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Samstag, 21. März 2026

Ab zum Heideloch!

Das Heideloch auf dem Born.
Bald ist wieder Karfreitag. Mit ihm kommt eine grosse Chance. Auf dem Oltner Hausberg Born gibt es eine zerklüftete Spalte im Kalkstein, die zu einer Höhle hinab führt, dem Heideloch. Dort wacht ein böser Hund mit scharfen Krallen und feurigen Augen über eine Eisenkiste. Sie soll gefüllt sein mit Goldstücken. Jeweils am Karfreitag aber wird die Kiste ans Licht geholt und gelüftet, man darf sich bedienen, heisst es. Und der Hund? Wer weiss, vielleicht hat er an diesem Tag frei.

Gleich noch eine Sage, die das Heideloch umrankt, ich las auch sie diese Woche vor Ort auf einer Tafel. Ein junger Mann und eine junge Frau, beide bitterarm, wollten einst heiraten. Aber eben, sie hatten kein Geld. Der junge Mann beschloss, in der Fremde sein Glück zu suchen und dann zurückzukommen. Am Tag vor seiner Abreise stieg er von Kappel am Fuss des Born noch einmal auf ebendiesen Berg und pflückte dort Schlüsselblumen für seine Angebetete. Als das Urseli, wie diese hiess, die Blumen berührte, verwandelten sie sich in Goldstücke. Und so konnte das Paar gleich sofort zusammenkommen.

Dienstag, 20. Januar 2026

Gibt es eine Verbindung?

Vor Jahren bestiegen wir die Silberen. Das Kalkgelände
mit den vielen Löchern war etwas unheimlich.
Vor wenigen Wochen berichtete ich hier, dass im Oktober im Gebiet Silberen in der Gegend des Pragelpasses eine neue Höhle entdeckt worden ist – sie wurde "Hustenschacht" getauft. Vor kurzem nun erschien auf der Plattform "Infosperber" ein Artikel, der erläutert, was der Fund bedeuten könnte. Möglich, dass Forscherinnen und Forscher aufgrund des neuen Schachts bald vom Silberen-System ins angrenzende Hölloch-System gelangen könnten. Bisher ging man davon aus, dass die beiden durch eine unterirdische Einsturzzone getrennt sind. Der jetzt entdeckte Schacht liegt aber ausserhalb dieser Zone und könnte die Hölloch-Gänge und die des Silberen-Systems zusammenschliessen. Wir bleiben dran.

Samstag, 27. Dezember 2025

Der Hustenschacht

Ich habe kein Foto vom Hustenschacht.
Hier eines von Forschern im nahen Hölloch.
(Rama/Wikicommons)
In den benachbarten Gebieten des Pragelpasses, der Silberen und des Bödmerenwaldes, deren Untergrund aus wasserdurchlässigem Kalk besteht, gibt es viele Höhlen. Berühmt ist das Hölloch, eines der grössten Höhlensysteme Europas. Gestern las ich im "Infosperber" von einer spektakulären Entdeckung: Im Oktober suchte eine Juniorengruppe tagelang am Pragelpass, auf Schwyzer Terrain, nach noch unbekannten Öffnungen im Gelände. Dabei stiessen die Nachwuchsforscher auf den Eingang zu einer riesigen Höhle, deren vertikale Röhre in der Direttissima 170 Meter tief in den Boden führt. Zum Vergleich: Das Berner Münster ist 101 Meter hoch. Weil mehrere Leute der Expedition erkältet waren, wurde die neue Höhle auf den klingenden Namen "Hustenschacht" getauft.

PS: Unbedingt im oben gelinkten Artikel scrollen – tolle Fotos!

Dienstag, 9. September 2025

Eine feuchte Wohnung

Der Tüfels-Chäller bei Baden.
Mein Schlussbier im Städtchen Mellingen. 
Am Samstag wanderte ich von Baden via Fislisbach nach Mellingen, also von der Limmat an die Reuss; eine verhältnismässige kurze Unternehmung von zweieinhalb Gehstunden war das. Vieles gefiel mir, besonders aber der Tüfels-Chäller kurz nach Baden bei der Baregg, wo in prähistorischen Zeiten der Hang abrutschte – der Weg führt durch ein unübersichtliches, schattiges Waldstück mit Höhlen, mit vermoosten Nagelfluhbrocken und tiefen Mulden dazwischen; weil hier seit Jahrzehnten keine Bäume mehr geschlagen werden, liegt massenhaft Totholz herum. Gefiel mir bestens. Den Teufel traf ich leider nicht. Vielleicht hat ihn inzwischen der Lärm von der nahen Autobahn vergrault und er ist umgezogen. Oder dann kuriert er in irgendeiner Klinik das Rheuma aus, das er sich als Daueraufenthalter in dem feuchtelnden Keller zugezogen hat.

Donnerstag, 5. Juni 2025

Wieder mal die Wasserflue

Schön gemacht: Wegstück nach dem Hardmännliloch, oben die Ramsflue.
Auf der Ramsflue.
Am Sonntag gönnte ich mir eine Wanderung im Aargauer Jura. Ich stieg von der Bushaltestelle "Erlinsbach, Abzw. Hard" via die hübsche Höhle Hardmännliloch, Ramsflue und Hard auf die Wasserflue. Genoss dort auf der Ausichtsplattform, nicht zum ersten Mal, den Fernblick und Tiefblick. Ging weiter zum Sendeturm, den man immer sieht, wenn man in Aarau durchfährt. Und stieg ab zum Benkerjoch, wo ich den Bus heimwärts nahm. Lang war diese Wanderung bei zwei Stunden (325 Höhenmeter aufwärts, 310 Höhenmeter abwärts) nicht. Aber abwechslungsreich. Und auf dem Grat der Wasserflue war der Pfad ruppig, so dass das Ganze doch kein Spaziergang war.
Die Wasserflue-Aussichtsplattform.
Tiefblick von der Plattform.

Freitag, 9. Mai 2025

Zwei Brüder und eine Maus

Um die Brueder-Lienert-Höhle am Hang des Irchel oberhalb von Teufen ZH – übrigens ist sie auf der Landeskarte eingezeichnet – ranken sich viele Geschichten, die alle darauf abzielen, den Namen des Ortes zu deuten. Zum Beispiel heisst es, eine Hungersnot sei einst über die Gegend gekommen. Zwei Brüder der Familie Lienert hätten damals Haus und Hof verloren. Sie hätten fortan in der Höhle gehaust, seien sich aber eines Tages in die Haare geraten, weil sie beide Hunger litten; sie erschlugen sich angeblich gegenseitig wegen einer Maus. Klingt das plausibel? Hm. Jedenfalls schauten wir uns die Höhle am Mittwoch an, als wir auf einer Wanderung den Irchel überquerten. Sie ist hübsch. Aber wie das bröckelt und bröselt. Nagelfluh halt.

PS: Wer "Brueder Lienert Höhle" googelt, findet zuoberst den Link zu einer informativen Seite, die die verschiedenen Geschichten zur Höhle erzählt.

Samstag, 19. April 2025

Wolkenkino im Klettgau

Kurz nach Neunkirch.
Wilchingen und sein Himmel.
Auf dem Weg nach Osterfingen.
Die Bergkirche von Neunkirch.
War das die schönste Wanderung des bisherigen Jahres? Dafür spricht, dass das Wetter am Mittwoch toll war, föhnig, das Licht intensiver als sonst, die Farben stark, der Himmel Wolkenkino. Zudem ist das Klettgau, um das es geht, eine grossartige Gegend, die Dörfer sind alle klein, Weinberge schmücken die Flanken der Hügelkämme, die Landschaft hat Weite, man kann durchatmen. Und dieser Blust! Ich startete am Morgen in Neunkirch, dem rührend winzigen Städtchen. Zog Richtung Süden, stieg auf ein Hochplateau, stieg wieder ab nach Wilchingen, zielte fortan Richtung Osterfingen; ich kam zur Höhle Winterlisloch (Eintrag von gestern), hielt vom Aussichtspunkt Spitz durch die Reben nach Osterfingen und war dort noch nicht fertig: Ich hatte im Restaurant Bad Osterfingen etwas ausserhalb des Dorfes reserviert. Nach dem Zmittag gings auf demselben Weg retour nach Osterfingen. Leicht war die Unternehmung gewesen, knapp drei Stunden Gehdauer bei nur je 280 Metern auf- und abwärts. Und schön. Wirklich schön.
Die Natur feiert.

Freitag, 18. April 2025

Unfinished business

Im Winterlislöchli, das ...
... schon fast übermöbliert ist.
Die Höhle liegt aussichtsreich. Unten das Klettgau.
Letzten November gingen wir von Neuhausen am Rheinfall nach Osterfingen, dem Winzerdorf im Klettgau. Kurz vor Wanderschluss gabs ein Problem: Wir konnten vom Aussichtspunkt Spitz nicht zur Höhle in der Fluh unterhalb absteigen, im sehr steilen Steig durch die Fluh lag Schnee – Unfallgefahr. Somit war uns dieser Weg nach Osterfingen versperrt, wir kehrten um, wählten eine andere Route. Die Höhle besuchten wir nicht. So etwas nennt man auf Englisch ja unfinished business, ich nahm mir damals vor zurückzukommen. Diesen Mittwoch hat es geklappt. "Winterlislöchli" heisst die Höhle, sie ist möbliert mit Tischen und Bänken, auch ist eine Feuerstelle eingerichtet, offenbar tagen an diesem Ort ab und zu die örtlichen Winzer. Der Name der Höhle geht angeblich auf eine Hausiererin namens Winterlise zurück, die hier ab und zu unterkroch.
Der Steig zum Spitz hinauf. Stellenweise ist er mit einer Holztreppe gebändigt.

Freitag, 7. März 2025

Die Höhlenbrüder

Hier lebten Menschen: die Sandsteinhöhlen von Lobsigen BE.
Viel ist es nicht, was ich aus dem Buch "Ein Bauernleben auf dem Frienisberg" von Heinz Schwab erfahren habe über die Sandsteinhöhlen bei Lobsigen. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs erinnern sich vielleicht: Wir kamen dort vor wenigen Wochen vorbei, waren vom Dutzend Höhlen im steilen Hang angetan, fragten uns freilich, wer in den Sandsteinlöchern einst lebte; dass es jemand tat, davon zeugen Bohrlöcher, die auf Türen oder auch Gestelle hinweisen, die hier montiert waren. Zurück zum Buch: Es erwähnt immerhin, dass zwei der letzten Bewohner Hans Nobs und Bänz Nobs waren, Jahrgang 1894 und Jahrgang 1897. Die Brüder verbrachten ihre ersten Jahre in den Höhlen, vor denen die Eltern aus Platzmangel – acht Kinder – auch einen Schopf gebaut hatten. Kurz vor der Jahrhundertwende zog die Familie dann in ein Heimetli im nahen Ruchwil; Buchautor Schwab, der Hans Nobs persönlich gekannt hat, vermutet, dass das nicht ganz freiwillig geschah, sondern aufgrund einer behördlichen Verfügung. Empfand man die Tatsache, dass es in der Gemeinde Höhlenbewohnerinnen und -bewohner gab, als Schande? Könnte sein. Aber das ist jetzt reine Spekulation meinerseits.

Donnerstag, 20. Februar 2025

Wer lebte hier wohl?

Es sind ein gutes Dutzend Höhlen. Grosse und kleine. Allesamt sind sie übersät mit Graffiti. Sie in ein einziges Foto zu zwingen, ist unmöglich, denn die langgezogene Sandsteinfluh, in die sie eingetieft sind, biegt um eine Geländeecke. Letzten Samstag, als wir im Kanton Bern unterwegs waren und von Frieswil nach Lyss zogen, kamen wir zu den Sandsteinhöhlen oberhalb von Lobsigen. Wir fanden sie eindrücklich und waren irritiert, dass sie, wiewohl auf der Landeskarte eingezeichnet, nicht auf den Wanderwegweisern vorkommen. Immer wieder mal liest man von ihnen in Wanderberichten, was ich bis jetzt gesichtet habe, ist allerdings weder ausführlich noch präzis. In den Höhlen lebten noch im 20. Jahrhundert Menschen, soviel steht fest. Ob es arme Leute waren, Verstossene oder Jenische, ist mir unklar. Nun setze ich meine Hoffnung auf ein heimatkundliches  Buch über die Region Frienisberg, zu der die Sandsteinhöhlen im weitesten Sinn gehören; ich habe das Buch bestellt und werde es bald einmal in der Bibliothek abholen. Weiss ich mehr, melde ich mich gern.

Freitag, 13. Dezember 2024

Widmer muss schwärmen

Weiher und Bäche machen diese Schaffhauser Strecke besonders schön.
Schloss Herblingen und eine Statue am Wanderweg.
Wen sie verkörpert, weiss ich nicht.
Eine Strecke, die mich letzten Sonntag von Anfang bis Ende begeisterte: von Schweizersbild am Stadtrand von Schaffhausen in zweieinhalb Stunden via Kaiserbuck, Wäier, Langloch, Kurzloch und Cherzestübli nach Lohn. Schweizersbild ist hässlich, eine chaotisch überbaute Gewerbefläche mit viel Verkehr. Charakterlos. Fünf Minuten später ist man in einem Täli, hat alles Üble hinter sich gelassen, ist an Bächen, Weihern, Auenflächen unterwegs. Höhlen gibts auch, vom Dachsenbühl habe ich gestern erzählt. Irgendwann taucht zur Linken in der Höhe Schloss Herblingen auf, am Wanderweg sind Statuen aufgestellt, was diesem Abschnitt etwas Nobles verleiht. Anschliessend gehts zuerst ins enge Langloch und dann ins noch viel engere Kurzloch, nicht verpassen darf man den Abstecher in die nördliche Hälfte des Kurzloches und retour, bevor man nach Lohn abzweigt; auf der Karte wird eine "Prähistorische Wehranlage" verheissen. In der Tat erheben sich im nördlichen Teil des Kurzloches auf beiden Seiten des Pfades hohe Felswände und ist dieses darum besonders gut abschirm- und verteidigbar. Letzter Knaller, bevor die Unternehmung in Lohn endet: das Cherzestübli, ein Aussichtspunkt, von dem man weit Richtung Nordosten schaut in den Hegau hinein, also auf deutsches Gebiet. Selten beging ich eine Route, die kurz ist und gleichzeitig derart viel bietet – Widmer kann nicht anders, Widmer muss schwärmen.
Engstelle im Kurzloch.

Beim Cherzestübli: Blick in den Hegau, Deutschland.

Donnerstag, 12. Dezember 2024

Magere Kost

Die Höhle Dachsenbühl wurde in der Prähistorie als Bestattungsplatz genutzt.
Die Höhle (r.) und die zugehörige Infotafel.
Am Sonntag kam ich am Rand der Stadt Schaffhausen bei Schweizersbild an der kleinen Höhle Dachsenbühl vorbei. Sie wurde vor 150 Jahren von einem archäologisch interessierten Arzt erforscht, der bei seinen Grabungen herausfand, dass die Höhle in der Jungsteinzeit als Bestattungsplatz genutzt worden war. Knochenvermessungen ergaben, dass die damaligen Erwachsenen nur so gross waren wie heutige Teenies im Alter von 12 bis 14. Dass die Menschen von einst so klein waren, um die 150 Zentimeter, gehe auf Mangelernährung zurück, stand auf der Infotafel vor der Höhle.

Montag, 24. Juni 2024

Unterirdisch pilgern

In den St. Beatus-Höhlen.

926 Meter ausgebauter Weg unter Tag
87 Höhenmeter in diesem touristischen Teil
8 bis 10 Grad Wärme bzw. Kühle
95 Prozent Luftfeuchtigkeit

Am Samstag, als wir von Interlaken nach Merligen jakobspilgerten, besuchten wir die St. Beatus-Höhlen, die ja am Weg liegen. Eine knappe Stunde brauchten wir für die Begehung, man nimmt hinein/hinauf zum grössten Teil denselben Weg wie hinaus/hinab, hat also Gegenverkehr, muss ein wenig aufpassen, zum Teil sind die Gänge eng, beim Kreuzen darf man die Höhlendecke nicht ausser Acht lassen, sonst schlägt man sich womöglich den Schädel an. Gute Schuhe tun not, der Boden ist stellenweise nass und rutschig. Und wenn jemand Augen hat, die mit Schummerlicht nicht zurechtkommen, ist das nichts. Meinem Vierergrüppli tat es die Höhle an, ihr scheinbar endloser Verlauf ins Innere des Berges, die Spalten mit ihren Tropfsteingewächsen, der wilde Bach, dessen Rauschen betäubt. Schwer hat es gegen die touristische Attraktion jener Mann, mit dem die Geschichte der Höhlen begann. Der heilige Beatus ist Legendenstoff, soll am Thunersee als Glaubensbote tätig gewesen sein, soll hier in der Felsfluh als Eremit gehaust und nach seinem Tod im Jahre 112 nach Christus begraben worden sein. Im Felsloch, das er angeblich bewohnte, ist er als kuriose Fantasiepuppe gegenwärtig.

Beatus in seiner Zelle am Eingang zu den Höhlen.

PS: Jeden Tag platziere ich einen Hinweis auf meinen neusten Blogeintrag auf Facebook. Mein gestriger Hinweis wurde dort umgehend gelöscht. Grund: Fake News. Stimmt ja auch, die bebilderte Meldung über die Volg-Filiale in Stein am Rhein, die aus dem 15. Jahrhundert stammt, war frei erfunden. Ich ging davon aus, dass man den Witz sofort als solchen erkennt. Das Gute an der Sache: Facebook scheint tatsächlich einzugreifen, wenn man Dinge verbreitet, die nicht stimmen.

Samstag, 22. Juni 2024

Nr. 15

Vor acht Jahren kam ich bei den St. Beatus-Höhlen vorbei. 
Für eine Besichtigung hatte ich damals keine Zeit.
Die Jakobspilgerei durch unser Land geht weiter, heute machen wir uns an Etappe Nr. 15, den Abschnitt von Interlaken nach Merligen. Dort nehmen wir das Schiff hinüber nach Spiez, was Pilgerinnen und Pilger auch in früheren Zeiten durchaus taten, wenn sie nicht am Nordufer des Thunersees weiter nach Thun und hinüber nach Amsoldingen zogen, wo beide Wegvarianten wieder zusammenkommen. Jetzt freue ich mich auf die vor mir liegende Unternehmung. Und hoffe, dass uns der Regen verschont oder nicht allzu heftig heimsucht. Zur Tour gehört auch, dass wir die St. Beatus-Höhlen besuchen – unter Tag wird es zwar kalt sein, aber garantiert trocken.

Freitag, 8. März 2024

Bananenhöhle und Kaufleuten

So, der Anlass ist aufgeschaltet. Zürich, "Kaufleuten", 15. Mai. Buchvernissage. Und ich bin der Autor. Seit einem Jahr arbeite ich an "Neue Schweizer Wunder", zwei Dinge motivierten mich: Zum einen wurde das Vorgängerbuch "Schweizer Wunder", 2016 erschienen, ein Bestseller, was natürlich beflügelt, etwas nachzuschieben. Zum anderen sah ich in den letzten Jahren beim Wandern und auch auf journalistischen Exkursionen so viele wunderbare und wunderliche Dinge, dass ich irgendwann fand, es täte weh, von ihnen dauerhaft zu schweigen. Daher also das neue Buch, das punkto Format wie das frühere ein Büchlein sein und gut 100 Ausflugstipps zu staunenswerten Dingen überall im Land liefern wird. Zum Beispiel geht es um die Bananenhöhle in der Nähe von Brugg. Die hat zwei Öffnungen und krümmt sich unterirdisch wie eine Banane, durchs eine Loch steigt man ein, durchs andere aus. Mehr von meinen Wundern werde ich im "Kaufleuten" erzählen und freue mich über alle, die die Veranstaltung besuchen. Moderieren und mit mir ein Gespräch führen wird meine "Schweizer Familie"-Kollegin Natascha Knecht, bekannte Alpinistin und selber Buchautorin – das wird sicher ein guter Abend.

Die Bananenhöhle bei Brugg.

Sonntag, 11. Februar 2024

Die Sandsteinvisite

Ein Screenshot der Schweizmobil-Karte:
Am schnellsten erreicht man die 
Sandsteinhöhlen (oben rechts) vom
Bahnhof Teufenthal (unten links) aus.
Auf dem Gebiet der Gemeinde Gränichen im Wynental, Kanton Aargau, gibt es über 30 Sandsteinbrüche. Vor allem im 19. Jahrhundert war der Bedarf an Sandstein riesig, damals ersetzten vielerorts Steinhäuser die alten Holzbauten. Gestern schauten wir im bedeutendsten Gränicher Steinbruch vorbei, demjenigen im Liebegger-Wald in der Nähe von Schloss Liebegg; an diesem Ort finden sich, soweit wir sahen, sowohl natürliche Höhlen als auch Kavernen, die während des Abbaus entstanden. Um 1850 gab es in Gränichen rund 70 Fuhrhalter. Sie spannten ihren Fuhrwerken mal Pferde und mal Ochsen vor, bis zu drei Tonnen schwere Quader führten sie hinab ins nahe Tal. Heutzutage ist das alles Historie, die Steinbrüche sind stillgelegt; schön war gestern, dass wir die einzigen Leute auf Besichtigungstour waren.

Freitag, 13. Oktober 2023

Säulen, Säulen, Säulen


5. Juli 1908, festliche Eröffnung, Kerzen erhellen die Kaverne einigermassen, Musiker spielen Melodien aus Wagners "Siegfried". 115 Jahre später gestaltet sich das Höhlenerlebnis wesentlich anders. Bombastische Operklänge gibts keine, wohltuende Stille waltet. Und die effektvoll eingesetzte Beleuchtung ist natürlich elektrischer Art. Am Dienstag besuchten wir zu viert die Grotta Gigante im Karst nah Triest bei der Ortschaft Sgonico. Sie ist riesig, die grosse Halle allein ist 99 Meter hoch, 76 Meter breit und 167 Meter lang; bis vor kurzem galt diese Höhle als grösste Schauhöhle der Welt. Wer an einer Führung teilnimmt, steigt über 500 Treppenstufen ab, legt unterirdisch einige Distanz zurück und steigt am anderen Ende wieder 500 Treppenstufen auf. Fantastisch sind die Stalagmiten und Stalaktiken überall – sie kamen mir vor wie das Werk eines besessenen Bildhauers, der nur eines will: immer neue Säulen schaffen.

Samstag, 27. Mai 2023

Mondmilch

Das Zwärgliloch, die unterste Höhle in der Gsässfluh,
ist gut zugänglich und als Rastplatz eingerichtet.

Vorgestern berichtete ich, wie wir am Mittwoch die Relikte des alten Weissenburgbades erkundeten. Gestern schob ich nach, wie wir anschliessend auf leicht schwindelerregenden Metalltreppen zur Leiternweide aufstiegen und danach die Hängebrücke Richtung Oberwil nahmen. Heute nun das dritte und letzte Abenteuer der Unternehmung im Simmental. In der Gsässfluh oberhalb des Weilers Bunschen gibt es Höhlen, in denen in der Vorzeit Menschen hausten. Das Zwärgliloch, das Schnurreloch und das Mamilchloch sind alle drei auf der Landeskarte eingezeichnet. Dieses Trio wollten wir uns nicht entgehen lassen, wussten aber auch, dass das sehr steile Gelände Gefahr birgt, dies umso mehr, als das Kalkgestein wegen der Regenfälle der vorangegangenen Nacht enorm glitschig war. Nun, das Zwärgliloch, die unterste Höhle, erreichten wir auf dem "Höhlenpfad" problemlos, es ist als Raststelle eingerichtet, unten am Abzweiger steht Brennholz bereit. Danach wurde es im Aufstieg zum Schnurreloch schwierig: feuchter Fels, feuchter Waldboden, feuchte Baumwurzeln, feuchte Simse. Seile halfen, doch als wir zu einer engen, ebenfalls feuchten Höhle kamen, die wir hätten durchqueren müssen, um zur Schnurreloch-Leiter zu gelangen, gaben wir auf. Die Querpassage hinüber zum Mamilchloch war wieder machbar, auch da nutzten wir Seile. Der Pfad führte uns zu einer etwa zehn Meter hohen senkrechten Leiter, oben hatten wir das Mamilchloch vor uns. "Mamilch", übrigens, steht für "Mondmilch", gemeint sind die flüssigen Kalksinter-Absonderungen der Höhle. Im Abstieg mussten wir noch einmal gut aufpassen und waren am Ende dann sehr stolz auf uns. Zwei von drei Höhlen hatten wir geschafft trotz widrigen Umständen. Nein, halt, stimmt nicht ganz. Unterwegs hatten wir eine weitere Höhle entdeckt, das an Ort und Stelle so beschriftete Schlüfloch, das nicht auf der Karte verzeichnet ist und unten an der zentralen Übersichtstafel auch nicht vorkommt. Der Höhlenscore beträgt also: drei von vier.
Die Leiter unter dem Mamilchloch, oben der Höhleneingang.
Die praktisch senkrechte Gsässfluh.