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Montag, 12. Januar 2026

Das schlummernde Wehr

Gewusst, welcher Fluss als einziger in der Schweiz mit einem Eiswehr ausgestattet ist? Ich las das im "Tagi" – es ist die Sihl.

Die Sihl. Das Eiswehr sieht man unten links, zur Orientierung oben rechts
in Rot die S-Bahn-Station Brunau. (Screenshot Schweizmobil
Das Sihl-Eiswehr steht auf Stadtzürcher Boden nah der Allmend Brunau und hat vier bewegliche Schützen, mächtige Metallschilder, die man absenken und so Eisschollen auf dem Wasser stauen könnte. 100 000 Kubikmeter Eis vermag das Wehr aufzuhalten, bloss kam es nie zum Einsatz, der Klimawandel macht sich bemerkbar. 1968 wurde es gebaut, damals lag die letzte Gfrörni des Zürichsees erst fünf Jahre zurück, und man ging davon aus, dass sich früher oder später auf der Sihl Eis bilden und dann die weiter flussabwärts liegende Sihlhochstrasse, die zur gleichen Zeit wie das Wehr entstand, gefährden könnte. Nun, die Sihlhochstrasse wurde nicht fertiggestellt. Warum also bricht man das schlummernde Wehr, das vom Bundesamt für Strassen finanziert und betrieben wird, nicht ab? Weil es in einer anderen Art Notfall helfen könnte: wenn Schadstoffe im Wasser Richtung Zürich treiben. Mit anderen Worten: nicht ausgeschlossen, dass die Schützen doch einmal aktiviert werden.

Samstag, 3. Januar 2026

Hütet euch in Visp (II)

Wichtiger Umsteigeort: der Bahnhof Visp.
(Foto: Daniel Reust / Wikicommons)
Unter dem Titel "Hütet euch in Visp" schrieb ich hier vor langem, dass die Perrons des Visper Bahnhofs und auch die Abgänge in die Unterführung eng sind – zu eng angesichts der Massen von Menschen, die hier in Stosszeiten umsteigen. Vor gut zwei Wochen gabs einen Zwischenfall, der das belegt. Der Walliser Onlinedienst pomona.ch berichtete darüber, wie ein älterer Mann auf dem Perron in Visp im Getümmel von einem Rollkoffer derart heftig gerammt wurde, dass er aufs Gleis stürzte. Umstehende Reisende hievten ihn wieder auf sicheren Boden, kurz darauf fuhr auf diesem Gleis der Zug nach Genf ein. Der Mann, stellte sich heraus, hatte sich beim Sturz einen Milzriss mit starken inneren Blutungen zugezogen, er musste notoperiert werden. "Zwischen Treppenaufgängen, Rollkoffern und entgegenkommenden Personengruppen wird es eng – manchmal gefährlich eng", steht im Artikel zu lesen. Genauso ist es.

Donnerstag, 11. September 2025

Lohnt sich sehr wohl

Gute Sache: Heli der Schweizerischen Rettungsflugwacht
Rega
bei der Basis Erstfeld im Kanton Uri, 2009.
(Foto: Weekender73/Wikicommons)
Wenn es unter Bekannten um das Thema Bergrettung geht, erwähne ich jeweils, dass ich Rega-Gönner bin. Immer wieder mal bekomme ich dann zu hören, die 40 Franken Jahresbeitrag könnte ich mir sparen, denn die Krankenkassen würden eine Rettung im Notfall ja auch bezahlen. Nun, liebe Freundinnen und Freunde, das stimmt und stimmt nicht. Auf srf.ch las ich eben von einem Fall, in dem zwei Bergwanderer im Wallis in der Nähe der Dents du Midi in einer steilen Flanke in eine ausweglose Situation gerieten. Sie konnten nicht weiter vorwärts und auch nicht zurück – Lebensgefahr. Und also kam es zum Hilferuf bei Air-Glaciers. Weil deren Heli dann nach einem weiten Anflug länger kreisen musste bis zur Lokalisierung der zu Rettenden, kostete das am Ende 4128 Franken pro Person. Der eine Wanderer musste im Folgenden feststellen, dass seine Krankenkasse bzw. die Zusatzversicherung der Krankenkasse den Betrag nicht übernahm. Die Sache ist nämlich die: Rein versicherungstechnisch handelte es sich nicht um eine Rettung, wie sie aus medizinischer Sicht nötig wird wegen einer Verletzung – bei einer Rettung hätte die Kasse bezahlt. Was im Dents-du-Midi-Gebiet vor sich gegangen war, war eine Evakuierung, für die keiner der grossen Versicherer aufkommt.  Der zweite aus der Bergflanke geholte Mann hatte Glück. Er war Rega-Gönner, die Rega übernahm die Kosten. Dass sie gar nicht selber unterwegs gewesen war, spielte keine Rolle: Sie ist mit anderen Luftrettungsorganisationen zusammengeschlossen, die Gönnerschaft für die eine Organisation gilt automatisch auch für die anderen im Zusammenschluss. Ich sags ja: Ich bin Rega-Gönner. Seit Jahren.

Freitag, 27. Juni 2025

Ja, ich war im Lötschental

Strictly legal und interessant: Unsere Route (schwarz) am Rand der Sperrzone ums Bergsturzgebiet bei Blatten VS. Die Wanderung verlief ganz auf dem vielbefahrenen Strässchen zur Lauchernalp hinauf.
Am Mittwoch reiste ich mit Ronja ins Lötschental, mich mal umschauen. Katastrophentourismus? Ich sag's eher so: Ich wollte mir eine Meinung bilden, wie es dort aussieht und ob man das verschüttete Blatten, das oberste Dorf des Tales, wiederaufbauen kann. Und ausserdem stand in den letzten Tagen in der Zeitung zu lesen, dass der Tourismus in den Dörfern weiter unten am Talfluss Lonza praktisch zum Erliegen gekommen sei. Es ist also nicht so, dass die Leute in Massen ins Lötschental vordringen und dort die Helfer und Helferinnen behindern.
Trister Anblick: Der See, der sich beim verschütteten Blatten gebildet hat.
Folgendes machten wir: Wir fuhren mit dem Bus nach "Wiler, Dorf". Stiegen aus, gingen hinauf zur Kirche, schauten sie an. Und nahmen danach – heiss war's, brutal heiss – das Strässchen, das hinauf zur Lauchernalp kurvt, einem mittelgrossen Ski- und Wandergebiet mit Seilbahn. An den Orten, wo das Strässchen gegen Osten zu vor dem Tobel des Tännbaches eine Spitzkehre vollzieht, sahen wir hinüber ins Bergsturzgebiet, sahen also die sich freikämpfende Lonza, sahen die Rutschrinne vom Kleinen Nesthorn talwärts, sahen schliesslich auch den See beim fast ganz zerstörten Blatten. In zwei dieser Spitzkehren zweigen Fusswege Richtung Osten ab, die freilich gesperrt waren, selbstverständlich respektierten wir das. Es wäre auch schwierig gewesen, in die verbotene Zone überzutreten, wir passierten gleich drei Posten, an denen gelangweilte Jungwalliser (Zivilschützler, glaube ich) unter einem Sonnendach wachten.
Die Lauchernalp ist auch in diesen Tagen ein touristisches Ziel. Mein Foto
vom Bergrestaurant aus zeigt hinten die schneebedeckte Lötschenlücke.

Oben bei der Lauchernalp waren wir wieder im Courant Normal, da gab es doch einige Leute, die wanderten, und im Restaurant neben der Seilbahn waren andere Leute am Essen. Das taten wir auch, bevor wir wieder heimreisten. Und jetzt weiss ich Bescheid und finde, dass ... Halt, der Eintrag wird zu lang. Was ich vom Vorhaben halte, Blatten wiederaufzubauen, erzähle ich morgen.

Samstag, 14. September 2024

Blödheit am Berg

Vielbesucht: der Säntis, von der Toggenburger Seite gesehen. (Foto: Slurpi/Wikicommons)

Der Säntis ist ein klassischer Publikumsberg. Viele Touristinnen und Touristen gondeln in Turnschuhen hinauf, geniessen das Panorama, gondeln wieder hinab. Allerdings gibt es auch die, die sich im urbanen Tenu mal eben vom Gipfel auf die Himmelsleiter wagen, eine unheimlich steile Passage im Kalkstein, auf der man griffige Bergschuhe braucht. Dort machen die Leute Selfies und begeben sich dabei in Gefahr. Auch anderswo am Säntis sind Leute zu beobachten, die jede Vorsicht vermissen lassen und zum Beispiel ohne angemessene Ausrüstung auf irgendeinen exponierten Felsvorsprung kraxeln, um sich selber am Abgrund zu fotografieren. Aus dem Artikel im "St. Galler Tagblatt" von dieser Woche erfuhr ich zudem, dass es Berggängerinnen und Berggänger gibt, die auf dem Weg zum Säntis Pyrofackeln zünden und sich so filmen; Leute, die in der Nähe wandern, gehen in diesem Fall womöglich von einem Notsignal aus. Die Blödheit am Berg nervt.

PS: Heute jakobswandern wir wieder. Etappe 24 steht an, sie führt uns am Genfersee von Lausanne nach St-Prex.

Donnerstag, 4. Juli 2024

550 Wege gesperrt

Eine Wanderwegsperrung. auf Schweizmobil.
Immerhin gibts in diesem Fall eine Umleitung,
sie ist in fettem Gelb markiert.
Derzeit seien in der Schweiz rund 550 Wanderwege oder Wanderweg-Abschnitte gesperrt, las ich gestern auf der News-Plattform von SRF. Das ist ein Rekord. Seit vier Jahren gibt es die nationale Datenbank, in der die Sperrungen erfasst sind; nie zuvor waren in diesen vier Jahren so viele Wanderwege nicht benutzbar. Aber sind 550 gesperrte Wege viel, ist die Sache gravierend? Die Frage ist schwer beantwortbar, weil wir nicht wissen, wie vielen Kilometern sie entsprechen; das ganze Schweizer Wanderwegnetz umfasst  65'000 Kilometer. Auf jeden Fall hoffe ich, dass die kaputten Wege geflickt werden können oder "entsperrt" werden.

Samstag, 3. Februar 2024

Rutsch und Riss

Reptation im Gebiet Plaine Morte über Crans Montana, Screenshot.
(Quelle: Sperrungsmeldung der örtlichen Tourismusstelle) 

Im "Tagi" las ich gestern, dass im Waadtländer Skigebiet "Glacier 3000" die "Black Wall"-Piste, eine der steilsten Pisten der Welt, geschlossen werden musste. Die Schneeschicht war auf dem zu warmen Felsgrund nicht angefroren und geriet ins Rutschen. Durch die Piste zog sich deshalb ein bis zum Boden reichender Riss. Die Meldung erinnerte mich an meinen Aufenthalt vor einer Woche in Crans-Montana im benachbarten Wallis. Dort hatten sich am Rand des Gletschers Plaine Morte aus demselben Grund Risse in der Schneedecke gebildet. Die Bahnfahrt zur Plaine Morte war deshalb nicht möglich, der Schneeschuh-Rundweg über den Gletscher, den ich hatte machen wollen, blieb ebenfalls gesperrt. In der Meldung der örtlichen Tourismusstelle kam ein Fachbegriff vor: "reptation", das französische Wort gibt es auch auf Deutsch und Englisch. Es bezeichnet das langsame Rutschen eines Schneemantels an einem Hang und die dadurch bewirkten Risse.

Montag, 14. November 2022

Heikler Abstieg und Happy End

Ein breiter Fahrweg führt von der Luzisteig hinauf nach Guscha.
Der Abstieg von Guscha nach Balzers hingegen: Vorsicht!
Das viele Laub macht diesen Abschnitt heikel. 
Kurz vor Balzers, gleich tauchen wir ein ins Nebelmeer.
Auferstehung der Toten
in der Steigkirche, St. Luzisteig.
Die Wanderung zur Walsersiedlung Guscha hinauf – siehe gestern – war leicht. Wir starteten im Winzerdorf Fläsch in der Bündner Herrschaft, zogen östlich am Matluschkopf vorbei, erreichten die Luzisteig, besuchten die Steigkirche mit den Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert, ein Fresko zeigt, wie am Jüngsten Tag die Toten aus ihren Gräbern steigen. Auch den Waffenplatz schauten wir uns an und sahen dort so viel, dass ich davon gesondert berichten muss. Es folgte die Traverse des Hanges oberhalb der Luzisteig auf einem breiten Fahrweg, wir passierten den Guschaturm und durchquerten den Wald beim Naturreservat Rappentobel. Endlich, es war nun Mittag, erreichten wir Guscha, ein Adlernest von Dorf, der Tief- und Weitblick war fantastisch. Zwei Stunden verweilten wir. Dann der Abstieg. Der war happig, steil ging es abwärts, das Laub lag hoch, war seidenweich und rutschig und verdeckte zudem die Geröllbrocken auf dem Pfad, an einer Stelle halfen Seile. Nun, wir meisterten die Herausforderung kühlen Blutes. Und tauchten kurz vor unserem Ziel, Balzers im Fürstentum Liechtenstein, in den Nebel ein, plötzlich wars klamm und kalt. Schliesslich das Happy End: Heimfahrt von Sargans nach Zürich im Speisewagen durch das eindunkelnde Land.

Mittwoch, 29. September 2021

Redog übt

Die Schweizer Redog-Standorte.
(Redog-Website, Screenhot)
Redog ist eine Schweizer Rettungsorganisation, der Name besteht aus "Re", Rettung, und "dog", Hund. Haut eine demente Person aus dem Altersheim ab oder wird ein Kind vermisst, kann es sein, dass eine der 12 Redog-Regionalgruppen die Suche übernimmt. Am Samstag waren Redog-Leute bei Tiefenbach am Furkapass mit ihren Hunden am Üben, als wir vorbeikamen. Das Mitmachen bei Redog ist ehrenamtlich, 700 Leute und 600 Hunde sind derzeit eingespannt.

Dienstag, 20. Juli 2021

Enttäuschung am Berg

Am Samstag morgen zogen wir hoch über Saas-Fee gegen acht Uhr los von der Bahn-Bergstation Mittelallalin Richtung Allalinhorn, zweieinhalb Stunden aufwärts, zwei abwärts waren veranschlagt bei einer Höhendifferenz von rund 570 Metern zum Gipfel auf 4027 Metern – eine klassische Einsteiger-Route für Leute, die auf einen Viertausender wollen. Die Verhältnisse waren traumhaft, die Stimmung in der Sechser-Seilschaft mit Bergführer Carlo zuvorderst gut. Und doch mussten wir auf dem Feejoch auf 3800 Metern nach zwei Dritteln des Aufstiegs umkehren. Eine Person in der Gruppe war überhaupt nicht auf Touren gekommen, wir waren viel zu langsam unterwegs, auf dringendes Anraten von Carlo, der ein Sicherheitsproblem sah, brachen wir ab. Das war ein brutaler Moment. Enttäuschung pur. Nun die guten Nachrichten: Ich war in den Tagen zuvor nervös gewesen, weil ich wirklich keine Ahnung von Hochtouren habe. Umso beglückender waren meine ersten Erfahrungen, ich konnte mit den Steigeisen gut gehen und spürte die Höhe überhaupt nicht, ich hatte ein Traumpülsli. Vor allem aber war die Landschaft faszinierend mit dem hohen, weichen Gipfel über uns, dem mit Schnee gepolsterten, steilen Gletscherhang, der kristallinen Luft, dem Weitblick: Auf dem Feejoch sahen wir das Matterhorn und die Berner Alpen und den Mont Blanc. Werden wir einen zweiten Anlauf nehmen, diesmal in reduzierter Formation? Ich selber nicht. Manche Träume bleiben halt Träume.

Dienstag, 29. Juni 2021

Simse, Seile, steile Flanken

In der Chelli-Laui.
Schmal waren manche Passagen.
In der Tiefe sahen wir immer wieder mal die Reuss.

Lieblichkeit nach der Gefahr: der Arnisee.
Die Wanderung vom Samstag im Urnerland war, wie ich gestern antönte, wild. Wir nahmen den Rot-Weiss-Weg von Erstfeld über Hoferli, Riedberg und Vorder Arni zum Arnisee. Zwischen Riedberg und Vorder Arni wars schwierig. Die Chelli-Laui erwies sich als brüsk in die Tiefe abfallendes Geröllfeld, die Traversierung war heikel. Der Pfad war stellenweise schmal, Farnfelder verbargen den Grund, manche Passagen waren mit ein, zwei Zentimetern Wasser geflutet, Baumwurzeln und feuchtelnde Steine erforderten konzentriertes Gehen, schmale Simse und Seilpassagen forderten uns. Nun, wir schafften es alle heil zum Arnisee, der uns nach der gefahrvollen Strapaze umso lieblicher vorkam. Im Alpenblick assen wir eine sehr gute Rösti. Ehrensache, dass wir hernach zu Fuss nach Inschi hielten. Dort nahmen wir nicht den nächsten, sondern den übernächsten Bus – im Schäfli stiessen wir an auf unser Abenteuer (5 3/4 Stunden, 1250 Meter aufwärts, 1070 abwärts).
Intschi, das Happy End.

Freitag, 2. April 2021

Das Morobbia-Abenteuer

Ein bitzli aufpassen muss man auf dieser Route schon. Um die Ecke wird der Pfad eng.

Ich hatte rudimentär geplant und wusste von meiner Route hinein in die Valle Morobbia theoretisch Folgendes: Start am Bahnhof Giubiasco. Von dort zum östlichen Ortsrand, über die Morobbia und danach alles aufwärts: vorbei an der uralten Kirche San Bartolomeo via Montagna und die Monti di Verona zu den Monti di Stagno. Und danach steil hinab zur Morobbia und zum Damm, der sie staut und den Carmena-See bewirkt, hinauf nach Vellano und, grossteils auf der Strasse, via Carmena und Melera nach Carena, dem obersten Dorf mit der hintersten Postauto-Haltestelle der Valle Morobbia. Auch die Gehzeit und die Höhenangaben kannte ich: 5 Stunden, 1180 Meter aufwärts, 450 abwärts. Vor Ort erwies sich die Unternehmung als kleines Abenteuer mit grossen Momenten und etlichen Attraktionen. Oberhalb Giubiasco stehen zwei imposante Rundtürme des regionalen Befestigungswerkes Fortini della Fame aus den ersten Jahren unseres Bundesstaates (zu diesem Thema bloggte ich früher einmal). Zudem säumen Thementafeln der Via dell'Acqua den Weg; die Stadt Bellinzona bezieht ihre Energie von der Kraft der Morobbia. Es gibt alte Stollen zu sehen. Steinbrücken, die im Inneren eine Wasserleitung enthielten. Eine riesige Druckleitung, die man auf einem Steg überquert. Und natürlich ist da die Staumauer des Carmena-Sees. Freude bereiteten zudem die nicht grad krass ausgesetzten, aber doch leicht prickelnden Abschnitte, die mit Ketten und Seilen gesichert waren. Vor allem im Abstieg von den Monti di Stagno zur Morobbia war Vorsicht geboten, das trockene, seidenglatte Laub vom Vorjahr machte den Waldboden ruschtig. Ich bin stolz, froh, glücklich, diese Wanderung gemacht und die Valle Morobbia nun so richtig kennengelernt zu haben.
Steinbrücke über die Valle di Verona. Sie trug in sich eine Wasserleitung.
Turm der Fortini della Fame bei Ai Munt oberhalb Giubiasco.
Die Staumauer des Carmenasees. Der rote Ausfluss deutet auf eisenhaltiges Wasser.

Dienstag, 4. August 2020

Troppa pioggia

Der Stausee von Robièi. (Robin van Mourik/Wikicommons)
Eigentlich müsste in diesem Eintrag stehen, dass er vom Hotel beim Staudamm Robièi kommt, also aus dem Bavonatal im nördlichen Kanton Tessin. Dass gleich meine Wanderung beginnt, die mich über die Bocchetta di Val Maggia (2633 Meter über Meer) zu den Laghi Boden, zum Passo San Giacomo, zur San-Giacomo-Kapelle, zur Capanna Corno Gries und zum Nufenenpass führen wird. Und dass ich mich auf die Route freue, bei der ich zwischenzeitlich in Italien unterwegs sein werde. Ich hatte gestern früh um fünf Uhr neun zuhause schon die Wanderschuhe an, als ich beschloss, es bleiben zu lassen. Ich zog die Schuhe aus, nahm all die Dinge wieder aus dem Rucksack, die ich hineingestopft hatte, setzte mich an den Computer und schrieb dem Hotel in meinem besten Hobbyitalienisch ein Mail, dass ich nicht komme würde. Troppa pioggia. Zuviel Regen. Und so kommt es, dass dieser Eintrag wie die allermeisten des Blogs aus dem braven, ungebirgigen, sehr gefahrlosen Zollikerberg bei Zürich stammt.

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Tod im Alpstein

Blick vom Schrennenweg, der von Wasserauen auf die
Meglisalp führt, hinüber Richtung Ebenalp (rechts oben).
Der Weg von dort zum Seealpsee hinab führt durch die
steile, mit Felsen bestückte, nicht ungefährliche Steilhalde
(im Foto also von rechts oben nach links unten).
Als wir am Samstag von Wasserauen hinauf zum Rotsteinpass gingen, hielten wir auf dem Schrennenweg, hoch über dem Seealpsee, inne. Und wir schauten. Gegenüber hatten wir die steile Wand zwischen der Ebenalp mit dem Gasthaus Aescher etwas unerhalb und dem Schäfler, auf dem ebenfalls ein Gasthaus hockt. Auch die Wege in der Wand sahen wir. Ich erzählte den anderen in meinem Grüppli, dass diese Wege durchaus heikel seien, verschattet und schlüpfrig, und dass ich insbesondere vor dem Abstieg vom Aescher hinab zum Seealpsee Respekt hätte. Gleichentags - ich vernahm es am Sonntag - passierte just dort ein Unfall. Ein Wanderer, 65-jährig, der mit drei anderen Leuten unterwegs war, stürzte über eine 50 Meter hohe Felsfluh in den Tod. So etwas geht einem nahe, wenn man selber bergwandert; man weiss, wie wenig es braucht, dass es passiert.

Donnerstag, 9. November 2017

Ab nach Richterswil, Vallorbe, Biel!

Schön! "Der Stundentanz" von Philippe Robert im Wartsaal im Bahnhof Biel.
(Bild: Wikicommons)
Was haben die Bahnhöfe von Richterswil ZH, Vallorbe VD und Biel BE gemeinsam? Jawohl, alle diese Orte haben einen stilvollen alten Wartsaal - eine Einrichtung, die andernorts längst ganz verschwunden oder durch Umnutzungen entstellt worden ist. Die NZZ brachte zu diesem Thema gestern eine schöne Geschichte. Auch Flüelen kommt vor. Im dortigen Bahnhof gibt es einen denkmalgeschützten Wartsaal mit dem Heinrich-Danioth-Wandbild "Föhnwacht" von 1944. Doch leider ist der Raum durch einen Kiosk beeinträchtigt. Eine Frau von der SBB nennt einen Grund, warum aus ihrer Sicht ein Kiosk manchem Wartsaal durchaus gut tut: "Die Anwesenheit von Kioskangestellten erhöht die Sicherheit der Wartenden und schützt vor Schäden." Ist schon wahr, die Vandalen sind heutzutage überall. Schade ist das trotzdem.

Freitag, 20. Oktober 2017

Weltrekord in Walenstadt

Riesenpbroblem: Steinschlag, hier in Deutschland.
(Bild: Xocolatl/ Wikicommons)
Montag dieser Woche: Bei Walenstadt versammeln sich in einem stillgelegten Steinbruch rund 400 Fachleute aus 42 Ländern. Sie erleben einen Weltrekord. Ein 25-Tonnen-Felsblock wird mit einem Kran hochgehievt, wird dann ausgeklinkt und bringt es auf eine Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern, bis er nach 42 Metern Fall auf ein Steinschlag-Schutznetz trifft. Das Netz hält dem Block stand und stoppt diesen sicher. Eingeladen zu dem Test hat die Firma Geobrugg AG aus Romanshorn, die Sicherheitsnetze herstellt. Ihre neueste Entwicklung soll im November einem letzten Test unterzogen, alsbald zertifiziert und in Serie hergestellt werden - Steinschlag in den Bergen nimmt zu, das Bedürfnis nach solchen Installationen wächst. Gelesen habe ich das alles am Mittwoch in der "Südostschweiz".

P.S. Interessante Firma, diese Geobrugg. Was die dort alles herstellen! Man schaue sich die Homepage an.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Hütet euch in Visp!

Jedesmal beim Umsteigen in Visp denke ich, dass dieser noch recht neue, im Hinblick auf die Inbetriebnahme der Lötschberg-Neat eröffnete Bahnhof eine Fehlkonstruktion ist. Die Perrons sind jeweils, wenn ein gut besetzter Zug ankommt, voll von Menschen, die anstehen müssen, um es in die enge Rampe hinab in die Unterführung zu schaffen. Es wird gedrängelt, geschubst und gerannt, denn die Umsteigezeiten sind knapp bemessen. Würde mich nicht wundern, wenn in Visp mal jemand "vertrampet" würde. Ich finde, dieser Bahnhof ist deutlich zu eng gebaut.

Donnerstag, 31. August 2017

Balancieren unter dem Bürgenstock

Wir gingen zu Fuss zur Obermatt und retour: Widmer am Hang.

Die anderen Gäste kamen so.
Was für ein Indianerpfad! Von Kehrsiten aus, der Talstation der Bürgenstock-Standseilbahn, führt ein Wanderweg, immer in Nähe des Seeufers, durch den Steilhang hinüber zur Obermatt. Dort gibt es eine Anlegestelle und ein Restaurant, das man tatsächlich nur per Privatboot oder zu Fuss erreicht. Es ist weitum bekannt und war recht voll, als wir am Dienstag ankamen; auch die Seepolizei legte gerade an, um sich zu verpflegen. Wir waren vermutlich die einzigen, die gelaufen waren. Der Weg, eineinviertel Stunden Gehzeit, hatte uns alles abverlangt; er ist schlecht markiert und mässig gut unterhalten, man quert Runsen, balanciert über feuchte Felsen, geht auf rutschigem Geröll und kommt einmal durch Gelände, das gemäss Schild in besonderem Masse steinschlaggefährdet ist. Nun, Ronja und ich, wir überstanden die Sache heil. Und assen vorzüglichen Fisch. Die Felchenpiccata war fein und motivierte für den Rückweg nach Kehrsiten. Verschwitzt kamen wir dort an; so endete die letzte Wanderung des Sommers. Morgen kommt der 1. September, es wird regnen und kalt sein, und ich beginne wieder zu arbeiten. Die Ferien sind vorbei. Auch das ist gut so.
Das Restaurant Obermatt, Blickrichtung Kehrsiten.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Ade, Aletschwald!

Das Hotel auf der Riederfurgga am Rand des Rutschgebiets.
Entsetzt las ich vorgestern die NZZ am Sonntag - ich meine die Reportage aus dem Gebiet südlich der Riederfurgga und der Moosfluh auf der Riederalp und der Bettmeralp. Im Sommer 2015 waren wir dort wandern, wunderbar der Aletschwald mit seinen 800-jährigen Arven und darunter der mächtige Eisstrom des Aletschgletschers. Bloss schmilzt der Gletscher derart massiv, dass mittlerweile der Hang über ihm rutscht. Das Gebiet Kalkofen am Wald ist gesperrt worden, überall hat es Risse im Boden, Gefahr lauert. Tod eines Wanderklassikers? Sieht so aus.

PS: Wer wissen will, wie das Sperrgebiet genau umgrenzt ist, findet hier die Information samt Karte.

Montag, 11. Juli 2016

Val Strem ist Sperrzone

Derzeit Sperrgebiet: der untere Teil
des Val Strem (Blick Richtung Sedrun).
Haben das alle gewusst? Ich nicht. Zufällig stiess ich gestern im Internet darauf, dass das Val Strem oberhalb von Sedrun gesperrt ist. Sollte jemand über den Chrüzlipass wandern, also von Sedrun nach Bristen im Urnerland, verlängert sich die Wanderzeit dadurch von knapp sieben auf acht Stunden Gehzeit. Die Umleitung führt via Alp Caschlè in den oberen, nicht betroffenen Teil des Val Strem. Mitte März donnerten 200 000 Kubikmeter Geröll und Fels von der Westflanke des Cuolm da Vi nieder, verschütteten eine wichtige Wasserfassung von Sedrun. Die Gefahr, dass ein zweiter Felssturz passiert, ist nicht gebannt, daher die Sperrung des unteren Talteils bis Bauns.