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Samstag, 29. August 2026

Der Playboy

Das Grab von Gunter Sachs in Saanen BE, die Schrift auf dem Stein ist stark verblichen.
Saanens schön schlichte Dorfkirche.
Gunter Sachs war Spross einer Industriellenfamilie, Bobfahrer, Fotograf, Filmer, Kunstsammler; sein Urgrossvater war der Opel-Gründer Adam Opel. Als ich ein Bub war, tauchte Gunter Sachs oft in den deutschen Illustrierten auf, die die Welt der Reichen und Schönen vorführten; dort wurde er stets mit dem Beiwort "Playboy" bedacht. Mit der persischen Ex-Königin Soraya hatte er eine Liaison, mit der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot war er drei Jahre verheiratet. 1932 in Deutschland geboren, war Sachs mit der Schweiz eng verbunden, seit er in St. Gallen das Internat "Auf dem Rosenberg" und dann im Engadin das "Lyceum Alpinum Zuoz" besucht hatte, um im Folgenden in Lausanne zu studieren. 2011 schied Gunter Sachs, damals seit Jahrzehnten auch Schweizer, in seinem Haus in Gstaad mit 78 aus dem Leben, er begründete den Suizid mit einer Alzheimer-Erkrankung. Auf dem Friedhof neben der Dorfkirche von Saanen ist er beigesetzt; gestern, als ich dort vorbeischaute, kam ich zum Grabstein.
Gunter Sachs im Jahr 1978.
(Foto: Christof Sonderegger /
ETH-Bibliothek / Wikicommons)

PS: Heute ist "Schweizer Familie"-Wandertag in Gstaad (Teil der Gemeinde Saanen, übrigens). Mit prachtvollem Wetter ist zu rechnen.

Dienstag, 14. Juli 2026

Oberstes Dorf und Ödland

Zelle der Zivilisation: das Kloster Disentis.
Als wir letzten Samstag den Vorderrhein hinauffuhren, dachte ich, dass zwei Ortsnamen in der Kombination eine stimmige Episode zur Besiedlung der Talschaft enthalten. Sumvitg ist gleich summus vicus, höchstes Dorf. Sumvitg war somit als oberster Vorposten am Vorderrhein schon da, als noch etwas weiter oben das Kloster Disentis gegründet wurde; Disentis hat zu tun mit desertus, was verlassen bedeutet. Genau das fanden die Klosterpioniere im achten Jahrhundert dort vor: ödes Land. Was die Dörfer noch weiter hinauf zum Oberalppass, Sedrun etwa, betrifft: Sie gehen auf das Kloster zurück.

Sonntag, 14. Juni 2026

Abwechslung im Aargau

Mal von unten betrachtet: die Brücke über die Reuss
an der Bahnlinie Olten–Lenzburg–Zürich
Fresken von 1440 in Birmenstorf.
In Birmenstorf macht man Wein.
Am Mittwoch wanderten wir vier Stunden, machten dabei je circa 400 Höhenmeter auf- und abwärts. Also nichts wirklich Anstrengendes. Wir starteten am Bahnhof Mellingen-Heitersberg, hielten hinab an die Reuss und folgten ihr bis Birmenstorf. Alsbald ging es aufwärts. Wir durchquerten das Dorf, schauten uns in der Freskenkapelle ebendiese verblichenen Fresken aus dem 15. Jahrhundert an, stiegen im Folgenden auf zur Baldegg mit dem gleichnamigen Ausflugsrestaurant. Zmittag, gemütliche Stimmung, lustige Tischgespräche.  Dann, derweil es zu tröpfeln begann, visierten wir via die imposante Ruine Stein Baden an. Dort waren wir uns am Ende einig: Diese Aargauer Unternehmung war abwechslungsreich. Kurzweilig.
Eines der letzten Fotos der Wanderung: Blick von der Ruine Stein auf Badens Bahnhof.

Samstag, 6. Juni 2026

Arlesheims Stolz

Ich war letzten Mittwoch in Arlesheim BL. Von der Tramhaltestelle "Dorf" aus ging ich auf dem Wanderweg durch den Ortskern, war vorerst nicht wirklich angetan und ... blieb dann abrupt stehen, als ich vor mir einen grossen Platz erblickte, ein Rechteck mit stattlichen Häusern und der Kirche als, sozusagen, Chefin der Anlage. Beeindruckt war ich. Arlesheim, die Gemeinde im Agglogürtel der Stadt Basel, besitzt einen Dom. Eine besondere, wichtige Kirche. Das hat mit der Reformation zu tun. 1529 floh der Fürstbischof aus Basel und liess sich schliesslich in Pruntrut in seinen jurassischen Territorien nieder. Sein Domkapitel wiederum, also das Gremium leitender, ihm zudienender Kirchenmänner, begab sich zunächst ins nahe Deutschland. Und kehrte zurück in die Eidgenossenschaft, genauer gesagt nach Arlesheim, nachdem man den Klerikern dort einen Dom gebaut hatte; er wurde 1681 geweiht. Freilich mussten die Domherren, die am Domplatz residierten, gut 110 Jahre später wieder fliehen, als die Französische Revolution auch hierzulande die alte Ordnung zu bedrohen begann. Der Dom ist geblieben, ein nachträglich rokoko-isierter Prunkbau des Barock. Heute ist er, der zwischenzeitlich als Pferdestall gedient hatte, der Stolz Arlesheims und dessen unbestrittener Mittelpunkt.

Freitag, 5. Juni 2026

Norwegen im Urnerland

Die Haldikapelle auf ihrer Kuppe.
Hier wirtet ein freundlicher Mensch: "Bruno's Gästehaus".
Eigentlich wars mir zu heiss für Kafi Chrüter.
Aber Bruno ist halt ein guter Verkäufer.
Das Haldi, der Urner Gemeinde Schattdorf zugehörig und mit einer kleinen Seilbahn erschlossen, ist ein wundervoller Ort. Richtig überlaufen ist die ausladende Sonnenterrasse eigentlich nie. Man hat Platz, kann ein wenig wandern oder auch ausgiebig – gern würde ich einmal auf das Bälmeter Grätli steigen, das wir mitsamt anderen Bergzielen letzten Samstag vor Augen hatten, als wir zuerst über, dann auf dem Haldi unterwegs waren (siehe Eintrag von gestern über die Tour zur Alp Schilt). Gemütlich das Restaurant, in dem wir einkehrten. Der Wirt in "Bruno's Gästehaus" heisst – richtig! – Bruno. Er erzählte, dass er eigentlich Willisauer ist, also Luzerner, und legte für uns ein paar saftige Würste auf den Grill. So im Schatten, kalte Getränke auf dem Tisch und das Essen im Anzug, kam mir das Haldi vollends vor wie ein Paradies. Ein eigenes Kirchlein haben die dort oben übrigens auch. Die Haldikapelle, 1932 gebaut und ein beliebter Ort zum Heiraten, steht auf einer kleinen Hügelkuppe. Sie ist, las ich auf einer Infotafel, einer norwegischen Stabkirche nachempfunden.
Das Haldi (Bildmitte), gesehen von der Alp Schilt aus.
Der Einschnitt hinter dem Haldi ist das Schächental.

Freitag, 24. April 2026

Martin und Carlo

Martin, hoch zu Ross, zerteilt sein Gewand, den Armen freuts:
Fresko an der Fassade der Kirche San Martino in Calonico.
Im Innern der Kirche: Carlo Borromeo hält Hof.
Die Kirche San Martino, im kleinen Tessiner Dorf Calonico hart am Abgrund auf einen Felsen gestellt, dominiert die Media Leventina, die mittlere Leventina. Wer durch das Tal fährt, kann sie nicht übersehen. So habe auch ich sie schon vor Jahrzehnten erstmals registriert. Habe sie seither immer wieder mal bewundert. Aber nie sie besucht. Bis diesen Montag, als ich San Martino von Chiggiogna aus erwanderte, siehe Eintrag von gestern. Der Kirchturm ist romanisch, wurzelt im Mittelalter, der Rest wurde im 17. Jahrhundert total umgemodelt. Meine Visite begann damit, dass ich die Kirche umrundete und vom Friedhof hinab ins Tal 300 Meter tiefer mit dem Schienenstrang und der Autobahn schaute. Wonach ich eintrat und auch drinnen meine Augen schweifen liess; besonders präsent ist in den verblichenen Fresken Carlo Borromeo, der Mailänder Kardinal, der im 16. Jahrhundert für die Gegenreformation kämpfte, also sowohl die Erneuerung der katholischen Kirche vorantrieb als auch den Kampf gegen den Protestantismus. Das klingt heroisch, heisst aber: Intoleranz, Verfolgung, Folter, Hinrichtung nicht-katholischer Menschen. Carlo Borromeo wurde heiliggesprochen. Ich muss sagen, mir ist der Kirchenpatron von San Martino lieber, der heilige Martin eben, der als Militär mit seinem Schwert den eigenen Rock zerteilte und die Hälfte einem frierenden Armen gab. Und jetzt wieder in die Gegenwart: Ich bin glücklich, San Martino endlich besucht zu haben.
Hinter der Kirche liegt, 300 Meter tiefer, der Talboden der Leventina.

Blick vom Kirchhof Richtung Faido.

Donnerstag, 23. April 2026

Granit und Tiefblicke

Der Wasserfall des Ri della Froda bei Chironico – bzw. ein Teil von ihm.
Die mittlere Leventina mit der Autobahn nah Lavorgo.
Calonico gesehen vom Kirchlein San Martino am Dorfrand.
Die Strada Alta vor Anzonico im Frühlingslicht.
Simpel und sehr fein: mein Essen in Anzonico.
Vieles war schön, vieles gefiel mir auf meiner Montagswanderung von Chiggiogna via Calonico und Anzonico nach Lavorgo. Die erste Attraktion, das war der Wasserfall des Bergbaches Ri della Froda am Dorfrand. Es folgte der Pfad durch einen Wald voller Granitblöcke, an manchen Orten sah ich hinab auf die mittlere Leventina, deren Autobahn fast die ganze Unternehmung über (3 h 20 min, 530 Hm aufwärts, 590 Hm abwärts) zu hören war. Im winzigen Dorf Calonico tat es mir das berühmte Kirchlein an, von dem ich morgen erzählen will. Das nächste Stück, Teil der Strada Alta, führte hinüber ins etwas grössere Dorf Anzonico. Noch mehr Granit und neue Tiefblicke. In Anzonico freute ich mich, die örtliche Osteria offen vorzufinden, ich nahm das Tagesmenü, Zucchettisuppe, dann Schweinsvoressen mit Hörnli, die durchsetzt waren von Kartoffelstücklein. War fein. Dann kam der Abstieg hinab nach Lavorgo, einen Wanderweg gibt es nicht, ich ging die meiste Zeit auf der Strasse mit ihren langen Geraden und engen Kehren. Nur an einer Stelle nahm ich die Abkürzung durch den steilen Hang, der Weg war aber nicht geputzt, meine Schuhe verschwanden im Laub, ich musste höllisch aufpassen, nicht auf einem der verborgenen Geröllbrocken auszurutschen. Nun, ging alles gut. Friedlich am Ende die Heimfahrt, und als ich in Zürich ankam, war der Böögg noch nicht angezündet.
Gleich bin ich unten: die Strasse von Anzonico hinab nach Lavorgo.

Montag, 20. April 2026

Löwenzahn und Bluescht

Wiese bei Unterschauenberg.
Das Kloster Magdenau, Gemeinde Degersheim.
Baumschmuck.
Was für ein schöner, warmer, sonniger Frühlingstag – einer, wie man ihn sich erträumt hatte, während der Winter nicht so richtig enden wollte. Die Wiesen als Löwenzahnteppiche, die Bäume im weissen Bluescht, dunstig die Berge am Horizont. Am Freitag wanderten wir von Degersheim zuerst zum Kloster Magdenau und zur nahen Verenakirche. Zogen dann durch das Hügelland via Spilberg, Unterschauenberg, Winzenberg nach Tufertschwil. Assen dort im Hotel Rössli gut zu Mittag, um im Folgenden quasi als Dessert noch die Strecke hinab nach Lütisburg und zur weit abseits des Dorfes liegenden Bahnstation zu geniessen. War eine gute Unternehmung, die einen Vorgeschmack auf die vor uns liegende Sommerwandersaison lieferte. Ich freue mich.
4 h 30 min. 440 Hm aufwärts, 640 Hm abwärts.
Eher unheimlich: Holzkunst am
Waldweg von Unterschauenberg nach Winzenberg.

Lütisburg voraus.
Die kühne Bahnbrücke über den Gonzenbach im Guggenloch bei Lütisburg.

Freitag, 17. April 2026

Ingenbohl verdient kräftig

Um mehr als 500 Millionen Franken reicher: das Kloster Ingenbohl nah Brunnen SZ.
Vor ziemlich genau zwei Jahren schauten wir uns, unterwegs auf dem Jakobsweg, das Kloster Ingenbohl an, ein in die Jahre gekommenes, unübersichtliches Konglomerat von Gebäuden. Diese Woche las ich im "Blick", dass das Kloster Ingenbohl das Basler Claraspital verkauft hat, das ihm – wusste ich nicht – bis anhin gehörte. Käuferin ist das Unispital Basel, das etwas mehr als eine halbe Milliarde Franken bezahlte. Die Schwestern von Ingenbohl können das Geld gebrauchen, ihren Hauptsitz konnten sie kaum noch finanzieren, und wirtschaftlich schwächere Aussenstellen des Ordens in Osteuropa, Afrika und Asien sind eigentlich permanent in Nöten. Auch für die gebrechlichen und kranken Mitglieder des überalterten Ordens ist jetzt gesorgt. Was mit dem Rest des Erlöses geschieht, bleibt, so der "Blick", im Dunkeln. Im Claraspital soll unter der neuen Eigentümerschaft ein Basler Krebszentrum entstehen.

Freitag, 10. April 2026

Ein ruhiger Tag in Gstaad

St. Niklaus in Gstaad an der Dorfpromenade.
Der Kirchenpatron, der heilige Nikolaus.
Für ein Interview reiste ich gestern am frühen Morgen ab nach Gstaad, die Fahrt war dann lang, aber angenehm, ab Spiez war der Zug höchstens halbvoll. Auch in Gstaad war es ruhig, ich war früh dran, kam um halb zehn an, schlenderte durch den Ort, musste noch warten, schaute mich um. Am allerbesten gefiel mir die Niklauskapelle mitten im Dorf. Als sie gebaut wurde, im Jahr 1402, gab es hier noch nicht viel. Es folgte die Demütigung der Reformation, 1556 wurden sämtliche Heiligenbilder und Altäre entfernt. Zu Ende des 19. Jahrhunderts und bis 1923 musste die Kapelle gar als Schulhaus herhalten. Heute aber ist sie wieder ein Gotteshaus, dessen eine Glocke übrigens auf das Jahr 1404 zurückgeht. Gern verbrachte ich eine Viertelstunde im Inneren, es war still, niemand anders war da. Wie schon gesagt: Das war ein ruhiger Tag in Gstaad. Entspannt fuhr ich kurz nach Mittag wieder heim.

PS: Wie die Wanderung zum Cheisacherturm vom Mittwoch verlief, erzähle ich morgen.

Drinnen war ich ganz allein.

Dienstag, 7. April 2026

Hofvisite

Der Klosterstaat der St. Galler Fürstäbte. Die
Stadt Wil findet man am westlichsten Punkt
der "Alten Landschaft" (grün), dem Fürstenland.
(Illustrierte Karte: Marco Zanoli / Wikicommons)
Die Fürstäbte von St. Gallen waren mächtige Herren, ihnen gehörte zeitweise das ganze Toggenburg sowie der flache und fruchtbare Landstrich von Rorschach am Bodensee bis Wil. Weil die geistlichen Herren sich in St. Gallen ob diverser Konflikte mit der Stadt bisweilen nicht wohl fühlten, seit der Reformation sowieso nicht mehr, hausten sie über Jahrhunderte, mit Unterbrüchen, in Wil. Ihr Prunkgebäude dort, das war der Hof zu Wil, den wir am Samstag gebührend bewunderten, während wir durch die prachtvolle Altstadt hinab zum Bahnhof zogen. Wil ist den meisten Leuten nur vom Durchfahren bekannt. Ich rate, dort stadtzubummeln.
Ein Stadtbummel lohnt sich: Wil mit dem Hof zu Wil (rechts oben).

Montag, 23. März 2026

Regula und der Schultheissensaal

Gediegen, der Schultheissensaal im ersten Stock der Bibliothek Münstergasse in Bern. Und ein wenig einschüchternd – es sind die Gnädigen Herren von einst, die da aus den Gemälden der Galerie auf einen niederblicken. Die Stadtchefs. Am Samstag sass ich mit vielen anderen Leuten im Saal, eine Buchvernissage, Regula Tanner, die in Steffisburg das "Leseglück" betreibt, Bücherbrocki, Veranstaltungsort, Kafi-Kuchen-Treff in einem – diese Regula Tanner, die auch für die "Schweizer Familie" schreibt, stellte ihr neues Buch vor. In "Schweiz erlesen" präsentiert sie 55 literarische Orte im ganzen Land, die mit Büchern zu tun haben. Die Stiftsbibliothek St. Gallen ist darunter. Aber auch das "Centre Dürrenmatt" in Neuenburg. Das verrückte "B2 Hotel" in Zürich mit 33'000 Büchern (zu sehen auf dem Vorderdeckel). Und natürlich der Berner Schultheissensaal. Ich kann Regulas Buch nur empfehlen, es ist mit Liebe geschrieben. Und garantiert bietet es staunenswerte Ziele für Ausflüge.

Samstag, 7. März 2026

Beherzter Samichlaus

Zweimal der heilige Nikolaus. Die linke Szene zeigt, wie er beherzt
ins Schwert des Scharfrichters greift, rechts ist er auf dem Totenbett zu sehen.
Verrückt, was der heilige Nikolaus von Myra alles an Wundern geleistet haben soll. Er erweckt Schüler wieder, die ein böser Metzger geschlachtet hat. Er schafft ein in ferne Gefilde entführtes Kind mithilfe eines Wirbelwindes zurück zu den Eltern. Er reanimiert einen Ertrunkenen. Er verschafft in einer Hungersnot den Menschen Korn, ein spezielles Gewächs, das nie zur Neige geht. Und so weiter. In der reformierten Kirche von Hemmental SH, die wir uns am Mittwoch zu Ende unserer Randentour anschauten, gibt es ein Doppelfresko aus dem ausgehenden Mittelalter zu sehen. Es zeigt zum einen Nikolaus auf dem Totenbett. Und zum anderen Nikolaus, wie er gerade noch drei zu Unrecht zum Tode verurteilte Jünglinge vor dem Schwert eines Scharfrichters bewahren kann. Schon wieder eine gute Tat des Mannes, den wir als "Samichlaus" kennen.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Himmlische Spediteure

Die Santa Casa in der Basilika von Loreto in Italien.
(Foto: Zorro 2212 / Wikicommons)
Engel tragen die Santa Casa von Nazareth nach Loreto.
Gemälde des 16. Jahrhunderts aus Brügge. (Wikicommons)
Die Loretokapelle auf dem Achenberg.
Gestern erzählte ich vom Achenberg in der Nähe von Zurzach und von der dortigen, 1662 fertiggestellten Loretokapelle mit der Schwarzen Madonna. Aber was ist eine Loretokapelle überhaupt? Ich musste das selber nachschlagen. Nun, das Original findet sich als Haus im Haus im Wallfahrtsort Loreto bei Ancona in Italien. Dort gibt es eine Basillika, in der das Wohnhaus der heiligen Familie steht. Angeblich. Engel sollen das Wohnhaus, die sogenannte Santa Casa, im 13. Jahrhundert von Nazareth nach Loreto gebracht haben als sozusagen himmlische Spediteure. Später breiteten sich Imitationen oder nachempfundene Bauten der Santa Casa zu Loreto in ganz Europa aus. Vor allem in der Gegenreformation war dies der Fall, in der die katholische Kirche ab 1545 die sich ausbreitende Reformation zu bremsen versuchte mit neuen Glaubensprojekten.

Dienstag, 24. Februar 2026

Schwarzer Samstag

Dreimal Achenberg: Dahomey-Zwergrinder (Foto: Ronja) im Stall,
Madonna in der Loretokapelle, Hausbier in der Achenberg-Wirtschaft.
Obiger Titel bezieht sich auf den Achenberg, Gemeinde Zurzach AG, den wir am Samstag überschritten. Gleich drei Dinge waren im Miniweiler schwarz:

  1. die Madonna in der Loretokapelle, einem beliebten Pilgerort. 1660 bis 1662 wurde die Kapelle gebaut. Die ursprüngliche Schwarze Madonna musste dann vor 61 Jahren bei der Kapellenrenovation weichen. Ihre Nachfolgerin wurde 2005 platziert und stammt von einem Zürcher Bildhauer.
  2. das Vieh auf dem Bauernhof. Es handelt sich um Dahomey-Zwergrinder. Die Rasse kam Anfang des 20. Jahrhunderts von Belgisch Kongo nach Europa, als der Zoo von Antwerpen in Belgien Raubtiere einführte und mit ihnen gleich deren Futter (ja, ich weiss, brutal). Ihren Ursprung hat dieses Zwergrind im afrikanischen Dahomey, heute Benin.
  3. das Hausbier im Restaurant Achenberg. Die "Birra Madonna Negra", Bier Schwarze Madonna, wurde zur Feier der neuen Madonnenstatue 2005 lanciert. Obwohl es elf Uhr war, also früh für Alkohol, bestellte ich ein Herrgöttli – journalistische Pflicht, da opfert man sich halt. Es ähnelt dem irischen Guinness, ist aber luftiger, ist leicht säuerlich und prickelt irgendwie im Mund. Man entschuldige die mangelhafte Beschreibung, ich bin kein Bier-Sommelier.

Mittwoch, 28. Januar 2026

Ein Römer in Solothurn


Darf ich vorstellen? Das ist Candidus. Er lebte im 4. Jahrhundert nach Christus in Rom, starb jung, mit etwa 20 Jahren, wurde unterirdisch begraben in einer der Katakomben, deren Entdeckung mehr als tausend Jahre später das katholische Abendland beflügelte – man nahm an, dass all die Toten zu Lebzeiten Christen gewesen waren. Verfolgte. Märtyrer. Heilige. Viele von ihnen, also ihre Reste, wurden über die Alpen geschafft, auch in der Schweiz gibt es an einigen Orten, etwa in der Klosterkirche Rheinau ZH, Katakombenheilige. Zurück zu Candidus: Er wurde, salopp gesagt, in Solothurn eingebürgert, wo er auch seinen Namen erhielt und die längste Zeit im Frauenkloster Namen Jesu aufbewahrt wurde. Ich fotografierte den jungen Mann respektive sein mit Gaze verhülltes, nach Art eines römischen Legionärs gepanzertes, mit kostbaren Steinen veredeltes Skelett im Historischen Museum Blumenstein in Solothurn.

PS: Heute gehe ich nach längerer Pause (Grippe) wieder wandern. Am Bodensee. Freue mich.

Montag, 26. Januar 2026

Halb St. Gallerin, halb Schwyzerin

Was sein muss, muss sein: Das Zürcher Grossmünster ist
derzeit eingerüstet. Hinten rechts das Fraumünster.
Aus einem Infoplakat am Grossmünster-Bauzaun.
Kürzlich kämpfte ich mich in Zürich durchs Oberdorf, die breite Gasse ist abschnittweise zu einem schmalen Pfad reduziert mit Baugruben links und rechts. Im Niederdorf sieht es ähnlich aus. Und auch an meiner Lieblingskirche, dem Grossmünster, wird gearbeitet. Es ist samt den Türmen eingerüstet, die gesamte Aussenhülle soll bis ins Jahr 2028 etappenweise aufgefrischt werden. Interessant fand ich die Erklärplakate mit historischen Informationen an der Abschrankung. Jetzt weiss ich, dass die Steine für das Grossmünster aus zwei Brüchen am oberen Zürichsee stammen, der eine in Bollingen SG gelegen und der andere vis-à-vis am Buechberg SZ. Per Lastkahn wurden die Steine einst angeliefert. Mit anderen Worten: Zürichs Wahrzeichen ist halb St. Gallerin und halb Schwyzerin.