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Sonntag, 10. August 2025

Tod eines Ballonsoldaten

"Jura", erschienen im AT Verlag.
In neuen Wanderbüchern schneugge ich gern, suche nach Ideen und Zielen. Der Führer "Jura. Wilde Kreten, historische Orte und sagenhafte Plätze", im laufenden Jahr erschienen, strotzt vor Geschichten. Zum Beispiel ist da die traurige Begebenheit, die in der Gemeinde La Baroche spielt, heute Kanton Jura. Im Ersten Weltkrieg. Auf der Anhöhe Bellevue in Miécourt an der Grenze zu Frankreich ist ein Beobachtungsposten eingerichtet, von dem aus Schweizer Soldaten nach feindlichen Truppen Ausschau halten. Der junge Leutnant Walter Flury, ein Grenchner, steigt 1918, kurz vor Kriegsende, in einem mit einer Schweizerfahne gekennzeichneten Fesselballon auf 1000 Meter Höhe auf. Da nahen zwei deutsche Jagdflugzeuge. Flury gibt ein Hornsignal, seine Kameraden sollen den Ballon zur Erde ziehen. Zu spät. Die Deutschen eröffnen das Feuer, Flury hat keine Chance. Wo der brennende Ballon niederstürzte, steht heute ein Gedenkstein für den ersten Toten der – jawohl, die gab es – Schweizer Ballontruppen. Die Koordinaten, falls jemand hin will: 579888 254207.

Freitag, 8. August 2025

Neue Hütte, neuer Hund

Die Bortelhütte. Von hier kann man via die Bortellücke nach Italien gelangen.
Auffallend gepflegter Weg zur Hütte.
Knopfartige Blüten: Rainfarn.
Die Bortelhütte, grenznahes Simplongebiet, wurde im Zweiten Weltkrieg für militärische Zwecke gebaut. Das mag die auffallende Qualität des Kehrenweges erklären, der die Hütte von Berisal her erschliesst: Er ist breit und zu einem guten Teil mit Steinplatten belegt. Ruppig ist an diesem Weg gar nichts. Mittlerweile ist es längst der Skiclub Simplon Brig, dem die Bortelhütte gehört, sie ist ein ziviles Ziel. Am Mittwoch stieg ich, begleitet von Ronja, von der Bushaltestelle "Berisal, Kehr" via Tamatta auf; wundervoll, wie wir gleich nach dem Start an der lärmigen, vom Schwerverkehr Richtung Italien genutzten Simplonstrasse in ein stilles Seitental gerieten. Gut anderthalb Stunden brauchten wir bis zur Hütte und waren überrascht, wie viel Volk dort kurz nach elf Uhr schon sass. Nun, die meisten Leute waren Frauen aus der Region, Mitglieder eines gfürchelig fitten Bergwanderclubs für Seniorinnen, die die gleiche Route machten wie wir – hinüber nach Rosswald. Diese zweite Hälfte unserer Wanderung ist einen eigenen Eintrag wert, sie führt gleich an zwei Suonen entlang. Mehr davon morgen und noch einmal zur Bortelhütte: Wir trafen auch einen mit seiner Besitzerfamilie angerückten Grosshund an. Einen Weimaraner. Das Tierli erwies sich als liebenswert und schleckte mir brav die Hand ab. Weimaraner wurden einst am Hof zu Weimar gehalten in jener Epoche, als Deutschland noch aus einzelnen Kleinreichen bestand. Schön: Ich habe während dieser Unternehmung eine neue Hütte kennengelernt. Und eine neue Hunderasse.
Der Weimaraner gleich neben mir. Ein sehr entspanntes Höndli.

Freitag, 18. Juli 2025

Das Kraxelbergli

Auf den wollen wir: Der Sasso Gordona, gesehen vom Poncione di Cabbio.
Unser Ziel von unten, vom Rifugio di Prabello.
Oben hatten wir den Comersee zu Füssen.
Italienischer Schmetterling.
Wanderfreund Peider und ich bewiesen am frühen Mittwoch im Zug 6 Uhr 05 ab Zürich Richtung Locarno Flexibilität. Die Idee war eigentlich, via Göschenen und Andermatt auf den Oberalppass zu fahren und den Pazolastock zu besteigen. Doch hatte sich die Prognose für die Schweiz nördlich der Alpen verschlechtert, von "bewölkt" am Vorabend zu "Regen" an diesem Morgen. Und so formulierten wir während der Fahrt über einem Kafi gemütlich einen neuen Plan und reisten ins Südtessin. Dort schien tatsächlich die Sonne. Auf der folgenden Wanderung überschritten wir knapp die Grenze zu Italien und standen nach leichter Kraxelei (gut, hatte es Ketten) auf dem Sasso Gordona, einem mit 1410 Metern über Meer vergleichsweise niedrigen Gipfel hoch über dem Comersee. Glücksgefühle. Um 5 Uhr 22 war ich zuhause im Zollikerberg abgereist, um 21 Uhr 01 kam ich wieder daheim an – die Tage, an denen man im Tessin wandert, sind lang. Aber praktisch immer lohnt sich das.
In der Flanke des Sasso Gordona
finden sich viele Bunker aus der Zeit
des Deutsch-Französischen Kriegs
1870/71 und des Ersten Weltkriegs.

Samstag, 10. Mai 2025

Bunkerwandern

Auf der Tüfels Chanzel, unten strömt der Rhein.
Poppige Camouflage: einer der Bunker auf dem Ebersberg.
Die Wanderung war mit einer Gehzeit von knapp drei Stunden bei 330 Höhenmetern aufwärts und 420 Höhenmetern abwärts weder lang noch streng. Aber abwechslungsreich war sie. Am Mittwoch gingen wir von Teufen über den Irchel nach Flaach. Züribiet also. Wir bekamen serviert:

  • zwei Aussichtspunkte, zuerst die Hochwacht auf dem Irchel und dann die Tüfels Chanzle auf dem Ebersberg.
  • eine Höhle, die Brueder-Lienert-Höhle, von der ich gestern erzählt habe.
  • eine Serie von Bunkern des Artilleriewerks Rüdlingen auf dem Ebersberg. Apart, wie sie in den Hang eingepasst sind. Und diese poppigen Camouflagefassaden.
  • Flaacher Spargel. Wo genau wir diesen zu uns nahmen, wird morgen ausgebreitet.
    Süss, oder? Das Bänkli vor der Bäckerei Schneider in Flaach.

Mittwoch, 18. September 2024

Der Militärkoffer

Offiziere führten früher reichlich Gepäck mit sich: Koffer im Schloss Morges. (Foto: Ronja)

Einst fuhr diesen Töff ein Waadtländer Polizist.
Schloss Morges ist eine wuchtige Burg. Viereckig, errichtet im Schema des carré savoyard; der Fachbegriff bezeichnet einen viereckigen Burgen-Grundriss, wie ihn die Savoyer oft anwendeten. Schloss Morges bauten sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts, später übernahmen die Berner das Gemäuer. Letzten Samstag besichtigten wir dieses, stiegen auf zum Innenhof und noch höher zum Wehrgang mit den Schiessscharten und den runden Ecktürmen. Durchschritten Ausstellungen, die sich mit der Armee, dem Schweizer Söldnerwesen und der Polizei des Kantons Waadt befassen. Modern ist an der Art, wie die Exponate gezeigt werden, gar nichts. Was auch seine Vorteile hat, oft ist diese Art von altmodischem Museum trouvaillenreich. Interessant fand ich eine riesige Kiste, die in der Form einem Sarg ähnelt. Es handelt sich um eine Rarität, einen Koffer, wie ihn Offiziere zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Feldzüge mitnahmen. Der Militärkoffer von Morges soll einem Freiburger Oberst gehört haben, der Napoleon begleitete, als dieser Russland angriff.
Der Innenhof des Schlosses.

Dienstag, 18. Juni 2024

Tiberius, Drusus und der Römerturm

Die Bushaltestelle Römerturm in Filzbach auf dem Kerenzerberg.
Mauerreste des antiken Militärturms am Haus
neben dem Hotel Römerturm, unten der Walensee.
Im Jahre 15 vor Christus machen sich Tiberius und Drusus, die Adoptivsöhne des Kaisers Augustus, daran, die Alpen zu erobern und deren Stämme zu unterwerfen. Gleich drei Militäreinrichtungen entstehen damals am Walensee, es sind die sogenannten Walenseetürme:

  • Turm 1 bei der Stralegg nah Betlis am Nordufer des Walensees.
  • Turm 2 auf dem Biberlikopf, jenem niedrigen Hoger gleich neben dem heutigen Bahnhof Ziegelbrücke, den der Zug Richtung Chur in einem Tunnel durchfährt.
  • Turm 3 in Filzbach auf dem Kerenzerberg bei Voremwald, nach ihm, "Römerturm" genannt, sind ein Hotel und die Bushaltestelle vor dem Hotel benannt. Viel ist vor Ort nicht zu sehen, ein paar rudimentäre Mauerreste, die ich mir zum Ende meiner Kerenzerbergtour letzten Mittwoch anschaute. Der Turm war jedenfalls bestens platziert, die Legionäre kontrollierten den Landweg, der hier vorbeiführte, unten am See gab es damals keine Wege, dort nahm man das Boot. Wer mehr wissen will: Hier ein interessanter archäologischer Artikel zu diesem und den anderen beiden Walenseetürmen.
PS: Zwischen Obstalden und Filzbach wanderte ich durch die "Alte Gasse", Teilstück der alten Fernverbindung von Splügen via Chur nach Zürich. Der Weg soll auf die Römerzeit zurückgehen. Jahrhunderte später nahmen die Leute vom Kerenzerberg diesen Weg zur Messe in Schänis.

Dienstag, 12. März 2024

Säulen, die schweben

Die Bar im "Kunst(Zeug)Haus" Rapperswil.
Der Ort von aussen.

Das Dach über dem Obergeschoss ist selber Kunst.

Rapperswil hatte im Mittelalter und auch später kein eigentliches Zeughaus. Waffen, anderes Kriegsgerät und Munition wurden im Schloss und im Rathaus gelagert. Im jungen Schweizer Bundesstaat wurde die St. Galler Stadt dann zum Standort eines von mehreren eidgenössischen Zeughäusern bestimmt. 1861 und 1862 entstand der Bau, wurde 1905 erweitert. In der Gegenwart hat das Militär das Areal preisgegeben: Das Zeughaus wurde 1998 umgebaut und später zum "Kunst(Zeug)Haus" umfunktioniert. Am Sonntag besuchte ich eine Ausstellung im lichtdurchfluteten Obergeschoss. "Humaine Nature" zeigt Werke des Franzosen Benoît Billotte, die sich in der Weite des Raumes überhaupt erst entfalten können. Besonders gefielen mir die textilen Säulen, die über dem Boden schweben. Bis zum 5. Mai dauert die Ausstellung, die Visite lohnt sich auch wegen der schicken Bar im Erdgeschoss. Dort trank ich das Bier "Wanderlust", von dem ich gestern erzählt habe.
Stoffsäulen: Benoît Billottes "Au fil des temps".

Sonntag, 13. November 2022

Schon wieder Guscha

Gestern auf Guscha, das übrigens zur Gemeinde Maienfeld gehört.
Die Berge hinten sind der Tannkopf (bewaldet) und der Gir (rechts davon).
Mittag, die freiwilligen Helferinnen und
Helfer nehmen grad den Apero.
Kartoffelstock mit Seeli und Braten.
Die Walser, aus dem Oberwallis ausgewandert, siedelten schon im Mittelalter hoch über dem Rheintal und rodeten dort so manchen steilen Hang. Guscha, das Walserdorf auf 1100 Metern hoch über der St. Luzisteig in der Bündner Herrschaft, zählte einst an die 180 Menschen, die vorwiegend von der Landwirtschaft lebten. Im 19. Jahrhundert begann dann die Abwanderung, 1969 zog die letzte Familie weg. Der Bund sicherte sich darauf die Siedlung für militärische Zwecke, mir ist nicht ganz klar, ob die Armee auf oder bei Guscha Schiessübungen durchführen wollte. Oder ob es darum ging, den Waffenplatz St. Luzisteig 400 Meter tiefer samt der Festung Sargans gegen einen fremden Zugriff aus der Höhe abzusichern; die Grenze zu Liechtenstein verläuft ganz nah beim Dorf, die zu Österreich ist auch nicht weit. Und dann bildete sich 1974 der Verein "Pro Guscha", der mit dem Bund vereinbarte, sich um die verlassenen Gebäude und Ställe auf Guscha zu kümmern, die zu verkommen drohten. Gestern stiegen wir von Fläsch nach Guscha auf, waren begeistert von der Sicht aufs Sarganserland, die Bündner Herrschaft und die Gegend um Balzers, direkt unter uns breitete sich ein Nebelmeer aus. Sehr gut war das Essen im kleinen, an Wochenenden von Freiwilligen betriebenen Restaurant, wir hatten reserviert, es gab Braten mit Kartoffelstock und Gemüse. Rund um uns war viel Betrieb, denn just an diesem Tag waren Helferinnen und Helfer aus dem Tal am Werk und legten an diversen Orten im Dorf Hand an – Guscha will instandgehalten sein. 

P.S. Vor zwei Wochen bestiegen wir den Berg Guscha am Flumserberg. Mit der gleichnamigen Siedlung hat er nichts gemein ausser eben dem Namen. Was der bedeutet – ich habe es kürzlich hier dargelegt.

Blick von Guscha auf den Nebel im Einschnitt der St. Luzisteig.

Donnerstag, 4. August 2022

Die Metro im Berg

Einsteigen, bitte! Die Festungsmetro (links) im Gotthard.
Wir gingen im Sasso da Pigna sicher zwei Kilometer zu Fuss.
Nun ja, im Gegensatz zu Adolf Hitler
gibt es die Eiterbeule nach wie vor:
Detail aus einer Ausstellung im Berg.
Am Dienstag, auf rund 2200 Metern über Meer, froren wir. Richtig klamm war uns den Windjacken zum Trotz, die wir aus den Rucksäcken geholt hatten. Im Sasso da Pigna waren wir unterwegs, der während des Zweiten Weltkrieges gebauten Artilleriefestung, die bis 1998 in Betrieb war und seit zehn Jahren als Museo Sasso San Gottardo zugänglich ist. Man kann in der in den Berg gezwungenen Anlage jede Menge Dinge unternehmen, es gibt verschiedene Rundgänge, wir entschieden uns für den "Grossen Rundgang", Dauer zwei Stunden oder etwas mehr. Er besteht daraus, dass man zum einen verschiedene Ausstellungen und Räume besucht, darunter ist die opulente Ausstellung über Goethe am Gotthard; keine Angst, in den Ausstellungsräumen wird geheizt. Zum anderen durchschreitet man eine Ebene höher die alten Mannschaftsquartiere und Kampfstellungen; beim einen Kanonenraum gibt es eine Tür, durch die man aus dem Dunkel mal kurz auf eine Terrasse im gleissenden Sonnenlicht tritt, grossartig. Zwischen den beiden Teilen, unten und oben, verkehrt im Berg die "Metro del Sasso", ein Schrägaufzug über eine Höhendifferenz von 80 Metern, der mit dem Museum eröffnet wurde. Also, Leute, wenn ihr mal Ferien vom Sommer machen wollt und nicht unter Platzangst leidet – ab zum Gotthard.

P.S. In der Metro drehte ich ein Kurzfilmli.
Wieder draussen: Eingang zum Sasso da Pigna.
Vom Gotthard-Hospiz bis hierhin sind es 300 Meter.

Samstag, 28. Mai 2022

Der Waffenplatzzug

2012, der Tag, an dem die Tour de France in der Ajoie gastierte. Das Foto
zeigt einen Zug mit Publikum, der von Bure her kommend kurz vor
dem Bahnhof Courtemaîche die reguläre Linie Pruntrut–Delle (r.) erreicht.
(Foto: Stéphane Gottraux / Wikicommons)

Am Mittwoch auf meiner Ajoie-Tour von Buix nach Boncourt sah ich beim Weiler Vâloin Zugschienen. Freilich kam ich ihnen nicht näher, weil mein Weg gleich in den Wald abbog. Ich auch. Zuhause fand ich schnell heraus, dass es sich um die Bahnstrecke handelt, die bei Courtemaîche von der Linie Pruntrut–Boncourt–Delle abbiegt und nach Bure führt. Genauer gesagt zum Waffenplatz von Bure. 4,7 Kilometer lang ist diese Seitenstrecke, die nur für militärische Zwecke genutzt wird, eine Steilpassage mit besonderen Fahrvorschriften enthält und nicht der SBB gehört, sondern dem Militärdepartement. Als Tourist wird man somit nie per Zug nach Bure fahren. Wobei man bekanntlich nie "nie" sagen soll. Als 2012 an der Tour de France Pruntrut Etappenziel war, diente der Waffenplatz von Bure als Parkplatz. Das Publikum, enorm viel Volk, wurde von dort mit Shuttlezügen nach Pruntrut befördert. Wer weiss, vielleicht gibts ja wieder einmal solche Sonderfährtli.

Dienstag, 24. Mai 2022

Die Sprecher und ihre Burg

Theophil Sprecher von Bernegg,
1850–1927. (Wikicommons)
Beim Bündner Geschlechtsnamen "Sprecher" kommt mir immer grad "Sprecher von Bernegg" in den Sinn. Und da vor allem der in unserer Neuzeit besonders bekannt gewordene Theophil von Sprecher. In der Generalswahl vom August 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs, die reichlich unsauber ablief, obsiegte sein Konkurrent Ulrich Wille, der in Hamburg geboren worden und am Zürichsee aufgewachsen war. Wille, Oberbefehlshaber der Kriegszeit, deutschfreundlich gesinnt und ein Anhänger der preussischen Militärtradition, konnte weder richtig Schweizerdeutsch, noch sprach er eine andere Landessprache fliessend. Sprecher von Bernegg, der in der Wahl Unterlegene, wurde dann quasi kompensativ zum Generalstabschef ernannt. Am Samstag passierten wir in Calfreisen die Ruine der Burg Bernegg, von der die Sprecher ihren Beinamen ableiten. Die Vorfahren kamen wohl aus dem Fondei, einem Seitental bei Langwies ebenfalls im Schanfigg. Was den Familiennamen angeht: "Sprecher" ist verkürzt für "Fürsprecher"; die begüterte Sippe brachte viele Anwälte und Notare hervor, die dann auch in die Politik gingen. 
Die Ruine der Burg Bernegg am Rand von Calfreisen im Schanfigg.

Samstag, 7. Mai 2022

Zuerst Stollen, dann Schlucht

Die Kanderschlucht bei Gwatt war zuallererst ein Kanderstollen.
Dieser Tage bin ich des öftern in der Gegend von Thun und am linken Thunerseeufer unterwegs. Wegen eines Artikels. Unlängst fotografierte ich vom Strättligsteg aus, etwas oberhalb von Gwatt und einen Kilometer von der Einmündung der Kander in den See entfernt, die Kanderschlucht. Und ich dachte: Hach, schon erstaunlich, wie ein Fluss in tausenden Jahren eine beeindruckende Schlucht wie diese ins Gelände frisst. Blödsinn! Die Kander floss die längste Zeit nicht in den Thunersee wie heute, sondern strebte via Allmendingen und die Thuner Allmend der Aare zu. Weil sie dabei viel Land überschwemmte, baute man einen Stollen zum Thunersee. 1713 erfolgte der Durchstich. Man hatte freilich die Gewalt des Wassers unterschätzt, nach wenigen Monaten stürzte der Stollen ein – voilà die Kanderschlucht. Das Projekt war im Übrigen keine wirkliche Lösung für die Probleme mit der Kander, die nun einfach das Volumen des Thunersees derart vergrösserte, dass dieser ab und zu die Stadt Thun überflutete. Der Projektleiter riskierte, gelyncht zu werden, und musste aus Thun fliehen. Eine Reihe weiterer Meliorierungen wurde nötig. Immerhin gewann man dank der Kander-Umleitung westlich von Thun viel guten Boden. Dort entstand später der Waffenplatz Thun, der grösste Waffenplatz der Schweiz.

Donnerstag, 31. März 2022

Der Fünfeinhalb-Meter-Aargauer

Viel Wasser war da grad nicht: der Wasserfall des Linner Baches.
Der schmucke Bunker weiter unten am Linner Bach stammt
aus dem Zweiten Weltkrieg und gehört mittlerweile dem
Verein Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal.

Am Montag war ich im Fricktal unterwegs. Besonders lang war die Route mit drei Stunden Gehzeit nicht, hier ist sie: Effingen, Dorf – Schwerzbrünnli – ausgeschilderter Weg zur Bruderhöhle – Bruderhöhle – Rebmatt – Sagimühlital – Effingen, Station – Stiegli – Zeihen – Oberdorf – Eichhof – Hundrai – Rodung – Herznach, Post (300 Meter aufwärts, 315 abwärts). Besonders gefiel mir die Umgebung des kleines Steinbruches hinten im Sagimühlital. Gleich drei Bäche treffen sich dort, der Linner Bach, der Gallenkircher Bach und ein namenloses Gewässer. Alle haben sie Wasserfälle gebildet. Derjenige des Linner Baches gilt mit knapp fünfeinhalb Metern Höhe gar als höchster Wasserfall des Kantons Aargau. Wer auch hin will – heute und in den nächsten Tagen dürften alle drei Fälle wesentlich eindrücklicher sein. Als ich sie mir anschaute, war das Wasser nach der langen Trockenperiode grad knapp.

Freitag, 12. November 2021

Der General aus Payerne


Antoine-Henri Jomini, geboren 1779 in Payerne, wo ich unlängst seine Statue fotografierte – dieser Waadtländer brachte es als Quereinsteiger aus dem Handels- und Bankengewerbe zum General. Er lebte, das erklärt es zum Teil, in der turbulenten Epoche, in der Napoleon Europa mit Krieg überzog und umkrempelte; bewegte Zeiten bewirken so manchen unkonventionellen Lebenslauf. Jomini beschäftigte sich hobbymässig mit Militärfragen, wurde Adjutant des Kriegsministers der Helvetischen Republik und stieg in dessen Ministerium zum Sekretariatsleiter auf, womit der Hauptmannsrang verbunden war. Als Planer und Spezialist für Organisationsfragen machte er sich einen Namen. 1801, blutjung noch, zog er nach Paris und veröffentlichte dort ein fünfbändiges Werk über Heerestaktik. Unter Marschall Ney machte er in Napoleons Armee Karriere, stieg zum Brigadegeneral auf, nahm am desatrösen Russland-Feldzug der Franzosen mit und wechselte alsbald in den Dienst des Zaren. Jomini wurde geschätzt als kundiger Berater, publizierte fleissig und bekleidete in fremden Diensten noch so manchen Posten, bis er 1869 starb. Auf dem Montmartre-Friedhof ist der General aus Payerne begraben, er gilt aufgrund seiner rund 30 Werke als einer der grössten Militärtheoretiker aller Zeiten.

Dienstag, 26. Oktober 2021

Ganz verschiedene Hunde

Niklaus Meienberg 1979. (Foto: Walter Rutishauser,
Bibliothek am Guisanplatz, Wikicommons)
Als 1798 Napoleons Truppen in unser Land einfielen, um die alte Ordnung zu kippen, kam auf Seite der Verteidiger der "Zürihund" zum Einsatz (danke für den Hinweis, liebe B.!). Ein Leichtmörser aus der Zeit des Dreissigjährigen Krieges. Der Zürihund hatte ein fahrbares Untergestell und eine zweirädrige Lafette, zwei Zürcher hatten das Geschütz erfunden, daher der Name. An dieser Stelle kommt mir der – heute weitgehend vergessene – Starjournalist Niklaus Meienberg in den Sinn, der 1993 aus dem Leben schied. Er machte sich 1986 über eine gemeinsame Kampagne der Stadt Zürich und kynologischer Organisationen lustig. Deren Slogan lautete: "Züri-Hünd sind Fründ."

Montag, 2. August 2021

Unser Schwyzer Holzhüsli

Die Rasthütte mit gemauertem Grill (und 1.-August-Schmuck) in der Sagenweid. 

In der Festung Ruestel am Sihlsee.
Euthal, Alte Festung (Bus) – Ruestelweidli – Sattelchöpfli – Sattel – Egg – Chleeriweid – Stöfel – Waldherren – Chrähwäldli – Egg – Bärlaui – Sagenweid – Eublätz – Euthal, Schulhaus (4 Stunden, je 665 Meter auf- und abwärts): dies die Angaben zu unserer Wanderung vom Samstag in der Nähe des Sihlsees, einer Runde durch die Hügel am Chli Aubrig, bestem Wandergelände. Eine Überraschung stand am Anfang, eine am Schluss der Unternehmung. Als wir am Morgen bei der Haltestelle "Euthal, Alte Festung" ausstiegen, sahen wir als erstes eine Tür im Fels. Ein Plakat informierte uns, dass wir vor der Panzerabwehr-Stellung "Ruestel" standen. Spasseshalber rief ich "hallo" durchs Gitter ins Dunkle. Stellte sich heraus, dass grad ein Mann von der Vereinigung, die die Festung erhält und betreut, drinnen war. Und so kamen wir zu einer viertelstündigen Führung, sahen alte Gasmaken, MGs, Funkgeräte. Soweit Überraschung Nr. eins. Nr. zwei kam gegen Ende der Wanderung, als wir fast unten in Euthal waren. Wir hatten Würste dabei zum Brätlen, hatten aber nirgendwo eine passende Feuerstelle gefunden, und überhaupt war das Fallholz nass. Und dann sahen wir bei der Sagenweid eine Rasthütte, überdacht, auf drei Seiten geschlossen und mit allem Drum und Dran versehen: fliessendes Wasser, WC, gemauerte Feuerstelle, Grillzange, trockenes Tannenholz. Luxuriöser kann man nicht grillieren. Es regnete leicht, wir sassen im Trockenen und assen. In unserem eigenen Schwyzer Holzhüsli.

Mittwoch, 14. Juli 2021

Das Haus des Generals

Das General-Wille-Haus nah der Challhöchi, 
rund 3.5 Kilometer nördlich von Eptingen BL.
Die Fortifikation Hauenstein ist ein Befestigungswerk des Ersten Weltkriegs im Gebiet Hauenstein-Belchen. Es richtete sich gegen eine mögliche Aggression aus dem Westen und Norden, manches von ihm ist im Solothurner und Basler Jura erhalten geblieben. Das General-Wille-Haus, das im Hügelland zwischen Challhöchi und Homberglücke steht, hat mit diesem Kapitel der Schweizer Militärgeschichte zu tun. Es entstand als Erholungsort für Wehrmänner, die im Dienst verletzt worden waren oder der Ruhe bedurften; im Gebiet der erwähnten Fortifikation wimmelte es naturgemäss von Soldaten. Später, in Friedenszeiten, diente das Haus als schulische Ferienkolonie, auch der Schweizer Alpen-Club (SAC) wirkte in ihm. 1950 brannte der Bau, der nach General Ulrich Wille benannt ist, ab, der Nachfolgebau hat sich bis heute gehalten. Schön ist er nicht. Aber zweckmässig. Im Winter wirtet in ihm der SAC, im Sommer nutzt ihn die Armee, die in der Umgebung den Schiessplatz Spittelberg betreibt.
General Ulrich Wille. Gemälde von
Ferdinand Hodler, 1916. (Wikicommons)

Dienstag, 13. Juli 2021

Soldatische Rast

Kurz nach der Homberglücke, Blick über das Gebiet des Unteren Hauensteins.

Hügeliland. Rechts hinten der Sendeturm Frohburg üher Olten.

Unterstand in der Homberglücke.
Ich habe noch gar nicht berichtet, welche Route ich letzten Mittwoch im Solothurner Jura genau machte, als ich meine neuen orangen Bergschühli einlief. Und wie es war. Hier der Nachtrag. Während ich an jenem Vormittag wanderte, regnete es. Nicht heftig, aber doch anhaltend. Ich startete in Olten, stieg auf zum Felsentörli und zur nahen Rumpelhöchi, war nun im typischen Juragelände, der Kalk unter meinen Füssen war enorm glitschig, ich musste aufpassen, vor allem auch auf dem nächsten, steilen und mit Baumwurzeln durchsetzten Abschnitt hinauf zur Homberglücke. Dort, am höchsten Punkt meiner Route, machte ich in einem verkommenen Unterstand – einem Armee-Unterstand, nahm ich an – kurz Pause, ass meine zwei Aprikosen, atmete durch. Der Abstieg führte mich über den Spittelberg zum General-Wille-Haus, ich querte militärisches Gelände, in dem zu gewissen Zeiten geschossen wird, ich war froh, gabs keine Sperrung. Via Challhöchi, Schmutzberg und Ebnet langte ich gegen Mittag in Läufelfingen an. Alles gut. Der Regen hatte aufgehört. Und die neuen Schuhe fühlten sich gut an. Zufrieden fuhr ich heim. (3 1/2 Stunden, 620 Meter aufwärts, 450 abwärts)

Mittwoch, 14. April 2021

Zwipf

Im Tagi sah ich vor wenigen Tagen ein Glossar mit Wörtern aus der Rekrutenschule. Ich fand es lustig. Hier vier Ausdrücke:

  1. Kebab-Chef. Tagesoffizier. Die Bezeichnung stammt von dessen Binde, auf der KC ("Kontrolle/Contrôle") steht.
  2. Picasso: der aushängende Wochenplan.
  3. Uböötlen: sich vor der Arbeit drücken.
  4. Zwipf: Zwischenverpflegung wie Früchte, Militärbiscuits oder Militärschoggi. (Foto: Hp. Baumeler /Wikicommons)

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Die Transitwanderung

Kapuzenmann Widmer in der Gondoschlucht.

Im Passdorf Simplon gabs Zmittag.
Verrückt und verrückt schön, diese fünf Gehstunden am Montag. Ich habe gestern schon geschildert, wie wir auf dem Simplonpass praktisch Winter hatten und uns im Abstieg nach Gondo den Herbst zurückholten. Die zweite Hälfte des Stockalperweges begingen wir, benannt nach Kaspar Stockalper, der im Barockzeitalter den Saumweg von Brig nach Domodossola zur ernstzunehmenden Handelsachse ausbaute und darob zu monströsem Reichtum gelangte. Überhaupt war der Transit das Thema unserer Unternehmung, wir sahen langgezogene Schnellstrassen-Brücken und uralte Wegkapellen und Susten aus der Maultierepoche, wir gingen mal auf napoleonischem Pflaster, mal auf Asphalt der Gegenwart, mal auf schmalen Weglein im Geröll, wir nahmen diverse Fussgängerstege mit Gitterrostboden, durchquerten zwei beleuchtete Tunnels des Militärs, nutzten auf einem langen Abschnitt aber auch die Galerie der Passstrasse. Und natürlich taten wir all dies in Gesellschaft der wildesten Berge, die sich gegen Ende zur Gondoschlucht verengten. Selten habe ich eine Wanderung mit derart vielen Attraktionen aller Art absolviert. 

Vor Gondo gingen wir auf dem Dach der Strassengalerie.
Die Sonne beleuchtete den Einschnitt des Zwischbergentals.

Einer der Fussgängertunnels von Fort Gondo.