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Freitag, 4. Oktober 2024

Die gleislose Bahn

Ist das eine Bahn? Dafür spricht die Strom-Oberleitung. Dagegen, dass die
Fahrzeuge faktisch Lastwagen sind. Schienen hatte die Gleislose Bahn
Gümmenen–Mühleberg nicht. (Foto: Wikicommons / Freiburger Nachrichten)
Zum Wohlensee, der 1920 im Norden und Nordwesten der Stadt Bern aufgestauten Aare (siehe gestern), ist ein Nachtrag fällig. Einer zur Gleislosen Bahn Gümmenen–Mühleberg. Sie verkehrte von 1918 bis 1922 zwischen diesen beiden Orten und beförderte Material für den Bau des Wasserkraftwerks Mühleberg, dem die aufgestaute Aare zudiente. Auf Fotos glaubt man es auf den ersten Blick mit Lastwagen zu tun zu haben. Was nicht falsch ist. Bloss: Nach dem Ersten Weltkrieg war Benzin hierzulande knapp. Daher wurden die Lastwagen mit Strom von einer Oberleitung angetrieben – es handelte sich aus technischer Sicht um ein Trolleybus-System zum Gütertransport.

Freitag, 2. August 2024

Picknick beim Zwischenlager

Das Zwischenlager für radioaktive Abfälle neben dem Paul Scherrer Institut.

Die Aare-Insel Beznau ist Standort zweier AKW-Blöcke.

Am Montag ging ich mit einem Freund von Turgi nach Döttingen; besagter Freund hatte grad einen Unfall gehabt, hatte noch Knieschmerzen und hatte darum um eine Flachwanderung gebeten. Daher diese Aargauer Route. Heiss wars, umso erfrischender der Anblick zuerst der Limmat und dann der Aare. Beim Paul Scherrer Institut in Würenlingen, der Nuklearforschungsstätte, picknickten wir unweit der Halle mit dem Zwischenlager für die radioaktiven Abfälle des Landes, der Platz direkt am Wasser war hübsch, jawohl. Auch an der Insel mit den zwei Reaktorblöcken des AKW Beznau kamen wir später vorbei, passierten anschliessend das massive, um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gebaute Wasserkraftwerk. Und dann kamen wir in Döttingen an. Wer eine Route sucht, auf der Technik und Landschaft, Energieindustrie und Natur sich durchdringen, voilà!
Die Aare kurz vor Döttingen.

Dienstag, 11. Juni 2024

Wo ist die Fahne?

Das AKW Gösgen, fotografiert aus dem fahrenden Zug.

Montag der letzten Woche, im Zug auf der Rückreise von Basel nach Zürich, fiel meiner Begleiterin auf, dass dem AKW Gösgen etwas fehlte. Die Dampffahne! Wir waren irritert, konsultierten die Homepage des Unternehmens und atmeten auf – Entwarnung. Routine. Seit dem 25. Mai ist das Kraftwerk abgeschaltet, die Jahresrevision steht an. Rund einen Monat dauert sie, Brennelemente werden ersetzt und die Anlagen überprüft. Was ich bemerkenswert finde: 1000 externe Fachleute sind an der Revision beteiligt, mal ganz abgesehen von den regulären Angestellten. Ein Heer von Arbeiterinnen und Arbeitern. In der nächsten Zeit werde ich jedesmal, wenn ich in Gösgen durchfahre, schauen, ob die Dampffahne wieder da ist.

Donnerstag, 28. März 2024

Felsenstrom

Der Walensee mit Mühlehorn am Südufer
und dem Steinbruch Schnür gegenüber.
"Schnür" heisst der stillgelegte Steinbruch am Nordufer des Walensees, in dem steilen Kessel soll eine riesige Solaranlage entstehen. Das Projekt "Felsenstrom" der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke sowie der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich sieht 22 000 Panels vor; die von ihnen erzeugte Elektrizität könnte jährlich rund 10 000 Menschen versorgen, 30 bis 35 Millionen Franken würden investiert. Gestern las ich allerdings im "Blick", dass sich Widerstand gegen die Solaranlage auf Boden der Gemeinde Amden SG formiert. Und zwar in der gegenüberliegenden Gemeinde Mühlehorn GL, bei den Leuten, die über das Wasser hinweg die Panelwand vor Augen hätten. "Es ist ein Fremdkörper, der nicht in die natürliche Landschaft passt", sagt im Artikel eine Frau. Ob ich in wenigen Jahren, wenn ich im Zug auf dem Weg nach Sargans oder Chur in Mühlehorn durchfahre, gegenüber die Panels sehen werde? Ich bin gespannt.

Montag, 27. Februar 2023

Wir sahen ein Ufo

Wir starteten in Koblenz, weit war der Himmel über der Aare.
Tafeljura unweit von Mandach.
Der Risotto.
Mandach ist ein kleines Dorf, das nördlich von Brugg zwischen Aare und Rhein liegt im Tafeljura, der rundum lange Kämme bildet und das Land in Kammern teilt. Die Kirche ist klein und gedrungen, das Dorfrestaurant heisst "Hirschen" und ist gut, wie wir am Samstag feststellten. Cordon bleu, Schnipo, Safranrisotto mit Pilzen und Haselnüssen, Nudeln mediterran mit getrockneten Tomaten – alles untadelig. Kühl war der Tag und verhangen der Himmel, wir hatten die Gegend weitgehend für uns, das macht immer gute Laune. Vom Startort Koblenz visierten wir via Sibewege und Sandholtern Mandach an, stiegen nach dem Zmittag ab nach Villigen. Das Ufo, das wir kurz vor Wanderschluss nah der Aare bei Villigen zu sehen vermeinten, war die Synchrotron-Lichtquelle des Paul-Scherrer-Instituts, das Nuklearforschung betreibt. In einer Kreisbahn beschleunigt man im scheibenförmigen Riesengebäude Elektronen auf Fast-Lichtgeschwindigkeit, das dabei erzeugte hochintensive Röntgenlicht wird für die Ergründung aller möglichen Materialen genutzt – Spitzenforschung im Aargau.
4 Stunden und 20 Minuten, 460 Meter aufwärts, 420 Meter abwärts.
Sieht doch wirklich aus wie ein Ufo! (Foto: Ronja)

P.S. Was es mit dem kleinen Weiler "Eidgenossenhäuser" in der Nähe von Mandach auf sich hat, erzähle ich morgen.

Mandach. Ihren Hausberg bzw. Haushügel mit den Reben (rechts) nennen
die Einheimischen "Berg". Die Dampffahne im Hintergrund stammt vom AKW in Leibstadt.

Dienstag, 18. Oktober 2022

Seltsames aus Luzern

Das war, bevor die Energiekrise kam: Luzerns illuminierter Wasserturm
am letzten "Lilu" im Januar. (Foto: Medienmitteilung / © Tim Ulrich)

Ich spiele nicht gern den Miesepeter. Und doch bekenne ich, dass ich eher dagegen bin. Dass ich ein schlechtes Gefühl habe. Man soll bekanntlich Strom sparen schon jetzt und noch viel mehr in der kalten Jahreszeit. Das "Lilu Lichtfestival Luzern" freilich findet auch diesen Winter statt. Die Organisatoren teilten gestern mit, dass man sich mit der Stadt abgesprochen habe und an der vierten Lilu-Ausgabe 30 Prozent weniger Energie verbrauchen werde als ursprünglich vorgesehen, indem zum Beispiel der Wasserturm nicht illuminiert wird wie beim letzten Mal. Man wolle "strahlende Momente in einer für uns alle eher fordernden Zeit schaffen", begründet der Präsident des Vereins, der das Festival organisiert, die Entscheidung, dieses durchzuführen. Wie menschenfreundlich das klingt! Gegründet haben den Verein die Luzerner Hotels und Luzern Tourismus; ich denke, es geht mehr um Tourismusförderung und weniger darum, Seelen zu wärmen. Und wieso soll ein Privater Strom sparen, wenn Lichtinstallationen die Stadt prägen? Als Signal ist das ungut.

Mittwoch, 1. Juni 2022

Das Gigerwaldseeproblem

Vor drei Jahren fuhren wir mit dem Posti von Bad Ragaz
via Vättis zur Gigerwaldsee-Staumauer. So begann die
schöne Wanderung über den Heidelpass nach Weisstannen.
Eben begann ich eine Wanderung im St. Galler Oberland zu planen, die hoch über Vättis beim Damm des Gigerwaldsees startet. Ich konsultierte deswegen den Postautofahrplan – huch! Das Postauto verkehrt diesen Sommer nur bis zum Restaurant ziemlich weit unterhalb der Staumauer. Warum, stand da nicht. Ich forschte nach und fand heraus, dass eine Sanierung des Stausees für 25 Millionen Franken ansteht. In den letzten Jahren hatten die Kraftwerke Sarganserland und die Axpo als Betreiberinnen des Stausees zunehmend ein Problem mit dessen Verlandung. Kies und Sedimente lagerten sich ab bis zum Grundablasseinlauf, wie die unterste Öffnung in der Staumauer heisst. Der Einlauf soll nun höher oben in der Mauer platziert werden. Seit Monaten laufen die Vorbereitungen, die ÖV-Haltestelle wird aufgehoben, Anfang Oktober soll der See entleert werden. Läuft alles gut, ist man Ende April 2023 fertig mit den Arbeiten. So dass nächsten Sommer das Posti wieder zur Staumauer hinauf kurven kann. Mit mir an Bord.

Mittwoch, 27. April 2022

Make Grengiols Great Again

Ein sonniger Wintertag, das arme Grengiols liegt im Schatten. Gut sechs Wochen
wird das Dorf jeweils um die Jahreswende von der Sonne nicht beschienen. In höheren
Lagen gibts mit der Sonne hingegen kein Problem. (Foto: Superbass/Wikicommons) 

Die Walliser Gemeinde Grengiols ("Grängelsch") war dieser Tage gross in den Medien. Es gibt Pläne, drei Gehstunden entfernt vom Dorf Richtung Saflischtal auf 2000 Metern eine riesige Solaranlage zu platzieren. Deren Panels wären bifazial, würden also auf beiden Seiten Strom produzieren, es wäre die grösste Solaranlage der Schweiz, der Strom-Output entspräche dem des grössten Wasserkraftwerks im Land, Grande Dixence. Der Gemeinderat von Grengiols steht hinter der Idee des vormaligen SP-Schweiz-Präsidenten und Briger Hoteliers Peter Bodenmann und wird sie diesen Sommer dem Gemeindevolk vorstellen, vermutlich gibts an derselben Veranstaltung eine Konsultativabstimmung. Bodenmann hat gleich auch einen Slogan für sein Projekt kreiert. Er lautet "Make Grengiols Great Again".

Samstag, 29. Januar 2022

Ausgerauscht?

Wo Wasser stürzt, kann Energie gewonnen werden:
der Rheinfall bei Schaffhausen. (Foto: Ch-info.ch / Wikicommons)
Wenn der Rheinfall bei extremer Trockenheit sehr wenig Wasser führt, ist das trist. Gestern las ich im "Tagi" von Plänen, oberhalb des Rheinfalles – er ist Europas mächtigster Wasserfall – am linken Ufer ein Stromkraftwerk zu bauen. So steht es im Entwurf des neuen Schaffhauser Wasserwirtschaftsgesetzes, wobei auch der Kanton Zürich, zu dem das linke Ufer gehört, begrüsst werden müsste. Dem Fluss würden bis zu 125 Kubikmeter Wasser pro Sekunde entnommen, das in einen Stollen geführt würde, um nach dem Sturz über 23 Meter Gefälle wieder in den Fluss geleitet zu werden. Mal schauen, wie sich das Projekt entwickelt, das dazu beitragen soll, die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen. Kritiker finden jedenfalls, der Rheinfall würde "praktisch abgeschaltet".