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Mittwoch, 1. April 2026

Sechs Monate

Ich bzw. mein Schatten letzten Sommer
hoch über Realp im Urserntal.
Heute mal etwas Persönliches. In genau sechs Monaten werde ich pensioniert. Frühpensioniert, mit 64. Vor einiger Zeit habe ich das beschlossen und es dem Betrieb, der "Schweizer Familie", durchgegeben. Was bedeutet das für diesen Blog? Vermutlich gar nichts, jedenfalls will ich weiterhin im selben Rahmen, so circa zwei Mal pro Woche, wandern. Und hier darüber schreiben. Und sonst – Ziele, Wünsche, Ideen? Am allerwichtigsten ist mir das: Ich will keiner dieser übergeschäftigen, totaleingespannten, atemlosen Rentner werden, die man stets vollverplant antrifft. Mich vorerst einmal genüsslich langweilen, das schwebt mir vor. Und mich mehr als bisher selber überraschen und Dinge unternehmen, die ich zuvor als abwegig verwarf, was auch viel mit Zeitmangel zu tun hatte. Obs mir gelingt?

Donnerstag, 19. Februar 2026

Alle sind satt geworden

Ein stimmungsvoller Anfang, oder? In der "Schweizer Familie" gibt es diese Woche eine dichte Reportage zu lesen, natürlich ist sie auch opulent bebildert. Meine Redaktionskollegin Angela Lembo hat im Freiburgischen die Wanderhirtin Sarah Müri getroffen. Die ist den Winter über permanent unterwegs gewesen mit den ihr anvertrauten Schafen, mit Hirtenromantik hat das gar nichts zu tun, es war harte Arbeit – eine Arbeit aber auch, die Sarah Müri schätzt, weil sie zu ihr passt, weil sie in Ruhe verrrichtbar ist und ihr Frieden bringt. Am Ende der Reportage wird es Abend, und Sarah Müri zieht Bilanz: "Alle sind satt geworden, heute war ein guter Tag." Wer mehr wissen will, kaufe das Heft, es lohnt sich allein wegen dieses schönen Textes.

Samstag, 1. November 2025

Fünf Mal B

 

Ich las die Zeile gestern. Sie treibt das Stilmittel der Alliteration auf die Spitze – fünf mit B beginnende Wörter in Folge. In der Journalistenausbildung wird man gewarnt, Titel wie "Priester, Palmen und Pagoden" zu setzen, weil sie stets ein wenig gesucht oder gar affig klingen. Aber dieser Titel hier funktioniert formidabel, finde ich. Die Buvette, um die es geht, kenne ich leider nicht.

Mittwoch, 24. September 2025

Endlich ist sie erschienen

Ende Mai war ich einige Tage lang unterwegs auf dem "Camino Francés", dem wichtigsten spanischen Jakobsweg. Besuchte zwischen den Pyrenäen und der Atlantikküste wichtige Pilgerorte mit dem Auto, wanderte jeden Tag immerhin auch ein, zwei Stunden. Und nun darf ich glücklich vermelden, dass meine über neun Seiten sich ziehende, splendid bebilderte Reportage endlich erschienen ist. Wer sie lesen will: kaufen! Das neue Heft der "Schweizer Familie" ist ab heute am Kiosk erhältlich!

Samstag, 23. August 2025

Tschau, Nau

Daran habe ich mich gewöhnt:
Bildschirm im Postauto mit Nau-News.
(Foto: Adrian Michael / Wikicommons)
Wenn ich in den letzten Jahren mit dem Bus unterwegs war, was ich als Wanderer natürlich oft tue, dann fiel mein Blick immer wieder mal auf den Bildschirm vorne im Gefährt und verweilte. News in Kürzestform gab es zu lesen, die ich gar nicht übel fand, journalistisch sauber gemacht, das Allernötigste. Informative Unterhaltung, unterhaltende Information. Durch sie wurde mir Nau zum Begriff, jenes Medienportal aus Liebefeld BE, das die Schlagzeilen liefert. Gestern las ich, dass das zur Post gehörende Unternehmen Livesystems, das die Bildschirme in Bussen, Bahnhöfen, Tankstellen, Postfilialen überall im Land – 13 000 sind es – unterhält, sich von Nau trennt. Auf Anfang des nächstes Jahres sollen die journalistischen Inhalte von einem anderen Medienpartner kommen. Ich hoffe, der Nachfolger kanns auch.

Montag, 23. Juni 2025

Glacetag in Davos

Fotograf Daniel Ammann an der Arbeit. Sorry für die brutal abgedeckten Gesichter.
Richtig anschauen kann man die drei Frauen von Davos bald in der "Schweizer Familie". 
Schön zu sehen ist auf meinem Bild immerhin (links hinten) der Davosersee.
Auf der Ischalp, 1930 Meter über Meer. Zu ihr gehört eine Seilbahn.
Lief gut mit der Wanderreportage aus Davos (siehe Eintrag vom Samstag). Wir waren mit einer Mutter und ihren zwei Töchtern unterwegs, die dort leben, der Vater konnte nicht, er musste an diesem Tag arbeiten. Zusammen stiegen wir vom Kurpark auf die Ischalp und auf einem anderen Wanderweg wieder ab. Die Mädchen, "noch nicht ganz sechs" und acht, trieben jede Menge Schabernack, bastelten sich zum Beispiel aus Huflattichblättern lustige Hüte. Und mit der Mutter gsprächleten wir, ich und der Fotograf, munter. Oben gabs Pommes frites, Nusstorte und Glace. Und am Ende, als wir wieder unten waren, gabs grad wieder Glace, aus fotografischen Gründen. Zwei Glace an einem Tag – die Mädchen fanden das super. Der Artikel, garantiert mit vielen opulenten Fotos bestückt, erscheint Ende Juli, heute will ich ihn, schön gemütlich im Home Office, schreiben. Noch ein Wort zum Gewitter, das ich am Samstag befürchtete. Es kam nicht, jedenfalls nicht, bis wir gegen 15 Uhr fertig waren. Aber der Himmel verdüsterte sich nach der Mittagszeit doch markant, Wolken zogen auf. Wie's weiterging, während ich auf der Heimreise war, weiss ich nicht.

Samstag, 21. Juni 2025

Davos, ich freue mich

Heute früh fahre ich nach Davos, wie jedes Jahr mache ich die Voraus-Reportage zum Nationalen Wandertag der "Schweizer Familie" im September, letztes Jahr gings nach Willisau, heuer ist nun also die Alpenstadt Davos Gastgeberin. Mit meinem Fotografen treffe ich am Vormittag eine Familie, die im Ort lebt, zusammen werden wir eine der Routen des Wandertages erkunden, es geht vom Kurpark hinauf auf die Ischalp und wieder hinab, eine Rundtour von knapp drei Stunden. Wir werden freilich mehr Zeit brauchen, weil ja eben fotografiert wird, auch will ich spontan Leute ansprechen, die dann, quasi als Nebenpersonal, im Artikel vorkommen. Ein bisschen Sorgen macht mir, dass es in der zweiten Tageshälfte gewittern könnte. Trotzdem: Davos, ich freue mich. Die Repo kommt dann in unsere letzte Ausgabe im Juli.

Der Davosersee, gesehen vom Bergweg unter dem Gross Schiahorn.

Freitag, 28. März 2025

Wieder einmal in Sachseln

Schnitzwerk am Eingang zur Pfarrkirche von Sachseln OW.
Am Montag fuhr ich nach Sachseln für eine kleine Reportage über den Dorfplatz. Die Ankunft fühlte sich ein bisschen an wie Heimkommen, in den letzten Jahren hatte ich einige Male im Dorfkern Zeit verbracht. Ich war schon in der Pfarrkirche, in der die Reste unseres Landespatrons Niklaus von Flüe ruhen, ich war schon im Café Zumstein, in dem sie so fein backen, ich war schon in der Sammlung Christian Sigrist, in der geschnitzte Miniaturen auf unsentimale, ganz dem Dokumentarischen verpflichtete Art und Weise Szenen des ländlichen Lebens zeigen. Und ich war schon im Museum Bruder Klaus, das die Dauerausstellung über den Heiligen schlau mit saisonalen Sonderausstellungen konterkariert. Alle diese Orte habe ich am Montag wiedergesehen. Und noch ein Wort zum Museum Bruder Klaus. Für dieses Jahr ist dort eine Sonderausstellung zum Thema "Frieden" mit Werken schweizerischer und ukrainischer Kunstschaffender geplant. Die werde ich im April sicher besuchen. Meine nächste Visite in Sachseln zeichnet sich also bereits ab.

Freitag, 17. Januar 2025

Wir waren nur halb oben

Am Tag unserer Anreise, am Mittwoch, war das Wetter in San Bernardino durchzogen: ein bisschen Sonne, viele Wolken. Ungenügendes Fotolicht – das Ziel ist nämlich, vor Ort eine Zeitschriftenreportage zu realisieren, und die funktioniert ohne splendide Fotos nicht. Gestern Donnerstag wurde alles gut. Wir hatten Sonne. Uneingeschränkt. Von Morgen bis Abend. Um halb zehn montierten wir die Schneeschuhe, zogen zu viert los vom Dorf Richtung San-Bernardino-Pass. Für dieses Ziel muss man hin und zurück mit circa fünf Stunden rechnen. Unsereins kam nur bis zum Ponte Nev, einer kleinen Brücke über die junge Moesa, dort kehrten wir um. Das hat nichts mit mangelnder Fitness oder Faulheit zu tun, sondern damit, dass wir, ein Führer, die Kommunikationsfrau vom örtlichen Tourismus und ich, immer wieder stoppten, um für den Fotografen zu posieren oder uns nach seinen Anweisungen zu bewegen. Auch die Drohne lancierte der Fotograf zwischendurch. Alles fürs gute Bild. Ein Problem war unser Stottermodus keineswegs. Bei dem strahlenden Wetter war es nicht nur herrlich, auf der verschneiten Passstrasse zu gehen. Ebenso schön fanden wir es, auf ihr zu stehen.

Samstag, 28. September 2024

Die Kletterflieger

Zwei Verrückte. Ich meine das anerkennend. Die Berner Chrigel Maurer und Peter von Känel haben diesen Sommer eine Strapaze auf sich genommen, die ihresgleichen sucht. Und haben erreicht, was sie erreichen wollten: nämlich alle 82 Viertausender der Alpen zu bewältigen. Sie unterwarfen sich dabei einer rigorosen Regel: keine Begleitfahrzeuge. Keine Velos. Keine Seilbahnen. Einzig die eigene Körperkraft und ein voll und ganz ökologisches Verkehrsmittel, den Gleitschirm, benutzten sie. Sie kletterten, sie flogen. Und machten auf jedem Gipfel ein Selfie. Die "Schweizer Familie" hat den beiden Alpinisten und Gleitschirmlern und ihrer Leistung einen Artikel gewidmet. Wenn jemand Beachtung verdient hat, dann die Herren Maurer und Von Känel, die im Alpinismus in knapp zwei Monaten Bleibendes vollbracht haben. Ohne dass sie in den Himalaya oder nach Südamerika fliegen mussten.

Freitag, 26. Juli 2024

Vom Elefanten und vom Flaschensepp

Die Hauptgasse von Willisau. Der grüne Turm der Pfarrkirche wird "Elefant" genannt.

Der Flaschensepp in seinen Museum. Die Tim-und-Struppi-Locke ist sein Markenzeichen.

In der "Schweizer Familie" steht diese Woche eine grosse Reportage von mir über Willisau; Grund ist natürlich, dass im Städtchen im Luzerner Hinterland im September der nationale Wandertag unserer Zeitschrift ausgetragen wird. Für den Artikel traf ich interessante Leute. Hier sind sie:

  • Der Flaschensepp wird von allen so gerufen und mag das sehr. Auf einem Bauernhof unter dem Napf ist er aufgewachsen, entwickelte schon in jungen Jahren eine Begeisterung für Flaschen aller Art und baute ein Museum mit 100 000 Flaschen auf.
  • Ursula und Michael Renggli-Kurmann geschäften im Café Amrein, dem Ursprungshaus des Willisauer Ringlis; 140 Kilo des berühmten Hartgebäcks fertigen sie pro Woche und führen so die Familientradition fort.
  • Stefan Maissen personifiziert als Chef des landesweit aktiven Velovermittlers Rent a Bike das starke Gewerbe von Willisau, wo sein Unternehmen den Hauptsitz hat. Willisaus Umland sei perfektes Langsam-Tourismus-Gebiet, sagt er.
  • Evelyne Huber ist Präsidentin der katholischen Kirchgemeinde. Sie führte mich und den Fotografen auf den "Elefanten". So nennen die Einheimischen den eher ungeschlachten Turm der Willisauer Pfarrkirche.
  • Irene Brügger ist bekannt als Musikerin, Schauspielerin, Humoristin; in der "Schweizer Familie" schreibt sie wöchentlich eine Kolumne. Sie empfing uns in ihrem Haus, es steht auf einem herrlichen Plateau über Willisau, man verspürt dort grad Wanderlust. Nun, jedenfalls ich, denn das Frölein Da Capo, so Irene Brüggers Künstlerinnenname, wandert nicht wirklich gern. Einer der grossen Momente in ihren Teenie-Jahren: als sie ein Töffli Pony Sachs 03 bekam.

Mittwoch, 26. Juni 2024

Die Kupferwarze

Blick von St. Peter und Paul auf Willisau.
Der Glockenstuhl im Turmdach.
Ich mache diese Woche eine Reportage über Willisau. Vorgestern Montag bestiegen ich und der Fotograf mit einer Führerin den Turm der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Nach der Fertigstellung im Jahr 1929 wollte der Pfarrer den Turm wieder abbrechen und schimpfte ihn "Kupferwarze"; heutzutage nennen ihn die Einheimischen mit einiger Liebe so. Der Blick aus 35 Metern Höhe auf das historische Städtchen zu unseren Füssen war toll. Froh waren wir, dass die Wetterglocke nicht grad schlug, das über 400-jährige Ding ist bei einem Gewicht von über drei Tonnen ein Monstrum. Es wird bis heute in Gang gesetzt, wenn es vom Napf her gelb oder schwarz kommt – angeblich kann die Wetterglocke von Willisau mit ihrem mächtigen Schall gar die Gewitter abdrängen.
St. Peter und Paul mit der "Kupferwarze".

Sonntag, 28. April 2024

Sitzung vor der Jugi

Interlakens Jugi draussen und …
… drinnen.

Frühling in Interlaken mit Blumen, Aare und Föhnhimmel.
Am Freitag war ich mit meiner Redaktionskollegin wegen eines beruflichen Termins in Interlaken. Es wimmelte im Ort von Asiatinnen und Asiaten, die vom Bluescht der Bäume und den blühenden Blumen sozusagen trunken waren und fotografierten, was das Zeug hielt. So etwas steckt an, ich machte gleich auch ein paar Fotos. Nach unserem Termin und einem sehr guten Zmittag (mehr davon später mal) veranstalteten wir bei föhnigem Wetter spontan eine Freiluftsitzung und arbeiteten dann doch anderthalb Stunden an einem Quiz, das irgendwann in unserem Heft erscheinen soll. Wir hatten einen Tisch vor der modernen, geräumigen, luftigen Jugi ergattert, die gleich beim Bahnhof Interlaken Ost liegt, toll! Mir fiel ein, dass die "Schweizer Jugendherbergen" dieser Tage einen runden Geburtstag feiern, ich hatte darüber kürzlich einen Artikel gelesen. Heute vor 100 Jahren, am 28. April 1924, trafen sich in Zürich-Wiedikon rund 70 junge Leute, wählten einen Präsidenten und diskutierten über die ersten Standorte. Bereits im Herbst desselben Jahres lag eine Broschüre mit 26 Jugendherbergen vor. Tüchtige Leute gabs damals. Und jetzt wünsche ich den Schweizer Jugis alles Gute: Happy Birthday!

Donnerstag, 25. April 2024

Zisch, braus, spritz, schäum, freu

Im heissen Juli 2022 besuchte ich die Trümmelbachfälle im Berner Oberland - erfrischend wars.

Letzte Woche stand in der "Schweizer Familie" mein Artikel mit sieben leicht zu erreichenden und sehr schönen Wasserfällen überall im Land. Wie ich sehe, hat ihn der "Tagi" inzwischen übernommen. Will heissen: Der Artikel ist jetzt – hier – im Internet greifbar für Abonnentinnen und Abonnenten. Zisch, braus, spritz, schäum, freu.

Freitag, 8. März 2024

Bananenhöhle und Kaufleuten

So, der Anlass ist aufgeschaltet. Zürich, "Kaufleuten", 15. Mai. Buchvernissage. Und ich bin der Autor. Seit einem Jahr arbeite ich an "Neue Schweizer Wunder", zwei Dinge motivierten mich: Zum einen wurde das Vorgängerbuch "Schweizer Wunder", 2016 erschienen, ein Bestseller, was natürlich beflügelt, etwas nachzuschieben. Zum anderen sah ich in den letzten Jahren beim Wandern und auch auf journalistischen Exkursionen so viele wunderbare und wunderliche Dinge, dass ich irgendwann fand, es täte weh, von ihnen dauerhaft zu schweigen. Daher also das neue Buch, das punkto Format wie das frühere ein Büchlein sein und gut 100 Ausflugstipps zu staunenswerten Dingen überall im Land liefern wird. Zum Beispiel geht es um die Bananenhöhle in der Nähe von Brugg. Die hat zwei Öffnungen und krümmt sich unterirdisch wie eine Banane, durchs eine Loch steigt man ein, durchs andere aus. Mehr von meinen Wundern werde ich im "Kaufleuten" erzählen und freue mich über alle, die die Veranstaltung besuchen. Moderieren und mit mir ein Gespräch führen wird meine "Schweizer Familie"-Kollegin Natascha Knecht, bekannte Alpinistin und selber Buchautorin – das wird sicher ein guter Abend.

Die Bananenhöhle bei Brugg.

Freitag, 19. Januar 2024

Hugenottenwandern


Endlich ist er erschienen, mein grosser, von der "Schweizer Familie"-Bildredaktion liebevoll alimentierter Artikel über die Hugenottinnen und Hugenotten in der Schweiz. Also über jene Protestantinnen und Protestanten, die im 16. und 17. Jahrhundert vor der Unterdrückung im katholischen Frankreich flohen. Insgesamt emigrierten rund 150 000 Menschen aus ihrer Heimat, etwa 20 000 liessen sich dauerhaft bei uns nieder – und vollbrachten Bedeutendes, dies speziell im Bankenwesen, im Uhrengewerbe, in der Textilindustrie. Auch ihr Savoir-vivre brachten die Hugenotten mit, Lebensfreude und den Gout für modische Kleider. Zudem brachten die Zugewanderten uns Schweizerinnen und Schweizern bei, dasss man Gemüse nicht unbedingt zu einem Mus verkochen muss – aber halt, bereits bin ich voll am Nacherzählen des Artikels. Was ich gar nicht will, das Heft gibt es ja jetzt am Kiosk.

PS: Den Wegen der Hugenotten durch die Schweiz spürt ein Wanderführer nach, der für mich beim Schreiben eine wichtige Quelle war. Man kann mit dem Büchlein wunderbar hugenottenwandern.

Donnerstag, 14. Dezember 2023

Sisi und die Schwyzer Nonnen

Elisabeth von Österreich 1865.
Fotografie von Joseph Albert.
(Wikicommons)
Kaiserin Elisabeth von Österreich, uns besser bekannt als "Sisi", ist 1857 am Boden zerstört. Mit ihrem Mann, Kaiser Franz Joseph, weilt sie in Budapest, als Sophie, die zweijährige Tochter, krank wird. Vermutlich ist es Typhus, die Ärzte können nichts machen, das Kind stirbt. In den folgenden Monaten schläft die gerade mal 20-jährige Sisi kaum noch, sie isst nicht und magert ab, heute nennt man es wohl "Depression". In dieser Situation stellt ein ihr vertrauter Hofkaplan den Kontakt zum Kloster in der Au her, dem Frauenkloster in Trachslau unweit von Einsiedeln. Seit 1846 pflegen die Benediktinerinnen von Trachslau die Ewige Anbetung, sprechen also rund um die Uhr Tag für Tag Gebete. Fortan schliessen sie die Kaiserin in ihre Fürbitte ein. Hat es genützt? Nun, Sisi rappelt sich jedenfalls wieder auf und schenkt dem Frauenkloster in Trachslau zwei Jahre später einen goldenen Messkelch mit der Inschrift "E. K. v. O. Elisabeth, Kais. v. Oesterreich." Bis heute kommt der Kelch an hohen kirchlichen Festen im Kloster zum Einsatz. Gelesen habe ich die Geschichte gestern im neuen "Y-Mag", dem Magazin des Amtes für Wirtschaft des Kantons Schwyz, recherchiert hat die Begebenheit mit Weiterungen, die ich hier weglasse, mein alter "Facts"-Kollege, der Zuger Historiker Michael van Orsouw.

Freitag, 17. November 2023

Der Heli und die Kirche

Am Montag fotografierte ich in Lyss im Berner Seeland die reformierte Kirche. Gleichzeitig fiel mir ein Ereignis aus den 1990er-Jahren wieder ein. Am Nachmittag des 2. September 1992 stürzte ein Helikopter auf die Kirche, der 71-jährige Pilot, der in Bern-Belp gestartet war, starb; Gott sei Dank waren weder die Schule noch das Altersheim ganz in der Nähe tangiert. Die Kirche von 1935 allerdings, die Feuer gefangen hatte, war schwer beschädigt, ihre Erneuerung dauerte drei Jahre. Die Unfalluntersuchung ergab später: "gesundheitliche Probleme des Piloten, eventuell verbunden mit einer Bewusstseinsstörung". Ich erinnere mich bestens an den Unfalltag, ich wohnte damals in Bern und war auf der Redaktion der "Berner Zeitung" am Arbeiten. Selber ausrücken musste ich aber nicht.

Mittwoch, 25. Oktober 2023

Das Pionierbänkli

Die Giessbachfälle. Ein Foto des Ortes 
mit Bänkli habe ich leider nicht.

In der "Schweizer Revue", dem Magazin für die Auslandschweizerinnen und -schweizer, las ich grad einen langen Artikel über Bänkli. Im Text äussert sich unter anderem eine Soziologin, die einen Verein zur Förderung der Schweizer Bankkultur gegründet hat. Sie erwähnt, dass eines der allersten Bänkli der Schweiz bei den Giessbachfällen platziert wurde. Dort legte man gleichzeitig Gehwege für die englischen Touristen an, damit sich diese die Schuhe nicht schmutzig machten mussten. Beide zivilisatorischen Vorrichtungen in Kombination erlaubten das komfortable Geniessen wilder Natur. Wer mehr wissen will, findet den Artikel hier.

Freitag, 15. September 2023

Denkmal für dilettierenden Dichter

Das Gessner-Denkmal am Klöntalersee. Es ist auf der Landeskarte eingezeichnet.

Bukolische Szene von Salomon Gessner, 1767. (Wikicommons)

Der Zürcher Salomon Gessner wurde 58, er starb 1788 und hat somit vollständig im Ancien Régime der Schweiz gelebt, das Napoleons Truppen ein gutes Jahrzehnt später hinwegfegten. Das, neudeutsch gesagt, Timing passt, Gessner war ein Bürger der alten Ordnung durch und durch. In eine gutsituierte und in der Politik verankerte Familie geboren, bekleidete er in seiner Heimatstadt prestigiöse Ämter und war im reifen Alter zum Beispiel "Sihlherr", was bedeutet, dass er für die Versorgung Zürichs mit Brennholz aus dem Sihlwald zuständig war. Geblieben ist anderes. Zum Beispiel, dass er 1780 die "Zürcher Zeitung" gründete, die Vorläuferin der "Neuen Zürcher Zeitung". Vor allem aber war Salomon Gessner Maler. Und Dichter. Mit Vorliebe kreierte er Schäferidyllen bzw. Schäferinnenidyllen, das Genre war harmlos und ein wenig läppisch, der Städter schwärmte vom ländlichen Hirtenleben. Am Montag kamen wir am Südufer des Klöntalersees zu einem Wegweiser, der das einige Meter höher im feuchten Hang platzierte Gessner-Denkmal anzeigte. Natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, zu dem Gedenkstein aufzusteigen, den zwei Bewunderer 1788 erwählt und mit einer Inschrift ausgestattet hatten. "Salomon Gessnern wollte die Natur ein Denkmal stiften und lies hier seinen Namen verewigen", steht da zu lesen, die Orthografie von damals habe ich belassen. Das Denkmal in wildromantischer Lage lockte in der Folge viel Volk an den damals noch unglaublich abgelegenen Glarner Bergsee. Gessner selber freilich hat das Klöntal, soweit wir wissen, nie besucht.