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Donnerstag, 30. September 2021

Die Franzosenkehle

Die Witenwasserenreuss. Von
der Franzosenkehle habe ich
leider kein Bild gefunden.
(Foto: Rechentechniker/Wikicommons)
Franzosenkehle. Als ich das Wort las, sah ich gleich einen Mann vor mir, der grossen Durst hat nicht auf Wasser, sondern auf Wein, und ein Glas nach dem anderen leert. In Tat und Wahrheit handelt es sich um einen Gewässernamen; so heisst ein rechter Nebenfluss der Witenwasserenreuss, die bei Realp im Kanton Uri in die Furkareuss einmündet. Mit einer Deutung kann ich nicht aufwarten, frage mich bloss, ob "Franzosenkehle" auf die Zeit Ende des 18. Jahrhunderts zurückgeht, als Napoleons Truppen das Urnerland heimsuchten.

Dienstag, 12. April 2016

Selber kocken in der Capanna Cadagno

Ich meine es nicht bös, ich muss bloss immer grinsen, wenn ich solche Übersetzungen lese. Die beiden Müsterli habe ich von der Homepage der Cadagno-Hütte. Sie liegt oberhalb des Ritom-Stausees in der oberen Leventina.

Samstag, 2. April 2016

Wer ist dieser Fritz?

Heute wird es warm, und wir machen eine Rundwanderung ab Huttwil BE, unter anderem geht es zur Fritzenfluh. Jedes Mal, wenn ich den Namen höre, frage ich mich, warum die so heisst. Ist Friedrich Dürrenmatt gemeint, der «Fritz» genannt wurde und ein Berner war? Das kann nicht sein, denn der Flurname ist viel älter, zeigt der Blick ins «Neue Vollständige Ortslexikon der Schweiz» von 1862; dort ist er aufgeführt. Dann ist vielleicht der Alte Fritz gemeint, wie Friedrich der Zweite («der Grosse») von Preussen genannt wurde? Das ergibt auch keinen Sinn, denn wir Schweizer haben nicht die Gewohnheit, eigene Berge, Höger, Fluhen fremden Majestäten zu widmen. Bleibt wohl bloss die krude Theorie, dass es sich um einen ganz unprominenten Fritz handelt; südlich im Hornbachgraben gibt es ja auch ein Fritzenhaus. Der Fritz, der dort einst baute, lebt auf der Karte weiter - ein Gewöhnlicher ist unsterblich geworden.

Montag, 7. März 2016

Biryani in Laufenburg

You dirty Fricktal! Zwischen Chinz und Warthof. 
Relief an einer
Hauswand in Laufenburg.
Während das arme Tessin am Samstag einen halben Meter Schnee abbekam, hatten wir es im Norden vergleichsweise gut. Im Fricktal regnete es eine Zeitlang gar nicht und eine Zeitlang sanft, besonders kalt war es nicht, man konnte beschwingt wandern. 5 Stunden 36 Minuten Gehzeit nahm unsere Unternehmung in Anspruch, es ging gut 450 Meter auf- und abwärts, die Gegend ist charismatisch coupiert. Wir gingen in Eiken los, nahmen zuerst den Chinz und nach dem Abstieg nach Kaisten den deutlich höheren Heuberg. Wieder unten, diesmal in Laufenburg, stellten wir fest, dass dieses ein sehr touristen-unfreundlicher Touristenort ist, praktisch kein Restaurant hat am Samstag mittag offen. Immerhin fanden wr das Castillo gleich beim Bahnhof, wo es Pizza, Indisch und Mexikanisch gibt; der Wirt ist ein Pakistani. Wir hatten alle Indisch, ich mochte mein Biryani mit Pouletfleisch, die anderen waren auch zufrieden. Schön hernach auch die zweite Etappe: Wir folgten dem Rhein, wobei ein langes Stück Naturweg direkt am Wasser verlief, und wechselten bei Sisseln auf die Sissle, bis wir wieder in Eiken ankamen. Den Schlusstrunk nahmen wir etwas später in Frick im Biergarten gleich beim Bahnhof. Doch, das war gut. Und lustig fand ich das Ritual unserer baslernden Schwestern B., sich "Gritte" respektive "Gumsle" zu nennen; offenbar halten sie das seit Jahren so.
Am Rhein zwischen Laufenburg und Sisseln.

Sonntag, 6. März 2016

Drei Dinge, die der Wanderer wissen muss

Oh du magisches Säuliamt. Steinreihe
im Wald oberhalb von Herferswil ZH.
In der abgelaufenen Woche stand besonders viel Interessantes für Wanderer in der Zeitung. Drei Dinge seien erwähnt:

  1. Ende Monat kommt die Baubewilligung für Badens neues Bad samt flankierenden Bauten. Architekt Mario Botta steht hinter dem 160-Millionen-Franken-Projekt, mit dem die Attraktivität des Bäderquartiers gesteigert werden soll. Eröffnet werden soll das neue Thermalbad in zweieinhalb Jahren.
  2. Das Klanghaus am Schwendisee oberhalb von Unterwasser/Wildhaus kann vorerst nicht realisiert werden; es kommt nicht einmal vor das St. Galler Stimmvolk, nachdem es Anfang Woche vom Kantonsparlament versenkt wurde. Der Entscheid gegen das 24-Millionen-Projekt im Toggenburg kam überraschend, mitgespielt hat offenbar die Animosität zwischen zwei Regionen. Die Ratsmitglieder aus dem Linthgebiet stimmten zu einem guten Teil gegen das Klanghaus, weil die Regierung sich zuvor gegen einen Kantonsschulstandort in Rapperswil ausgesprochen hatte.
  3. Im Säuliamt, dem Zürcher Kantonsteil südlich der Albiskette, wimmelt es von Steinkreisen und Menhiren. Diese Woche berichtete meine Zeitung in einer grossartigen Reportage darüber. Vermeldet wird in dem Artikel auch, dass kürzlich im Bislikerhau oberhalb von Affoltern Hobbyforscher einen neuen, besonders prächtigen Steinkreis entdeckt haben. "Er ist meiner Meinung nach der eindrücklichste aller noch erhaltenen Steinkreise in der Schweiz und im grenznahen Ausland", sagt der Kenner.

Montag, 1. Februar 2016

Dänike

Homophonie auf Französisch.
Dänikon
Däniken

Ein Deutscher würde die zwei Ortsnamen unterschiedlich aussprechen. Aber auf Mundart klingen sie gleich, "Dänike".

Die Sprachwissenschaft nennt es Homophonie.  Und da wir nun so schön beim Thema sind, gleich noch der Gegenbegriff: Homographie. Der meint, dass Wörter gleich geschrieben, aber verschieden ausgesprochen werden. Ein Beispiel, diesmal ein hochdeutsches:
modern (Adjektiv: zeitgenössisch) 
modern (Verb: verwesen)

Montag, 14. Dezember 2015

Rundweg um den See? Haha!

Das Dezemberheft von "Schweiz - Das Wandermagazin" ist da, eine gute Sache an sich, wieder einmal bekomme ich eine Ladung Wandertipps aus allen möglichen Regionen von Aargau bis Jaunpass serviert. Schwerpunkt der Ausgabe ist das Wägital, eine meiner Lieblings-Wandergegenden, unvergessen die halsbrecherische Wanderung, die mich einst auf den Fluebrig führte, auch sie ist besprochen. Nur etwas Klitzekleines irritiert mich in dem Heft. Nämlich: Ich finde es jedesmal, wenn ich das Wägital hinauf reise, schade, dass der Bus ab Bahnhof Siebnen-Wangen nicht bis zur Südspitze des Sees fährt, in Innerthal am Nord-Ende ist Schluss. Mehrere Male schon musste ich auf Asphalt die knapp sechs Kilometer zurücklegen und hasste das umso mehr, als man am Strassenrand geht und permanent Autos an einem vorbeikarren. Richtig deprimierend ist das. Ich schrieb deswegen auch schon an den Verkehrsverein, info@waegital.ch. Eine Antwort auf die Frage, ob man je eine Verlängerung des Buskurses erwogen habe, bekam ich nie. Und nun lese ich also im Wandermagazin unter den Kurzinfos  zum Wägital folgenden Tipp für einen Dreistünder - und denke, dass er so nicht hätte erscheinen dürfen:
"Rundweg um den See Der schöne Spaziergang mit allenfalls Picknick und Badeplausch eignet sich dank Hartbelag für Familien mit Kleinkindern, Rollstuhlgängige, Velofahrer und Inlineskater. Einkehr in den Gasthäusern Stausee, Oberhof und Au (...)"

Montag, 16. November 2015

Das Wetter mit Frankenfeld

Grossartiger Schauspieler. Peter Frankenfeld, das - längst verstorbene - Urgestein deutschen Entertainments, mimt vor einer Karte Deutschlands den TV-Wettermann und imitiert Dialekte: Hamburg, Stuttgart, Leipizig, Breslau und gar Königsberg. Indem er das tut, lebt Grossdeutschland auf, was den Sketch 1973 zum Politikum machte.

Dienstag, 27. Oktober 2015

Das Cassonsbähnli ist nicht mehr

Gestern schockierte mich mein geschätzter Ressortkollege Ruedi Baumann im Tagi mit seinem Artikel über das Cassons-Bähnlein, die älteste Pendel-Luftseilbahn der Schweiz in Flims. Es hatte am Sonntag seinen letzten Tag und wird abgebrochen, die Konzession der Bahn aus dem Jahr 1956 ist ausgelaufen. Schade, wirklich schade, es war grossartig, mit der roten Gondel zu fahren, die den Fil de Cassons erschliesst, den Cassons-Grat hoch über dem Tourismusort; man sieht vom Grat aus auch so wunderbar auf die Tschingelhörner, an denen sich die Glarner Hauptüberschiebung grandios plastisch abzeichnet (siehe Foto). Das Bähnlein rentierte nicht, in Zukunft wird man die letzten 800 Höhenmeter von Naraus aus zu Fuss machen müssen. Wobei - es gibt Hoffnung. Wie eine neue Bahn 2019 oder 2020 aussehen und funktionieren könnte - man lese selber.

Samstag, 10. Oktober 2015

Schwarze Geröllhalde, wir kommen

Heute nehmen wir uns im Appenzellischen den Kamor vor, den Nebengipfel des rummeligen, mit einer Bahn erschlossenen und mit einem schicken Drehrestaurant bestückten Hohen Kasten. Kamor ist ein interessanter Eigenname, der keine alemannischen Wurzeln hat - er ist älter.  Mit der Camorra, der kriminellen Organisation aus Neapel, hat er nichts zu tun. "Gand" bedeutet soviel wie Schuttfeld, Geröllhalde, mit Steinen übersäter Boden, das Wort ist vorrömischen Ursprunges. Die zweite Silbe des Namens hat zu tun mit "moor" gleich schwarz, dunkel wie in "Maure" oder "Mohrenkopf", das Wort geht zurück auf das Lateinische "maurus". Und nun hoffe ich, dass der Himmel nicht schwarz wird, während wir unserem Berg zustreben. Später soll dann übrigens nach Rüthi im St. Galler Rheintal abgestiegen werden. Ich mag jene Aussenseite des Alpsteins, die man nie auf Bauernmalereien sieht.

Dienstag, 22. September 2015

Gott und der Hund

Ein weiterer Schnappschuss aus dem Kanton Waadt. In Orbe fotografierte ich vergangenen Dienstag das Schaufenster eines Hundesalons mit dem Schriftzug "Oh my Dog!" Ich fand die Umkehrung des Wortes GOD zu DOG lustig. Die Stilfigur darf noch als Palindrom gelten, auch wenn dessen strenge Form darin besteht, dass eine Buchstabengruppe von vorn und hinten gelesen dasselbe Wort ergibt: Lagerregal, Otto, Reliefpfeiler, Rentner.

P.S. In letzter Minute sehe ich, dass "Orbe" von hinten gelesen "Ebro" ergibt. So wird aus einem Schweizer ein spanischer Fluss. Faszinierend.

Freitag, 26. Juni 2015

Deutsch mit Göpf

Jemandem du sagen = ihn duzen.
Jemandem Sie sagen = ihn siezen.
Jemandem Ihr sagen = ihn ?

Bei Gottfried Keller, meinem neuen Hausfreund, fand ich das fragliche Verb kürzlich auf der allerersten Seite der "Züricher Novellen" im allerersten Absatz vor - ich hatte es bis anhin nicht gekannt und war ein wenig verblüfft:
"Gegen das Ende der achtzehnhundertundzwanziger Jahre, als die Stadt Zürich noch mit weitläufigen Festungswerken umgeben war, erhob sich an einem hellen Sommermorgen mitten in derselben ein junger Mensch von seinem Lager, der wegen seines Heranwachsens von den Dienstboten des Hauses bereits Herr Jacques genannt und von den Hausfreunden einstweilen geihrzt wurde, da er für das Du sich als zu gross und für das Sie noch als zu unbeträchtlich darstellte."

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Mauldürre auf dem Weissenstein

Schweigen, bisweilen eine Untugend.
Man kommt dieser Tage fast nicht nach mit Vermelden neuer Dinge. Bereits war hier die Rede von der frisch gestarteten Rotenfluebahn im Kanton Schwyz. Und von Basels nach Weil verlängerter Tramlinie acht. Womit mir bleibt, den Start der neuen Weissenstein-Gondelbahn anzukündigen. Sie nimmt am Samstag den Betrieb auf, und ich will sie möglichst bald testen. Was mir übrigens wie im Fall Rotenflue auch bei dieser zugehörigen Homepage auffällt: Sie ist nicht gesprächig und kundenfreundlich. Unaktuell ist sie. Der Winter findet auf ihr in Form von nichtssagenden Ankündigungen statt ("Schneesporttage"). Das Konkrete hingegen fehlt. Ich staune immer wieder darüber, wie muultüär* unsere Touristiker sind; meinen die denn, dass jeder ihr Gebiet und seine Routen kennt? Ich kann es nur ab und zu wiederholen: Das Internet ist die Werbegelegenheit, ihr Kleintouristiker. Wann begreift ihr das und packt genug Information drauf, die dem Auswärtigen Lust macht, so dass er zu euch kommt? Soll ich hinüber auf die Hasenmatt schneeschuhen, hinunter nach Gänsbrunnen waten, zum Hinter Weissenstein und retour promenieren; was ist gepfadet, was ist gespurt, was ist gefährlich? Die Sommerkarte hilft mir da nicht viel. Gebt mal Laut, Leute!

* Appenzeller Dialekt. Mauldürr, also wortkarg, einsilbig, verschlossen.

Dienstag, 8. April 2014

Noch vier Tage, dann öffnet der Moselsteig

So sieht der Moselsteig aus. (Pressebild)
Wandern und Wein trinken: Mit dieser Verbindung machte mir Spiegel online gestern den Moselsteig appetitlich. 365 Kilometer lang ist der neue Fernwanderweg und führt von Perl am deutsch-französisch-luxemburgischen Dreiländereck bis zur Mündung der Mosel in den Rhein bei Koblenz. Und wunderschön soll der Weg auch sein; jedenfalls haben ihn Tester der Europäischen Wandervereinigung bereits vor der Eröffnung in vier Tagen mit dem Prädikat "Leading Quality Trail - Best of Europe" ausgezeichnet. 1000 Wegweiser wurden übrigens aufgestellt, die Markierungen sind orange auf weissem Grund.

Sonntag, 6. April 2014

Glarner Englisch

Ist das nicht ein wenig lächerlich, dieses Halbenglisch: Sommertime? "Summertime" wäre korrekt, "Sommer" gefiele mir am allerbesten. Keep it simple, liebe Glarner!

Sonntag, 9. Juni 2013

Gute Nachrichten, quak!

Der Hula-Frosch, Latonia nigriventer. Meiner Meinung nach
sieht er ein wenig aus wie ein Stealth-Bomber.
Eine Meldung aus der Amphibienwelt: Seit 1955 wurde kein Hula-Frosch mehr beobachtet, 1996 deklarierte man das Tier offiziell als ausgestorben. Doch nun haben Forscher einen Hula-Frosch in seinem ursprünglichen Lebensraum in Israel entdeckt; er lebt ganz in der Nähe zu Syrien und Libanon, also in politisch heiklem, militärisch gesicherten Gebiet. Und es ist dieser Hula-Frosch eine ganz besondere Spezies: ein lebendes Fossil, mit keiner anderen heute lebenden Froschart verwandt. Vor 19 Millionen Jahren trennte sich des Hulas genetische Linie vom Rest der Population ab. Gross ist der Hula-Frosch im Übrigen; er wird bis neun Zentimeter lang.

Mittwoch, 27. März 2013

Stillstand in Lungern

Anfang Monat berichtete der "Beobachter", dass der Sessellift von Lungern-Schönbüel Gefahr berge. Die Betreiber, die mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen und mittlerweile statt auf Skifahrer auf Schlittler und Wanderer setzen, nehmen es mit der Sicherheit offenbar nicht so genau. Die Angestellten drängten vier Personen mit ihren Schlitten auf einen Vierersessel, so dass die Sicherheitsbügel nicht geschlossen werden könnten, schrieb die Zeitschrift. Ob der Betrieb deswegen gestern eingestellt wurde, ist mir unklar. Aber jedenfalls hat das Bundesamt für Verkehr einen Zwischenstopp verfügt. Die Verfehlungen hätten sich summiert. Gefahren werden darf erst wieder, wenn das Unternehmen geeignete Massnahmen ergreift, die Mängel zu beseitigen.

PS: Eben sehe, ich dass der "Tages-Anzeiger" die Geschichte heute bringt.
Ein Winterbild habe ich nicht: Lungern gegen 1900.
(Snapshots of the Past/Wikicommons)

Samstag, 5. Januar 2013

Wintergewandert? Gewinterwandert?

Unser Ziel: der Kronberg (Bildmitte). Hinten der Säntis. (Hansueli Krapf)
Heute winterwandern wir auf den Kronberg. Gestern schrieb ich im "Tages-Anzeiger" einen Artikel, in dem dieser Appenzeller Hoger vorkommt: Es ging um etwas, was ich in meinem Blog kürzlich schon vortrug. Nämlich: Kleine Skigebiete geben das Skigeschäft auf, weil die Bewirtschaftung der Pisten und Förderanlagen einfach zu aufwändig und teuer ist; stattdessen setzen sie auf Schlittler. Leider ist der Artikel online nicht greifbar, daher habe ich in für diesen Eintrag kopiert. Ein Aperçu: Mit meinem Ressortkollegen René ergab sich zu dem Artikel eine grammatikalische Diskussion. Er fand, die von mir gewählte Verbform "gewinterwandert" sei falsch, es müsse heissen: "wintergewandert". Wir konsultierten ein paar Tagileute, was aber auch kein eindeutiges Resultat erbrachte. Ein Redaktor erhob sich auf die Meta-Ebene. Er fand, beide Formen seien so hässlich, dass man sie nicht verwenden dürfe.

So, hier der Artikel:

Rodelpiste
statt Skilift


Das Obwaldner Skigebiet LungernSchönbüel warb in den letzten Jahren für sich mit dem Wort «Panoramawelt». Die geschäftlichen Aussichten verdüsterten sich allerdings zusehends – nun haben die Betreiber gehandelt: Als kürzlich die Wintersaison begann, blieben die Skilifte stehen. LungernSchönbüel hat sich vom Skigeschäft abgewandt. Stattdessen wird geschlittelt und gewinterwandert. Auch ein Hunde-Rundweg ist beschildert.

Gleiches ist am Kronberg passiert, einem weitherum bekannten Appenzeller Hoger: Traditionell fuhr man winters mit der Seilbahn auf den Gipfel, um Ski zu fahren. Doch in den letzten Jahren nahmen die Betreiber zu wenig ein. Dass Kinder den Lift gratis nutzten, brachte auch nicht sensationell mehr Kundschaft. Mittlerweile hat der Kronberg umgestellt. Diese Saison ist die zweite, in der er sich als Schlittel- und Winterwanderparadies darbietet.

Beide Beispiele zeigen den Kampf kleiner Skigebiete. Und das Grundproblem der Branche. Erstens sind die Einnahmen stark abhängig vom Wetter. So rutschte Meiringen-Hasliberg nach dem warmen, schneearmen Winter 2010/11 direkt in die Liquiditätskrise. Zweitens führt der hohe Frankenkurs in Kombination mit der Wirtschaftskrise dazu, dass viele Leute hiesige Anlagen meiden. Und drittens spitzt sich der Wettbewerb zu. Halten kann sich nur, wer dauernd investiert. Im Fall von Meiringen-Hasliberg fanden sich nach der Nachlassstundung zwei Unternehmer aus der Region, die Geld einschossen, etwa für eine Beschneiungsanlage.

Entweder man wächst: Im Raum Arosa–Lenzerheide und auch am Oberalppass zwischen Andermatt und Sedrun wollen Skigebiete fusionieren. Oder man versucht sich mit einem schlauen Konzept zu positionieren: Meiringen-Hasliberg möchte speziell Familien ansprechen. Oder man lässt vom Skiwesen ab und setzt auf das Schlitteln und das ökologisch sanftere Winterwandern; beides braucht weniger Arbeitskräfte und Aufwand.

Auf dem Kronberg, der laut Eigenwerbung die längste Schlittelpiste der Ostschweiz bietet, war die erste skiliftlose Saison ein Erfolg: An Spitzensonntagen trug die Bahn über 1000 Schlittler in die Höhe.
(TA, 4. Januar 2013)

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Kronberg ohne Ski

2009, unterwegs zum Kronberg auf der Skipiste. Sie gibt es nun nicht mehr.
Ich hatte das nicht mitbekommen, mein Bruder erzählte es mir beiläufig: Auf dem Kronberg, einem jener Appenzeller Höger, die mit einer Seilbahn erschlossen sind, wird neuerdings nicht mehr Ski gefahren. Der Betrieb rentierte nicht, auch - oder schon gar - nicht, als man ihn für Kinder gratis machte. Und dewegen ist der Kronberg nun ein reiner Schlittel- und Winterwander-Berg. Gut so, finde ich, wir werden diesen Winter vom Jakobsbad mal hinaufsteigen, die Sache inspizieren und es dabei geniessen, nicht auf Schritt und Tritt Ausschau halten zu müssen nach Skifahrern, die ihre Bretter nicht mehr unter Kontrolle haben und einen über den Haufen zu fahren drohen.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Ein Skigebiet gibt auf


Das Skigebiet Lungern-Schönbüel ist nicht mehr.
Vor kurzem las ich eine recht erstaunliche Meldung. Das Skigebiet Panoramawelt Lungern-Schönbüel gibt den Skibetrieb auf. Am 22. Dezember wäre Saisonbeginn, die Homepage wirbt mit Traumpisten, doch die Lifte werden nicht fahren. Grund ist simpel, dass die Panoramawelt die jährlichen Fixkosten von 350 000 Franken nicht mehr zahlen kann und will. Die Betreiber möchten nun das sommerliche Wanderwesen fördern und im Winter allenfalls sanfte Sportarten wie Schneeschuhlaufen und Winterwandern forcieren. Mir ist das allemal sympathischer als die Pläne, die vor zwei Jahren herumgeisterten - ich berichtete damals in diesem Blog über die Idee, auf 2000 Metern über Meer auf der Alp Schönbüel für 170 Millionen Franken eine gigantische Amüsieranlage zu bauen mit Panoramarestaurant, Disco, Festarena für 1200 Menschen, Shoppingcenter, Wellnesstrakt, Hotel, Kinderhort und Indoor-Garten unter einer Glaskuppel. Nun gibt es mehr Stille statt mehr Rummel, gut so!