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Montag, 3. Oktober 2022

Der Frisbeehund

Der will wirklich nur spielen: das lustige Höndli vom Hof Akau bei Bauma.
Ronjas Rahmschnitzel.
Am Samstag wanderten wir im Zürcher Oberland, wie ich gestern schon erwähnt habe. Etwas mehr als dreieinhalb Stunden waren wir unterwegs, stiegen von Bauma via Akau, Hagherenloch, Rossweid auf nach Sternenberg, stiegen via Manzenhub und Blitterswil wieder ab nach Saland. Der Regen hielt sich die längste Zeit in Grenzen, erst gegen Schluss kam er richtig stark auf; im Übrigen muss ich ihn loben, denn er bescherte uns weitgehend menschenleeres Terrain. Ein Highlight von vielen war der lustige Hund vom Bauernhof bei der Akau. Als er uns sah, schoss er ab und kam mit einem Plastikdeckel von einer alten Futtertonne zurück. Er stellte sich hin, schaute uns an, wir mussten mit ihm Hol-den-Frisbee spielen. Immer wieder rannte er los ins Gras, schnappte sich den Deckel, der schon ganz zernagt war, brachte ihn zurück, man hätte den ganzen Tag in einer Endlosschleife mit ihm verweilen können.

Sehr angenehm war oben in Sternenberg die Einkehr im "Sternen". Dort waren zwei grosse Gesellschaften angemeldet, wir hatten grad noch fünf Plätze reservieren können. Dem Trubel zum Trotz war der Service flink und freundlich. Und das Essen mundete, ich hatte das Menü, Gemüsesuppe und Saltimbocca mit Polenta, sehr gut. Luftig, licht, modern fanden wir das Restaurant. Es ist ja auch ein Neubau. Das Vorgängerhaus war 2016 abgebrannt, das Echo im Kanton war damals riesig, denn das ab- und hochgelegene Sternenberg fasziniert, und der "Sternen" war schon beliebt und bekannt, bevor er als Kulisse für die Komödie "Sternenberg" mit Mathias Gnädinger in der Hauptrolle diente. Schön, gibt es seit 2020 den neuen "Sternen".
O du stotziges Zürcher Oberland.

Sternenberg voraus!

Sonntag, 2. Oktober 2022

Der Hagher und sein Loch

Widmer beim Giessen oberhalb der Akau.
In Gelb unser Wanderweg. Links markiert der namenlose Giessen
und in der Mitte markiert das Hagherenloch. Rechts oben Höchstock,
dort gibts eine Haltestelle der Buslinie Bauma–Sternenberg.

Gestern waren wir im Zürcher Oberland unterwegs. Und entdeckten auf dem Weg von Bauma hinauf nach Sternenberg im Tal des namenlosen Baches, der von Norden kommend bei der Akau in den Tobelbach fliesst, einen Giessen. Also die für die Gegend typische Kombination überhängender Nagelfluh mit Wasserfall und höhlenartiger Einbauchung des Felsens unter dem Fall. Wobei es an diesem Ort sogar zwei Wasserfälle waren. Kurz darauf kamen wir dann zum Hagherenloch. Von ihm wussten wir schon, es ist auf der Karte eingezeichnet. Ein Hagher war ein adeliger Herr, der seine Burg mit einem Hag schützte. Ein Raubritter. Hauste hier einer? Kaum. Das Loch in der Nagelfluh ist 15 Meter breit und 30 Meter tief, hinten im Dunkeln schwappt ein unheimlicher Tümpel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies mehr war als ein Zufluchtsort für ein paar Stunden oder Tage. Auf der Infotafel vor der Höhle stand, dass sich an diesem Ort Täufer verkrochen, wenn wieder einmal die Obrigkeit sie jagte.
Das Hagherenloch.

Samstag, 1. Oktober 2022

Androctonus im Koffer

Um ihn geht es hier heute. Respektive: um sie –
dies ist ein Weibchen. (Foto: HTO/Wikicommons)
Androctonus. Der Name kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet: Manntöter. Wer von einem Skorpion dieser Art gestochen wird, kann sterben nach Symptomen, die denen einer Strychninvergiftung ähneln. Nun die Entwarnung: Das Tierchen, das jährlich mehrere Menschen tötet, gibt es in Nordafrika und in Südasien, nicht aber in der Schweiz. Wobei … gestern las ich im "Tages-Anzeiger" von einer Zürcherin, die in Marokko in den Ferien gewesen war. Nach der Rückkehr entdeckte sie einen Skorpion in ihrem Koffer. Sie stellte ihn auf Anraten der Polizei in die Badewanne. Die kam dann vorbei, fing ihn ein – jetzt lebt Androctonus bei einem spezialisierten Halter.  

Freitag, 30. September 2022

Drei Eiswürfel

Ihn gibt es noch, doch auch er ist stark geschrumpft: der Persgletscher, den ich letzten
Sommer von der Diavolezza aus fotografierte. Hinten links der Mitte der dreigipflige Piz Palü.
Stellen wir uns einen Würfel vor, je einen Kilometer lang, breit, hoch. Und jetzt stellen wir uns drei solche Riesenkuben vor. So viel Eis haben die Gletscher im Land diesen Sommer verloren. Der Schwund entspreche einem Volumenverlust von ungefähr sechs Prozent, steht in einem diese Woche veröffentlichten Bericht der "Akademie der Naturwissenschaften Schweiz". Kleinere, tiefer gelegene Gletscher wie der Pizolgletscher SG, der Vadret dal Corvatsch GR und der Schwarzbachfirn UR sind praktisch ganz verschwunden. Verheerend war für die hiesigen Gletscher nicht nur die extreme Hitze des Sommers, sondern auch die Tatsache, dass der letzte Winter kaum Schnee brachte, der die Eisfläche den Sommer über hatte isolieren können.

Donnerstag, 29. September 2022

Das neue Bähnli

Visualisierung des neuen Fahrzeugs auf der Strecke von Rheineck SG
nach Walzenhausen AR. (Quelle: Medienmitteilung von Stadler)

Man las auch schon, das in die Jahre gekommene Bähnli von Rheineck nach Walzenhausen habe bald mal ausgedient und werde irgendwann durch einen Bus ersetzt werden. Umso mehr freut mich, was ich gestern einer Medienmitteilung von Stadler entnahm: Das Schweizer Unternehmen wird den Appenzeller Bahnen ein neuartiges, sogar leicht futuristisches Zahnradbähnli liefern. Eines, das vollautomatisiert und ferngesteuert ist, Personal wird nicht an Bord sein. Dies sei die "erste vollautomatisierte Überland-Adhäsions- und Zahnradbahn der Welt", schreibt Stadler. Zu betonen ist in der Formulierung das Wort "Überland". Vollautomatisierte Bahnen gibt es bereits in Tunnels oder auf abgeschlossenen Gleissystemen. Die Linie Rheineck–Walzenhausen führt hingegen über freies Gelände. Es könnte sich also womöglich eine Kuh in den Weg stellen. Das heisst, dass eine Überwachung des Fahrzeugs samt Hinderniserkennnung nötig ist. 2026 dürfte das neue Gefährt loslegen, ich freu mich schon auf die Fahrt.

Mittwoch, 28. September 2022

Dalpe liess ich links liegen

Das Eselduo von Cornone.
Bank oberhalb von Prato mit Blick
 in die obere Leventina.
3 1/2 Stunden Gehzeit. 600 Meter aufwärts, 410 Meter abwärts. Und eine Portion Schönheit, die man nicht in Zahlen fassen kann: Das war meine Montagwanderung, die von Faido nach Rodi führte, also in der mittleren Leventina begann und in der oberen Leventina endete. In Faido ging ich zuerst zum Wasserfall Cascata di Piumogna (siehe gestern), stieg alsbald im Wald steil auf über Piana Selva nach Cornone, wobei ich das zehn Gehminuten entfernte Dorf Dalpe links liegen liess; dort gibt es ein gutes Restaurant, doch wusste ich, dass es grad Ruhetag hatte. Via Prato und Mascengo hielt ich im Folgenden wieder abwärts und erreichte bei Rodi, genauer gesagt beim Dazio Grande, dem historischen Zollgebäude am oberen Eingang zur Piottinoschlucht, wieder den Talboden. Vieles war schmuck an dieser Wanderung, die hohen Berge rundum, die Steinkirchen in den Dörfern, die Kastanienhüllen auf den Wegen. Und der blaue Himmel an einem Tag, der frühmorgens zuhause in Zollikerberg mit Regen begonnen hatte.
Blauer Himmel, hübsche Wolken, wohlgeformte Berge. Beim Doppelgipfel links
handelt es sich um den Pécian (mit Kreuz) und den Pécianett.

Dienstag, 27. September 2022

Ich sah doppelt

Der Piumogna-Wasserfall in Faido, 15 Gehminuten vom Bahnhof entfernt.
Bei der oberen Fallkante,
Faido im Morgenlicht.
Die Piumogna entquillt der Bergkette südwestlich über der mittleren Leventina, schiesst 2300 Höhenmeter zu Tale und mündet bei Faido in den Ticino. Kurz vor ihrem Ende richtet sie ein Spektakel an, die Cascata della Piumogna. Der 43 Meter hohe, mehrstufige Wasserfall gilt als einer der schönsten im Tessin. Gestern ging ich ihn mir anschauen, wobei ich mich zuerst unten aufstellte bei dem Ort, der auf dem Wanderwegweiser mit "Cascata bassa" bezeichnet ist. Danach stieg ich im Wald auf und erreichte schnell einen zweiten Ort, "Cascata alta", wo man von einem restaurierten Brücklein aus dem Mittelalter den Fall von oben sieht mit Faido im Hintergrund. Was für eine wundervolle Doppelung!

Montag, 26. September 2022

Gleich knallts

In der Nacht auf morgen Dienstag, gegen ein Uhr, wird es im Weltall rumpeln. Dann nämlich rammt eine Raumsonde, die Ende November in Kalifornien startete, den Asteroidenmond Dimorphos. Der Crash ist geplant, und Sorgen zu machen braucht man sich nicht, Dimorphos ist sieben Millionen Meilen von der Erde entfernt. Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa will mit dem Experiment testen, ob es möglich ist, die Umlaufbahn eines Himmelskörpers leicht zu ändern, diesen also von seinem Kurs abzulenken. Das könnte wichtig werden, wenn ein solcher Himmelskörper auf unseren Planeten zurast. Zur Erinnerung: Vor 66 Millionen Jahren kam es zum Crash, als ein Asteroid im heutigen Mexiko einschlug. Ein langer Winter war die Folge, damals gingen die Dinosaurier unter.

Eine Darstellung des Künstlers Donald E. Davis aus dem Jahre 1994: 
Einschlag eines Asteroiden vor 66 Millionen Jahren in Südostmexiko.
(Donald E. Davis / Nasa / Wikicommons)

Sonntag, 25. September 2022

Weycher?

Ein Weycher Haus, der rechte, ältere Teil
stammt von 1647. (Foto: Wikicommons)
Ich kann mich endlos daran ergötzen, wie aus bestimmten Ortsnamen Einwohnerbezeichnungen abgeleitet werden, die man nicht unbedingt erwartet. Hier wieder einmal ein Beispiel, wobei es in diesem Fall zwei Varianten gibt, die eine naheliegend, die andere nicht. Die Leute von Weiach im Kanton Zürich sind entweder Weiacherinnen und Weiacher. Oder, näher am Dialekt, Weycherinnen und Weycher.

Samstag, 24. September 2022

Katholische Reihenhäuschen

Blick zurück aus dem fahrenden Postauto.

Ich sah am Montag nicht viel von der Kartause Valsainte, die abgeschieden in einem Seitental in der Nähe des Dorfes Cerniat liegt. Denn zum einen ist das Kloster im Greyerzerland mit einer Mauer umgeben, die das Dutzend Mönche vom Rest der Menschheit trennt; die Regel des Ordens schreibt ein einsames, kontemplatives, der Anbetung Gottes gewidmetes Leben vor. Zum anderen stand da grad ein Bus, als ich ankam, ihn wollte ich nicht verpassen, die Anzahl der Kurse pro Tag ist nicht gross. Immerhin konnte ich kurz in die Kapelle schauen, sie ist der einzige öffentliche Raum der riesigen, auf das 13. Jahrhundert zurückgehenden Anlage. Als wir von dannen fuhren, reichte es mir grad noch für einen Blick auf die markanten, nach Süden ausgerichteten Kleinparzellen mit den Einzelgärten, jeder Kartäusermönch verbleibt die meiste Zeit allein in seinem Reihenhäuschen. Faszinierend, wie verschieden Menschen leben. Übrigens: Dies ist die letzte Kartäusergemeinschaft, die es in unserem Land gibt.
Die Kartause Valsainte im Kanton Freiburg, Luftaufnahme von Walter Mittelholzer
aus dem Jahr 1949. (Wikicommons / ETH-Bibliothek)

Freitag, 23. September 2022

La Patta und die Pilzler

Die letzten Meter zum La Patta. Ein kleiner Bergahorn markiert die Spitze.
Ob auch Kühe die Aussicht geniessen? Kommt mir so vor.
Die haben so charmante Wolken dort.
Eben wanderte ich vom Schwarzsee über den Hügel La Patta nach Valsainte, überquerte dabei auf dem Gipfel, nein, Gipfeli die Sprachgrenze und wechselte von der einen Freiburger Region in die andere: zuerst Senseoberland, dann Greyerzerland. Das Wetter war herrlich. Umso mehr war ich erstaunt, dass ich auf der ganzen dreieinhalbstündigen Unternehmung (590 Meter aufwärts, 620 abwärts) keine anderen Wanderer und Wanderinnen traf. Bloss zwei Pilzsucher waren da, die ich im Aufstieg überholte; was die älteren Herren ins steile Gelände trieb, erkannte ich von Weitem an dem grossen Flechtkorb, den der eine trug. Die beiden schauten mich ein wenig bange an. Ob ich auch in die Pilze ginge, fragte der eine. Als ich antwortete, dass ich ein simpler Wanderer sei und keine Ahnung von Pilzen hätten, tauten sie auf und erklärten mir noch einige Dinge zum Weg und zur Gegend. Immer gut, wenn man sich nicht in die Quere kommt.

Donnerstag, 22. September 2022

Das 30-Zentimeter-Ei

In der Schweiz isst jede Person im Durchschnitt 189 Eier pro Jahr. Und: Es leben hierzulande mehr Hühner als Menschen. Die meisten von ihnen werden als Nutztiere gehalten. Kein Wunder, sehen wir das Huhn in der Regel bloss als Nahrungslieferantin und als Nahrung, sind uns allenfalls knapp bewusst, dass es sich um einen Vogel handelt. Ob das Huhn nicht bessere Lebensbedingungen verdienen würde, darüber stimmen wir Ende Woche in Form der "Massentierhaltungsinitiative" ab. Im Zoologischen Museum der Universität Zürich läuft derzeit eine kleine Ausstellung, die geeignet ist, unsere Sicht auf das Huhn zu verändern. Sie zeigt dessen Abstammung vom Dinosaurier, auf den alle Vogelarten zurückgehen, und beleuchtet so dessen Identität und Geschichte. Das Huhn ist mehr als ein kopflos und klamm im Supermarkt liegendes Ding zum Essen.

Mein Foto aus der erwähnten Ausstellung zeigt ein Ei des Elefantenvogels, den es nur in Madagaskar gab. Drei Meter hoch war das straussenähnliche Tier, das vor 300 Jahren ausstarb. Sein Ei war 30 Zentimeter hoch, wog an die12 Kilo und hatte ein Volumen, dass 220 Hühnereiern entspricht. Man beachte auf dem Foto den Grössenvergleich Mensch–Vogel.


Mittwoch, 21. September 2022

In Andwil wird gewendet

September 2016, Wanderung mit der Gossauer
"Gutenberg Buchhandlung" in die Wissbachschlucht.

Ist das nun das dritte oder das vierte Mal? Ich bin nicht mehr ganz sicher, es ist doch einige Zeit her, das letzte Mal waren wir vor der Corona-Pandemie unterwegs. Jedenfalls: Am Samstag gehe ich wieder einmal mit den Kundinnen und Kunden der formidablen "Gutenberg Buchhandlung" in Gossau SG wandern und werde während einiger Kurzstopps den einen oder anderen Text aus meinem Buch "Widmers Wortschatz" vorlesen. Zwischenziel und Wendepunkt der Unternehmung ist das Dorf Andwil in den Högern nördlich über Gossau, wo es in der Wirtschaft zur Schönau einen Zvieri gibt. Falls sich jemand interessiert, hier die Ausschreibung.

Dienstag, 20. September 2022

Der Chef hat nicht immer recht

Holzkreuz und Gedenkstein mit den Namen der Opfer: hier prallte das Flugzeug auf.
Das Denkmal am Haggenberg
steht auf Weiacher Boden und ist
auf der Karte eingezeichnet. 
Man nennt diese Art Vorkommnis in der Fliegersprache "controlled flight into terrain". 14. November 1990 gegen acht Uhr abends, eine Alitalia-Maschine, die in Mailand gestartet ist, befindet sich kurz vor ihrem Ziel, dem Flughafen Zürich. Doch ein Anzeigeinstrument des Piloten ist defekt, so dass er nicht erkennt, dass man 300 Meter zu tief unterwegs ist. Das Instrument des Copiloten funktioniert, er will durchstarten, wird vom Captain aber zurückgehalten. Und so kommt es, dass das Flugzeug in den Hang des Stadlerbergs, genauer gesagt des Haggenbergs rast. Alle 46 Menschen an Bord sterben. Am Samstag kamen wir am Ort vorbei, wo es geschah, ein Gedenkstein und ein Holzkreuz erinnern an die Katastrophe.
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Montag, 19. September 2022

Expedition Nagra

Ein Materialschuppen, ein Jägerhochsitz und viel freies Land:
das Haberstal, Blick ins Tal hinein Richtung Westen.
Rechts, mit einem Oval bezeichnet, das Haberstal.
Seit einigen Tagen ist bekannt, wo die Nagra unsere radioaktiven Abfälle im Untergrund dauerhaft lagern will. Nämlich im Zürcher Unterland, im Haberstal in der Gemeinde Stadel. Neugierig, wie wir sind, gingen mein Grüpplein und ich gestern auf einer dreistündigen Rundwanderung ab Weiach schauen, was es vor Ort zu schauen gibt. Nun, nichts deutet auf die Umwälzung hin, die dem Gebiet droht, auch Protestschilder stehen dort keine. Es wird ja auch Jahrzehnte dauern, bis die Tiefendeponie gebaut und eröffnet ist samt der zugehörigen Oberflächen-Erschliessung, das Projekt muss zuvor auch noch einige Hürden nehmen. Momentan ist das Haberstal, das auf drei Seiten von bewaldeten Höhen gerahmt wird und mit einem Natursträsschen erschlossen ist, eine praktisch ereignislose Fläche: landwirtschaftliche Kulturen und Forst mischen sich. Gut ist es auf jeden Fall, dass wir jetzt aus eigener Anschauung wissen, wo die strahlende Ware dereinst verstaut werden soll. Und übrigens: Wir gelangten nicht auf Wanderwegen ins Haberstal. Die gibt es dort nicht. Es ist vollendetes Abseits, wie wir auf unserer "Expedition Nagra" feststellten.

Sonntag, 18. September 2022

Basler Verwegung

1906, Schrebergärten in Meissen. (Wikicommons)
In Basel-Stadt wird demnächst abgestimmt über eine Gesetzesrevision, durch die die Schrebergärten zugänglicher gemacht werden sollen. Besser in die Quartiere integriert, indem man die Gartenareale mit Velo- und Spazierwegen erschliesst. In der NZZ lernte ich in einem Artikel zum Thema eben ein neues Wort. Die kantonale Verwaltung spricht von Verwegung.

Samstag, 17. September 2022

Uns gings dreckig

Widmer unter Tag.

Vom Col de Bonaudon führt ein Bergweg (rot) durch die steile Wand mit den
Grottes de Naye. In Blau habe ich den unterirdischen Höhlenweg eingezeichnet.
Die Karte zeigt nebenbei: Das Höhlensystem liegt ganz knapp im Kanton Freiburg;
die rosarote Linie markiert die Grenze zum Kanton Waadt südlich und westlich.
Gestern berichtete ich über das Ausflugsziel Rochers de Naye hoch über Montreux im Kanton Waadt. Heute ein Nachtrag. Als wir die Gegend eben besuchten, fuhren wir mit dem Zahnradzügli nämlich nicht bis ganz auf den Berg; wir stiegen in Jaman aus und wanderten via den Col de Bonaudon zum Gipfel. Das dauerte nur gut anderthalb Stunden, bescherte uns aber ein Abenteuer unter Tag. Die Grottes de Naye sind ein weitverzweigtes Höhlensystem, der Bergweg führt vom erwähnten Col hin, die Steilwand, in der sie sich befinden, ist nur dank einer extrem steilen Treppe bewanderbar. Diese dient als Umgehungsmöglichkeit, etwas unterhalb der Treppe findet sich ein Höhlenloch, etwas oberhalb der Treppe ein zweites Höhlenloch, beide sind unterirdisch verbunden. Man hat also die Aussen- und die Innenvariante. Ronja und ich stiegen ein, es war stockdunkel und kalt in der Höhle, wir knipsten unsere Lämpli ein. Am Anfang war der Gang niedrig, vielleicht 1 Meter 50 hoch, ich musste gebückt gehen, für Leute mit Platzangst ist das nichts. Schmierig und rutschig war der Kalkstein. Doch immerhin weitete sich die Höhle bald, gabs mancherorts Ketten zum Festhalten und hatten wir dank Lichtreflektoren keine Probleme mit der Wegsuche. Wir kraxelten stetig aufwärts, nahmen zwei kurze Leitern, kamen zu einem Oberlicht, mussten am Ende ein paar Meter absteigen und erreichten nach einer guten Viertelstunde den oberen Ausgang. Dreckig waren wir. Und zufrieden. Diese Höhlenroute ist etwas Besonderes.
Fünf Minuten nach dem Col de Bonaudon. Der untere und der obere
Stern markieren den Höhleneingang bzw.  Höhlenausgang.
Mit dem Oval habe ich die Umgehungstreppe bezeichnet.

Freitag, 16. September 2022

Rigi der Romandie

Rochers de Naye, Blick vom Gipfel auf die Kombination von Restaurant und Bergstation
 des Zuges (links unten). Der Weg am Grat zur Rechten führt zum Alpenpflanzen-Garten.
Deftige Kost: die Käseschnitte
im Gipfelrestaurant.
Der Gipfel erreicht eine Höhe von 2042 Metern über Meer, der Zug hat seine Bergstation etwas unterhalb beim grossen, in die Jahre gekommenen Restaurant, in der Nähe finden sich ein Gehege zur Murmeltier-Beobachtung und ein botanischer Garten mit Schwerpunkt Alpenflora: Das ist Rochers de Naye, eines der bekanntesten Ausflugsziele der Romandie im Kanton Waadt. Der Tiefblick ist in alle Richtungen grandios, man hat den Genfersee zu Füssen und, wenn man eine Viertelstunde auf dem Gratweg vorbei am botanischen Garten geht, auch den Lac de l'Hongrin. Ebenso grandios ist das Alpenpanorama inklusive Mont Blanc. Am Dienstag unternahmen wir zu zweit einen Ausflug, zuckelten mit dem Zahnradbähnli von Montreux via Glion und Caux in die Höhe und befanden: Ja, Rochers de Naye wird zurecht als Rigi der Westschweiz bezeichnet. Wobei man, da die beiden ebenbürtig sind, ebenso gut sagen darf: Die Rigi ist das Rochers de Naye der Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer.

Der Genfersee, links das französische Ufer.
Schau nach Süden und Südosten. Die zwei Zacken hinten
rechts der Mitte sind die Tour de Mayen (l.) und die Tour d'Aï bei Leysin.

Donnerstag, 15. September 2022

Lè j'armayi di Kolonbètè

Zum gestrigen Eintrag über das Wort "armailli", "Senn" auf Französisch, kam von mehreren Leuten der Hinweis, dass das Wort gleich zu Beginn des "Ranz des Vaches" vorkommt, eines der berühmten Volkslieder der Schweiz. In der Tat beginnt dieses so: 

Lè j'armayi di Kolonbètè / Dè bon matin chè chon lèvâ.

Aus dem Patois ins Französische übertragen: 

Les armaillis de Colombettes / De bon matin se sont levés.

Der Ranz des Vaches stammt aus dem südlichen Kantons Freiburg. 2019 stand zur Debatte, ihn zur offiziellen Freiburger Hymne zu machen. Die Idee wurde verworfen mit dem Argument, es stehe einem zweisprachigen Kanton schlecht an, sich quasi in einer dritten Sprache zu feiern. Dem Patois eben.

Wer sich den "Ranz des Vaches" anhören will: hier eine wunderbare
Version von 1977, die ich auf Youtube fand. Der Screenshot stammt von dort.

Mittwoch, 14. September 2022

Un armailli, c'est quoi?

Zwei "Armaillis" in den Freibergen, zwischen 1900 und 1930.
(Foto: Eugène Cattin / Wikicommons)

Weiss jemand, was ein "armailli" ist? Ich habe das Wort gestern erst kennengelernt und bin erstaunt, dass es mir nie zuvor begegnete, obwohl ich immer wieder mal einen französischen Text oder Zeitungsartikel las, der vom Alpwesen handelt. Ein "armailli" ist ein Senn, der Ausdruck gehört vor allem in die Voralpen und Alpen der Romandie, wird aber auch in Savoyen gebraucht.

Dienstag, 13. September 2022

Napoleon und das Maultier

"Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard" von
Jacques-Louis David, 1800. (Wikicommons)

Im Mai des Jahres 1800 überquert Napoleon Bonaparte am Grossen Sankt Bernhard von Lausanne kommend die Alpen, bald darauf wird er am 14. Juni bei Marengo in Norditalien den österreichischen Truppen eine schwere Niederlage zufügen. Was ist wahr am Gemälde von Jacques-Louis David, das Napoleon am Berg zeigt? Nun, das Kunstwerk ist Propaganda von der grossen Pose bis ins Detail. So hat sich Napoleon zuvor gern als Schlachtenführer konterfeien lassen mit gezogenem Degen. Neuerdings ist ihm das zu kriegerisch, denn er hat vom Militär in die Politik gewechselt und ist nach einem erfolgreichen Staatsstreich seit einem halben Jahr Erster Konsul der Republik Frankreich. Dass er immer noch in die Schlacht zieht, ist eigentlich nicht vorgesehen, denn er ist nicht mehr General. Seiner neuen offiziellen Rolle entsprechend – Politiker, nicht Militär – will er nicht mehr mit der Waffe in der Hand dargestellt werden. Vor allem aber hat Napoleon den Grossen Sankt Bernhard nicht auf einem Pferd überquert. Sondern auf einem Maultier, das von einem Bergführer gelenkt wird. Er ist in hässliches Ölzeug gekleidet, des Wetters wegen. Am Pass stürzt er beinahe in einen Bach, als sein Maultier ausrutscht. Der Bergführer bewahrt ihn vor der Peinlichkeit, wofür er später mit einem prachtvollen Maultier belohnt wird, bis anhin hat er kein eigenes besessen. Die französische Öffentlichkeit hat fortan aufgrund des Werks von Maler David das Bild von Napoleon im Kopf, wie er heroisch im Sattel seines Pferdes über die Alpen reitet, es ist eines von vielen gezielt geschaffenen und verbreiteten Bildern. So las ich es eben in der Biografie des Polen Adam Zamoyski, die insbesondere darlegt, wie Napoleon das eigene Image gezielt steuerte.

Montag, 12. September 2022

Eine rätselhafte Höhle

Rechts oben das Dorf, links unten das Loch.
Das Bruderloch oder auch Bruederloch ist eine von Menschenhand geschaffene Höhle etwas ausserhalb von Schönholzerswilen im Kanton Thurgau. Ein Wanderweg führt seltsamerweise nicht an den Punkt in der steilen Sandsteinflanke des Iitobels, der doch, wie ich bei meiner Visite letzten Freitag feststellte, spektakulär ist. Und vorbildlich erschlossen mit Treppen und einer geländergesicherten Passage. Immerhin gibt es Hinweisschilder zur Höhle. Ein langer Gang erschliesst die Anlage mit ihren vier Kammern, in der einen gibt es eine Quelle, in einer anderen einen rudimentären Altar, was zum Namen passt, der "Bruder" dürfte ein Waldbruder gewesen sein, ein frommer Eremit. Wobei – man fand keine Hinweise darauf, dass in der Höhle tatsächlich gewohnt wurde. War sie wirklich ein Kultort? Oder eher ein Zufluchtsort? Einst hiess sie "Heidenhöhle", auf der Infotafel bei der nahen Feuerstelle wird daraus gefolgert, dass die Höhle aus vorchristlicher Zeit stammt. Ich finde das nicht schlüssig. Genauso gut könnten die "Heiden" fahrendes Volk gewesen sein, das die Dorfbevölkerung als unchristlich empfand, so wird der Ausdruck bisweilen gebraucht. Und nun noch ein Tipp für die, die hinwollen: Taschenlampe mitnehmen! Ich musste mir mit dem Lämpli meines iPhone behelfen, das die Räume nicht wirklich ausleuchtete.

Sonntag, 11. September 2022

Bergwandern im Thurgau

Das Gipfelrestaurant auf dem Nollen.
Querrinne auf dem Wanderweg vor Zuzwil.
Am Freitag fuhr ich nach Weinfelden, wechselte vom Zug auf den Bus, setzte fort nach Schönholzerswilen. Die folgende Wanderung Richtung Norden führte mich via Wiedenhub und Welfensberg auf den Nollen, 735 Meter hoch, im Kanton Thurgau gilt er als Berg. Im Restaurant trank ich einen Kafi, hier hat man bei klarem Himmel Sicht auf und über den Bodensee, zum Zürcher Oberland, zu den Alpen und in den Hegau. Leicht dann die zweite Hälfte dieser ohnehin leichten Wanderung von zweieinhalb Stunden: Via das Dorf Hosenruck und das Hagenbuechtobel gelangte ich nach Zuzwil und war nunmehr im Kanton St. Gallen. Den Kopf voller Eindrücke, fuhr ich heim. Vor allem die wallenden Wolken über dem weiten Land hatten mir gefallen. Und die Bäume mit den erntereifen Äpfeln. Thurgau halt.
P.S."Hosenruck" hat mit einer Hose nichts zu tun. Offenbar gab es am Hang des Nollen einst viele Hasen, weswegen man ihn "Hasenrücken" nannte.
P.S. Der gestrige Wandertag der "Schweizer Familie" in Trub war angenehm. Viel Volk, feines Essen, viele Stände, an denen man lokale Produkte einkaufen konnte. Als ich am Abend heimfuhr, war mein Rucksack zwei Kilo schwerer als am Morgen.
Die Äpfel sind reif im Thurgau.

Samstag, 10. September 2022

Mein Wandertag

Da wird heute intensiv gewandert: Trub.
So, heute ist wieder mal Wandertag der "Schweizer Familie", da kommen jeweils ein paar tausend Leute. Im Vorfeld war ich zwei Mal in Trub, dem Austragungsort 2022. Das erste Mal, im Frühling, schneite es heftig, ich machte ein Interview mit den Herren vom OK. Das zweite Mal reiste ich im Sommer hin für eine grosse Reportage, diesmal bei bestem Wetter, und ich muss sagen, dass ich das Oberemmentaler Dorf mittlerweile ins Herz geschlossen habe samt den Menschen, die ich traf. Heute werde ichs locker haben, werde mich meist am Stand meiner Zeitschrift aufhalten und ein bisschen mit den Leserinnen und Lesern gsprächlen. Dazwischen will ich mit Kolleginnen und Kollegen von der Redaktion etwas essen und einen trinken. Und ganz sicher werde ich mich, bevor ich wieder heimreise, mit dem Käse des zweifachen Emmentaler-Weltmeisters Fritz Baumgartner eindecken, den es auf dem Festplatz zu kaufen geben wird. Schöne Pläne, oder?

Freitag, 9. September 2022

Planeten und Zahnrädli

Die astronomische Uhr von Joachim Habrecht 
aus dem Jahr 1564 am Fronwagturm in der Schaffhauser Altstadt.
(Foto: Buchstapler/Wikicommons)

Basel, Bern, Chur, Solothurn, Zürich, Dresden, Kopenhagen, London, München, Nancy, Paris, Regensburg, Strassburg, Toulouse, Ulm. Die Liste der Orte überall in Europa, an denen Vertreter der Schaffhauser Uhrmacherdynastie Habrecht über sechs Generationen grosse astronomische Uhren gefertigt haben – sie ist noch viel länger. Gestern fand ich im Büro einen grossformatigen Band vor. Der Schaffhauser Maschineningenieur Silvio Marugg, Jahrgang 1956, ein passionierter Uhrenbauer, zeichnet die Geschichte der Habrechts nach, deren erster Meister Joachim Habrecht als junger Mann 1519 die Berner Zytglogge-Uhr reparierte und Jahrzehnte später die astronomische Uhr am Schaffhauser Fronwagturm baute. Autor Marugg stellt dazu die Grundlagen aller Uhrenarten seit der Antike vor. Und er erzählt vor allem von den einzelnen Grossuhren, die die Habrechts schufen oder flickten. Wer sich für Zeitmessung interessiert, für raffinierte Technik, für Uhren und Uhrwerke, für Planetenbahnen und Zahnrädli, wird diese opulent bebilderte Neuerscheinung lieben.

Donnerstag, 8. September 2022

Der Nichtexpress

Vallorcine (F), umsteigen!

Der Zug, in dem wir am Montag von Martigny hinüber nach Chamonix fuhren, heisst in der Marketingsprache Mont-Blanc-Express, so nennen ihn zumindest die Bahnbetreiber auf der Schweizer Seite. Ein Express ist das aber nicht, kurz nach der Grenze muss man im französischen Vallorcine umsteigen, was mühsam ist, wenn man viel Gepäck dabei hat. Die vermeintliche Linie besteht aus zwei Linien mit zwei verschiedenen Betreibern. Und will man retour ins Wallis, stellt man im Bahnhof von Chamonix fest, dass auf dem Perron-Bildschirm nur "Vallorcine" angegeben ist, "Martigny" taucht nicht auf, obwohl viele Reisende den Ort als Ziel haben. Sicher könnte man die länderübergreife Kooperation optimieren. Im Übrigen ist die Strecke grossartig, vor allem auf der Schweizer Seite, dort fährt man stellenweise hart an der Kante der Trient-Schlucht.

Mittwoch, 7. September 2022

Auf die Nadel

Nach der Talfahrt gabs in
Chamonix Poulet Kung-pao.
Es gibt Tage, an denen man unsportlich unterwegs ist. Und doch Kondition und Durchhaltevermögen braucht. Am Montag reiste ich um 6 Uhr 50 im Zollikerberg los. Um 13 Uhr 40 waren wir am Ziel – und traten anderthalb Stunden später bereits wieder die lange Heimreise an. Ein Bahnausflug wars: zuerst nach Martigny, dann das Trient-Tal hinauf, über die Grenze und hinab nach Chamonix, Frankreich. Dort nahmen wir die Seilbahn, die in zwei Sektionen auf 3842 Meter führt. Zur Aiguille du Midi. Oben waren wir, ich und Ronja, uns einig, dass das Jungfraujoch der Berner und Mittelallalin bei Saas-Fee, zwei vergleichbare Schweizer Destinationen, mit der Berg- und Gletscherwelt von Savoyen nicht konkurrieren können, die man auf der Aiguille als 360-Grad-Spektakel vorgeführt bekommt samt dem Mont Blanc als unaufdringlicher Kuppe am nahen Horizont. Entsprechend viel Volk war unterwegs, wobei das Bahnunternehmen – freundliches Personal! – die Massen gekonnt lenkte und leitete. Seltsam fanden wir beide, dass wir in den vollen Kabinen die einzigen waren, die Maske trugen. Corona ist ja noch da, grad eben hats eine Wanderfreundin von mir voll erwischt. Nun, jedenfalls war das eine grandiose Tour. Um 22 Uhr 30 war ich wieder zuhause. So erschöpft, wie ich es nach einer Wanderung kaum je bin.
P.S. Hier mein 26-Sekunden-Filmli von einer der Aiguille-Terrassen.