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Donnerstag, 30. April 2026

Genfer Frühling

"Der Frühling ist da!": offizielles Genfer Communiqué vom 5. März dieses Jahres.
Der Sautier – es kann auch eine Frau sein – steht dem Generalsekretariat des Genfer Kantonsparlaments vor. Eine witzige Pflicht, die zu diesem an sich ernsthaften Amt gehört, steht jeweils gegen Ende des Winters an. So circa ab Mitte Februar geht der Sautier täglich vor dem Regierungsgebäude zu einer bestimmten Rosskastanie. An ihr, dem Marronnier de la Treille, verfolgt er, wie frühe Triebe sich bilden, bis schliesslich das erste Blatt erscheint. Dieses Ereignis verkündet der Sautier in einer Medienmitteilung. Will heissen: Im Kanton Genf wird der Frühling behördlich festgestellt und vermeldet. Erwähnt wird dieses Kuriosum in der neuen "Schweizer Familie" im Rahmen einer grösseren Geschichte über die kleinen Überraschungen, die unser Land birgt. Ich habe diese nicht selber zusammengetragen, sondern einem neuen Buch entnommen.

Mittwoch, 29. April 2026

Luzerner Idyll

Abstieg von der Würzenegg ins Eigental.
Die Pilatuskette ist, vom Eigental gesehen, verwechselbar – 
der Pilatus (l.) wirkt nicht so markant wie aus anderen Winkeln.
1453 erwarb die Stadt Luzern das Eigental, ein Hochtal nördlich der Pilatuskette. Dessen Holz war eine begehrte Ware. Heute sind zwei andere Rohstoffe des Eigentals wichtiger. Zum einen das Wasser: Von hier oben kommt ein guter Teil des Trinkwassers, das 600 Meter tiefer in Luzern konsumiert wird. Das andere Luxusgut, das ist die Natur, das Eigental ist zur Naherholungszone der Stadt Luzern geworden. Seine Staulage begünstigt Regenfälle, so konnten sich mehrere Feuchtgebiete entwickeln, Flach- und Hochmoore. Dies ist ein Amphienlaichgebiet nationaler Bedeutung. Erfreulich, dass sich die Pläne zu Anfang des 20. Jahrhunderts zerschlugen, das Tal mit einer Sperre zu versehen und einen Stausee zu bauen. Am Samstag war das Eigental, wie ich gestern erzählt habe, unser Wanderziel. Wir fanden ein Idyll vor.

Dienstag, 28. April 2026

Dü-Da-Do

In Malters nahmen wir einen Startkafi.
Herzig, oder?
Der "Eigenthalerhof". Schön, hatte es nicht viele Leute.
Biorind-Burger mit Schweizerfähnli.
Wie könnte man bei diesem makellosen Wetter keine gute Laune haben? Die Sonne schien praktisch uneingeschränkt, als wir am Samstag in Malters nach einem Kafi im Restaurant Bahnhof starteten. Zweieinhalb Stunden ging es, bis zur Würzenegg, die meiste Zeit aufwärts, das Tal der Kleinen Emme blieb unter uns zurück, wir hatten bald die Pilatuskette vor Augen samt dem hübschen Mittaggüpfi zur Rechten. Auf der Würzenegg, dem höchsten Punkt der Route, rasteten wir nicht – der Hunger trieb uns weiter. Unten im Eigental gabs eine halbe Stunde später Zmittag im "Eigenthalerhof", der mittlerweile im Selbstbedienungsmodus funktioniert. Wieso auch nicht, wir fanden das kein Problem und mochten im Folgenden unser Essen, rühmenswert war insbesondere der Hamburger mit Biofleisch. Die nächsten knapp anderthalb Stunden waren ein frohes Auslaufen, wir hielten hinüber ins nahe Schwarzenberg und beendeten unsere Luzerner Wanderung dort. Schön, dass uns das Smartphone für die Rückkehr den Bus nach Luzern vorschlug mit einmal Umsteigen beim Holderchäppeli auf die Eigental-Linie mit ihren vielen Kehren. So eine abenteuerliche Postautofahrt ist pures Ferienfeeling, und endlich hörte ich wieder einmal das altvertraute Dü-Da-Do.
Bahnhof Malters – Siten – Guberwald – Würzenegg – Würzen – Rest. Eigenthalerhof – Meiestoos – Lifelen – Schwarzenberg, Ennenmatt. 4 h 30 min. 14 km. 830 Hm aufwärts, 500 Hm abwärts.

Jetzt hat die Landschaft wieder Farbe.
Hinten links zeigt sich Schwarzenberg.

Montag, 27. April 2026

Eine schöne Erinnerung

Genau zehn Jahre sind vergangen seit dem 27. April 2016. Ich kann mich bestens erinnern an die Vernissage im "Miller's" beim Bahnhof Tiefenbrunnen in Zürich, an die vielen Leute, die kamen, an das spassige Gespräch mit meinem Tagikollegen Edgar Schuler. "Schweizer Wunder" heisst das Buch, das staunens- und besuchenswerte Orte überall im Land vorschlägt; es kam nach Erscheinen auf Platz eins der Schweizer Sachbuch-Top-Ten und verkaufte sich super, bis heute sind mehrere Auflagen erschienen. Eine schöne Erinnerung, der Anlass von damals.

Morgen, ich gelobe es, soll es wieder um die Gegenwart gehen – gern werde ich von unserer Samstagswanderung im Luzernischen berichten.

Sonntag, 26. April 2026

Bauchwehalarm

Mmmmm, Mörcheli. Die sind so fein, dass man sie nicht lange kochen will. Nein, kurz anbraten möchte man sie. Oder sie ganz am Ende dem praktisch fertigen Risotto oder dem Rahmsösseli beigeben. 

An sich mag ich sie sehr: die Speisemorchel.
(Foto: Mushroom Observer / Wikicommons)

Falsch, falsch, falsch. Meine Journalistenkollegin Catherine Duttweiler hat kürzlich einen Artikel geschrieben, demzufolge rohe oder nur kurz gekochte Morcheln schon Menschen getötet haben, derweil andere Betroffene mit üblen Magen-Darm-Symptomen auf der Intensivstation landeten. Auch hierzulande. Die Sache ist nicht vollständig klar. Vor allem Billigmorcheln aus Asien scheinen das Problem zu sein, wobei sich das Gift in den Morcheln selber gebildet haben oder von aussen eingedrungen sein könnte. Fachleute schliessen aber keineswegs aus, dass auch hiesige Morcheln Gefahr bergen. Laut der Fachstelle Tox Info Suisse gibt es daher nur eines: Die Morcheln, ob frisch gepflückt oder getrocknet, in Gottes Namen 20 Minuten lang kochen.

Samstag, 25. April 2026

Es tropft

Schönes Badegelände: die Sitter bei Stein AR.
Heute geht es auf die Würzenegg, einen Hügel mit Aussicht südlich von Malters LU. Was bedeutet der Name? Wurzel steckt darin, gemeint ist ein Ort mit Krautbewuchs. In Stein AR, wo ich aufwuchs, gibt es eine Würzen an der Stelle, wo der Weg hinüber nach Haslen AI den steilen Wald an der Sitter erreicht. Hilfe, schon wieder ein Name, der erklärt gehört. Sitter geht zurück auf ein uraltes Wort, das tropfen und fliessen bedeutet. Was die Sitter als Gewässer natürlich tut.

Freitag, 24. April 2026

Martin und Carlo

Martin, hoch zu Ross, zerteilt sein Gewand, den Armen freuts:
Fresko an der Fassade der Kirche San Martino in Calonico.
Im Innern der Kirche: Carlo Borromeo hält Hof.
Die Kirche San Martino, im kleinen Tessiner Dorf Calonico hart am Abgrund auf einen Felsen gestellt, dominiert die Media Leventina, die mittlere Leventina. Wer durch das Tal fährt, kann sie nicht übersehen. So habe auch ich sie schon vor Jahrzehnten erstmals registriert. Habe sie seither immer wieder mal bewundert. Aber nie sie besucht. Bis diesen Montag, als ich San Martino von Chiggiogna aus erwanderte, siehe Eintrag von gestern. Der Kirchturm ist romanisch, wurzelt im Mittelalter, der Rest wurde im 17. Jahrhundert total umgemodelt. Meine Visite begann damit, dass ich die Kirche umrundete und vom Friedhof hinab ins Tal 300 Meter tiefer mit dem Schienenstrang und der Autobahn schaute. Wonach ich eintrat und auch drinnen meine Augen schweifen liess; besonders präsent ist in den verblichenen Fresken Carlo Borromeo, der Mailänder Kardinal, der im 16. Jahrhundert für die Gegenreformation kämpfte, also sowohl die Erneuerung der katholischen Kirche vorantrieb als auch den Kampf gegen den Protestantismus. Das klingt heroisch, heisst aber: Intoleranz, Verfolgung, Folter, Hinrichtung nicht-katholischer Menschen. Carlo Borromeo wurde heiliggesprochen. Ich muss sagen, mir ist der Kirchenpatron von San Martino lieber, der heilige Martin eben, der als Militär mit seinem Schwert den eigenen Rock zerteilte und die Hälfte einem frierenden Armen gab. Und jetzt wieder in die Gegenwart: Ich bin glücklich, San Martino endlich besucht zu haben.
Hinter der Kirche liegt, 300 Meter tiefer, der Talboden der Leventina.

Blick vom Kirchhof Richtung Faido.

Donnerstag, 23. April 2026

Granit und Tiefblicke

Der Wasserfall des Ri della Froda bei Chironico – bzw. ein Teil von ihm.
Die mittlere Leventina mit der Autobahn nah Lavorgo.
Calonico gesehen vom Kirchlein San Martino am Dorfrand.
Die Strada Alta vor Anzonico im Frühlingslicht.
Simpel und sehr fein: mein Essen in Anzonico.
Vieles war schön, vieles gefiel mir auf meiner Montagswanderung von Chiggiogna via Calonico und Anzonico nach Lavorgo. Die erste Attraktion, das war der Wasserfall des Bergbaches Ri della Froda am Dorfrand. Es folgte der Pfad durch einen Wald voller Granitblöcke, an manchen Orten sah ich hinab auf die mittlere Leventina, deren Autobahn fast die ganze Unternehmung über (3 h 20 min, 530 Hm aufwärts, 590 Hm abwärts) zu hören war. Im winzigen Dorf Calonico tat es mir das berühmte Kirchlein an, von dem ich morgen erzählen will. Das nächste Stück, Teil der Strada Alta, führte hinüber ins etwas grössere Dorf Anzonico. Noch mehr Granit und neue Tiefblicke. In Anzonico freute ich mich, die örtliche Osteria offen vorzufinden, ich nahm das Tagesmenü, Zucchettisuppe, dann Schweinsvoressen mit Hörnli, die durchsetzt waren von Kartoffelstücklein. War fein. Dann kam der Abstieg hinab nach Lavorgo, einen Wanderweg gibt es nicht, ich ging die meiste Zeit auf der Strasse mit ihren langen Geraden und engen Kehren. Nur an einer Stelle nahm ich die Abkürzung durch den steilen Hang, der Weg war aber nicht geputzt, meine Schuhe verschwanden im Laub, ich musste höllisch aufpassen, nicht auf einem der verborgenen Geröllbrocken auszurutschen. Nun, ging alles gut. Friedlich am Ende die Heimfahrt, und als ich in Zürich ankam, war der Böögg noch nicht angezündet.
Gleich bin ich unten: die Strasse von Anzonico hinab nach Lavorgo.

Mittwoch, 22. April 2026

Stelle ausgeschrieben

Widmer im Einsatz.
Sucht jemand einen Job, bei dem er oder sie übers Wandern und verwandte Themen schreiben kann? Wie ich bereits berichtet habe, lasse ich mich auf Ende September frühpensionieren. Jetzt ist meine Stelle ausgeschrieben

Dienstag, 21. April 2026

Kräuterfisch?

Mein schöner Teller in Tufertschwil.
Letzte Woche kehrten wir auf der Wanderung von Degersheim nach Lütisburg im "Rössli" in Tufertschwil SG ein. Das Restaurant ist gross, modern und gepaart mit einem Hotelbetrieb. Ich bestellte den, so die Karte, "Thurgauer Kräuterfisch". Gebraten, an Senfsauce, mit Spargelrisotto und Gemüse. Das Gericht mundete, bloss fand ich den Namen des Fisches seltsam. Obskur. Mittlerweile weiss ich: "Kräuterfisch" ist keine zoologische Bezeichnung, sondern Verkaufsdeutsch. Wie ich es vermutet hatte. Um einen Fisch aus der Ordnung der Cypriniden, der Karpfenartigen, handelt es sich. Um einen Karpfen, grob gesagt. Der lebt mit seinesgleichen in Kradolf TG im Zuchtbetrieb Dualfisch und wird mit Kräutern wie Sumpfminze und Mangold gefüttert – mit einer rein vegetarischen Kost. Zurück zu meinem schönen Teller. Ich würde den Kräuterfisch wieder bestellen, rein vom Gout und von der Anmutung her. Obwohl ich es lieber hätte, wenn von "Karpfen" die Rede wäre. Marketingdeutsch mag ich nicht.

Montag, 20. April 2026

Löwenzahn und Bluescht

Wiese bei Unterschauenberg.
Das Kloster Magdenau, Gemeinde Degersheim.
Baumschmuck.
Was für ein schöner, warmer, sonniger Frühlingstag – einer, wie man ihn sich erträumt hatte, während der Winter nicht so richtig enden wollte. Die Wiesen als Löwenzahnteppiche, die Bäume im weissen Bluescht, dunstig die Berge am Horizont. Am Freitag wanderten wir von Degersheim zuerst zum Kloster Magdenau und zur nahen Verenakirche. Zogen dann durch das Hügelland via Spilberg, Unterschauenberg, Winzenberg nach Tufertschwil. Assen dort im Hotel Rössli gut zu Mittag, um im Folgenden quasi als Dessert noch die Strecke hinab nach Lütisburg und zur weit abseits des Dorfes liegenden Bahnstation zu geniessen. War eine gute Unternehmung, die einen Vorgeschmack auf die vor uns liegende Sommerwandersaison lieferte. Ich freue mich.
4 h 30 min. 440 Hm aufwärts, 640 Hm abwärts.
Eher unheimlich: Holzkunst am
Waldweg von Unterschauenberg nach Winzenberg.

Lütisburg voraus.
Die kühne Bahnbrücke über den Gonzenbach im Guggenloch bei Lütisburg.

Sonntag, 19. April 2026

Quellenwandern

Mein grosser Artikel – grosse Bilder/kurze Texte triffts eher – über Quellen hat es auf die Titelseite der "Schweizer Familie" geschafft. Sieht schön aus, finde ich. Gestern stellte ich fest, dass der "Tagi" den Artikel übernommen hat. Also, wer Inspirationen sucht ... Zu den Orten, die zu erwandern ich vorschlage, gehören zum Beispiel die Rinquelle am Walensee, der  Martinsbrunnen im Fricktal oder die Siebenbrunnen-Quelle im Berner Oberland. Acht Quellen aus verschiedenen Landesgegenden sind es insgesamt.

Samstag, 18. April 2026

Wir waren da!

Gestern im "Blick": das grosse Cordon-bleu-Rating.
Im Februar vor zwei Jahren kehrten wir beim Bahnhof Seon-Nord im "Frohsinn" ein, bekannt für seine Cordon bleus. Nachdem wir auf den Nachbartisch geschaut hatten, wo die Leute schon assen, beschlossen Wanderfreundin B. und ich damals, ein Cordon bleu zu teilen. Gute Idee, unser Fleischteil war gut 30 Zentimeter lang und machte uns beide mehr als satt. Gestern nun assen wir im "Rössli" in Tufertschwil SG zu Mittag. Der "Blick" lag herum, die Titelgeschichte handelte vom besten Cordon bleu der Schweiz, ermittelt aufgrund einer Leser-Konsultation. Und wo gibt es dieses Spitzen-Cordon-bleu? Jawohl, im "Frohsinn" in Seon AG. Und wir, mein Grüppli und ich, waren da, was wieder einmal belegt, dass wir den Riecher fürs trendige Restaurant haben. Und jetzt wieder im Ernst: War das Cordon bleu im "Frohsinn" derart super-spitze-überragend? Nein. Es war gut, es mundete, wir hatten nichts zu kritisieren. Aber sicher haben wir seither einige ebenso gute gegessen. Wohl sogar ein, zwei bessere.

Freitag, 17. April 2026

Ingenbohl verdient kräftig

Um mehr als 500 Millionen Franken reicher: das Kloster Ingenbohl nah Brunnen SZ.
Vor ziemlich genau zwei Jahren schauten wir uns, unterwegs auf dem Jakobsweg, das Kloster Ingenbohl an, ein in die Jahre gekommenes, unübersichtliches Konglomerat von Gebäuden. Diese Woche las ich im "Blick", dass das Kloster Ingenbohl das Basler Claraspital verkauft hat, das ihm – wusste ich nicht – bis anhin gehörte. Käuferin ist das Unispital Basel, das etwas mehr als eine halbe Milliarde Franken bezahlte. Die Schwestern von Ingenbohl können das Geld gebrauchen, ihren Hauptsitz konnten sie kaum noch finanzieren, und wirtschaftlich schwächere Aussenstellen des Ordens in Osteuropa, Afrika und Asien sind eigentlich permanent in Nöten. Auch für die gebrechlichen und kranken Mitglieder des überalterten Ordens ist jetzt gesorgt. Was mit dem Rest des Erlöses geschieht, bleibt, so der "Blick", im Dunkeln. Im Claraspital soll unter der neuen Eigentümerschaft ein Basler Krebszentrum entstehen.

Donnerstag, 16. April 2026

Finja?

War eine hübsche Kurztour, die ich am Sonntag in der Nähe der Stadt Bern mit Freund Chrigu unternahm, wobei wir den Nieselregen souverän ignorierten. Wir durchstreiften eine Gegend, die im Bauerntum wurzelt, in der Gegenwart aber Agglogepräge aufweist. Unsere Route: Mattstetten, Dorf (Bus) – Bäriswil – Waffenplatz Sand-Schönbühl – Grauholzdenkmal (Eintrag von gestern) – Moosseedorf – Williwald – Oberzollikofen – Unterzollikofen RBS. Zweieinhalb Stunden brauchten wir, hier vier Fotos.

Ganz in der Nähe des Bahnhofs Schönbühl RBS, wo
wir den Bus nach Mattstetten nahmen, steht das
alte Stationsgebäude der Solothurn-Bern-Bahn. Im Haus
im Heimatstil wird in der Gegenwart betreut gewohnt.

Wie oft ich da wohl durchgefahren bin? Das Nordportal des
Grauholztunnels an der Bahnlinie Bern–Olten bei Mattstetten.

Ein Stöckli in Bäriswil. Rundum bauen sie modern.

Nie gehört, den Vornamen. Er ist
das weibliche Pendant zu "Finn".

Mittwoch, 15. April 2026

Die Schlacht, das Denkmal, der Lärm

Ein Säulenstumpf erinnert an die Schlacht am Grauholz.
Im Hintergrund ist die Autobahn zu sehen und zu hören. Lärmig!

Im Grauholz, einem bewaldeten Höhenzug unweit von Bern, stellen sich bernische Truppen im Frühling 1798 dem französischen Feind entgegen. Ziemlich sinnlos, dieses Unterfangen, die Berner Regierung hat vor der Übermacht der napoleonischen Invasoren eigentlich schon kapituliert. Die Verteidiger, hoffnungslos in der Unterzahl, verlieren die Schlacht, Kommandant Karl Ludwig von Erlach wird kurz darauf bei Wichtrach massakriert. Von einem Mob aus Einheimischen. In diesen Tagen endet die Alte Eidgenossenschaft, deren wichtigste Kraft das bernische Staatswesen war. 1886 wird am Grauholz in der Gemeinde Moosseedorf ein Schlachtdenkmal eingeweiht. Dieses muss 1930 aber einem militärischen Bauvorhaben weichen. 500 Meter weiter westlich vom heutigen Eidgenössischen Waffenplatz Sand-Schönbühl findet das Grauholzdenkmal auf einem kleinen Hügel eine neue Bleibe. Am Sonntag kam ich vorbei. Ich fand den Platz mit dem Säulenstumpf an sich stimmungsvoll. An sich. Ganz in der Nähe führt die Autobahn von Bern Richtung Olten durch. Der Strassenlärm ist ein Stimmungskiller.

Dienstag, 14. April 2026

Der Waldläufer

Auf dem Homberg hoch über Reinach AG sahen wir kürzlich am Waldrand einen Gedenkstein. Gewidmet ist er Theodor Fischer, 1872 bis 1925, das Bronzerelief zeigt einen hageren Mann mit Spitzbart, der ziemlich so aussieht wie Lenin. Das Beiwort "Waldläufer" machte uns neugierig, handelt es sich um einen Spitzensportler von einst? Aber nein. Hier der Lebenslauf in aller Kürze: Theodor Fischer, geboren in Reinach, musste die Kantonsschule in Aarau nach dem Tod des Vaters verlassen, absolvierte eine Lehre als Goldschmied, trat später in die Versicherungsgesellschaft Bâloise ein, leitete dort eine Abteilung. Seine Freizeit widmete er der Natur und der Jagd, lange Jahre betreute er die "Schweizerische Jagdzeitung". Unter dem Pseudoynm "Waldläufer" veröffentlichte er zudem Kurzgeschichten. Und er malte. Auf einem Ausritt verstarb Theodor Fischer bei der Hochwacht auf dem Homberg ganz in der Nähe des Steins, der dort später zur Erinnerung platziert wurde.

Montag, 13. April 2026

Der Knopf von Bern

Das Restaurant Tscharnergut am Dorfplatz des Tscharnerguts.
Sehr praktisch, dieser Knopf.
Am Freitag war ich in Bern-Bethlehem unterwegs im Hochhausviertel Tscharnergut. Mit Freunden. Wir hatten uns dort vor 45 Jahren in einer WG kennengelernt, wohnten lange zusammen und halten seither den Kontakt – dies war eine Tour in unsere Vergangenheit. Toll, wieder einmal über den Dorfplatz und durchs Ladenzentrum zu gehen, der Ort ist keine Schönheit, aber Erinnerungen sind nun einmal Erinnerungen. Ebenfalls ein Nostalgieritual: Wir assen am Dorfplatz im Restaurant Tscharnergut, es war fein wie einst, ich hatte Rahmschnitzel mit Nüdeli. Hilfreich fanden wir den Knopf, den es in diesem Lokal auf jedem Tisch gibt. "Call", man drückt, der Service kommt. So einen Knopf sollte jedes Restaurant haben.

Sonntag, 12. April 2026

Ganso und die Gans

Am Mittwoch waren wir in Gansingen, wo ich auf dem
Dorfplatz dieses Kunstwerk mit Gans fotografierte.

Das Wappen von Gansingen AG.
(Staatskanzlei Aargau / Wikicommons)
Das Wappentier der Gemeinde Gansingen im Fricktal – das ist die Gans. Und wie so oft beruht auch dieses sogenannt sprechende Wappen, das also den Ortsnamen aufnimmt und abbildet, auf einem Missverständnis. Gansingen stammt von einer alemannischen Siedlergestalt namens Ganso, welcher Personenname wiederum abgeleitet ist von ganz im Sinn von: vollständig, gesund, vollkommen. Aber eine Gans ist irgendwie interessanter. Irgendwann wurde um sie auch eine Sage gedichtet. Sie geht so: Als das Dorf noch namenlos war, watschelte als erstes Lebewesen nicht ein Mensch über die kleine Brücke, sondern eine Gans. Worauf man das Dorf Gansingen taufte.

Samstag, 11. April 2026

Visite Nr. 2

Da ist er ja: der Cheisacherturm, 698 Meter über Meer.
Blick vom Turm aufs liebliche Fricktal und weiter Richtung Norden.
Alter Grenzstein mit dem
Berner Bär nah der Sennhütte.
Als wir 2011 zum Cheisacherturm wanderten, war er noch ganz neu. Diesen Mittwoch besuchten wir ihn erneut, er steht halt so attraktiv in der Landschaft – hoch über dem Fricktal zwischen dem Tal des Rheins und dem Tal der Aare. Natürlich stiegen wir auch diesmal auf zur Plattform auf gut 24 Metern, um die Aussicht zu geniessen. Dass wir danach brätleten, habe ich vorgestern voller Begeisterung erzählt. Bleibt die Route nachzutragen: Start in Hornussen und von dort zur Sennhütte, einem Wanderknoten, in dessen Nähe alte Grenzsteine davon zeugen, dass in dieser Gegend einst der Berner Oberaargau der Alten Eidgenossenschaft mit dem habsburgischen Fricktal zusammentraf. Von der Sennhütte wars dann nicht mehr weit zum Turm. Nach dem Brätlen stiegen wir nach Gansingen ab, wo wir uns ein eiskaltes Bier vom Denner genehmigten. War toll, was natürlich auch mit dem wunderbar milden Wetter, dem Sonnenschein und dem voll einsetzenden Bluescht zu tun hat.
3 h 50 min, je 500 Hm auf- und abwärts.
Jetzt blühen sie wieder.

Freitag, 10. April 2026

Ein ruhiger Tag in Gstaad

St. Niklaus in Gstaad an der Dorfpromenade.
Der Kirchenpatron, der heilige Nikolaus.
Für ein Interview reiste ich gestern am frühen Morgen ab nach Gstaad, die Fahrt war dann lang, aber angenehm, ab Spiez war der Zug höchstens halbvoll. Auch in Gstaad war es ruhig, ich war früh dran, kam um halb zehn an, schlenderte durch den Ort, musste noch warten, schaute mich um. Am allerbesten gefiel mir die Niklauskapelle mitten im Dorf. Als sie gebaut wurde, im Jahr 1402, gab es hier noch nicht viel. Es folgte die Demütigung der Reformation, 1556 wurden sämtliche Heiligenbilder und Altäre entfernt. Zu Ende des 19. Jahrhunderts und bis 1923 musste die Kapelle gar als Schulhaus herhalten. Heute aber ist sie wieder ein Gotteshaus, dessen eine Glocke übrigens auf das Jahr 1404 zurückgeht. Gern verbrachte ich eine Viertelstunde im Inneren, es war still, niemand anders war da. Wie schon gesagt: Das war ein ruhiger Tag in Gstaad. Entspannt fuhr ich kurz nach Mittag wieder heim.

PS: Wie die Wanderung zum Cheisacherturm vom Mittwoch verlief, erzähle ich morgen.

Drinnen war ich ganz allein.