Monaten vermeldet. Der Randenbus fährt an schönen und sonnigen Wochenenden und Feiertagen von Hemmental hinauf nach Mäserich. Wo das ist? Soeben haben die örtlichen Touristiker eine praktische Wanderkarte aufgeschaltet, die man runterladen oder bestellen kann. Sie erlaubt die Orientierung. Und sie gibt Ideen für den Randen. Wo man einkehren, wo brätlen, wo einen Aussichtsturm besteigen kann. Beides, Bus und Karte, ist übrigens gratis.

Freitag, 29. April 2022

Entlastung für die Pyramiden

Kürzlich fuhr ich im Postauto von Euseigne VS talwärts und fotografierte
dabei den Strassentunnel durch eine der Pyramiden.

Ich fands ja schon immer barbarisch, dass man im Val d'Hérens 1947 beim Strassenbau nah Euseigne einen Tunnel durch die Kette von Erdpyramiden trieb, die Spitzen sind wunderschön – und mittlerweile als nationale Naturdenkmäler registriert. Die Vibrationen der Strasse mit Tausenden von Fahrzeugen täglich haben den Pyramiden in den letzten Jahrzehnten zugesetzt. Nun laufen die Arbeiten an einem neuen Umfahrungstunnel an, der nächstes Jahr eröffnet werden soll. Beim bisherigen Tunnel ist eine Fussgängerzone samt Besucherzentrum geplant, was auch heisst, dass man nicht mehr riskiert, überfahren zu werden, während man steht und staunt.

Donnerstag, 28. April 2022

Ein Vogel verstummt

Was für ein Schlund! Junger Kuckuck im Nest
eines Baumpiepers. (Foto: vladlen666/Wikicommons)

Der Kuckuck gilt als Frühlingsbote. Doch habe ich in den letzten Wochen seinen Ruf gehört? Eben war im "Tagi" ein Artikel darüber, dass es hierzulande immer weniger Kuckucke gibt. Schuld ist jener Teil der Landwirtschaft, der intensiv düngt. Viele Insektenarten sind rar geworden, auch die behaarten Schmetterlingsraupen, die der Kuckuck am liebsten frisst. Und daher vernehmen wir ihn kaum noch im Frühling.

Hier das Lied zum Thema. Ob die Kinder von heute es in der Schule noch singen?

Mittwoch, 27. April 2022

Make Grengiols Great Again

Ein sonniger Wintertag, das arme Grengiols liegt im Schatten. Gut sechs Wochen
wird das Dorf jeweils um die Jahreswende von der Sonne nicht beschienen. In höheren
Lagen gibts mit der Sonne hingegen kein Problem. (Foto: Superbass/Wikicommons) 

Die Walliser Gemeinde Grengiols ("Grängelsch") war dieser Tage gross in den Medien. Es gibt Pläne, drei Gehstunden entfernt vom Dorf Richtung Saflischtal auf 2000 Metern eine riesige Solaranlage zu platzieren. Deren Panels wären bifazial, würden also auf beiden Seiten Strom produzieren, es wäre die grösste Solaranlage der Schweiz, der Strom-Output entspräche dem des grössten Wasserkraftwerks im Land, Grande Dixence. Der Gemeinderat von Grengiols steht hinter der Idee des vormaligen SP-Schweiz-Präsidenten und Briger Hoteliers Peter Bodenmann und wird sie diesen Sommer dem Gemeindevolk vorstellen, vermutlich gibts an derselben Veranstaltung eine Konsultativabstimmung. Bodenmann hat gleich auch einen Slogan für sein Projekt kreiert. Er lautet "Make Grengiols Great Again".

Dienstag, 26. April 2022

Der Goldsteig wär doch was

Das Celler Schloss liegt am Heidschnuckenweg.
(Foto: Hajotthu/Wikicommons)
Gestern ging mir eine Medienmitteilung zu, gemäss der gleich drei der ingesamt 13 Spitzenwanderwege Deutschlands ("Top Trails of Germany") heuer Geburtstag feiern. Ein kleines Jubiläum. Mir waren alle drei unbekannt. Hier sind sie:

  1. Der Goldsteig, 15 Jahre alt, zieht sich zwischen dem Bayerischen Wald und Tschechien über 660 Kilometer und bietet, so die Beschreibung, "echte Wildnis".
  2. Der Weserbergland-Weg, 10-jährig, verläuft durch das Mittelgebirge beidseits der Weser, man ist in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen unterwegs.
  3. Der Heidschnuckenweg, ebenfalls 10 Jahre alt, erschliesst von Hamburg aus die norddeutsche Heide. Er habe, so die Werbung, kaum Höhenmeter, sei aber "voller Reize".
Wer noch keinen Plan für den Sommer hat: hier die Liste der 13 deutschen Top Trails.

Montag, 25. April 2022

Schnipo und Nagelfluh

Gleich nach dem Start: Thun mit der Aare.
Zickzackpfad hinauf zur Rabeflue.

Wir dachten im Voraus, es würde regnen. Doch unsere Samstagswanderung im Hügelland östlich von Thun, bestem Wanderterrain, spielte sich dann bei gutem Wetter ab. Bloss die Fernsicht war nicht toll, es war halt diesig. Von Thun stiegen wir in der Direttissima im Wald über viele Kehren auf die Rabeflue, schauten vom Geländer hinab auf den See. Es folgte die lange Passage durch das Geissental nach Goldiwil und weiter via Wiler, Allmit, Neuschwändi zum Miniberg Vesuv, von dem ich gestern berichtet habe. Ihm zu Füssen assen wir im Hotel Bellevue, ich hatte Schnipo. Grandios war dann der Abstieg. Wir hielten über den Hof Grabematt mit frei pickenden Hühnern in einem riesigen Gehege nach Underi Allmend. Die gewaltige Schlucht des Riderbaches hatte sich inzwischen unseren Blicken eröffnet samt der Balmflue. Auf einer Wanderumleitung querten wir hinüber nach Wallisport, vollzogen eine Spitzkehre, stiegen in den Schluchthang ein – und waren begeistert von dem Nagelfluhparadies, das wir vorfanden. Langgezogene Nagelfluh-Wände, spitze Nagelfluh-Klötze, tiefe Nagelfluh-Mulden, alles war aus dem Bröckelstoff gebaut. Schliesslich erreichten wir das breite Bett des Riderbaches und kamen bald darauf bei Schloss Oberhofen an. Was für ein Gegensatz zwischen dem gepflegten Schlosspark und der wilden Steinlandschaft höher oben. (4 3/4 Stunden, je 800 Meter auf- und abwärts)
Der Thunersee mit dem Niesen vom Hotel Bellevue in Heiligenschwendi aus.
Im Reich der Nagelfluh unterhalb der Balmflue.